MU Anterhattungs -Beilage „Assusirirte Sonntags-Zeitung
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Iu0öa, Samstag, den 22. Februar 1902.
29. Jahrgang.
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Unpolitische Zeitläuse.
(Nachdruck verböte« )
® Berlin, 20. Febr. 1902.
Die Titel der Männer — ein Spielzeug für die Frauen! Al» kürzlich im Abgeordnetenhause über die Titulaturen: „Erster Staatsanwalt, Oberstaatsanwalt, Generalstaatsanwalt" verhandelt wurde, hieß es gleich —ja, die Frauen find mit dem und dem Titel zufrieden! Als ob die Männer hauptsächlich deshalb den wohlklingenden Titel erhielten, damit ihre lieben Frauen sich damit dick« thun können!
Da» sollten die redseligen „Vorkämpferinnen de« weiblichen Geschlecht«" nicht durchgehen lassen! Oder stecken diese emanzipirten Heldinnen und Huldinnen auch noch in der alten weiblichen Eitelkeit? Möglich ist'« schon, denn neulich habe ich gelesen, vaß auf einer Universität eine öffentliche Aufforderung am schwarzen Brett erfolgt ist, die geehrten Studentinnen möchten doch im Kolleg ihre Hüte abnehmen. Also diese weiblichen Kommilitonen, die nach dem höchsten Grade der männlichen Thätig« keit streben, wollen die kleinen Eigenheiten ihre« Geschlecht« nicht auf dem Altäre der Gleichberechtigung opfern. Ihr Geist ist angeblich männlich.
der sorgfältigen Absperrungsmaßregeln. Neuerdings ist nun auch die Einfuhr von österreichische« Bieh nach Oberschlesie» gestattet worden; leider aber ist nicht anzunehmen, daß dort die • Fernhaltnng von Seuchen ebenso gut gelingen werde.
Die Heilsarmee wollte in Bayern die Recht« einer Religionsgesellschaft haben. Sie hat sie aber nicht bekommen.
Die Ministerkrise in Sachsen ist damit vollständig beigelegt worden, daß der Geheime Jastiz- rath Dr. Otto zum Justizminister ernannt worden ist. Der bisherige Justizminister Rüger ist, wie bereits bekanut, der Nachfolger de» FiuanzministerS von Watzdorf geworden.
Das Fürstenthum Reaß L. L. wandelt bekanntlich gern seine eigenen Wege. In diese Rubrik gehört auch die Maßregel, dem Alldeutsche« Verbände die Bildung einer Ortsgruppe zu verbieten.
Line neue Partei hat sich in der hessis» schen Zweiten Kammer aufgethan. Diese neue Partei besteht aus zehn Mitglieder«, die keiner Fraktion angehörten und meistens Anhänger der antisemitischen Richtung find. Sie «ennt sich Hessische Bolkspartei. Bisher gehörten fünfzehn Mitglieder der Kammer, also fast ein Drittel derselben keiner Partei an.
Das Infanterie-Regiment Nr. 117 hatte bisher zur Inhaberin die Großherzogin Viktoria und führte deren Namenszug auf den Achselklappe». Die Großherzogin hat die Jnhaberstelle niedergelegt, und das Regiment führt fortan de« Namenszug der verewigten Großherzogin Alice mit der Krone auf den Achselklappen.
In dem Prozesse gegen die Macher der Kasseler Trebertrocknungs - Gesellschaft ist da» Urtheil ergangen. Die Strafen schwanke» zwischen drei bis zu sieben Monate« Gcfänguiß «ebe« Geldstrafen von 5000 bis zu 10000 Mark. Man hat nur „Verschleierung", nicht U«treue i» der Handlungsweise der Angeklagten erblickt, sonst würden die Strafen weit härter ausgefallen sei». Der Hauptmacher Schmidt ist von Frankreich jetzt ausgeliefert. Ihn trifft die Hauptschuld.
