p«»z«lle, ix JxU*. ** mit Anterhattungs -Aeilage „Illttllrirte Sonntags-Zeitung.- ■"Xätxä*“
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Julöa, Freitag, den 7. März 1902.
29. Jahrgmg.
JE 55.
)(SitkiWintn mit strm>rm Gltreide.
Kürzlich hat der Centrumsabg. Graw im preußischen Abgeordnetenhaus« von Verhältnissen auf ostpreußischen Getreidemärkten eine Schilderung entworfen, die in unliebsamster Weise die Zurück drängung unseres einheimischen Getreides durch fremde Erzeugnisse kennzeichnen. Die Hauptsache bei dieser Schilderung bestand darin, daß die einheimischen Landwirthe ihren Weizen nicht verkaufen konnten, weil sie den Markt überfüllt fanden mit — indischem Weizen, der billiger abgegeben wurde, al« sie ihr eignes Erzeugniß verkaufen konnten.
Wenn bei uns in Deutschland ein Mangel an Getreide vorhanden ist infolge allgemeiner Mißernte und die Preise in ungebührlicher Weise infolgedessen in die Höh« gingen, dann würde die Bestellung der Märkte mit ausländischer Brod- frucht im Interesse der allgemeinen Volksernährung zu billigen sein. Gegenwärtig leidet aber die einheimische Landwirthschaft Roth unter dem Drucke der niedrigen Tagespreise, und deswegen kann es auf keinen Fall gut fein im allgemein deutschen Interesse, wenn auch diese schlechten Preise durch die billige Einfuhr fremden Getreides noch unterboten werden können.
An der Berliner Börse lagen nun kürzlich nach dem Berichte eines liberalen Börsenblattes Proben von anatolischem Weizen vor, von denen berichtet wird, daß sie große Aufmerksam- keit erregten, nicht nur wegen ihrer guten Qualität, sondern auch wegen des Interesses an den Verhältnissen der anatolischen Bahn. Das Manöver ist durchsichtig: die Weizenproben kamen nicht allein als Weizenproben an die Berliner Börse, sondern auch als ein Mittel, um die Geldleute zu interesfiren für die Papiere der Bagdad-Bahn, die nächstens zur Ausgabe gelangen werden.
Daß die Macher der Bagdad-Bahn so handeln, ist ihnen nicht im mindesten zu verargen. Und wer sich anatolischen Weizen kaufen will, anstatt deutschen Weizen«, mag ihn sich kaufen. Aber aus dieser Börsennotiz geht von neuem hervor, wie die Gefahren, die unsere einheimische Getreide- Erzeugung bedrohen, unausgesetzt wachsen. Und wenn am Ende nur noch indischer, australischer, argentinischer, anatoltscher und wer weiß, was sonst noch für Weizen bei uns in Deutschland auf dem Markte zu finden sein wird, wa» wird Deutschland alsdann thun in einem Kriege, wo diese fremde Einfuhr abgeschnitten wird? Als die letzte Flottenvorlage begründet wurde, konnten die Herren Vertreter der Regierung gar nicht genug erzählen von den Gefahren, die eine Küstenblokade von der Nordsee her dem deutschen Reiche bringen würde. Die Verbündeten Regierungen sollten sich jetzt diese ihre -eignen Blokadenschilderunge« wieder recht lebhaft ins Gedächtniß zurückrufen und daran denken, daß ein genügender Zollschutz nicht allein für hi« Land- wirthschast nothwendig ist, sondern auch für di« wirthschaftliche Unabhängigkeit des Reiches.
Von eigenartigem Interesse ist übrigens eine Enthüllung der halbamtlichen süddeutschen Reichskorrespondenz' in Karlsruhe. In freihändlerischen Blättern tauchte die Behauptung auf, die Zoll-
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Der Uäter Schrrw.
Original-Roman von Fr. Holle t.
15 ------ (Nachdruck verboten.)
„Danke Ihnen I" sagte der Andere mit komischer Würde, ein Zeichen, haß Wagner genau wußte, war er sagen durfte urch daß der Offizier ihn verstanden hatte. „Aber Wn keinen Krakehl Wagner!" setzte v. Hargut jovial hinzu, „ich mache Ihnen einen Vorschlag: Anstatt da trocken und allein in Warendorf zu Hausen, wenden Sie Ihren Gaul und kommen Sie s für einige Tage zu mir aufs Schloß. Es liegt ganz nahe bet der Grenze, ich sage Ihnen, vom Thurm aus können Sie die Schmuggler mit bloßem Auge durch die Haide kriechen sehen."
