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mit Anteröcktungs-Beilage „ZMflnrte Sonntags-Zeitungs
29. Jahrgang.
Iuköa, Samstag, den 29. März 1902
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Zweites Wtatt.^
macht dis Schule einen gemeinschaftlichen Rund» zug mit großen Körben, um Eier zu sammeln, mitunter ist eS aber auch nur der düster oder Glöckner mit den Chorknaben, welche von Gehöft
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Flügeln, die im Nu auf den Gipfel der Voll» kommenheit hinausfliegen könnten. Geklettert muß werden, langsam und mächtig geklettert, Schritt vor Schritt, Griff vor Griff, heute ein Stückchen und wo gen ein Stückchen, immer weiter, unver« droff^n und unverzagt. Auch wenn gelegentlich eine U. le Rutschpartie dazwischen kommt, darf man sich nicht entmuthigen kaffen. Leben heiß, streben, allezeit strebe«, mit zäher Ausdauer streben. Wer das thut, der thut, was er kann, und mehr wird von ihm nicht verlangt.
Das find alte Gedanken; sie werden oft gehört und feite* gründlich beherzigt. Wer zu Oster» Großreinmache» begehen und de» Früh- ltngssonnenschein herein lassen will, kann mal ein Viertelstündchen sein Gehirn- zwischen die Hände nehmen und ernstlich prüfen, was denn bei ihm noch fehlt, in welcher Ecke noch schlechter Sauerteig Fährt, welche Dummheiten und Hatz- lichkeiten er sich noch abgewöhnen muß, um ein braver und tüchtiger Mensch zu sein. Dann wird er nicht bloß dem groben Beelzebub den Lauspaß gebe», sondern dem schleichenden Unhold, dem alten Schlendrian, die Fehde bis zur Vernichtung ansagen.
M Ostern.
Von allen Seiten wird Sturm gelaufen gegen die Kirche unsere» Herrn Jesu Christi. E« wankt so manche» Christen Muth vor diesem Ansturm: bange Gedanken bemächtigen sich seiner; die Ueber- zeugung von dem ewigen Bestände de» Tempels, den der Heiland aufführte, wird unsicher, und zagend und hilfeflchend irrt sein Blick in der Runde. Kann die Kirche denn auch al» Siegerin au» diesem schweren Kampfe hervorgehen? Wird der Same, den Gotte» Sohn ausgestreut, nicht erstickt werden von dem massenhaft und immer massenhafter wuchernden Unkraute de» Zweifel», des Unglaubens, der unmittelbaren Gottesleugnung? Wohin soll der Zwist führen, der auch diejenigen entzweit und von einander reißt, die sich zum Heilande bekennen und, jeder für sich, seine wahre Lehre zu verkünden behaupten; wird dieser Zwist zur Freude der gemeinsamen Gegner nicht die Grundlagen der Kirche untergraben, sodaß diese stürzt und niemals wieder aus ihren Trümmern auferstehen wird?
Die Zeiten freilich, in denen wir leben, find fürchterlich ernst. Aber der schlimmste Fehler, in den wir verfalle« könnten, würde die Kleinmuth sein. Rings um uns dis Natur liefert uns den besten Vergleich. In starrem Froste begraben lagen noch vor kurzer Zeit Wald und Flur. Das Leben schien von ihnen gewichen; erstorben schienen Baum und Saat und Strauch, Unb dennoch verzagte Keiner von un» an dem neuen Erwachen des organischen Lebens rings um uns herum unter dem mächtigen Einflüsse der Früh- ltngssonne. Er muß ja endlich doch Frühling werden; da» wußten wir, denn wir haben es ja schon oft genug gesehen!
Aber hat die Menschheit nicht auch schon oft genug gesehen, wie der christliche Gedanke erdrückt zu werden schien von dem wild emporwuchernden Wüste ring« um ihn herum und dennoch wieder siegreich auferstand, bevor man sich dessen nur versah? Der Glaube siegte bisher noch immer über den Unglauben und die Verderbniß; das Licht überwand noch stets die Finsterniß. Und so war e» ja vom allerersten Anfänge des Christen- thum« an. Die fanatischen Gegner de» Messias rieben sich vergnügt die Hände, als oben auf Golgatha der zu Tode gemartert am Kreuze hing, der sich als den König der Juden, al» den von Gott gesandten Erlöser, als den Sohn Gottes ausgegeben hatte. Damit schien alles aus zu sein — tobt, begraben auf Nimmerwiedersehen; und von Kummer und Hoffnungslosigkeit darniedergebeugt trauerten im tiefsten Leide die Jünger des Herrn und die erste kleine Christengemeinde.
