Fuldaer
29. Jahrgang.
Iuköa, Samstag, dm 5. April 1902
JK77.
Srscheint täglich, ei. Ausnahme der
gefunden haben? Das würde nichts Anderes fein als eine recht kräftige Taktlosigkeit gegen die Regierungen von Württemberg und Baden Auch deswegen kann die Mittheilung de« Münchener Anzeigenblattes nur mit großem Mißtrauen ausgenommen werden.
Aus weit besseren und zuverlasstgeren Quellen haben wir gerade in der neuesten Zeit mit Be- Ummtheit versichern hören, daß auch die Regierung noch nicht das letzte Wort über die Getrnde- zölle gesprochen habe, daß vielmehr einzelne Minister im Gegentheil in vertraulicher Weise einzelne Erhöhungen der Getreidezollsätze des Re- gierungsentwurfer in Aussicht gestellt haben. Deswegen müssen wir uns zunächst daran halten, was wir selbst von durchaus unterrichteter und zweifellos zuverlässiger Seite vernommen haben und die Behauptungen des liberalen Münchener Anzeigenblattes als unzuverlässig von der Hand weisen.
Wenn auch die bayerische Regierung den Börsenjobbern den Gefallen thun und die noch gar nicht hinreichend ausprobirten Bestimmungen des Börsengesetzes über die Terminspekulationen zum Gegenstände einer neuen Gesetzesvorlage -machen will, so steht es bei ihr, das zu thun. Man wird ja dann sehen, was der Reichstag dazu sagen wird. Uebereinstimmend wird übrigens angenommen, daß der Reichstag in diesem Frühling nicht mehr mit der Börsenfrage be- lastet werden wird. Wichtig ist es, zu wissen, daß in neuester Zeit die Gerichte sich mit Fällen zu beschäftigen hatten, h denen nachgewiesenermaßen auch unmittelbar verbotene Termin- spekulationen mit Getreide an der Ber- liner Produktenbörse stattgefunden hatten. Brs- ,er handelte es sich bei den Entscheidungen oer Berichte nur immer um Prozesse wegen der Erhebung des Differenzeinwandes bei Spekulationen mit Papieren. Aus diesen neuesten Fällen ersieht man klar und deutlich, daß die Jobbere» sich gar nicht scheut, die unmittelbaren Verbote des Börsengesetzes unbeachtet zu lasten. Wie man aus diesen Thatsachen den Schluß ziehen kann, es sei eine gesetzliche Aenderung notbwe^rg zu Gunsten der Spekulation und Jobberei ist dem beschränkte» Unterthanrnverftande vollkommen unbegreiflich. Es ist zu vrrmuthrn, dos auch die Herren Minister sich vergebens bemüh a, darin eine Aenderung hervorzurufen.
Kört sogar manchmal aus geweihtem Stande die Frage nicht bloß, sondern die bestimmte Behauptung: ich brauche keinen Volksverein, denn ich habe keine Sozialdemokraten. Demgegenüber sage ich, der Volksoerein soll und will sein der Verein aller Vereine, er soll das weite Himmelsgewölbe sein, das sich wölbt über den Palästen und Hütten der sämmtlichen übrigen katholischen Vereine, und ich sage ferner: wenn Du als Katholik allen möglichen Vereinen angehörst, und du gehörst dem Volksverem nicht an, so hast du die Pflichten eines deutschen katholischen Mannes nicht erfüllt! Md wie die Katholiken Deutschlands alljährlich ihre große Herbsthrerschau veranstalten, so sollen die Katholiken-Versammlungen sich in Permanenz, erklären im katholischen VoMoerein. Erst wenn das geschieht, wird auch die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands die Frucht bringen, die sie bringen kann und bringen soll. Für die politische Organisation des katholische« Volkes ist gesorgt durch das Centrum; für seine soziale Organisation muß, soll und will sorgen der Volksverein ... Ich habe so manches gehört, was an sich geeignet sein könnte, mich pessimistisch zu stimmen; aber mein Optimismus gibt mir auf die Frage: Was sollen wir thun unter den gegenwärtigen Verhältnissen? immer wieder die Antwort: Muthig voran! Gearbeitet und gekämpft im Volksverein fürdas katholische Deutschland! Der Feind, wenn er auch noch so übermächtig erscheint, er ist bereits im Weichen; das neue Jahrhundert gehört nicht ihm, es gehört und muß gehören Jesu Christo und der katholischen Kirche!"
einspaltige Peui- «ci£e ober bereu Ranml5Pfg.,Rr- tiamen bis Pikt« »eile 26 P?g.; bei Wiederbolungen wird entsprechens y.abati gewahrt.