Ganz böse Dinge find au» Triest und an» Barcelona zu berichten. In beiden Städte» handelt es sich um AusstandSbewegungen, die von unruhigen, aufrührerischen Elementen für ihre u»- lauteren Zwecke auSgenützt wurden. Für Triest ist eS nachgewiesen, daß ausgesprochene Anarchisten die Rädelsführer waren; in Barcelona ist e» kaum anders. In Triest ist es zu heftigen Straßen- kämpsen gekommen. Aber die Strenge der Behörde« und die sofortige Verhängung des Belagerungszustandes haben gut gewirkt im Vereine mit Zubilligung besserer Arbeitsbedingungen an die Heizer »«d.Hafenarbeiter, um die es sich eigentlich handelte. Seit Dienstag ist die Arbeit wieder ausgenommen und die öffentliche Ordnung wieder hergestellt worden. In Barcelona handelt es sich ja nicht um eine vereinzelte, ausnahmsweise Erscheinung; dort hören die Unruhen ja eigentlich niemals auf. Diesmal indessen ist e» besonders arg geworden: Nach den vorliegenden Drahtmeldungen wird die Zahl der feiernden Arbeiter aus 40000 geschätzt. Der schon mehrfach über Barcelona verhängte und immer wieder aufgehobene Ansnahmezustand mußte auch jetzt wieder über die unaufhörlich unruhige Stadt verhängt werden. Man ersieht darau», daß es i» Spanien unter dem liberale« Ministerium um keine» Deut besser aussieht, als unter dem konservative» Kabinet vorher. Wüste Ausschreitungen find i» Barcelona vorgekommen: Ladenplünderungen, Brandstiftungen, Verwüstungen und Straßenkämpfe; u»d das allein beweist hinlänglich, daß eS sich nicht um eine eigentliche Lohnbewegung handelt. Die Regierung muß darum rücksichtslos streng Vorgehen.
Au» Südafrika liegt eine erfreuliche Nachricht vor: Das gegen Christian Dewet veran- austaltete Kesseltreiben hat sich aufs neue als vergeblich erwiese»: Dewet hat die englischen Linie» wiederum durchbrochen!
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Wochen-Krrudscharr.
(Stachdruck verboten.)
X Fulda, 22. Februar 1902.
Prinz Heinrich von Preußen hat seine Amerikafahrt angetreten. Die Fahrt hat keinen politischen Charakter. Die Eifersucht der Engländer in England und der Englandfreunde in den Vereinigten Staaten von Amerika war nichtsdestoweniger so lebhaft geworden, daß sie da» Verleumden nicht lassen konnten, um die Stimmung für den preußischen Prinzen in Amerika zu verderben. Verleumd nur tüchtig darauf Io», es bleibt doch etwas hängen — so lautet ein Spruch der alten Lateiner. Nun, hänge« geblieben ist diesmal auch etwa», aber nicht an bin Verleumdeten, sondern an den Verleumdern; und in Amerika war man sich ganz gegen den Willen der Veranstalter dieser Verleumdungen Deutschland» durchaus klar geworden, daß England sich der Doppel- züngigkeit und de» Verrathe» gegen die Staatenunion schuldig gemacht hat. E» handelt sich, wie man ja weiß, um die Entstehungsgeschichte des Krieger zwischen Spanien und Amerika. Die Engländer suchten die Lüge aufzubringen, Deutschland habe mit Oesterreich zusammen damals zu Gunsten Spanien« und gegen den AuSbrnch de» Kriege« einschreiten wollen, England aber habe da» verhindert; und niemand ander» al» Lord Granborne, der Sohn i>e» englischen Ministerpräsidenten Lord Salisbury, l)ot in öffentlichen Parlamentssitzungen diese Lüge unterstützt. Da wurde im ,Deutschen ReichSanzeiger' durch den Abdruck völlig unzweifelhafter amtlicher Schriftstücke in schlagender Form bewiesen, daß die Sache genau umgekehrt sich verhielt: England wollte «u» Eifersucht auf Amerika de« Krieg verhindern, Deutschland aber trat ganz fest und bestimmt gegen diese Absicht auf und vereitelte sie. Nun ist die Empfangsstimmung in Amerika doppelt günstig, und Prinz Heinrich wird sich über flaue Stimmung nicht sa beklagen haben. Namentlich die zehn Millionen Deutsche, die in den Bereinigten Staaten leben, werden alle« aufbieten, um in dem Gaste aus Deutschland ihr deutsche» Vaterland zu ehren.
