eitung
I Fuldaer
iamnlSPfg., amen di- >
{Rabatt
ptmccfc ». ■ O***M
29. Jahrgang.
Stutoa, Domerstag, den 20. Februar 1902.
n*i
I
iiltiü
r
e
limmt
s
Ter-
m-
lg«3-
!ost.
BH.
»ul« all. gen ?58
iS »les, 18.
ch en iie in lM iie >ie le, nb re« m, im Ile F0 sie ei« ch- btt dir für )u-
uf< net Inan«
so on
Seit cur '01, )QO imt den L*/i ein ge- teb 900 eru 3a« :ika der ins rsel sch- ber die
"TSSrÄSf' mit IltckrHattungs -Aeikage „Allustrirte Sonntags-Zeitung"
3>exr Wcitev Schuld.
Original-Roman von Fr. Collet.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
„Heute bat es mir aber schon wirklich Mühe gekostet!" stöhnte der Alte, erhob sich auS seinem Lehnstuhl und wankte zum Alkoven hin, hinter dessen Gardinen sein Lager stand. — Aber er schlief nicht, erst als er die vierte Morgenstunde Schlägen hörte, und mittels eines beim Bette hängenden Klingelzuges die Knechte auS ihrer Ruhe gescheucht, schlief er ei», ungeachtet des Geräusches, daS die Knechte beim Pferdeputzen und Mehträuken mochten.
Nachdem alles zum Anspannen fettig hrrge. richtet war, wurde noch Bernard geweckt, der nach kurzer Zeit in die Küche eintrat, einen großen, säst das ganze Erdgeschoß einnehmenden Raum, deffen nach der Straße belegenrr Theil als Kaufladen diente, und deffen ganze Einrichtung auS einem großen Anrichtschrank, einem die Mitte der Raumes einnehmenden Tisch und einer Anzahl weißer Stühle bestand. Ein riefiger Kamin, deffen Herd jedoch schon einer modernen Koch« maschine gewichen war, nahm fast die eine Wand des Raumes ei», deffen Decke mit Speckseiten, Schinken und Würsten reich behangen war: DaS unverfälschte Bild einer westfälischen Wirthschafts« küche.
Fast gleichzeitig mit Bernard trat auch feine Schwester Elise in die Küche, von dem Bruder in freundlichem Tone wegen ihres Frühaufstehens gescholten. Sie antwortete nicht, aber während
bilden."
Es ist das Recht der Krone, die Beamten nach ihrem Ermeffen zu ernenne». Aber es steht der öffentlichen Meinung auch frei, ihre Bedenken zu äußern über bestimmte Maß« nahmen bei der Ausübung diests Rechtes. Und so muß er wieder einmal fefigrstellt werden, daß eine solche Unterordnung der Thätigkeit der gesammten Staatsmaschine unter einem vereinzelten Gesichtspunkt für das Staatswesen und für das allgemeine politische Leben unmöglich von Vorlheil sein kann, und ebenso wenig für die Krone selbst. Die Maßregelungen der« jenigen politischen Beamten, die als Mitglieder des p.eußifchen Abgeordnetenhauses ehedem gegen die Kanalvorlage gestimmt hatten, konnte» ja auch nicht aufrecht erhalten werden; sie wurden nach und nach alle wieder in Amt und Würden eingesetzt, und daS Ende vom Lude war, daß man sich allgemein über die Regierung lustig machte. Die Regierung sollte sich doch also hüten davor, sich einer zweiten Kanal-Niederlage auszusetzen. Vor allen Dingen aber sollte sie ihr Mögliches aufbieten, um eine Vermischung des Ansehens der Krone mit dem Ausfälle der nächsten Wahle» zum preußischen Abgeordnetenhause zu verhüten. De» Wählern aber möge daS eine neue Warnung sein,Beamten nur dann ihreStimme zu geben, wean sie sich vorher ganf genau und ganz zuverlässig über deren Anschauungen unterrichtet haben. Beamte, die in ihrem parlamentarischen Verhalten von der Regierung abhängig sind, sind und bleiben ungeeignet für die Ausübung parlamentarischer Mandate.