Da ging es wie ein Donnerschlag durch Jerusalem : Christus ist auferstanden! Und die über feinen Tod triumphirt hatten, fühlten unter der Wucht dieses Donnerschlages ihre Erde in den Grundfesten beben. Sie, die zu tciumphiren glaubten, waren mit einem Schlage besiegt und niedergeworfen. Und deren, die vorher in tiefem, unsäglichem Leide darnieder gebeugt waren, bemächtigte sich unermeßlicher Jubel. Ihre Zuversicht, ihr Glaube, fast erschüttert, waren aufs neue ge festigt, nun sie sahen, wie herrlich das Wort de» Messias tn Erfüllung ging: „Zerstöret diesen Tempel, und ich will ihn in drei Tagen wiever aufbauen". Auf dem wieder gewonnenen Glauben folgte der feste Entschluß, nie mehr zu wanken und zu weichen, und koste e» auch da» Leben.
Sie hatten gar zu häufig Gelegenheit diesen Entschluß die Feuerprobe im Martyrerthum bestehen zu lassen, jene ersten Christen. Uno noch mehr al» eir- mal schien wiederum alle« au« zu sein mit dem jungen Christenthum. Aber der Glaube fiegte. Da« großmächtige römische Kaiserthum beugte fich vor seinem Siegesläufe, und was überwunden, tobt, begraben, in ben Strömen des Marty rerblutes erstickt schien, es stieg herauf gleich der mächtigen, alle« über strahlenden Morgensonne und sah die Welt zu seinen Füßen.
Daran müssen wir denken in unseren Zeiten, in denen wiederum der hehre Tempel, den der göttliche Heiland aufgerichtet hat, zu erbeben scheint unter den wüihenden Schlägen, die gegen ihn geführt werden. Nicht Zaghaftigkeit, nicht Kleinmuth dürfen un« beherrschen; Glaube und Zuversicht müssen un« erfüllen und belebe«: der Heiland, der nach den Worten de« Apostel« die Welt über- wunden hat, wird auch seiner Kirche die Macht geben, zu triumphiren über alle ihre Feinde.
Heil dir, du Sieger auf Golgatha! Heil dir, Alleluja!
Dir Ostereier.
Kulturhistorische Skizze von W. Martens.
------(Nachdruck verboten.)
daß die Leute nicht zu alt werden.
Das Geschäft will nicht recht mehr gehen, obschon es noch gerade so betrieben wird, wie zu Vaters Zeiten. Die Verhältnisse haben fich pk ändert, die Leute haben neue BedÜrfniffe und Wünsch?, der Wettbewerb macht sich scharf geltend. Wer nicht mit der Zeit fortschrtilet, kommt unter ihren Wagen. Das ist leicht zu erkennen, aber wie viel Nachdenken, Sorgen und
zu Gehöft ziehen. •
Anderwärts, so in Vorarlberg, haben diese Umzüge einen mehr religiösen Charakter angenommen, indem Männer, von Kindern mit Fackeln gefolgt, am Vorabend des Osterfestes von Haus zu HauS ziehen und mit Schalmeien und Zithern die Auserstehungslieder begleiten, welche aus Hunderten von Kehlen der die Spieler umgebenden Volksmaffe erschallen. Ostereier, oder Brod und Wein belohnen das Spiel und werde» in großen Körben gesammelt, welche Knabe« traget
Die Ostereier erhielten mit der Zeit eine christliche Auslegung. Denn während das Ei schon bei den Völkern des AlterthumS als Sinnbild der Schöpfung und Fruchtbarkeit galt, und deshalb namentlich bei den Persern noch jetzt zum Neujahrsgeschenk verwandt wird, erklärte eS die Kirche sür das Symbol deS Erlösers, welcher auS dem Grabe zum Lebe» erstanden, damit Alle, die an ihn glauben, aus dem Grabe der Sünde durch ihn zum neuen Leben auferstehen sollen. So bekam die all hergebrachte Sitte, sich zu Ostern, wo die Naturkraft wieder erwacht ist und in mehreren Ländern das Jahr feinen Anfang nahm, Eier zu schenken, neuen Halt; die Eier wurden der kirchlichen Deutung gemäß in vielen Gegenden mit dem Bilde eines Engels, eines Christkindes oder eines Lammes mit der Friedensfahne verziert, und an die Stelle der Eieropfer, welche bei dem Ostaraseste durch die heidnischen Priester der Göttin gebracht wurde», trat die Gewohnheit, den Psarrherre» eine Anzahl Eier als Ostergabe zu liefern. Dabei blieb aber der Brauch, die Ostereier, wie einst zu Ehren der Gottheiten, bunt, besonders roth und gelb zu färben, und in Deutschland und in der Schweiz sagt man «ich heutigen Tages, wie aller Wahrscheinlichkeit «ach bereits in vorchrist- licher Zeit: der Has oder Hsterhas habe die Eier gelegt.
