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mit Anterhaltungs -AnlageZlkustrirte Sonntags-Zeitung" PtUrsr-Se S». 8 OtaMMüt).

M 65. JuLöa, Mttwoch, den 19. März 1902.

29. Jahrgang.

Schutz der Bauhandwerker.

Noch bei der dritten Etatslesung im Reichs­tage haben sich liberal« Redner dringend empfohlen, endlich einmal einen gesetzliche« Schutz zu schaffen gegen die gewissenlose Aus. beutung der Bauhandwerkrr durch Schwinde­leien der Bauspekulation. Die Entwickelung, oder vielmehr das endlose Hinziehen dieser höchst wichtigen Frage und ihrer Entscheidung ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte der neuern deutschen Gesetzgebung; und wen« auch diesmal wieder Staatssekretär Nieberding ver­sicherte, man sei im Jrrthum mit der Annahme, daß dir Behandlung dieser Angelegenheit ins Stocken gerathe» sei, so will das wenig bedeuten im Vergleiche zu der Thatsache, daß eine lange Reihe von Jahre« bereits vorübergegangen ist, ohne daß etwas Gesetzgeberisches zum Schutze der gefährdeten Bauhandmerker geschah.

Sogar in den Kreisen der Sozialdemokratie sieht man ein, daß die Schutzlosigkeit der Bau- Handwerker gegen die Ausraubung durch ge- wiffenlose Unternehmer eine Ungerechtigkeit und ihre Beseitigung eineNothwendigkeit ist. In wie brutaler Weise mitunter dieser Schwindel be­trieben wird, erzählt der sozialdemokratische ReichstagSabgrordnete Richard Calwer in seinen Jahresberichten über 1901, die unter dem TitelHandel und Wandel" in einer Ber­liner Buchhandlung erschienen sind. I« einem Dresdener Bo»ort so erzählt Calwer ließ sich ei« reisender Musikant von dem Bauunternehmer als Strohmann vorschieben. Für jeden Fall erhielt er hundert Mark Schweiggeld. Auf den Namen dieses Mannes wurde auch ein großes Hotel verkauft. Der Würzburger Handelskammerbericht für 1895 stellt fest, dcß zwei Drittel der dortigen Bauunternehmer völlig mittellos waren. Diese Strohmänner zahlen oft nicht einmal die Bei. träge für die Arbeiterverstcherung; trotzdem sind sie aber die besten Kunden der Weinstuben. Siner dieser Glücksritter kam ... nach einem Dresdener Bororte. Sr erhielt eine Anstellung als Lager­halter ... und fing dann zu spekultren an . . . Seine Spekulationen vergrößerten sich beträcht- lich. Sr baute nicht mehr einzelne Häuser, so«, dern ganze Straße». Als er den Offenbarungs­eid leisten sollte, verschwand «r. Jetzt hat er sich als geisteskrank durch ärztliches Gutachten ausgewiesen. Seine Schulden betragen sechs Millionen Mark, selbst ein Drittel seiner Hypo- theken fiel auS. Trotzdem besitzt er jetzt eine Billa im Werthe von 150000 Mark, die so schön ist, daß eine bekannte illustrirte Zeitung ihr Bild brachte.... Ein anderer verkrachter Bauspeku­lant war in den achtziger Jahren Ofensetzer... Ein weiterer Häuser spekulant hatte als Bauzeich­ner gearbeitet... Im Jahre 1900 wurden in Dresden 963 Häuser auf dem Zwangtwege ver-

Der Werter Schuld.

Original-Roman von Fr. Collet.

25 ------ (Nachdruck verboten.)

Seine Laterne befestigend, stieg Bernard wieder hinaus, verließ das Zimmer und ging in den Laden, wo er trotz der Dunkelheit mit Leichtigkeit sich orientirend, so lange in Laden und Fächern suchte, biS er eine Wurst, einen kleinen Laib Brod und eine Flasche mit vier fand, die er nach oben trug und in einem, im Kamin eigens zu diesem Zwecke angebrachte» Kasten »iederlegte. Nachdem auch dieses besorgt, »ahm Bernard die Laterne heraus und schloß das Versteck, i« welchem er seine Zuflucht sah, um im Falle eines Verraths der Strafe, mehr aber noch der Schmach und dem Anblick des Elends zu mtfliehe», das eine Entdeckung zur Folge habe» mußte.