* Die preußische Staatsschuld belief sich, wie wir dem soeben im Abgeordnetenhause erschienenen 53. Bericht der Staatrschuldenkom- Nachdem sie eine Weile mit dem Schneiden des für den MittagStisch nöthigen Gemüses beschäftigt gewesen, ließ das Knarren der rostigen Thür- angeln sie aufbltcken. Ein freundlicher, glückliches Lächeln umspielte ihren Mund, als ste daS Gesammelte eilig aus der Schürze in den Korb gleiten ließ und einem jungen Manne entgegen- ging, deffen Eintritt in den Garte» ihr daS Knarren der Angeln verkündet hatte.
Ein Handschlag bildete die stumme Begrüßuxg deS jungen Mannes, der etwa Ende der zwanziger Jahre stand.
Voll kindlicher Freude erzählte Elise dem Geliebten, daß sie wohl hoffen dürfe, Bernard werde ihre lieben Braunen wieder Heimbringen. „Hätte ich Deinem Rath eher Folge gegeben und mit Bernard gesprochen, er würde heute gar nicht zum Markte gefahren sein; aber jetzt konnte er es nicht ändern, da doch der Vater eS einmal so bestimmt hatte," schloß sie ihre Erzählung.
„Dein Bruder ist also nach Diffen hinübergefahren. Dann treffe ich wohl morgen ;am Abend in Sassenberg oder Füchtorf mit ihm zusammen."
Elise verfärbte sich. „Dieser häßliche Pa- trouillendienst," stieß sie unwillig hervor, „mit einem Fuß stehst Du dabei immer im Grabe. Die gewissenlosen Schmuggler fragen ja nicht darnach, ob sie Dir, wenn Du sie ertappst, eine« Schuß geben; o wie traurig ist doch Dein Beruf!" Herzensangst und Furcht klangen aus des Mädchens Worten und aus der Frage: „Mußt Du denn auch immer dabei sein?"
„Ich könnte daheim bleibe», Schatz," antwortete er, „aber eS wäre wenig tapfer, muthig und edel, wollte ich meine Untergebenen, die doch
lieben Sachlage ist. Anderwärts »ar man tangn m<yr mehr darüber im Zweifel, daß der «alser und wat namentlich, wenn eS sich um sogenannte politische Beamte handelt, bet Ernennungen oder «efSidernn-M stetS über die Stellung des Borgefchlageaen zur «atotftBg unterrichtet zu werden wünscht .... Ebenso ist « sehr wahrscheinlich, daß ... bereits die Regierung». Präsidenten von dem Minister de» Innern darauf Angewiesen worden find, es werde, fall» Neu wähle» »um Mbgeordnetenhanse vor Erledigung der Kanalvorlagestattstuden, diese die Wahlparole
gegeben:
Sn konservativen Kreisen hat eS . . . Erstaunen erregt, daß der (preuß sche) Minister ;des Innern einer Abordnung, welche um Beschleunigung der Ernennung eines Landrathes bat, gesagt hat, eS müsse vorher W Stellung deS Kandidaten zur Sanalfrage sestgestellt werden. Dieses Erstaunen zeigt aber nur, nie” wenig bekannt man in diesen Kreisen mit der wttfc leben Sachlage ist. Anderwärts war man längst nicht
gelangte. Ganz richtig sagt in diesem Sinne die Begründung der Vorlage: „Für dm Betrieb der staatlichen Steinkohlenbergwerke in ObetsNesim und an der Saar und nicht minder für die Eisenbahnverwaltung würde eS daher von wesentlichem Vortheil sei», wen« auch die mtentbehr- liche» westfälischen Steinkohlen wenigsts«? theil- weike vom Fiskus selbst gewon»m werd« könnten." Außerdem handelt eS sich um die Kohlmgemi«. nung füx die deutsche Marine, und schließlich verweist auch die Begründung auf die Nothwmdig- kett eines Gegengewichtes gegen die Allmacht des westfälischen Kohlenfyndikates mit folgmden Worten: „Als Besitzer und Betreiber eigner Bergwerke in Westfalen würde eS dem Fiskus ermöglicht werden, eine» gewissen Einfluß auf die dortige Preisbildung auszuüben, was sowohl ihm selbst als Verbraucher, wie auch der Allgemeinheit zu gute kommen würde."
