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Jutöa, Samstag, den 8. März 1902.

29. Jahrgang.

g Drittes Akatt.

)srt man noch oft anzwetfeln. So wurden kürz­lich wieder im preußischen Abgeordneten­hause, 12. Februar, al« die Anstellung eine» lautlichen Wohnungsinspektor« al« Beirath de« Düsseldorfer Regierungspräsidenten zur Sprache kam, Bedenken geäußert, ob die Polizei berechtigt sei, zweck« Inspektion in die Wohnungen ein» «bringen. Wenn nun die gesetzliche Berechti« g«ng zu polizeilichen Maßnahmen gegen Wohnungr- mißstände schon au« den allgemeinen gesundhettr- ivlizeilichen Bestimmungen sich ergibt und sowohl ür Preußen wie für die meisten anderen Bunde«- laalen ganz zweifellos feststeht, so erledigen sich damit auch die Bedenken gegen die Berechti­gung zu planmäßiger und dauernder Vohnungsbeaufsichtigung eigentlich von elbst. Diese Bedenken müssen aber umsomehr urücktreten, als ein solches Vorgehen gegen die Wohnung«mtßstände nicht nur gesetzlich, sondern auch vom Standpunkte der Vernunft mrchaus begründet erscheint. In dieser Hinsicht ei an die sehr beachtens werthen Ausführungen von Landesrath Brandts-Düsseldorf in der riifchrift,Arbeiterwohl' (1897, 4.-5. Heft) er» nnert:

»Niemand findet etwas daran, daß der Staat für Ne Wohnun,en der kranken Leute, d.h. für die Kranken-

ReichktageS alsihre Vertreter", also als Der' treter der ganz besonderen Jntereffen der Brauerei- wird nicht verfehlen, in den vorher genannten weitesten Kreisen" den nachhaltigsten Eindruck heroorzurufen. Aber eS finden sich vielleicht doch «och einzelne Leute, die ganz bescheiden darauf zu erwidern wagen, daß die Mitglieder deS Reichstages Vertreter de« ganzen Volkes seien, nicht nur des auSerwählten Volkes der Troß« braver, und daß ste demgemäß auch ihre Stellung» nähme danach etnrichten müßten oder soll auch dieser bisher bei unS anerkannte Grundsatz durch einen Machtspruch der Krefelder Versamm­lung alS veraltet und abgetha» erklärt und durch neue Grundsätze verdrängt werden?

][ Die Berechtigung einer Wohnungsinspektion

bliebenen Bericht heben wir nur einige Sätze hervor:

Die Antwort versteht sich von selbst. Die deutsche Gerste ober ist gut. Und wenn daS Brauereigewerbe wirklich diejenige freundliche Ge- finnung für die Landwirthschaft hegt, die zu hegen eS stets versichert, dann sollte es vor allen Dingen durch den Ankauf möglichst vieler deutscher Gerste beweisen, daß es ihm mit dieser Gesinnung ernst ist und dort, wo die deutsche Gerste wirklich »u wünschen übrig lassen sollte, bessernd und refor- mirend einzugreifen suchen. Sollte aber nach den Rez-pten jener Krefelder Versammlung verfahren werden, dann würde das ganz einfach die Ver- «ichtung deS deutschen «erstenbaues und den Untergang zahlloser bäuerlicher Existenzen be- deuten, namentlich in Süddeutschland. DaS ist die einfache, unbestreitbare Wahrheit. Hoffent- lich wird ste noch zu rechter Zeit erkannt und gewürdigt, bevor eS zu spät ist!

)(Aus den Fastenhirtenbriesen der deutschen Bischöse.

(Fortsetzung)

Der Herr Bischof von Mainz behandelt in seinem diesjährigen Fastenhirtenbrief das Gebet, daS eines der wichtigsten Mittel zur Erlangung der Seligkeit ist und zugleich von jedem Mensche« leicht geübt werden kann. Um hierzu noch mehr anzufeuern,wollen wir unser« göttlichen Hei- land, dessen N'chfolae unsire ganze irdische und himmlische Glückseligkeit ausmacht, als Lehrmeister des Gebetes betrachten. Wir wollen unS sein erhabenes Beispiel vor die Auge« der Seele führen und von innigem Verlangen, dasselbe nachzuahmen, erfüllt, mit den hl, Aposteln ihn anflehen:Herr lehre unS beten I"

