FuidaerMZeitung
29. Jahrgang.
IuLöa, Dienstag, den 25. Februar 1902.
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Die Pflichten der höheren Stände auf sozialem und charitativem Gebiet.
(Rede des Rechtsanwalt Jnstizrath Earl Trimborn ,on Köln am Rhein auf dem Eharitastag zu Aachen am 17. Juli 1901.)
«Schluß.)
Aber nun die Hauptfrucht dieser von sozialem und charitativem Geiste durchdrungenen häuslichen Erziehung im Frauen- und Mannesalter: da reifen die herrlichsten Früchte dieses Geistes. Die Frau, sie ist im Elisabethenverein eine ganz respektable Figur (Heiterkeit) und die Frau, sie weiß Rath, Mittel und Hilfe, sie ist im Zuge und wirkt segensreich im Vereine. Sie geht an die charitative Aus- künftsstelle in Essen oder sonstwo, wenn sie sich nicht zu helfen weiß; im äußersten Falle belästigt sie sogar in ihrer Kühnheit, die ich aber nur loben kann, den Herrn Dr. Werthmann mit einem zudringlichen Briefe um Auskunft (Heiterkeit). Und im Mütterverein — ja, eine Frau, die in ihrem Hause von dem richtigen sozialen und charitativen Geiste durchdrungen ist, die kann auch im Mütterverein mal eine neue Saite anschlagen. Ich bin nie im Mütterverein gewesen, — aus naheliegenden Gründen nicht (Heiterkeit), aber ich glaube nicht zu viel zu behaupten, wenn ich sage, daß man in den Müttervereinen bisher noch keine Vorträge gehalten hat über die charitative und soziale Ausbildung der Töchter und der Kinder. Das kann eine solche Frau, die selbst in diesem Geiste im Eltern- Hause erzogen worden ist, in ihrem Mütterverein an- regen und kann selbst die richtigen Fingerzeige dafür angeben.
Und dann, wenn sie nicht Mutter werden, wenn sie in einen klösterlichen Beruf eintreten, wenn sie un- ä>erheirathet bleiben sollte, ach, wie nützlich kann sie sich doch machen! Ich könnte vom Ladnerinnenverein reden, vom Verein weiblicher Angestellter; ich will nur auf die höchste Potenz der Thätigkeit Hinweisen, auf die Bethätigung im Mädchenschutz und in der Bahnhofsmission. Ich darf über dieses Thema nicht weiter reden; es ist mir das verboten worden, und ich enthalte mich, ich folge derartigen Verboten (Große Heiterkeit), die von so autoritativer Stelle kommen (Erneute stürmische Heiterkeit), aber an das eine will ich doch erinnern, daß neulich ein geistlicher Herr in Köln die Damen der Bahnhofsmission bezeichnet hat als die ritterlichen Damen mit dem Dragonerherzen Eeiterkett und Beifall). Meine verehrten Damen und Herren, ist das kein Ehrentitel? Und solche Damen werden nur in Häusern erzogen, durch die ein d)<m- tattoer und sozialer christlicher Geist weht! (Lebhafter Beifall.)