Zwar suchte Bernard sei» Lager auf, aber Schlaf kam nicht in seine brennende» Auge», Ruhe nicht in seinen von wirren Vorstellungen ge­quälten Geist, Kräftigung «icht in die müdenTlieder.

Ebensowenig konnte» sich die Schmuggler der Ruhe erfreue«, die nach Einbruch der Nacht in ihre Wohnungen geschlichen waren, um zu hören, was vorgegangen fei. Daß man noch nicht nach ihnen gesucht, dünkte ihnen ei« gutes Zeichen, deshalb blieben sie, da von einer Flucht für sie nichts zu hoffen war. Ruhig waren sie deshalb »och nicht, hing doch nach ihrer Meinung alles davon ab, daß keiner von ihnen durch die Be­amten erkannt war und durch Jopp keiner ver« rathen wurde.

steigert. Auch hierbei waren die Bauhaudwerk-r die Geschädigten....

So weit Herr Calwer, deffen Erzählungen einen neuen und geradezu grauenvollen Blick er­öffnen in den Hexenkessel der modernen Bau« schwindelet.

Was aber sagt die freisinnige Presse dazu? Helft euch selbst gesetzlicher Schutz ist Un- finn!

Die Zustände, unter denen man litt, offen zu legen, war nach der freisinnigen ,Bsff. Zeitung' der erste Akt der Selbsthilfe. Seit­dem haben sich die Zustände erheblich ge- beffert (?!). Man wird nicht mehr röthig habe»/' zu dem Geheimmittel eines Gesetzent- wurfes seine Zuflucht zu nehmen, sondern wird der Heilkraft der Natur vertrauen dürfen ..." Das genannte Bkatt nennt sich den Haupt- vertnter des guten Berliner Bürgerthums und scheut sich nicht, gegen Gesetzesvorlagen aufzu­treten, die fleißig arbeitendes'Bärgerthum schützen sollen gegen modernes Räuber- und Diebsgesindel. Wahrhaftig, es ist weit gekommen mit dem Freisinn".

VonderspanischenMlmster-Krisis.

Die spanischen Liberalen würden es unter den obwaltenden Umständen im geheimen wahrschein­lich mit großer Freude begrüßt haben, wenn die Konseroativm ihnen die höchst unangenehme Re­gierungs-Last und Regierungs-Verantwortung ab- genommen hätten. Aber die Konservative» thun klug und recht daran, jetzt nicht an die Spitze der spanischen Regierungs-Geschäfte zu treten; Herr Sagasta und seine Getreuen mögen den neuen Unrath, der sich unter dem Einflüsse ihres Regimentes angesammelt hat, auch selbst wieder fortschaffen. Thatsache ist also, daß der greise Liberalenführer Sagafta Ministerpräsident bleibt und nur eine andere Zusammensetzung seines Ministeriums vornimmt, wobei zunächst zu be- dauern ist, daß der Finanzminister U^zaiz in dem neu zusammengesetzten Kabinet k ne» Platz finden wird. Er wollte wirklich und mit Ernst reformiren aber bis zu dem Tap/', an dem Spanien endlich einmal zu durchgreifenden Finanz- Reformen gelangen wird, scheint noch eine weite Spanne Zeit ablaufen zu müssen.

Ader es liegen auch für die Königin-Rezentin gewichtige Gründe dafür vor, Herr» Sagasta jetzt am Ruder zu belassen. Nächstdem wird der junge König Alfons XIII. volljährig und gelangt zur Regierungsgewalt. Nach spanischer Ueberlieferung würde bei dem Uebergangr von einem konservativen Ministerium auch eine Neu­wahl für das Parlament nothwendig geworden sein, und man kann es recht wohl begreifen, daß die Regentin gerade jetzt, vor der Thronbe­steigung ihres jugendlichen Sohnes, eine solche Wahlbewegvng gern vermeiden möchte. Die Zustände find so unsicher und gefährlich, daß leicht mit der Wahlbewegung gleichzeitig andere und sehr unliebsame Bewegungen hätten ent­fesselt werden können.