Der Hirtenbrief des Bischofs Ferdinand von Würzburg behandelt die beiden Fragen: Welche Rechte hat Gott auf den Mensche«? In welcher Weise werden von den Menschen die Rechte Gottes beachtet?" In einem Anhang fügt der Oberhirt die Mahnung an seine Diöze­sanen bet, ihren Mitmenschen «ach Kräften durch Wort, Beispiel und Opfer behilflich zu sein, daß auch sie alle Rechte GotteS beachten und des großen Nutzens dieser Beachtung theilhaftig werde«. Als vornehmste Gelegenheit, dies schöne Werk der Nächstenliebe zu vollbringen, empfiehlt er auf'S Wärmste die Unterstützung der Katholiken der Diaspora, namentlich im Her- zogthum Sachsen-Meiningen, wo die Katholiken noch dringend einer Kirche, zweier Missionshäuser und eines Seelsorgers bedürfen. Eine bedeutende Summe fei für die dortigen, zum Bttthum Würz­burg gehörigen Katholiken nothwendig. Man möchte vorderhand Ausgaben für Lourdesgrotten, Feldkapellen ufw., die wohl auch lobenswerth, aber nicht so nothwendig und nützlich seien, vermeiden und durch gemeinsame Spenden der wirklich drin­genden Roth in der Diaspora abhelfen.

Der erste Fasten-H.rtenbrtef des Herrn Bischof« Benzler von Metz handelt über den Frieden.Der Friede sei mit euch!", mit diesem Gruße begrüßte der Hochw. Herr bei seinem Einzug in die Diözese Metz seine Diözesanen: diesen Gruß wiederholt er nun heute und zeigt in der ansprechendsten Weise, daß der wahre Frieden nicht in Reichthum, Ehren und Vergnügen zu finden ist, sondern einzig und allein bei Gott.

Der Fasten-Hirtenbrief de« Herrn Bischof« von Rottenburg, Dr. von Keppler, warnt vor dem Uebel der Trunksucht und Unmäßigkeit und em­pfiehlt neben anderen M tteln auch den Anschluß an die Mäßigkeit«bewegung in neuerer Zett.

Ueber die göttliche Vorsehung spricht der Herr Bischof Antonius von Passau. Sei« Fastenhirtenbrref zerfällt in zwei Theile: die göttliche Vorsehung ist für unS eine ausgemachte ' Thatsache, aber immerhin werth, alle die Gründe I zu überdenken, die sie uns zu einer solchen Thal- > fache machen. Sie ist für uns eine trostreiche > Thatiache, die dem Leben das Herbe nimmt und - für alle Wunde« einen Balsam bereit hält.

Der Fastenhirtenbrief des Herrn Bischofs JgnatiuS von Regensburg handelt von den

Lolche kulturwidrigen Zustände, die auch in den kleineren Städten, namentlich solche« mit industrieller Entwickelung nicht vereinzelt dastehen dürften, bilden die beste Illustration zu der Frage nach derBerechtigung der WohnungS- infpektion."

G Die Brauereien.

Die bayerischen Großbrauereien betreibe« ihre Agitation gegen einen angemessene« Serstenzoll im Stillen. Anders macht es ein Theil der norddeutschen Brauereien. So hat vor einigen Tagen in Krefeld eine von etwa dreihundert Personen besuchte Versammlung von Ver- tretern deS Braugewerbes stattgefunden und fol­gende Entschließung angenommen:

Die heute int Saale der Königsburg zu Krefeld tagende Versammlung rheinisch-wrst- fälifcher Brauerei- und Mälzrretbefitzer protestirt aufs entschiedenste gegen die geplante, so be- deutende Zollerhöhung ihrer wichtigsten Roh- stosse. Sie spricht die bestimmte Erwartung aus, daß ihre Vertreter im Reichstage, nach­dem ihnen durch eine Abordnung die unge­heure Schädigung weitester Kreise nachgewiesen worden ist, für die Interessen derselben euer- gisch eintreten werden."

