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29. Jahrgang.

Iutöa, Freitag, den 28. Februar 1902.

err

Der Wäter Schuld

3&r die Ketaltion 3ef. »«IM. für Inserat« X Parzelle» iw Allda.

treteven Pfade ab reichen, oder aber er verletzt seine I Pflichten als Vertreter des Volkes. Von irgend Welchen Gegenbeweise» durch die Regierungs­vertreter ist aber bisher noch nicht eine Spur | u bemerken gewesen! Denn das ist kein Be- | weis, wenn man sagt, mit den Gttreidezöllen res Kompromiß antragrs ließen stch keine Handels­verträge abschltrßen. Erstens steht hier Meinung i yegen Meinung: die Mehrheit des Reichstages

at die entgegengesetzte Anschauung von der i Sache; und was beispielsweise von dem Gersten- oll und von Oesterreich-Ungarn behauptet wird, laß nämlich mit dem Gerstenzolle des Kompro- mißantrages mit Oesterreich Ungarn ein Handels­vertrag nicht ausführbar sein würde, trifft aller j Wahrscheinlichkeit nach nicht zu. Zweitens handelt es stch — zum tausendstenmal sei eS zesagt! — in erster Reihe nicht um den Ab- \ chluß der Handelsverträge, sondern um die j Wohlfahrt des Deutschen Reiches und seiner i Bewohner. Die deutschen Jaterrffen stehen an erster Stelle; an zweiter Stelle steht daS Ent­gegenkommen gegen das Ausland. Wer andere Politik treibt, verfährt nicht nach dem Rezepte deS Reichskanzlers Grafen Bülow von der' „Heimotbspoliti!"; oder aber der Kanzler wüßte | dieses Wort gebraucht haben, ohne cs redlich | und überzruguniZtreu damit zu meinen, und es liegt nicht der geringste Grund zu der Annahme vor, daß Reichskanzler Graf Bülow es anders meinen könnte, als er sagt. Immerhin ist es sehr zu bedauern, daß der Reichskanzler nicht selbst in der Zolltarifkommisston deS Reichstages dieser seine Anschauungen klar gelegt hat.

Diejenigen Abgeordneten im Reichetage, die im swohl »erstandenen Interesse unseres deutschen Vaterlandes nicht dulden wollen, daß unsere deutsche Landwirthschast sich langsam, aber sicher verblute, daß namentlich unser kerniger Bauernstand der allmähligen Vernichtung preugezeben werde, sind durch den Kompromißantrag den Standpunkten der Regierung sehr weit entgegengekommen, so wert, daß ein Theil von ihnen schon nicht mehr mitthat — man denke zum Beweise deffen an den Abgeord­neten Dr. Heim vom Centrum I Da die Ver­bündeten Regierungen aber mit unbegreiflichem Starrsinn jeder, aber auch jeder Entgegenkommen ablehnen und mit hochmüthiger Verschlossenheit alle Beweismittel der Reichstagrmehrheit zurück­weisen, tragen sie nun auch ganz allein die Ver­antwortung für alle», was Nachkommen wird!

all' dieser Mensche» sagt es laut genug, daß heute Kirmeß ist im Dorfe, Herbstkirmeß, gleich- bedeutend mit de« Erntefeste, daS man in andere» Gegenden Deutschlands feiert.

Ohne Tanz geht eS dabei nicht ab. Ein löblicher Uebereinkommen unter den Wirthen, die hinter ihrem Haufe Platz zum Aufschlagen deS TanzzelteS haben, regelt die Konkurrenz um die Groschen der Tanzlustigen in einfacher Weise dadurch, daß abwechselnd bei jedem der Vier die Tanzmusiken zur Kirmeß stattfiaden, eine Ein- richtung, die «an mit Fug und Recht ein Tanz­musik-Syndikat nennen könnte.

Wo heute Gelegenheit ist, das Tanzbein zu schwingen, merkt man zunächst an dem Strom der jungen Leute, der sich dorthin zieht, nachdem der kurze NachmittagSgotteadienst zu Ende ist.

Kaum ist der letzte To» des Schlußgeläutes verklungen, al» auch schon die Musik anhebt, eine Kapelle von Dilettanten au« dem nahen Waren­dorf, nicht besser aber auch nicht schlechter, al- derartige Musikkapellen in der Regel sein können.

