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J$57.
JuLöa, Montag, den 10. März 1902.
29. Jahrgang.
[j Die französische Sozialdemokratie.
Frankreich hat »ieber seinen Sozialisteu-Kon- greß gehabt. So wild wie in den Vorjahren ist er diesmal nicht zugegangen in Tour«, wo die Versammlung drei Tage hindurch tagte, «her den französischen Ohergenoffen wäre e« wahrscheinlich lieber gewesen, e« wäre genau so toi hergegangen dabei, wie in den letzten Jahren auch, wenn nur auch die Betheilignng dieselbe geblieben wäre. Aber zu« erstenmal hat sich die Spaltung der französische« Sozialdemokratie auch äußerlich bei dieser Gelegenheit kenntlich gemacht: die „Revolutionären" waren nä«lich ganz und »ar anr- geblieben. Und um diesen Zerfall der französischen Sozialdemokratie in z«ei vollkommen getrennte Parteilager ganz deutlich hervortreten zu lassen, hat die Rumpfversammlung in Tour« einen Beschluß gefaßt, der sich unmittelbar gegen die Schwesterpartei richtet; nach diesem Beschlösse soll das Zentralkomitee der Partei abgeschafft werden. Dieses Zentralkomitee setzt sich aber au« „Revolutionären" zusammen und'mird e< natürlich hübsch bleiben lassen, den „Ministeriellen" den Gefallen zu thun, sich aufzulösen. Der Beschluß bildet aber eine neue Scheidewand zwischen den sozialdemokratischen Wadelstrümpflern und Wafferstieslern, sodaß an eine Wiedervereinigung bei der Partei zu einer einzigen politischen Organisation nicht mehr zu denken ist. Jede Partei geht ihre eigenen Wege, und damit hat sich ein für die Sozialdemokratie der ganzen Welt vorbildlicher Vorgang vollzogen: die Fortentwickelung der Sozialdemokratie bringt eine Auflösung derselben in verschiedene Parteigruppen von selbst mit sich — womit nicht gesagt sein soll, daß dadurch die ganze Sozialdemokratie weniger gefährlich werde. In der Feindschaft gegen die bürgerlich« Gesellschaft, in dem Haffe gegen die bestehend« Gesellschaftsordnung kommen Wafferstiefler und WadelstrÜmpf- ler Überein, und da« alte Wort vom „Getrennt marschiren, aber vereint schlagen" trifft in diesem Sinne auch hier zu. Man kann sagen, gerade jetzt sei die Rechtspartei der Sozialdemokratie erst recht gefährlich. Rach dem Abschwenken der „Revolutionären" kann «an sich noch «ehr eU bisher mit de« Schwindel von der sogenannten „Mauserung" kokettiron und leichter al» bisher bürgerliche nnd der Revolution in jeglicher Form abgeneigte Volkselemente für sich einfangen.
Da« versuchen die Herren „Ministeriellen" auch schon. Ihr Führer, der Ober genösse Jaurvr, geht neuerdtu,« mit Vorliebe auf die Dörfer und sucht die Bauern einzufangen durch allerhand heuchlerisch« und schmeichlerische Reden. Er fängt dort a«, wo er «eint, daß et den Bauern am schlechtesten ginge, nämlich bei den Winzern in den wenigen guten Weinbezirken, die bei sehr schwerer Arbeit nur einen kärglichen Ertrag ihrer Mühe habeu. Den Winzern von Bouvray in der Gegend von Tour« hat Herr Jaurös in diesem Sinne gepredigt und ihnen empfohlen, mit den Arbeitern tu den Städten gemeinsame Sache zu machen und sich mir ihnen
$>er Weiter Schuld.
Original-Roman von Fr. Sollet.
17 --(Nachdruck verboten.)
Nun war es klar, die Schmuggler verließen den Ort auf verschiedenen Weg-n, um sich an einem bestimmten Punkte zu treffe». Da es drei in dm Ort mündende Landstraßen waren, die von den Schmugglern gewählt wurden und ein baldiges Abbiegen von denselben kaum zu befürchten war, so gingen die Beamten alle nach der Saline, die fie sich al« Treffpunkt bestimmt hatten, zurück und verabredeten, daß jeder einem Fnyrwerk nachschleichen, der vierte Beamt« aber noch einige Zeit im Orte bleiben sollte, um zu beobachten, was die dort zurückgebliebenen Schmuggler unterdessen begannen.
