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Fuldaer

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Parzelle, in jtiku *’ mit Ztnterhaltungs -Aeitage „Illnflrirte Sonntags-Aeittmg" -* Pete»»»«#» a». tl tta»nn>ni*

M75.

JuL'öct, Donnerstag, den 3. April 1902.

29. Jahrgang.

• Undank ist der Welt Lohn.

Das große optische Institut von Karl Zeiß Im Jma hat mehrfach von sich reden gemacht durch seine außerordentlich arbeiterfreund» lichen Einrichtungen. Auch in der.Ful­daer Zeitung' ist mehrfach darüber berichtet worden, so namentlich im Vorjahre über die Einführung des achtstündigen Arbeitstages und über die guten Erfolge, die ^rit demselben ■ erzielt werden. Dabei ist zu berücksichtige«, daß es sich ix einem optischen Institute im Allgemeinen um sehr intelligente Arbeiter handelt, und daß die guten Erfolge des Achtstundentages bei Karl Zeiß in Jena deswegen noch nicht als maßgebend angegeben werden können für alle industriellen Unternehmungen und alle Arbetter überhaupt.

Der Leiter deS Unternehmens Profrffor Abbe, hat aber den Arbeitern nicht nur den achtstündigen Arbeitstag, sondern auch eine Betheiligung am Gewinn bewilligt; und auch in allen übrigen Stückcn opferte sich Profesior Abbe geradezu für das vo.i ihm geleitete Unternehmen und für dessen Arbetter auf. Er gehört jedenfalls zu den alleruneigen- nützigsten Unternehmern, die es jemals gegeben hat und geben wird. Nichts für sich, alles für gemeinnützige und wifsenschafilichr Zwecke: Das ist bei Professor Abbe stets der leitende Grund» satz gewesen. Aber leiser hat er bei den Arbeitern drs genannten Jenenser Unternehmens keinen Dank geerntet. Bereits gegen Ende des Vorjahre« erhoben die Arbeiter unter der Führung von sozialdemokratischen Genossen An­sprüche an die Art der Wahl und an die Zu­ständigkeiten der Arbkiterausschüffe, dir ihrem Wese» nach nichts Anderes bedeuteten, als den Anspruch auf Alleinherrschaft in dem ganzen Unternehme»; und schon damals drohte der schwer enttäuschte Profeffor Abbe damit, er wolle sich von dem ganzen Unternehmen zurück­ziehen, wenn die Arbeiter ihm auch fernerhi» das Lebe» in dieser Weise sauer machen würden. Jetzt hat Profeffor Abbe diese Absicht ausge- sührt, da die Arbeiterschaft ihm ausS neue in einer Weise entgegengetreten ist, die an Herrsch» sucht und an rücksichtsloser Eigensucht ihres Gleichen sucht, — so meldet die »Jenaische Ztg.'

Ein dringende« Bedürsniß für Jena ist ein Neubau der Universität. Die Staatskasse ist in de« kleinen thüringischen Staate nicht reich; auch sonst fehlte e« an allen Ecken und Enden an den nothwendigen Geldmitteln, und so bewilligte Profeffor Abbe au« der „Karl Zeiß-Stiftung" einen Beitrag von 300000 Mark für diesen Uni- versttätrneubau. Obwohl die Gelder dieser Stiftung nicht mehr in unmittelbarem Zusammenhangs stehen mit dem Unternehmen de« berühmten optischen Institute«, fühlten stch dennoch di« Ar­beiter berechtigt, dem Profeffor Abbe wegen dieser leiner Freigebigkeit mit Geldern der genannten Stiftung — Vorstellungen zu machen. Die« ge­schah in der Form einer Petition, die darum bat, nicht in dieser Weise mit den Mitteln der Karl Zeiß-Stiftung umzugehen!

Der Wäter Schuld.

Original-Roman von Fr. Collet.

35 ------(Nachdruck verboten.)

6. Kapitel.

Siebe und Haß.

WaS verlang ich? was erstreb ich? Täglich muß ich mich so fragen; Einem süßen Wahne leb' ich Seine Blüthen heißen Klagen.

Ich erkenn' eS, dennvch treib' ich, WaS fett langem ich getrieben Treu dem süßen Wahne bleib' ich Ohne Hoffnung, Dich zu heben.

, I. P. »altenbäck.

