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mit Zlnterhattungs -Beilage „Zssuffrirte Sonntags-Zeitung:'

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M 71.

Jutöa, Donnerstag, den 27. März 1902.

29. Jahrgang.

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KchlimM esf des 2. Mal 1902 der »Fuldaer Zeitung^werde« fort- Mährend von alle« Postanstalte«, Land- hriefträger« «nd vo« uuferer Expedition (Harmonie) evtgegeugenommen.

□ Der Tag der Thränen.

Es ist nicht evangelisch, wenn die Prote» stanten den Karfreitag froymAhig als Festtag feiern. Ihnen widerspricht auf das Deutlichste oas Wort des kreuztragenden Herrn: „Weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst uns eure Kinder! Denn stehe, es werden Tage kommen, an welchen man sagen wird: Selig find die Unfruchtbaren! Dann werden sie an- sangen, zu de» Berge» zu sagen: Fallet über unS! und zu den Hügeln: Bedecket uns! Denn wenn ma« das am grüuen Holze thut, was soll dann dem dürren geschehen!-

Weinet über euch und eure Kinder! Wir sollen nicht schwelgen in der Sicherheit der Er­lösung, sondern zittern vor dem Gericht, das auch dem Erlösten nicht erspart bleibt. Am Karfreitag fordert uns der Herr selbst auf zu Trauer und Thränen, zu Schrecken und Buße.

Es ist gar nicht die Rede davon, daß die Frucht der blutigen Genuglhuung nun ohne Weiteres de» Menschen in den Schoost siel und fortan das Himmelreich leine Gewalt mehr leiden wolle. Es wird auch durchaus nicht prophezeit, daß nun sie ungetrübte GlÜckSzett der bequemen Hetlsgewißheit für die Menschheit anvrechen werde. Im Gegentheil: Tage der Angst und Verzweiflung werden angekündigt, uns dem dürren Holz, das kein Leben des Glaubens auf« weift, wird eine schwerere Bestrafung durch die Hand des Allgerechte» angetündigt, als wie sie den Erlöser getroffen, der die Sü«den der Anderen aus stch nahm.

Wirket euer Heil in Furcht und Zittern! Der Weg zum Himmel ist nach der Erlösung wieder gangbar, aber bleibt schmal, die Pforte bleibt eng, es tostet Anstrengung, zum Heile zu gelangen.

Vor der ewige» Seligkeit steht das strenge Gericht, a« dessen Gefahren und Schrecken uns das erschütternde Wort der kreuztragenden Er« lösers ennnert. Ein Thrtl der Menschen wird trotz aller Liebes« und Gnadenwunder das Ziel nicht erreichen. Einige Zweige am Baume der erlösten Menschheit bleiben dürr. In dem Vor« gefühl des DerlorenseinS rufen ste verzweifelt nach Zermalmung und Vernichtung. Sie empfin­de» die Wahrheit des Wortes: Es wäre ihnen besser, we«« ste sicht geboren wären.

Ja, es werden uns sogar traurige Zeiten in der erlösten Welt prophezeit, wo die düstere An­sicht stch weithin verbreitet, daß Nichtsein beffer wäre, als das irdische Dasein mit all' seinen Sünden und Nöthen, seiner unausrottbaren Ver­derbtheit und seinen entsetzlichen letzte« Dixge«. Tief ergreifen muß es die mitfühlenden Herzen, wenn ste von dem Erlöser selbst beim Antritt seines TodeSweges hören, daß er nur eine be­schränkte Wirkung seiner Opferthat voraussieht und sich recht bewußt ist, wie viel von seinem erhabene« Werk an der menschlichen Schwäche und Bosheit zu Grunde geheu wird.

