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29. JahrgMg.
IuLöa, Freitag, den 21. Februar 1902.
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LLd Vtvlflg Aulöseo X etter petnsjaS» 8f. * (Tarawa»*.
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)( Das Getreidezoll-Kompromiß I für die Regierung unannehmbar.
Großer Andrang von Abgeordneten war heute (Donnerstag) bei der Zolltarif-Kommission des Reichstages. Staatssekretär Graf Posa- dowsky hatte gestern den Wunsch ausgesprochen, eS möchten bei den Erklärungen, die er der Kommission machen wolle, nur die Mitglieder der Zolltarif-Kommission selbst zugelasien werden. Im Gegensätze dazu war die Zahl der Besucher so groß wie noch nie zuvor. Es mögen an hundert Mitglieder des Reichstages gewesen sein, die sich eingefunden hatte». Die Budget-Kommission des Reichstages begann sogar aus Rücksicht auf diese Sitzung ihre Verhandlungen später.
Staatssekretär Gras Posadowsky gab seine Erklärungen mit der Bemerkung ab, daß sie vertrauliche sein sollten. Aber er stieß damit auf lebhaften Widerspruch bei einer Reihe von ; Abgeordneten. Die Abgeordneten Bebel (sozd.) und von Kardorff (freikons.) sagten dem Staatssekretär, daß seine Rede unmöglich geheim gehalten werden könne; und der Crntrumsabg. Dr. Heim stellte fest, daß er die Mittheilungen -eS Staatssekretärs sowohl in der Kommission, als auch im Plenum des Reichstages besprechen werde. Gestern hatte ein Vertreter der badischen Regierung in der Kommission jegliche Erhöhung der Getreidezollsätze des R-gierungsentwurfes für unannehmbar erklärt. Heute schloß Staatssekretär GrafPosadowSky seine Ausführungen mit derselben Erklärung ab:
Die Regierung werde in keinem Stadium für das Kompromiß zu haben sein!
DaS ist nun wohl die längst herbeigewünschte rndgiltige Stellungnahme der ReichSregterung. Denn wenn der Stelloertrrter des Reichskanzlers sich so bestimmt auf den verneinende» Standpunkt stellt, und wenn er auch noch ausdrücklich hinzusügt, daß die Regierung in keinem Stadium, unter gar leinen Umständen auf ein Kompromiß sich einlaffen will, dann bleibt ihm wohl kein Hinlertbürchen mehr offen, durch das er bei der ersten Gelegenheit doch zu einem kleinen Kom- promißchen entschlüpfen könnte.
Der Abg. Müller-Meiningen, einer vom radikalen Flügel des Freisinns, hat nun heute dem Staatssekretär seine Anerkennung und sein Lob ausgesprochen für die Ablehnung des Rom« promiffes. Daraus kann die Regierung ersehen, in welches politische Fahrwasser sie allmählich mit ihrer Zollpolitik gelangt. Sie macht-sich Freunde bei den Sozialdemokraten und Freisinnigen und stößt die Freunde derjenigen. Politik vor den Kopf, die auf dem Boden der vom Reichskanzler Grafen Bülow als maßgebend auSgerufenen Heimath-Politik stehen'. Wird ihr dabei nicht ebenso unheimlich zu Muthe, wie seinerzeit dem Reichskanzler Grafen von Caprivi bei dem Lobe
Der Weiter Schuld.
Original-Roman von Fr. Collet.
8 ------ (Nachdruck verboten.)
Draußen war eS i«zwischen dunkel geworden. Vom Füchtorfer Moor her, dessen einer Theil sich nach d-r Grenze zu erstreckt, stiegen dampfende N«bel auf, den Blick in die Ferne hindernd. E ne verspätete Krähe zog mit schwrrfäl- llgem Flügelschlag dahin, ihr heisere- „Kräh!" ausstoßend. Sonst war eS ringsum stlll. Im tof dagegen herrschte reges Leben. Eia halbes utzend kräftiger verwegen auSsrhender Gestalte» brachte aus dem «inen Seitengebäude Sack um Sack heraus, verlud dieselben fest und geschickt au, Kemanns Wage», dabei kein Wort redend, nur in kurze« Zwischenräumen der Flasche zusprechend, die einer der Gesellen herumreichte. Dieser Mundschenk war eine Erscheinung, die seltsam genug von don derjenigen der Genossen abstach, als daß sie unbeachtet bleiben sollte. Im Gegensatz zu den knochigen übermittelgroßen Gestalten seiner Begleiter war jener von untersetzter Figur, und alle seine Bewegungen verriethen jene geschmeidige Kraft, die man im Thierreich den Katzenarten der Wildniß zu schreibt. Unter dem kleinen Jägerhütchen, daS keck auf dem Hinterkopfe saß, drang eine Fülle schwarze« Haares hervor, i« der Mitte durch einen Scheitel getheilt und in ziemlicher Länge dem Nacken zugestrichen. DaS Gefickt zeigte nichts besonderes, aber wenn auS dem Schatten, der den Hof außerhalb des Lichtkreises
Eugen Richter's? DerCentrmnsabg. Dr. Heim hat es heute festgestellt, daß seine Stellung zum Zolltarifgesetze eine andere geworden ist, da er nun erfahren hat, daß die Gerste geopfert werden soll, die Hauptfrucht des kleinen Landwirthes; Abg. Dr. Heim also schwenkt zur Opposition ab, und mit ihm werde« dasselbe andere Mitglieder des Reichstages thun müssen, die sür die Landwirthschaft nicht nur schöne Worte, sondern auch Thaten haben wollen.
