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M 68.

29. Jahrgang.

IuLöa, Samstag., den 22. März 1902.

Wocherr-Rrmdfchan.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 23. März 1902.

Prinz Heinrich von Preußen ist nun non seiner Nmerikafahrt wieder hei»gekehrt. Diens­tag Abend ist er mit dem Hamburger Dampfer „Deutschland" in Cuxhaven an gekommen und dort von dem Kaiser empfangen worden. Der Kaiser war mit drei Kriegsschiffen zu dem Empfange seine» Bruders eingetroffen, und der donnernde Salut der Ge­schütze mischte sich in die brausenden Zurufe einer Volkrmenge, die in unzählbaren Scharren von alle« Seiten zusammengeströmt war. Prinz Heinrich kann also mit dieser Aufnahme ebenso zufrieden sein, wie mit den Ovationen, die die Amerikaner ihm dargebracht haben. Bon Cuxhaven ist der Kaiser mit dem Prinzen Heinrich an Bord des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II." durch den Kaiser Wilhelm-Kanal nach Kiel abgedampft, wo fie am Mittwoch eingetroffen find.

Kaum hatte der Prinz den Boden der Ver­einigten Staaten verlasse«, begannen auch schon wieder hinterlistige Umtriebe gegen Deutschland, die in diesem Falle gegen den deutschen Botschafter Dr. von Holleben gerichtet waren. Durch einen verkommenen Journaliste» Namen» Witte wurden Gerüchte in Umlauf gesetzt, Holleben habe sich bei der letzten Präsidentenwahl zu Gunsten des demo­kratischen Kandidaten Bryan in die inneren Ange­legenheiten der Bereinigten Staaten eingcmischt und werde nun von seinem Posten abberufen werden und dergleichen mehr; außerdem wurde Herr von Hol­leben von Witte, der früher in der deutschen Bot- s chaft beschäftigt war, mit allerhand Erpreffungs- versuchen verfolgt, und die englandfreundlichenZeitungen in Amerika waren ebenso eifrig, wie die englischen Blätter, in der Verbreitung dieser unsinnigen Ge­schichte«. Es ist natürlich nicht eine Silbe davon wahr, und der Lump Witte, der in Untersuchungs­haft genommen wurde, hat sich wegen Erpressung, Betrug, Verleumdung u. s. w. zu verantworten. Um dem Lande zu zeigen, daß er nicht das Ge­ringste auf die ausgesprengten Gerüchte gibt, hat Präsident Roosevelt durch seine Gattin den deutsche» Botschafter zur Theiluahme an der Familientasel in seinem Hause einladen laste«, nach amerikanischen Begriffen eine ganz besondere Gunst. Daß unseren „englische« Freunden" die Reise de» Prinzen Heinrich so außerordentlich unangenehm ist, macht uns Deutschen diese Reise erst recht angenehm. Tonst — nochmal» sei e» gesagt! — muß man sich vor eiuer Ueberschätzung der politischen Bedeutung der­selben hüte«!

Noch ganz zuletzt hat sich im Reichstage etwas Eigenartige» ereignet. Die parlamentarischen Geister waren nicht mehr recht bei der Sache; und als über die Res olu t io n de» CentrumSabgeord- neten Gröber gegen den Zweikampf abzestimmt werben sollte, verpaßten das die Freisinnigen und Sozialdemokraten, so daß in Folge dieser Unachtsam­keit der Genannten die Resolution abgelehnt wurde — schläfrige Parlamentrhelden!

