n Ibn ci-
I»»rr»l», einspakttgr feile oder RavmlSPs Hamen die
Wiede, wird ml Rabatt
mit Ztnterhatdmgs-Deilage „Aü'usirirte Sonntags-Intung"
M **» VeHM Ne JMMn »illulia—■ ptewgoft OKI (ImmÜ
S
29. Jahrgang.
Juköa, Dienstag, den 4. März 1902.
M 52
VolkSschulwesen« steht Dr. Kügler seit 1889. Wer sei» Nachfolger «erde» wird, ist »och unbekannt.
+ Ate Merordumeg 86er die Aa«». ftUveret in Kamerun ist im ,Reichsanzeiger' erschiene«. Danach feien im ganzen Schutzgebiete die Kinder von Hautsklaven (Mukom) al» Halb, freie (Mujaberi) angesehen «erde», die nach dem Erscheinen dieser Verordnung geberuen Kinder der Halbfreien aber stet sein. Dmch Verkauf, auch nicht durch Selbsteerkauf, und ebenso auf dem Wege der Strafe können neue Sklaeereiverhältniffe nicht begründet werden, auch wird der Verkauf oder die Vertauschung ven Haussklaven verboten. Außerdem soll das Herrenrecht verwirkt »erden, wenn der Herr seine Pflichten gegen den Haussklaven schwer verletzt. Auf Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden Geldstrafen bi« zur Höhe »en 1090 Mark und Freiheitsstrafen bis zur Dauer von drei Monaten gesetzt. — Die Verhältnifle bedingen es leider, daß mit dieser Haussklaverei nicht sofort ein Ende gemacht «erden kann. Durch diese Verordnung ist nun wenigstens der Anstoß zum allmählichen Erlöschen desselben gegeben. .
h Aiue »e»e polnische Gymuaftestem- Aervinbttttt ist i« G n e s e n aufgedeckt worden. Es wurden Haussuchungen vorgenommen und viele Bücher, Zeitschriften u. s. w. mit Beschlag belegt. Da« Abiturientenexamen wurde verschoben, vier Oberprimaner wurden von demselben zurückgewtesen — so meldet das hakatisttsche .Posener Tageblatt'. Nun ist also, Gott sei Dank, dar Vaterland wieder einmal gerettet!
ft gerieten« polnische Zeitschrift. Nach einer Bekanntmachung im .RetchSanzeiger' wird die Verbreitung der in Krakau erscheinende» polnischen Zeitschrift ,Nowa Reform«' für die Dauer von zwei Jahren innerhalb des deutschen Reiches »erboten.
+ Almgehnng ber Iolke! Nach neue» Mittheilungen au» Amerika helfen die Behörde» der Berei»igte« Staate» von Nord- amerika selbst de« Kanadier» dazu, di- deutschen Kampfzölle gegen Kanada zu umpehen und Deutschland ein Zolschuippcheu zu fdJ igen. Den Exportmühlen in den Vereinigten Staaten ist nämlich allgemein die Erlaubniß erth^lt worden, kanadischen Weizen ohne Zol aus Kanada zu beziehen, «en» dar daraur gewonnene Mehl nach dem Auölande gesandt wird. Solcher Mehl kommt dann zu uns als Erzeugniß der Bereinigte» Staaten »»d dementsprechend auch zu dem btligere» Zolsatze, nicht zu dem Satze der Geueraltarifer, de» gegen kanadische Erzeugnisse bei »ni angewandt werde» soll. Gegen alle solche Zellschwindeleien können einzig und allein Ursprungszeugnisse helfen!
Deutsche» Keich.
Berlin, 3. März 1903.