' Wa« menschlicher Trost den tief unglücklichen Geschwistern zu bieten vermochte, floß ihnen reich­lich zu in den Briefen, die Josephine schrieb und in den ermunternden Worten, mit denen Karl Wagner, der nun oft Abend« als ihr Gast mit in dem kleinen Stübchen saß, sie aufzurichten suchte. Aber nur wenig erreichten beide. Hatte auch ein geschriebene« oder gesprochenes Wort wirklich im Herzen Wurzel gefaßt und einen Lichtschimmer in der dunklen Kammer verbreitet, dann bedurfte es nut eines Blickes auf den starren und stummen Greis, dessen Gestalt mit jedem Tage mehr dem Verfall entgegen ging, um jeden Trostgedanken zu verbannen, jedes Lichtfünkchen zum Verlöschen zu bringen.

Anfangs gingen die Schmuggler noch im Hause ein und aus, jeder versuchte, den jungen Kemann zur Hergabe des zum Salzkauf nöthigen Gelder zu bewegen, Bernard fertigte jedoch alle ab und sah sich eine Zeitlang von ihnen verschont.

Natürlich hat sich Profeffor Abbe durch diese Behandlung oder vielmchr Mißhandlung durch seine Arbeiter tief gekränkt gefühlt; und er hat nunmehr den Entschluß gefaßt, von Jena über­haupt fortzuziehen. Dadurch, daß er die Leitung des optischen Institute« niederlegt, erleidet diese« Unternehmen ohne Zweifel schweren Schaden. Er kann sogar sein, daß dadurch der Anstoß gegeben ist zur Auflösung de« ganzen Unternehmens. Mindestens findet dasselbe sicherlich nicht wieder einen Leiter, der wiffenschaftliche Befähigung in so hohem Maße mit klugem und weitsichtigem Unternehmungrgeiste verbindet, wie Profeffor Abbe; und das Ende vom Lied« kann nur eine Schädi­gung der Arbeiter fein, wenn nicht gar der Ver­lust der ganzen Existenz derselben. Die lieber» griffe der Arbeiterschaft Über die ihnen zu- stehendcn Rechte find also nicht nur nicht zu recht- fertigen, sondern erweisen stch auch als höchst un­klug und geradezu gefährlich für ihre eignen Jn- tereffen und für ihre und ihrer Familien Lebens­gestaltung.

Der Jenenser Fall ist auch im allgemeinen sehr lehrreich.

Erstens lehrt er von neuem, daß die Arbeiter, schäft, auch die intelligente, sich noch nicht zu der Erkenntniß durchgerungen hat, daß auch die Wissenschaft der Unterstützung bedarf und ihrer durchaus würdig ist. Zweitens aber lernt man aus den Jenenser Vorgänge», daß man auf sozialpolitischem Gebiete auch mit Wohlthaten vorsichtig fein muß und nicht durch die gute Ab­sicht, das LooS der Arbeiter zu erleichtern und zu heben, sich dazu verleiten lassen darf, in einzelnen Fällen weit über das Maß dessen hinauszugehen, dar im allgemeinen in diesem Sinne üblich ist, denn man fördert dadurch die Sache gar nicht, die man fördern will. Jeder- mann ist hoch zu preisen, der auf diesem Gebiete der Sozialpolitik stets voranzuschreiten bestrebt ist und durch sei» gutes Beispiel auch Andere veraxlaßt, in durchdachter Weise für die Ver­besserung der Lebenshaltung der Arbeiter thätig zu sein. Aber Maß zu halten ist auch hier gut. Nur allmählicher Fortschritt kann hier zum er­wünschten Ziele sühren; und vor allen Dingen darf nicht vergessen werden, daß Wohlthaten richtig nur von solchen Menschen, also auch Arbeitern, gewürdigt werden, die von den rich­tigen sittliche» Anschauungen durchdrungen find, wie unsere christliche» Arbeiter. Die Sozial­demokratie kennt nur die SchÜmng der Begehr­lichkeit, wie der Fall in Jena von neuem recht deutlich gezeigt hat, ohne Rücksicht auf den anderen Theil und überhaupt darauf zu nehmen, daß schließlich auch der Unternehmer zu leben und eignen Willen zu haben berechtigt ist. Die christlichen Arbeitervereine und christlichen Ge­werkschaften streben ebenso entschieden nach der Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter; aber sie vergesse» darüber daS Ganze nicht und gönnen auch dem Unternehmerthum, war diesem recht und billig ist! Mit christlichen Arbeitern würde Prof. Abbe in Jena nicht die traurigen Erfahrungen gemacht haben, die ihn schließlich von seinem eigene« Unternehme» u»d auS seiner Vaterstadt vertrieben haben!