Und nun der Mann; der Mann, der also sein Examen bestanden hat, der angestellt ist als Amtsrichter oder sonstwie und der infolgedessen dem Vin- cenzvereine entrückt ist, dieser junge Herr, der sich bisher im Jugendalter mir in charitativer Beziehung be- thättgt hat, was macht der als Mann? Er ist eben ein ganzer Mann geworden, er hat dem Bincenz- b«ein mit Einsicht und mit Umsicht angehört, und infolgedessen hat er die Charitas-Zeitschrift zum Theil m sich ausgenommen. Er hat sich aber auch in sozialen Dingen umgesehen und er kennt die Flug- schnften und Zeitschriften des Volksvereins für das katholische Deutschland. Ein solcher Mann sieht natür- «ch ein, wie wichtig soziale Vereine sind und er sagt och auch, daß in solche Vereine hauptsächlich und in erster Linie der Mann gehört, da zur Leitung und b*cftr Dreine die volle ausgereifte Einsicht und Willenskraft des Mannes erforderlich ist. Der -Rann gehört also in erster Linie in die sozialen Vergne und mit sozialen Verhältnissen beschäftigt er sich. . wgt sich, daß die Bedeutung dieser Vereine in «nem Punkte besteht, in einem einzigen, aber sehr wesentlichen Punkte: der Mann, der überall die für . ?* ""d charitativen Dinge offenen Auges ver- wlgr hat, er weiß, daß der Kernpunkt der sozialen orage heutigentags nur ein einziger ist, nämlich die medern Stände, die untern Klassen der Gesellschaft allmählich m die Höhe zu hebe», auf daß sie in Mmer größerem Blaße auch ihrerseits an den Kultur- Iurem der Zeit theilnehmen können. Diese allmähliche Pebung bald dieser, bald jener Schicht der Bevölke- ^abei denke ich an eine Hebung nicht nur im «aleriellen Sinne, nein, in erster Linie im sittlich- uglvsen Sinne und auch in geistiger Beziehung —
M, was wir Fortschritt in der Kultur nennen e? schließlich dazu führen muß, daß der vierte relativ im Großen und Ganzen gleichmäßig
,tt dritte Stand, an den Gütern der Civilisation y Unimmt, Das ist die einzige Lösung der sozialen eine andere gibt es nicht; eine Lösung, die mit k ""d die auch vor allen Dingen mit hundert- " Don deinen Mitteln betrieben werden muß.
verchrten Damen und Herren! Zu der Lyn Kraftmaschine, die allmählich, ganz langsam, «ton»« • tOk bald dieser Schicht, bald jener Schicht tonra?.l“ die Höhe hebt; zu dieser gewaltigen Krast- ihr. lnc'r dazu gehören die sozialen Vereine, das ist e Aufgabe. Um Ihnen das noch klarer und so»»r,.machen, will ich aus der Wirksamkeit der ^k?" Vereine nur einen Punkt herausgreifen, daS
: • daß sie — um mal bei den Arbeitervereinen ^chen zu bleiben, — unsere Arbeiter be- WerblLÜ, ^ulen, die Posten einzunehmen im Ge- «lm ^cht, in den Krankenkaffen, im Schiedsgericht filif ?ie Arbeiter so befähigt werden für so kommen sie allmählich auch im btrger-
Zweites Matt.
lichen Leben weiter. Man wählt sie zum Kirchenvorstand, man wählt, wie bei uns in Köln geschehen ist, Arbeiter in das Stadtverorduetenkollegium, und so werden sie eine Elite von Arbeitern, die über die anderen hinausragen. Das sind zunächst nur vielleicht hundert, die so durch unsere Vereine erzogen werden; diese hundert ziehen aber tausende nach sich, und diese tausende ziehen im Laufe der Jahre hunderttausende nach sich und so wird allmählich das Niveau des ganzen Standes gehoben. Sehen Sie, das ist die Bedeutung unserer sozialen Vereine, wie sie sich im Sinne und Geiste eines aufgeklärten thatkräftigen Mannes widerspiegelt.
Wer eine solche Auffassung (der sozialen Vereine mit ins ManneSalter hinüberbringt, der betheiligt sich auch an der Arbeit dieser Vereine. Wenn er Jurist ist, hilft er aus mit seinen Rechtskenntnissen; wenn er Arzt ist, hält er Vorträge über ärztliche Hygiene und über die Volksgesundheit und Gott weiß was alles!; er ist der beste Berather der Krankenkassen, und wenn er Lehrer ist, so ist er der beste und liebenswürdigste Helfer in allen Nöthen für den Präses.