X N-ich-si«"!-« Slaal-finaure». Unter der ungünstige» »ag- der Rnchrfinanze» haben am «eisten ehne Zweifel die thüringische» Kleinstaaten zu leide». Die Lage der Reich,- finanzen Hai noch eine wettere unerquickliche Beleuchtung erfahre» durch die Thatsache, daß der Fehlbetrag de, laufenden «tattjahres noch um achtzehn Millionen höher aursale» wird, als anfänglich veranschlagt worden «ar; und allein an diesen achtzehn Millionen ist beispielr- weise dar Großherzogthum Sachs«. Weimar- Eisenach mit vierhunderttausend Mark becheiligt. Die Steuerlast in diesem Bundesstaate ist ohne- hin nichts weniger, all gering, und so weit geht man dort bereits mit Verlegenhritspläneu zur Bekämpfung der böse» Geldlage, daß wen sich mit der Absicht trägt, durch massenhafte, den UmtriebSpla» weitaus übersteigende Holz- Verkäufe aus den Staatswaldunge» Geld zu machen. Das würde »ach dem Spruche ge- handelt sein: Nach uns die Sündfluth! Mögen spätere Geschlechter sehen, wie fie rnirth - schäften; wenn nur wir in der Gegenwart uns retten können! Die Bewehner der thüringischen Kleinstaaien find im Allgemeinen keine hervorragenden Patrioten im engeren Sinne des Worte,. Aber man erstaunt doch nicht wenig, wen» man verfolgt, bi, zu welchem Grade die Mißstimmung bereits gediehen ist. In einem bekannten nationalliberalen Wie-badener Blatte findet man nämlich eine Stimme auS Thüringen, die ganz offen folgende Anschauung zum Au,druck bringt: die Finanzuoth könnte e, zu Wege bringen, daß manche Einzelstaaten lieber ihre Selbständigkeit aufgeben und fich dem preußischen Staate an- schließen, oder aber alle thüringischen Kleinstaaten fich zu einem einzigen Staatswesen zusammenschließen würden. Solche Drohungen find für', erste wohl nicht ganz ernst zu nehmen. Dennoch werfen fie ein Helle, Schlaglicht aus den hohen Grad von Rißstimmung, der durch die ungün- stige Finanzlage erzeugt wurde, und sollten von den Machthabern in diesen Bundesstaaten ernstlich und sorgfälttg beachtet werden «11 eine äußerst kräftige Mahnung dazu, innerhalb de, Bunde,- ratheS mit alle« möglichen Nachdruck auf eine recht sparsame Geldwirthschast de, Reiche, hinzu- wirken. Wenn Staatssekretär v. Tirpitz über', Jahr oder über zwei Jahre mit neuen Riesenforderungen für eine neue große Au-land,-Flotte auf dem Plane erscheinen wird, dann werden alle die bundesstaatlichen Minister wie ein Mann I« dazu sagen.
ft Dio Aeraßschiednng de« Ministerialdirektor» Dr. «Kügler auS dem preußischen Kultusministerium bestätigt fich. Seheimrath Dr. Kügler soll als Nachfolger der in de» Ruhestand tretenden Dr. PerfiuS Präsident deS preußischen Oberverwaltung,gerichtes werden. Dr. Kügler befindet fich im Staatsdienste seit 1817. Er begann seine Laufbahn im Justiz- dienst und trat im Jahre 1874 zur Unterricht,- Verwaltung über. An der Spitze deS preußischen
Airs dem Reichstage.
-e» 156. 8ti|tut| vom 8. März 1902.
Ruf ber a^gtlotb»«»| ber heutigen Sitzung steht zuntchst ber »tat fstr die Expedition »ach Oft« «sie». El hebe» sich dazu am Tische b«S Bunbes- rathe» eingefunben Reichskanzler »ras Bülow, ber Staatssekretär bei Auswärtige» Freiherr »an Richthof»», Kriegsminister von Äoßler, Rantre» admiral Büchse! u. a. m.
A» die Kosten für die HeereSaerwaltun, hat die Kammiffion 5304000 Mark gestrichen, dieselbe» also »an 25850 100 auf 20546000 Mark herabgesetzt. Außerdem hat die Kommisfian bie ganze geforderte Summe von einer Million Mark gestrichen für außer» gewöhnliche Mehrkosten bei der Marine.