„So sehr mich Ihr freundliches Anerbieten ehrt, Herr Leutnant, und so gerne ich ihm Folge leisten würde, für die nächsten Tage wird er unmöglich sein, da besonderer Dienst zu erledigen ist."
„Na, dann aber nach Erledigung dieses besonderen Dienstes, wenn ich bitten darf. Erweisen mir nämlich selbst einen großen Dienst, Herr Oberkontrolleur, da es zu Hause zeitweise langweilig. ist. Papa kränkelt, Vergnügen also aufs Minimum beschränkt, sonst wären wir ja auch in Münster. Etwas Jagd, etwas Musik, Lektüre, Schwester und deren Freundin ärgern, das ist so ziemlich alles. Also kommen Sie, bester Kamerad! Wann darf ich auf Sie rechnen?"
Da gab es kein Ausreden und Ausweichen wehr. Wagner sagte zu, sich am nächsten Sonn» »ag auf Schloß Hargut einzufinden.
sätze, wie sie in dem Regierungsentwurfe vorgesehen find, seien vom Kaiser „vorgesehen" und bezeichneten eine gebundene Marschroute für den Reichskanzler und den Bundesrath. Im Gegensätze dazu stellt das genannte offiziös« Organ fest, daß der Kaiser dem Reichskanzler freie Hand gelassen hat für die Aufstellung des Tarifentwurfes in Gemeinschaft mit den Verbündeten Regierungen. Soll das vielleicht die allererste schüchterne Andeutung dafür sein — so könnte man denken — daß die Regierungen der Mehrheit der Zolltarif- Kommission Zugeständnisse machen wollen bei der Festsetzung der landwirthschaftlichen Zölle? In der ,Südd. Reichskorr/ heißt es zwar unmittelbar nach jener Miltheilung, Graf von Bülow habe „die agrarischen Führer vorher vertraulich verständigt, daß ein Nachgeben der Regierungen unmöglich sei". Aber warum jene Feststellung? Wenn sie einen Sinn haben soll und eine praktische politische Bedeutung, dann kann diese nur die sein, daß möglicherweise dar allerletzte Wort der Regierungen in der Getreidezollfrage noch nicht gesprochen sei
Derrtfchr* Keich»
Berlin, 6. März 1902.
+ Eine vom Direktorium des Vereins der ZtttKen-Itt-ttstrielle« in Berlin einberufene Versammlung, an welcher 600 Zucker • Fabrikanten und Landwirthe theilnahmen, nahm eine Resolution an, in der von dem Ergebnisse der Brüsseler Konferenz Kenntniß genommen wird, die Stellungnahme zu deren Beschlüssin aber als ver- früht abgelehnt wird, da es noch unübersehbar sei, wie weit die Folgen der Beschlüsse dem deutsche« Zuckergewerbe und Rübenbau verhängniß- voll werden. Schließlich wird darin die Hoff* nung ausgesprochen, daß die Regierungen vor endgtltigen gesetzgeberischen Maßnahmen der deutschen Zucker • Industrie und der Landwirthschaft Gelegenheit zur eingehenden Darlegung ver begründeten Wünsche gebe«.
+ In der Zolltarif-Kommission theilte heute vor Eintritt in die Tagesordnung der Vorsitzende Abgeordnete Rettich mit, daß hinsichtlich der Handhabung der Geschäftsordnung ei« Uebereinkommen dahin erreicht worden sei, daß Schlußanträge zulässig sind, jedoch erst, wenn der Antragsteller seine Anträge begründet hat. Wen« nach Bekanntgabe des Schlußantrages vor der Abstimmung darüber das Wort zur Geschäftsordnung verlangt wird, wird der Vorsitzende es erthetlen. Jedoch soll über einen Schlußantrag eine Erörterung nicht mehr stattfinde«. Antragstellern wirb das Wort vorweg ertheilt. Ist von mehreren gemeinsam ein Antrag gestellt, erhält nur ei« Antragsteller das Wort vorweg. Die Vereinbarungen wurde« widerspruchslos von der Kommission angenommen. — Bemerkenswerth ist ferner noch der Beschluß, morgen die Entscheidung zu treffen über die Sitzungen während der Reichstagsferien, sowie über die von Kanitz und Gamp angeregte Frage der Diäten sür Kommiffionsmitglieder für die Zeit der Ferien der Plenums. Der Vorsitzende Rettich thetlt mit, das Reichstagspräfidtum erwäge bereits die Frage.
Der Leutnant schien ganz entzückt. „Wirklich nächtig von Ihnen mein Lieber!" lobte er den Entschluß, „jetzt kann man doch etwas Vernünftiges da drüben .anstellen. Adieu denn, bis zum Sonntag!"