Für die Kinder versteckt man »amlich am Osterrnorgen gekochte und bunt gefärbte Sier irgendwo im Hause, oder, wenn das Wetter es zuläßt, tm Garte«. Ja Schwaben macht man auch wohl ei« Nest von MooS oder anderem Grün, anf das man einen Hase» setzt, und in Heffen-Raffau legt man bisweilen alle Eier in ei» mit Spänen umzäuntes und mit Moos oder Heu ausgefülltes Gärtchen, welcher TagS zuvor von den Kindern gemacht worden ist und Hasen- gärtchen heißt.
Ruft dann der Vater oder die Mutter: „Der OsterhaS! Der Osterhas! Eben habe ich ihn ootbeUeufen sehen!" so macht fich Alles anS Suche», «roß und Klei», Alt und Jung durch- stöbert jede« Winkel des Wohngebäudes und deS
in uab Fe«r-
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KSliUO«.
Unpolitische Zeitlimse.
(Nachdruck verboten.)
® Berlin, 27. März 1902.
Alles neu macht der Mai, heißt es in dem FrühlingSliede. Ich schlage vor, daß wir schon Ostern die Erneuerung vornehmen. Alles erneuern, heißt Ostern feiern!
I« der Kirche wird zu Ostern alles neu gemacht, sogar das Feuer und Licht, das einem Stein frisch entnommen wird. In der Natur setzt das junge Lrben ei«, das Antlitz der Erde wird erneuert. Jrn Hause wird jene Säuberung und Auffrischung gepflegt, die den prosaische» und vielfach mißachteten Namen „Großreinmachen" führt und doch für oie Gesundh-it und Gemüth- lichkeit mehr werch ist, als der glänzendste Flitter und das künstliche Geklimper. Ja der Kleidung gehen wir vom verstaubten und verräucherten Win- terklnd zum frischen Frühlings-Anzug über. Auch die trockene« Nature«, die keine Frühlings' oerss machen oder nachsprechen, spüren in Leib und Seele neue Gefühle und Trieb?. Es kommt wieder Leben in die Welt und in die Herze».
Darum ist jetzt der rechte Zeitpunkt gekommen zu einer Kriegserklärung, nämlich gegen den alten Schlendrian. Da« ist ein abscheulicher Geselle, dieser Schleicher, der mehr Unheil auf Erden anrichtet, als alle Räuber und Mörder zusammen.
Wer das bestreitet, der hat dem alten Schlendrian noch nicht richtig aus die Finger gesehen. Wahrscheinlich steht er sogar selbst unter der Herrschaft dieses bösen Feindes, der im Schlafrock herumschlürft und sich einnistet wie ein angenehmer Hausfreund. O, der alte SchlendÄan ist ja so b?quem, so behaglich und gemüthlich; man merkt erst bei genauem Zusehen, wie der anscheinend so biedere Geselle die Gesundheit, den Verstand, die Tugend und das Lebensglück so nach und nach untergräbt und dabei noch den mitleidigen Tröster spielen will.
Vor dreißig Jahren, in der großen Gründerzeit, fuhr ein reich gewordener Schwindler in seiner üppigen Equipage nut ben neueste« Gummi- rädern durch vie Straßen. Ei« Berliner Schusterjunge, der auf die geräuschlosen Räber noch nicht eingerichtet war, wäre auf ein Haar unter den gurnrnirten Wagen grrathr«. Er sprang im letzte« Augenblick noch bei Seite, sah fich mit dem Scharfblick seiner Raffe daS neumodische Gesährt und den protzigen Gründer an und tief dann: Der Deibel uff Socke«! — Auf den alten Schlendrian paßt diese Bezeichnung sehr gut. Dieser Teufel auf Socken schleicht fich ein, ohne daß man es bemerkt, und wenn man ihn vorn herauSgeworfe« hat, so kommt er un« hörbar von hinten wieder herein.