Das ist ja eine sehr kräftige Sprache! Na­mentlich die Bezeichnung von Mitgliedern des

der krasseste Unglaube mit rücksichtsloser Frech-1 lassen, und durch W°h»un,si»spekt°ren deren heil auftreten darf und daß ei« wahrer Vernich-1 des»lgung dauernd kontrolliren zu lassen. SaÄÄa ÄlteS WS 5? SÄÄ- »«W M-mbe», »ernt bet gkteibtiet' d.» OnwÄVfiÄiSwÄSäSffllS«; Katechismus, bte Predigt und katholische Bücher I be aus schlechten Wohnungen entstehen, beschränken sich ! und Schriften. Alle Gleichgesinnten müssen zu- 0MJ be" einzelnen Bewohner. Bon dieser

samm.ngkhnl «egen ben 6e«,infame» Feind. B°r ^7.',",?-Ml 1. »»«-*

Silent thut es deshalb noth, daß die Katholiken I heil b?r Stadtbewohner hat man heute fast allenthalben die ihrem Glauben feindliche Presse nicht selbst I Schlachthauszwang, Zwangsanschluß an die städtische i unterstützen, sondern mit aller Entschiedenheit aus I »faton.,u,^eL; roaIum nicht auch Mtnimalwoh- . ihren Familien entfernen. Hierzu find wir Alle d)en8bReii(m®^

tm Gewissen verpflichtet, denn die Kirche verbietet Mitteln verboten ist, muß da» Fellhalten'und Bermiethen ledern Katholtken durch besondere Gesetze, solche ungesunden Wohnungen und die Belegung von Bücher und Zeitschriften zu halten und zu lesen, Wohnungen über das gesundheitlich gestattete Maß hin- w-nn nicht ganz besondere, schwerwiegende als Arb°iterfch«tz,e?etz°

Gründe entschuldigen . . . Allein bei dem Un> I Krankenhäuser, Armenhäuser «. dgl. heute bereits aus gestüme unserer Gegner genügt ein Fernhalten sanitären Gründen schließt, ebenso wird man die weitere ihrer Schriften nicht mehr, sondern es ist un< Benutzung von schlechten Wohnungen verbieten müssen, Äl5iesÄfci, bÜe "M* ffr" " Ä ?m ÄKWt di wahrhaft gute Presse unterstützen und ver- Gewiß greift eine derartige Regelung tief in breiten, mit welchem jene für ihre Presse ein- die Rechtssphäre des Einzelnen ein; denn ste stehe« und Opfer bringen; sonst müßten wir es muß, soll sie wirksam sein, die Behörde« selbst uns selbst zuschreiben, wenn unsere Feinde be- zum Eindringen in die Familie berechtigen und stand'g dreister auftreten und immer größere veranlassen, bei denen Uebereifer und Taktlofig- Stege daoontragen. I feit von Nnterbeamten doppelt bitter empfunden

Der Fastenhirtenbrief der Herrn Bischofs werden. Di« se Bedenken müssen aber hinter der von Augsburg handelt von den Ursache« des einen Erwägung zurückrreten, daß es gerade daS Un- und Irrglaubens und streift auch die Los Familiet.leben eines großen Theiles des Volkes von Rombewegung. Wer fich von der Kirche ist. daS in Gefahr schwebt, durch die schlechten entferne, könne sich nicht Christus nähern. Der Wohnungsverhältniffe zerstört zu werden, und Hirtenbrief erhebt den Ruf: LoS von der Leiden-1 daß es vor allem Gesundhtit und Sittlichkeit schäft, los von der sittlichen Trägheit, los von der Heranwachsenden Jugend sind, die durch den der Sünde und von der Gelegenheit zur Sünde, Eingriff geschützt werden sollen und müssen, los von jeglicher Lektüre, welche die Phantasie Wie nothwendig eine gründliche und dauernde beschmutzt und entnervt und religiöse Zweifel I Wohnungsinspekticn, deren Ausführung in letzter räW- . , , , Linie natürlich Sache der Gemeindebehörden ist,

Wäorend von der letzten der 8 Seligkeiten:! übrigens nicht nut in den Großstädten, sondern

Stlig find, die wegen der Gerechtigkeit Ver- auch in mittleren und kleineren Städten, vielfach

folgung leiden, denn ihrer ist das Himmelreich, sogar auf dem Lande ist, dafür bietet nach der

nöltert der Fastenhirtenbrief des Herrn Bischofs .Westd. Arb.-Zrg.« (Nr. 8) das niederrheinische Eßler von Speier die Gründe, warum die Städtchen Cleve ei« charakteristisches Beispiel. Kkche und die Katholike» der Gerechtigkeit, daS Ueber die dortigen Arbeiter wohnungSver hältniffe heißt deS Strebens nach christlicher Tugend und hat die Ortsgruppe des christlichen Cigarren. Heiligkeit wegen verfolgt werden und von jeher arbeiterverbandeS Erhebungen veranstaltet- aus verfolgt wurde«, wie Christus selbst, obwohl er, dem bereits vor einem Jahr an die städtische wie auch die Kirche, den Kamp, der Welt gegen Verwaltung gerichteten, bisher ohne Antwort ge- sie nicht verdient haben. Es wird dann in Herr- -- - - -