Die wirklich jammervolle Niederlage, die die diplomatischen Lügenpeter in England mit jener Sache erlitten haben, ist hernach einigermaßen verdeckt worden
durch den Bündniß-Vertrag zwischen England und Japan. Er ist bereits in der letzten Wochenschau besprochen worden. Es bleibt also nur noch hinzuzufügen, daß sowohl Deutschland als auch die Vereinigten Staaten von Amerika nicht das Geringste gegen den Abschluß dieses Vertrages einzuwenden haben; in den Bereinigten Staaten ist man wohl auch von der ganze« Entwickelung de» Vertrages schon vor seiner Veröffentlichung unterrichtet gewesen. Daß die Engländer die erste weiße Nation find, die die Hand der gelben Raffe zum Bunde reichen, gereicht ihnen auf keinen Fall zur Ehre. Im übrigen liegt der Vortheil des Bündnisses hauptsächlich auf ihrer Seite. England wird schon wissen, wo es bleibt! Die Japaner sollen die englischen Interessen gegen Rußland vertreten; zur Belohnung dafür haben fie aus England ungefähr 28 Millionen Mark für eine Anleihe erhalten, die fie nothwendig brauchten. Sollte England das ostasiatische Jnselreich einmal nicht mehr brauchen, dann wird es dasselbe ganz einfach auf die Seite stoßen, als hätte es niemals damit zu thun gehabt. Den Russen ist das Bündniß natürlich nicht angenehm. Aber in der Russischen Presse ist darüber auch nicht ein einziges Wort geschrieben worden. Um so unangenehmer ist die ganze Sache den Russen, al» diesen durch die vereinten Einflüsse von England, Amerika und Japan die Ausführung ihrer Absicht unmöglich gemacht werden wird, die Mandschurei dem fremden Handel zu verschließen und russischen Unternehmungen allein vorzubehalten.
Auf dem Gebiete der innerdeutschen Politk steht an Interesse obenan eine Vereinbarung, die zwischen Mitgliedern der Rechten, des Centrums und der Nationalliberalen in der Zolltarif-Kommission de» Reichstages über die Getreidezölle abgeschlossen worden ist. Der Vorschlag geht von dem Centrumsabg. Herold aus und lautet so: Es soll erhoben werden an Zoll für den Doppelcentner Weizen sechs Mark, für die übrigen drei Hauptgetreidearten gleichmäßig fünf Mark fünfzig Pfennige. Von den Konservativen hat sich Freiherr von Wangenheim, der Präsident des Bundes der Landwirthe, der Vereinbarung nicht angeschlossen; und vermuthlich werden auch einige Nationalliberalen nicht mitthun. Immerhin darf man wohl annehmen, daß augenblicklich dieser Kompromißvorschlag im Reichstage eine Mehrheit hinter sich hat. Die Regierung hat nun aber durch den Grafen Posadowsky die Erklärung abgeben laffen, daß sie auf keinen Fall diesem Kompromißvorschlage ihre Zustimmung geben könne. Sonach ist die Gefahr vorhanden, daß die Zolltarifvorlage überhaupt in» Wasser fällt.
Inzwischen hat auch die Regierung der Schweiz ihren neuen Zolltarif-Entwurf bekannt gegeben. Die Zahl der verschiedenen Zollpositionen ist in dem Schweizer Tarif ebenso stark vermehrt worden, wie in dem deutschen Entwürfe, nämlich von 476 auf mehr al» 1100. Ein Mindesttarif ist aber nicht aufgestellt worden. Die Denkschrift, die dem Zolltarif beigegeben ist, erklärt da» so: Die Bundesregierung der Schweiz erklärt da» so, daß sie sich vor dem Beginne der eigentlichen Handelsvertragsverhandlungen nicht schon im voraus die Hände binden könne. Die landwirth- schastlichen Zölle der Schweiz sollen nach dem Re- gierungSvorschlage nicht unerheblich erhöht werden.