Der alte Schlendrian weiß überall sein Plätzchen zu finden und zu behaupten: in der Küche und am Spetsetisch, im Schlafzimmer und in der Putzstube, in der Werkstatt und im Laden, im Rathhau« und in der Kirche, im Reichstag und auf dem Parabefelde, bei den höchsten Festlichkeiten und bei ben gräßlichsten Unglücksfälle«. Der alte Schleicher ist nicht wählerisch; er fühlt fich überall heimisch, von den Pennen bi« zum Palast.
Da zieht z. B. ein junger Ehepaar in das neue Nest ein. Beide Theile bringen guten Willen mit, aber leibet auch ben alten Schlendrian, der auf seinen Socken mit durch die bekränzte Thür geschlüpft ist. Da« angehende Familienhaupt ist fest entschlossen, fortan recht häuslich und doppelt so fleißig, allzeit zärtlich und sorgfältig zu sein, ein neuer und besserer Mensch zu werden. Aber ehe die Flitterwochen zu Ende sind, hat er hier und ba einen kleinen Rückfall in die Unfitten des Junggesellenlebens gehabt, die Rückfälle werden bann immer zahlreicher unb ärger, er geht öfter aus, er kommt zu spät nach Hau«, er läßt nach im Fleiße unb in bet Zärtlichkeit, er wirb langweilig unb rücksichtslos, er begeht freilich keine Schanbthaten, aber auch keine Gutthaten, er finkt allmählich zurück in die Arme der alten Schlendrians. Und sie? Ach, ste wollte der vollendete Hausengrl werden, unb ste wäre es auch vielleicht geworben, wen« nur nicht die HauSwirthschaft so fürchterlich viel Arbeit und Ausdauer et f et bette. Sie weiß ja, daß der Weg zum Hetzen des Mannes durch ben Magen geht; doch bekommt ste bas „ewige Kochen" bald Über. Sie weiß auch, daß die Wohnung stets blitzblank, ordentlich und hübsch sein muß; nur schade, baß es nicht noch Heinzelmännchen gibt, die den Frauen die langweiltge unb baut« verderbende Hausarbeit abnehmen. Nu« ja, man tarne doch auch bei einem recht einfachen Topf satt werden und braucht nicht alle Tage so feierlich auf die Minute am MittagStisch zu fitzen. DaS Haus braucht auch nicht fortwährend so auSzusehe«, als ob eine Prinzessin zu Besuch erwartet würde. Der Mensch muß doch auch Zeit haben zum Plaudern, Träumen, Lesen und Rlaoietjpielen, Spazierengehen, Konzert- unb
überflügelt. I« ihrem Aetger schimpfen ste auf die Gesetze, die Kunde«, die Gehilfe«, die Konkurrente« und was ihnen sonst in die Quere kommt, nur nicht auf ben wirklich schuldigen Schlendrian.
Der alte Schlendrian kann auch zur Kirche mitschleichem Gewiß, vir haben uns vorgenommen, recht andächtig zu sein. Aber wenn man nun schön auf feinem Platze fitzt, dann ist eS so bequem, die Gebete aus dem Buche abjulefen, ohne sich besonders was dabei zu denke«, und die Predigt im Halbschlummer anzuhören mit behaglicher Nutzanwendung auf andere Leute. So wird die SonntagSpflicht tm alten Schlendrian abgemacht unb wirkt nicht besser, wie kaltes Wasser auf eine fettige Haut. — Auf feinen Socke« folgt uns der alte Schlendrian sogar unbemerkt in ben Beichtstuhl. Die auffallenden großen Sünden, die wir uns etwa haben zu Schulden kommen kaffen, werden natürlich tief bereut und mit ben ernstesten Vorsätzen bekämpft. Aber die unseligen schlechten Gewohnheiten, die fich aus fortgesetzten „kleinen" Verstößen gegen die Liebe, den Fleiß, die Ordnung, die Gesundheit rc zusammensktze», nimmt man auf die leichte Achsel, und so bleibt denn nach wie vor der Eigensinnige eigensinnig, der Zänker zänkisch, der Faule faul, das Klatschmaul klatschsüchtig, der Geizige geizig, der Geck eitel, der Bummler bummelig. Den Belzebub kann man eher austreiben, als das Teufelchen auf Socken, den alten Schlendrian.
