Einzelbild herunterladen
 

wttbwri Mett

Pentiu» ix »illi. *" mit Zlnlerhattungs -BeilageMustrirte Sonntags-Zeitung"

M e* Ma Ne Mm MMeeM litmufi». 1 (Immm

JK59.

Juköa, Mittwoch, den 12. März 1902.

29. Jahrgang.

.Reichsanzeiger' zwei weitere Verbote polnischer Zeitungen: Der ,LzaS', der in Krakau erscheint, und der in Lemberg herauSgrgebene .Dziennik polski' werden beide für den Zeitraum von zwei Jahren im Deutschen Reiche verboten.

Mit altes Original.

Reminiszenz von Dr. Max «re,er.

------ (Nachdruck verboten.)

0 Sim regt Wtizdeit te NelkMkkim fit ins i«th»Wk Utilfiljlaii

haben erfreulicherweise die Wintermonate gebracht. Nicht nur hat die Verbreitung von Flugblättern und populären Schriften über die wichtigsten Tageefrageu einen fortgesetzt steigenden Umfang angenommen, sondern auch die VersammlungS- thätigkeit ist in außerordentlichem Maße gewachsen. Au« den beiden Monaten Dezember und Januar allein find der Centralstelle in M.-Gladbach über 200 Versammlungen aus allen Gegenden Deutschland», au« großen Städten wie kleinen Landgemeinden gemeldet worden. Die Diözese Fulda ist dabei mit einer stattlichen Anzahl ver­treten. Dazu kommen zweifellos noch zahlreiche «eitere Versammlungen in derselben Zeit, über die eine Meldung an die Centralstelle nicht er­folgte. Die Thatsache dieser zahlreichen, nach den Berichten durchweg auch von den katholischen Männern vorzüglich besuchten Versammlungen ist allein schon ein Erfolg, dessen Tragweite gegenüber gegnerischen Bestrebungen, insbesondere gegenüber der sozialdemokratischen Agitation nicht hoch genug anzuschlagen ist. In diesen Versamm­lungen find die wichtigsten Tagesfragen behandelt worden; in einzelnen Gegenden stand die Zoll­frage im Vordergründe und gerade die ruhige, sachgemäße, von Einseitigkeiten nach jeder Richtung freigehaltene Darlegung, die fie in den Versamm­lungen des Volksverein« meist gefunden, dürfte in dem lebhaften Jntereffenstreit unserer Tage von größter Bedeutung gewesen sein.

Ein weiterer Erfolg der regen Versammlung«. thätigkeit ist aber auch eine steigende Mitglieder-1 zahl des Volksverein«; in manchen Versamm­lungen find Hunderte von neuen Mit-

Dentfches Keich.

Berlin, 11. März 1902.

* lieber die Verhandlungen in der Zoll- tarif-Kommissio«. bringt die freikonservatioe .Post' eine bemerkenSwerthe Mittheilung, indem sie schreibt:UnnLthige Verschleppung der Verhandlungen der Zolltarif. Kommission. Während die Mehrheit der Zolltarif-Kommission sich zu einem einheitlichen und geschlossenen Vorgehen im Sinne möglichster Förderung der Verhandlungen entschlossen hat, zeigen die letzten Verhandlungen als hauptsäch­liches charakteristisches Merkmal zahlreiche Anträge des Vorsitzenden des Bundes der

machen.

In jedem Semester verbrauchte der alte Herr einige neunzig Federmesser, die ihm zirka 45-50 Thaler kosteten. Wenn er nämlich im besten Ar­beiten begriffen war und in irgend einem dazu benutzten Buche eine wichtige Stelle aufgeschlagen hatte, so legte er, um dieselbe nicht zu verschlagen, sein Federmesser in das Werk und machte es bann zu. Da er nun nie Stahlfedern benutzen mochte, sondern eine entschiedene Vorliebe für selbst ge­schnittene Gänsekiele hegte, so mußte er häufig zum Federmesser die Zuflucht nehmen. Zu zer­streut, um stch der Buches zu erinnern, in welches er das Messer als Zeichen gelegt hatte, und zu ungeduldig, um lange zu suchen, schellte er de« Dienstboten und gab demselben das nöthige Geld, um so schnell wie möglich ein gutes Federmesser zu kaufen. Dies Stück wiederholte sich in jeder Woche, ja oft an manchen Tagen mehrere Male., Am Schluffe des Semester« fand dann der Ama- nuenfis beim Ordnen der Bücher fämmtliche Messer wieder und händigte dieselben der Frau Geheimräthin au». Diese hob dieselben sorgfältig auf und wie« den Diener an, bei künftig vor­kommenden Fällen den Federmesserbedarf de« Alten gegen Zahlung von ihr selbst zu entnehmen.