Wen» der Herr dis Menschen ohne ihre freie Mitwirkung hätte begnadigen und beseeligen wollen, so würde er an den Stufen seines Selbst- aufopserungsaltares nur von Friede und Freude zur Menschheit gesprochen haben. Er wollte aber dtze Willensfreiheit und Selbstbestimmung ihm beliasse«, und daS Wort von Bethlehem: »Friede, den Menschen, die eines guten Willens sind", sollte auch auf Golgatha für alle Zeit noch gelten. Der ernste, thatkräftige Willem, der lebendige,'werkthätige Glau­ben sostte die Bediugung bilden für die Aneig­nung ves Heilsschatzes der Erlösung, die aus- geftrecktse Hand der Rettung sollte erfaßt, das Kreuz Kollte vo» den Menschen auf ihre Schultern genommen «erden. Diese Abhängigkeit der Wirkungen der Erlösung von dem Wollen und Thun der Menschen entpreßt dem liebevollen Herze» Ide« Seufzer: „Weinet über euch und eure Kinder.'' WaS wird mit dem dürren Holze ge- schrhrn!*“

Demgemäß dürfen wir nicht erstaunen, wenn wir in jter christlichen Zeit noch so viel dürreS Holz erblicken. Das entspricht der Voraussage. Wir dürsten nicht zweifeln an dem Werke Gottes, wenn di« geduldeten Eingriffe der Willensfrei­

heit der Menschen dem Wall der Gnade hier und da Abbruch thut. Ein ewiges Ringen mußte der Welt beschieden bleiben. Die Voll­kommenheit bricht erst im Je»feitS an, wenn die Spreu vom Weizen geschieden ist. Bis dahin ist alles auf Erden unvollkommen, mit mensch­lichen Schwächen und Sünden behaftet.

Am jüngsten Tage wird auch erst der Triumph des Kreuzes vollständig sein. Bis daht» heißt die Gemeinschaft der Gläubige« auf Erden die kämpfende Kirchs. Und gerade weil sie fort­während ringt und kämpft, nicht bloß gegen äußere Angriffe, fordern auch gegen die inneren Schwächen der menschlichen Glieder und Werk­zeuge, entspricht sie dem Bilde, das die heilige Schrift uns von ihr gezeichnet.

Am Karfreitag müssen wir neben der Er­habenheit des Gotteswerkes die Armseligkeit der menschlichen Kraft und Tugend iu's Auge faffen, und deshalb trauer« und weine» über uns und unsere Genossen in der Schwachheit und Sünde. Buße thun in demüthiger Furcht, und Befferung ««strebe« mit aller Kraft, das muß die Wirkung der Kreuzandacht an diesem erschütterndsten aller Gedenktage sein. „Nimm dein Kreuz auf dich unb folge mir nach." So lautet die Mahnung vom Kreuzgang. Wer sie bis an sein Herz dringen läßt, der wird nicht triumphiren in ein­gebildeter Hetlsgewißheit, sondern mit Thränen der Reue de» Stamm des Kreuzes benetzen und mit dem ernsten Entschluß zur eigenen Verchrist- lichung rufen: Herr, gedenke meiner und hilf mir, baß ich nicht fink»!

® Die Juden als Ackerbauer.

Etwa vor Jahresfrist hat sich ein israelitischer Verein gebildet, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, Juden in größerer Zahl wieder der Land- wirthschast zuzuführen. Der Verein nennt sich „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Demschlands", und man muß ihm ja ohne weiteres zugestehen, daß er ganz vor­treffliche Zwecke verfolgt. Außerdem ist es außer­ordentlich intereffant, zu beobachten, wie inner­halb des Judenlhums selbst immer mehr die Einsicht für die Uebelstände stch Bahn bricht, unter deren ungünstigen Einflüssen sehr viele Jaden etue nicht gerade rühmliche Rolle in der menschlichen Gesellschaft spielen. Es sind schon seit längerer Zeit mehrere jüdische Vereine an der Arbeit, die stch die Vereoelung,ihrer Glau- densgenoffen zum Ziele genommen haben; zu den Begründer» eines dieser Vereins gehörten bei­spielsweise die verstorbenen freifinnigen Abge­ordneten Ludwig Löwe und Dr. Bamberger. Und ebenso bekannt sind die Bestrebungen des Großbaukiers Hirsch, der in Argentinien jüdische Ackerbauniederlaffunge» gegründet hat — gründe» wollte, muß man eigentlich sage»; denn eS ist auS diesen Ntederlaffunge» noch nichts geworden. Die dort angrstedelten Jude» haben sehr bald wieder dem Spaten und der Pflugschar de» Rücken gekehrt und haben aufs neue auf den Handel sich geworfen und »u» können diese jüdischen Niederlassungen des Barons Hirsch nicht leben und auch nicht sterben.