Da war jedoch nicht viel zu beobachten; nach Verlauf einer halben Stunde machten sich die Zurückgebliebenen auch auf, jeder einen der Wege einschlagend, den die ersten drei Schmuggler ge- nommen hatten. Ser Beamte sah diese« Rachschleichen nicht gerne, war doch die Gefahr vor- Händen, daß jede ungeschickte Handhabung der Ueberwachung durch dis nachkommenden Schmuggler bemerkt werden und zum Scheitern de» liebet- rumpelung«v!anes führen konnte.
Diese Befürchtung traf jedoch nicht ein. Der letzte Beamte, der den Weg zum Dorfe Laer einschlug und diese Gelegenheit wahrnahm, den auch dorthin gehenden Freund zu warnen, bemerkte bald, Laß e« die Zollbeamten an Vorsicht nicht fehlen ließen.
unter die Fahnen der Sozialdemokratie zu schaaren. Die sozialdemokratischen Berichte schweigen darüber, ob Herr Jamö» Beifall bei den Weinbanern von Vouvrap gefunden hat. Vorläufig scheint da« als« nicht der Fall gewesen zu sein; aber «er weiß, war nachkommt! — so denkt wohl auch Herr Jamä«: laßt e« nur den Winzern noch schlechter gehen, laßt sie noch nnznftiedener «erden, dann werben fie schon kommen!
Von allgemeinem Interesse ist noch ein anderer Beschluß, den die sozialdemokratische Versammlung in Tour« gefaßt hat: danach soll für di« Zukunft kein Sozialdemokrat «ehr so ohne weitere« ein Rtnisteramt annehmen dürfen, wie die» Herr Millerand gethan hat, der nächste Freund de« Herrn Jaurör. In Zukunft soll ein Sozialdemokrat nur dann Minister werden dürfen, wenn er die Erlanbniß de» sozialdemokratischen Partei- kongresse» dazu erhalten bat. Dar klingt recht hübsch für sozialdemokratische Ohren, aber an«- führen läßt sich der Beschluß gar nicht Denn wenn eine Mimsterkrise entsteht »ud ein neuer Ministerium zu bilden ist, dann kaun man damit doch unmöglich so lange warten, bi« der sozialdemokratische Kongreß die Gnad« gehabt hat, sich zu versammeln und sein Urtheil darüber abzugeben, ob ein „Genosse" Minister werden dürfe oder nicht.
Herr Millerand aber ist vergnügt. Sc hat die Solegenheit beim Schopf« genommen, den sozialdemokratischen Grundsätzen ein Schnippchen geschlagen und ist in dem republikanischen Ministerium Handelsmtnister geworden, ohne daß seine Parteigenossen e» wagen, ihn al« Parteioerräthor zu ächten. Sie bilden vielmehr im Parlamente feine beste Stütze, und Genosse Rillerand sonnt stch — um mit einem Blatte d«r „Revolutionären" zu reden — ewig t» dem Luxv« eine« Minister- palaste« und in der Orden spendenden Gnade de« gewaltigen Selbstherrscher« aller Reußen!
Deutsche-» Keich.
Berlin, 8. Ma z 1903.
* Im preußischen Abgeordr tenhause wehte heute (Samstag) »yf«l*ff.
Der Evangelische Bund hatte in bm national- liberalen Abg. Hackenberg einen Rcdner vorgeschickt, der seine Sache so gut machte, wie t< eben möglich mar — aber eine solche Sache gut zu machen, ist eben nicht möglich. Auf mag für Grundsätzen der Redner steht, möge man daraus entnehmen, daß er frank und frei erklärte: bei der katholischen und evangelischen Kirche dürfe und könne es nicht heißen „Jedem das Gleiche", sondern nur „Jedem das Seine" — denn beide Kirchen stä »de» doch dem Staatswesen Ganz verschieden gegenüber! Es wird noch nicht »st vor- gekommen sein, daß Jemand die Herzewaltigung der kathol. Kirche so offen heraus empfohlen hat, noch dazu in einer Parlameutsrede. Noch mehr: nach de« Aenßrrungen des Redners dürfen die Kacholiken gar nicht öffentlich ihre Grundsätze uub Anschauungen erörtern, denn schon dadurch „verletze« sie da« evavgklische Bewußtsein". Abg. Dr. Bachem vorn Centrnm zeigte Herr» Hacken- berg, auf welchen Irrwegen er sich mit seinen Ausführungen befindet und bewies, daß er nicht
Einer hatte, den nachkommerden Schmuggler bemerkend, durch scheinbare« Abbiegen vom Weg«, auch diesen vor sich gebracht; brr zweite war, al« die vor ihm hersahrende Fuhre bei dem Haus« bei Wagenbesitzer« Halt machte, rüstig weiter geschritten,bi« er «u« dem Gesichtskreis der Schmuggler war. Daun hatte er sich in ein nahe dem Hause liegende« Wäldchen geschlichen, da» einen nur hüßelhohen Ausläufer de« Teutoburger Walde« darstellte, und hatte, hinter einem mächtigen Baumstamm versteckt, gesehen, wie die Schmuggler ihre Waare auf einen Handkarren luden und diesen aus einen SeUeuweg hinschoben, der nach dem Dorfe Rüschen führte. Al« et selbst dorthin kam, sah er den Karren vor dem Wirthshause haften.