Abg. Freiherr v. Aerlting (Centrum) drückt die Befriedigung seiner Partei auS über den glücklichen AuSgang der China Expedition. Aber jedenfalls ist eS - fe fährt der Redner fort - der Wunsch des Häufel, daß alle unsere Expeditionltruppen recht bald zurückgezogen «erden könnten. El gibt Lagen, in denen «an entweder Hammer oder Amboß sein muß. Deutschland ist lange genug der Amboß für fremde Mächte gewesen. Nur ist es «ünschenSwerth, daß »S einmal Hammer sei» möge. Weiterhin fragt der Redner den Reichlkanzler, ob die Autorität in China bald wieder so weit gefestigt sein «erde, wie el in unserem Interesse und namentlich für unsere Missionen wünschenSwerth ist? Ob eS bald möglich fein «erde, unsere Besatzungltruppen zurückzuziehen — oder biS zu welchem Zritpuntte eine erhebliche Verminderung unserer Truppen möglich sein werde?
Abg. Augen Aichter (freis. Bp) wünscht die baldige Zurückziehung der Truppen auS Ostafien.
Dr natl. Abg. Dr. Kaffe spricht für dal Zusammengehen in allen ostasiatischm Dingen mit Rußland.
Reichskanzler Graf ASko«: An unserer Stellung in China wird durch das englisch-japanische Abkommen nichts geändert. Unsere wirthschaftlichen Jntereffen «erden dadurch in keiner Weise und in keinem Punkte berührt, auch nicht dar Abkommen, das wir 1900 mit England abgeschlossen haben. Unser Abkommen mit England sichert uns die wirthschaftliche Gleichberechtigung im Thale del Aangsekiang und an der chin-fische» Küste. Dagegen haben wir kein Jnterefle daran, uns in die Streitigkeiten um die politische Herrschaft nördlich und östlich vam Golfe von Petschili hineinziehen zu lassen. Unsere Jntereffen in Ostafrika sind, abgesehen von dem Schutze für unsere Missionen, ausschließlich wirthschastlicher Natur. Das englisch-japanische Abkommen, das nur die Erhaltung des gegenwärtigen Zustande! in Ostafien anstrebt, läßt den Grundsatz der offenen Thür unverändert in Geltung; und Deutschland steht auch in Schantung vollständig aus dem Boden dieses Grundsatzes. Alle Behauptungen von der Erwerbung ausschließlicher Rechte find falsch. Wir wollen in China gar keine Extrawurst, sondern nur gleiche Rationen für un! haben. An dem Abschlufle deS englisch-japanische» Abkommens find wir vollkommen unschuldig und un» betheiligt. Se-.'-e Bedeutung darf man aber nicht verkennen: el ist ein Zeichen der heutigen Weltpolitik. Meine Auffaffu.■$ von der Weltpolittk hält ungefähr die Mitte zwiso n dem Abgeordneten Dr. Haffe und dem Abgeordneren Richter. Soll die Weltpolittk die Bedeutung habr», Hanl in allen Gaffen zu fein, so bin ich ihr Anhä gsr nicht, sondern ihr entschiedenster Gegner. Wenn Sie aber unter Weltpolitik »erstehen, daß Deutschland durch seine überseeische Entwickelung, durch seine Kolonie > gezwungen ist, überall deutschen Gewerbeflriß zu schützen, so bin ich Anhänger der Weltpolitik. Dal Tempo, in dem wir unsere Truppen auS China zurückzuziehen haben, hängt ab von der Verständigung der in China interesfirten Großmächte. ES wird jetzt darüber »erhandelt. Auch hängt diese Frage zusammen mit der anderen Frage der Auflösung der dortigen internationale» Kommission; und auch diese Frage scheint ihrer Lösung entgegen zu gehen. Wir wolle» unsere vesatzungSbrigade nicht einen Tag länger dort laffen, al! el politisch geböte» ist. Wir haben ja auch den Wunsch, die Finanzen bei Reiches zu schon,n. Wir bitten aber auch, uni die »ach erforderliche» Mittel zu bewilligen. Hätte» wir unsere Truppen zu früh zurückeozoge», so würden wir Anderen Gelegenheit gegeben haben, eS sich in China auf unsere Kosten bequem zu machen. Gin voreiliger Rückzug wäre ein grober Fehler gewesen Unsere Truppen und Schiffe find ja auch zum größten Theile wieder gekommen. Bis auf eine Brigade hat also Herr Richter sein« Legionen wieder; und die Millionen werde» auch kämmen. Mein Liebchen, was willst du noch mehr? In Schanghai haben wir deshalb Truppen, um dem gut gesinnten Bizeköni, einen gewissen Rückhalt zu gebt». Wir halten diese Truppen auch jetzt noch für
nöthig. Auch die andere» Mächte laffen ja ihre Truppe» noch da. Und «al anderen Mächten für den Schutz ihrer Handellintereffen recht ist, dal ist uni billig* (Beifall.) m
Nach einigen zustimmenden Bemerkungen bei Abgeordneten Irese von bet freist»«,e» Vereinigung wird ber Etat für Ostafien in der von der Kam- Mission vorgrschlagenen Höhe bewilligt.