Man kann diese Art der Begründung im Allgemeinen recht glücklich nenne». Es ist er» fteulich, daß sie die früher i* mehreren Parlamenten ausgesprochenen Wünsche berückfichttgt; außerdem aber kann es der Forderung nur zum größten Bortheile gereichen, daß sie sich auch von anderen Gesichtspunkten auS rechtfertigen und billigen läßt.
Die Erwerbung der vorher aufgeführten Steinkohlenfelder durch den preußischen Staat würde Nicht nur für Pceußen, sondern auch für andere große Theile deS Reiches von wesentlichem Nutze» sein. Elstens würde bet Kohlenbedarf der Reichs-Marine zum Theil billiger werden. Zweitens würde» die westfälischen StaatSuntervehmungen mit der Zeit einen wohl- thätigen Einfluß ausüben auf die Preisbildung der Kohlen im ganzen Reiche.
Deutsches Deich«
Berlin, 19. Februar 1902.
X Der AnSekseier des hopste» gedenkt auch die offiz'öst ,Norddeutfche Allgemeine Zeitung' mit einer Kundgebung, in der es unter anderem heißt:
Air verstehen die Siftunungen der Verehrung, die unsere katholischen Mitbürger beim Anbruche dieses seltenen Jubeljahres bewegen. In der langen Reche der Pipste gibt es nur wenige Beispiel« für eine zeitlich so ausgedehnte Verwultung deS obersten HirtenamteS. Die Regierung Leo'S XIII. hat überdies auch nach ihrem Inhalte Anspruch auf einen glänzenden Platz in der «irchenzeschichte. Wie seit langem kein Anderer seiner Vorgänger auf dem Stuhle Petri hat gerade das gegenwärtige Oberhaupt der katholischen Kirche die geschichtliche Idee des Papstthums verkörpert. Dieser Ide« steht daS neue Deutsche Reich, daS nicht mehr im mittelalterlichen Sinne nach Weltherrschaft strebt, unbefangener gegenüber, als das vergangene Heilige Römische Reich Deutscher Netto». Kaiser und Papst haben seit Jahrzehnten ihr Interesse dabei gefunden, mit einander von Souverän zu Souverän in den Formen der völkerrechtlichen Eourtoiste zu verkehren, und der jetzige Träger der Tiara verdankt die nachhaltigsten Erfolge seines Pontifikates einer weisen Pflege der Beziehungen des Päpstlichen Stuhle» zu der deutschen Großmacht. Da» Entgegenkommen, dar er hierin bei den Kaisern aus dem Hause Hohenzollern gefunden hat, ist dem internationalen Ansehen de» Papstthnm» förderlich gewesen. Se. Majestät der Kaiser und König hegt auch persönlich für den ehrwürdigen Kirchenfürsten eine aufrichtige Sympathie, die über da» Maß der zwischen Souveränen herkömmlichen Höflichkeit hinauSgeht. Unter den Addie alte Kathrin, ein Erbstück d.s Hauses, dem Gesinde den großen Küchentisch deckte, d. h. neben geschnittenem Pump'rnickel einem riesige« Stuten (Weißbrod) und ein Körbcben voll Knabbeln (Hartgebackene Brocken aus Wüßbrodteig, die im Kaffee geweicht werden) nebst Butter, Milch und für jede» auS der Tischgesellschaft ein Kümpchen (Porzellan-Napf, etwa einen halben Liter fassend) aufstkllte. richtete Eiise für sich und den Bruder den Kaffeetisch in einem kleinen Neber-stübchen her, einer Art Kontor, wie das Geldspind und das Stehpultchen bewiesen, die neben einem Tisch und zwei Stühlen die einzige Ausstattung bildeten.
