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mit Zlnlerhattungs-Beilage „ZssuKrirte Sonntags-Zeitung" wÄÄr“

33. ' Jutöa, Montag, den 10. Februar 1902. 29. Jahrgang.

O Das Ultimatum?

Der Ankündigung, es werde in diesen Tagen eine Kundgebung des Reichskanzlers über die Stellung der Regierung zu der strittigen Haupt­sache im Zollstreite, zu den Getreide,öllen ergehen, ist die Tbat gefolgt. Reichskanzler Graf Bülow hat eine Gelegenheit dazu erwählt, die als sehr paffend bezeichnet «erden muß: das Festmahl, das der Deutsche Landwirthschaftsrath in üblicher Weise im Hotel Kaiserhof in Berlin Freitag Abend veranstaltete. Wenn der Reichskanzler über landwirthschaftliche Fragen unter Landwirthen spricht, dann kann man nicht annehmen, daß er etwas planmäßig gegen die Landwirthschaft im Schilde führe; und thatsächlich hat er seine Aus­führungen in Worte gekleidet, die in außerordent­lich lebhafter und zum Theil auch überzeugender Weise darthun, daß die Versicherung von dem Herze«, das die Regierung für die Landwirthschaft habe, nicht nur leere Redensart ist. In der Politik fitzt das Herz gewöhnlich da, wo auch der Vor- theil ist; und ganz richtig hat Graf Bülow zuge- standen und auegeführt, daß das monarchische Regierungssystem seine Hauptstütze in der Be­völkerung des platten Landes, also in der land- «irthschaftlichen Bevölkerung findet. „Die Wahr­heit ist — sagte der Kanzler unter anderem wört­lich — daß ich, indem ich die Interessen der Landwirthschaft zu fördern trachte, die Wünsche und Absichten unserer Kaisers ausführe, der sehr wohl weiß, was er an der Landwirthschaft hat, und was die Landwirthschaft in wirthschaftlicher, militärischer und sozialpolitischer Hinsicht be­deutet . . ."

Also man kann glauben, daß da« besagte Herz für die Landwirthschaft wirklich in der Brust der Regierung schlägt. „Wenn die Regierungen auch leider nicht immer thun, wa« wir wollen — gut meinen sie'« doch mit uns!" hatte der bayerische Reichsrath Freiherr von Soden vor dem Reichskanzler in seinem Trinkspruche auf die Gönner der Landwirthschaft in der Regierung

Und warum thun ste es den« nicht? „Wenn die Verbündeten Regierungen — jo hat Gras Bülow diese Frage beantwortet — der Landwirthschaft helfe» sollen, so müssen fie auch von den Freunden der Landwirthschaft unterstützt werden. Durch nichts «erdm die berechtigten Bestrebungen der Landwtrth« schäft mehr gefährdet und geschädigt, als durch Urbertreibungen und Einseitigkeiten. Die Ver­bündeten Regierungen find darüber einig, daß die von ihnen vorge­schlagenen Getreidezölle die Grenze bezeichnen, bis zu welcher jene Zölle erhöht »erde» können, ohne einerseits der ganzen übrigen Bevölkerung lästig zu fallen, und «ohne anderseits der Abschluß von Handelsverträgen in Frage zu stellen, wie sie Landwirthschaft, Industrie urd Handel brauche«, die alle drei mit festen Verhältnissen rechnen müssen und alle SaS Bedürfiüß nach ruhigen und gleichmäßigen Zuständen haben." Und ein paar Sätze weiterhin sagte der Kanzler: „Ich sage Ihren als ehrlicher Steuermann:

Sitte» Wille ni NMe-Wse.

Eine Erzählung aus der Ruhrgegend von G. Ksppert.

2 ------ (Nachdruck verboten.)

„Bleib' brav und harre aus, bete und ver­traue auf Gott, denn was er will, geschieht immerdar. Folge Deinem Vater in Allem, was recht ist."

In die Mahnungen des Pfarrers, dem Mutter und Sohn aufmerksam und andächtig lauschten, drang lautes Weinen aus dem Kuhstalle. Hier büßte Wilhelm unter den kräftigen Fäusten des Bauers seine unzeitige Tanzlust.