Von diesemTleffergelbe" hat bie edle Frau gar manchen Bebrängten unb Armen unterstützt, unb wohl Keiner von benen, welche getröstet unb beglückt bie Schwelle bes Hause« verließen, hat je geahnt, baß bie ihm gewordene Geldspende nicht von demNadelgelde" der Geheimräthin, sondern von demMeffergelde" de« Alten herrührte! Eine« Tage» erschien seine Frau in dem Stndir- zimmer mit der Frage:Sage einmal, lieber Lobeck. wa» hat da» zu bedeuten? Wo ich mich seit einigen Tagen sehen lasse, da tttulirt man michFrau Geheimräthin". Bist Du vielleicht Geheimrath geworden?"

Der Alte, welcher gerade mit einer für ihn sehr interessanten philologischen Arbeit beschäftigt war, sah bie Störerin mit jenem ungewissen Blicke an, welcher fie balb merken ließ, daß er mtt seinen Gedanken mehr in Griechenland al» in Königsberg weilte, unb gab erst auf bie wieder­holte, eindringlichere Frage die Antwort:Ja höre, liebe« Lmchen, wenn ich mich recht erinnere, so ist wohl was dran."

So bist Du also wirklich Geheimrath ge­worden ?"

Ei ja, ich glaube e« wohl!"

Mein Gott, warum hast Du mir aber da» nicht gleich mitgetheilt?"

Ja höre, liebe« Linchen, ich habe e» nur vergessen."

Aber Du mußt doch auch ein Diplom da­rüber erhalten haben, nicht wahr?"

Et ja, ich glaub'« wohl, e« muß so wa« da sein." Nun, wo hast Du e« denn gelassen?" Ja höre, dar weiß ich jetzt gerade nicht, aber wenn Du mal nachsehen thätest, vielleicht dort im Papierkorbe, da könnte e« sich wohl finden."

Und richtig! Unter Papierschnitzeln, zer­tretenen Federn und dergleichen fand sich da« Ge­heimraths-Diplom vor.

Bei der letzten Anwesenheit de« Königs Friedrich Wilhelm IV. in der alten Universitätsstadt hatte derselbe wiederum Gelegenheit genommen, sich an der geistvollen Unterhaltung mit demalten Lo­beck" zu erfreuen. Bei seiner Abreise gab er demgemäß dem Oberpräsidenten der Provinz seinen Wunsch zu erkennen, dem Alten eine besondere Gnade zu erweisen, und gleichzeitig den Auftrag, sich zu erkundigen, womit dem Professor wohl eine Freude bereitet werden könne. Bald nach der Abreise de« Monarchen sprach der Oberpräfident zur Ausführung de« könizlichen Befehls in der Wohnung des Geheimrathes vor. Zufällig war im Hausflur Niemand anwesend, der ihn an­melden konnte, er sah sich also genöthigt, am Studirzimmer anzuklopsen. Erst nach mehrmaligem verstärktem Klopfen hörte er endlichHerein!" rufen und findet, eintretend, den Alten im Haus­rock am Arbeitstische fitzend.

Ohne jede Ahnung, daß der höchste Beamte der Provinz Preußen überhaupt Veranlassung haben könnte, ihn zu besuchen, erwiderte der Alte die Begrüßung derselben mit feinem gewöhnlichen freundlichen Kopfnicken und fragte bann:Womit könnte ich Ihnen wohl bienen ?"

gliedern gewonnen worden, und auch hier steht unsere Diözese wieder an hervorragender Stelle. Wenn in dieser Weise weiter gearbeitet wird, wenn namentlich bie bisher zurückgebliebenen katholischen Gegenben dem guten Beispiele folgen, so dürfte bie Mitgliederzahl des Volks­vereins bald da« zweite Hunderttausend über­steigen. Damit ist freilich noch bei weitem keine Gesammtorganisation der katholischen Männer Deutschland» geschaffen, aber doch schon eine an- sehnliche, über ganz Deutschland auigebrettete und sich immer weiter ausbreitende einheitliche Organisation, wie fie un» heute mehr denn je Roth thut. Mit Recht weist daher ein neuer Aufruf de» VolksoereinS (unentgeltlich in jeder An­zahl zu beziehen von der Centralstelle de» Volk«« verein« für da« katholische Deutschland in M.- Gladbach), nachdem er die wichtigen sozial­politischen Aufgaben de« Verein« betont hat, auch auf seine apologetische Bedeutung hin:

