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Iu0öa, Dienstag, den 8. April 1902.
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wenn auch nicht das Herz und be^ Verstand der Protestanten, Freidenker und Freimaurer zu ge» ivlnnen verstanden. Aus seinen Briefen und Reden spricht ein Geist zu uns, der sich redlich demüht, die moderne Weltanschauung, ihreGrund- lagkn und Leitgedanke» zu erkernm und nach einer «ewffe« Fühluna mit ihr ,u strebe».... Wohlthuend fällt dre Ruhe und Würde auf, mit sh RS Sİ XIic iw b« ersten Hälfte seines Rundschreibens über die Gegenwmt, ihre An- schauunflen und Bestrebungen aus-pnchr. Er enthalt sich der Schmähurize« und Verwünschu». gen der Rrformotoren und Philosophen, der Verketzerung des LaisnstaateS und der Wissen- schäft. Velen frommen und nachdenklichen Gr- müthern, auch unter de» Protestanten, werden seine Mahnungen über die tttnere Leere und O/öe, die Genußsucht und die Eiteik-it, die 11a. rast und das Unbefriedigte des modernen Treibens wie der Widerhall eigener Gedan- ken und Empfindungen klingen...."
Nachher kommt natürlich auch bei der 'N^ional Zkitung' wieder der Pferdefuß zum Vorsche.n Aber auch sie hat eigentlich weiter nicht- an dem Rundschreiben zu tadel», als daß
P^pst »in der Welt nichts ErhabrnerrS sieht, als dis katholische Kirche . . .*, daß er letn Wort desTadelS hat gegen die Gesellschaft J^u, diese gefährlichste und verderblichste religiöse S-kte, die es jemals gegeben hat. . ." und daß „der Anspruch des Papstes bestehen bleibt auf die religiöse Herrschaft und auf daS Rlchteramt in allen Sachen des Glaubens und der Sitte ..." Sonst hat auch die auS- gesprochene kirchenfemdltchr «National. Zeitung' : oem heil. Vater nichts vorzuwerfe»! Daß sie i dabei nach beliebter Manier dem Katholizismus ! oon ^ute Fehler verwirft, dis im Mittelalter 1 gemocht worden sind, aber auch nur nach dem"
Leiste der Z;it von damals, nicht wieder das 1 bessere Wissen der Päpste jener längst v .rfloffenen ' JatzryunLrrto, versteht sich beinahe oon selbst.
Und wen» znax nicht mehr weiter kann, so fängt man wieder van vorne an! — das gilt auch davon. Die Feinde der Kirchs können ihr b?= gründet« Vorwürfe nicht machen, deswegen greifen sie immer wieder in jenen alten Bestand zurück, ohne freilich auf diese Weise „her. Verstand der verständige» Protestarttrr, Freidenker und Freimomrr zu gereimten . . .** Mit dem ahen Eisen ist nichts mehr onzufanse». Wer aber seinen Mderspuch gegen das Papstthum daraus begründet, daß der gegenwärtrse Blatt. Halter auf dem Stuhle Pstri „kein Wort dkS Tadels hat" gegen die „religiöse Sekte der Gesellschaft Jesu", der macht sich dadurch außerordentlich lächerlich, denn er beweist mit überraschendem Erfolge, daß er keine blaffe Ahnung Hot von dem Wesen der Dinge, über die er sich ein Uriheil anmaßt.
So bleibt für den ernsthaften und fachgemäßen Beurtheiler dieser Kritik an dem „Testa- mente des hl. Vaters" und aller übrigen ähnlichen Kundgebungen nichts weiter davon übrig, als daß der hl. Vater damit „vielen Gemüther» auch unter de» Protestanten" den „Widerhall eigner Gedanke» und Empfindungen" erweckt hat • und das ist i» dem Munde solcher kirchmfeind- licheu Leute eine Anerkennung, wie man fie vor» läufig nicht kräftiger erwarten kann. Je mehr unter den verderblichen Einflüssen des modernen Materialismus und Unglaubens Umsturz, Un- fittlichkeit und soziale Fäulniß fich entwickln und verbreitsn werden, desto mehr wird fich die Christenheit der erneuten Emheit nähern. Papst ‘ un8 die rechten Wege gewiesen, : die früher oder später zu diesem Ziele führen i werden, und mag es heute auch noch so entfernt sein! 1
gesellen-Sodalität. Sein Wort, hervorquellend aus der Fülle tiefinnerster Ueberzeugung, durchglüht von Begeisterung für die Sache der heiligen Kirche, umgeben vom Glanze geradezu klassischer Beredtsam- keit, wußte den Eifer der Glaubenstreuen zu entfachen, wie er manchen für die katholische Wahrheit wieder- gewann.