Sn4 se» »«tas t*» Xdftiri.Ti*-«* petrwaS« H*. e ifcarwiiM.
• Zur Reise des Grasen Posadowsky.
Die Münchener Neuesten Nachrichten' haben es gebracht und das Wolff'sche Telegraphenbureau hat es weitergegeben, daß die Verbündeten Regierungen keinesfalls über die Mindestzölls für Getreide hinausgehen wollen, wie sie der Re- gierungsentwurs des Zolltarifes vorsieht. Bei den Unterredungen zwischen dem Staatssekretär Grafen Posadowsky und den bayerischen Ministern ist «ach der Meldung des genannten Münchener Blattes „eine Uebereinstimmung in allen wichtigen Fragen unserer Zoll- und Finanzpolitik erzielt worden". Insbesondere soll dahm „die lieber- zrugung gehören, daß der in der Zolltarif- Kommission kundgegebene Standpunkt der Reichsregierung, keinesfalls über die Minimalzölle für Getreide, wie sir der Regierungsentwurf vorsehe, hinauszugehen, nach wie vor als unerschütterliche Grundlage der vom Reichskanzler vertretenen HandrlSoertragspolitik anzusehen fei — und ferner die Ueb erzeugun g von der Nothwendig- keit einer Reform der Börsengesetzgebung."
„Ueberzeugung" ist eine schöne Sache. Aber in der Politik kommt es vor, daß man auch nicht ganz nach seiner Ueberzeugung handeln kann, sondern zusrieden fein muß, wenn man nur einen Theil dieser Ueberzeugung zur Geltung bringt. Namentlich das Centrum wird sehr oft durch die Regierung und durch andere Parteien in diese unangenehme Zwangslage hineingedrängt, und eS ist gar nicht einzusehrn, warum denn nicht auch einmal der Bundesrath in die Lage kommen sollte, seine Ueberzeugung derjenigen anderen Ueberzeugung unterzuordnen, die getragen ist von den Vertretern einer weitaus über- wiegenden Volksmehrheit im Reichstage. Diese andere Ueberzeugung steht auf dem entgegengesetzten Standpunkte, daß nämlich die Mindestsätze der Getreidezölle nach dem Regierungsvor- schlage ungenügend sind, und es würde ganz einfach dem Geiste der Verfassung widersprechen, wenn der Bundesrath hartnäckig und unerschütterlich im Gegensätze zu der im Reichstage oer- tretenen starken Volksmehrheit auf der voll- kommen unveränderten Beibehaltung feiner Zollsätze bestehen wollte.
Was die Münchener Neuesten Nachrichten' sagen oder nicht sagen, kann ja übrigens ganz und gar nicht als ausschlaggebend oder irgendwie maßgebend betrachtet werden. Und wenn Gras Posa- dowrky gewisse Dinge an die grobe Glocke bringen wollte, dann sollte er sich doch jedenfalls ein anderer Vermittelungsorgan dazu ausfuchen, al- gerade dieses. Außerdem aber berührt der Um- siand sehr eigenthümlich, daß wirklich der Staatssekretär und die bayerische Regierung solche Veröffentlichungen sollten veranlaßt haben, bevor die entsprechenden Unterredungen des Grasen Posa- dowrky in Stuttgart und in Karlsruhe statt-
Recht für die Kirche und das Rerch. stnli
Der Trauer, daher nicht mehr ist,.barfbei Stoll zur Seite stehen, daß er unser gewesen ist und bleiben wird immerbar. h,.
Mir ur.8 und mit unserem Bolle trauern an der Bahre neben ben Männern der Kirche bte Männe des Staates um ben eblen Sohn des deutschen Vaterlandes- Das Bewußtsein dieser allgemeinen An theilnahme möge Ihnen den Trost gewähren, dessen Eie an der Leiche des geliebten Gatten in so h°h-m Maße bedürfe», in Verbindung mit dem Gedanken, daß er den Stempel wahrer Größe, die feliftlojette Uneigennützigkeit mit sich ins Gcab n'.mmt.unb mit ber demüthizen Ergebung m be» hl. SiH«» «»f«” GstteS, dem er zeitlebens gedient, dessen unersorschkcher, aber weiser Rathschluß seinen Muhen, Arbett - Leiden so früh ein Ziel gesetzt »nb dessen « rechttgkett ihm seinen Antheil an ben htmmltschen Freuden schon ,e“ -»d ..HM- 8.«,
„ ,h„te
In tiefster Verehrung und treuester dankbarster
Dentsches Keich«
Berlin, 4. April 1902.