Er reichte dem Obeikontrolleur die Hand hinüber, die dieser herzlich schüttelte, bann trennten ich die beiden.
Im Trabe holte Wagner bald seinen Begleiter ein, der während des Gesprächs die Straße auf- und abgeritten war. Da die Zeit vorrückte und die nach Warendorf bestellten Beamten nicht warten sollten, ließ man die Pferde eine schnelle Gangart einschlagen und brachte so das durch die Unterredung Versäumte wieder ein.
I« feinem Hotel in Warendorf angekommen, tatte Wagner kaum Zeit gefunden, sich umzukleiden, als sich auch schon die bestellten Beamten meldeten. Einige derselben hatten bei ihren Streifzügen ebenfalls allerlei Verdächtiges bemerkt, welche Wahrnehmungen die Annahme bestärkten, daß etwas Besonderes im Gange sein müsse.
Nachdem sich der Oberkontrolleur durch einen Blick auf den Flur überzeugt hatte, daß ihn kein Inberufener höre, begann er seinen Untergebenen >en Plan zu erklären, der ihn auf dem Heimrttt beschäftigt hatte.
„Wir werden niemals, zu einem befriedigenden Resultat kommen," begann er, „nie diese Schmugg- erbanden ausrotten, und uns selbst Ruhe chaffen, wenn wir nicht wissen, von welchem i wirkt jenseits der Grenze aus sie ihre gemetn- chaftlichen Züge antreten, welcher Transport- nittel sie sich bedienen und wo sich die Punkte befinden, von denen aus die Schleichwege durch
X Ai« Karloffelzokk ist am heutigen Donnerstag auf den Antrag des Centrurnsabge- ordneten Herold in der Höhe von 2*/i Mark für den Doppelzentner vo« der Zolltarif-Komrnisfion des Reichstages angenommen worden, und zwar sür Frühkartoffeln in der Zeit vom 15. Februar bis zum 31. Juli. Die Regierungsvorlage läßt die Kartoffeln überhaupt zollftei, und Staatssekretär Graf PosadowSky vertrat diese Zollfreiheit auch in der heutigen Sitzung der Kommission. Der kons. Abg. Frhr. von Wangenheim beantragte im Gegensätze dazu, frische Kartoffel« in der Zeit vom 15. Februar bis zum 31. Juli mit einem Zolle vo« 5 Mark, in der Zeit vom 1. August bis zum 14. Februar eine« Zoll von einer Maik zu erheben. Schließ, lich wurde der Herold'sche Vermittelungsantrag angenommen. Oelfrüchte, Klee-und Grarsaat usw. wurden nach der Regierungsvorlage angenommen, ebenso die in der Vorlage vorgeschlagene Zoll- freiheit für Zuckerrübe«. Grundsätzlich interessant ist eine Auseinandersetzung über die Zahlung vo« Tagegeldern an die Mitglieder der Kommisfion. Darüber soll erst am Freitag Be- schluß gefaßt werden.
X Die technische Kochschule i« Kresla» wurde jüngst in der Budgetkommlsfion des prsu- ßifchen Abgeordnetenhauses besprochen. Auf die Anfrage eines Kommissionsmitgliedes erklärten Vertreter des Kultusministeriums und des Finanzministeriums, daß die Regierung die Errichtung einer technischen Hochschule in Breslau als wünschenswerth anerkenne; aber, aber... und nun kamen allerhänd Bedenken. Nicht ganz stichhaltig ist aber da« Bedenken, da» an die Spitze gestellt wurde: daß die neue technische Hochschule in Danzig durch die gleichzeitige Errichtung einer ebensolchen Hochschule in Breslau vermuthlich in Gefahr gebracht werden würde. An der technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg allein befinden sich nämlich mehr als dreihundert Studirende aus Schlesien, und man sollte meinen, daß dadurch der Vorrang der schlesischen Ansprüche vor denjenigen von Danzig klar bewiesen sei. Die außerordentlich entwickelte Industrie in Schlesien ist doch erheblich wichtiger, als die Thatsache, daß in Danzig alljährlich einige große Seeschiffe gebaut werden! Außerdem hat Breslau bereit» eine hervorragende Universität, sodaß die Errichtung einer technischen Hochschule in Breslau und Versorgung derselben mit entsprechenden Lehrkräften einfacher und billiger sein würde al« in einer andern Stadt, die noch keine Universität hat. Der Grundsatz der auigleichenden Gerechtigkeit erfordert er, daß die schlesischen Wünsche, eine technische Hochschule in Breslau errichtet zu ehe«, recht bald in die That umgesetzt werden!
