FuUmerMZettung W
Sktt1M.bvPf.
Vdmut« Ui. 1 Obemwek).
JK 68.
JuLöa, Samstag, den 22. März 1902.
29. Jahrgang.
Gruppirrmgen der Mächte.
mtt Anlerhattungs -Meitage „Issustrirte SoMlags-Zettung!'
Diese Probleme bildeten indessen nicht die Hauptsache bei den Auseinandersetzungen im ftan- zöftschen Senat. Diese galten vielmehr in erster Reihe dem Bündnisse, daS England mit Japan für die Behandlung ostasiatischer Fragen abge. schlossen hat, und der Antwort, die Rußland und Frankreich darauf gegeben haben.
Diese Antwort kennt man ja. Sie ist al- amtliches Schriftstück allen denjenigen Mächten mitgetheilt worden, die da- Protokoll von Peking am 7. September 1901 unterzeichnet haben. Dem deutschen Reichskanzler Grafen Bülow ist. sie sogar persönlich durch den russischen und den fron« zösischen Botschafter überreicht worden. Die Antwort sagt die Hauptsache zuletzt. In ihre« ersten Sätzen behauptet sie, daß der russisch, französische Zweibuno „Völlig befriedigt" sei, in
Rußland nimmt sich ja in der Rolle als Schutzmacht für die „Integrität China-" ein wenig posstrltch aus. Aber darauf kommt e- nicht an, sonder» aus de» „Schutz", de» der Zwetbund sich sicher« will gegen Angriffe von England und Japan her. Den» daß Japan nicht von sonderlich friedlichen Grundsätzen geleitet wird, sondern vor allen Dingen eine Sehnsucht verspürt, die Rolle der Vormacht in Ostafien zu spielen, ist unzweifelhaft klar, und nicht viel weniger klar ist es, daß es nicht besonders wählerisch sei» würde in den Mitteln und Wegen, dies zu diesem Ziele führen könnten. Deswegen kann man als wirklicher Friedensfreund den Zu» sammenschluß Rußlands und Frankreichs nur mit Genugthuung begrüßen: eS ist gut, daß Eng. land und Japan wissen, daß zwei große Mächte vorhanden sind, die ihnen in Asien das Sleichge- wicht halten und auf keine» Fall ein Ueber. schäume» und allzu dreistes Vordrängen ihrer
Mächte, die politische Jnterefftn in Ostasien verfolgen, halten einander in zwei Gruppen das Gleichgewicht: England und Japan auf der einen, Frankreich und Rußland auf der andere» Seite. Und ruhig können nun der weiteren Entwickeln«; der Dinge diejenigen Rächte zuschauen, die nur wirthschaftltche Interessen ix Ostafien verfolgen: Deutsch and. Vereinigte Sraatrn, Oesterreich. Ungarn und Italien!
^m englisch-japanischen Vertrage „die wesentlichen Grundsätze wiederzufinden, die sie — Frankreich und Rußland — selbst aufzustellen wiederhol erklärt haben, und die die Grundlage ihrer Politi bleiben". Aber der Schluß lautet bekanntlich ganz anders und läßt gar keinen Zweifel darüber, daß es sich um eine Gegenmine des Zwrtbundei! gegen den englisch-japanischen Bündnißoertrag handelt: „Gleichwohl gezwungen — so sagt die russisch-französische Erklärung — ihrerseits den Fall in- Auge zu fassen, wo eine aggressive Aktion der betheiltgten Mächte, oder neue Wirren in China, welche die Integrität und die freie Entwickelung dieser Macht in Frage stellen, zu einer Drohung für ihre Interessen werden könnten, behalten sich die beiden verbündeten Regierungen (Rußlands und Frankreichs) vor, eventuell auf Mittel bedacht zu sein, um sich eine» Schutz zu sichern."
Elise nicht« sehnlicher wünscht, al« Sie kennen zu lernen. Erweisen Sie ihr und mir die Freude!"
„Sern," sagte Josephine zu, „zumal auch ich den Wunsch hege, dies Mädchen kenne» zu lerne», von dem Sie mir so viel Schönes zu sagen wußten. Ich hole mir morgen Ihre» Brief."