Der Imbiß wurde rascher eingenommen, als de« Steinkamps lieb war. Der Pfarrer drängte nämlich zum Ausbruch, da der Nebel stieg und schwoll. Man sah den weißlichen Dunst in feinen Streifen durch die Ritzen des Fensters ins Ge­mach fallen.

Frau Anna ging am weitesten mit dem Pfarrer. Der Bauer war am Thore umgekehrt, da er das Gesinde zum Abendgebet rufen wollte.

„Und betet für meinen Johannes, und denkt beim heiligen Opfer an iHv/ bat die Bäuerin. „Ich meine, daß ein Priester in ihm stecket. Ich hab' schon gesehen, daß er sich Freitags mit Stricken geißelte, und oft genug legte er sich Nachts Holzscheite unterS Bettlaken."

„Das ist doch etwas zu viel," meinte Pfarrer Korn nachdenklich. „Ein Pferd, das M<m jung übertrieb, ist alt oft nichts mehr werth. Allerdings fürchte ich Solches bei Johannes nicht. Sc hat eine» Harken Charakter. Gewiß will ich

Das Schiff der Tarifoorlage kann sich wohl überWasser halten; aber bei noch schwerer Ladung werden die Wellen am Ende zwar nicht den Schiffer, wohl aber de« Kah« verschlingen." Das heißt also, aus der Bilder­sprache in nüchternes Deutsch übersetzt: Die Regierungen wollen auf keine« Fall über die von ihnen vorgeschlagenen Getreidezölle hinaus­gehen, sollte die Mehrheit des Reichstages auf einer weiteren Erhöhung bestehen, dann werden die Wellen den Kahn verschlinge», dann wird der Reichstag aufgelöst werde», der Steuermann aber, der Kanzler, wird an seinem Platze bleiben und es mit denselben Zolloorschlägen bei einem neu gewählte« Reichs­tage versuchen.

Jeder vernünftige Man» ist einverstanden mit dem von dem Grafen Bülow aufgestellten Grund­sätze, daß die Getreidezölle die übrige, also nicht landwirthschaftliche Bevölkerung nicht belästige« dürfen. Jeder Volksfreund stimmt mit dem Kanzler darin überein, daß, wie er an einer andern Stells seiner Rede sagte, bei uns „eine nationale Wirthschafts-Politik herrschen muß, die Jedem das Seine gibt. Saum caique!“ Aber die Meinungen find über die Art der Ausfüh­rung dieser gute» Grundsätze getheilt. Wer ent­gegen den Verbündeten Regierungen mit dem Mindestsätze der Getreidezölle nicht unter 6 Jk für alle Hauptgetreidearten heruntergehen will, der denkt damit doch nicht im mindesten daran, daß er einen Beutezug gegen die nicht landwirth- schaftlichr Bevölkerung des Reiches unternehmen wolle, daß er, um das alte widerwärtige Wort zu widerholen, Brodwucher treibe» wolle. Die ganze wirthschaftliche Politik des Crntrums bei­spielsweise beruht auf dem Grundsätze von dem gerechten Ausgleiche der einzelnen Berufsstände ««ter einander, auf der Unterstützung der wirth- schaftlich Schwachen, auf der Hilfeleistung da, wo sie noth thut; dennoch steht des Centrum in seiner überwiegenden Mehrheit auf dem Stand­punkte, daß die Zollvorschläge der Regie'- i.g nicht ausreichen dazu, der Landwirthschaft k ■ ihr un­bedingt nothwendige Zollunterstützung i bringen. Also in den Grundsätzen herrscht b- den Ver­bündeten Regierungen und beider zoll/ Mdlichen Reichstags - Mehrheit vollkommene Ueb reinstim- mung; nur mit den Ansichten über die Ausfüh­rung haprrt's.

