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mit Nntsrhaktungs -Aeitage „Issustrirte Sormtags-Irrümg" «—•ss;

Drittel Blatt.

Iueöa, Samstag, den 29. März 1902.

29. JahrgMg.

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Wird der deutsche Reichstag wichtige Verhandlungen «cch vornehme» müsse«. Noch wichtiger aberist für nur Christen, insbesondere für «ns Katholiken, der neue Kulturkampf, dessen Vorzeichen sich von Tag zu Tag »ehren. Die Feinde der christlichen Weltanschauung habe« eS auf die Vernichtung der katholischen Kirche abgesehen und auf der ganzen Linie einen p'an- mißigen Ansturm unternommen In Frankreich, Spanien und Oesterreich ist der Kampf schon hell entbrannt rnd bei uns in Deutschland mehren to die Vorzeichen des Sturmes in erschreckender Weise von Tag zu Tag. Ein großer Theil diese- Kampfes wird und muß in der Tagetpresse, die mitten im Leben, aber auch mitten im Kampfe steht, au-gefochten werden. Soll aber der Kampf vurchgefochten, der Sieg erfochten werden, dann »üffen alle Katholiken aus dem Plane er­scheinen zur Unterstützung ihrer Presse.

Katholiken I Lernt von »nseren Gegnern, die da unermüdlich sind in der Verbreitung ihrer Presse. Der hl. Vater, die H. H. Bischöfe, die geistlichen und weltlichen Führer der Katholiken und die Katholikenversammlungen haben eS wieder­holt al» eine Pflicht eine» jeden Katho­liken bezeichnet, nach besten Kräften an derVer- Rettung der katholischen Presse mitzuarbeiten. Katholiken seid eingedenk dieser Mahnung! Haltet die gegnerische Presse fern au» euern Häusern und sorget dafür, daß in jeder katholischen Fa­milie ei« katholisches Blatt gelesen wird.

Die Haltung eines guten Blattes ist auch im Hinblick auf die politischen und sozialen Zeitver- hältnisse dringend geboten. Interessante «Dinge dürften sich in nächster Zeit gar manche auf der politi­schen Bühne Deutschlands abspielen. Dazu kommen aus der ausländischen Politik der Burenkrieg, der in letzter Zeit wieder recht interessante Ueberraschungen gebracht hat, und die gespannten Verhältnisse in fast allen Kulturstaaten Europas. Unter solchen Umstän­den ist das Lesen einer Zeitung, die täglich über all diese Dinge rasch und zuverlässig berichtet, n Bedürfniß für Jedermann, der für die Vor- änge auf der Weltbühne Sinn und Interesse hat.

Anläßlich des Quartalswechsels laden wir daher unsere verehrten Leser zu recht zahlreichem Abonne­ment ein und richten zugleich die Bitte an sie, uns in der Gewinnung neuer Abonnenten durch Empfehlung in Freundeskreisen nach Kräften zu unterstützen. Um bei dem herannahenden Quartals­wechsel unliebsame Störungen zu vermeiden, ist es gut, wenn man schon jetzt bei den Postanstalten die Bestellung bewirkt.

Die ,Fuldaer Zeitung' mit der achtseitigen Gratisbeilage ,Jllustrirte Sonntagszeitung' ist das einzige täglich erscheinende Blatt der Ceu- trumspartei in der Diözese Fulda und im Regierungsbezirk Kassel; sie behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und über­sichtlich zusammengestellt; den lokalen und provin­ziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt ge­widmet und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonderes Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter in Berlin sowie in der Provinz setzen uns in den Stand, über alle wichtigen Ereignisse bedeutend früher zu berichten, als die anderen Blätter hiesiger Gegend.

Durch ausgiebige Benutzung des Fern­sprecher- sind wir in der Lage, über alle be­deutende Vorkommnisse in der Welt rasch zu be­richten. Durch Vertrag mit dem Wolff'schen Depeschenbureau haben wir uns die Uebermitte« lung der

Wichtigsten Depeschen aus dem In- und Auslande

gesichert. Diese Einrichtung hat bei unseren Lesern große Anerkennung gefunden. Bei besonderen Anlässen erleichtert die ,Fuldaer Zeitung' das Berständniß der Artikel durch

© Karten und Illustrationen, © wie überhaupt weder Kosten noch Mühen gescheut werden, wenn es gilt, das Blatt zu vervollkommnen.