* Urber den Aiujährige«die«st 6er Mollis- fch«llehrer habe« die Oberpräfidertten eine wich - ttge Verfügung erlaffen, dre auf eine« Erlaß des Kultusministers zurückgeht. Fortan müssen die Seminaristen, falls sie einjährig-freiwillig diene« wolle«, sofort nach bestandener AbgangsPrüfung, das heißt also, wenn fie daß Zeugniß über die wissenschaftliche Befähigung zum Etnjährig-Frei- willigendienst erhalte« haben, die Ausstellung des Berechtigungsscheines nachsuchen.
Haide und Moor, durch Gebüsch lund Wald sich abzweigen. Es unterliegt meine« Erachten« keinem Zweifel, daß die Schleichwege meisten» jenseits »er Grenze abgehen, und die verschiedenen Signale, )ie entweder al« Thiergeschrei oder mittel« der ärbigen Lämpchen und wer weiß noch auf welche Art gegeben werden, zeigen den Schmugglern an, ob fie die gefährlicheren Wege, das find jedenfalls die un« bekannten, oder die eigentlichen Schleichwege zum Ueberschreiten der Grenze zu benutzen jaben. Ich will nicht hoffen," fuhr «r in scharfem Tone, die Beamten der Reihe «ach musternd, fort, „daß unter uns sich einer befindet, der pflichtvergessen genug wäre, mit den Schwärzern gemeinsame Sache zu machen."
„War alle» schon einmal da, meine Lieben," redet« er begütigend dazwischen, al» er in aller Züge den Ausdruck lebhaften Unwillens la«, und uhr dann fort: „Ich habe mir die Sache wie olgt gedacht: Vier von Ihnen, deren Gestcht fich u einer fie unkenntlich machenden Maskerade am »esten eignet, fahren in meinem Wagen, den ich elbst al« Kutscher führen werde, heute Nacht nach Münster, benutzen den ersten Zug nach Osnabrück und kehren in Rotenfelde unter den verschiedensten Namen ein. Aufgabe dieser Vier ist eS, zunächst auszuforschen, ob, von wem und in welchen Mengen eiten« Leute aus unferm Bezirk während dieser Zeit Salz gekauft wird, dann wohin man das Salz bringt. Zwecks Verfolgung de« Transports muß von vorneherein eine Verkleidung gewählt werden, die das Herumlungern auf der Land- iraße begreiflich erscheinen läßt. Es wird Auf- ;abe der einen dieser Beobachter sein, ohne Aufsehen vom Ort de» Salzversteck« au» zum nächsten
Nertt«. 6. Mär, 1902. Der Kaiser macht* heute Morgen einen längeren Spaziergang und ton ferirte hierauf längere Zeit mit dem Reichrtanzler. Darnach hörte er im hiestgen Schlosse die Vorträge deS Kriegsministers, Generals von Goßler, des General- stabS der Armee, Generals Grafen von Schliessen und des ChefS des Militärtabinets, Generalleutnants Grasen von Hülsen-Haeseler. — Der Kaiser hat befohlen, daß der große Kreuzer „Kaiserin Augusta", sowie zwei 8-Torpedoboote von der ostafiatischenStation abberufen werden und die Heimreise antreten. — In diesen Tagen waren die 27 Regierungs- und Gewerberäthe der Monarchie vom Minister für Handel und Gewerbe hierzu einer Besprechung dienstlicher Angelegenheiten versammelt, wie fie seit längerer Zeit alljährlich abgehalten werden. Die Verhandlungen fanden in den Räumen deS Abgeordnetenhauses statt. Am ersten Tage wohnte ihnen der Handelsminister selbst bei, im übrigen wurden sie vom Ministerialdirektor Neuhaus geleitet. — Neuerdings ist ein Ministerialerlaß ergangen, der die Ge- nehmigs- und Zustimmungsbehörden ersucht, daß in die Lustbarkeit sfieuer-Ordnung en eine Bestimmung des Inhaltes ausgenommen wird, daß die Steuer für nationale und patriotische Feiern nicht erhoben wird. — Der BundeSrath überwies in seiner heutigen Sitzung den Antrag Preußens, betreffend die Bestimmungen über die Beschäftigung von Arbeiterinnen auf Steinkohlenbergwerken, Zink- und Bleierzbergwerken und auf Kokereien im Regierungsbezirk Oppeln dem zuständigen Ausschüsse. Die Zustimmung wurde ertheilt den Ausschußanträgen betreffend den Entwurf einer Bestimmung über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter auf Steinkohlenbergwerken in den Bergbaubezirken von Preußen, Baden und Elsaß-Lothringen, ferner betreffend den Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen über die Disziplin der Gerichtsvollzieher.
