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FuldaerMZeitung

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J2 56.

JuLöa, Samstag, den 8. März 1902.

29. Jahrgang.

Zanardelli und seiner Genoffen im Ministeramte geendet. Nur der Arbeits-Minister ist dem rasenden See zum Opfer gefallen; aber es ist nach der ganzen Lage der Dinge kaum anzunehme», daß das Ministe­rium Zanardelli-Giolitti noch längere Zeit sich halten werde. Daß es mit seinem ursprünglichen Regierungs- Programm und mit seiner Duldung, wenn nicht gar unmittelbare» Förderung republikanischer und sozialisti­scher Elemente vollständigen Schiffbruch erlitten hat, hat es ja durch seine 'neueren Maßnahmen selbst be­wiesen. Deswegen sind mm die Sozialdemokraten und Republikaner seine bittersten Feinde geworden, ohne daß die Rechte Vertrauen zu ihm gefaßt hätte.

In Südafrika haben die Buren einen Sieg und eine Niederlage zu verzeichnen. Bei Kierks- dorp siegten sie unter Del ar ey im westlichen Trans­vaal; es fielen dabei 5 britische Offiziere und etwa 177 Mann, und es wurden*gegen 500 Engländer ge­fangen genommen. Die Buren haben sie aber alle wieder laufen lassen. Das andere Treffen war bei Harrysmith im östlichen Theile des Oranjestaates. Es handelte sich dabei um das fortgesetzte Kesseltreiben gegen Christian Dewet: Zum ersten Male hat dieser eine schwere Niederlage erlitten. Der Verlust der Buren ist auf 900 Mann zu schätzen. Der erneute Durch­bruch ist dem altbewährten Burenführer diesmal nicht gelungen, und er hat noch den persönlichen Schmerz erfahren müssen, daß sein Sohn in englische Gefangen­schaft gerieth.

In Arabien sind die fanatischen Wechabiten wiederum auf dem Kriegspfade gegen die türkische Oberherrschaft unter Abdul Aziz ben Feysul, einem Abkömmling der alten Emire der Wechabiten. Sein Hear soll mehrere tausend Mann zählen. Auch aus China ist ein neuer Aufstand zu melden. In Kwangsü, der südlichsten chinesischen Provinz, sieht es setzr bedenklich aus. Es scheint sich um frühere Soldaten der Regierung zu handeln.

dauernde Einrichtung sein, sondern nur alL Abwehrmittel gegenüber den Prämien anderer Länder dienen sollten. Dies gilt insbesondere für Deutschland. BaS Zuckersteuergesetz von 1896 steht die Möglichkeit der Beseittgung der deutschen Prämien ausdrücklich für den Fall vor, daß andere Länder ihre Prämien ab­schaffen. Bei Brrathung dieses Gesetzes hat der Reichstag eine Resolution auf künftige Wiedrraufhebung der Prämien gefaßt."

An dem Zuckervrrtrage betheiligt find Groß­britannien, als Brrbrauchsland für Zucker, anderseits die Zucker aussührenden Länder Deutschland-Ungarn, Frankreich, Bel­gien und die Niederlande; außerdem Ita­lien, Spanien und Schweden, die Zucker wohl hervorbringen, aber nicht ausführrn. Ruß­land ist nicht betheiligt. Frankreich hat fich verpflichtet, seine Prämien auch vollständig auf­zuheben, wogegen es sich bisher noch immer ge­sträubt hatte. Großbritannien übernimmt gleichfalls die Verpflichtung, Prämien nicht zu gewähren. Außerdem hat es. wie die ,Nordd. Allgem. Ztg.' mittheilt, dar Verspreche« gegeben, während der Dauer des Vertrages den Zucker seiner Kolonieen und britischen auswärtigen Be­sitzungen fallen nicht unter den Vertrag; eS ist ihnen aber der Beitritt offen gehalten. Nur hat Großbritannien die Verpflichtung übernommen, daß dem Zucker seiner Kronkolonieen keine Prä­mien gewährt werden. Dieselbe Bestimmung ist für die holländischen Kolonieen vereinbart.

