FuldaerMIeitung
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JuLöa, Freitag, den 28. Februar 1902.
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29. Jahrgang.
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G Das Neueste vom „Zollkriege".
Aus den Berathungen der Zolltanf-Kommis- fion deS Reichstages vom Mittwoch ist zunächst eine Darlegung des konservativen Abgeordneten Grafen von Schwerin-Löwitz hervorzuheben. Dieser ist der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Deutsche» Landwirthschaftsrathes und hat als solcher im Vorjahre alsbald nach dem Bekanntwerden deS Zokltarifentwurfes der Verbündeten Regierungen „in dem genannten Aus- schuffe die bekannte Entschließung zur Annahme gebracht, die dem Regierungsentwurfe und dessen Setreidezollsätze» einen weiten Schritt entgegenkam. Graf Schwerir-Löwitz ist also nichts weniger, als ein unversöhnlicher Agraner." Nunmehr aber hat auch er seine Anschauung in dem Sinne kundgethan, daß er ein vollständiges Schet- tern der Gesetzentwurfes als das kleinere Uebel ansteht im Vergleiche zu einer langfristigen Bindung der ungenügenden Getreidezollsätzr des Rcgierungsentwurfes. Gleichzeitig hat der Redner diese Anschauung als die allgemeine Ansicht der konservativen Partei bezeichnet.
Dem Grafen von Schwerin > Löwitz hat der preußische Handelsminister Möller erwidert, daß die Zollsätze des Regierungsentwurfes „das Höchste seien, das sich erreichen lasse" — man darf nun wohl nicht mehr daran zweifeln, daß auf dem jetzt betretenen Wege eine Verständigung mit der Regierung nicht zu er- reiche» ist.
Gleichzeitig bringen die Regierungsblätter verschiedener Bundesstaaten entsprechende Kundgebungen, die, was ebenfalls nicht zu übersehen ist, sorgfältig von der oberosfiziösen Morddeutschen Allgemeinen Zeitung' in Berlin ge- sammelt und verzeichnet werden. Danach erklären die beiden sächsischen Regierungsorgane, das »Dresdener Journal' und die »Leipziger Zeitung', gleichzeitig und gleichlautend daS Folgende:
„Staatssekretär Graf Posadowsky hat, auch „im Einverständnisse mit der sächsischen Staats- „regierung, eik'ärt, daß die Verbündeten Re- „gierungen diesem Kompromißantrage in keinem „Stadium der Verhandlungen zustimmen wür- „den. Es ist bestimmt zu erwarte» daß die „Verbündeten Regierungen den mit so „hohen Getreidezöllen belasteten, Handels»»' „träge aus schließenden Zolltarif nicht gut- „heißen werden . . .
Dir Erklärung, die der,Staatsa»zeiger für Württemberg' am vorigen Samstag im gleichen Sinne gebracht hat, ist nun auch von der amtlichen »Karlsruher Zeitung' abgedruckt worden. Diese fügt aus Eigenem noch daS Folgende hinzu:
„Derselbe snämlich der Artikel des württem- „bergischen Staatsanzeigersj bietet um so mehr „Interesse, als die darin enthaltene Gchtlde- „rung der Verhältnisse, wie der dort gekenn- „zeichnete Standpunkt im wesentlichen auch „für Baden zutresfen wird."
Es ist eine bedauerliche, aber nichtsdestoweniger unleugbare Thatsache, daß beinahe ein Wunder geschehen müßte, wenn nachträglich eine Verständigung mit der Regierung doch noch zu Stanoe kommen sollte!
In der Abendsitzung der Zolltarif-Kom- missio» deS Reichstages hat alsdann der Ge- heimerath Dr. Rüger im Name» der sächsischen Staatsregierung eine E.klärung abgegeben, die dem Sinne nach mit den Erklärungen der übrigen Regierungsorrtreter übereinstimmt: auch die sächsische Regierung steht auf dem Bode» des Entwurfes und will sich von diesem nicht entfernen.