Die Schmuggler schienen, da sie öfter aus der Thür des Wirth»Hauses auf die Straße blickten, jemanden zu erwarten, schließlich aber wurde ihnen wohl die Zeit lanz, denn der Knecht des WirthrS spannte ein, lud das Salz auf seinen Wagen und fuhr in der Richtung auf Laer hin ab. In dieser Dorf fuhr, von einer anderen S ite kommend, bei der Ankunft des Wagens ein Botensuhnverk ein, dessen Fuhrmann vorne im Wagen saß, neben sich den vermummten Zollbeamten, während die Schmuggler, ihre Schätze hütend, hinter dem Wagen hertrotteten.
Etwas früher war der Wagen durchgefahren, der die Straße nach Laer direkt emgefchlageu hatte unb bis Glandorf ging. Bier Schmuggler mit zwei Ladungen waren nun in Laer anwesend; eine geroiffe Unruhe schien sich ihrer bemächtigt zu habe« und nach längerer Verhandlung untereinander wurde der in Müschen gemietete Wagen
das geringste Verständniß für die kathol. Kirche und ihr inneres Wesen hat. Im übrigen aber erinnerte Dr. Bachem Herrn Hackenberg daran, daß daS Parlament nicht der geeignete Schauplatz sei für konfessionell-kirchliche Auseinandersetzungen, daß es sich im Parlament nur handelt um das Verhäftniß der Kirche zum Staate. — Unerhörte Poftze quälereien sin» verschiedenen Schwesteru-Niederlaffungen in Berlin und Umgegend zugefügt worden, wie Abg. Dr. Bachem feststellte; und seht treffend bemerkte Abg. Dasbach dazu, man sollte er kaum glauben, daß ein solche» Ordensgesrtz wie bei unS bestehen könnte. Und dabei sprach ein Seheimrath aus dem Kultusministerium wiederum von dem „Wohlwollen" der Regierung für die Katholiken — welcher ungeheurer Hohn!
-s-ItsH«h«»rnSSWertH Die Verwaltung der reichSzräflrch Echaffgotich'schen Güter auf der schlesischen Seite des Jser- und Riesenge- ditges hat den Pächtern aller derjenigen Wirths- häuser, die dieser Verwaltung unterstehen, den Ausschank von Branntwein vettragSmäß'g untersagt an alle« Sonntagen und Feiertagen sowie an Löhnung»- und Borschußtagen. Für den Einnahme - Ausfall, der dadurch den Pächtern entsteht, gewährt ihnen die gräfliche Verwaltung ausreichende Entschädigung.
+ Mrssulwei« Steuer. Die Branntwein- steuer-Kommiiston des Reichstages hat nach mehreren Sitzungen die Staffelsteuer nach zwei Anträgen augenommer!, von denen der eine von den Abgeordneten Müller-Fulda (Crnlr.), Dr. Semler (uatl.) und Fitz (natl.), der an- dere von ormEr»trums-AbgeordnetenSpeck eingebracht wurde. Das Ergebntß dieser beiden An- träge ist folgende«: Die erste Staffel soll 2 J6. betragen für Brennereien mit einer Jahreserzeu- guna von 200—300 Hektolitern. Dann soll Staffelung ein treten um 50 H für je 100 Hektoliter, und von 500 Hektolitern ab für je 900 Hektoliter bis hinauf zu 6 Jk. als Höchstbetrag. Mehrere weit^ ^henoe Anträge wurden abgelebt. Am 12. Mä < vird die Berathung fortgesetzt.