Den zahlreichen Freunden der Geschichte unserer Vaterstadt wird die neue Beilage unserer Leitung:

„Ikulöcrer Hsschichtsblätter", die monatlich erscheine», hochwillkommen sein.

Die amtlichen Bekanntmachungen, sowie die HolzverkSnfe, Marktberichte und ähnliche An­teigen von allgemeiner Wichtigkeit werden aus et» für unseren Leserkreis in Bettacht kommenden Kreisen sämmtlich in der »Fuldaer Zeitung' veröffentlicht.

IV Die vollständige» Ziehungslisten der preußischen Klaffenlotterie «erde« jedeSmal in unserer Zeitung zum Abdruck gebracht.

Mögen deshalb unsere Freunde in Stadt und Land dafür sorgen, daß die »Fuldaer Zeitung' Nicht nur in jedem WirthShause aufliegt, Müdem auch in jeder katholischen Familie zu finden ist.

■T~ Re« hiuzutretende Monnenten er» hakten, we»n sie der kxpMtion (Fuldaer AMendmckerei, Harmonie) die Postguittuug senden, jte Zeitung vom Tage der Bestellung au bst» Ende Mfirz nnoutgottlich und frewte.

Wocheir-RrrrrLschkn.

(Rachdruck »erboten.)

X Fulda, 29. März 1902.

Den wicht-gfien Platz in den politischm Ereignissen der allerletzten Zeit nehmen die Vorkommnisse auf dem Gebiete der auswärtigen Politik ein; und unter diesen gebührt wiederum der Vorrang der Er­klärung, mit der Rußland und Frankreich auf den Abschluß der Bündnisse» zwischen England und Japan geantwortet haben. Daß die „befreundeten und verbündeten Mächte" der Zweibundes dieser ihrer Erklärung großes Gewicht beimessen, geht au» der äußeren Form hervor, in der dieselbe zur Kenntniß der deutschen Regierung gebracht wurde: der russische und der französische Botschafter in Berlin haben das diplomatische Schriftstück gemeinsam und persönlich dem Reichskanzler Grafen Bülow überreicht. Der Hauptsatz darin sagt klar und deutlich, daß Frankreich und Rußland nicht irgendwelche Ansprüche der eng­lisch-japanischen Gruppe über den Rahmen der gegen» wänigen Verhältnisse hinaus dulden wollen, und da­mit ist das politische Gleichgewicht in Asien wieder hergestellt. Uns Deutschen brauchte der Abschluß der Bündnisses zwischen England und Japan keine Be­sorgnisse zu erregen. Aber jetzt, nachdem Zwcib«nd gegen Zweibund in Asien sich gebildet hat, kann mau noch sicherer als vorher auf die Erhaltung der Frie­den» in Asten hoffen, und das ist die Hauptsache für alle Mächte, die, wie Deutschland, nur wirthschaftliche Zwecke in Asien verfolgen. In diesem Sinne hat auch Herr Delcasse, der französische Minister de» Auswärtigen, die ostafiatische Mächtegruppirung be­sprochen ; und da Frankreich wirklich da» größte In­teresse hat an der Erhaltung der gegenwärtigen Zu­stände in Asten, kann man glauben, daß Rußland auch nicht mehr andere Pläne für Ostasien im Schilde führt. Nächstdem wird nun Herr Loubet, der Präsident der französischen Republik, dem Zaren seinen Gegenbesuch in Petersburg machen, wozu ihn Väterchen Zar noch mit einem ganz besonders liebenswürdige« Handschreiben eingeladen hat; und das französische Parlament hat dMr Herrn Loubet eine halbe Million Franken zur Verfügung gestellt. Auch in England beurtheilen vernünftige Leute die von Rußland und Frankreich abgegebene Erklärung sehr ruhig. So schrieb ganz richttg die Londoner Morning Post', ein ausgesprochene» englisches Regierungsblatt, das fran­zösisch-russische Abkommen sei ganz einfach ein neue» Unterpfand für die Politik der offenen Thür in Ost­asien, also für die Gleichberechtigung aller Mächte in Ostasien auf de» Gebieten de» Handel» und Verkehrs.