AlL Zeitpunkt sür das Inkrafttreten des Vertrages ist der 1. September 190S in Aussicht genommen.

fertigen. Er wies dabei hauptsächlich darauf hi«, daß China gar keinen Werth auf diese alte». Instru­mente lege und sie jedenfalls nicht wieder habe« wolle. Die politischen Ausführungen des Grafen Bülow über Ostasie» haben allgemein befriedigt. Danach schwebe» zwischen den Mächten bereits Ver­handlungen über das Zurückziehen der Truppen aus China und über die Auflösung der internationalen Kommission. Das Abkommen zwischen England und Japan berührt unsere Interesse» nicht; das Ab­kommen, das Deutschland mit England vorher über die Behandlung chinesischer Angelegenheiten abge­schlossen hatte, wird dadurch nicht im Mindesten gestört. Deutschland strebt in Schantüng keinerlei Handelsnwnopole für sich an; es wird die Unter­nehmer anderer Nationen keineswegs in ihren Maß­nahmen behindern; überall soll die Politik der offenen Thür gelten. Bei dieser Gelegenheit legte der Kanzler nochmals den Standpunkt Deutschlands dar, den es zu den südafrikanischen Dingen einnimmt: Eine Vermittelung wurde von England nicht angenommen, eine bewaffnete Dazwischenkunft war ausgeschlossen. So sehr das zu bedauern ist, so sieht man auf der andern Seite doch ein, daß daran nichts geändert werden kann. Genau ss» verhält es sich mit den astronomischen Instrumenten, die von Peking nach Deutschland herübergeüracht wurden: Wir baben sie nun einmal und können sie nicht wieder los werden, ohne uns fürchterlich lächerlich zu machen, wenn es auch zu bedauern ist, "daß sie überhaupt weg­genommen wurden. Deswegen wurde im Reichstage auch mit allen Stimmen gegen diejenigen der Sozial­demokraten und vereinzelter Freisinnigen eine von den Sozialdemokraten beantragte Entschließung abgelehnt, die sich für die Rücksendung der Instrumente nach China ausspricht.

Das preußisch e Ab geordnetenhaus hat die Berathung des Kultus-Etats begonnen, wobei der Centrums-Abgeordnete Dauzenberg wieder einmal eine wirksam: Abrechnung mit der Regierung hielt, lieber den Verlauf dieser wichtigen Berathung wird nach Beendigung derselben in der nächsten Wochenschau zusammenfassend berichtet werden. Leider wird das Abgeordnetenhaus mit der Berathung des Etats nicht bis zum vorschriftsmäßigen Zeitpunkte fertig.

Von großer Bedeutung ist das Scheiden des Mini- sterial-Direktors Dr. Kügler in Berlin aus seinem Amte im Kultusministerium. Dr. Kügler war seit 13 Jahren Leiter des preußischen Volksschulwesens, und zwar hat er dieses Amt im liberalen Sinne ver­waltet. Es bleibt abzuwarten, ob der Personenwechsel auch einem Systemwechsel gleichkommen werde.

Im bayerisch en Landtage hat der Centrums- Abgeordnete Dr. Heim der bayerischen Regierung die Wahrheit darüber gesagt, was sie mit ihrer ableh­nenden Haltung gegen eine Erhöhung des Gerstenzolles thut: sie schädigi damit die wichtigsten bayerischen In­teressen. Gleichzeitig hat Dr. Heim im Namen aller bayerischen Centrums-Mitglieder die Erklärung abge­geben, daß für sie der Zolltarif-Entwurf der Regie­rung unannehmbar ist. Die Entgegnung des Finanz- Ministers Freiherrn v. Riedel war unentschieden und schwächlich. Inzwischen hat die Zolltarif-Kom­mission des Reichstages den Zolltarif weiter berathen und mehrere Zollsätze des Regierungs-Ent­wurfes in die Höhe gesetzt: so den Zill für MaiS und einige andere Futtermittel, ebenso den Zoll für Malz. Es ist gar nicht daran zu denken, daß die Kommission ihre erste Lesung vor Ostern beendet, und dann muß die Kommission das Ganze noch einmal in zweiter Lesung durchberathen.