Im Reichstage wird mit Hochdruck gearbeitet. An keinem Tage fällt die Sitzung aus und dauert immer fünf Stunden und länger. Man kann aber im Zweifel darüber sein, ob die Arbeiten hurtiger vorangehen, als in den Jahren vorher. Das Rede- bedürfniß der Herren von der Linken wächst von einem Jahr zum Ander«, und was durch die Mäßigung im Rede« beim Ccntrum und bei der Rechten des Hauses an Zeit gespart wird, geht durch die allzu eifrigen und allzu langen Rede« der Freisinnigen und Sozialdemokraten wieder verloren. Während der letzten Tage find der Justiz-Etat und der Militär-Etat durchberathen worden, wobei namentlich die Duellfrage eingehend erörtert wurde.
Wiederum ist ein Reichstag» Wahlkreis durch .'den Tod feine» BertreterS im Reichstage beraubt worden: Freiherr von Hammerstein-Celle ist gestorben, der Vertreter de» Wahlkreise» Celle- Peine—Gifhorn, seit dem Jahre 1898, ein Mitglied der deutsch-hannoversche« Partei. Vorher war der Wahlkreis durch einen Nationalliberalen vertreten gewesen. ES ist also unbestimmt, welcher Partei er nunmehr zufallen wird.
Auch irn preußischen Abgeordnetenhaufe ist man hauptsächlich mit der verathung de» Etat» beschäftigt. Zwischendurch toeroen neue Vorlagen erledigt, unter denen besonder» hervorzuhebeu ist der Gesetzentwurf über den Erwerb von Kohlenfeldern in Westfalen für de» Staat. Diese Vorlage fordert für den genannten Zweck 58 Millionen Mark und entspricht de« Wünschen, die mehrfach in verschiedenen Parlamenten ausgesprochen worden find. Die Alleinherrschaft deS Kohlensyndikates in Westfale« wird gebrochen, wen« »er Staat auch dort Grubenbesitzer wird. Außerdem kommen fiskalische Bergwerke der staatliche« Allgemeinheit auf die Weise zu gute, daß diese weniger Kohlen für die StaatSbahne« und für die deutsche Marine anzukaufen braucht. Der Gesetzentwurf ist nach dem vorgeschriebenen Geschäftsgänge an eine Kommission zur Vorberathuug überwiesen worden. An der Bewilligung der Forderung ist nicht zu zweifeln.
In der bayerischen Abg eordneten- ! am mer hat Minister Freiherr von Feilitzsch einige Aufschlüsse gegeben über die Einfuhr von österreichischem Bieh nach Bayern: Er führte au», daß von 1897 bi» 1902 keine Seucheneinschleppung au» Osterreich-Ungarn stattgefunden habe, in Folge
angelegen sein läßt, die Bestrebungen der Stga zu unterstütze«, und der eine» jährlichen Beitrag von drei Mark oder einen einmaligen Beitrag von fünfzig Mark bezahlt.
Ist der fällige Jahresbeitrag nicht bis zum 1. März eine» jeden Jahres entrichtet, so wird angenommen, daß die Erhebung durch Postnachnahme gewünscht wird.
§ 5. Geldmittel. Die Mittel der Liga bestehe» aus den regelmäßigen Beiträgen der Mitglieder und au» etwaigen freiwilligen Zuwendungen.
§ 6. Organe. Die Organe der Liga find da» Aktions-Komitee und die Mitglieder.Bersammlung.
§. 7. Mitglieder.Bersammlung. In der Regel findet alljährlich an einem vom Borfitzenden de» Aktions-Komitees festzusetz nden Tage nnd Orte eine Mitglieder.Bersammlung statt. Regelmäßige Gegen- stände derselben btloen die Entgegennahme des Thätig. keitSbericht» de» Aktions-Komitee», die Entlastung de» Echatzmeister», dir Festsetzung de» Haushaltsplan» und die ErgSnzrngSwahlen zum Aktionr-Komitee.
Der Borfitzende desselben ist berechtigt, außer dieser jährlichen Bersammlung noch andere Mitglteder-Ber- sammlurgen einzuberufen, wenn er dicS für erforderlich hält; eine solche Berufung muß erfolgen, wenn wenigsten» fünf Mitglieder deS AktionS-Komitee» dies bean« tragen.