Da» junge Volk stand schon, wie man zu sagen pflegt, auf dem Sprunge; die ersten Takte de» Walzers lockten der Tänzer so viele heran, daß von einem geregelten Tanze keine Rede mehr sein konnte, sondern jede- Paar hüpfte dahin, wo stch ihm eben et» freies Plätzchen zeigte, um im nächsten Augenblicke auch schon mit einem andern Paare zusammenzustoßen, da« die gleiche Absicht dorthin geführt hatte.

So mochte man sich schon eine Stunde ver­gnügt haben, selbst stoßend und gestoßen werdend, als mit einem Male eine seltsame Bewegung durch

wandelte.

Daß Jopp und Stephanie Geschwrster waren, mußte man auf den ersten Blick erkennen. Das Rabenhaar, die Erscheinung be» Bruder» in seiner Unordnung unvorthetlhaft beeinflussend, diente bei dem Mädchen dazu, in schweren Flechten um den,«»------- --

Kopf gelegt und in leichten Löckchen auf die Stirne dtlduug zu geben, die sie doch noch über die fallend, den reinen, durchsichtigen Teint zu heben! Dienstboten stellen sollte, Was eine jungt Darnr,

zeichnet ist von K. Umlauf, Vorsitzender des Turn­vereins Apolda. Die Schriftleitung der genann­ten Zeitung fügt dem Titel in ciner Fußnote bei: „Der Vortragende erscheint im Mönchsgewande und bringt die Predigt ausdrucksvoll zum Vor­trag Die.Deutsche Turnztg/ führt auf

ihrem Titel die Bezeichnung .Amtsblatt der deut­schen Turnerschaft'. Nun gehören zur deutschen Turnerschaft aber auch Katholiken, und in katho­lischen Gegenden bilden diese wohl den größten Theil der dort bestehenden Turnvereine. Dem Artikelichreiber, sowie der Schriftleitung scheint diese Thatsache unbekannt zu sein, denn sonst würden sie eine solche Taktlosizkeit nicht begangen hrben. Oder denkt man, den katholischen Tur­nern Alles biete» zu dürfen? Schreiber dieser Zeilen ist sicher keinFeind der Turnerei; derselbe kennt Turnvereine mit nur katholischen Mitglie-

Flecke habt!

X Ate Keuteumsfrastttoe» des Ileichs- t«|e$ hält heute (Donnerstag) Abends 71/» Uhr wiederum eine Sitzung ab.

-s- Dee Aleichvtag hat am heutigen Donners­tag zwei Sitzungen anstatt einer abgehalten. Al» nämlich im Anfänge der Sitzung beschlossen werden sollte, über die Wahl des nationalliberalen Abg. Prietze E hebungen anzustellen, bezweifelte sein Parteigenosse Bassermann die Beschlußfähigkeit be« Hause». Von einer Beschlußfähigkeit war keine Rede. So mußte der Präsident die Sitzung schließen und eine neue Sitzung anberaumen, die eine halbe Stunde später begann und sich mit Petitionen beschäftigte. Von diesen ist nament­lich eine Petition zu erwähnen, die um Ver-

und recht zur Geltung zu brrngen. Alle» wat in len Zügen Jopps auf Verschlagenheit und Nied- rigkeft beultte, etwa», das ihn den reisenden Savoyarden ähnlich machte, war bei der Schwester durch da» schönste Ebenmaß, die niedlichsten Formen, gleichsam veredelt durck eines großen Künstler« Hand, ausgezeichnet. Nur eines war bei den Ge­schwistern gleich, die unergründlichen Augen, die in der Ruhe so träumerisch unter den langen Wimpern hervorsehen, sobald aber irgend etwa» wahrzunehmen war, so lebhaft blitzen und gewiß auch bei der Schwester wie beim Bruder lerden- fchaftlich ausflammend flackern konnten.

„Sieh, die Stephanie!" „Seit Jahre» wat sie nicht mehr hier 1" „Wie schön sie ist und wie ein sie thut!" So und ähnlich lauteten die Ur- theile und Redensarten auS dem Munde der Dorfschöne», die in der Mehrzahl an ihre Plätze zurückgekehrt waren, um die Angekommene in aller Ruhe bewundern zu könne».