+ Aotkr rtf im Preußische« Asgeord- «etewtzawse. Oie konservative Fraktion deS Ar- geordnetrnhau! s hat den bereits angrkündigten Antrag eiugebr- cht: die preußische Staatsregierung aufzufordern, im Bnndesrathe dahin zu wirken, daß dieser höhere» Zollsätzen sür Getreide ferne Zustimmung ertheilt, als fie in der Zolltarif- Borlage vorgesehen find. Der Antrag entspricht dem Sinne nach dem andern Anträge, der von den nationalliberalen Abgg. Frhr. von Hepl und Genoffen in der zweiten hesstschen Kammer eingebracht worden ist.
X TmtzwiizaK. Von einigen Blättern wird die Erklärung des Staatssekretärs de» Innern in der gestrigen Sitzung der Zolltarif - Kommission Über den Tabakzoll dahin angelegt, al» ob fie zn einer Beunruhigung in Betreff späterer höherer Belastung der Tabak-JnoustrieBer- anlaffung gebe. Diese Deutung trifft, wie die halbamtliche,Berl. Kon.' hervorhebt, in keiner Weise zu. Die gejammte Darlegung des Grafen Posadowsky bewegte sich ausschließlich in der Richtung ans Bekämpfung allerlei Anträge, die ein« Erhöhung des Tabakzolle« bezweckten. Rur in dieser Absicht hat der Staatssekretär auf den
für den Weitertransport gewonnen. Im Nu war auch die zweite Last aufgeladen und der Zug ging auf Glandorf zu.
Unterdessen warteten in Glandorf sowohl die beiden anderen Schmuggler mit ihrer Beute, als auch die beiden Beamten, die am Ausgange des Oertchens, nach der Grenze zu, in einem Holzschuppen Wache hielten, da mit Sicherheit anzu- »ehmen war, daß von hier aus der gemeiufame Transport nach der Grenze beginnen sollte, worauf da« Warten der Schmuggler hindeutete.
Die Beiden mußten sich recht in der Geduld Iben, wo» freilich für fie nicht neu war, ge> wöhnt sich doch der Mensch an alle», und die Grenzbeamten, die oft Tag und Nacht bet Wind und Wetter draußen t« nothdülftigrn Schutz- Hütten, oft auch unter freiem Himmel ihrem Beruf diene», vergessen es allmählich, welchen Begriff andere Menschen mit der Bezeichnung Langeweile verbinden.
Die Erfüllung ihrer Erwartungen entschädigte sie jedoch reichlich für das gebrachte Opfer. Stimmengewirr und da- Knattern von Wagenrädern, in der kalten Winterluft weUhingetragen, machte sie auf das Nahen des Transportes aufmerksam. Die Laterne unter dem Wagen gab genügend Licht, um erkennen zu können, daß die ganze Gesellschaft beisammen war. Noch ehe diese aber den horchenden Beamte» nahe genug war, hatte einer der letzteren, nach kurzer Verständigung mit seinem Kollegen, das Versteck verlassen, war, auf Händen und Füßen eine Zeit lang über das hartgefrorene Erdreich fortlaufend, zu einem guten Borsprung gekommen, so daß er wohl die
inneren Zusammenhang zwischen Tabakzoll und Tabaksteuer ausdrücklich hingewiesen. Hingegen hat er sich, wie seine zu Protokoll gegebene for» mulirte Erklärung ergibt, schon in der Sitzung selbst mit großer Entschiedenheit dagegen verwahrt, daß er auf irgend eine beabsichtigte Aenderung des gegenwärtigen Zustandes betreffs der Besteuerung des Tabaks habe hindeuten wollen.