Die Anfeindungen unsere« katholischen Glauben« werden von Tag zu Tag heftiger. Sozialdemo­kratie und kirchenfeindlicher Liberalismus, Un­glaube und Katholikenhaß mancher Andersgläubigen reichen stch die Hand, um gegen die katholische Kirche einen neuen Angriff zu führen.Katho­lische Kirche befiegt, alle« besiegt!" so denken die evangelischen Bündler, die Männer derLos von Rom"-Bewegung gerade so wie die Sozialdemo­kraten. Soll unser katholische« Volk in diesem ihm aufgedrungenen Kampfe siegen, so bedarf e« neuer geistiger Waffen! Wer soll un« in diesen Kämpfen Führer und Helfer sein? Gewiß mit an erster Stelle der Volk«verein für da« katho­lische Deutschland. In diesem Vereine sollen alle katholischen Männer, welche die Aufgaben ihrer Zett verstehen, sich einigen; in diesem Ver­eine zusammengeschaart und mit seinen Waffen ausgerüstet, wollen wir muthig kämpfen für die Lertheidigung und Förderung des katholischen Volkstheiles auf religiösem unb sozialem Gebiete." Möchte biefer Aufruf bei allen katholischen Männern lebhaften Wiberhall finden, damit die segensreiche Thätigkeit des Volksverein« sich auch fernerhin immer »eiter auszubreiten vermag.

Tische. Der Frau Geheimräthin flößte bie ®e schichte doch einige Zweifel ein, der Diener aber» ben fie darum befragte, baute auf die Zerstreut­heit feines Henn unb befeuerte, fämmtliche Pfeifen gestopft zu haben. Der Professor be­kräftigte diese Behauptung, und so mußte die noch immer ungläubige Frau sich endlich beruhigen. Der Alte aber triurnphirte und pflegte, sobald in seiner Gegenwart einmal von Ungeheuern Leistungen im Essen oder Trinken und dergleichen gesprochen wurde, von seiner Rauchbravour zu erzählen, dabei jedoch nie unterlassend, das Ganze durch die Angabe des Diener-,der Tabak sei so trocken wie Stroh gewesen", plausibler zu

Die ganze gelehrte Well inner- und außer­halb der Grenzen Deutschlands, ist einstimmig in ihrem Urtheile über die Bedeutung des 1864 verstorbenen großen Philologen und AlterthumS- forscherS, des Professors und Geheimen Raths Christian August Lobeck in Königsberg, eine- geborenen Thüringers. Auch unter feinen Mit­bürgern gab eS wohl kaum einen, der nicht von demalten Lobeck" gehört hätte. Dagegen kannten nur sehr Wenige den berühmten Lehrer persön­lich, weil er sich, außer bei UniverfitätS-Festlich- leiten, denen er als Mitglied offiziell beiwohnen mußte, selten auf der Straße sehen ließ. Auch war der Kreis seiner Bekannten so klein und gewählt, baß man ihn fast niemals luden Königsberger gesellschaftlichen Kreisen antraf Jeder, der sich, ohne Lobeck noch gesehen zu haben, dessen Bild nach dem Rufe desselben auS« gemalt hatte, war erstaunt, wenn ihm tn der Aula ober im Kolleg ein kleiner, verschrumpfter Herr gezeigt wurde, der eher einem verkommenen, bejahrten Spießbürger, als einem der ersten Heroen seiner Wissenschaft ähnlich sah. Zu jeder Jahreszeit nämlich trug der alte Lobeck einen altmodischen abgeschabten, olivenfarbigen Heber» rock, unter welchem sich der Sage nach ein ebenso antediluoianischer, blauer Leibrock be- fand, graue Beinkleider, dazu an sichtbarer Wäsche ein weißes Halstuch mit ziemlich großen Vater­mördern, von denen der linke zwar in seiner ganzen Steifheit prangte, der rechte hingegen stet- den Flügel hängen ließ. Sin alter Filzhut im Sommer, eine Mütze im Winter, fammt kolossalen Ueberschuhen vervollständigten daS Ganze!