* An der Bahre deS Abg. Dr. fielet mögen gewissermaßen als daS Vermächtntß des Heimgegangenen Führers die Mahnungen besondere Beherzigung finden, die Dr. Lieber auf der Generalversammlung deS Volks- Vereins für daS katholische Deutschland zu Osnabrück im vergangenen Herbste an die deutschen Katholiken gerichtet hat. Er sagt a. A.: Menn der Volksverein auch fernerhin auf der alten Zahl von 180 000 Mitgliedern stehen bleiben sollte, so wäre das eine Schande nicht nur, es wäre angesichts der Lage, die uus heute geschildert worden ist, eine Gefahr für die Katholiken Deutschlands! Man hört oft die sie erwartungsvoll in des Vaters Gesicht. Kurz und hart, mehr Befehl als Bitte, kam es von ihren Lippen:
„Erzähle!" . _
„Seit Jahren schon, fast so lange als Du lebst," begann der Alte zu erzählen, „holten wir zu Sechsen Salz für den Kaufmann Kemann in Warendorf aus dem Hamiooer'fchen herüber. Der Alte, ein roffmirter Schmuggler, führte oftmals selbst die Züge, mittelst deren fünfzig Sack und mehr herüberkamen. Er wurde krank und fein Sohn Bernard sollte mitgehen, da er schon früher einige Züge gemacht hatte. Sin großer Z«g unter ihm mißlang, und er weigerte sich, weitere zu machen. Wir verhandelten mit dem Alten, der uns das nöthige Geld gab und versprach, uns seinen Wogen, den der Sohn oder der Knecht führen sollte, bis Laer entgegen zu schicke». — Beide blieben aus, in dieser Nacht war e», als sich Dein Bruder und der Oberkontrolleur gegenseitig verwundeten/
„Wie ich ihn dafür Haffe, den schwarzen Bösewicht!" zischte Stephanie dazwischen.
Der Alte, ganz in die Darstellung seines Gegenstandes vertieft, hörte davon nichts
Mit Ach und Krach haben wtr noch eine Zeitlang gearbeitet, da bekam der alte Kemann etncn Schlaganfall, der ihn sprachlos und lahm machte, der Junge ließ sich auf nichts mehr ein, und gestern Abend, als wir zu sechs bri chm waren, und ihm Vorstellungen machten, nannte er uns den Grund: Seine Schwester Elise sei schon seit Monaten mit dem Obsrkontrolleur ver- lobt, und um deren LebenSglück zu sichern, wolle er nichts mehr mit uns zu thun haben . . ."
§»!»»»»»» »hneBrmgerlohn und Bestellgeld in Ciba und aus« rttlMSÜPf.
Der Wüter Schuld.
Original-Roman von Fr. Coll et.
87 ------(Nachdruck verboten.)
Nach einem Gedanken suchend, dessen Eiörte- rung vielleicht ein Gespräch zu Gange bringen könnte, saß er lange sinnend, nicht beachtet von dem Mädchen neben ihm, das mechanisch seine Stbeit verrichtete.
Er sand keinen Anknüpfungspunkt, der ihn auf da» Thema hätte bringen können, dessen Erörterung ihm nahe lag, als das letzte Wort Stephanie'S, welches wie eine fürchterliche Anklage auf seiner Seele lastete.
„Deine unsinnige Liebe zu jenem Menschen wäre auch ohne unser Zuthun aussichtslos gewesen, Stephanie," hob er, halb zitternden Tones an, „der Oderksntrolleur war damals, als Du ihn zu Hause trafst, bereits verlobt."
Aus die sade Ausrede hättest Du Dich eher besinnen sollen, wenn sie Wirkung hahen sollte," warf die Tochter in einem Tone hin, der nur zu deutlich erkennen ließ, wie wenig Glauben sie den Worten deS Vaters deimaß.