Die Aussichten der Zolltarif-Vorlage sind durch die Erklärungr« des Staatssekretärs Grafen Posadowsky noch erheblich schlechter geworden. Die Konservativen sind sür den Regierungsentwurf in veränderter Fassung nicht zu Haven. Die Linke stimmt dagegen, weil sie überhaupt und grundsätzlich gegen weitere Zollerhöhungen eingenommen ist. Wenn die Konservative«, die freisinnigen Parteien und die Sozialdemokraten geschloffen gegen den Regirrnngs- entwurf stimmen, dann ist für diesen keine Aussicht auf Annahme vorhanden.
Dennoch scheinen die Verbündeten Regierungen noch immer auf eine Annahme der Regierungsvorlage zu hoffen. „Ein sachlicher Anlaß, auch nur dem Gedanken an eire Reichstagsauflösung Raum zu geben, liegt nicht vor. . . Der von der Linken innig herbeigewünschte Konflikt zwischen de« Verbündeten Regierungen und den Mehrheitsparteien braucht um so weniger auszubrechen, als die einzelnen schutzzöllnerischen Gruppen in dem Bestreben fortschreite«, die unter ihnen bestehenden Spaltungen zu überbrücken und sich dem allein sichern Boden der BundesrathSvorlage zu nähern . . .", so läßt sich rin süddeutscher OffiziosuS frohgemuth vernehme«. An de« maßgebenden Stellen in Berlin wird man schwerlich noch in diesen frohe« Hoffnungen schmelzen; und wenn auch Herr Eugen Richter in seiner .Freisinnigen Zeitung' behauptet: Es sei „kein Geheimntß im Reichstage mehr, daß der Kompromißantrag nur eine Etappe zum weitern Rückzüge der Agrarier und insbesondere die Centrumspartei entschlossen sei, i« den späteren Stadien der Verhandlungen umzufallen. . .", so bedeutet das auch noch weiter nichts, als daß Herr Richter um jeden Preis flau machen will. Nach dem heutige« Verlaufe der Sitzung der Zolltarifkommiffio« des Reichstages ist er vielleicht schon ei« we«ig anderer Meinung geworden.
Deutsches Deiche
Berlin, 20. Februar 1902.
+ Beihilfe« an AeLerrmerr. Die Budget. Kommission des Reichstages hat sich heute mit den Beihilfen für hilfsbedürftige Kriegstbeilnehmer beschäftigt. Im Etats-Entwürfe der Regierung sind dafür 6.200,000ausgeworfen. Der nationalliberale Abgeordnete Graf Oriola beantragte aber, diese« Antrag auf 71/* Millionen zu erhöhen, und dieser Antrag wurde nach längerer Berathung trotz des Widerspruche- des Scdatzsekretärs Freiherr» v. Thielmann in der Form einer Resolution einstimmig angenommen.
der Wagenlaterne deckte, ein Blick aus des Mannes Auge« auf die Grnoffen schoß, dann glaubte man jenen phosphorischen Schimmer zu erblicken, mit der manche Körper in der Nacht leuchten.