In dem Postabkommen zwischen dem Reiche und Württemberg hatte der Centrums - Abgeord­nete Gröber zuerst eine Resvlutio» und nach Zurück­ziehung derselben einen Antrag eingebracht, der Reichs­kanzler möge dem Reichstage dieses Abkommen zur Mitgenehmigung unterbreiten. Die Budget-Kommission hat den Antrag aber abgelehnt, so daß dessen Ableh­nung auch im'Reichstage selbst zu erwarten ist. Die neuen Post,Werthzeichen werden vom 1. April ab gelten.

Herrn Aaldeck-Rousseau, den französischen Minister-Präsidenten, hat ein schwerer Unfall betroffen. Sei» Wagen stieß mit einem Wagen der elektrischen Straßenbahn zusammen. Eines seiner Pferde wurde gelobtet. Der Präsident selbst erlitt starke Quetschun­gen an der7Brust, an Der linken Schulter und eine heftige Stoßverletzung am linken Auge. Man hofft aber, daß er nach etwa einer Woche wieder hergestellt sein wird. KaiserWilhelm ließ durch den deut­schen Botschafter in Paris, den Fürsten Radolin, sich nach dem Befinden des Minister-Präsidenten er­kundigen, wofür dieser auch auf diplomatischem Wege seinen Dank ausdrücken ließ.

Nun hat auch Paris seinen Krawal l der Ar­beitslosen gehabt. Die Sache fing mit einer Ver­sammlung in der>Arbeitsbörse an. Dort wurden'scharse und aufreizende Reden gehalten, und als dielVer- sammlung auseinanderging, fühlten sich deren Theil- nehmer zu Straßen - Kundgebungen hingerissen. Auf dem Republik-Platze kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, und der traurige Erfolg davon war der, daß allein von den Schutzleuteo 11 schwer und 25 leicht verletzt wurden. In Folge dieser Vorgänge hat die Regierung eine genaue Ueberwachung gewisser Aus­länder angeordnet; augenscheinlich handelt es sich also auch in Paris um die planmäßige Wühlerei auslän­discher und einheimischer Anarchisten, ebenso wie in Spanien, Italien und in Triest. Dort herrscht jetzt zwar überall äußerlich Ruhe; aber dieser Ruhe ist nicht zu trauen, auch in Triest noch nicht, wie Minister- Präsident v. Körber selbst im österreichischen Ab­geordnetenhause ausgeführt hat.

Die italienische Min'ster-Krise hat, wie zu erwarten war, nicht mit dem Rücktritte des Herrn

Wochen-Krmdscharr.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 8. März 1902.