Und nun ließ sich Karl Schreibmaterial bringen und begann, mühevoll zwar, da er die Hilfe der linken Hand entbehrte, einen Brief zu chreiben, eigentlich an seine Elise gerichtet, im Grunde genommen aber eine Werbung um Brr- nardSHand für Joskp Hine darstellend. Was auch an Gründen nur erdacht werden konnte, er hatte es ausgeklügelt und des langen und breiten hier widerlegt, nur um Bernard davon zu Überzeugen, daß sein undJofiphinexs Glück in einer Verbindung Beider beruhe.
Diese» Brief nahr^ diejenige, von deren Vorzüge er handelte, am nächsten Morgen mit in die Stadt, voller Freude darüber, der Postillon zweier Liebende« fein zu können, und sich freuend, ein Mädchen kennen zu lernen, dar m seiner Hrrzenseinfalt dir Wonne und Liebe eine» Mannes war, dessen Wissen und Könne» ihm ernen Freibrief in die besten Kreise gab. Das lenkte ihre Gedanken auf den Bruder diese- Mädchdns, jenen Jüngling mit den red« liehen Augen und dem warmen Herzen, dessen Bild sie still km Herzen trug, an den sie dachte, wen» sie ein Gebet für ihre Freunde zum Himmel schock:«, der eisen und immer denselben bestimmten Platz i» ihre» Zukunftsbildern ein. «ahm. Gab ihr die Bildunr ein Recht, sich neben Männern der besten Kreise als gleicd-
Damit dürften nun die ostafiattschen Ding- Klärung und Festigung erlangt haben. Die
Stelle in Aste», nämlich Indien; und leicht könnte es an dieser vo» Rußland und auch von Fcank- reich getroffen werden, denn Rußlar d hat eS zum Nachbar in Mittelasien und dir Franzosen sind « Hinterindien auch nicht weit v m Schüsse.
Für diejenigen Mächte, die an die? n Fragen »icht unmittelbar betheiligt find, kann d s sran. zösisch-russtsche Abkomme» alsa als eine weitere Friedensbürgschaft nur angenehm sei«; und zu diesen uxbetheiligten Mächten gehört in erster Reihe unser deutsches Reich. Arhxlich drückte sich auch Minister Delcaffä am letzten Donnerstag im französtsche« Senat auS, und man kann seinen Worten ohne weiteres glauben, mtt denen er darauf hixwieS, daß Frankreich- Interesse« auf- engste verknüpft sind mit der Unabhängigkeit Chinas." So verhält eS sich in der That. Und deswegen muß nun auch das Zarexrekch, wen« eS in Ostasien gemeinsame Politik mtt Frankreich mache» will, wohl oder übel für die Integrität Chinas ei», treten — der Bär, der den Drachen nicht um- bringen darf, so gern er auch möchte, weil er seinem Freu»d, dem gallische« Hahne, nicht weh thun kann.
■wotewtii*: -S» M« XetatÜMl 3*1 S«aai ü» 3. Pevitiue t» Sxlte.
Deutsches Keich»
Berlin, 21. März 1902.
ft Der Kaiser ist am Freitag aus Kiel nadi Berlin zurückgekehrt und hat sich alsbald nach seiner Rückkehr in daS Palais des Reichskanzlers begkbe», wo er mtt dem Reichskanzler Grafen v. Bülow eine längere Unterredung hatte.
ft Letter des preußische« Aolkofchnl- «ese«s soll als Nachfolger des Ministerial- direktorS Dr. Kügler in der That Ministerial. direktor Dr. Schwartzkopff werden, bisher Leiter der kirchlichen Abtheiluug im preußische« Kullusmmisterium. Zu dessen Nachfolger als Leiter der kirchliche« Abtheilung ist, Blätter. Meldungen zufolge, UnterstaatSsekretär Weser auSersehen. Wie Dr. Schwartzkcpff seine Auf- gaben lösen wird, bleibt abzuwarten; schlechter als Dr. Kügler auf keinen Fall!