Das andere Hauptereigniß ist die Einleitung von Unterhandlungen zwischen den Engländern und den Buren. Schalk Burger und andere Mitglieder der Transvaalregierung haben mit Lord Kitchener in Pretoria verhandelt und sind dann mit britischem Ge­leite nach dem Oranje-Staate aufgebrochen, um den Präsidenten Steijn, den Burenkommandanten Louis Botha und andere Burenhäupter aufzusuchen, die unter den Waffen gegen die Engländer stehen. Er ist ihnen sichere» Geleite zur Rückkehr nach Pretoria be­reits im voraus zugesichert worden, und jedenfalls sollen dann die Unterhandlungen mit dem britischen Oberbefehlshaber erst recht wieder ausgenommen werden. Hätten die Engländer solche Verhandlungen nicht gewünscht, würden sie Herrn Schalk Burger nicht das sichere Geleit zu seiner Reise nach dem Westen und wieder zurück gegeben haben. Vielleicht ist das nun wirk­lich einmal ein ernsthafter Ansatz zu Friedensunterhand­lungen. Gleichzeitig ist von neuem das schon früher einmal verbreitete Gerücht aufgetaucht, die Buren wollten den Engländern das Goldland und die Dia­mantenfelder überlassen, wenn man ihnen weiter nach dem Innern zu das Zulu-Gebiet endgiltig abtreten wollte!

Der Kaiser ist am Freitag von der Nordsee »ach Berlin zurückgekehrt. Am Tage danach ist Reichskanzler Graf Bülow nach Italien abge­reist in Gemeinschaft mit seiner Gattin. Er will dort bis nach de« Osterfeste verweilen, «nb gleich­zeitig trifft er dort zusammen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Z a n a r d e l l i und dem Minister de» »enßern Prinetti.

Fürst Heinrich XII. von Renß ä. L. ist schwer krank au» Obermais bei Meran in seiner Residenz Greiz eingetroffen. Man befürchtet, daß der Fürst diese erneute Erkrankung nicht überstehen werde. Er hat keinen nachfolgeberechtigten Leibes­erbe», so daß wohl die jüngere Linie nun auch im Greizer Lande zu bald zur Regierung gelangen wird.

Bon Interesse ist die Meldung, daß die Reichs­regierung sich mit Erhebungen über da» »art eil wes en beschäftigt. Zunächst erfährt man in bestimmter Form von einem Rundschreiben de» preußische« Handel»mimsters an die Regierung»- präsidente», in de» e» «ater Anderem heißt: „Bei der zunehmeude« Bedeutung des Kartellwesens er­scheint e» erwünscht, über die Bildung und Ent­wickelung wirthschastlicher Kartelle sowie über deren Wirkungen thnnlichst genau unterrichtet z» werden. Die Veranstaltung einer förmliche« Enquete über die einschlägigen Fragen empfiehlt sich zur Zeit aber nicht, weil dadurch unnöthigerweise Beunruhigung in die betheiligten Kreise getragen werden würde . . ." Eine fahr zarte Rücksichtnahme!

In dem Reichstagswahlkreise Bre»!au-West mußte eiue Ersatzwahl paltfiuden für den verstorbenen Abgeordneten Dr. Schönlank. Der Wahlkreis ist der Sozialdemottatie mit Haut und Haar verfalle«, so daß kein Mensch an die Möglichkeit gedacht tyrt, die Sozialdemokratie hier au» dem Felde zu schlag««. Gewühlt wurde der Schriftsteller Eduard Bern- stein, dessen Sonderbündelei gegen die Oberbonzen

in der Sozialdemokratie man augenscheinlich am eheste» in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion „klein zu kriegen" hofft. Die Sozialdemokratie hat aber auch in diesem Wahlkreise eine Abnahme der Stimme« gegen 1898 zn verzeichnen.