Wird da« Zureden des Kanzler« bei denen etwas helfen, die der ehrlichen und aufrichtigen Ueberzeugung sind, daß die von der Regierung vorgeschlagenen Getreidezölle für die nothwendigsten Bedürfnisse bec Landwirthschaft nicht aurreichen, und daß auch noch etwas höhere Zollsätze für Ge­treide diejenige Bevölkerung, die nicht der Land- wirthschaft angehört, nicht belästigen werden? Wer eine ehrliche und aufrichtige Ueberzeugung sich angeeignet hat, darf sie auf gutes Zureden nicht aufgeben, auch dann nicht, wenn er es herz­lich bedauert, demjenigen, der ihm zuredet, nicht zu Willen sein zu können. Er muß für das ein­stehen, was seine Ueberzeugung geworden ist, das ist seine selbstverständliche Pflicht. Der Gegner selbst müßte ihm die Achtung versagen, wenn er vor einer schönen Kanzlerrede umfiele, wie ein ■■■■«■MM—KTWMWTWIMH MaiWgMHIMBmillllWIIM, I Illi MM für ihn beten." Und eine Thräne im Auge, wanderte der Geistliche heimwätt-.

Er schob die Schuld der Thräne auf den Nebel, der im bis an die Brust reichte und ihm ab und zu spielend« Wellen ms Erficht trieb. Noch hört- er von Eteinkamps Hof rin Kirchen­lied herüberschallen, sah dir Lichter bli k<m, wenn er sich umwandte — dann schlugen die Wogen ors Nebels über seinem Haupt zusammen, und nichts mehr war rmrrkbmlich, der Blick aber auf zwei Schritt im Umkreise eingeschränkt.

2.

Nach diesem Namenstage sind zwei Jahre und darüber verflossen. Zw i Jahre — eine Spanne Zeit, dis schnell vergeht. Stetzkamps Hof liegt noch gerade so breit und behäbig in der Haide wir dazumal. Höchstens das Moos auf den Pfannen hat sich etwas ausgebreitet, und der Zimmermann hat unter -dem mittelsten Spricherbülkrn eine Stütze gesetzt, bann zw imcl nacheinander war eine volle Ernte.

Auf der Rampr sitzt Bauer Steinkamp. Er sieht aus, all ob alle Veränderung, die die beiden Jahre mit sich brachten, ihn allein getroffen hätte Sein Rücken ist gebeugt, das Haar ist dünn geworden und schneeweiß, und hunderte von Runzeln durchfurchen sein eingefallenes Ge­sicht.

Nur zwei Schreiber find'S, die solche Hand­schrift schreiben: die Krankheit und der Gram. Nun ist aber bei alle» Steinkamps von Krank­heit nie die Rede gewesen; sie starben entweder an einem Unglücksfalle oder an Altersschwäche. Also hat der Gram allein und weiter nichts den Bauer in seinen besten Jahren zur elenden Ruine gemacht.

Kartenhaus im Winde. Er mag dem Kanzler und den Verbündeten Regierungen ihr Recht zu­gestehen und es ihnen nicht verübeln, wenn sie in der guten und angenehmen Form dieser jüngsten Kanzlerrede ihre andere Meinung vertreten; aber er selbst darf diejenigen nicht im Stiche lassen, denen er vorher andere Versprechungen gegeben hat, und er selbst muß seine Ueberzeugung ver- theidigen, die er bisher, auf guter Grundlage fußend, für die bessere gehalten hat.

Mit dem Herzen allein — sagte Graf Bülow selbst — ist für die Landwirthschaft nichts gethan. Diese muß auch Tyaten sehen! Wer also meint, daß die Vorschläge der Regierung nicht ausreichen, um dieses Herz für die Landwirthschaft zu bethätigen, der muß andere Thaten. sehen lassen, als die Regierungen sie in Aussicht stellen, auch wenn nachher die Wellen das Reichstagsschiff verschlingen. Ein neues Schiff wird bessere Frucht bringen!

Deutsches Keich»

Berlin, 8. Februar 1902.