Die Mädchen hatten recht: Seit Jahren war Stephanie nicht mehr in ihrem Hetmathsdorse gewesen. Dieses Kind hatte seinem Bat«, ze mehr eS sich mit den Jahren zum Ebenbrlde der verstorbenen Mutter entwickelte, eine Art Ehr­furcht eingeflößt, die ihn hinderte, es so rauh wie den Bruder aufwachsen zu lassen, oder ihm aar noch Anleitung zur Verehrung zu geben. MU dem 8. Jahre hatte er das Mädchen einem Kloster übergeben, wo er es bis zur Vollendung der Schulpflicht erziehen ließ. Da feine Mittel nicht reichten, die Kosten einer feineren Erziehung I zu decken, suchte er dem Mädchen eine Aus-

g Die Erfolge der Regierungs- Politik.

Als unbegreiflich hat der Centrums-Abgcord. nete Dr. Spahn am vergangenen Mittwoch in ’ der Zolltarif - Kommission des Reichstages die i Politik der Regierung bezeichnet, als unbegreiflich . und gleichzeitig auch als verfaffungZwidrig.

Die Politik der Regierung ist vollkommen un- begreiflich. Waö hat sie damit erreicht? Sie ( hat die Freistnn.igcn und die Sozialdemokraten niemals für sich gehabt, und nun hat sie die zoll- | schutzfreundliche Mehrheit beS Reichstages mit einer solchen Rücksichtslosigkeit und UnliebenS- , Würdigkeit behandelt, daß sie auch diese gegen sich hat. Ihre garz» Stütze besteht in der Zoll- tarif-Kommffsion aus 3 Nationalliberalen Stim- - mm unter 28 Stimmen insgesammt. Nicht ein- L mal die ganze nationalliberale Partei steht hinter - der Regierung, wie man ja längst weiß, und wie ) man wiederum deutlich daraus ersehen kann, daß s der nationalliberale Abgeordnete Sieg am Mitt- woch gegen die Regierung und für den Kompro- Ü miß-Antrag Herold-Graf Schwerin stimmte. Die I; Grundlage der Rrgiernngs-Politik besteht also in / einem Theile der altersschwachen und in allen - ihren Fugen krachenden nationalliberalen Partei ; — in der That vollkommen unbegreiflich!

Im Namen des CrntrumS hat Abgeord- mter Dr. Spahn den festen Entschluß desselben ' bekundet, an dem Krompromiß festzuhalten. Die Konservativen aber werden nach der Er- klärung des Grafen von Schwerin-Löwitz gegen den ganzen Zolltarif stimmen, wenn die Regie- y tung bei bet Ablehnung des Kompromißvor­schlages beharrt. Die Zollpolitik der Regierung I schwebt also vollkommen in der Luft!

Die Politik der Regierung widerspricht aber Z auch der Verfassung deS Reiches, denn sie ver­trägt sich nicht mit dem verfassungsmäßigen r Verhältnisse zwischen Bundesrath und ReichS- \ tag. Der BundeSrath hat doch nicht einfach vorzuschreiben und der Reichstag nicht ohne weiteres zu gehorchen. ES handelt sich hier um eine außerordentlich wichtige volkSwirth- fchaftliche Frage, nicht um eine Machtfrage zwischen Bundesrath und Reichstag. Dieser Letztere würde sich geradezu einer schnöben Pflichtverletzung schuldig machen, wenn er leicht­herzig ja zu den Forderungen deS BundeSrathes sagt, obwohl er in seiner Mehrheit fest davon überzeugt ist, daß er damit gegen sein besseres Wissen und gegen den Willen der überwiegenden . Mehrheit der Wähl-r handelt. Für die Ver- tretet des Volkes ist es unerläßliche Pflicht, nach ihrer besten Ueberzeugung die Wahrheit zu vertreten und hoch zu halten, mögen nun Andere, mag der Bundesrath dagegen sagen, was nur immer gesagt werden kann, 6o lange nickt der Beweis erbracht ist dafür, daß die Dinge wirklich anders sich verhalten, darf der Volksvertreter gar nicht von dem be-

G Die deutschen Katholiken in Oesterreich find schon unzählbar oft verlästert worden als Verräther des DeutschthumS, denen jeder Pole oder Tscheche lieber sei alS zehn Deutsche, die auf das Deutsche Reich mit mißgünstigen Blicken sehen und aller Andere lieber sehen sollen, al« eine kräftige deutsche Politik und ein starker Deutschihum in Oesterreich. Namentlich der katholische Abg. Kathrein hat dieser ganze Schimpf- und Lästerregifler der Schönerer. Wolf und Genoffen über sich ergehen laffen müsse», al» er zur Zeit der Obstruktion dieser Maul­helden am Präfidententische des österreichischen