Es knüpfte sich dann eine längere Debatte an, an der die Redner verschiedener Parteien sich bethetligte». Am interessantesten ist die Ausführung des Centrumsabg. Dr. Spahn, und zwar im Namen seiner politischen Freunde:
Das Cent rum wird in dieser ersten und auch in der zweiten Lesung des Zolltarifgesetzes für das Kompromiß stimmen, wie eS von den Abgeordneten Herold und Graf Schwerin Löwitz beantragt worden ist. Die Ziffern dieses KompromiffeS find nicht willkürlich aufgegriffsn, sondern wohl erwogen worden. Die Stellung des Bundesraths und der Verbündeten Regierungen ist vollkommen unbegreiflich, und der Schatzsekretär Freiherr von Thielmann hat mit seinen Erklärungen am Dienstag die Lage noch verschärft. Wozu ist der Reichstag da, wenn man nicht mit ihm verhandeln und ihm nicyt entgegen kommen will? Die schroff ablehnenden Erklärungen der Regierungen find unverträglich mit der Verfassung. Am liebsten hätte ich
den Reichskanzler selbst in der Kommission gesehen und gehört. Sobald ein Beschluß der Kommission vorliegt, sollte doch der BundeSrath seine Entscheidung über diese» Beschluß treffen.
Dieser Beschluß der Kommission hat nicht lange auf sich warten laffen. Noch in derselben Sitzung ist, wie schon gemeldet, die Abstimmung über das vorgeschlagene Kompromiß erfolgt, und dieses ist mit vierzehn gegen zehn Stimmen angenommen worden.
Die Abgeordneten Freiherr von Wangenheim (kons.) und Dr. Heim (Ctr.) haben sich der Abstimmung enthalten.
Nun hat wieder der BundeSrath daS Wort!
* Eine Centralstelle für Gewerbeförderung.
Der Centrumsabgeordnete Trimborn hat bekanntlich im preußischen Abgeordnetenhaus« den Antrag gestellt, innerhalb des Ministeriums für Handel und Gewerbe ein centrales Staatsorgan zu schaffen, welches alle für die technische und wirthschaftliche Förderung des Handwerk« und Kleingewerbes dienlichen Maß nahmen in Erwägung zu ziehen, anzuregen und durchzuführen habe. Aufgabe dieser Centralstelle soll es sein, ähnliche Maßnahmen zur Förderung des Handwerk« in planmäßiger Weise durchzuführen, wie Oesterreich und thetlweise-auch einige deutsche Bundesstaaten, Baden, Heffen und Württemberg, sie aufzuweisen haben. Diese Maß- nahmen betreffen zunächst eine bessere technische und kaufmännische Ausbildung der Handwerker (Maschinenausstellungen, Musterwerkstätten, Mnsterkurse). Außerdem bezweckt die österreichische Gewerbeförderungsaktion auch eine direkte wirthschaftliche Förderung der Handwerker und Kleingewerbetreibenden.
Um nämlich den Handwerkern die Maschinen, die sie in den Kursen und den Ausstellungen kennen gelernt haben, leichter zugänglich zu machen, überläßt man auch Maschinen an Handwerker, aber nicht an einzelne Handwerker, sondern nur an Vereinigungen von solchen. Handelt es sich z. B. um eine gewöhnliche Knopflochnähmaschine, so genügt dafür ein Konsortium von 4 bis 5 achtbaren Schneidermeistern. Handelt es sich dagegen z. B. um eine Bautischlerwerkstätte, die mit großen Betriebskräften und Be- triebsmaschtnen eingerichtet werden muß, dann wird die Bildung einer Erwerbs- und Wirth- schaftsgenoffenschaft verlangt.
Die Centrale besorgt den Ankauf der gewünschten Maschine oder die Beschaffung der Welkstatteinrichtung, wobei sie gewöhnlich noch einen großen Rabatt erreicht, der bei der Weiter- Überlassung der Vereinigung ooer der Genossenschaft zu Gute kommt; die Vereinigung oder die Genossenschaft sorgt für den Raum zur Aufstellung der Maschine oder für das Werkstattgebäude. Mitunter sind die Gemeinden mit Garantieleistung eingetreten; Sparkassen haben zinsfreie Darlehen gegeben, damit die Genossenschaft in der Lage war, einen Platz für die Werkstatt zu gewinnen und die Werkstatt zu errichten. Die Kosten der Maschinen müssen in 10 unverzinslichen Raten an den Staat bezw. die Centralstelle znrückerstattet werden; es kann aber auch eine ein- oder zweijährige Leihpertode der käuflichen Ueberlaffung vorausgehen.