Die Gründer des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter de» Jaden Deutschlands haben nun freilich ihre Bestrebungen in anderer Art begründet. Sie meinten so: Mit dem kaufmännischen Mittelstände, dem die deutschen Juden fast ausschließlich angehören, firht es trüb aus. DaS Konfumvereinswesen, dir riefen- haste» Waarenbazare «nd Kaufhäuser gefährde» diesen kaufmännischen Mittelstand, und deswegen wird es Zeit, die Jude» anderen Erwerbs- zweigen zuzusühre». Das ist indessen eine nicht minder interrffante Begründung dieser Bestre­bungen. Diejenigen Vertreter des Judenlhums, die de» Parlamente« ««gehören, und diejenigen Parteien, denen dieselben angehöre», leugne« daS Alles ja hartnäckig. Ma« denke nur daran, mit welcher Math die betreffenden Abgeord­nete» im preußischen Abgeoronetenhause das Gesetz über die Sonderbestruernng der Weare«- Häuser bekämpft haben, und mit welcher Leiden- schäft die Politiker dieser Richtung immer und immer wieder die Thatsache hinwegzutisteln suche«, daß der gewerbliche und kaufmännische Mittelstand durch die moderne wirthschaftltche Entwickelung wirklich sehr schwer bedroht sei! Da ist es sehr bedeutungsvoll, daß im ausge­sprochenen Gegensätze dazu angesehene und reiche Jude» sich zusammrnthun, um ärmere Glaubens­genossen für die Landwirthschaft zu gewinnen, weil der kaufmännische Mittelstand durch die Bazare und Waarenhäuser und die ganze Ent­wickelung unseres modernen Verkehrs bedroht wird!

Der Mehrheit des deutschen Judenthums ist dieser Hinweis augenscheinlich auch unbequem gewesen, und die Gründer des genannte« Vereins mögen viele Widersprüche erfahren habe«. I«

«eueren Darlegungen versichern sie, daß alle Ein­wände, die gegen ihre Bestrebungen erhoben werden, nicht stichhaltig seien — es müffen also solche Einwände erhoben worden sein! Dagegen führe» sie »uw für ihr Streben als »euer Be­weismittel ins Feld, daß durch die Schaffung eines tüchtige» jüdische« Baurrnstammes in Deutschland nicht nur der Antisemitismus un­schädlich gemacht, sonder» auch „eine physische Kräftigung, eine Stärkung des EelbstbewußtseinS und eine Hebung der sozialen Lage der ge- sammten Judenschaft in Deutschland bewirkt werden würde". Daß eine Stärkung des jüdischen Selbstbewußtsetns nöthig sei, wird man den Herren im allgemeine» schwerlich glauben. Im übrigen werden sie ja sehen, wie weit fie mit ihrem Verein komme» «erde».

Der Verein soll augenblicklich mehr als 1200 Mitglieder zahlen. Er hat das Gut Neuhof bei Pose» erworben, um dort junge Jude« in der Landwirthschaft ausbilde» zu lassen und fie nach­her a!S Bauer« anzustedel». Das ist, wie man zugestehen muß, ein anderes Verfahren, als bsi- spielsweise bei den argentinischen Gründungen deS Barons Hirsch, und jedenfalls such eine bessere Methode; und wenn Überhaupt auf diesem Gebiete Erfolge zu erziele« sind, dann müßte man sie auf diesem Wege erreichen. Deswegen nimmt diese Unternehmung in so hervorragendem Maße unser Interesse in Anspruch. Denn sollte der Verein auch auf diese Weise zu keine« gute« Erfolge« gelangen, so würde er damit selbst den beste« Beweis geliefert haben für die Behauptung, daß das moderne Judenthum und überhaupt die Juden unserer Zeit vollkommen untauglich ge­worden sind für den Betrieb der Landwirthschaft.

Das Unternehmen verdient deswegen in hohem Grade dir allgemeine Aufmerksamkeit und fort­gesetzte Beobachtung.