Abgeordnetenhauses faß. Auch in diesen Tagen haben die Alldeutschen wieder ähnliche Ver- bachtigungen gegen die deutschen Katholiken in Oesterreich geschleudert; da hat sich letzten Mitt- woch ein Führer des österreichischen Centrums, derselbe Abg. Dr. Kathrein. zu einer kräftigen Abwehr dieser elenden Verdächtigungen erhoben: er erklärte den Vorwurf des Mangels an Deutsch- thum und au Sympathieen für Deutschland und de» , deutschen (Seift für vollkommen unberechtigt. Mit regem Interesse verfolgen die deutschen Katholiken in Oesterrerch die geistigen Bestrebungen Deutschlands. Sympathisch begrüßen sie de» Deutschen Kaiser, den Bundesgenossen Oester- reichs und den Freund des Kaisers Franz Joseph. Aber nun zog Dr. Kathrein die Grenzlinie zwischen ihm und seinen Freunden auf der einen und den Alldeutschen und Ge- I »offen auf der andern Seite. Diese Letzteren i machen kein Hehl daraus, daß sie für Oesterreich und seine Machtstellung nichts mehr übrig haben. Mag auch Oesterreich z« Grunde gehe», so werden die Alldeutschen keinen Kummer darüber empfinden. Im wohllhuenden Gegen­satz? dazu kennzeichnete Dr. Kathrein die । Stellung seiner Grsimmngsgenoffen in folgender Weise: „Uns Deutschen in Oesterreich hat dir Geschichte unsere Stellung angewiesen an der Seite des Thrones der Habsburger. Hier stehen wir, treu und fest geschaart um unser» Kaiser, den wir alle liebe» .und innig verehren. Wir wollen vereint mit allen übrigen BolkSstämmen deS großen Reiches mit deutscher Kraft ein­treten für Oesterreichs Ansehen und Oesterreichs Machtstellung.

Das ist ein Wort zur rechte» Zeit. Die Tschechen schielen mit einem Auge nach der Seine, mit dem andern nach der Newa, sie wollen loS von Oesterreich, sie begehren ein eigner Könlgthum unter der Wenzelskrone. Die Polen haben schon mehr als einmal be­wiesen, daß ihnen eigene Vortheile wichtiger find, als die großen Interessen Oesterreichs; und daß die Alldeutschen die allerschlechtesten Österreicher find, die man sich nur denken kann, weiß die Welt. Unter solchen Umständen bilden gerade die deutschen Katholiken in Oester­reich den festen Ker», den Krystallisationspunkt, die Grundlage, auf bet allein die österreichische Regierung dauernd einen feste» Stützpunkt findet. Leider hat ste diese Thatsache bisher noch immer nicht hoch genug etngeschätzt, und wir wollen dem benachbarten Freundeslande es auch nicht wünschen, daß schwere Nothlagen kommen, in denen diese Thatsache erst recht deutlich hervortritt. Aber die österreichische Regierung muß deutsch und muß katholisch fein; sonst wird sie bald merken, daß der Grund unter ihr i«S Wanken geräth!

der», denen von weltlicher, sowie von kirchlicher Seite nut ein gutes Zrugniß ausgestellt werden kann. Wie wird stch nun aber die katholische Geistlichkeit dem bett. Artikel tesp. dem Amtsblatt der deutschen Turnerschaft gegenüberstellen? Bor längerer Zeit lasen wir in einem turnerischen Fachblatte einen Artikel, in dem über die Ab- Neigung der katholischen Geistlichkeit dem Turnen gegenüber Klage geführt wird. Dem Schreibet jenes Artikels können wir nur empfehlen, einmal im eigenen Lager Umschau zu halten, vielleicht findet er ba heraus, wo der Grund der Abnei­gung seinen Ursprung hat. Wünscht Herr Um­lauf ober die Schriftleitung der Deutschen Turn- zeitung' den Turnern bet einer Fastnachts-Kneipe eine Belehrung zu ertheilen, so mögen ste sich der Figur eines Hanswurstes ober einer ander» be­diene», ein Mönchsgewand gehört nicht zu solchen Zwecken auf die Bühne, am wenigsten in den Fastnachts-Tagen. Pflicht eines jeden Katholiken ist es, gegen Profamrung der Sitten und Ge­bräuche des katholischen Mönchslebens ein ernster Wort zu sprechen. Nehmen wir an, Herr Um­lauf sei Protestant. Was würde bet gute $r~- fegen, wenn die katholischen Turner in der .Deut­schen Turnzeitung' einen Vortrag zum Abdruck brächten, bei dem der Vortragende in der Tracht eines protestantischen Predigers mit Talar und Bäffchen erschiene? Würden er und seine Glau- brnsgenossen nicht in hellem Zorn auffahren? Was derr Protestanten recht ist. ist den Katholiken billig. — Katholische Turner! Die Augen auf! Zeigt, daß ihr nicht nur patriotisch, sondern auch katholisch seid und das Herz auf dem rechten