Erhebliche Erfolge find auf diesem Gebiete schon erzielt worden. In dem österreichischen Kaiserstaat diesseits der Leitha sind allein in wenigen Jahren 30 große HolzbearbeitungSwerlstätten für Bautischler in dieser Weife eingerichtet worden. Besonders erfolgreich hat sich die Ausgabe von Maschinen ferner auf dem Gebiete der Kleineisenindustrie erwiesen, die ja auch für einzelne deutsche Gegenden sehr in Betracht kommt. Auch an Schuhmacher, Hutmacher, Tuchmacher, Wäscher, Seiler, Bäcker sind Maschinen überlassen worden, im Ganzen in der kurzen Zeit, seitdem man diese Thätigkeit gepflegt hat, 445 Maschinen an 146 Parteien, und es ist dafür ein Betrag von inSge- ämmt 420,000 Kronen ausgewendet worden.
Neben der Kreditgewährung in Form von Maschiysnüberlaffung, hat man schließlich die Genossenschaften unterstützt durch verzinsliche Darlehen, auch durch vorübergehende kleine Darlehen, lediglich in der Absicht, um über die ersten Schwierigkeiten in der Errichtung hinweg. Mhelfen. Im klebrigen hat man die Genoss;»- chaftrbildung dadurch erleichtert, daß man eine »esondere Anleitung zur Errichtung und Ge- chäftsfährung sür die Erwerbs- und Wirth- chaftsgenossenschasten herausgegeben hat und >urch die sachliche Auskunftsstelle der Wiener Centrale praktischen Rath gewährt. Den Ge- noffenschaften sucht man überdies durch Vermitt- lung der Centralstelle den Absatz ihrer Er- eugnisse zu erleichtern, z. B. durch Zu- Weisung von Heereslieferungen. Neuerdings ist man bestrebt, auch die Lehrlingsausbil
dung zu fördern durch Lokal- und Centralausstellungen von Lehrlingsarbeiten, Einführung der subventionirlen Meisterlehre rc. —
Mit derartigen Maßnahmen soll also nach dem Antrag Trimborn, deffen Grundgedanke» bei allen Parteien und der Regierung Zustimmung fanden, demnächst in Preußen eine „Centralstelle sür Gewerbeförderung" oder ein „Handwerkeramt", oder wie man es nennen will, nach einheitlichem Plane vorgehen. Möchte diese Absicht des Centrumsantrages zum Segen des Kleingewerbestandes baldige volle Verwirklichung finden.
Römische Briefe.
VI.
□ Rom. 24. Februar 1902.
Die vergangene Woche war für Rom eine Woche großer Ereignisse. Denn am 20. Februar war bekanntlich der Tag, a» welchem Leo XIII. vor 24 Jahren im vatikanischen Konklave zum Pgpste erwählt wurde und damit gleichzeitig nunmehr i» das fünfundzwanzigste Jahr seines Pontifikates eintrat. Am Vormittage fand im Thronsaale des Vatikans ei» Empfang der verschiedenen Jubiläums-Komitees statt, deren Mitglieder ihm durch den Kardinnl Respighi vorgestellt wurden. Auch der Kardinal- Erzbischof von Mailand, welcher mit einer 500 Mann starke» lombardischen Pilgerschaft hier angekommen ist, wohnte dem Empfange bei. Den ganzen Tag über strömten Menschenmaffen nach der Peterskirche, in deren Sakramentskapelle daS Allerheiligste ausgestellt war. Nachmittags hatte die Zahl der in St. Peter Versammelten 30—40 Tausend erreicht. Etwa 300 Fackelträger schritten dem vatikanischen Erzpriester, dem Kardinal Rampolla vorauf, der vom Kapitel, dem Klerus, sowie dem Seminar der Basilika begleitet war. Unter den 22 Kardinälen befand sich auch der deutsche Kardinal Andreas Steir.hu ber, unter den 15 Bischöfen der deutsche Titularerzbischof Zardettt, bekannt- ltch ein geborener Schweizer aus dem Kanton St. Gallen. Der Kardinal-Erzpriester stimmte das Tedeum an, welchem der sakramentale Segen folgte, bei welchem der vatikanische ^Domherr Prinz Croy asststirte.