Die Schmugglerbande, der ja auch die Leitung seit Jopps Entfernung fehlte, zerfiel, und jeder trieb auf eigene Hand den Schmuggel, indem er für irgend eine» Winkelkrämer, eine» Großbauern oder einen sonstigen Konsumenten ab und zu einen Sack auf der Schulter herüberbrachte, wo­bei er ein Verdienst fand, daS zu viel zum Sterben und zu wenig zum Lebe» gewährte.

Mit diesem Mittel deS Schmuggels auf eigene Hand hotte sich auch Jopps Vater, der alte Kemper, befaßt, um sich Über Wasser zu halten, da er, der harten Landarbeit ganz entwöhnt, nur daS Nothwendigste arbeitete, um einige Mittel zu erlangen.

So war er auch einer Abends wieder auf dem Wege zum Heimathdorfe, den er gleich von Glandorf auS einschlug, um übers Moor weg die Grenze passtrend, und dann von der Haupt­straße sich fern haltend, nach Ostbevern hin zu schlüpfen.

Sein Abnehmer war ein Händler im nahen Telgte, dem er die Kontrebande bei Gelegenheit in kleinen Mengen zutrug. Der Betreffende hatte nun schon mahnen taffe», da fein Vorrath zu Ende ging. Da aber die Zeit sehr ungünstig war, Mitte Mai und klares Wetter, zögerte Kemper, auf eine finstere Nacht wartend. Je einer solchen hatte er eben mit seiner Last den nahe an die Grenze streifenden fiskalischen Forst erreicht, der' fich über den Beverstrexg hinzieht, als er in einiger Entfernung einen Lichtschimmer bemerkte, der aber sofort wieder verschwand. Unruhig geworden, beschloß er, der Sache auf den Grund zu gehe«, stellte seine Last an einen mächtigen Baum, dessen Größe Merkmal genug für daS Wiederausfindex war, und schlich dann

Deutsches Keich«

Berlin, 2. April 1902.

* Die veibei» Krutrxurs-AraKtionerr wid­me» Dr. Lieber folgende» ehrende» Nachruf: „Am heutigen Tags vollendete im 64. Lebensjahre nach langem Leide», wohl vorberestet durch die Gnadexmitiel der heiligen katholischen Kirche, sein an Arbeit und Erfolge» reiche- Lebe» das Mit­glied des Deutschen Reichstages und des Preußi­schen Houses der Abgeordneten Dr. ErnstMaria Lieber. WaS er, hervorragend durch hohe staats­männische Begabung und umfassendes Wisse», durch u»erschü terliche Ueberzeugungstreue und mächtige Gewalt des beredten Worte-, durch treue Liebe zur hl. Kirche und nie versagende Freund­schaft, in unermüdeter Thätigkeit während mehr denn 30 Jahren bis in die Zeiten schwerer Krank­heit für die heil. Kirche und das deutsche Vater­land gewirkt hat, lebt in der Erinnerung der Zeit- genossen und wird von der Geschichte den künf­tige» Geschlechter» bewahrt werden. In ihm ver­liert das katholische Volk im Deutschen Reiche einen treubewährten Führer, dessen Reden eS so oftmals gelauscht hat, verlieren die Mitglieder der Centrums-Fraktionen des Deutschen Reichstages und des Preußischen Abgeordnetenhauses einen Vorkämpfer in der politischen und parlamentari­sche» Vertretung für Wahrheit, Freiheit und Recht. Mit tiefer Wehmuth und derbem Schmerze stehen wir an der Bahre des Mannes, der an der Wiege unserer Fraktionen gestanden hat. Im Vertrauen auf Gott empfehlen wir seine Seele dem Andenken im Gebete. R. I. P. Berlin, den 31. März 1902. Die Vorsitzende» der Centrums-Fraktionen des Deutschen Reichstages und Preußischen Abgeord­netenhauses. Graf v. Hompesch. Fritzen."

X Auch rin Nachruf für Ar. Aiever. Ganz besonderer Feindschaft erfreut sich das Centrum bei den Nationalliberalen. Und dieser »Haß", von dem in ihrem Nachrufe für den Abgeordneten Dr. Lieber die »Deutsche Tages­zeitung' sprach, kommt in geradezu brutaler Weise zvm Ausdrucke in den Zeilen, die die national­liberale Berliner .National-Zeitung' dem ver­storbenen Centrumsführer ans offene Grad legt.