mit Nnterhaktungs-Beilage ^Zssustrirte Sormtags-Zeitung" - "petCTKaS« [IMruieiil*

Deutsches Keich«

Berlin, 27. Februar 1902.

* Kapuziner - predigt rrud Aast» acht,- Kneipe. Großes Aergerniß erregt ein Artikel der »Deutschen Turnztg.' vom 30. Januar d. I., welcher betitelt ist: „Kapuziner-Predigt für eine Fastnachts - Kneipe in Turnvereinen" und unter- die Reihen der sich um da» Tanzzelt drängenden Paare ging.

„Stephanie Kemper!" hieß das Zauberwort, da« diese Bewegung hervorgebracht. Die Trägerin diese» Namen» war eben mit ihrem Bruder, den wir als den schwarzen Jopp kennen, auf dem Rasen beim Tanzzelt erschienen und hatte nach kurzer Umschau einen Platz mitten unter den Reihen der herumstehenden Tische und Stühle gewählt. Ohne wettere» tauschte Jopp den einfachen Holzstuhl, der am Platze seiner Schwester stand, gegen einen Rohrstuhl um, der nahe dabei umgelegt war, zum Zeichen, daß er besetzt fei. Dann bestellte er eine Flasche Wein, ebenfalls eine Ausnahme von bet Regel, denn es war Sitte, baß man erst nach dem Abendessen zum Weintrinken überging.

Mit der Würde einer Prinzessin nahm Stephan' e Platz; nichts Gesuchte« wer in ihrem Benehmen, die Achtung, welche ihr der Bruder erzeigte, schien in der That ungekünstelt, nicht das Produkt des Stolzes zu fein, den er wegen feiner schönen Schwester wohl hätte hegen können.

Ja, diese» Mädchen war schön, und wenn sie, wie ihr Vater behauptete, da» Ebenbild der ver­storbenen Mutter war, bann konnte man begreifen, daß sich der alte Kemper von seinem Weibe hatte auf die Abwege drängen lassen, die jetzt sein Sohn

Original-Roman von Fr. Collet.

------ (Nachdruck verboten.)

2. Kapitel.

Brennende Liebe.

W»S mau nicht kann hassen n nb »och weniger lass m, O Herz, da ist kein Mittel geblieben Al» «S von ganzer Seele zu lieben.

Friedrich Rückert.

Einmal im Jahre muß in de» Städtchen und Dörfern Rheinlands unnd Westfalens Kirmeß gefeiert werden, eine Eigenart, die jene Ort­schaften mit denjenigen Hollands gemeinsam habe», wo auch die Bevölkerung glaubt, es ginge nicht mit rechten Dingen zu, wenn ihr nicht ein­mal im Jahre Gelegenheit geboten wird, sich gründlich auszutoben. Man kann den Leuten dieses Vergnügen wohl gönnen, geht eS doch dabei im Großen und Ganzen nicht so schlimm her, wie bei den prunkhaften Festen der Groß­stätte, die wohl den Pessimisten mehr Grund zur Klage geben, als die Bauernkirmeß mit ihrem Tanz und Gelage.

In Ostbevern ist heute auch Kirmeß. Wer «S nicht wissen sollte, dem zeigt es daS weithin schallende Getön der Karussell-Instrumente an, die während des ganzen TageS mit bewunderns- werther Ausdauer gequält werden. Die Fahnen, au» dentzDachluken der vielen WirthShäuser her- «uSwinkend, das Leben und Treiben von Kindern und Erwachsenen vor den Buden, die auf dem Kirchplatze aufgestellt find, die fröhliche Stimmung

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