lichen Worten das die Völker veredelnde Wirken der Kirche in Wissenschaft, Kunst und alle« Zweige« deS Schaffens geschildert und betont, daß die Verfolgungen der Kirche ei« Beweis ihrer Wahrheit und ihrer göttlichen Stiftung, ein Triumph und Sieg der Kirche find; an diesem Ruhme werden wir theilnehmen, wenn wir um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden. War wäre unser Glaube, wenn er zusammenbräche, wenn die Feindseligkeit der Welt an ihn heran­weht? Im Kampfe muß fich die Tugend be- währen, und je heftiger derselbe wird, umso größer ist ihr Werth, umso reicher und herr­licher wird der Lohn eirft werden. Treu und fest wollen wir unS also anschließen an unsere Kirch-, welche daS Kreuz der Verfolgung stets und immer getragen hat. Die Verfolgung feien uns eine Ecmuthigung zum AuSharren.

Sein-nab Stier- itgt. Vitrttljährl. «»»,»»»

Brmzerl-Ho eVeßellgtlb in m und tue»

Angriffen auf Kirche und Glauben und von den Mitteln zur Vertheidigung und Abwehr. Haltet vor allem fest, so mahnt der Hochwürd. Oberhirte, an dem heiligen Glauben, denn er ist die Grundlage unseres Heiles und all' unserer Hoffnungen; haltet fest an Christus, denn es ist kein anderer Name dem Menschen auf Erden ge­geben, m dem wir selig werden müssen; haltet fest an der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, denn denn sie ist die Säule und Grundfeste der Wahrheit. Haltet fest zu Rom, zum Nachfolger deS hl. PetruS, denn wo Petrus, da ist die wahre Kirche. So bewahrt ihr den wahre« Glauben. Wo aber der wahre Glaube ist, dort ist Licht und Wahrheit, nicht Leichtgläubigkeit, nicht Gleichgiltigkeit, nicht Un« wiffenheit, noch Aberglaube, da ist jener Siez, der die Welt überwindet. Freilich muß den wahren Glauben stets ein gutes Gewissen be­gleiten, soll der Sieg errungen werden: ohne Sittenreinheit ist selbst der Glaube in Gefahr. Der Hochw. Herr Bischof ermahnt zum Schluß zu gewissenhafter Ersüllüng der StandeSpflichten, zum Empfang der hl. Sakramente und empfiehlt Gebete, Fasten und Almosengeben.

Anknüpfend an sein 50jähriges Priesterjubi­läum gibt der Herr Bischof von Eichstädt im

Die alte» Wohnungen müssen durchgängig al» schlecht, viele darunter als sehr schlecht be­zeichnet werden; die »eueren Wohnungen find meist in gutem Zustande, der Preis aber unerschwinglich für manchen Arbeiter. Manche der Wohnungen in alten Häusern spotten jeder Beschreibung; stegleichen eher einem Aufenthaltsort für Thiere, als einer mensch­lichen Behausung, für deren Benutzung dann noch wöchentlich eine schwere Miethe bezahlt werden muß. In einer Wohnung befindet fich die Jauchegrube unter dem Belt, ein Balken des oberen Geschosse» ruht auf dem Kleiderschrank und würde bei Entfernung deS Schrankes die Zimmerdecke einflürzen. Andere Woh­nungen find nicht allein sehr feucht, sonder» lassen Wind und Wetter freien Durchlaß. Hier ist die Thür mit Brettern zugestellt, dort sind Fensterlöcher mit Sackleinen behangen. Schaaren von Ratten und Mäusen, die nicht zu vertreiben find, ver- derben Kleidungsstücke und andere Dinge. Für drei Räum« werden in diesem Falle pro Woche 3 Mark Miethe bezahlt. Die Sittenlosigkeit wird in den schlechten Wohnungen geradezu befördert und groß gezogen. Und solche Wohnungen mit sittlich unhalt baren Zustände» habe» wir in Cleve leider eine ganze Anzahl, wie allein schon unsere Erhebungen dargethan haben. In vielen dieser Wohnungen find für Familien von 6-13 Personen mit Kindern beiderlei Geschlecht» über zehn Jahren nur im Ganzen zwei Wohnräume vorhanden."