„Leo XIII. gehört unbestreitbar zu den be­deutendsten Persönlichkeiten, die je die Schlüsselgewalt des heiligen Petrus inne hatten, und der unparteiische Historiker wird ihm einen hervorragenden Platz in der Kirchenaeschichte anweisen müssen, auch wenn er an den Maßnahmen dieses Papstes nicht ohne Kritik vorübergehen kann. Denn der Graf Pecci hat der römischen Kirche wieder eine Machtstellung er­rungen, die sie schon lange nicht mehr besaß, uib er hat dieses Ziel erreicht, ohne daß er auf irgend eine der Forderungen Verzicht geleistet hätte, die sein Vorgänger ... zu erheben pflegte . . . Bald nach Pecci's Erhebung auf den päpstlichen Thron wußte die Welt, daß der Nachfolger Pius des Nennten nicht nur ein Mann von glänzender Gelehrsamkeit, sondern auch von hohen staatsmännischen Gaben war . . ." Wenn der Gegner lobt, wirkt das Lob mehr, als die Anerkennung der besten Freunde; und wenn die freisinnige und romhafferische,Voffische Zeitung' in Berlin sich mit solchen Worten über Papst Leo den Dreizehnten äußert, dann hat das noch mehr zu bedeuten, als wenn katholische Blätter dem Oberhaupte der Christenheit diese verdiente An­erkennung zollen. Mit welcher hämischen Freude würden die Leute dieses Schlages am Gedenk- und Krönungstage des heiligen Vaters ihre boshaften Glossen gemacht haben, wenn sie könnten. Aber die ehrwürdige und Ehrfurcht gebietende Gestalt zwingt auch ihnen Anerkennung und Hochachtung ab, ob sie nun wollen oder nicht! In frischester Gesundheit hat Leo XIII. am 3. März an den Feierlichkeiten Iheilgenommen, die in Rom zu seinem KrönungS- jubiläunt veranstaltet worden waren; und an die Bierzigtausend schätzt men die Menge, die sich in und vor dem überwältigenden Petersdome in Rom eingefunden hatten, um der kirchliche» Feier beizu- wohnen. Zum ersten Mal seit 1870 hat der feier­liche Gottesdienst wieder in der Basilika von St. Peter stattgefunden; in der Zwischenzeit geschah das immer in der Sixtinischen Kapelle. „Segnend und wieder segnend — so schreibt der Berichterstatter eines nicht katholischen Berliner Blattes — erhebt sich die zitternde, weiß behandschuhte Rechte, von der ein funkelnder Edelstein leuchtet: Genau das­selbe Bild, wie vor Jahre» und Jahren, an das .man sich eigentlich gewöhnt haben sollte, und das doch immer wieder überwältigt . . . Wieder schwebt das Grcisenbild mit den diamantenen Augen segnend vorüber, und um 21/s Uhr ergießt sich wieder die zahllose, schwarze Menschenmenge über den Unge­heuern Petersplatz, während die ehernen Glocken aller Kirchen Roms ihr Festgeläut in die Lande hin- auSsenden.

Am Montag war Prinz Heinrich von Preußen auf seiner Rundfahrt durch die Ver­einigten Staaten von Amerika an dem westlichsten Punkte feiner Reise angekommen, in St. Louis, auch dort, wie überall, mit stürmischer Lebhaftigkeit empfangen. Von dort ist die Reise dann nordwärts gegangen nach Cincinnati und Milwaukee. Gerade Prinz Heinrich ist mit seinem einfachen und unge­künstelte» Wesen ein Manu «ach dem Geschmacke der Amerikaner, und namentlich den Präsidenten Roose­velt scheint er ganz für sich eingenommen zu haben. «Der Prinz ist einfach ein verdammt prächtiger Herr" — hat Roosevelt in seiner derben Iankee- manier vom Prinzen Heinrich gesagt; und da» be­deutet mehr, als die schönsten gedrechselten Redens­arten. Sehr possirlich ist die Aengstlichkeit Vieler der republikanischen Beamten und Stadtvertteter gewesen, ob sie auch der vorgeschriebenen äußer­lichen Form genügen würden, ob sie eine Uniform anziehen sollten, ooer nicht, ob der Prinz militärische Wachtposten bekommen solle, ober nicht, unb was dergleichen mehr ist. Namentlich der Bürgermeister einer westlichen Stadt hatte einen langen Frage­bogen darüber nach Washington gesandt, erhielt aber zur Antwort : Er möchte nur recht freundlich zu dem Prinzen sein und sich immer auf feiner linken Seite halten . . .!