Herr Sagasta wird aber einen schweren Stand haben. Er würde vermuthlich sich gar

Dabei war er gleich unangenehm davon be­troffen, daß die vier zur Beobachtung auSge- sandten Leute zwar bezeugen konnte«, daß daS in Rotenfelde gekaufte uns verladen« Salz von de« sechs ihnen von Ansehen und Nemen be­kannten Personen auf verschiedenen Wegen bis Glandorf gebracht worden war, aber nicht mit Bestimmtheit behaupte» konnte«, daß j<ne Per- sonen nun auch diejenigen waren, die das Salz über die Grenze brachten und dabei ertappt wurde».

Dafür war es in der Nacht zu dunkel ge­wesen und auch der Lauscher aus dem Bauern- Hause konnte nur bezeugen, daß man zu jemandem wie zum schwarzen Jopp gesprochen hatte; wäre dieser nicht verwundet worden, auch ihn hätte keiner der Beamten mit Sicher heit und Bestimmt­heit als Schmuggler bezeichne» können.

Der Richter beschloß deshalb, die in Betracht kommenden Personen scharf bewachen zu lassen, und erst nach einigen Tagen zu ihrer Verhaftung zu schreiten, bamit sie sich erst t» Sicherheit glauben, dann aber, durch die Verhaftung voll­ständig verblüfft, vielleicht eine Dummheit begehen und sich selbst bezichtigen würden. Einiges hoffte er auch noch von der Vernehmung des schwarzen Jopp.

Was der Arzt über den Zustand Wagners berichtete und Bernard der Schwester wieder­erzählte, war ebensowenis entmnthigend wie Freude erweckend. Wer aber die Geschwister am meisten schmerzte, war das Verbot des Arztes, den Kranken zu besuchen, da er jede Aufregung von ihm fern halten wollte.

So vergingen die Tage recht traurig im Ke- mannfchen Hause, und der Vater, der von den

nicht halte» können, wen» gleichzeitig das Par­lament versammelt wäre und er auch von dieser Seite mit Angriffen bedroht werden könnte. Deswegen hat man die Volksvertreter heim ge­schickt und regiert bis zu der Thronbesteigung der junge» Königs ohne Parlament. Die feind­liche Haltung, die Herr Sagasta und seine bis­herige» Ministergenofsrn gegen die Orden und Kongregationen einnahmen, hat auch bei einem großen Theile der spanischen Liberale» keine Zu­stimmung gefunden. Dazu kommt eine Botschaft des Papstes an dir Königin - Regentin, in der dieser angekündigt wird, daß der hl. Stuhl die Durchführung der neuen Srlaffe gegen die Kon­gregationen »icht zugeben könne kurz und gut, Herr Sagafta hat i» der Ordensfrage einen Rückzug antrete» müssen. An diesem Donners­tag würde die Frist abgelaufen sei», während deren die Kongregationen die neu vorgefchriebene Anmeldung bewirken sollten. In einer Berathung, die bei Herrn Sagasta abgehalteu wurde, hat man aber beschlossen, für die Ausführung des letzten Erlasses über die KongregationeA von de« Republikanern eine Frist zu verlangen. Später wird dann wohl das ganze liberale Kabinet ver­schwinden !

Dentschrs Keich«

Berlin, 18. März 1902.

+ Der Armdesrath hat in seiner heutigen Sitzung die Vorschläge der Ausschüsse betreffend die gemeinschaftlichen Einnahmen a» Zöllen und Verbrauchssteuern, sowie die in Anrechnung zu bringende» Verwaltungsausgaben für 189798 genehmigt und den Bericht der Reichsschulden, kommissio» betreffend Verwaltung des Schulden- wesens deS norddeutsche» Bundes bezw. des Reiches und bet- ihrer Beaufsichtigung unterstellten Fonds dem zuständigen Ausschuß überwiese». Dem Antrags Preußens betreffend Bestimmungen über Beschämung von Arbeiterinnen auf Stein­kohlenbergwerke, Zink-, Bleierzwerke» und Ko­kereien im R -ierungSbezirk Oppeln wurde die Zustimmung ir heilt.