Ach, wenn der Mann bescheiden ist, findet er immer Wege, sich einem solchen Verein dienstbar zu machen, und was die Hauptsache ist, er schätzt die Arbeit dieses Vereins, er schätzt die Arbeit des Präses und wenn er dem Präses nicht helfen kann, dann zeigt er ihm wenigstens, daß er seine Arbeit achtet uno ehrt, und daS ist schon viel. Wie viele Präsides haben mir schon geklagt, daß sie am allermeisten leiden unter dem Druck der Interesselosigkeit der höheren Stände. Wenn dieser Druck einmal gesprengt wird, wenn bald dieser bald jener intelligente junge Mann bei einem Feste erscheint und dem Präses sagt: Sie haben eine schöne, verdiente Arbeit geleistet, die ganze Bürgerschaft muß das anerkennen, dann, meine verehrten Damen und Herren, arbeitet ein solcher Präses ganz anders und mit einem solchen kleinen Wort hat man oft schon großen Segen gestiftet. Und wie, wenn es nun gar ein Beamter ist, wir Deutsche sind nun mal so angelegt, daß die Worte eines Beamten für uns eine ganz besondere Bedeutung haben (Heiterkeit), und je höher der Beamte, umsomehr Bedeutung haben sie, wie viel Segen kann er stiften nur durch diese freundliche Theilnahme. In diesem Geiste und in dieser Arbeit unterstützt der reif gewordene Mann die soziale Thätigkeit unserer Vereine.
Ich bin am Ende — nicht mit meiner Lunge, die kannS noch aushalten (Heiterkeit), auch nicht mit meiner Begeisterung für die soziale Sache (Beifall), — aber ich bin am Ende mit meiner Darlegung eines in sozial-politischem, charitativ-christlichem Geiste hingebrachten Lebens, das ich an ihrem geistigen Auge habe vorüberziehen lassen. Sie bietet, denke ich, ein schönes, ein ideales Bild. Bon einem solchen Leben, wenn es so abgeschlossen ist in Sorge und in Arbeit, wie es begonnen und fortgeführt, von einem solchen Leben kann man sagen: es ist ein köstliches, ein segensreiches Leben gewesen. Von einem Manne, der so gelebt hat, der auch nach Außen hin seine Pflicht gethan hat, der Gesellschaft gegenüber, auch auf charitativem und sozialem Gebiete thätig gewesen ist, von ihm kann man das Wort des Heilandes sagen: bene- ficiendo transiit — Wohlthaten spendend ging er durch's Leben; ein solcher Mann, das ist ein guter Mann.
Ach, wie viel Mißbrauch wird nicht mit dem Worte „es war ein guter Mann" getrieben, namentlich wenn man hinter dem Todtenwagen geht, wo es ja verzeihlich und erklärlich. Ach, meine verehrten Damen und Herren, ein guter Mann ist nur der, der auch seine Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwesen erfüllt und gegenüber der Gesellschaft, der auch seine charitattven und sozialen Verpflichtungen erfüllt, das hat Niemand anders gesagt als der hl. Thomas von Aquino, und nur einem solchen Manne gebührt der Ehrentttel, den wir so oft auf dem Todtenzettel lesen „guter Mann"; nur ihm gebührt er. Er soll unser Ideal sein, und mit diesem Ideal wollen wir von dieser Stelle scheiden. Aber wenn wir das Ideal Heimtragen, dann kommen Stunden der Schwäche, Stunden der Ernüchterung; wer weiß das nicht in den häuslichen Sorgen. Ach, meine verehrten Damen und Herren, ich schmeichle mir nicht, daß es mir gelungen ist, dieses Ideal so tief in Ihre Herzen gegraben zu haben, daß es allzulange in frischer Farbe dort haften bleiben wird; nein, dazu reicht meine schwache, nüchterne Beredtsamkeit nicht aus, und deshalb als prattischer Mann möchte ich nicht unterlassen, im Gefühl meiner eigenen Unzulänglichkeit und Schwäche, Ihnen noch einen guten, einen praktischen Rath hier von diesem Charitastage auf den Weg zu geben.