In dem ostpreußischen Wahlkreise Rasten­burg-Friedland hat eine Ersatzwahl zum Reichstage stattgefunden. Im ersten Wahlgange hat der konservative Wahlbewerber von Rauter mit erheblicher Mehrheit über de« Freisinnigen und den Sozialdrmokraten gesiegt. Eine weitere Ersatzwahl muß demnächst in dem Wahlkreise Elbing-Marienburg stattfinden.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat die zweite Etalrlesung vor den Osterferien nicht beendigen können. Es hat sogar mehrfacher Abend- fitzungeu bchurft, um nur den Kultnsetat durch- zuberathen. Deswegen ist ein Gesetzentwurf be­schlossen worden, durch den die preußische Staats- regicrung ermächtigt wird, einstweilen die Ausgaben ebenso zu leisten, als wen« der Etat bereits ge­nehmigt wäre und nachträglich die Genehmigung dieser Ausgaben ertheilt werden soll. Gegen die Stimmen de» Centrums und eines Theile» der Konservativen ist diesmal die Forderung für die Ausbildung der altkatholischen Theologen an der Universität in Bonn angenommen worden. Die Liberalen habe« sich natürlich a«fS lebhafteste dafür ins Zeug gelegt, obwohl fie ja sonst konfessionelle Professuren angeblich verdammen. Die Sache ist bei den Liberalen, wie immer: Sie sind dagegc«, wen» er gilt, den Katholiken gerecht zu werden; aber sie vergessen alle ihre Einwände gegen konfessionelle Lehrstühle an Universitäten, wenn diese im Gegensätze zur katholischen Kirche stehen. Das nennen dann die Liberalen und „vorauSsegungslosen" Gcisteshelden Parität, Gerechtigkeit und Toleranz! Die Herren haben sich auch schön gehütet, gegen die neu errichteten katholischen Lehrstühle in Straßburg auch nur ein einziges Wort zu sagen.

In der alte« westfälischen Bischofsstadt M ü n st e r ist ein Denkmal für de« Freiherrn von Schorlemer-Alst enthüllt worden, den Gründer und Hauptförderer des westfälische« Ba«ernverein». Die Bctheiligung an der Feier war ungemein rege, und e» ist lobend »nzuerkcnuen, daß die Regie­rung durch die beiden Minister von PodbielSki und Freiherr von Hammerstein vertreten war. Namentlich Herr von PodbielSki hat sich her- vorgethan durch rednerische Anerkennung der Ver­dienste des verewigten Centrums- und Bauernführers.

Die Bewegung in Braunschweig zu Gunsten de» thronfolgeberechtigten Herzog- von Cumberland ist in jüngster Zeit wieder lebhafter geworden. Am letzten SamStag hat in der Stadt Braunschweig eine große Volksversammlung stattgefuyden, die eine Entschließung angenommen hat, in der es unter Anderem heißt:

„Die Versammlung fordert das großherzogliche Staatsministerium und insbesondere die Landes­versammlung auf, nun endlich ihres Eide» ein­gedenk, die geeigneten Schritte bei Preußen und dem Bundesrath e zu unternehmen, um den Widerspruch Preußens gegen den Regierungs­antritt des Herzogs zu beseitigen.

Landgerichtsdirektor Dedekind ist der Ver­fasser einer Denkschrift, in der die Forderung erhoben wird, Urtheile und Erlasse mit 'der Formel „Im Namen des Herzogs von Cumberland" eiuzuleiten. ES ist nunmehr gegen denselben die Einleitung oe» Disziplinarverfahrens beantragt worden.

Eine bemerkenswerthe Maßregel hat die Ham­burger Regierung unternommen: Zur Beseiti­gung der WohnungSnoth soll der Staat Geldmittel hergeben an Bauunternehmer zum Bau von Arbeiter­wohnungen. Die Bürgerschaft hat die Vorlage bereit» angenommen. Noch besser würde es freilich sein, wenn die Bauten nicht erst den Umweg über < die Unternehmer machen müßten. Billiger werden sie dadurch auf keinen Fall.

Tolle Dinge kommen noch nachträglich über die Kasseler Trebertrocknungs-Aktiengesell- schaft an die Oeffentlichkeit. Der nach Frankreich entflohene und dann an Deutschland ausgelieferte Direktor der Gesellschaft, Schmidt, hat — so be­haupten wenigstens Kasseler Zeitungen — ein weiteres Geständniß dahin abgelegt, daß nämlich Tochtergesell­schaften der Treberzesellschaft von Anfang an mit Verlust gearbeitet haben. Sämmtliche Gründungen aber erfolgten auf Veranlassung der Leipziger Bank! — und im ganzen habe die Trebergesellschaft 120 Millionen von dieser Bank erhalten. Die hier­von nicht buchmäßig vorhandenen 40 Millionen seien in Leipziger Banknoten unter fingirten Namen gedeckt.