„Feget aus den alten Sauerteig", heißt es in der Osterepistel. Wer eine wirkliche Er- neuerung von Art Wiedergeburt erreiche« will, muß gründlich in allen Ecken ausfegen; den« wo der alte Sauerteig der schlechten Gewohnheiten hocken bleibt, ba kann ber neue Sauerteig der Besserung nicht durchdringen.
Schon die Weltweisen des Heidenthums hatten erkannt, daß die Selbsterkenntniß ber Anfang der Weisheit sei. Erkenne dich selbst, sollte erst recht unser Parole sein. Doch muß die Selbst- erkenntniß unbefangen und gründlich fein. Wenn wir erkennen, daß wir nicht zu de« Brandstiftern, Ehebrechern, Räubern, Trunkenbolde« und Todtschlägern gehören, so dürfen wir uns auf diesen billigen „Lorbeeren" nicht zur Ruhs legen, sondern müssen weiter forschen «ach de« mittleren und kleineren Schlechtigkeiten unb Thor« hette«, die in un» stecken, unb da wird sich schon genug finden, wenn wir Aber uns selbst ebenso scharf zu Gerichte fitzen wollen, wie über die lieben Nachbarn, dessen fehlerhafte Gewohnheiten wir fo gern durchhechel«.
Die Erkenntniß ist der erste Schritt; mit dem zweiten und dritten Schritt ist das Ziel noch längst nicht erreicht. Wir fhb keine Engel mit
Mühen erfordert es, seinen Betrieb auf die Höhe * and fingen, um sich Ostereier zu erbitten. In der Züt zu bringe«! Der Eine versucht eS gar t manchen Ortschaften, so im Deutsch-Böhmssche«, nicht, ber Andere nur halb; sie kommen nicht —.Runb« aus dem alten Schlendrian heraus und werben
Theaterbesuchen rc. Auch um fich zu putzen, d. h. für AuSqänge ober Besuche; benn im eigenen Hause kann man fich's ja bequem machen. Solche schöne Lehren raunt ihr ber alte Schlendrian zu, und es dauert gar nicht lange, so herrscht er im neuen Hause so gut wie im alten, weil die junge Frau schon wieder träge, albern, vergnügungssüchtig und schlampig geworben ist. — O, es find ja alles nur „Kleinigkeiten", in denen die leichtsinnigen Leutchen sich schlendern lassen; aber mit solchen Kleinigkeiten richten sie ihr Glück zu Grunde.
Der Arzt weiß auch ein Lied vom alten Schlendrian zu fingen. Der verständige und gewissenhafte Arzt will nicht bloß Rezepte und Rechnungen schreiben, souoern seine Pfleglinge gesund machen und gesund erhalten. Also er macht seine wohlerwogene Vorschrift über die Abstellung gesundheitsschädlicher Gewohnheiten unb Einrichtungen. Em Theil der Kunden läßt diese Mahnung gleich zum anderen Ohr wieder gehen, ein anderer Theil nimmt anstandshalber ei« kleiner Anlauf, um bann bald wieder in den alten Schlendrian zurückzusinken. Wer will sich denn auf die Dauer auch die Cigarren und Schoppen zuzählen, die SchlasenSstunbe vorschreiben, die Lieblingsgerichte verbieten, die Korsett-Nummer erweitern, die reizende „Gtaub- sänge" aus der Wohnung vertreiben lassen? Nein, es bleibt beim Alien, und wenn unser Doktor
u«S dabei nicht gesund mache« kann, bann gehen i „Wenn die Glocken auS Rom zurückkomme« wir zu einem andern, ber besser mit sich werbe«! — wohin sie ja bekanntlich am Gründonnerstag läßt. — Der alte Schlendrian sorgt schon dafür, s fliegen sollen — bringen sie die Ostereier mit , - - “ so glaube« die Kinder, welche deshalb beim erste«
Glockenton nach dem stille« Karfreitag in ben Garten stürze«, um die H-cken, Beeteinfassungen und Gebüsche zu durchstöbern und so die Eier zu suchen, welche die Glocken auf ihrem Fluge durch die Luft haben fallen lassen.
In vielen Dörfern war es früher Süte und ist es auch heute noch, daß die Kinder der ärmeren Klassen am Karsamstag umherzrehe« |und fingen, um sich Ostereier zu erbitten. I«