h, Keine Srsziplinarnrrterlnchnrtg. Der »Braunschweig. L mdeSzeitung' zufolge ist sdte Mel­dung unzutrefsend, daß gegen den Landes- gerichtspräsidente» Dedekind die Disziplinar- Untersuchung eingeleitet sei. Herr Dedekind ist bekanntlich der Verfaffer einer Eingabe an Land­tag und Regierung, i» der die Forderung er- hoben wird, SerichtSurtheile und Erlasse möchte» mit der FormelIm Namen des Herzogs von Cumberland" eingeleitet werden.

h IunkexFekegrnphie. In Kieler Blättern ist folgender Befehl des Kaisers veröffentlicht worden:Nachdem durch eingehende Versuche die militärische Brauchbarkeit des funke», tele­graphischen Systems Slaby-Areo erwiesen ist, bestimme ich, daß dieses System an Bord meiner Kriegsfahrzeuge, wie auch bei den Küsten- Signalstatione» bis auf Weiteres ausschließlich Verwendung finden soll.

X Kitte Gevtrrrmv-InLerpellalio« im premsjisGe« ASgeordneteuhanse. Der Cen-

Vorgängen der letzten Tage nichts wußte, konnte sich kein« Erklärung geben für die niedergeschlagene Stimmung von Sohn und Tochter.

Vom Gerichtsdiener, den er unauffällig aus- solschte, erfuhr Bernard nach einigen Tagen, daß Joseph Kemper vernommen worden sei, seine Theil- nahme am Schmuggel eir gestanden, auch den Schuß auf Wagner als von ihm herrührend bezeichnet habe, afrer bei feinet Weigerung verharrt sei, irgend welche Mitschuldige zu nennen.

Die Sicherheit, in welche dieses Resultat Ber­nard wiegte, wurde jeooch nach Verlauf weiterer drei Tage gestört durch die wie ein Lauffeuer sich verbreitende Nachricht, daß drei Schmuggler au8 Warendorf, einer aus Füchtorf und einer aus Sassenberg gefänglich eingezozen worden seien. Allgemein wurde die Nachricht zuerst bezweifelt Bernard jedoch hatte eßen Grund an dieselbe zu glauben, waren er doch die Namen der Mitglieder jener Bande, zu der er in Beziehung gestanden.

In der That verhielt sich die Seche auch so. Der Untersuchungsrichter hatte, nachdem jeder Versuch, Bestimmtes über die Genossen Jopp'r zu erfahren, mißglückt war, nach Münster berichtet und von dort die Weisung erhalten, es mit der Verhaftung zu versuchen. Nun war für Bernard die Möglichkeit eines Verraths zur Wahrschein­lichkeit geworden, denn es war kaum anzunehmen, daß von den fünf ungebildeten Menschen, wen« sie iu die Enge getrieben rourlen, keiner sich ver­plappern, und au< Bosheit oder Dummheit auch feinen Bernard» Namen nennen und ihn in die Sache hineinziehen sollte.

läufig geschah jedoch nichts, wer weiterer Beunruhigung Nahrung hätte bieten können. De Recherchen, die Bernard mit der äußersten Vor-

trumsabzeordnete Falt in hat im Abgeordneten- Hanfs die nachfolgende Interpellation eingebracht:

Ist es der kgl. Staatsregierung bekannt, daß am 2. März 1902 zu Rybntk eine Ver­sammlung christlicher Arbeiter, berat Mutter- und Umgangssprache dir polnische ist, auf polizeiliche Anordnung aus dem Grunde auf­gelöst worden ist, weil die Verhandlungen in polnischer Sprache geführt werde« sollten? Welche Maßnahmen gedenkt die kgl. Staats- tegierung zu ergreifen, um derartige« Zuwider­handlungen gegen Verfassung und Gesetz künftighin vorzubeugen?*

Die Interpellation ist von allen Mitgliedern deS Ceutrums unterschrieben. Es liege« ver­schiedene Gerichtsentscheidungen vor, die diesen Polizeiverboten vo» Versammlungen mit polnischer Sprache entgegenstehen.