Zur rechte« Zett.

Oster-Erzählung »en E. Steinhäuser.

(Nachdruck verboten.)

ES war ein richtiges Karfreitagrwetter. Unab­lässig peitschte der Sturm schwere Regenmassen vor sich her; er brauste mit Macht durch die kahlen Bäume und riß die wenigen welken Blätter, die trotz des Winters Wüthen noch an den Äesien hängen geblieben waren, ab und wirbelte ste in» Weite. Galt es doch, dem Frühling den Weg bereiten, da durfte nicht» mehr bleiben was an Herbst und Winter erinnerte. Und da» war immer noch eine schwer» Arbeit i« dem große» Park, der das Herrschaftshau» de« Freiherr« von Bogen­dorf auf Bogendorf stundenweit umgab und erst endete an dem kleinen Pfsrrdorfe, in dem di« Tagelöhner de» Suter und die Bauern wohnten.

Hui, wie der Wind daherpfiff; er wühlte in den Jalousien an den großen Fenstern de» Schlöffe» und er gelang ihm auch, feine Regen­tropfen klatschend an die Scheiben zu hefte».

In dem wohlig durchwärmten großen Zimmer saß am Tische, zurückgelehnt in einem »eichen Sessel der Besitzer von Bogendorf, der Freiherr Hans v. Bogendorf. Er laß bei« matten Schein der Lampe die eben vom Postboten gebrachte Zei­tung. Zu seinen Füßen lag ein großer schwarzer Bernhardiner, der den Kopf traulich an des Herrn Fuß schmiegte.

Wieder prasselte ein Regenschauer gegen die Fenster; die Jalousien rasselten und schlugen an die Rauer. Aergerlich über diese Störung unter­brach der Freiherr seine Lektüre. Er drückt wieder­holt auf den Knopf einer vor ihm stehenden Klingel.

Nach ein paar Augenblicken erschien ein Diener in der Thür: „Der gnädige Herr wünschen?"

„Jean, ich wollte Ihnen sagen, daß ich mit Ihnen unzufrieden bin. Sie werden täqlich nach­lässiger. Heute haben Sie die Jalousien nicht gehörig befestigt, unablässig schlagen dieselben an )ie Fensterscheiben. Das ist ja entsetzlich. So «twas kam beim alten Jakob nicht vor. Sorgen Sie dafür, daß die Jalousien fest geschloffen werden."

„Zu Befehl, gnädiger Herr!"

Mit einer Handbewegung entließ der Freiherr »en Diener. Dann setzte er seine Lektüre «eiter fort. Nach einer kurzen Weile klopfte der Diener wieder an und trat herein.

„War wollen Sie?"

„Gnädiger Herr, es ist ein Mann da, der den gnädigen Herrn absolut zu sprechen wünscht!"

„Mich!?" fuhrderFreiherr auf, „unb noch in riefet späten Stunde. Wo kommt er her bei diesem fürchterlichen Wetter und was will er von mir, heute am Karfreitage?"

„Gnädiger Herr, ich weiß es ^icht; aber er wird stch nicht abwetfen lassen."

„So führe ihn herein, bleiben Sie aber im Vorzimmer."

„Zu Befehl, gnädiger Herr!"

Unruhig schritt der Freiherr im Zimmer auf und ab; die hohen Teppiche dämpften feinen festen Tritt. Leise knurrte der Hund.

Da öffnete sich die Thür. Erstaunt blickte der Freiherr auf. Herein trat eine hohe Männer­gestalt, in einen dunkeln weiten Mantel eingehüllt, einen großen Hut auf dem Kopfe.

Der Fremde näherte sich dem Freiherr« und kam in den Lichtkreis der Lampe. Rasch zog er seinen Hut vom Kopfe. Bestürzt wich der Frei­herr zurück. Dann streckte er wie zur Abwehr die Hände aus und rief entsetzt: „Karl, bist Du es?"

„Ja, Hans", erwiderte, der Fremde, „ich bin es, hast Du für mich kein Wort des Will­komms ?"

Sprachlos starrte Freiherr den Fremden an, krampfhaft hielt er sich am Tische fest, um sich zu stützen.