Bei dem nunmehr folgende» Etat bei Au!» wärtigen Amte! gab ,
Staatssekretär Freiherr »e» ztichthafe« Aufschluß über daS deutsche Kansulatswesen und theille mit, baß England de» aus TrauSvaal aulgewiesene» Deutschen bte »olle Entschädigung ohne Abzug zahlen werde.
Zum Schluffe übte fich noch Herr.Genaffe' Hra». wwMt in allerhand hämischen ®(offen über die Reise deS Prinzen Heinrich »ach Amerika und darüber, daß Deutschland sich nicht in de» südafrikanische» Krieg ein. mischte, wurde aber van dem
Reichskanzler Grafe« MSto« unter wiederholtem Beifalle deS Hauses sehr nachdrücklich u»b erfolgreich ^"Abgeordneter Ledevur (so,dem.) versuchte eine Mohrenwäsche an seinem „©tnoflen" - natürlich »ergeb«^^^8tag wjtg geI Nachtragsetat für bie Veteranen erledigt und dann die heutige Berathung fortgesetzt.
Aus dem Kandtage.
-Ep K0s«ord»ete»han«. — 89. Sitzung vom
» 8. März 1908.
In dritter Lesung hat da! Abgeordnetenhaus heute angenommen die Entwürfe über die Heranziehung zu den Kreisabgaben, über die Proaiuzialdota- tionen, über den Erwerb von Bergwerk!- eigenthum. I» der Generaldebatte über diesen letztem Entwurf gab der Centrumlabg. Imwaffe seiner besendern Meinung Ausdruck, baß berselbe ein bedeutender Schritt vorwärts sei auf de« von der Sozial- demokratte »orgeschlagenen Wege.
Sodann «urde die Berathuug des Etat! der direkte» Steuer» fortgesetzt, wobei der Centrums- abg. Schmitz an mehreren Beispielen darlegte, daß dre Ueberweisung der Grund- und Gebäudesteuer an die Gemeinden durchaus keine Entlastung der Befitzer herbeigeführt habe. Als Hauptfetzler bezeichnete der Redner, daß auf die Verschuldung der Befitzer gar keine Rücksicht genommen werde. Namentlich auf dem platten Lande «irb diese Steuer besonder! drückend empfunden.
Aehnlich, nur weniger scharf, äußerte fich der frei» kauf. Abg. Irtzr. »e« Zedlitz, wogegen
Finanzminister Irhr. »an ItheinSallan aus die enorme Zunahme der Kommunallasten hinwceS, die imwer «eitere Inanspruchnahme der Steuer quellen nöthig mache. Mit lebhafter «esorgniß müsse man die wachsende Verschuldung mancher Städte beobachten: die Oberprästdenten feien deswegen angewiesen, darauf ein aufmerksame! Augenmerk zu richten. Aber da! erkennt aucy der Minister au, daß die Gemeinden nicht, wie man früher erwartet», die Grund- und Gebäudesteuer in günstiger Weise weiter entwickelt heben, und daß auch die Gewerbesteuer reformbedürftig erscheine. Nach der Mitthellung de! Ministers hat die Regierung einen neue» Gesetzentwurf ausgearbeitet und den Gemeinden zur Meinungsäußerung mitgetheilt. Auf eine am Samstag gefallene Bemerkung erwiderte der Minister: durch die Getreidezölle würden die Arbeiterfamilien nicht noch »eiter belastet »erde»; eS sei sogar ei» Sinken der Ge- treidepreife in Folge der Zölle möglich.