Wie erhalten wir die christlich-soziale Begeisterung und den christlich-sozialen Sinn, das christlich-soziale Gewissen scharf und wach in unserm Innern? Die Antwort gibt Ihnen der Festredner — der Leichenredner, der seinerzeit den Vater K olp in g beerdigt hat. Gestern hat man auf die glänzende charitative Figur der Franziska Schervier hingewisien, die bervorgebracht zu haben der ewige Ruhm der ohnehin schon so ruhmreichen Stadt Aachen ist. Aber wir Kölner haben auch in unfern Mauern eine große soziale Figur, ein herrliches Beispiel sozialer Thätigkeit, das wir der Franziska Schervieu in gewissem Sinne an die Seite stellen können. Sie wissen, wir Kölner können es nun mal nicht vertragen, daß die Aachener uns den Rang ablaufen (Heiterkeit). Als dieser große Begründer der Gesellenvereine, des ersten großen sozialen Vereins im deutschen Vaterlande, auf der Todten- bahre lag, da frug der Leiche»redner: Was hat den Mann hochgehalten in all den Bitternissen, in all den Enttäuschungen, was hat ihn diese soziale Idee faffen lassen, was hat sie ihn verfolgen lassen bis ans Ende seiner Tage, bis zum letzten Hauch seines Athemzngs? Das war der Umstand, daß er alle Tage seine Liebe
zum gedrückten, armen Volke an dem Herzen desjenigen erneuert, der selber sein Blut und Leben für fein Volk hingegeben hat. Diesem Beispiel müssen wir folgen, dann werden wir auf charitativem, sozialen Gebiete nicht erlahmen; nein, wir werden Fortschritte machen, wir werden siegen! (Stürniischer, langanhaltender Beifall.)
)(Aus den Fastenhirtenbriefen der deutschen Bischöse.
Der Hoch». Herr Bischof von Trier, Dr. Michael Felix Äoium, behandelt in feinem diesjährige» Fastenhirtenbriefe folgende Fragen:
1. Welche Stellung muß und wird die Kirche nach ihrer Lehre den religiösen Bestrebungen der heutigen Welt gegenüber einnehmen?
2. Welche Pflichten legt die Stellungnahme der Kirche ihren Kindern aus?
Wir entnehmen dem Hirtenbriefe folgende Stellen:
ES gibt gewisse Worte, geliebte Diözesanen, die zu jeder Zeit einen unwiderstehlichen Zauber aus Geist und Herz ausüben. Freiheit, moderne Kultur, Fortschritt und Resultate der Wissenschaft gehören zu diesen versührerische« Aus- drücken. Prüft man indeß den eigentlichen Gin« dieser Worte, so erweisen fir sich als schillernde Farben, die je nach dem Standpunkte deS Beschauers in verschiedenem Glanze leuchten. Bei solcher Sachlage dürfte man nie zu einer Verständigung gelangen, ohne zuvor de» von beiden Seite» angenommene« Sinn festgestellt zu haben.
Die modernen Ideen, die sich aus Religion und Offenbarung beziehen, bekämpfe» den alte« Glau- ben und die Einrichtungen der katholischen Kirch« im Namen der Vernunft und ihrer unbeschränkte« Rechte, tm Name« der Freiheit u«d deS noth- wendtgen Fortschrittes der christlichen Bildung, im Namen der Wiffenschaft und ihrer großartige« Entdeckunge«. All« Angriffe zielen mehr oder weniger darauf hin, die Kirche ihre- übernatürlichen Charakters zu entkleiden, dem göttliche« Schatz ihrer Heilswahrheite« keine« höhere» Werth beizulege«, als den wechselnden menschliche» Lehren, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden und wieder verschwunden find. Die heiligste» Wahr- heite» unseres Glaubens, das Dasein eines versöhnlichen Gottes, die Erschaffung der Well und deS Menschen, daS Seheimniß der Dreifaltigkeit, der Menschwerdung des Sohnes Gottes, die Erhebung des Menschen zum übernatürlichen Leben, werden geleugnet oder doch so umgedeutet und verflacht, daß fie als bildliche Darstellung«» natürlicher Wahrheit«« erscheinen. Auf diese Weise werden sie zeitgemäß und stehen «icht mehr t» Wider- spruch,'mit den Behauptungen der modernen Weis- heit; so schwindet endlich der hundertjährige Zwist mit der katholischen Kirche; die fortschreitende Kultur u«d die moderne Welt können fich mit ihr versöhnen.