De» schwarzen Jopp, nach seinem Haar und seinem Vornamen so benannt, erkannten die Schmuggler nicht bloS in dem Kreise, mit dem er jetzt arbeitete, sondern auch in alle» anderen Banden als ihre» Meister an. ES war kein Schleichweg, den er nicht wußte, kein natürliches Versteck, das er nicht kannte, kein künstliches im ganzen Grenzgebiet, daS er nicht angelegt oder verbeffert hätte. Refignirt gehorchte« ihm die kleine« Kötter im ganzen Gebiet, wenn er gegen Entlohnung durch etliche Pfund Salz Einlaß in ihre Schober und Ställe, Kammer« und Böde« begehrte, um vo» dort aus die Zollbeamten zu belauschen. Stumm duldete es der Fuhrmann, wenn er diesseits oder jenseits der Grenze auf seinen Wagen stieg und den Grevzbeamten vorlog, daß er schon von Warendorf oder von irgend einem hannoverschen Orte mitgefahren sei, um dere« Verdacht abzulenken.
ES konnte auch nicht anders sein, war doch Joseph Kemper thatsächlich zum Schmuggler er- zogen worden. Sein Vater, ei« Kötter in Ostbevern, hatte als Soldat in Berlin eine Polin kennen gelernt, die aus einer ehemals begüterten Famllie stammend, in ihrem Drange nach Un- abhängigkett die Rolle eines Ladenmädchens gerne mit derjenigen der Frau des schmucken westfälischen Kleinbauer» vertauscht hatte. Die glühende Leidenschaft des Gatten für ihre fremdländische Schönheit wußte das Weib fortgesetzt
Abg. Stadthagen von der Sozialdemokratie be*
>ert sich darüber, daß ein Mann in Herne, der die
schwert sich darüber, daß ein Mann in Herne, der die Cyina-Denkmünze abgelehnt habe mit dem Hinweise darauf, daß er Sozialdemokral sei, detw-gen Strafe erhalten habe. Die Sozialdemokraten thäten doch auch
4- Deutsche AechtschreiSnug. Nach übereinstimmenden Zeitungsberichten haben nunmehr alle deutschen Bundesregierungen den Vorschlägen über die neue Regelung der deutschen Rechtschreibung zugestimmt. Danach ist zu erwarten, daß demnächst im Bundesrathe die entsprechende Vereinbarung getroffen werde über die Einführung der neuen Einheitsrechtschreibung.
X Die LandwirlhschastsiKammer der Ilßeinpesvivz hat «inen bemerkenswerthen Beschluß zu der Frage der landwirtschaftlichen Zölle gefaßt. Er lautet im Wesentlichen wie folgt:
Die Landwirthschaftskammer der Rheinprovinz hält die Forderung eines Mtnimalsatzes für Roggen und Weizen von 7,50 Mk. und für Gerste und Hafer von 6 3)11, sowie die Ausdehnung des Doppeltarifs in ausreichenden Mindestsätzen, vor allem auf Thiere, Fleisch, Milch und Molkereiprodukte ... für erforderlich und erwartet, daß die gesetzgebenden Faktoren diesen Forderungen Berüllfichtigung nicht versagen werden.
Namentlich der Centrumsabgeordnete Graf Spee befürwortete diese Entschließung, indem er aussührte, daß die Landwirthschaftskammer offen aussprechen müffe, was sie über die Zollsätze denke.
X Ki«e sozialdemokratische Antsrpelka- tio«. Die Sozialdemokraten haben im Reichstage folgende Interpellation eingebracht: „Ist es dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß im Widerspruche zu dem klaren Wortlaute des § 35 der Gewerbe- Ordnung und der Erklärung, welche der Staatssekretär Graf Posadowsky im Reichstage in der Sitzung vom 23. November 1899 abgegeben hat, die Polizeibehörde zu Beuthen den dortigen Ar- beiterfekretär Herrn Dr. Winter, weil dieser angeblich fremde Rechtrangelegenheiten gewerbs- mäß'g besorge, zur Anmeldung des Arbeiterfekre- tariates als eines Gewerbebetriebe« durch Geld- strafen zu zwingen sucht? Und was gedenkt der Herr Reichskanzler dagegen zu thun?"
ihre Pflicht als Soldaten.
Auf eine Bemerkung des fteif. Abg. Ltopsch erwidert Generalmajor von Einem; es sei bereit» eine Verfügung in dem Sinne ergangen, daß die Kantinen nicht an Großunternehmer verpachtet werde«.