Dr. Lieber — so schreibt daS genannte Blatt darin — war kein glänzender, packender Redner. Er sprach sehr langsam und unerträglich salbungsvoll. Jeder Satz dementirte den vorhergehenden; die Zahl seiner „wenn“ und „aber" war Legion . . . Auf die Mittel kommt eS dem klerikaliSmus nicht an. WaS er nicht abtrotzea kann, sucht er abzuhandeln Sind seine Ehancen in den Einzellandtagen günstiger, so macht er'S mit dem PartikulariSmuS; ist seine Stellung im Reichstage sicherer, fe wird er centralistisch. In der AnpaffungSfähigkeit an die verändert« Vorbedingungen für den Erfolg hat Dr. Lieber, daS muß man ihm ohne Zweifel zugeben. Hervorragendes geleistet. Er konnte sich in jede Taktik hincinpaffen, wenn er nur überzeugt war, daß sie nach Lage der Dinge daS beste Mittel wäre, um jenem große» Endziele der klerikale» Herr­schaft entgeg-nzuführen, daS er schließlich in seinem Toleranzantrage so wenig verblümt gezeichnet hat . .

Ob schon jemals ein katholisches Blatt hinter einem verstorbenen Gegner her in derselben gif­tigen Weise gegeifert hat, noch dazu, bevor das Grab fich über seinen sterblichen Reste» geschlossen hat? Sicherlich nicht. Aber auch dieselbe National- Zeitung muß dem verewigten CeutrumSführer zugesteh.>n, daß unleugbar ein beträchtliches Maß

leise der Stelle näher, wo er daS Feuerzeichen wahrgenommen zu haben glaubte.

Er brauchte nicht wett zu gehen, als er Stimmen, in gedämpftem Tone redend, vernahm und, tm gleiche» Augenblick eine Biegung des schmalen PfadeS sich nähernd, erkannte, daß die Sprecher nur wenige Schritte von ihm entfernt feien. Er fand eben noch Zeit, seitwärts inS Gebüsch einzubiegen und fich in Leibeslänge zwischen den hohen Farrenkräutern niederzulegen, als auch schon die nächtlichen Wanderer, zwei Zollbeamte, vorüberschritte».

.Glaubt mir's immerhin," sagte halblaut der Eine von ihnen, .außer der großen Straße gibt es keinen Weg als diesen; ich habe noch gestern mit dem Förster darüber gesprochen, der jede Möglichkeit bestrstt, anders als auf einem der beiden Wege von Glandorf »ach Ostbevern zx kommen."

„Dann muß n»S der Alte ja in die Finger laufen," meinte fein Begleiter, .entweder den beiden an der Hauptstraße, oder uns."

.Vorausgesetzt, daß er nicht diese Nacht noch drüben bleibt."

Mehr konnte der Lauscher nicht vernehme», die Sprechenden entfernte» fich langsam weiter.

Nach einer Weile erhob sich Kemper, sah und horchte erst vorsichtig nach allen Seiten hin und schlich dann den Beamten nach, der Stelle zu, wo er feinen Sack gelassen hatte.

.DaS hätte schief gehe» können, wenn der Grünrock seine Pfeife nicht anzündete," murmelte er gedankenvoll vor fich hin, und sann dann nach, wie er fich wohl der drohenden Entdeckung ge­fahrlos entziehen könne. Nach Hause zu wagt« er stch nicht, weil der Weg, auf de« er fich be-

von Kluaheit und Geschick dazu gehörte, bei der­artigen Wandlungen die Zügel in der Hach» zu halte». Andere Gegner urtheile» gerechter Aber Dr. Lieber. In diesem Sinne sei der protefRm- tisch-konservative Berliner ..ReichSbote" er­wähnt, der in seinen Ausführungen über Dr. Lieb« fich folgendermaßen anläßt:

DaS Eentrum hat in ihm viel verloren ... Siehec hatte erkannt, daß mit einer solchen OpposttionsstellrHg (wie zu Windthorft's Zeit) keine Erfolge mehr zu er­ringen waren; deshalb versuchte er, auf dem Wege opportunistischen Entgegenkommens dem Centrum zu einer AuSschlag gebenden Stellung zu verhelfen und dadurch auch die Regierung zu nöthigen, ihm gefällig zu sein und Rücksicht auf seine Wünsche zu nehmen. Und daS gelang ihm um so leichter, alS keine andere Partei hervorragende politische Führer besaß, die im Stande gewesen wären, ihren Parteien größeren Ein­fluß zu verschaffen ... Er war überaus fleißig ... Nicht bloS im Parlament war er außerordentlich thätig und schlagfertig, sondern agitirte auch im Lande während der Ferien für feine Politik und die Interessen der CentrumS ... Der Tod Dr. Lieber'« ist für daS Cen­trum ein sehr empfindlicher Verlust; denn ec war ohne Zweifel ein kluger und gewandter parlamentarischer Redner und Taktiker, der »zu seiner Kirche eine feste, klare St.llung hatte, vielleicht mehr, als von Windt- horst vielfach behauptet wird.. .