Auf dieser Grundlage, geliebte Diözesanen, daS wisset ihr alle, kann unmöglich Friede mit der modernen Welt geschloffen werden. Unser Glaube beruht «icht auf menschliche« Errungenschaften, es ist teilte Frucht fortschreitender Kultur, er beruht auf Gotteswort, es ist unS durch Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn SotteS, vom Himmel gebracht worden. Im Laufe der Jahrhunderte wird die Kirche in ihren äußere« Einrichtungen manchem Wandel ausgesetzt sei» — in ihrem Glaube« aber und in ihrem innersten Wesen bleibt fie stets dieselbe, »eil fie für alle Zeiten und für alle Völker gestiftet ist, weil göttliche Kraft fort und fort in ihre« Adern pulsirt.
Wieviele haben die Kirche bekämpft und find zu Grunde gegangen! Dari» besteht ihre Größe: aus de« Kampfe, aus den Nachstellungen geht fie als Siegeri« hervor; wird sie mtt Schmach bedeckt, so wächst ihr Glanz, de» Wunden erliegt fie nicht, der Ansturm der Fluthen richtet fie nicht zu Grunde, in den Stürmen leidet sie nie Schiffbruch, sie kämpft und ringt, und wird nicht überwunden, nicht besiegt.
Weil die Kirche inmitten dieser Anfechtungen und Stürme immer dieselbe bleibt, weil fie von Anfang an die Fülle der Offenbarung erhalten hat, so ist jede Neuerung, jeder Wechsel in der Lehre verdächttg. Wer sich von dem alten Glaube« tre««t, trennt fich von Christus und seiner Kirche und hat somit dar Recht verwirtt, fich als Mitglied der Kirche zu betrachten.
Mtt demselben Recht dürfen, ja müffen wir jene abweisen, welche in Glaubenssachen uns neue, moderne Anschauungen und Lehren aufdrtnge» «ollen. Der Glaube ist nicht modern, es gehört zu seinem innersten Wesen, daß er alt sei und bis zur Zett Christi und der Apostel hinaufreiche.
Wie die Kirche immer treu am Allen festhielt und daS höchste Merkmal der Wahrheit einer Lehre i« der Übereinstimmung mit dem über
lieferten Glauben erblickte, fo hat fie ebenfalls als ihre Aufgabe betrachtet, ihre Kinder vor dem Geiste der Welt zu warnen, sie von jeder Vereinigung und Versöhnung mit ihm sernzuhallen.
DaS innerste Lebensprinzip dieses Geister der Welt, dar im Laufe der Zeit die mannigfachste» Erscheinungen der Gottlosigkeit i« der Welt her- vorrust und stets beherrscht, ist dem Geiste Jesu Christi und dem letzten Zwecke seiner Ankunft schnurstracks entgegengesetzt. Dari« besteht der Wahn gewiffer moderner Lehren, daß fie ben Menschen von Gott loSlöse», die Rechte Gotte- auf sein Geschöpf schmälern Und leugne«, um die rmbeschränkte Freiheit deS Mensche« als sei« erstes, unantastbares Recht hinzustellen. Sieht «an «Sher zu, so findet fich dieser grundlegende Irr- thum fast in alle« modernen Ideen, welche gegen die von Gott gesetzte Weltordnung, gegen Christus und seine Kirche inS Treffen geführt «erden. Man spricht nur von den unveräußerlichen Rechten des Menschen, von seiner unabhängige« Vernunft, und der unumschränkten Freiheit, fich nach Belieben eine Religion zu wählen oder gar keiner Religion zu huldigen, gewiffen fittlichen Vorschriften sich anzubequemen, weil er nun einmal so Gewohnheit ist, oder fich rücksichtslos über alle Moral hinwegzusetzen. In wahnfinniger Ueberhebung glaubt man Aller mit Füßen treten zu dürfen, ohne Rückficht auf Recht ober Unrecht, auf Leid und Wehe der Anderen.