Der CentruwSabg. HroeSer kommt auf eine gestrige Aeußerung deS Geheimen KriegSratheS Rome» zurück: daß nach einer Entscheidung des Reichsmilitärgerichtes die von dem Gerichtsherrn General vo» Alten vorgenommene Untersuchung eine nur militärpolizeiliche, also nicht gerichttiche gewesen sei und daher statthaft gewesen wäre. Wenn in solcher Weise dem Gerichtsherrn überhaupt ein Eingriff in die Untersuchung gestattet sein soll, so ist das im höchsten Maße bedenklich. Die Sache ist von so hoher Wichtigkeit, daß ich heute darauf zurückkommen muß. Der Reichstag ist bei der Berathung des betreffenden Paragraphen jedenfalls von dem Wille« geleitet gewesen,*: daß dem Gerichtsherrn keinerlei Eingreifen in den Gang der Untersuchung gestattet werde» dürfe. Der Reichstag und das Gesetz wollen die Erhebungen nur von einem Juristen und nicht von einem Nichtfachverständigkn ausgesührt wiffen. Und da dürfe daS Verbotene nicht auf dem Umwege militärpolizei- licher Maßnahmen zugelaffen werden; sonst kann jeden Augenblick die richterliche, fachmännische Untersuchung durchquert werden durch die militärpolizeiliche. Es muß eine grenzenlose Verwirrung eintreten, wenn der Gerichts- Herr das, was er «18 solcher nicht vornehmen darf, in seiner Eigenschaft alS militärischer Vorgesetzter soll vornehmen dürfen.
Der sozd. Abg. vevek bezeichnet den Erlaß al» .einfach ungesetzlich«, daß sozialdemokratische Gefinnun, in der Armee nicht bethätigt werden dürfe — spricht außerdem gegen die voraufgegangenen Ausführungen der Abgg. Grafen Roon und Graf Oriola.
Der deutfchhannover'sche Abg. v. AodenSer» spricht von einem Mißhandlungsfalle in Hildesheim und will Duelle in der Armee nur mit dem Dienstsäbel ausgefochten wiffen.
Abg. Knnert (sozd.) spricht von Mißhandlungen im Heere. Der sächsische
Bevollmächtigte Arng ». Aidda widerlegt ihn. Dasselbe Schauspiel wiederholt sich bei entsprechende» Ausführungen des sozialdemokratischen Abg. Iischet- Sachfen.
Abg. Demming (fteif. «p.) beklagt sich über allzu große Häufigkeit der Kontrollversammlungen.
Abg. Aitsch (Centrum) bemängelt die sogenannten Dauerrttte, die aber vo» dem Generalmajor ». ßixem als nothwendig in Schutz genommen werde».
Die polnischen Abgg. Fürst Ztadzimill und Dr. v. Iazdzewsüi sprechen von den neuen Garnisonen und sagen, die gesammte Bevölkerung könne damit ein» verstanden fein. Nur solle man sich hüten davor, gleichzeitig die polnffchen Geschäftsleute boykottire» zu wollen. 1 ' \
Der Titel .Kriegsminister« und mit ihm die Duell-Resolntio» des Abg. Lenzmann (disziplinäre Bestrafung des Duells im Heere) wird ange- nemmen. Gegen die Resolution stimmt die Rechte.
Freitag: Fortsetzung der Berathung.
Aus dem Reichstage.
•<$> 148. Sitzung vom 26. Februar 1902.
Bei der ftrtgefetzten Berathung des Militär- Etat» spricht der freifinnige
Abg. Eickljofl sein Bedauern aus über die ab- lehnende Antwort des KriegSministers wegen der Wahl deS Obereichsseldes für einen neuen Truppenübungsplatz. Außerdem bringt er einen Vorfall zur Sprache, der im vorigen Jahre bei einer Kontrollversammlung in Worbi» sich ereignet hat. Der Rittmeister habe aus offener Straße einen Lehrer Sydow, der im Gliede sprach, am Kopfe gefaßt und dem Wachtmeister zugerufen: Wachtmeister, schreiben Sre den Kerl auf l Zu dem Lehrer aber habe der Rittmeister gefagt: Ja der Judenschule und in der Kinderfchule mögen Sie schwatzen, in Reih und Glied aber nicht!
General von Zippeksstirch erwidert, es fehlen ihm die Akten über den Fall in WorbiS; der Fall solle aber untersucht werden.
Der kons. Abg. vo» MroShansen vertheidigt daS DKll an sich und erinnert die Sozialdemokraten an FMinand Lassalle, der sich b-kanntlich auch duellirt hat. Außerdem empfiehlt der Redner eine BesoldungS- ausbefferung der Unteroffiziere und Deckung de» Proviantbedarfes der Armee bei den landwirthschastlichen Getreidelager-Genossenfchaflen. DaS ist in Bayern möglich, müffe also auch in Norddeutschland möglich sein.