X Des Kaiser und die HSskvranterr. Es bestehen zwei verschiedenartige Fassungen darüber, ob der Kaiser den Berliner Polizei­präsidenten von Windheim und denGeneral- superiptendente« Dr. Faber ausdrücklich zu einer Aussprache über die Gesundbeterei, den Spiritismus und dergleichen eingeladen, oder ob sich das Gespräch darüber gelegentlich entwickelt habe bei der Abendtafel, zu der die beiden Herren geladen waren. Zur Beurtheilunz der Sache, auf die es dabei ankommt, macht das kaum einen Unterschied aus. Die Hauptsachs-ist, daß der Kaiser bei dieser Gelegenheit in sehr erfreulich kräftiger Weise gegen alle diese Dinge sich ausgesprochen hat. Man weiß allgemein, daß solcher Unfug auch in den vornehmen Kreisen in Berlin und Potsdam sich sehr breit gemacht hat, und man kennt die betreffend '« Personen zum Theile ganz genau. Auf diese Kreise wird es ohne Zweifel den gewünschten Eindruck nickt verfehlen, daß der Kaiser sehr be­stimmt geäußer: bat: Personen, die sich an dem Treiben der Spa stiften, Gesundbeter und ver­wandten Richtungen betheiligen, sollen vom Zu­tritt zum kaiserliche« Hofe ausge­schlossen werden. Mit Polizeimaßregeln läßt sich leider schwer etwas gegen solchen Unfug thun. Nur dann kann eingrschritten werden, wenn eigentliche Betrugsfälle nachgewiesen werden können, in denen bestimmte Personen Schaden erlitten haben. Daraus hat bereits neulich Staatssekretär Graf Posadowsky im Reichs- tage hingewiesen. Die verschiedenen Hinweise auf das theils kindische, theils schwindelhafte Treiben haben zum Theil schon ihre Wirkung gethan: den „Gesundbetern" wurden bereits I mehrere Räumlichkeiten verschlossen, in denen sie bisher Zusammenkünfte abhielte», so auch das Viktoria-Lyceurn.

+ K«glisch-r Sch«i«del. Es gehört zu den liebsten Beschäftigungen der Engländer, dem deutschen Reiche die Lust nach allerhand über­

seeischen Abenteuern und Besitzergreifungen nach- zusagen. Jetzt soll wieder einmal der chinesische Hafen Weihaiwei aus dem Besitze Englands in denjenigen der deutschen Reiches übergehen; natür­lich sind aber auch diese neuesten Behauptungen der englischen Presse von Anfang bis zu Ende unwahr.

+ Ki«e arge Gehässigkeit leisten sich die berliner Neuesten Nachrichten', die niedriger ge­hängt zu werden verdient. Dieses Organ der Großindustrie nimmt sich der Erhaltung der Mahl- und Schlachtsteuer in den Städten an und scheut in diesem Sinne nicht vor der widerwärtigen Unterstellung zurück, daß diejenigen Mitglieder der Zolltarif-Kommission, die den freisinnigen Antrag auf Beseitigung dieser städtischen Nahrungsmittel- zölle unterstützen, dies nur deswegen thäten, weil sis — — „im geschäftlichen Interesse eines Theiles der Landwirthe die Lieferung schlechteren Fleisches in die Städte der Lieferung besseren, weil verzollten Fleisches, vorziehen". Das Organ der Größten unter den Großindustriellen scheint mit gutem Erfolg bei den Herren Singer, Stadt­hagen und Genossen Unterricht genommen zu haben in „feiner" politischer Tonart!

* Der Tolers«za«trag des Centrum« wird vor Ostern nicht wieder auf die Tages­ordnung kommen. Ueberhaupt sollen die Initiativ­anträge bis nach Ostern zurückgestellt werden, damit der Etat rechtzeitig erledigt werden kau«. Hoffentlich hat sich bi« nach Ostern auch Sachsen entschlossen, den Katholiken volle Religionsfreiheit zu gewähren.