In der zweiten hessische« Kammer richtete der nationalliberale Abgeordnete Graf Oriola eine Anfrage an die Regierung wegen der Getreide­zölle. Er und die übrige» Unterzeichner der Interpellation wollten die hessische Regierung dazu veranlassen, im Bundesrathe für eine Erhöhung der Zölle über die Tarifsätze de» Entwurse» hinan» zu wirken. Staatsminister Rothe hat da» abgelehnt: Die hessische Regierung sei „außer Stande, auf die Erhöhung der Mindestzölle für (Betreibe hiuzuwirken, um nicht den Abschluß eener Handelsverträge zu gefährden." Nichtsdestoweniger besteht nach den übereinstimmenden Berichten mehrerer Zeitungen ganz gut begründete Hoffnung darauf, daß schließlich noch eine Einigung zwischen Regierung und Reich»- tagsmehrheit über erhöhte Betteidezölle erzielt wird, namentlich über höhere Zölle für Weizen und Gerste.

Die Diözese Augsburg wird also als neuen Oberhirten den Herrn Dompropst Dr. Lingg in Bamberg erhalten, einen hervorragenden Priester, Redner und Gelehrten, dessen Wiege am Fuße der schönen Allgäuer Berge gestanden hat. Man kann der verwaiste« Diözese au« vollem Herze« zu diesem neue« Oberhirten Glück wünschen, uw so mehr al» Dompropst Dr. Lingg seit zweihundert Jahren wieder der erste Bischof von A«g»burg sein wird, dessen Wiege in Schwaben stand. Der hochwürdige Herr hat am 8. März sei» sechtzigste» Jahr voll- enoct.

Die verrätherischen Umtriebe des Obersten von Grim« in Warschau sind nicht von der russi­schen Regierung selbst entdeckt worden. E» ist Oberst Fanre vom ftauzösischen Generalstabe gewesen, der zuerst die Aufmerksamkeit der Russen darauf lenkte. Nach unwidersprochen gebliebenen Meldungen Pariser Blätter soll Oberst von Grimm auch fast alle Einzel­heiten der französisch-russischen Militärkonventton ver- rathen haben — an wen? erfährt man nicht. Der ehemalige Oberst ist bereit» nach Petersburg gebracht worden, wo ihn sicherlich sehr strenge Richter er­warten. 3« »rüffel hat sich in in feinem Bureau der General der Reserve Hennequin mit einem alten Militärgewehr erschossen, der Direktor der kartographischen Abtheilung. Sein Bureau und seine Papiere find sofort versiegelt worden. Möglicher­weise steht dieser Selbstmord mit der Entdeckung in Warschau im Zusammenhänge.

Bi» jetzt haben bte Straßenkuudgebungen für die Einführung de» allgemeinen Wahl­rechte» in Belgien noch keine eigentlichen Ruhe­störungen zur Folge gehabt. Man muß abwarten, ob da» dabei sein Bewenden haben wirb. Die Erregung ist jedenfalls während der letzten Wochen nicht geringer, sondern heftiger geworden.^

Die Republik Frankreich rüstet sich auf die allgemeinen Neuwahlen, und alle Kammerverhand­lungen stehen bereits vollkommen unter dem Einflüsse dieser Thatsache — man spricht und handelt nur noch, um Stimmung für sich im Lande draußen zu machen. So brachten am 24. März verschiedene Deputirte Anträge auf Amnestie ein, setzten die Annahme dieser Anträge durch und — verwarfen sie dann wieder in Gemeinschaft mit der Kammergesanimtheit, nachdem die Regierung gesprochen hatte. Sehr richtig schrieb darüber das Pariser .Journal des Debats': Die Kammer hat wieder einmal das Bild einer Versamm­lung gegeben, die weder weiß, was sie will, noch was sie thut . . . Nachdem die Kammer einsah, daß das, was sie beschlossen hatte, weder Sinn noch Verstand hatte, verwarf sie en bloc, was sie en detail ange­nommen hatte....