Aber Mädchen," betheuerte Kimper, „wenn ich es Dir sage, es ist die reine Wahrheit, ich habe es gestern Abend von seinem zukünftigen Schwager gehört"
Der bestimmte Ton, in dem diese Bktheue- tung gesprochen wurde, wirkte; Stephanie, die bisher knieend vor dem Schwanke gehockt, erhob sich, legte die Arme auf ben Rücken und sich ml den Händen auf die Tischplatte stemmend, sah
* Die K-U-id-adr-ss- der Sentemms- an Irsrr Ar. Lieber. Die Bei- leidsadreffe der Centrumsfraktion des Reichstages und deS Abgeordnetenhauses, welche der Frau Dr. Lieder am Donnerstag von einer Deputation Überreicht wurde, hat folgenden Wo-1laut:
Hochverehrte Frau Doktor!
Güädige Frau!
Die Todtenkluge um ben so schwer Entbehrten und nun für immer Vellore»«» v-reinigt heute vor Ihnen bte Mitglieder unv Hospitanten der EentrumSfraktionen be» Deutschen Reichstage» und deS Preußischen Hauses ber Abgeorbneten, nicht um ihrem eigene» Verlust und ihrem eigene» Schmerze AuSbruck zu geben, sondern um der hochverehrten, tiefgebeugten Gemahlin deS theuern Führers die Theilnahme unb Dankbarkeit zu bezeugen, welche wir ihr schulden. Au» de» Verstorbenen Munde wissen wir, wie groß ihr Antheil an dem gewesen, was er uns geworden war. Und wenn er bei uns an»harrte, als schon die mörderische Krankheit feine körperlichen Kräfte auf,e,ehrt hatte, so haben wir darin sein Vertrauen auf „die starke Frau" bet hl. Schrift geehrt, die das Haus allein ver- waltend, ihren Mann aufs öffentliche Leben unb auf die Aufgabe» weist, die er dort zu lösen hat, .der Edelsten Einer in ben Versammlungen, wenn er sitzet unter ben Gesetz,ebern beS Landes". Und weil er durch Sie, gnädige Frau, ganz der Unserige geworden ist, darum fühlen wir uns Ihnen ganz hin,egeben in inniger Anthetlnahme, in der dankbarsten Beipflichtung. Nehmen Sie ben Ausdruck dieses Dankes hin, der nie erlöschen wird und der nicht ist der unsrige allein. Denn mtt unb durch un» dankt Ihnen das katholische Volk in Deutschland, in Deutschland nicht nur, sondern in zwei Welten. Mit un» trauert eS um den Verlust seines herv»rra,endsten Vor-
Weitrr kam der alte Mann nicht, seine Tochter war zu ihm hingestürzt, hatte mit ihren Hagern Fingern seine Schultern ergriffen und stand nun vor ihm; weit aufgeriffrne Augen, zitternde Nasenflügel, keuchender Athem zeigten ihre Erregung: scharf gruben ihre Finger sich in das Fleisch der Schultern ihres Vaters, in seine Augen bohrte sich ihr Blick, als sie stockend fragte:
„Eires Schmugglers Tochter und Schwester, gleich mir?"
„Gewiß," stammelte der Gefragt«, ganz im Banue der furchtbaren Aufregung, die sich seiner Tockter benächritzt hatte.
Langsam lösten sich des Mädchens Hä«,ds von seinen Schulter», mit einem nervösen Kopsschöt- telu schien sie Klarheit in ihre Gedanken dringen zu wollen. Dann schritt sie auf einen Stuhl hi«, der in der Näh.- stand, zog diesen bis nah; an des Vaters Platz heran und fragte scheinbar ruhig:
„Was willst Du nun begunen?"
„Kind," kezann der alte Mann in halb schluchzendem Tone, „ich sehne mich nach Ruh°, nach etwas Liebe und Sorge, die mein Alter erheitert! Deine Mutter, die ich als Jüngling und Mann mit gleicher Leidenschaft geliebt, ward mir entrisse», in Dir ehrte ich sie, als ich Dich dem wüsten Treibe« im Hause, dem Umgang mit de« Bauern entzog; für besseres wollte ich Dich holten, als ei« Bauernmädchen. Wir waren bisher beide zufrieden miteinander, Kin>', bis Deine Liebe zu jenem Manve des Vaters Bild aus Deinem Herzen riß. Jetzt, wo ich weiß, daß jener für Dich verloren, daß Deine Liebe Verschwendung war. komme ich, mir wieder ein
—xEu«!*y"j«*"* mit Anlerhaktungs-Meitage „Ilknflrirte Sonntags-Ieitung
Dir Mttglieber bet Centrumsfraktton »e» Deutschen Reichstages unb bei Preußischen AbzeorbnetenhauseS.