Abg. Kirsch vom Ceutrum wünscht, daß dre Kommunalsteuer bei der Abschätzung der Einkommensteuer abzug-fähig werden möge; der natl. Abg. »au Epner» meinte, man möge nur die hohen Einkommen nicht zu sehr belasten, und trat mehr für die «utwickelun, ber indirekte» Steuern anstatt der direkten ein. Im übrigen tadelte der Redner die Belästigungen der Steuerzahler bei ber Einschätzung
Minister Irhr. »e« AheiullaSe« stellt, fest, baß die «teuerbehörbe meist recht habe mit ihrem Vorgehen, und ferner, daß er nicht habe neue Steuergesetze, sondern nur die Ausarbeitung neuer Steuerordnungen für Grund- und Gebäudesteuer h .be aukündigen wollen.
Der Uäter Schuld.
Original-Roman von Fr. kollet.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
Als der Tanz zu Ende, half ihm Bermrrb, ohne zu wissen, welchen Gefallen er ihm erwies, au« der Verlegenheit.
„Möchtest Du nicht den Wagen mit benützen, der jetzt fährt?" fragte er, als man an den Tisch kam, „Du sprachst »an einem Frühritt, den Du morgen z» machen hättest; die andere Gesestschast dürfte jedoch oor Mitternacht nicht aufbrechen."
„So spät darf e« mir auf keinen Fal worden," gab Wagner in ehrlichem Schreck zur Antwort, „da »erde ich mich leider empfehlen müsse«, Fräulein Kemper," fuhr er zu Stephanie gewendet fort, und nachdem er ihr Grüße an Frau Stahl- Hut und die ihm bekannten Hausgenossen aufgetragen, hatte er wieder soviel Gewalt Über fich selbst erlangt, daß er dem Mädchen mit ruhiger Freundlichkeit die Hand reichen und »on ihr Ab- schied nehmen konnte.
Auch Stephanie schien äußerlich ruhig; fie antwortete mit kaum freundlicher Miene, »er- sprach seine Grütze zu bestellen nnd erwiderte seinen Gutrnacht-Grnß. ES war kein Unterschied zu bemerken in der Art, wie sie Wagner verabschiedete und der, mit welcher sie die Her« abschiedung Kemauns erwiderte.
Die Beiden waren weg; draußen wurde mit einem lauten Hurrad der Wagen entlaffen, der fie fortführte. Mit Stephanies Selbstbeherrschung «ar eS vorbei. Kaum daß fie ein Wort der
Aufklärung an ihre Ttschgenoflen richtete, was ungefähr so klung, als sei fie wegen de! Bruders in Gorge, dann schritt fie langsam aus dem Garten, durch daS Haus auf die Straße, das Dorf hiuauf, in welcher Richtung ihres BaterS HauS lag.
Am hellerleuchteten Karussell sah fie ihren Bruder stehen; er hatte den stummen Aerger darüber, daß die Schwester ihn wegen des Grün. rockS oem Tanzplatz weggeschickt hatte, reichlich mit geistigen Getränken hinunterzuspülen versucht. Stephanie schlug einen weiten Bogen um die Kirche, um nicht gesehen zu werden, dann war fie astein mit ihrem Schmerz und ihrem Groll. Langsam schlich fie den Feldweg nach ihres Vaters Hause hin, mechanisch öffnete fie die Thür; willenlos, mit von dem Trieb nach Ruhe geleitet, tastete daS Mädchen nach dem großen Lehnstuhl hin, der »eben dem Herde stand. Des alten Rödels Krachen verrietst allein, daß dort Jemand saß; bange Seufzer. ku^eS Gestöhn hallten aus der Ecke am Herd, sonst war eS still.