+ Kartoffel < A-K. Die Zolltarif-Kom- Mission des Reichstages hat, wie berichtet, auf den Antrag des Centrumsabgeordnete» Herold einen kleinen Zoll angenommen für die Einfuhr von Frühkartoffeln in der Zeit vom 15. Februar bis zum 31. Juli; er soll 21/» Mark für den Doppelzentner betragen, lieber den Kartoffel« zoll herrschen vielfach unrichtige Ansichten. An eine Bertheuerung der Kartoffeln nach der Einführung des Zolles bet uns in Deutschland ist gar nicht zu denken. Deutschland bringt jetzt mehr Kartoffeln hervor als es verbrauchen kann, aber nur h gewissen Landstrichen, nicht allgemein. Das westliche Deutschland erzeugt seinen Kartoffelbedarf nicht selbst, sondern braucht Zufuhr, und darauf ist auch die vergleichsweise geringe Einfuhr von Kartoffeln au8 dem Auslände zurückzuführe», die jetzt bei uns stattstndet. Die richtigste wirthschaftliche Methode würde nun ohne Zweifel die fein, daß das westliche Deutschland seinen Uebetbebarf an Kartoffeln nicht aus dem Auslande deckt, sondern aus dem östlichen Jnlande. Im Vorjahre suchte man von Pommern aus Kartoffeln nach den Vereinigten Staaten von Amerika abzusetzen, weil man erheblich mchr Kartoffeln hatte, als der Bedarf verlangte. Aber da wurde man gewahr, daß die Vereinigten Staaten einen recht kräftigen Kartoffelzoll in ihrem Taris haben, und daran scheiterte die Ausführung dieser Absicht. Staatssekretär Graf Posadowsky sprach gegen jeglichen Kartoffelzoll und begründete das damit, daß eS sich bei der geringen Einfuhr von Kartoffeln „nicht lohne", einen Kartoffelzoll einzusühren — also lediglich fiskalische Erwägung! Segen diese Auffaffunz muß unter allen Umstanden entschiedener Widerspruch erhoben werden. Rücksichtnahme auf ble VolksernShrung muß man gelten lasten, solche Tcheingründe nicht. Und wer bürgt dafür, daß die Kartoffeleinfuhr nicht einmal erheblich größer werde?
• Da« Neichs-Natentnmt kann demnächst auf eine 25jährige Thätigkeit zurückblicken. An« diesem Anlasse hat der Präsident bei Patentamte», v. Huber, dem Staat»sekretär de» Innern einen Bericht über „Dre Geschäftrthätigkeit de» kaiserlichen Patentamte» und die Beziehungen de» Patentschutze» zu der Entwickelung der einzelnen Industriezweige Deutschland«" überreicht, ein Werk, da« reiche» Material liefert für die Geschichte der Erfindungen und der Entwickelung der deutschen Industrie in den letzten 25 Jahren. Die von dem Patentamt zu bewältigende Arbeitilast hat von Jahr zu Jahr zugenommen. Im Jahre 1877 betrug die Zahl der angemeldeten Erfindungen etwa 3060 und im Laufe der inzwischen verflossenen 25 Jahre ist sie auf mehr al» da« Hundertfache angewachsen. Von den angemeldeten Erfindungen ist allerdings nur weniger al» die Hälfte al» paienttri anerkannt worden, unb sehr viele
flackernde Laterne unter dem Wagen und die Begleiter desselben oder doch ihre Schatten sehen konnte, selbst aber von diesen nicht gesehen wurde. Die Fuhre konnte somit der Beobachtung nicht entgehen.
Die angewandte Vorsicht schien jedoch auch noihwenbig. Nachdem bet onbere Posten seinen beiden in der nothwenbigen Entfernung hinter dem Wagen hergehenden Freunben sich angeschloffen hatte, und während sie nun zu Dreien schweigend ihren durch da« L tternenlicht vorgezeichneten Weg verfolgten, war ihnen dieser Wegweiser mit einem Male verschwunden. Zwar drang ab und zu noch ein Geräusch, wie von Rädern herrührend, an ihr Ohr, aber sichere« konnten fie nicht hören unb bald verstummte auch diese« Geräusch. An der Stelle, die jetzt dicht vor den Beamten lag, standen auf kurzer Strecke mehrere Häuser, verhallende» Hundebellen schlug an ihr Ohr, vielleicht daß der Wagen zwischen zwei der Häuser eingebogen war, einen minder harten Grund, al» die Chauffee et war, gefunden hatte und nun geräuschlos, ohne Laterne, weiterfuhr, vielleicht auch, daß in einem der Häuser eine Schenke war, vor man hielt. Nach kurzer Berathung kamen die Drei Überein, an der Stelle, wo sie waren, zu bleiben, im Vertrauen auf den vorausgegangenen Kollegen, der hoffentlich die Sput sestgehatten hatte.
Da man kein Licht machen durste, um sich nicht zu verrathen, und die Dunkelheft einen Blick auf die Uhr erfolglos machte, so war es eine ziemlich ungemüthliche Situation, in welcher sich die Drei befanden, unbekannt mit der Lag