„Was willst Du?" kam es dann tonlos vo» seinen blutleeren Lippen.

„Was ich will, Hans? Das kaufst Du frage«? Wiedersehen möchte ich das Schloß meiner Väter, Wiedersehen der Heimath Wald und Flur, wieder- sehen auch Bich, meinen einzigen Bruder- Beten will ich am Herligen Osterfeste mit meinem Weib und meinen Kindern am Grabe der theuren Eltern und vor allem" — hier bebte des Frem­de» Stimme in tiefem Ernst — „beweisen will ich der Welt, daß ich unschuldig bin."

Heftig wogte des Fremden Brust; gewaltig erregt hielt er die Hände vor das Antlitz.

Starr blickte der Freiherr vor sich hin; seine Stirn zog stch in düstere Falten.

Der Fremde trat näher.

„Hans", bat er leise, „hast Du keinen Will- kommengruß für mich? Glaubst Du noch immer, daß ich —

„Daß Du ein gemeiner Dieb bist, dir Schande derer von Bogendorf!"

Hoch ausgerichter stand der Freiherr da; seine Augen sprühte,i Blitze. Bestürzt wich der Fremde zurück. Doch der Freiherr trat auf ihn zu.

„Du bist gekommen, um die Heimath zu sehen! Hast Du noch eine Heimath hier auf dem Boden, den Du durch Deine Anwesenheit von neuem ent-reihst. Beten willst Du am Grabe der Eiter», die Du mit Kummer beladen ins Grab gebracht, beweisen willst Du, daß Du kein Dieb! Hahaha" — Gellend lachte der Freiherr auf — „Beweisen Du! Warum hast Du eS nicht gleich bewiesen? Nein, Du möchtest hier Dich ftstsetze», möchtest hier mit Deiner Brut---*

„Halte ein, Hans, das geht zu weit!" schrie der Fremde und richtete sich drohend vor dem Bruder auf. „Beschimpfe mich, soviel Du willst. Unbestraft aber lasse ich nicht jene beschimpfen, die meines Lebens Glück sind, rein wie der lichte Sonnenstrahl. Du sollst uns kein Almosen gebe»; meiner Hände Arbeit brachte mir Sott sei Dank reiche» Gegen!"

„WaS willst Du sonst?" stieß der Freiherr zornbebend hervor.

„Was ich will — ich sagte es Dir schon einmal. Niederknte« will ich am Grabe der Eltern und beten. Steh' dort daS Bild der Mutter! Wenn auch der Vater mich hinauSstieß in Nacht und Elend, wenn er mich einen unge- rathenen Sohn, eine» Dieb nannte, die Mutter hat nie daran geglaubt, sie fühlte "in ihrem Herze», daß ich unschuldig war. Ich achtete nicht Sturm und Wetter und mußte noch heute hierher, um das Bild der Mutter zu sehen, um in ihren Augen das Zeugniß meiner Unschuld zu lesen." Er wandte sich zur Sette, wo er laut aufschluchzend vor dem lebensgroßen Bilde einer ältere« Dame in die Kniee sank.

Kalt lächelte der Freiherr. „Laß ei jetzt genug sei« der Komödie. Es ist hier für Bich kein Platz mehr, entferne Dich, ich möchte nicht länger unter meinem Dache einen Dieb beher­berge«."

„Hansl" schrie der Fremde laut und sprang auf.

„Entferne Dich augenblicklich oder ich lasse Dich mit Gewalt entfernen", tönte des Freiherr« eisige Stimme. Ec wies nach der Thür. Drohend und zähnefletschend stand der Bernhardiner an seiner Seite.

„Gut", erwiderte der Bruder, dessen Antlitz Todtenbläffe bedeckte, „ich gehe und ich werde diese Schwelle nicht eher wieder betreten, bis Du mich auf de» Kniee« darum bittest."

Rasch entfernte er sich. Regungslos stand der Freiherr da und starrte nach der Thür. Dann ließ er sich stöhnend i« einen Sessel nieder und vergrub weinend fei» Gesicht in die Polster.

♦ »

(Schluß feiet.)