Stunde um Stunde verkündete das Schlagwerk der Kirchthurmuhr; nichts regte fich im Hause, aber eS wurde ein schwerer Kampf ge- kämpft auf der Wahlstatt deS kleinen Mädchen- herzenS, daS dort unruhig pochte und hämmerte. WaS aber der Kämpferin zum Segen gedient hätte, erstritt sie sich nicht; fie glaubte nicht entsagen zu können, glaubte heute mehr als je die Gewißheit des endlichen Sieges ihrer heißen Liebe über daS edle Herz des geliebten Mannes erlangt zu haben, fie entschloß fich, den Kampf um seinen Besitz aufzunehmen und vertraute
dabei zunächst auf ihre Macht gegenüber dem Vater und dem Bruder.
Dort an jener Stelle hatte vor Jahren auch ihre Mutter geseffen, hatte den Plan auSgebrÜtet, den Gatte» auf die Bahn des Schmuggels zu treiben, um nur ihrem Luxus, ihrem Stolz weiter leben zu können, sie war ein Opfer ihres Stolzes geworden; sollte die Tochter als zweites Opfer fallen?
Stephanie war fich klar, daß sie nicht daran denken könne, des Steuerbeamten Braut und Frau zu werden, wenn Vater und Bruder ihr verbrecherisches Treiben fortsetzten. Sie mußte beide bewegen, zu ehrlichem Erwerb zu greifen, ihr zu Liebe vom falsche» Wege abzulaffen. Gerne wollte fie aller tbun, ihnen dieses zu ermöglichen, ihee eigenen Ersparnisse, ihren Lohn, alles wollte fie opfern. DaS mußte die berden Männer bewegen, die Liebe des Vaters und BruderS mußte ein weiteres thun. War ihr dieses gelungen, dann wollte fie eine Stellung in Warendorf zu erwerben trachten, ihm nahe fein, alles aufbieten, ihn an fich zu fesseln. Sie konnte es, heute hatte fie unbewußt bie Probe gemacht; wozu hatte fie denn ihre Schönheit, wenn nicht um den zu erringen, dem ihr Her, gehörte? Wie Siegesgewißhett kam es über die schöne Träumerin in der elenden Küche. In glühenden Farben malte fie fich daS Glück seines Besitz«- auS, schuf in Gedanken um ihn ein Heim voll Zärtlichkeit und Liebe, ein Paradies an Schönheit und Glück.
Solche Tränrnereien beruhigen das Gemüth; kommt dazu noch die physische Ermüdung des Körpers, wie fie nach einer solchen Fülle »on
Aufregungen nicht autbletben kann, dann ist der Schlaf die Folge. Auch Stephanie schlief ein, als Mitternacht längst vorüber war. Wäre sie nie wieder aufgewacht!
E.st mit dem Morgengrauen kehrten Vater und Sohn heim. Das Mädchen war ja, wie fie erfahren hatten, auf dem Heimwege gesehen worden, was brauchte man fich da noch Zwang anzuthun? Das saubere Paar war fich darüber klar, die Stephanie paßte nicht zu ihnen, lieber heute als morgen mochte man fie gehen sehen, die Gtadtdame!
Dennoch wagte es keiner von den Beiden, daS Mäechen zu wecken, als fie eS im Lehnstuhl ein- geschlafen fanden; in ihrem Hirn dämmerte etwas von Aufopferung der Frauen, — gewiß hatte Stephanie ihretwegen wach bleiben wollen und war vor Ermüdung etngefchlafen. Scheu schlichen fich beide in ihre Schlafkammer.
Einige Zeit nachher erwachte auch Stephanie. Müde wie fie war, suchte auch fie ihr Lager auf.
Der nächste Tag verging einförmig im Rem» per'schen Hause. Die beiden Männer sprachen nicht; Stephanie, die wohl erkannte, daß Vater und Bruder nicht in der Verfassung seien, ihre ernsten Vorstellungen gebührend zu würdigen, verschwendete lern Wort; nur als beide gegen Abend inS Dorf gingen, sagte fie kurz und bestimmt:
„Kommt rechtzeitig heim, ich will morgen fort."
Sie selbst ging, um sich zu zerstreuen, zu Schulte hinüber, wo fie in möglichster Unbefangen- beit allerlei au« ihrem Leben im Kloster, in den verschiedenen Lehrhäusern und bei den Herrschaften erzähtte. •