Am gleichen Tage eröffnete König Viktor Emanuel III. die zweite Session der XXI. Legislaturperiode des italienische» Nationalparlaments. Die Straßenzüge vom Quirinal bis zum Senatkpalaste waren abgesperrt und mit Truppen besetzt. Der Zug des Königs wie der der Königin, welche von der Herzogin von Aosta- Orleans begleitet war, bot einen prächtige» An- blick dar. Die Panzer der königlichen berittenen Leibwache glitzerten in der Sonne und Alles freute sich über diesen herrlichen Anblick. Dies schöne Schauspiel wurde leider bald genug ge- trübt durch das Bekanntwerden der Thron- rede, welche so unglücklich redigirt war, daß sie Niemanden und keine Partei befriedigt hat. Wegen der Erwähnung der EhescheidungSoorlage hatte der Minister der öffentlichen Arbeiten bereits am Vorabende seine Entlassung genomme«. Wegen der merkwürdigen, gerade am Festtage des hl. VaterS und der katholischen Christenheit veröffentlichten Erklärungen betreffs des „Ver- hältniffes zwischen Staat und Kirche" hat Zanar- delli sich die Feindschaft eines größere» Theiles der Italiener zugezogen, als man glaube» sollte. Sein Sturz erfolgte daher noch an demselben Abende. Gegenwärtig hat Italien also wieder einmal eine Ministerkrisir I
Durch verschiedene Zeitungen ist die Mittheilung gegangen, daß' der Kardinal-Staats- sekretär Rampolla das ihm von der „christlich-sozialen Partei" überreichte Memorandum gegen die von der Kongregation der außerordentliche» kirchlichen Angelegenheiten erlassenen „Instruktionen" zurückgewiesen habe. Diese Nachricht beruht auf einem Jrrthum. Der Kardinal hat nichts zurückgewiese», sondern mit dem Unterzeichner des Memorandums, dem Grafen Soderini die Verabredung getroffen, die Ueberreichung noch etwas hinauszuschieben, weil der Moment von Beiden als nicht allzu günstig angesehen würde.
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Bist Du's Biagio? Woher deS Wsges?" ries der Wirth „jum rothe» Gockrl" in der Nähe der italienischen Hauptstadt dem Eintretenden entgegen.
„Bon Viterbo. Endlich habeich meine» Ochsen angebracht", sagte der Angekommene.
„Wie hoch?" fragte der Wirth neugierig und hastig.
„Fünfhundert Lire" (Franken).
„Ei, daS verlohnt einen guten Schluck."
„Dem gehe ich auch nicht aus dem Wege, wie Du siehst."
Bald saßen Wirth und Gast am einsamen Zechtische in traulichem Gespräch beisammen. Der strohnmflochtenen Flasche rothen Oroietoweines sprachen beide beherzt zu. Biagio ist ein rüstiger Bauer, wildbebartet, aber aus seinen braune» Augen spricht eine treuherzige Seele. Das oute Geschäft und der gute Wei» haben ihn gesprächig gemacht. Er will das Geld zur Ausbefferung seiner Oekonomie verwenden und ergeht sich mit sichtlichem Behage» in der Mittheilung seiner mannigfachen Pläne. Der lustige Wirch „zum rothen Gockel" trinkt ihm fleißig zu und beobachtet ihn zwischenhinein lauernd. Endlich muß Biagio aufbrechen. Er bliebe gern noch länger, aber es ist bereits um die Ave-Stunde und er hat noch einen Weg von 9 italienischen Meilen vor sich.
„Also auf Wiedersehen, Vater Beppo!" sagt er zum Wirthr.
„Ei was! Ein Glas vom Besten wird Dir leichte Beine machen. Eia rechter Wirth läßt eine vollgespickte Katze nicht sobald auS dem Hause", meinte der Wirth.
„Gut, aber mache schnell", sagte Biagio.