In Schweden hat die Regierung dem Reichs­tage einen Gesetzentwurf über die Einführung des allgemeinen Stimmrechts vorgclegt, allerdings mit einigen kleinen Einschränkungen, die in Steuer­einrichtungen ihre Grundlage haben. Ve- yeirathete Leute und solche, die da» 40. Lebensjahr i rschritten haben, sollen aber je zwei Stimmen erb iitxi. Da» wird wohl nur der erste Schritt sein am ver Bahn, die allgemach zum wirklichen allgemeinen Stimmen- rechte führt.

Auch in Belgien hat der Kampf um das all­gemeine Stimmenrecht wieder begonnen. Die Sozial­demokraten sind mit dem i. I. 1899 eingeführten System der Verhältnihwahl durchaus nicht zufrieden, weil dadurch die Zahl ihrer Abgeordneten verringert worden ist, und sind es nie gewesen. Neuerdings haben aber die Liberalen, Radikalen und christlichen Demokraten gemeinsame Sache mit ihnen gemacht, und nun veranstalte» alle diese oppositionellen Par­teien gemeinschaftliche Kundgebungen für das allge­meine Wahlrecht. In der Kammer selbst ist es zu über­aus heftigen Auftritten gekommen, wobei gar nicht viel daran fehlte, daß die sozialistischen Abgeordneten die anwesenden Minister mit Fauststößen traktirien. Die Regierung sieht die Lage sehr ernst an: Man hat erfahren, daß geheime Befehle ergangen sind zur Mobilmachung der Truppen.

Im österreichischen Abgeordnetenhause haben die Alldeutschen wieder einmal ihrem Herzen Luft gemacht durch Reden, deren Spitze un­mittelbar gegen Oesterreich und gegen das Haus Habsburg gerichtet war. Die Abgeord. Dr. Eisen- ko lb und Schönerer haben ganz offen herausge­sagt, daß nach ihrer Ansicht alle Deutschen — auch die österreichischen Deutschen! — unter die Führung des Hauses Hohenzollern gehören. Die Herren von der Regicrung haben kaum etwas dazu gesagt, die Vcrtheidigung des angestammten Hauses Habsburg und Oesterreichs vielmehr andere« Abgeordneten über­lassen, unter denen namentlich der deutsche katholische Abg. Schachinger den alldeutschen Maulhelden die Wahrheit sagte.

Am ärgsten ist es am Dien»tag zugegangen: da hat Herr Schönerer eine längere Rede mit dem Ruse geschlossen „Hoch und Heil den Hohenzollern" — unter dem johlenden Beifall seiner „alldeutschen" Ge­nossen. ES entstand danach wüster Lärm, und es fehlte nicht viel' daran, daß die Alldeutschen und Tschechen handgemein miteinander wurden. Der deutschkatholische Abg. Kathrein erklärte: „Es sind heute hier Worte gefallen, die im österreichischen Parla­mente noch nie gehört wurden, und deren Tendenz wir nie hören sollten. Im Namen aller Oesterreicher weise ich diese Worte mit tieffter Entrüstung zurück.

In Wien haben am 17. März in sämmtlichen Bezirken die Neuwahlen des dritten Wahlkörpers zum Gemeinderathe stattgesunden. Ueberall haben die Christlich-Sozialen gesiegt, so daß in 20 Bezirken 46 Christlich-Soziale gewählt wurden. Unter den Gewählten befindet sich auch Bürgermeister Lueger. In Wien kann nur ein gewählter Mitglied de» Ge- meinderathes Oberbürgermeister sein.