Den Vorsitz in de« Mitglieder-Bersammlungen führt der Borfitzeude deS Aktions-Komitees bezw. sein Stell- Vertreter. Die Beschlüfle werden mit einfacher Stimmenmehrheit gefaßt; Beschlüsse über Aendernng der Satzungen oder Auflösung der Liga bedürfen einer Mehrheit von drei Bierteln der abgegebenen Stimmen. Umfaßt die Beschlußfaffung über die Auflösung der Liga diese Drei • Biertelmehrheit der abgegebenen Stimmen nicht wenigstens die Hälfte der Liga-Mitglieder, so ist innerhalb vier Wochen eine neue Mitglieder.Bersammlung ein,»berufen, welche mit Dreivierteln der vertretenen Stimmen die Auflösung giltig beschließen kann.
Die Beschlüfle der Mitglieder.Bersammlung bedürfen, soweit sie nicht zu den regelmäßigen Gegenständen der Tagesordnung gehören, zu ihrer Giltigkeit der Zu- stimmung de» Aktiv, s-Komitees.
Zu de« Mitglieder-Bersammlungen find die Mitglieder wenigstens 14 Tage vorher vom Borfitzenden de» AktionS-KomUeeS einzuladen.
§ 8. Das AktionS-Komitee. Da» AktionS- Komitee führt die Geschäfte der Liga und trifft alle diejenigen Maßnahmen, welche es für die Förderung der Ziele derselben für geeignet hält. ES hat au Bildung do« Ortsgruppen «ach Thunlichkeit hinzuwirken.
Da» AktionS-Komitee wird von der ordentlichen Mitglieder.Bersammlung auf drei Jahre gewählt. ES besteht au» neun Mitgliedern, kann sich jedoch durch Zuwahl verstärken. Jede» Jahr scheidet ein Drittel der Mitglieder auS; die beiden ersten Male entscheidet dabei da» vom Vor fitzenden zu ziehende Loo», dann die hieran» fich ergebende Reihenfolge. Die Ansscheidende» find wilder wählbar.
Da« AktionS-Komitee wählt au» seiner Mitte einen Borfitzenden und einen Stenvertreter desselben, einen Schriftführer und ernt« Stellvertreter desselben, ferner bestellt e» einen Schatzmeister, welcher der Liga nicht al« Mitglied anzugehören braucht.
»al AktionS-Komitee faßt seine veschlüffe mit einfacher Majorität. Auch schriftliche Beschlüfle find, insoweit es der Borfitzende für erforderlich erachtet, zulässig.
§ 9. Ausschließung. Das AktionS-Komitee kann die Ausschließung eine- Mitgliedes au» der Liga verfügen, ohne die Gründe für diesen Beschluß anzu- geben.
§ 10. Auflösung der Liga. Bei Auflösung der Liga ist das Vermögen derselben, wen» andere Bestimmungen nicht getroffen werden, dem Verein vom rothen Kreuz in Berlin alS Geschenk zu überweisen.
Aufruf!
Die jüngste« betrübende« Vorfälle in Insterburg, Jena, Springe u. s. w. haben von neuem dar Duell in seiner ganzen Furchtbarkeit beleuchtet. Die Duell-Sitte und der ihr zu Grunde liegende Ehrbegriff erweist fich als so fest eingewurzelt, der Duellzwang als so mächtig, daß ehren werthe und christlich denkende Männer göttliche und menschliche Satzung, Vernunft und Moral hintansetzen zu müffen glauben, und so fich selbst ü«b andere, ja ganze Familie» dauernd unglücklich machen. Der Ernährer wird den Seinigen, der hoffnungsvolle Sohn den sorgenden Eltern, der Bräutigam seiner Verlobten genommen, und dauernd bleibt in der Erinnerung der Betheiligten der Schrecken über daS furchtbare Spielen mit Menschenleben und Menschenglück. GewiffenSruhe und Ewigkeitshoffnung werden darangegebrn um der Menschenehre willen, die doch im Vergleich zu jenen kostbaren Gütern völlig nichtig erscheint.