In die Diözesanverwaltung wurde er 1882 als GeistlicherRathund Mitglied des Generalvikariats durch das Vertrauen des damaligen Bischofs von Fulda, nunmehrigen Kardinals und Fürstbischofs von Breslau Dr. Georg Kopp berufen, dessen Werthschätzung und Liebe ihm auch nach dessen Erhebung auf den fürstbischöflichen Stuhl verblieben und zu nicht geringem Tröste in den letzten Leidensmonaten gereichten. Der Nachfolger Sr. Eminenz, Bischof Joseph Weyland, erhob ihn 1889 zur Würde eines Domkapitulars. Bischof Georg Ignatius Komp ernannte ihn zum Gen er al vikar. In dieser Stellung trat er unter dem hochw. Herrn Bischof Adalbertus wieder ein, nachdem er während der Sedisvakanz vom 13. Mai bis 28. Oktober 1898 als Kapitular- vikar die verwaiste Diözese verwaltet hatte.
Einer späteren ausführlicheren Darstellung seines Lebens und Wirkens wird es eine dankbare Aufgabe sein, zu schildern sein treues Festhalten an den kirchlichen Grundsätzen, seine Klarheit und Schärfe des Urtheils, seine Gewandtheit und äußerst gewissenhafte Pünktlichkeit in Erledigung der Amtsgeschäfte, seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, den unermüdlichen Eifer, mit welchem er vier Oberhirten unseres Bis- thums die Bürde des Hirtenamtes tragen half.
Mit gleicher Hingabe erfüllte er die Obliegenheiten eines bischöflichen Kommissarius für das
Gestern Nachmittag verkündete Trauergeläute vom Thurme der Kathedrale der Stadt und Diözese Fulda, daß der hochwürdigste Herr Protonotarius apostolicus s.i. p. Philipp Engel, Domdechant und Professor, verschieden sei.
Der Entschlafene war zu Fulda am 12. März 1830 int Schooße einer geachteten Bürgerfamilie geboren. Er machte seine Studien an dem Gymnasium upd Priesterseminar seiner Vaterstadt. Schon damals berechtigte er zu den schönsten Hoffnungen, wie aus dem vielsagenden Urtheil seines Regens Dr. Laberenz hervorgeht: Ingenium perquam bonum, mores integri, laudabiles in litteris profectus (sehr gutes Talent, sitlenreiner Wandel, lobenswerthe Fortschritte in den Studien). Am 19. März 1853 zum Priester geweiht, erhielt er seine erste Anstellung als Kaplan in der hiesigen Stadtpfarrei, wurde später als Domkaplan und darauf als Dompräbendat an der Kathedrale angestellt und durch den hochseligen Bischof Florentius Kött als Lehrer an das bischöfl. Knabenseminar berufen. Der traurigen Tage des Kulturkampfes, die dem Verstorbenen große Entbehrungen auferlegten, wollen wir hier nicht ausführlicher gedenken. Nach der Wiedereröffnung des Priesterseminars 1886 setzte er die ihm so lieb gewordene Lehrthätigkeit fort, welche er bereits von 1869 bis 1873 ausgeübt hatte. Diese erschien ihm so sehr als Lebensaufgabe, daß er in seinen letzten Tagen, selbst auf die dringendsten Vorstellungen und Bitten wohlmeinender und hochgestellter Freunde, sich zu schonen, davon nicht abließ.
Neben seinem Lehramts widmete er sich 22 Jahre hindurch 1864—1886 mit der ganzen Kraft seines Geistes und Willens dem Predigtamt als Präses der hiesigenMarianischen Bürger- und Jung
hiesige Kloster der Benediktinerinnen, denen er sich nach der Rückkehr aus ihrer Verbannung in schwerer Zeit als treuer Berather und umsichtiger Verwalter erwies.
Mit Rücksicht auf seine hervorragenden persönlichen Eigenschaften wie auf seine Verdienste in den verschiedensten kirchlichen Aemtern zeichnete ihn 1898 Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. mit der hohen Würde eines apostolischen Protonotars aus, wie ihm vorher von feiten Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II. die Insignien des kgl. preußischen rothen Adlerordens IV. Klasse verliehen worden waren.
Vor nunmehr zwei Jahren zum Domdechant durch das hochw. Domkapitel gewählt, war er auf die Ausschmückung der Kathedrale bedacht. Zeugniß dafür sind die beiden kunst- und stilgerechten Tabernakel, in denen er. dem von ihm in täglichen Besuchungen verehrten eucharistischen Heiland zwei würdige Wohnungen Herrichten ließ. Seine letzte priesterliche Thätigkeit sollte er noch am verflossenen Samstag . in der kirchlichen Weihe des Tabernakels am Hochaltars vornehmen. So können wir hoffen, daß derselbe Heiland, dessen Interessen er sein Leben geweiht hat, ihm auch eine Wohnung im Hause des Vaters bereitet haben wird.