Bernard war in gedrückter Stimmung und um diese zu verscheuchen, suchte er mit der Schwester scherzend anzubinden, wozu wieder ihr ungewöhnlich frühes Auffiehen herhalten muffe.
Elise jedoch nahm die Sache ernst. „Ach," meinte sie, „es will mir gar nicht paffe», daß die beide» alten Braune», »ach so vielen treuen Diensten nun in fremde Hände kommen solle». Du hättest den Vater bereden müffen, die guten Thiere hier zu laffe» und ein jüngeres Pferd für eilige Fuhre» hmzuzukaufen."
„Und damit kommst Du jetzt erst, nachdem wir schon monatelang vo» dem Handel mit Knecht und Magd geredet habe»," tarn es etwa« unwirsch von Bernard zurück. Aber der hübsche» Schwester blaue Augen, die ihn mit fünfter Bitte anblickten, besänftigten bald den aufsteigenden Umnuth. Die Kleine, wie er sie trotz ihrer 21 Jahre immer noch nannte, war stets Bernard'» Augapfel gewesen, wre auch das Mädchen mit herzlichster Geschwisterliebe an dem Bruder hing. Als Bernard nun aufstand, ihr die Hand reichte
ordnunge», welche zum Jubiläum Seiner Helligkeit die Glückwünsche der einzelnen Mächte darbrMgen, wird eine Spezialmission de» deutschen ReichsoberhaupteS nicht fehlen.
So »eit die Norddeutsche. Nur zwei Päpste haben eine längere RegierungSzeit aufzus-eise», als bisher Leo XIII: Pius IX. mit 32 Jahren und Pius VI., der 24 Jahre und 9 Monate auf dem hl. Stuhle saß. Die Missionen der Staatsoberhäupter, die deren Glückwünsche dem Papste überbringen sollen, werden erst zur Bollenlmng des sünfundzwanzigsten Pontisikats- jahreS in Rom eintreffen, also im Februar 1903.
* Zum heutigen Beginn des Ikegierttng»- juvirs««» des heilige» Water» hat Karl Fürst zu Löwenstein folgendes Rundschreiben an die Mitglieder des Komitees für römische Angelegenheit versandt:
An die geehrten Mitglieder des Komitees für römische Angelegenheit-».
Die seltene» Jubiläe», welche im h-urigen und nächsten Jahre vo» unserem Hl. Vater Leo XIII. gefeiert werden, veranlafsen mich nach langem Schweigen, einige Worte an Sie zu richten.
Aus der Beilage ersehen Ste, waS der preußische Episkopat in Bezug auf die kirchliche Feier ange- ordnet hat. In Bayern und in der oberrheinischen Kirchenprovinz find mit geringen Abänderungen dieselben Verfügungen erlaffen worden. — ES fragt fich nun, was die Laien und insbesondere daS Komitee für römische Anzelegenheiten bei diesen hochwichtigen An- lässen thun können, sowohl um warme Theilnahme zu bekunden, alS auch um die Befühle innigster Dankbarkeit gegen Bott und treuer, liebevoller Anhänglichkeit an den hl. Stuhl in uns und in Anderen zu belebe» und zu stärken.
DaS Centralkomitee der katholischen Beneraloer- sammlunge» beabfichtigt, eine große deutsche Wallfahrt »ach Rom im Frühjahre nächsten Jahres zu veranstalten. Mir scheint, daß eS für »nS angezetgt wäre, im heurigen Jahre eine Deputation »ach Rom zu entsenden und zwar nicht bloß von üntgen Mitgliedern unseres Komitees, sondern auch »en Abge, sandten aller katholische» Vereine und Komitee» in Deutschland, welche fich unS etwa an» schließen wollten. Ich wiederhole: Mein Antrag ist nicht aus eine Wallfahrt gerichtet, sondern nur auf eine Entsendung einer Deputation von hierzu Beauftragten und Bevollmächtigte». — Wünschenswerth wäre eS, wenn die Deputation nicht mit leere« Händen käme.