Doch wer dies unscheinbare Männchen auf der Rednertribüne der Aula gesehen und jene glänzenden Philippiken vernommen hatte, die 'elbst dem erhabenen Rektor magnificus der Alma Albertina, Friedrich Wilhelm IV. imponirte«, wer von dem Katheder dem lauschenden Audito- rium die Meisterwerke der Griechen und Römer auSlegen gehört hatte, der beugte sich vor dem Geiste, dem edle« Kerne in der unscheinbaren Schale!

Lobeck hatte übrigen» ein so bedeutendes Prioatvermögen, daß er fast alle Kollegin un- entgeltlich la« und sich dafür nur daS Recht Vor­behalten hatte, dieselben nicht in dem Universität-- gebäude, sondern in seinem eigenen Hause, In der KönigSstraße, abhalten zu können.

Wie so viele große Gelehrte unb Denker, war deralte Lobeck" äußerst zerstreut und be« nebenbei so viele Eigenheiten, daß er füglich für ein Original gelten durfte. Es war daher ein besonderes Glück für ihn, daß er eine höchst liebeneroürbige, kluge Gattin gefunden hatte, welche sich In fein Wesen ganz einlebte und ihn, ohne daß eS besonders auffiel, überall da leitete und führte, wo dem unpraktischen Manne eine olche Leitung noth that.

Man kann stch denken, daß die Eigenheiten >eS Alten Veranlassung zu vielerlei komischen Szenen boten.

Deralte Lobeck" war ein pasfionirter Tabaks- räucher. DaS Pfvnd seines Lieblings knasterS ostete sechs Silbergroschen und wurde unter der BezeichnungSeheimrathS-Knaster" nur für ihn allein von einem Engrosgeschäft in Tabaken ge­mischt. Seine tägliche Portton waren zwölf i Jfeifen. Der Diener, welcher die Pflicht hatte, lese Pfeifenbatterie jeden Morgen zu stopfen, vergaß dies eine- schönen TageS. AIS der alte >err daher seiner Gewohnheit gemäß um sechs Uhr aufgestanden war, fich mit der eben ange­zündeten Pfeife an ben Schreibtisch gesetzt hatte, war er nicht wenig erstaunt, daß dieselbe schon nach wenigen Züge» auSging. Alle Versuche, fie mrch Fidibusse wieder in Brand zu bringen, cheiterten, und eine endliche Prüfung mit dem ; finger im Pfeifenkopfe Überzeugt ihn, daß dieser ' eer und auSgeraucht ist. Zwar befremdet ihn >ies etwas, erstaunt stellt er indessen gelassen bie Pfeife weg und ergreift mit Seelenruhe die weite. Nach wenigen Minute» ereignet sich der- elbe Vorfall! So versucht er eS mit den noch I übrigen zehn Pfeifen, und da in alle» die Tabaks- i reste vom vorigen Tage und die Reste und Heber» »leibfel der heutigen Fidibusse kärgere oder kürzere I . Zeit glimmen, so kommt er schließlich zu seiner 1 Verwunderung zur Ueberzeugung, daß er in 1 wenigen Stunden bie Dosts eines ganzen Tages < verraucht hat, und erzählt seine Heldenthat bei |1