+ Der statte Wasserstrahl für di- AK- deutschen in Oesterreich ist Manchen «och nicht kalt genug erschienen. Ja verschiedenen Zeitungen konnte man sehr lebhaft den Wunsch ausgedrückt lesen, daß die deutsche Retchsregierung viel eher und nun auch viel schärfer gegen die Helden von der alldeutschen Gestalt in Oesterreich hätte vor- gehen sollen. Man kann Zweifel daran hegen, ob diese Wünsche berechtigt seien. Erstens ist von Berlin au- in früheren Zeiten den tollen Alldeutschen oft genug Absage erthetlt worden, sodaß man la gsi nicht mehr im Zweifel sein konnte über bt< Gesinnungen, die man an maßgebender Stell---tu Berlin für jene Radaubrüder hegt. Und auß-rdem muß man auch die Haltung berücksichtigen, die die österreichische Regierung dazu einntmmt, und diese Haltung bestand bisher in nichts Ander m, al- in eisigem Schweige«. Sollte da die deutsche Reichsregierung schwere- Seschütz auffahren und zur Reklame der All« deutschen mit Donnergepolter drein feuern? UnS kommt eS in diesem Etnzelfalle so vor, al- hätte die Berliner Regierung den riet tigeren Weg gewählt!
X Der Aeichostaxzler und die Ireuren- rechtterinnen. Graf Bülow ist ein höflicher Mann; und wen« er Damenbesuch bekommt, ist er jedenfalls doppelt höflich. Aeußersten Entgegenkommen- hat er sich jedenfalls gegen eine llbordnung vo» Frauenrechtlerinnen befleißigt, )ie ihn am letzte« Donnerstag besucht und ihm ihren Wunschzettel überreicht hat: Aufhebung der vereinSrechrlichen Beschränkungen, gleiche- Recht zur vollgilttgen Immatrikulation an Universitäten und Hochschulen, wie daS männliche Geschlecht, Errichtung obligatorischer Fortbildungsschule« für Mädchen und einiges Andere mehr. Die Spre« cherin der Abordnung war Frl. Anita AugS- purg, eine der fortgeschrittensten Frauenrecht.
•Weto tSglich, W. Ausnahme bet and Feier« 2*. «iertchthrl.
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berechtigt zu fühlen, so hinderte sie dies doch nicht, das Glück dort zu suche», wo eS in HerzenSeinfalt und treuer Hingabe weit eher zu erwarte« war als dort, wo die Ungleichheit d-S Besitzes als Hinderniß gilt zu einem friedlichen Zusammenleben in der Familie.
Die Dauer der Fahrt vom Schloß nach Warendorf war ganz ausgefüllt von Gedanken dieser Art und noch vollständig im Banne der dadurch geweckten Empfindungen betrat sie das Kcmann'iche Haus. Gewiß würde sie auch diese» E-rpfindungen i« einer herzlichen Begrüßung Elisens, die sie im Laden fand, Ausdruck verliehen haben, wenn nicht die Anwesen, heit fremder Leute, deren Bedienung Elise »esorgte, fie abgehalten hätte. So stellte sie ich denn etwas zurück, wartend, bis Elise frei ein würde.
Kaum aber hatte str Zeit gesunde«, ihre« Blick durch de» große« Raum schweife« zu lasse», alS sie auch schon »eben sich ihre» Name« mtt gedämpfter Stimme nenne» hörte. Es war lernatb, der sie entdeckt hatte, aber erst näher kommen mußte, um das tief verschleierte Gesicht zu sehen.
Beide errötheten, alS sie Hand in Hand e ne« Augenblick ihre Augen in einander ver- enkten.
„Sieh Elise," rief dann jedoch Bernard voller Freude der Schwester zu, „Fräulein Wiemann mtt einem lieben Auftrag für Dich!"
Auch Elisens Herz pochte freudiger und gerne überließ sie e- der herbeieilenden Magd, die Kunden zu bedienen, um dem lieben Gast die Hand zu drücke» und ihn in das traute
Original-Roman von Fr. (Sollet
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Karl war sprachlos. „Wa« mag in dessen Seele vorgehen?" fragte er sich, ohne eine Ant- wort zu finden.
„Du hast eine wunde Stelle in meinem Herzen berührt, Karl", brachte Bernard endlich mühsam hervor, „aber e« ist gut, daß Du davon sprichst, ich möchte Dich nicht gern etwa« hoffen sehen, da« fich nicht erfüllen kann. Alle die Tage habe ich darüber nachgedacht, ob e» wohl möglich sei, da« Glück diese« engelgleichen Geschöpfe« zu gründen, indem ich sein Geschick an dar meine kette. Die Antwort aber lautet Nein! — Du weißt jetzt genug, Karl, um zu begreifen, daß jede Frage der. artiger Natur für mich schmerzlich sein muß, mehr kann ich Dir nicht sagen."