Einen weiteren Vorschlag erlaube ich mir gleichfalls der Prüfung und Begutachtung der Herren zu unterbreiten. Ich habe mit Freude in der Bella,e Nr. 88 der .Germania' gelesen, daß das Berliner „Komitee zur Veranstaltung von Pilgerzügen" beschlösse» hat, am 24. KrönungStage S r. Heiligkeit verbunden mit dem 93. Geburtstage am 3. März d. I. eine großartige Festversammlung, verbunden mit außerordentlicher PeterSpfennigspendung, zu veranstalten. ES wär, gewiß recht und schön und von wahrem Nutzen, wenn in allen Städten Deutschlands diesem Beispiele folgend im Lause dieser Jahres zu geeigneter Zeit Festversamm- lungen abgehalten würden, um die Katholiken zu Dank- und Bittgebet und zu reichlicher Spende des PeterSpfennigs anzueifern. Selbstverständlich wäre in den zu haltenden Reden auch aller anderen Pflichte« der Katholiken zum Schutze und zur Förderung der kirchlichen Rechte und Interessen re. zu gedenken.
und in feiner ruhigen treuherzige» Weise sprach: „Ich will sehen, waS sich machen läßt," da wußte Elise schon, vaß er am andern Abend ihre lieben Braune» wieder zurückbri»gen werde.
Noch eine kurze Umschau hielt Bernard au dem Wagen, «achsehend, ob auch die für Saffen- berg und Füchtorf mitzuuehmenden Waaren recht verladen fe en, bann stieg er zu dem Knecht auf, und von den beiden noch recht rund und glatt auSsehenden Braunen gezogen, rollte der Wage» zum Städtchen hinaus. Eben läutete man in der Franziskanerkirche, deren Thürmchen vorwitzig über daS dichtbewachsene EmSufer herüberschaute, zur ersten Messe, als der Wagen über die Ems- brücke fuhr und die Stadt verließ.
Kaum eine Stunde nachher verließ auch Elise das HauS; einen Handkorb tragend schlug auch sie den Weg über die EmSbrücke ein. Wie fast jede Familie, auch wenn sie sonst keinen Ackerbau trieb, so hatten auch KemanS vor dem Thore ihren Garten, der das für die Küche »othwendige Gemüse, Obst und einen Theil der Kartoffeln lieferte; den» auch von Warendorf galt und gilt noch heute das Wort: „Wenn man alle Bürger, die Landwirthschaft treiben, aussondert, dann bleibt kein Einwohner übrig. Diese Gärtchen sind der Bürger Stolz; sauber gehaltene Wege, reizende Blumenbeete unWn freundliches ©arten« Häuschen bilde» i» der Regel ihren Schmuck, einzelne zeichnen sich noch durch ihre in Figuren geschnittene Hecken, durch allerlei Zierlichkeiten des Gartenbaues aus.
Um diese Zeit sah es freilich schon recht uh« freundlich und kahl in dem Garten au«, den Elise jetzt betrat und dessen Thür sie nur anlehnte.
die den na, i.37.
IM, l«se i- 10M1.
tun, talt, . 39.
; JE 42.
Wenn die Herren mit meinen Vorschlägen einverstanden find, bitte ich, in Ihrer Antwort auch die Mittel und Wege anzudeuten, welche Ihnen fitr die Durchführung am geeignetsten erscheine».
Die gefällige» Antworte» bitte ich bis spätestens ti. d. M. nach Haid Über Eger senden zu wollen.
Kleinheubach, den 14. Febr. 1902.