Ihm, dem Priester makellosen Lebens, heroor- leuchtend durch Liebe zum Gebet, Wandel in Gottes heiliger Gegenwart und unermüdlichem Arbeitseifer, schwer geprüft am Lebensabend in der Schule des Leidens, wird die Diözese Fulda ein dankbares Andenken bewahren. Die Vielen, um deren priesterliche Ausbildung er sich Verdienste erworben hat, werden bei dem hl. Opfer seiner eingedenk fein. Er ruhe in Frieden!
[] Em neuer großer Erfolg des hl. Vaters.
„Das Testament des Papstes" hat in diesen Tagen die Runde durch die Preffe gemacht — diese Bezeichnung ist bekanntlich, und nickt mit Unrecht, dem letzten, vom Tage des hl. Joseph datirten Rundschreiben des hl. Vaters betgelegt worden, daS an alle Patriarchen, Primaten Erzbischöfe und Bischöfe der Christenheit gerich' -tet ist.
Nicht etwa nur die katholische Preffe bat fich mit diesem Rundschreiben beschäftigt. Auch sehr v>ele andere, nicht katholische, und sogar unmittelbar kirchenfeindliche Organs widmen diesem Rundschreiben ausführliche Betrachtungen. Es srhlt ja auch nicht an hämischen Bemerkungen darüber. Aber aus allen vorliegenden Aeuße- rm'gen der nicht katholischen Preffe ersteht man Aar und zweifellos das Sine, daß das „Testament des hl. Vaters" auch außerhalb der katho- lischen Kirche einen tiefe» Eindruck hinterlassen hat. Und welches sind die Hauptpunkte darin? Der moderne Kulturkampf und die Einiquna der Christenheit in der katholischen Kirche. Und dennoch können gerade auch diejenigen ihre Bewunderung für den Oberhirten der Christen- hstt und für sein Thun nicht unterdrücken, die diesen Kulturkampf fördern helfen*und die Einigung der Christenheit als einen phantastischen Traum verspotten.
„Auch wer richt zur katholischen Kirche gs- hört und das Wesen deS Chrrstenthums außerhalb ihres Bannkreises sucht und findet, wird de» Auseinandersetzungen des Papstes nicht ohne Theilnahme folge» so urtheilt die kultur- Kämpferische.Berliner Nationalzeitung', um alsdann in folgender Weise forttuiohrsn: In seiner lang-» Rgierung hct L-o XIII. fich das Ohr,
Demschss A-ich.
Berlin, 7. Ap-il 1902.
• * f.-tr Oral-r» NofKösrvsk,.
Die Osfizuffen verbreiten eine Meldung über de» Lujeutdalt des StasttftkretärS Grafen iW dowsky in Stuttgart und über dis Ergebnisse der dort abgeha'lenen B.'prschungen, in der die Hauptsache folg n^sr Satz ist:
'-Man ist auch tn Württemberg mit der Reichste stsrung da-über völlig einig, daß em Ab we ichen Bnii dem in der Frage der Ge- treidezsüs eivqenomn>ine» Standpunkte gänz. Uch aurgefchlosse', ist. . . Das tn der piefie verbreitete Gerücht, al« hätte die Mission dcff-rdom ty darin bestanden, die iüdi eut.chen Mgierungen in der R-chtung eine« Zilg»standniffes an dm KomproAißantrag der Rechten zu beeinflussen, wirb von bester Seite al» Mr Begründmrg entbehrend bezeichnet." S? 1 ,1“ lagen < ist bereit« gesagt worden.
Alle« Uebrtge wird sich ja in der Zolltartf-Kom- mijfion de« Reichstages und in dessen Plenum spater finden. Nach dreien Vorspielen au« München und Stuttgart har man dasselbe au« Karlsruhe zu erwarten, wo Staatssekretär Graf Posa- dowsky am Sonmag eingetroffen ist. Nach der Meldung eine« einzelnen Blattes soll beabsichtigt 'n”' lu der Zolltarif-Kommission de« Reichstages den Grafen Pofadowsky sofort nach dem erneuten Zusammentritte der KommiNo« über den Zweck und über die Ergebnisse seiner Osterfahrt zu tnterpelliren. Die Absicht ist, wenn sie besieht, ganz gut. Aber ob der gewünschte Zweck damit erreicht werden würde, erscheint recht fraglich. Graf Posadoweky wird schwerlich die politischen Karten der Regierung vor der Zolltarife Kommisfiöil und bemtt auch vor der Ö ff-nt- lichkeit anfdecken. Uebtigeui kommt die Satze ja
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