In Warschau ist der Oberst von Grimm verhaftet worden, Gehilfe de» Generalstabchefs Gene­rals v. Puzyrew»!. Der Oberst hat Jahre lang in österreichischem Solde gestanden und rusfische Militär- geheimnisse dafür verrathen. Nach anderer Meldung soll er im Dienste mehrerer Westmächte sein schuftiges Handwerk getrieben haben. Al» Gehilfinnen dienten ihm zwei deutsch-jüdische Frauen, die Frauen Blumen­thal und Drachtenberg, die natürlich auch verhaftet worden find. Dem Obersten ist lebenslängliche Zwangs­

arbeit sicher. Daß auch General Paryzewsk betheiligt sei, wie berichtet wurde, ist unwahr.

Einen Sieg hat das italienische Ministerium Z a n ar d e l l i errungen, nachdem e» klein beigegeben und wieder den Sozialdemokraten zu Gefallen seine Politik eingerichtet hat. Nun muß es dauernd die Freund­schaft der Sozialdemokratie sich erhalten, oder es wird von neuem stolpern; wie lange wird da- wohl gehen?

In Spanien hat der greise Liberalenführer S a g a st a sein Ministerium erneuert, weil so kurz vor der Thronbesteigung de» jungen König» Alfons XIII. ein politischer Systemwechsel sich nicht empfiehlt. Die Verordnungen gegen die Orden und Kongregationen sind aber aufgeschoben worden, nachdem der Papst in einem Schreiben an die Königin-Regentin erklärt hatte, daß er diesen Verordnungen nicht beistimmen könne. Das Parlament ist für einige Zeit heimge­schickt worden.

Frankreich steht bereits vollkommen unter dem Zeichen der Neuwahlen zur Abgeordneten­kammer. Diese Letztere hat einen Antrag ange­nommen, wonach die Abgeordneten von jetzt ab, immer auf sechs anstatt auf vier Jahre gewählt werden sollen. Die Regierung stimmt dem Anträge zu, und jedenfalls wird auch der Senat zustimmen, so daß die nächsten Neuwahlen erst 1908 stattfinden würden.

Die Engländer find von einer schweren Sorge befreit worden durch das edle Benehmen der Buren: deren Führer Delarey hat den gefangenen Briten­general Lord Methnen wirklich wieder freigelaffen und unter sicherem Geleite zu seinen Landsleuten nach Klerksdorp gesandt. Ob die Engländer Gleiches mit Gleichem vergelten? Bisher thaten fie es nicht, son­dern richteten die gefangenen Burenosfiziere hin. Die Niederlage Methuens wurde bedingt, wie nachträglich bekannt geworden ist, durch ein geradezu schmachvolles Verhalten seiner Kavallerie. König Eduard ist augen­scheinlich der Ansicht, daß bei seinen Truppen nicht alle» in Ordnung ist. Der greise Feldmarschall Wolseley ist nach Südafrika abgcreist, um im besonderen Auftrage des König» nach dem Rechten zusehen!

Unpolitische Zeitläuse.

(Nachdruck verboten.)

® Berlin, 20. März 1902.

Volks gunst — Wind und Dunst! Darüber wird manche kärm-Predigt gehalten in dieser erusten Zeit, r>(> auf das Hosanna so schnell das „Kreuzige ihn! folgt.

Mir flößt d»-cke em verwandtes Thema auf, nämlich: Was i;t zu thu«, wenn uns die Mit­menschen loben, ehr^n, preisen oder sonstwie durch stille oder laute Lude und Hochachtung auS- zeichnen? — Ich Habs dabei nicht allein die großen Männer im Auge, die wie Knöpfe auf dem Kirchthurm weithin glänzen uns die Lorbeeren drS öffentlichen Ruhmes pflücken, sondern auch uns gewöhnliche Leute, die in dem kleineren Kreise ihrer Familie, ihrer Bekannt­schaft, ihrer Kundschaft rc. Liebe, Dank und An­erkennung finde«. Wenn wir unsere Pflicht thnn, so bekommen wir doch auch ab und zu etwas zu naschen vom Honigtopf deS Lobes. Es schmeckt gut und wirkt erfrischend, muß aber mit Vorsicht genoffen und sorgfältig verdaut werden!