Unentwegt hält dagegen die Kirche an den alten, vom Sohue Gotter geoffenbarten Lehren fest. Sie kann fich mit jenen modernen Idee« nicht versöhnen, die ihrem Glauben entgegen» stehen, sie kann und darf keinen Bund schließen mit der Welt, die ihr immerdar feindselig gesinnt isi.
Wird aber die Kirche bei solcher Handlung«- weise sich die Well nicht immer mehr entftemben? Bleibt fie nicht rückständig, wenn sie fich jedem Fortschritt entziehen will, gegen jedwede Verbesserung sich sträubt? Um war handelt «r fich denn, geliebte Diözesanen? Um Wahrheiten, welche Gott »ns geoffenbart, die don den Menschen nicht verbessert werden können, um Lebenr- Vorschristen, die zum ewigen Heil un» führen sollen, die keiner Aenderung bedürfen.
Ein Fortschritt ist nur möglich in der tieferen Erkenntniß der geoffenbarten Wahrheiten, in dem wissenschaftlichen Auf- und Ausbau, in der allseitigeren Vertheidigung der göttlichen Lehre.
Wenn unsere Gegner ferner den Fortschritt der Kultur und der polllischen Freiheit betonen, so dürfen wir ohne Ueberhebung behaupte«, daß wir gerade der Kirche diesen Fortschritt verdanken. Sie hat zuerst die wahre Freiheit gebracht, fie hat uns den Werth der Seele», die Achtung vor der persönlichen Frethest gelehrt. Die Fortschritte der Naturwissenschaften werden von der Kirche freubig anerkannt und begrüßt. Sie weiß wohl, daß alle Errungenschaften auf diesem Gebiete die Groß- thaten Gotte« verkünden, daß die immer »eiter« schreitende Erkenntniß der Natur, ihrer wunder, baren Kräfte und Gesetze, nichts Anderes ist al« eine neue Offenbarung der Größe de» Schöpfer«, ein herrlicher Lobprei« seiner Allmacht und Weisheit. Dankbar und freudig begrüßt die Kirche neue Entdeckungen der wissenschaftlichen Forschung und stellt fie in den Dienst der Glauben«. Darum fand und findet di« wahre, ernst« Wissenschaft an der Kirche stet« eine eifrige Förderin und Gönnerin. Nur wenn die Naturwissenschaft ihr eigene« Gebiet verläßt, wenn fie von modernen Sophisten und Marktschreiern dazu mißbraucht wird, da« Dasein Gotte» und die Unsterblichkell der Seele zu bezweifeln, wenn fie den Menschen vom Thiere abstammen läßt und seine Erschaffung durch Gotte« Hand leugnet, nur dann sieht sich die Kirche gezwungen, dies« falsche Weisheit zu bekämpfen und in ihre Schranken zurückzuweisen. Niemand hat das Recht, fie deshalb zu tadeln — denn schwieg fie unter solchen Umständen, so würde fie ihre heiligste Pflicht verletzen, ja sich selbst aufgeben.
Welche« muß demnach, geliebte Diözesan«», diesen Angriffen gegenüber di« Stellung der treuen Kinder der Kirche fein? Ist di« Kirche unser« Mutter, hat fi« von Christu« den Auftrag erhalten, alle Menschen zu den reinen ungetrübten Quellen der ewigen Wahrheit zu führen, so müffen wir fie auch al« unsere Mutter anerkennen, fie lieben und verehren al« unsere Führerin auf dem Wege de« Heil«, ihr folgen, wohin fie un« letten. Al« Braut und Stellvertreterin Christi, „als Säule und Grundsesie der Wahrheit" ist fie geschützt gegen jeden Jrrthum in Glauben«- und Sitten» lehren. Daher wird ein treuer Sohn der katholischen Kirche fich willig und freudig allen Ent- scheidungen unterwerfen, die fie al« Hüterin und «uslegerin der göttlichen Offenbarung in treffen für gut findet. Der wahre Katholik wird e« al« feine Pflicht, seine Ehre, seinen Stolz betrachten, siet« in inniger Vereinigung mit der Kirche, seiner Mutter zp stehen.