+ Lrmdtage ««d IoMssik. Nach der Versicherung liberaler Blätter sollte keine Aus­sicht daraus vorhanden fein, daß im sächsische» Landtage, ebenso wie im preußische« eine Kund­gebung zu Gunsten eines wirksamere« Zollschutzes der Landwirthschost in der Gestalt eines Antrages zu Stande komme» werde. Die Konseroatioen sollten theilweise einem solchen Anträge abgeneigt sein. Im Gegensätze hierzu wird der .Deutschen Tagesztg/ aus Dresden' geschrieben, daß in der konservativen Partei der zweiten sächsischen Kam­mer mit ganz wenigen Ausnahme» sämmtliche Mitglieder darin einig sind, daß die Getreidezoll­sätze deS Taris-Entwurfes nicht genügen. Der Gedanke, die Sache zum Gegenstände eines An­trages zu machen, sei durchaus nicht fallen ge­lassen, sondern seine Ausführung lediglich bis nach den Osterferien verschoben worden.

+ Dir preußische AsSenSahn Dsrlage hat diesmal mehr Bedeutung, als sonst gewöhn­lich. Im Vorjahre war die entsprechende Vor­lage bekanntlich gänzlich ausgefallen, so daß eS sich diesmal um besonders umfangreiche Ent­würfe handelt, die für die betreffende» Gegen­den vo« außerordentlicher Wichtigkeit find. Es ist darum sehr thöricht, wen» in einige» libe­ralen Blättern empfohlen wird, diese Vorlage ganz einfach bis «ach Ostern zurückzustellen, so als ob gar nichts a« ihr gelegen wäre. Daß der Etat nicht durchberathen wird, ist zu be­dauern, und das hätte füglich nicht so zu komme» brauchen. Aber warum darunter auch die wichtigste wirthschaftlichr Gesetzesvorlage leiden soll, ist durchaus nicht einzusehe«. Wird die erste erste Lesung noch vor Ostern erledigt, dann kann sofort »ach Ostern die zweite Be­rathung stattfinden und vaS ist nothwendig, damit auch das Herrenhaus der Entwurf noch vor Pfingsten verabschieden kann.

H Hstasrikanische Kevtralöaßu. In dm .Berliner Neuesten Nachrichtens die zu de» viele» schon vorhandenen Halbsimlichm als neues halb­amtliches Organ hirzugekommen zu sein scheine», wird versichert, daß die Reichsregierung... mit allem Nachdrucke auf der möglichst schleu­nigen Durchberathung und Beschluß­fassung über den Entwurf (der Bahn von Dar-es Salam bis Mrogoro) »rcht nur i» der Kommission, sondern auch im Plenum des Reichs­

sicht anstellte, ergaben, daß alle Schmuggler weiter nichts zugaben, als was die Beamten schon au»- gesagt hatten, nämlich, daß sie Salz in Roten­felde aufgekauft und dieses nach Glandorf gebracht hätten; weiter erzählten sie, daß sie dann auf dem Heimwege irre gegangen und so die Nacht nicht nach Hause gekommen feien. Jedenfalls war diese Aussage vorher, in richtiger Erkenntniß der Sachlage, zwischen den Schmugglern verabredet worden.

Bernard athmete wieder auf. Dann kam ein Tag, wo der Arzt den verwundeten Wagner für fähig erklärte, den Besuch Bernard» anzunehmen und auf der Schwester Drängen stieg Bernard am Nachmittag noch zu Pferde und ritt hinaus nach Hargut.

Es «ar ditse« der erste frohe Tag, den der junge Mann feit jener Nacht hatte, in der Wagner verwundet wurde; »och niemals erinnerte er sich, des Jahres schönstes Fest, die Weihnacht, dm frohen Sylvesterabend und den Neujahrstag so traurig verlebt zu haben, wie heuer.

Jetzt schrieb man 1863. Der einsame Reiter auf der Chaussee nach Sassenberg zu nährte bei sich die stille Hoffnung, daß dieses Jahr ihm und denen, die er liebte, Bessere» bescheeren möge, al» fein Vorgänger. Die belebende Hoffnung blieb nicht ohne Einwirkung auf Bernard» äußere Er­scheinung, der mit den wieder munter blickende» blauen Auge», den etwa» gerötheteu Wangen und der aulrechten Haltung einen sehr günstigen Ein­druck machte. Auf Hargut führte ihn der Diener ix ein Zimmer der ebenen Erde, in welchem kurz darauf eine Dame erschien, da» un» bekannt« Fräulein Wiemann, die Freundin der jungen Gräfin von Hargut.