(Unterschriften)
An Frau Dr. Lieber
Hochwohlgeboren
Camberg.
* Die Heimkehr der KeßgroßAzogM- Mtttwe ZfaullN-e von
aus Italien steht im Lause des MonattMai za erwarten. Einige Zeit nach ihrer Rückkunft w die Hochzeit ihrer Schwester, der Prin. effin Olga von Sachsen-Weimar (geb. in Stuttgart 1869) mit dem Erbprinzen Leopold von Jsenburg-Birstein (geb. in Offenbach 18bb) gefeiert werden. Da der fürstliche Bräutigam dem katholischen Glauben angehört, find allerhand Be denken laut geworden, wie es wohl mit oe Trauung geschehen werde. Bestem ^rmhmen ,Dorfzeitung' nach hat der regierende T-oßherzog die Ansprüche der katholischen Kirche mit Entschiedenheit zurückgewiesen und die kirchliche Trauung wird daher nach protestantischem Ritus in der Schloß kapelle zu Weimar erfolgen. Prinz IM bürg hat bekanntlich auf die Nachfolge im Isen burg'schen Majorate verzichtet.
X A«r M-rM-r Mss-rm-rst«kU»S-. Es wirs jetzt in zuverlässiger Weift brfMigt, daß Stadtrath Sauff mann, »ou den Berliner Stadtverordneten wiederholt zum zweiten Bürgermeister von Beilin gewählt, von emem schweren GemüthSleidrn ergriffen unb v-rerts tn die Nero-»heila«stalt Maifon de Sani« tn Schöneberg bei Berlin verbracht worden ist. Herr Ravffmann litt bereits seit längerer Zei an nervöser Abspannung. Seine Gattin befindet sich bereits fett Jahren wegen •eiJ»Jw"JJJJ in einer Heilanstalt. In «euerer Zeit wurde übrigens allgemein angenommen, daß Kauff-nann die von neuem auf ihn 8-Mn- Bürgermeisterwahl gar nicht anzuuehmen geinte.
+ „N«da«L ist der Wett : Sozialdemokratische Blätter behaupten, es sei nicht wahr, duß Professor Abbe in Jena, der Sitter des optischen Institutes von Karl Zriß, von dieser Leitung zurückgetreten sei, er habe vielmehr „im besten Einvernehmen mü den Arbeitern^ein^EcholimM^^^^etk^^us ^tzchenHetnem Herzchen zu erbitten, etwas Liebe und Ruhe!"
Zum Erbarmen weich war des Alten Stimme geworden, da er so sprach; daS Herz eines fremden Zuhörers hätte sein Flehen um Liebe er- weicht, von dem der eigenen Tochter prallte eS erfolglos ab. Wohl hörte sie des Vaters Worte, aber sie horchte einer andere« Stimme, der Stimme des Haffes.
Hatte der alte Kemprr auf eine Antwort ober ein zustimmendes, ermunterndes Wort seiner Tochter gehofft, so mußte er enttäuscht sein; nichts von alledem erfolgte, zur ihre Stellung schien anzudeute«, daß sie die Fortsetzung seitens ihres Vaters erwarte.
Dieser, kaum mehr Herr seiner selbst, begann abermals: „Stephani-, willst Du mit mir heim- kehren, unser kleines Häuschen mit Deinem Walten zu einem glücklichen Heim für Dich unb Deinen alten Vater machen? Oder magst Du nicht dorthin, willst Du mich denn hier in der Stadt haben, oft zu mir kommen, wir ich zu Dir, und mir fo helfen ein besserer Mensch zu werden durch Dich, wie ich ein schlechterer wurde durch meine blinde Leidenschaft zu Dttner Mutter?"
Verhaltenes Schluchzen machten des Vaters Stimme fast unverständlich, fruchten AugeS sah er zu Stephanie hinüber, die mit unbeweglichen Zügen auf ihn zuttat. Die bot ihm die Hand, „Komm," sagte sie, auf einen kleine« Tisch am Fenster zeigend, „ich will Dir etwas zu essen besorgen, und morgen früh gehe nach Hause, tcy weiß nicht, was ich Dir jetzt sagen soll!"