In SpanienundJtaliensind die Minister­krisen zum Abschlüsse gelangt dadurch, daß die früheren Kabinette nach kleinen Veränderungen in ihrer Zusammensetzung ihre Thätigkeit wieder ausge­nommen haben. Es fragt sich nur, wie lange sie ihre Thätigkeit werden ausüben können., Namentlich in Spanien wird das schwerlich noch lange der Fall sein. Sehr bemerkenswerth ist es, daß Minister­präsident Sagasta in der OrdenSfrage einen Rückzug angetreten hat: die Ausführung der neuen Verord­nungen über die Kongregationen sollen noch einige Zeit verschoben werden.

Bon Unruhen ist in Spanien in der allerneuesten Zeit nichts mehr zu spüren gewesen; auch nicht in Italien. Dagegen herrschen auf österreichischem und ungarischem Gebiete, in den adriatischen Hafenorten Triest und Fiume, bedrohliche Zustände. In Triest gehen geradezu abenteuerliche Gerüchte um von be­absichtigten Dynamitverschwörungen gegen das Flotten­arsenal und gegen einzelne Kriegsschiffe; jedenfalls ist man auf der Hut gegen erneute Ausbrüche der anar­chistischen Umtriebe, in Triest und ebenso in Fiume. In dieser letzteren Stadt hat die Ausstandsbewegung neuerding» einen gefährlichen •baratter angenommen, so daß die Behörden alle Borschriftsmaßregeln trafen, um Aufruhrbewegungen nach dem Beispiele von Triest im Keime zu ersticken.

Sogar im Kaukasus ist es in diesen Tagen zu Arbeiterunruhen gekommen. Die Arbeiter der Rothschilb'schen Werke in Saturn stellten am 17. März die Arbeit ein, weil gewisse Forderungen, die sie stellten, abgelehnt wurden. Daraus machte sich eine drohende Bewegung unter ihnen bemerkbar, und am 22. und 23. März ist es zu wüsten Zusammen­stößen mit dem Militär gekommen, da» im Interesse der Ordnung gegen die unruhigen Elemente vorgehen mußte. Bon den Soldat« wurde einer verwundet; von den Ruhestörern blieben dreißig tobt auf dem Platze Die Borgänge hängen augenscheinlich mit der

Gärung zusammen, die in ganz Rußland wieder sich bemerkbar macht.

In der Zusammensetzung des Ministeriums der Vereinigten Staaten von Amerika hat nun Präsident Roosevelt doch mehrere Veränderungen vov- genommen. Der Generalpostmeister Smith und der Schatzsettetär Gage sind bereits aus dem Amte ge­schieden. Daß der Marinesekretär Long aus dem Amte scheiden wird, ist bereits bestimmt; und wahr­scheinlich werden ihre Posten verlassen Herr Hay, der Staatssekretär des Aeußern, und der Ackerbau­minister Wilson. So vollkommen unverändert wird also der Kurs Mar Kinley's nicht weiter gesteuert werden!

Urrmischtrs.

* @itte ^fättbttng „anrüchigster« Art wurde in Warendorf auf ^Betreiben seiner Gläubiger bet dem Friseur und Eisenbahn-Arbeiter T. vorgenommen T., der in Zahlungs-Schwierigkeiten gerathen war, gelangte durch einen gewonnenen Prozeß in den Besitz eine» Baar- vermögenS von 2000 Mark. «IS die Gläubiger von dem unvermutheten BermögraSzuwachS ihres Schuldner» hörten, beauftragten sie sofort einen Gerichtsvollzieher, neuerdings Pfändung vorzunehmen. DaS war nun aber leichter gesagt al» gethan, denn T. bezeichnete al» de» Aufbewahrungs-Ort für fei« Vermögen die Abort« grübe, in welche ihm daS Geld vor einigen Tagen, als er bezecht heimgekommen fei, gefallen wäre. Auf Antrag deS Rechtsanwaltes wurde nun. im Beisein der Gläubiger und einer großen Menge Neugieriger die .Soldgrube" ihre» Inhalte» entleert, auf deren Gründ man fchließlich 15 90 > Markstücke, also 800 Mark vor­fand. Der Rest deS Seide» wurde leider nicht gefunden. Die eigerrthümliche Pfändung nahm die Veruchsnerve« der weitesten Kreise in Anspruch.