Den Blick starr zu Boden geheftet, hatte Bernard dem Freunde sein Herzensgeheimniß, aber auch seine Absicht, zu entsagen, kundgelhan. Karl aber mochte wohl das eine, nicht aber da« andere erklärlich finden, we«halb er, trotz der Bitte de» Freundes, die Frage an ihn richtete:
„Warum muß denn dl« Antwort auf diese Herzen«frage „Nein" lauten? Warum sagst Du nicht frisch und fröhlich „Ja", wie ich e« auch get^".n, und nimmst dann den Kampf auf um Dein und der Geliebten Lebensglück?"
, „Ich kann Dir da« jetzt nicht sagen, Karl, | exnftenö, vielleicht nach wenigen Jahre« schon, wirst j Du sehen, wie recht ich habe." I
„3e nun, wenn Du absichtlich Dein eigene« Glück mit Füßen treten willst, um einer Schrulle Deiner Empfindlichkeit wegen, dann kann ich Dir nicht helfen", platzte Karl, der de« Freund heute gar nicht verstand, ärgerlich heraus. „Aber glaube mir", fügte er gleich wieder sanfter hinzu, „Du gehst an Deinem Glück vorbei!"
Ein Seufzer war Bernard« einzige Antwort.
Jeder der beiden saß in seine Gedanken ver- Heft; der Abend hatte längst den Tag verdrängt, keinen der beiden störte ba« Dunkel und ohne sich beim Schein der Lampe Auge in Auge gegenüber zu stehen, nur mit einem stummen Händedruck schieden die Beiden, früher, und nicht so frohen Herzen«, al« eine Woche vorher, nach der trauten Plauderstunde beim Lampenschein.
Der eine, den de« Pferde« sausender Galopp der Heimath zuführt-, glaubte, mit dem Bekenntniß, da« er de« Freunde abgelegt, habe er ein Stück aus seinem Herzen gerissen; der Genesende im Schloß aber schalt sich einen Esel, weil er zur Unzeit an seines Freundes Herzensgeheimniß gerüttelt und, wie er glaubte, all«« verdorben habe.
Diese« Fehler wieder gut zu machen, war fein ganze« Trachten. Ä«b al« ihm einige Tage später Fräulein Wiemann erzählte, daß sie am nächsten Tage nach Warendorf müsse, wo für' die Retse- vorbereitungen der Gräfin noch einige« zu be- sorgen sei, reifte in Karl ein Plan, dessen Ausführung er sofort in die Hand nahm.
„Würden Sie mir wohl einen Brief an meine Braut mitnehmen und ihn persönlich überbringen?" fragte er, und fügte erklärend hinzu: „Ich möchte Sie mein Bote fein lassen, weil ich weiß, daß
lerinnen; aber im ganzen genommen haben fich, wie ma» steht, die Damen in nach ihren Begriffen noch mäßige» Grenzen gehalten. Dennoch steht die Rede des preußischen Kultusminister- vor einige» Tage» im preußische» Abgeordneten, hause auch noch, und mit Recht, einem Theile dieser Forderung,» entgegen, und danach wird man die große Liebenswürdigkeit des Reichskanzlers bei dieser Gelegenheit zu bemesse» haben. Die Damen scheinen aber diese Liebenswürdigkeit als bare Münze genommen zu haben, den« sie machen i» einigen ihnen gesinnung-verwandte» Zeitungen ungemein viel Aufheben- von dem Empfange. Nun, die Enttäuschung wird nicht ausbleiben!
X Kngland und der Jucker. Im Rahme« der Brüsseler Zucker-Vereinbarung kann England keine Ausnahme > Maßregel« zu Gunsten seiner Kolonien ausführen; daran ist nicht zu zweifeln. Die pünktliche Erfüllung dieser Vereinbarungen würde solche Ausnahme. Maßregeln unmöglich mache«. Interessant ist aber die Nachricht eine- Londoner FinavzblatteS: danach soll die britische Regierung beschlossen habe«, den Zoll für Kolo, xial'Zucker bei der Einfuhr desselben nach Großbritannien sofort um 50 v. H. herabzusetzen, um „den Kolonien über die schwere Zeit bis zum In. krafttreten der Vereinbarung hinweg zu helfen". Eine solche Bestimmung würde gegen be» deutsch- englischen Handelsvertrag verstoßen md die Bestimmungen über die gegenseitige Meistbegünstigung verletzen. Also uufgepaßt!