* Karlsruhe, 6. März 1902. Die Bud- getkornrnissio« der badischen Zweiten Kammer hat sich mit der Einführung der Bahnsteigsperre einstimmig einverstanden erklärt, dabei aber die Erwartung ausgesprochen, es mögen die Einrichtungen so getroffen werde«, daß jede Belästigung deS reifenden Publikums thunlichst vermieden werde.
Arrs dem Reichstage.
«W> 159. Sitzung vom 6. März 1902.
Die zweite Berathung de» Etats wird fortgesetzt beim Etat der Schutzgebiete (Oftasrika).
Unter Titel 5 der Einmaligen Ausgaben werden alS Zuschuß zu den Kosten der Postverwaltung für die Weiterführung der Telegraphenlinie von Dar-es-Salaam von Mpapwa bis Tabora 168,000 Mark gefordert.
In Verbindung mit diesem Titel wird der entsprechende auS .dem Post-Etat zurückgestellte Titel 46 zur Berathung gestellt, in welchem sür die Herstellung lener Telegraphenlinie 662,000 Mk. gefordert werden.
Die Kommisfion beantragt, den Zuschuß von 168,000 Mark, welcher den Kostenantyeil des Gouvernements an der Weiterführung der Linie bis Kilimatiude darstellt, zu bewilligen, ^dagegen in Titel 46 des Postetats nur 300,000 Mark als erste Rate zu bewilligen, also 302,000 Mark abzusetzen.
Aus der Debatte, welche sich zum großen Theil in Einzelheiten verlor, sei hervorgehoben, daß für die Herstellung einer Telegraphenlinie von Mpapua nach Tabora der von der Budgetkommisston von 602,000 auf 300,000 herabgesetzte Betrag mit einer schwachen Mehrheit bewilligt wurde.
Kolonialdtrektor Dr. Htüöek und Staatssekretär Araelke befürwortete» sehr warm diese Pofition, während dieselbe von den
Abgg. Dasvach (Centr.) und Dr. MSlker-Sagan tfreis.) als unnöthig und überflüssig auf da» Schärfste bekämpft wurde.
Abg. Kchrempf (kons.) beklagt sich über das schlechte Verhalten der Plantagengesellschaft gegenüber den Eingeborenen, wodurch die Thättgkeit der Missionäre sehr behindert werde und ihre Mißerfolge leicht zu erklären seien.
Posten zu gelangen, um diesem Mittheilung zu machen und wettere Aufträge von mir zu erwarten : ich werde i« der Nähe fein, um alles |u leiten. Die anderen werden nach Feststellung des Verstecks einen Unterschlupf aufzusuchen haben, von dem aus der weitere Gang der Angelegenheit b« obachtet werden kann. Von jedem wichtigen Vorgang ist Bericht zu erstatten, der durch die Posten an mich gelangt und jedesmal meine Anordnung abzuwarten. Diese Berichte werden von besonderer Wichtigkeit in dem Augenblicke, wo bei tiefstem Dunkel der Transport Über die Grenze beginnt. Da bedarf es des ganze« Scharfsinnes, der ganzen Klugheit aber auch des Muthes, )ie dem Mann eigen fein sollen. Kein vorzeitiger Lärm, kein tollkühnes Angreifen, erst die Fühlung mit den Grenzwachen Herstellen, dann diese» Zeit kiffen, heranzufchleiche», womöglich einen Ring um die Schmuggler ziehen, das muß uns stets vorschweben und unser Handeln beeinflußen. Nur im äußersten Nothfalle gebe ich einem von Euch oder von den Wachen das Recht, die Ge- ellschaft zu stellen. Ich werde das selbst thun, « diesem Augenblicke aber verlange ich von iebem Einzelnen unbedingte Hingabe an seinen Beruf; wird ein Kampf nöthig, dann sei er zeführt, aber immer mit dem Gedanken a« sie Verantwortung, die denjenigen trifft, der ohne zwingendste Veranlaffung ein Menschen- eben vernichtet! Ich hoffe, Sie haben mich ver- landen," fuhr er, nachdem er eine kurze Pause gemacht, fort, „ich werde im Laufe des Nach- mittags für die vier Beobachter eine genauere Instruktion ausarveiten, die fie auf der Reise sich einprägen mögen. Zu Niemandem, auch nicht