ILandwirthe Freiherr» vo» Wangenheim, welche eingebracht werden, obwohl bereit Ab- lehnung vo» vornherein sicher war. Unter dem Gesichtspunkte, zu zeige», daß sowohl die Vorlage als die schutzzöllnerische Mehrheit eine mittlere Linie zwischen den ertremen agra­rische» Forderung«» und dem extremen Stand- pankte des Handelsvertragsvereins Innehält, könnte ei» solches Vorgehe» taktischen Borthei bieten, wen» nicht das Zustandekommen der Vorlage in der Kommission davon abhinge, die Verhandlungen ohne jede unnöthige Zeitoer- geudung vorwärts und zum Abschlüsse zu führen. Unter diesem Gesichtspunkte aber unterliegt jene» Vorgehen des Freiherr» von Wangenheim be» ernstesten Bedenken. Nicht allein, daß dadurch unmittelbar eine Verlängerung der Ver­handlungen herbeigeführt wird, so gibt man auch ben Gegnern Waffen in die Hand i» ihren Bestreben, durch planmäßige Verschleppung der Verhandlungen Obstruktion zu üben. Mit vollem Rechte hat daher auch einer der Wort- sührer der Mehrheit der Zolltarif Kommission den genannten Abgeordneten ersucht, im Interesse der Sache für die Folge von Anträgen Abstand zu nehmen, deren Ablehnung im Voraus sicher sei. Man wird hoffe» dürfen, daß diese Mah- »ung vo» Erfolg fein wird. Die ohnehin so schwierige Ausgabe, der ObstruktionSbestrebungen der frelhändlerlschen Minorität Herr zu werden, sollte auf teilen Fall »och von Mitgliedern der schutzMnerifchen Mehrheit be» Reichstages in der Welse erschwert werden, wie dies zweifellos durch die Geltendmachung eines Sonderstand- Punktes bei den meisten auf landwirthfchaftliche Zölle bezüglichen Positionen geschieht." Es war der Abgeordnete Herold (Centrum), welcher auf dieses bet Landwirthschast schädliche Ge­bühren deS Abgeordneten von Wangenhelm auf« merksam gemacht hat. Seine Ermahnungen scheinen jedoch keinen Erfolg gehabt zu haben, denn wiederum find solche Anträge, welche obwohl aussichtslos, doch dazu dienen, die Ver­handlungen zu verschleppe», oo» Herrn von Wangenhelm eingebracht worden. Unsere- Er« achtens hat e- deshalb auch die Mehrheit der Kommission mit Recht abgelehnt, noch acht Tage nach Schluß der Plenarberathunge» weiter zu tagen; man kann es derselben gewiß nicht übel nehme», ihre Sitzungen lediglich zu dem Zweck zu verlängern, damit Herr v. Wangen« heim »och mehr Zeit erhält, die Verhandlungen unnöthigerweise in die Länge z« ziehen. ES gewinnt ohnehin fast den Anschein, alS ob eS dem Bund der Landwirthe nur darum zu thun fei, überhaupt nicht- z u Stande kommen zu lassen.

+ Ist*lsrse. Krziehimg. In der soeben erschienenen Märznummer derCharitaS" (Frei­burg i. Br) bringt Landesrath Schmedding in Münster i. W. sehr interessante Mittheilungen übet die Wirkungen de- im April v. I. in Kraft getretene« Fürsorgeerziehungsgesetzes. Zu­nächst stellt er fest, daß die Wohlthaten desselben gegenüber dem früheren Zwangserziehungsgesetz einer fast 6 mal größeren Zahl von gefährdeten Kindern zu Theil werden. Während früher in jedem Jahre durchschnittlich gegen 1560 die ZwangS-Erziehung beschlossen wurde, betrug die Zahl der Fürsorgezöglinge im I. Halbjahr (1 April bis 30. September 1901) bereit- 2585, wobei noch wohl zu beachten ist, daß die Zahl d r FürforgeerzlehungSbeschlüffe von Monot zu Monat geroa t sen ist, sodaß nach Berechnung Schmedding- nach Ablauf des 1. Jahre- (31. März 1902) gegen mehr als 9000 Minderjährige die Fürsorge Erziehung rechtskräftig angeordnet fein wird. Die Thatfachen scheinen da« zu be­stätigen, da z. B. die Rheinprooinz bis Ende Dezember allein 1600, Westfalen 773 Kinder der Fürsorge-Erziehung überwiesen hat. Anderseits konstatirt Schmedding aber such die Tatsache, daß in den meiste» Fällen die Verwahrlosung der Fürsorgezöglinge hauptsächlich durch Schuld der noch lebenden Eltern veranlaß! war, so in Wefisalen (worüber er nähere Zahlen gibt) in 748 Fällen, während i» 343 strafbare Handlungen der Kinder die Ursache der Fürsorge-Erziehung waren (davon 200mal Diebstahl); in 228 Fällen waren die Kinder schon von völligem stttlichen Verderben bedroht. (Die Gefarnmtsumme der Ursachen gibt eine höhere Zahl als obige 773, well bei manche» Kindern mehrere zusammen- wirkten.) Spezialisirt man nun noch in jenen 748 Fällen die Schuld der Eltern näher, so er­gibt sich, daß sie in 301 Fällen durch Trunksucht, in 242 durch Unzucht bedingt »ar. Das sollte allen wahren Volksfreunden eine neue Mahnung sein, gegen den so verderblichen Alkohol, der ja fast stet- die Unzucht im Gefolge hat, mit alle» Kräften zu arbeiten.

h Weitere & et tote polnischer Zeitungen. Dor kurzer Zeit wurde die ,Rowa Resorma' fit da- deutsche Reich verboten. Jetzt bringt der