Der eitle Geck bläst sich auf, wenn er aus­gezeichnet wird, und der Ehrgeizige fühlt seinen Hunger nach äußerer Anerkesnung nicht be­friedigt, sondern noch weiter aufgestachrlt. Der faule Fant benutzt jeden kleinen Erfolg gern als Ruhekissen; er bildet sich ein, schon den Gipfel erreicht zu haben und stellt das weitere Klettern und Streben ein. Der kluge Mann aber sagt sich: Lob verpflichtet, der Erfolg muß immer neu errungen werden; wer nicht weiter hinansklettert, gleitet wieder abwärts.

Schon die Schulkinder gehören in dieses Kapitel. Neber das gute Zeugniß dürfen sie sich frrmn, und die Eltern können auch zur Aus- murtterimg noch etwas Lob md Belohnung hin- zufügen. Aber sofort soll dem jungen Menschen­kinds in freundlicher Art klar gemacht werden, daß der gute Platz vertheidigt werden muß. „Bleib so flüßig, sonst kommst du wieder herunter und wirst dich schämen und cbg-ra." Damit wird zugleich der Faulheit und der Aufgeblasen­heit vorzrbeugt.

Eine ganz besondere Portion von Schmeichel- Honig müssen dir jungen Maschen verdauen. Dir , gesellschaftlich«« Gitten und dis Unsitten bringen ‘ eS mit sich, saß ihnen der Hof gemacht und da- ' bei gehörig gswinddsutelt wird. Menn so ei« junges Ding alles für baare Müsze nimmt, was ihm da »orgegaukelt wird, so kann eS bei den besten Anlagen leicht verdreht und verdarben wer­den. Da kst eS eine wichtige Pflicht der Elter«, namentlich der Mütter, den thörichtrn Jungfrauen dm Gtaar zu stechen und ihnen klar zu machen, was dieses Komplimentrmschrn, Anschwärmen und Umschmeichel« eigentlich wrrth ist. Auch die übri­gen Anverwandten, ja alle Bekannte im reiferen Alter tonnen bei diesem Nachtrags zur Erziehung mithrlfen, d. h. wen« sie den nöthigen Takt be­sitzen. Ich ärgere mich immer, wenn ich sehe, daß ausgereifte Herren vor de« jungen Mädchen auch herumfchwenzeln wie die galanten Jünglinge und so dem grünen Backfische die Einbildung bei­

bringen, schon eine vollendete große Dame und ein bewundertes Prachtexemplar der holden Weib­lichkeit zu fein. Natürlich immer höflich und zart; aber in die Freundlichkeit kann man doch einen Schuß väterlicher Heradlaffung misch««. Ueber Schönheit. Toilette, Tanzkunst, Musik und der­gleichen Nippsachen schwatzen die jungen Lasten übergenug; die älteren Leute sollten mit de« jungen Mädchen lieber über ernstere Sache» sprechen, der Geistes- und Herzensbildung auf de« Zahn fühlen, über Havsrvirthschaft, Kochkunst und son- stige Fragen des Familienlebens sich unterhalten. Daraus zieht sich das junge Ding die Lehre, daß es doch nicht allein aus Schönheit und Ele­ganz ankommt, sonder« der wahre Werth des Weibes in der Tüchtigkeit und Tugend liegt.