Fastenhirtenbriefe einen Einblick in das Priester-

leben, indem er betrachtet: 1. die Vorbereitung,! luftraum, der jedem zur Verfügung stehe» muß, daß 2. das Priesterleben und 3. die Bifchofssorgen. j öhEche Vorschriften für Gefängnisse, Kaserne», d--Bisch°s- Eil»., bl. Sorg.' Ä'Ä.tÄiÄ ^3 um Erhaltung deS Glaubens; er beklagt eS, daß für die Wohnungen freier, gesunder Mensche» zu e^

- Dem Brauereigewerbe, dem großen wie dem ; kleinen, wünscht Jedermann ein recht oorzüg- ' licheS Gedeihen. Aber anscheinend fehlt es bei den Großbrauereien daran zum Glücke auch gar nicht. In jener Krefelder Versammlung war als besonderes Beispiel die Dortmunder Aktienbrauerei genannt worden. Ein Red­ner führte auS, daß diese Brauerei jährlich mit einer Mehrausgabe von 200,000 Mark belastet werden würde, wen« der von der Mehrheit der Zolltarifkornrnisfion vorgeschlagene Gerstenzoll von 5*/i Mark für den Doppelzentner Gesetz werden sollte. Dabei ist augenscheinlich die Annahme zu Grunde gelegt, daß die Zoll- erhöhung voll und ganz fich fühlbar mache« werde durch eine entsprechende Erhöhung des GerstenpreiseS; aber daß eine solche Annahme falsch ist, weiß man doch längst ganz genau. Die Rechnung ist nun an sich vollkommen unzu­treffend. Wenn man nun weiter betrachtet, welche Dividende n die genannteörauereiju vertheilen pflegt nach sicherlich ungemein reichlichen Abschreibungen, dann gelangt man zu dem Schluffe, daß eine solche Brauerei sogar eine so groß? Mehrbelastung glatt et tragen könnte, wenn eS gerade darauf an« käme. Während der letzten Jahre hat die Dort­munder Aktienbrauerei 20 v. H. Dividende ver- theilt, in anderen Jahren noch mehr, bis zu 27 v. H. hinauf. Bei 20 v. H. macht diese Dividende eine Geldsumme von 422100 Mark auS. Zi«ht man nun davon 200000 Mark ab, so bleibt «och immer eine Dividende von 222100 Mark gleich 11 o. H., und alle Welt wird ohne weiteres zugeben, daß auch eine Dividende von 11 ». H. ein recht vornehmer Gewinn ist, ®0 steht eS ja aber nicht allein bei der Dortmunder Aktienbrauerri aus, sondern bei fast allen Groß­brauereien ohne Ausnahme. Deren Aktionäre haben von ihrem Gelbe den denkbar günstigsten Gewinn, während ihre Arbeit dafür nur in dem bekannten Kouponschnitt mit der Papier- schere besteht. Der kleine Bauer aber, der die Gerste baut, q ä(t sich in Gemeinschaft mit feinen Angehörige« das ganze Jahr hindurch vom frühen Morgen bis zum späten Abend bei der denkbar entsagungsvollsten Lebensweise und ist sroh, wen« er sich und sein kleines Befitzchum nur überhaupt er­halten kann. Heißt das nun Recht und Ge- rechtigkeit, heißt das christlich gehandelt, wenn ein reicher Mann, der in stolzer Karosse auf Gnmmiräbern über daS Asphaltpflaster dahin- jagt, gar die Verminderung des Ertrages seiner Brauerei-Aktien nicht ertragen, sondern eS lieber sehe« will, daß der kleine Gerstenbauer auch noch diesen seinen armseligen Lebensunterhalt verliert? Und ist eS eine verständige Politik der Reaie- rungen, nach dem Wunsche dieser Großbrauereien zu handeln und mit unbegreiflicher Hartnäckigkeit jeder Erhöhung der Gerstenzölle auf eine« einiger, maßen wirksamen Tarif,atz ein unbeugsames Nein entgegen jufefcen?

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-«'SSJSS'Är* mit Ztnterhattungs-BeilageMustrirte Sonntags-Zeitung?

Vermischte«.

m ,* Aus dem Tagebuch einer Majorstochter.Ein SReferbeleutnant tst ein Civilist mit mildernden Um- standen!

Ein echter Protz. Protz (zu einem Hauslehrer): fernen Sie meinen Moritz hauptsächlich mit den Millionen rechnen!"