* Elektrische Beleuchtung durch Windmühlen soll in Chicago eingeführt werden. Das .soll" in dieser Mittheilung bedeutet freilich nur eine lieber« setzung des Französischen .on dit". Drüben in Amerika sprießen die Pläne ans dem Boden wie Pilze nach dem Regen. Bon hundert wird noch nicht einer auS- geführt. Ein Lehrer an der Universität Chicago Na­mens Franklin Head hat einen solchen Plan neu­lich seinen Zuhörern unterbreitet. Er will die Ange- legenhett dem ernstesten Studium unterwerfen und hofft binnen kurzem zur prakttschen Ausführung schreiten zu können. In der Umgebung der Stadt sollen an den höchsten Punkten zahlreiche Windmühlen angebracht werden, die die Kraft de» Windes dazu ausnutzen sollen, durch Vermittelung der Dynamomaschinen Elektrizität zu ermitteln und Akkumulatoren zu laden, deren Leistungsfähigkeit zur Beleuchtung der ganzen Stadt ausreichen soll. Head glaubt aus seinen Rech­nungen sogar den Schluß ziehen zu können, daß er außerdem noch elektrischen Strom für die Heizung der Häuser übrig behält.

* Eine Aussehen erregende HeirathSgeschichte wird aus New-Aork berichtet: Der auch in Deutsch­land bekannte amerikanische Maler George E. Cook, ein 35 Jahr alter Mann, hat die 70 Jahr alte Millionärin Noye „entführt" und sich in Brooklyn mit ihr trauen lassen. Die Verwandten der alten Dame — Cook ist dritter Gemahl — wollen den Maler „wegen Entführung" verhaften lassen. Einem Bericht­erstatter gegenüber erklärte Cook: „Es ist wahr, daß meine Frau 70 Jahr alt ist und ich nur 35. Solange wir aber einander lieben (!), macht der Altersunter­schied nichts aus. Man sollte nicht glauben, daß eine Frau fliehen müßte, um den Mann ihrer Wahl zu heirathen. Dies war aber bei uns der Fall. Meine Stellung in der Gesellschaft ist so gut wie die meiner Frau. Unsere Familie gehören zu ältesten im Lande. Ich wurde am Hose in London vorgestellt und bin an der Riviera ebenso bekannt wie in Rom, München und Berlin. Meine Frau und ich sind für einander geschaffen. Wir haben gleiche Lebensanschauungen." Na, also!

* Aus der Kaserne. Unteroffizier A.: „Der Re­krut Meier ist wohl außerordentlich dumm?" — Unteroffizier B: „Das gerade nicht; er ist ein rich­tiges Normal-Rhinoceros."

* Neues Wort. „Wie lauge ftubirt Ihr Sohn bereit» auf der Hochschule?" — „Ach Gott, achtzehn Semester almamatert der Mensch schon!"

* Befähigungsnachweis. Theaterdirektor: .In dem neuen Stück werden Sie eine Treppe von dreißig Stufen hinuntergestoßen, werden Sie das auch mache« können?" Schauspieler: „O gewiß, ich habe ja früher Privatkundschast als Weinreisender besucht."

" DaS Großstadtkind. Eischeu (da» bei einem Waldspaziergang zum erstenmal ein Veilchen sieht): „Mama, diese» Blümchen riecht ja nach Parfum!"

* Nutze« der Wissenschaft. Unteroffizier: „Ein­jähriger, wa« sind Sie?" — Einjähriger: „Student der Chemie." — Unteroffizier: „Del paßt ja jroßarttg." Da könne« Sie mir in Zukunft meine Handschuhe chemisch reinigen.

* Znriickgegebe«. Oekonomieinspektor (auf dem Pferde): „Nur tüchtig zugemäht, Wastel, Arbeit «acht da» Lebe« süß!" Knecht: „Ja, — wenn man dabei zugncken kann."

- 1 " Maßstab. Student (der eine« Elefa«te« saufen sieht): „Donnerwetter, da sehe ich erst, wie mäßig ich im Trinke« bin!"

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