Natürlich muß man sich hüten davor, die Be­deutung dieser Prinzenreise zu überschätzen. Die Amerikaner lieben stürmische Empfänge im Allge­meinen, und Manches sieht in der nüchternen Stimmung nach gefeierten Feste» ganz ander» ans, als während der Feste selbst. Aber jdaß diese Reise nichtsdestoweniger einen starken Einfluß ansüben wird auf das politische Verhältnis! zwischen den Bereinigten Staaten und Deutschland, ist sicher, und «s war ebenso widerwärtig wie thöricht von den Sozialdemokraten ®rebnauer und Ledebur 'ge­handelt, die am Dienstag bei der Berathung des Auswärtigen Amtes im Reichstage über diese Reise in geradezu brutaler Manier hersielen. Die „Genossen" selbst werden schwerlich alle einverstanden fein mit dieser Leistung des Herrn Gradnauer, und «S wurde dem Reichskanzler Grafen Bülow sehr leicht, die Ausfälle desselben zurückznweisen. Die Stimmung des Reichstage« dabei bewies deut­lich, daß Niemand Herrn Gradnauer und seiner Kn» rempelUngssucht Verständniß entgegenbrachte. Etwas schwieriger war es für den Kanzler, da» Herüber­bringen der schon viel besprochenen astronomischen Instrumente von Peking »ach Deutschland zu recht-

Unpolitische Zeitläufe.

(Nachdruck verboten.)

G Berlin, 8. März 1902.

Am Sonntag gibt eS ein Frühlings- Evangelium. DaS Wunder der Brodver» mehrung wird uns zweimal vorgeführt, i« Sommer bei der Ernte und im Frühling, wen» im Acker düs schöpferische Leben erwacht. Ein­mal solle» wir danken, einmal sollen wir hoffen und bitten lerne». JedeSmal aber wird uns zum Bewußtsein gebracht, daß der Allmächtige es ist, der ote Nahrungsmittel der Mensche» wieder ver­mehrt, um seine Geschöpfe am körperlichen Leben zu erhalten.

Unser tägliches Brod und unser jährliches Brod gibt uns nur Einer. Alle menscvliche Kraft und Kunst versagt, wenn der Schöpfer nicht zu der ausgestreuten Saat spricht: Wachset und mehret euch! — Er thut seine milde Hand auf und erfüllet Alles, was da lebt mit Segen.

Aber wie bei allen Gabe« und Gnaden Gottes wird auch hier die vernünftige und ge­wissenhafte Mitwirkung des Menschen gefordert. WaS wild wächst auf Erde», reicht nicht i» Entferntesten aus, um den Hunger der Geschöpfe zu stillen, geschweige denn, um ihnen ein ge­sundes und erträgliches Dasein zu ermöglichen. Arbeit gehört dazu, um den Segen deS Himmels zu erlangen. Im Schweiße seines Angesichts soll der Mensch fein Brod erwerben und effe«.

Zu der Arbeit kommt nun leider vielfach auch ber Streit. Die Mer» scheu können sich so schwer verständigen über die richtige Theilung der Güter, die ihnen der Allgütige zukommen läßt. Bald wird die soziale Frage im Ganzen aufgerollt, bald zankt man sich leidenschaftlich um Einzel­punkte, wie jetzt Getreidczoll und Brodpreis.

Leute, die selbst nicht an Gott und sein Ge­bot glauben, sagen mit verdrehten Augen, es sei doch unchristlich, einen Zoll zu legen auf da- Brodkorn, das der Himmel für Alle wachse« ließe, es sei gottloser Wucher, die Preise zu steigern für die unentbehrlichste Gabe Gottes.

Die Antwort ist in der hl. Schrift leicht zu finden: Jeder Arbeiter ist seines Lohnes werth; du sollst dem Ochse«, der da schreit, daS Maul nicht verbinden! — DaS Brodkorn wächst nicht von allein, sonder« erfordert die mühselige Arbett der Landleute, und di.se Leute wollen usd müffe» doch auch leben vom Ertrage ihrer Aecker.

Die einfachste Wirthschastsart ist dis, daß jede Familie ihr Stück Land hat, auf dem ste ihre LebrnSmittel eigenhändig ziehen kann. Diese ur­väterliche Einrichtung hat sich aber im Laufe der Zeit umgebildet im Sinne der Arbeit-- theilung. ES bildete sich ein Handwerkerstand und ei» Handrlsstand; diese Leute betrieben erst den Garten- oder Ackerbau noch nebenbei und thmi das heute zum Theil «och; ein anderer Theil warf sich aber vollständig auf die gewerb­liche oder kaufmännische Arbett. Sie tauschte« nun jihre Waaren mit den Erzeugnisse» der Bauern auS. Dadurch waren die Landwirthe von mancher Nebenarbeit zur Herstellung ihrer Kleider, Wohnungen, Geräthe usw. entlastet und konnten fich ganz ihrer landwirthschastliche« Arbeit widme«; aber sie mußten auch ein Theil