Der Wirth ging hinaus, die zweite Flasche zu holen. Ein halbunterdrückter Pfiff rief alsbald feine beiden erwachsenen Söhne herbei. Der Alte flüsterte ihnen die Worte zu: „Biagio hat 500 Lire bei fich — er muß seinen Weg durch die Macchia nehmen — ich brauche Euch wohl nicht mehr zu sagen" — und trat dann heiter summend wieder zu seinem Gaste in die Stube. Die neue Flasche wurde schneller geleert als die erste. Biagio war, obgleich Beppo die launigsten Schnurren ausbot, nicht länger zu halte», er griff nach seinem langen Stecken und schritt wohlgemuth der Macchia zu.
Es mochte eine halbe Stunde später sein, als er den Strauchwald betrat. Er war nicht betrunken — der Italiener berauscht fich überhaupt nicht, es sei denn, daß er gleich Noe die Kraft des Rebensaftes noch nicht kennt. Seine Pläne weiter ausspinnend, achtete Biagio wenig des Weges; er war ihn ja schon so oft gegangen.
Plötzlich fühlte er sich von zwei handfesten Kerlen rückwärts gepackt, und eh' ihn noch ein Gedanke von Vertheidigung durchblitzen kann, ist er schon zu Bode» geworfen. Der eine Wegelagerer schnürte ihm mit eiserner Faust die Kehle zu, der andere durchsuchte mit habgierigen Fingern vom Kopf bis zum Fuß seine Kleider. Aber umsonst! Das Geld ist nicht zu finde». In ihrer Erwartung getäuscht, schlagen die beiden Mordbube» mit bestialischer Wuth auf den Unglückliche», so lange er fich noch rühren kann, los, und dann entweichen ste in die Nacht hinein.
Nach anderthalb Stunden schwankte Biagio wieder dem Wirthshause zu, wo er vorher gewesen war. Er hätte noch sechs italienische Meilen nach Hause gehabt, hatte sich daher für den näheren Zufluchtsort entschieden. In der Kneipe war es still, aber noch Licht in der Gaststube. Der Wirth kam ihm mit lebhaftem Erstaunen entgegen:
„Biagio, Du zurück? Hast Du was vergessen? — Um Gotterwillen, wie siehst Du aus!"
„Räuber haben mich überfallen. Lruchte mir ins Bett, .ich bin an allen Gliedern zerschlagen." „Armer! Ich hätte Dich nicht fortlassen sollen. Accidente! .. Ein Glück ist es, daß Du wenigstens mit dem Leben davon gekommen bist!"
„Gott fei Dank, auch meine Batzen sind gerettet ! Es waren Anfänger in ihrer Kunst, hatten nidßt an den Hut gedacht."
,,Desto besser! So bist Du ja verhältnißmäßig noch gut davon gekommen. Hast Du keinen erkannt?"
„Sie hatten ihr Gesicht geschwärzt und gaben keinen Laut von sich. Ich habe keine Ahnung, wer sie find."
Biagio war zu Bette? gebracht, konnte aber nicht schlafen. Die blutunterlaufenen Beulen schmerzten ihn von Viertetstunde zu Vierteistunde mehr. Es war nahe an Mitternacht, da hielt er es nicht mehr länger au«. Er mußte sich Oel verschaffen zur Linderung seiner wunden Flecke. Er wußte Bescheid in dem Hause. In der Zechstube muß sich Oel befinden, die Thür ist nicht verschlossen. Biagio machte sich auf und schlich leise die Stiege herab, um sich, ohne Jemand zu wecken, das Oel zu holen.
Wie erstaunte er aber, als er in dieser Stunde noch in der Stube reden hörte! Kurze Sätze, seltsames Geflüster! Der Vater im Finstern mit feinen Stöhnen allein! Horch!
„Auf Euch kann man fich schon verlaffe». Das Hutuntersutter zu durchsuche» vergesse», das ist zu viel!«
„Aber Vater, wer hätte dem Biagio diese Vorsicht zugetraut? Wir dachten, Ihr hättet ihm das Geld abgeschwatzt, und wir hätten lediglich für den Schein zu sorgen."
„Das Beste ist npch, daß er Euch nicht erkannt hat; er ist zurückgekehrt."