Karl Fürst zu Löwenstein.
x „Da» persönliche Moment.« Unter dieser Ueberschrist bringen die .Hamburger Nuchr/ eine Darlegung, von der sie sagen, daß sie ihn«, von freikonservativer Sette zutztgangen fei. W eien folgende Sätze dieser Darlegung hier wieder-
[J Der Staat als Bergwerks- Unternehmer.
Im preußische» Abgeordnetenhause ist der Gesetzentwurf in erster Lesung beratheu worden, bet 58 Millionen Mark zum Erwerbe von Bergwerks- Eigentbum in dem Oberbergamts - Bezirke Dort- mund für den Staat fordert.
Der Anstoß dazu ist durch die verschiedenen .parlamentarischen Auseinandersetzungen über die Kohlentheuerung vor 1—2 Jahren gegeben wor- de». Das Kohlen-Syndikat hat in manchen Stücken gewirthschastet, wie eS nicht hätte wirthschasten sollen, und darum wurde von verschiedenen Seiten wiederholt die Forderung ausgestellt, der Staat möge auch im Ruhrkohlen-Sebiete Kohlenbergwerke erwerben, ebenso wie in Oberfchlesien, Nieder- schlesten und an der Saar; denn dadurch würde die Alleinherrschaft des Syndikates im westfälischen Kohlengebiete gebrochen werden.
ES handelt sich bei der Vorlage in der That nur um den Erwerb von Steinkohlengruben. Meistens sind eS noch unerschloffene Zechen, im Ganzen 96 Normalfelder umfassend, die zum größten Theile im Bezirke Recklinghausen liegen. ES handelt fich nicht um ein zusammenhängen- des Bergwerkssystem; es sind vielmehr für den Ankauf in Aussicht genommen 52 Felder in den Kreisen Recklinghausen und Lüdinghausen, an- geboten von den Erben Vohwinkel, die sämmt- lichen Kuxe der Gewerkschaften Vereinigte Gladbeck, BergmannSglück, Gute Hoffnung und Berlin, ferner das Steinkohlenbergwerk Waltrop b i Waltrop, endlich das der Gewerkschaft Deutscher Kaiser zu Hamborn gehörige Stein- kohlenfeld Potsdam und die Rechtsansprüche dieser Gewerkschaft aus zwei «teinkohlen- inuthunge» zwischen den Feldern Berlin und Potsdam. Immerhin liegen die in Aussicht ge- nommexen Felder so nahe bei einander, daß ste leicht durch eine einheitliche Verwaltung geleitet werden können. Im Ganze» übertreffen ste an Größe auch den größten Privatbefitz.
Die Begründung der Gesetzentwurfes weist nicht nur auf die früher laut gewordenen Wünsche hin, durch größeren Staatsbefitz ein Gleichgewicht zu schaffen gegen die Macht des Syndikates. Sie beruft sich namentlich darauf, daß der Staat es ebenso machen wolle, wie große private Eisenwerke, die zum eigenen Bor- theil ihren Kohlenbedarf so viel wie nur möglich selbst erzeugen. Die Kohlenbergwerke, die dem Staate bereits gehören, liegen zum über- wiegenden Theile an den westlichen (Saar) und östlichen LandeSgrenzen (Schlefisn); im Innern des Landes fehlt es an staatlichem Kohlenbergbau. Welche Maffen von Kohlen der Staat bisher noch laufen mußte, gehl aus folgenden Ziffern hervor. Allein die Verwaltung der preußischen Gtaatsbahne» bezog im Jahre 1900 int Ganzen 5,554 618 Tonnen, und davon mußte ste 2,694,820 Tonnen in Westfalen von privaten Bergwerken laufen, also beinahe die Hälfte des ganzen Bedurft! Und in dem Etatjahre von 1900 auf 1901 sind der Staatsbahnverwaltung dabei auch noch sehr große Schwierigleiten erwachst», bis ste überhaupt in den Besitz dieser westfälischen Kohle