O Die internationale Zucker- Vereinbarung

ist bereits Mittwoch Abend unterzeichnet worden. Ihre Bestimmungen können natürlich nicht sofort in Kraft treten; der Zuckerindustrie muß eine Uebergangszeit gewährt werden, während deren sie sich auf den neuen Zustand der Dinge vor- bereiten kann; auch nach der Ansicht derjenigen, dir der Ansicht sind, die Zucker-Industrie in Deutschland und in Oesterreich werde trotz der beabsichtigten niedrigen Einfuhrzölle bestehe« können.

Es handelt sich, wie man ja schon weiß, um die Abschaffung der Ausfuhrvergütungen und um dir Herabsetzung des SchutzrolleS auf 6 Franken gleich 4,80 Mk. für den Doppelzentner, während der Schutzzoll gegenwärtig 20 Mark beträgt. Das heißt, eS ist ein Einfuhrzoll von 40 Mark für den Doppelzentner in Giltigkeit; »ber da die Jnlandsteuer 20 Mark beträgt, bleibt nur ein Schutzzoll oder auch Ueberzoll (Surtaxe) von 26 Mark übrig. Die Herabsetzung eines Zolles vo« 20 «ruf 4,80 Mark ist eine ungemein starke, ehe jäher Wechsel in einer wirthschastlichsn Sache, wie er wohl sehr selten sonst gewagt wird; und dazu soll gleichzeitig die Beseitigung der Ausfuhrprämien kommen! Baß diesen Wech­sel der Dinge nicht alle Betriebe in der Zucker- indnstrie werden aushalten könne«, vorausgesetzt daß diese Zollherabsetzung die Billigung des Reichstages findet, ist klar. Auch der national- liberale Abg. Dr. Paasche äußert in einem in der »Magdeburgischen Zeitung' veröffentlichten Aufsatze diese Ansicht, obwohl er gleichzeitig sagt, der Beitritt zu dem Brüsseler Vertrage werde wohl unvermeidlich fein, auch wenn man den­selben und seine Brstimmungen bedauere.

Nach den vorliegenden Meldungen soll die Ratifikation des Vertrages spätestens am 1. Februar 1903 erfolgen. Aber die Veröffent­lichung desselben wird jedenfalls schon in aller­nächster Zeit erfolgen.

Zur richtigen Brurthrilung der Sachlage muß man bedenken, daß es fich jetzt nicht allein mehr um die Konkurrenz der einzelnen Rüben­zuckerländer gegen einander handelt, sondern der Hauptsache nach um die Gemeinsamkeit dieser Länder gegenüber der außereuropäischen Rohrzucker- industrie, die in neuester Zett einen ungeahnte« Anlauf zu einer Riesenentwickelung genommen hat. Von dem Jahre von 1899 auf 1900 bis zu dem letzten Geschäftsjahre von 1901 auf 1902 hat das Grzrugniß dieser Rohrzuckeriudustri« um nicht weniger als ein starkes Drittel zugenom­men: ste ist ix diesem Zeiträume von 2,856,000 Tonnen auf 3,852,000 Tonnen gestiegen! Die Abschaffung ber Ausfuhrvergütungen in ben Rübenzuckerlänbern jetzt bedeutet also etwas Anderes, als im Jahre 1896 bei ber Schaffung des Gesetzes über die Versteuerung des Zuckers, daS noch gegenwärtig in Giltigkeit ist.

Daraus wird nicht Rückficht genommen in einer halbamtliche« Aeußerung ber .Nordd. Allgem. Zeitung' zu derZnckerfrage, in ber es heißt:

„Fast allgemein ist die Auffaffung gewesen, baß die Prämien (Ausfuhrvergütungen) keine