Die richtige Hausfrau geizt nicht mehr nach Lob aus fremdem Munde, sondern sühlt sich befriedigt in bet hingehenden Liebe ihrer Kinder und der achtungsvollen Liebe ihres ManneS. Sie ist glücklich und stolz, wenn die Ihrigen in Blicken oder Liebkosungen oder Worte« ihr Wohlgefallen an dem Haus Mütter­chen zu erkenne« geben. Sie fühlt sich geborgen und sicher auf ihrem behaglichen HauSthronr, mindestens so wohl und sicher, wie die Königin von Holland auf ihrem Landsthron. AuS diesem G-fühle kann sich aber eine Gefahr entwickel». DaS junge Mädchen überschätzt leicht die Aeußerlichkeiten und Kleinigkeiten, die Hausfrau unterschätzt fie manchmal. Gefallsucht ist von liebel, aber Nachlässigkeit auch, dem F'uer der Liebe gehl's wie allem irdischen Feuer: man muß Brennstoff «achlegen und die Asche abpurre«, sonst geht's auS. De» Man«, der dir am Al­täre angetraut ist, erwirb ihn immer von Neuem, um ihn voll und ganz zu besitzen! Auch die Hausfrau muß „auf Eroberungen auszehen, vor und nach der silberne» Hochzeit — auf Eroberungen im Seifte und Herzen ihres sorgenvollen Mannes, den Beruf und öffentliches Leben in Beschlag nehmen wollen, unb aus Eroberungen in der Kinderstube, wo die Mutter den angestammten Thron nur dann voll und ganz behaupte» kann, weafi sie den wachsenden Ansprüchen mit wachsender Sorzsalt und Klug­heit gerecht wird.

Kleine Kinder — kleine Sorgen, große Kinder — große Sorgen! Die Eltern dürfen sich ja nicht zu viel einbilden, wenn fie sich die Liebe und Verehrung ihrer Kinder gesichert haben, so lange letztere noch in kurze« Hosen und Röcke« stecken. DaS dicke Ende kommt hinten nach. Erst wenn die halb- und ganz- wüchsigen Kinder treu und gut bleiben, ist das Lob der Eltern voll berechtigt. Man soll den Tag der Erziehung nicht vor dem Abend lobe«.

Nu« müffen wir aber das mänüliche Ge­schlecht an der Nase faffen.

Der Jüngling, der seine ersten Erfolge ein- heimst, läuft eine doppelte Gefahr. Einige werden übermüthrg, andere genußsüchtig.

„Was bin ich für ei» tüchtiger Kerl! Di- ganze Welt steht mir offen. Es wäre doch jammerschade, wenn ich in diesem dumme» Nest und bei dieser einfältigen Beschäftigung ver­sauern sollte. Hinaus zu Höherem, hinaus i»’8 Weite!" So steigt manche« das bischen Aner- kennung zu Kopfe. Der gelobte Pudel will den Löwe» spielen. Der Ehrgeiz wird groß, Vernunft und Erfahrung sind noch klein; die erste« Erfolge verführen zu Dummheiten, daS Ende ist Enttäuschung und Unglück. — Also Vorsicht bei der Behandlung jugendlicher Streber: Man soll sie aufmuntern, aber nicht aufblasen!

Der A«dere zieht statt der Löwenhaut die Bärenhaut vor. Wenn man ihm sagt, er könne scho» etwas, so glaubt er sich nicht ernstlich mehr anstrengen zu brauchen, sondern daS Lebe« genießen zu dürfen. Immer hinei» in's Vergnügen! Bet der Jagd nach dem Ver­gnügen geht nun Geld, Zeit, Kraft undArbeits« lust verlöre«; d-r Gelobte finkt tiefer und tiefer, aus dem hoffnungsvolle« Jüngling wird ein unbrauchbarer Bummler. Er hat sich an dem Naschwerk frühzeitigen Lobes de» Mage« dauernd verdorben.

Was nun die ausaewachsenen „Herren der Schöpfung" angeht, so, findet man häufig Pracht- «xemplare von stolzer Bescheidenheit, die stch damit brüste«, daß fie auf das Gerede der Mitmenschen nichts geben, de« Firlefanz des Lobes und der Ehren verschmähe« und ihre Befriedigung einzig in bm gute« Gewiffe» finde«. Ach, wie schön — wenn es nur so wäre! Aber diese Tugendprotzrn verberge« unter dem Mantel der Gleichgiltigkeit und Er­habenheit meistens eine« ordentliche« Hunger «ach Anerkennung und Bewunderung. Es ist ihnen auch ganz recht, wenn sie erstens wegen ihrer Lnstu«ge» und zweitens wegen ihrer an­geblichen Bescheidenheit gepriesen und geehrt werden.

Ein bischen eitel und ehrgeizig find wir AdamS« kinder ja alle; wir kaffe« uns gerne mal von der