Der amtliche.Reichsanzeiger' hat die Nach­richt vom Tode Dr. L.ebers verzeichnet, ohne eine Bemerkung daran zu knüpfen.

+ Mtnik-ral-ir-ttsr Ar. Kügler ist aus feint m Amte als Leiter des preußische» Volksschulwesens nicht aus eignem Antriebe ge­schieden. Der Pädagogische Verein ix Bromberg hatte ihm ein Telegramm zuqehen lassen, ix dem er das Ausscheiden des Ministerialdirektors auS dem Kultusministerium bedauert. Darauf hat Herr Dr. Kügler mit einem Schreiben ge­antwortet, in dem es unter anderem heißt: „Das Scheiden au8 dem Unterrichtsministerium, wenn­gleich es auf meinen eigenen Wunsch erfolgt, wird mir unendlich schwer usw." Das heißt: Der äußeren Form »ach ist der Ministerialdirek­tor seines Amtes auf seinen Wunsch enthoben worden. Die Aeußeruxg dieses Wunsches ist aber nicht feinem eigenen Willen entsprungen, sondern, wie immer in solche» Fällen, ihm von außen her nahe gelegt worden.

X Aehre» als Spione be» Kakalistett. Schon mehrfach ist in der Presse die Angabe ausgetaucht, daß die Lehrer in de» gemischt­sprachigen deutschen Landestheile» dazu aufge­fordert werden, Spionendiensie gegen katholische Geistliche zu thun und zu berichten, ob diese nicht im geheimen das Polenthum in unrecht­mäßiger Weise befördern. Jetzt wird dies ausS neue festgestellt. Eine königlich preußische Kreis­schulinspektion, die leider nicht näher bezeichnet ist, hat an die ihr unterstellten katholische» Lehrer ei» vertrauliches Schreibe« gerichtet, in dem u. a. gesagt wird: „Veranlaßt durch die königliche Re­gierung richte ich an Sie die streng vertrau­liche Anfrage, ob in letzter Zeit die polnifch« Fibel, welche in der Verlagsbuchhandlung von Buszczinski erscheint, besonders zahlreiche Ver­breitung gefunden hat insbesondere, ob diese Fi­beln den Kinder» oan den Geistliche» gelegent­lich deS Katechmmnenumerrichtes flbergeben wer­de» .. . ." Das ist tdn noble« Verfahren der königlich preußischen Staatsregierung!

sand, »och ein gutes Btflck von seinem Hause entfernt auf die Havp straße mündete und die dort patrouillirenden Zollbeamte» wohl eher ix der Nähe seines Hauses auf ihn lauern mochten, als weiter der Grenze zu, wo fie schlechte Ver- siecke hatten.

Zurück konnte er nicht; am Ende des Waldes machten die Beamten gewiß wieder Kehrt, und somit lief er ihnen in die Hände. Ein Versteck kannte er hier in der Nähe nicht, größte Eil« thut noth; so entschloß er fich den», einige hundert Schritte den Beamten mit seiner Last nach­keuchend, das Moor in nordöstlicher Richtung aufzusuchen, wozu ihm ein schmaler Pfad diente, der vom Gebüsch fo tief behangen war, daß Kemper nur gebückt mit seiner Last weiter- schleichen konnte. Bald war jedoch das Waldes- ende erreicht. Hinter demselben dehnte stch, graue Nebel auSdÜnst »d, das Moor.

Kemper wußte sich geborgen. Zwar mußte er jetzt feine Last in der dem ursprünglichen Ziele entgegengesetzten Richtung schleppen, sank i« dem wasserreichen Grunde oftmals bis zu den Knöcheln ein, aber sehe« konnte ihn in diesem dichte» Nebel Niemand und es gehörte feine eigene, durch jahre­lange Hebung erlangte Kenntniß deS Moores dazu, ohne irre zu gehen, hier eine bestimckte Richtung zu halten.

Nach einstflndiger Wanderung machte er Halt. Ein Wachholder-GestrÜpp bezeichnete die Stelle. In dieses hinein war durch Ausschneiden von unten ein Loch gemacht, in welchem man wohl zwei Säcke Salz verbergen konnte. Zu diesem Zwecke mußte ein verdorrter Strauch, der an­scheinend mit der Wurzel fest im Erdboden stand, thalsächlich aber nur locker darin haftete, roegge*