Segen diese Duell-Geißel wollen wir vorgehen. Welche Wege uns zum Ziele führen, muß die Zukunft entscheiden. Zunächst wollen wir darnach streben, dem mit gesellfchaftlicher Verunglimpfung bedrohten muthigen Bekenntniß der Duellgegnerschaft einen gesellschaftlichen Rückhalt zu gewähren, ferner durch Aendernng deS Strafgesetzbuchs den zur Zeit ungenügende« gesetzlichen Schutz der Ehre von Person und Familie zu einem wirksameren zu gestalten, sowie die Einführung von staatlichen und korporativen Ehrengerichten und die Aech- tung von Ehrschändern zu erwirken.
Machtlos aber find wir als Einzelne. Wenn wir unS jedoch aus allen Stände» zusammen- schließe« mit dem festen Willen, gemeinsam und rastloS auf die Beseitigung der Duell-Geißel hinzuwirken, so wächst unsere Macht und das Gewicht unserer auS Religion, Vernunft und Moral geschöpften Gründe. Von diesen Erwägungen ausgehend, wurde am 11. Januar 1902 die deutsche Anti-Duell-Lig« er- richtet. In ihrem Namen wenden wir unS mit diesem Aufruf an alle, die das Leben im Dienste der Mitmenschen höher schätzen, als die Befriedigung persönlicher Interessen und Empfindungen. Helft auch Ihr uns dabei, Ihr edlen deutschen Frauen, die Ihr berufe« seid, Hans und Herz Eurer Gatten und Brüder zur Pflanzstätte echt deutscher Religiöfität und Gefittung zu machen und den Krim wahrer Gottesfurcht und Zucht in die Herzen Eurer Kinder und KindeSkinder zu legen. Und Ihr, deutjche Männer, zu welcher Religion oder Parteirichtung Ihr Euch auch bekennen mögt: Laßt diesen Weckruf nicht in Eurem Innern »erklingen, sondern stärkt unsere Bestrebungen durch Euern Beitritt zu unserem Bunde!
Aa» Attiono-Liomitoe.
Karl Fürst zu Löwenstein, Kleinheubach, Unter-Franken, Borfitzender. Graf zu Erbach - Fürstenau. Schloß Fürstenau bei Michelstadt im Odenwald, stellv. Vorfitzender. Oberbürgermeister Dr. Antoni, Fulda. Han- delSkammer - Syndikus Dr. Freiherr von Boenigk, Halberstadt, Schriftführer. Major -. D. von der OelSnitz, Schadewalde bei Markliffa. v. RütS, Halberstadt, Westendorf. Rechtsanwalt Rumpf, München. Friedrich Graf zu Stolberg - Stolberg, Brustawe, Schlesien. Landgerichts - Direktor Dr. Wulff,
Hamburg.
Die Statuten der Liga und weitere Exemplare dieses Aufrufs find von ihrem Schriftführer, Herrn v. Boenigk-Halberstadt, zu beziehen. An ihn find auch Beitrittserklärungen zu richten.
Satzim-en der A»ti.Z>«-tr-Aig« I* Deutschkaud.
§ 1. Name, Sitz und Zweck. Die»nti-Duell- Liga in Deutschland mit dem Sitz in Halberstadt hat den Zweck, auf die Abjchaffung de» Duell» hinzuwirken.
§ 2. Nächste Aufgaben der Liga. Diesen Zweck sucht fie zunächst hauptsächlich dadurch zu erreichen, daß fie die Neberzeugung von der Verwerflichkeit und Zwecklostgkeit de» Duell» durch Wort und Schrift weckt und stärkt, auf die Einschränkung der Duelle, insbesondere durch Aendernng der Strafgesetzgebung und Einführung von staatliche» u»d korporativen Ehrengerichten hinwirkt und den grundsätzlichen Duell- •egnern einen gesellschaftlichen Rückhalt gewährt.
§ 3. Zeitschrift. Die Liga gibt zwanglo»- periovisch erscheinende Mtttheilungen heran», in welche« die »u ihrer Ken»tuiß gelangenden Duelle und einschlägige Fragen mitgetheilt und besprochen werden.
Diese Mittheilungen werden unentgeltlich den Mitgliedern der Liga zugesandt uud außerdem auf sonst zweckmäßig erscheinende Weife verbreitet.
8 4. Mitgliedschaft. Mitglied kann jeder «roßjährige, unbescholtene Deutsche werben, der e» sich