Generalleutnant von Keeringe» sagt möglichste Berücksichtigung des Wunsche» zu, kann aber nicht eine Anweisung an die Proviantämter in Aussicht stellen, sich nur an die bezeichneten Centralstellen zu wenden, zu erhalten, um den Mann zu jedem Opfer willig zu machen. Aber deren verlangte sie mehr, als dem Kötter zu bringen möglich war, bald mußte er ihr erklären, daß er total ab- gewirthschaftet habe. DaS Weib wußte Rath. Sie drängte ihn, in Verbindung mit einem andere» ostbeoernschen Schmuggler, der schon länger sein Auge auf die sich ruinirende Familie geworfen hatte, auf die Laufbahn eines Schwärzers.
Sie selbst sollte die Früchte deS nächtlichen Treibens nicht lange mehr genießen. Ihr Ge- wiffen machte ihr Vorwürfe, so lange der Mann die Nächte über dem gefährlichen Geschäfte oblag. ES trieb sie hinaus auf die Straße, in den Wald, durch den er «ach gelungenem Werk, oft nach mehrtägiger Abwesenheit, heimkehre« mußte. TineS Tages fand man sie dort bewußtlos, ein Schlaganfall hatte sie betroffen; ohne wieder zur Besinnung zu kommen, starb sie drei Tage nachher, dem Gatten zwei Kinder, einen Knaben von vier und ein zweijähriges Mädchen hinterlassend, beide daS Ebenbild der Mutter.
Für Kemper war daS Leben «unmehr fast werthloS. Er wurde der gefährlichste, verwegenste der Schmuggler, bildete sich zu solcher Raffinirtheit auS, daß die Beamten, denen er ausnahmslos als Schwärzer bekannt war, keine Gelegenheit fanden, ih« zu faffe«; damit nicht genug, auch den Sohn erzog er ganz für den Schmuggel, de« dieser schon als ILjähriger Knabe mit allen seinen Kniffen kannte.
DaS war der schwarze Jopp, der jetzt eben dabei war, die Räder de- Wagens gehörig mit
Ans dem Landtage.
SP Avaeordnslentz»»!». — 3t. Sitzung vom
20. Februar 1902.
DaS Abgeordnetenhaus hat heute den Gesetzentwurf über be» Erwerb von Bergwerke» für den Staat mit seiner Forderung von 58 Millionen nach der ersten Lesung zur Borberathung an die Budget * kornrnission verwiesen.
Handelsmiwster Möller wich in seiner mündlichen Begründung nicht ab von bet schriftlichen Begründung, die dem Gesetzentwürfe beigegeben worden war. St wies namentlich auf die Vortheile hin, die dem Staate aus eigenem Kohlenbergwerksbefitze erwachsen würden, und setzte auseinander, daß die in Aussicht genommenen Koylenfelbern in den ergiebigsten Kohlenrevieren liegen, so daß auf Rentabilität derselben zu rechnen sei. Die Fett zu versehen, und stch, nachdem dies geschehe«, daran machte, die Radreifen mit dicken Tauen zu umwinde«, welche Maßregel« nur den Zweck haben konnten, ei« möglichst geräuschloses Fahren des schwerbeladenen WagenS zu erzielen. Seine Gefährten, deren einer ihm leuchtete, sahen stumm seinem Treiben zu und folgten ihm, als er fertig war, ebenso still in'S Haus.
In der Küche ließen sich alle um den große« Tisch nieder, auf dem die Hausfrau ihnen Kaffee, Brod und Speck vorgesetzt hatte, und eine ganze Weile hörte man nur noch daS Klappern der Meffer, das Klirren der Kaffee- kumpen und de» schlürfenden Schluck, mittels dessen das stark duftende braune Getränk genossen wurde. Erst als daS Essen vorüber war, kam gesellschaftliches Leben in die Tafelrunde. Einige Unschlittkerzen auf den Tisch gestellt, mußten daS nöthige Licht zum Kartenspiel liefern, dem man sich mit einem Eifer hingab, der zwei Stunden für die Spieler wie Minuten verstreichen ließ.
Jopp schien überhaupt kein Freund vo« viele« Reden. Während die Genossen sich, wie dieses beim Spiel üblich, zwischen den einzelne» Spielen über den Verlauf deS letzten unterhielten, sprach er nur das Nothwendigste, forderte mit knappen Worten seine» Gewinn ein und zahlte lautloS seine Verluste.
WaS er aber mit der Zunge versäumte, holten seine unheimlichen Augen ein, die fortgesetzt die Runde bei der Tischgesellschaft mach- ten und in den Zügen die Chancen deS Spiels, an den Händen die Richtigkeit der abgelegte«
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