+ I«r Aiätensrage im Aetchstn-e glaubt dte ,Freisinnige Zeitung' versichern zu könne», daß „der Bundesrath einstimmig für allgemeine Einführung von Diäten sein würde, sobald daS preußische Ministerium seitens der Krone ermächtigt würde, der Einführung von Diäten zuzustimmen." Auch von den prerßsche» Ministern behauptet das genannte Blatt, daß sie die Nothwendjgkeit der Diäten anerkennen. Wenn daS alles der Fall wäre, dann sollten aber dies- Minister und die übrigen Mitglieder des Bundes- ratheS besser für die Ausführung dessen sorgen, das sie als richtig anerkannt haben. Daß im Reichstage bald nach den parlamentarischen Osterferien die Diätenfrage von neuem aufgerollt werden wird, ist frelltch mit der ,Freis. Ztg.' zu erwarten.
ft „Wreschen." Vom 1, April ab erscheint i« Posen eine neue polnische Wochenschrift mit dem Titel .WrzeSnia' gleich .Wreschen.' Daß eS ein .Wreschen' überhaupt gibt, ist die Schuld der preußischen Regierung. Aber man kann auch mit der Anerkexnuxg dieser bedauerliche» That. sache nicht lagen, daß der Titel der neuen polnischen Wochenschrift sehr geschmackvoll gewählt sei.
ft I« Wa-lür-is- Kre-kau West ist der ozialdemokratische Bewerber, Schriftsteller Dr. Eduard Bernstei», im ersten Wahlgange $egen den Kandidaten der Freisinnigen und gegen )en gemeinsamen Kandidaten des Crntrums und der Konservativen i« den Reichstag gewählt worde». Niemand hat das anders erwartet; unter den herrschenden Verhältnissen betrachtete man daS allgemein als vollkommen silbstverständ- ich. Es ist darum einfach lächerlich, wenn nun ozialdemokratische Blätter in überschwänglicher
Im französischen Senat ist am letzten Donnerstag die Auslandspolitik der Gegenstand interes. sanier Auseinandersetzungen gewesen, für uns um so interessanter, als dabei von Deutsch- land als von dem Verbünd eten Englands auf dem Gebiete der überseeischen und kolonialen Polittk die Rede war. Herr G o s f e r o n richtete an den auswärtigen Minister Delcaffs die Frage: ob eS wahr sei, war die Londoner.Westminster Gazette' behauptete, daß nämlich die französische Regierung daS Anerbieten Deutschlands abgelehnt habe, zwischen diesem und Frankreich eine Zu- kuxstsvereinbarung abzuschließen über den portu« giefischen Kolonialbesitz. Nach jener Londoner Behauptung sollte das Anerbieten zu der Zeit er- gangen sein, alS noch Herr Hanotaur französi. scher Minister des Auswärtigen war; dann habe der gegenwärtige Minister Delcaffs die Verhand- langen fortgeführt, aber ohne Erfolg, und am Ende habe Deutschland von Frankreich fich ab. gewandt und mit England fich verbündet. Minister Delcassö hat geantwortet, diese Londoner Erzählungen seien durchaus unrichtig: Vorschläge über ein deutsch-sranzöfisches Einvernehmen, wie der Redner fie gekennzeichnet habe, seien niemals gemacht worben, weder ihm noch seinem Vorgänger Hanotaux.
Vielleicht hört man darüber gelegentlich Ge- «eueres. Die Art der Antwort des Herrn Del. cassö schließt ja nämlich nicht auS, daß dennoch Verhandlungen ähnlicher Art stattgefunden haben,
£ <5 *1$* keine Besorgnisse zu hegen, daß die ehrgeizigen Bestrebungen geduldig hinnehmen ReichSregi-rung fich gar zu intim mit dem „eng. würden. England hat eine sehr empfindliche lischen Igel" eingelassen und die eigene auswär-1 ““ -e " ' ~ ” - - - - ■
tige Politik in irgend welche störende Abhängig, leit vo« britischen Wünschen und Interessen gebracht habe. An den maßgebenden Berliner Stel- len wird man gerade sitzt von neuem eingesehen haben, daß es nicht gut thut, diese- stachelige Thier gar zu eifrig zu streicheln, und daß wieder einmal der politische Volksinstinkt auf der rechten Fährte mit seiner ablehnenden Haltung gegen England war.