* Ein Nachtragsetat zu Gunsten der Krieg»»etera«e« wird dem Reichstage binnen TfiSU—

tage« strich 100,000 Jk. von den geforderten 200,000 Jk. (erste Rate) für Vergrößerung de» Schießplatzes Cummersdorf, strich ferner die ge- forderten 120,060 Jk. für artilleristische Einrich­tungen auf dem Truppen-Uebungsplatz? Neuham­mer und bewilligte die geforderten 140,000 Jk. für einen Pionier - Uebungsplatz in Kehl, sowie 125,000 Jk. (erste Rate) für Neubauten des Kaval­lerie-Regimentes in Mülhausen in Els., 230,000 Jk (erste Rate) für den Neubau des General-Kam- wandos in Metz, 300,000 Jk (erste Rate) für Ersatzbauten anläßlich der Stadterweiterung von Metz, sowie die geforderten 115,920 A für Dienst- Neubauten und Umbauten in Metz, strich M«’ gegen 280,000Jk. oon bet Säuberung o on 480,000 Jk. für Beschaffung eines Exerzierplatzes in Kalmar und genehmigte schließlich unveränbert ben würt- tembergischen Militär-Etat. — Im weiteren Ver­laufe der Sitzung wurden die einmaligen Aus­gaben beS außerordentlichen Etats für Preußen berathm. Von bet geforderten 1 Million für Beschaffung von Feldbahn - Material (6. Rate)) wurde 1/a Million gestrichen, von den geforderte« 1,464,200 Jk. für Beschaffung des Kriegsbedarfs an Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken und Friedensgarnituren (letzte Rate) wurden 250,000<ä gestrichen.

4- Derewsrechl der Irems«. Unsere Leser kennen die Petition der Gesellschaft für soziale Reform im Interesse der Frauen: es

Stemkamp sinnt und sinnt, während feine Blicks über die Stoppelfelder hinaus in die weite Haide schweifen, die jetzt in voller prächtiger Blütbe steht. Sie gleicht einem einzigen un­geheuren Samttevpich von tiefem, warmen Violett.

Denkt der Bauer an Pfarrer Korns Worte, daß Gottes Wille sich um Menschenpläne nicht kümmert? Ec hätte Ursache dazu in Hülle und Fülle.

Bauer Sreinkamp hat keinen Sohn mehr! Z ar, ste leben »och, Johannes und W-lhelm, aber er hat die Bande zerrissen, die ihn an fie fesselten. Wen» sein Wille nicht durchging — der Ihrige sollte sich auch nicht'erfüllen, so weit es an ihm lag.

Johannes hatte als Erster unter feinen Mit­schüler», öfferttlicht belobigt, die Lateinschule ver­lassen. Wie hatte er gebeten und geweint, um geistlich studtren zu dürfen! Der Schuldirektor und zwei oder drei P ofifforrn waren gekommen und hatten für Johannes gesprochen. Er war stolz über die Anerkennung seines Sohnes, war so freundlich wie möglich, und hatte ihnen Alle« vom besten Wein vorgesetzt, der sein Keller barg. Aber sein Wille blieb bestehen — das sagte er ihnen beim Abschieds.

Und dasselbe erklärte er dem Herrn Pfarrer, der arg zusetzte. Er drohte ihm sogar mit dem Gerichte Gottes und der Ewigkeit. Warum nur? Er war ja in seinem Recht! Pfarrer Korn wurde nicht mehr zu Johannes eingeladen, und der Postbote brachte ihm von nun an das Geld für die Armen i»S Haus.

Ern Jahr nach Johanne« erhielt Wilhelm fein Abgangszeugniß von der Lateinschule. Glän­zend wars nicht, und auch kein Professor nahm seinethalben mit dem Vater Rücksprache. Ganz!

gleich, er würde sich auf der Hochschule oben am Rhein schon emporarbeite«.

Wilhelm bezog dis hohe Schule in feinem Tuchanzug, mit vieler Wäsche und manchem harten Thaler im Sack. Johannes blieb ge­horsam und arbeitete im Fel)e und im Stalle.

Rund ein Jahr hatte »8 gedauert, da hatte Wilhelm geschrieben: „Ein Geistlicher würde er nie. Er habe keinen Beruf und keine Neigung dazu. Wenn er scho^ nicht Bauer werden dürfe, so wolle er auf Advokat studiren."

Da war lange Zeit trüb Wasser auf Stein« kamps Hof gewesen. Thränen waren geflossen wie in einem Trauerhause. Nur er, der Bauer, war starr geblieben.

Kaum war der erste schneidende Schmerz vorbei und die mildere Traurigkeit hatte ihre ernste Herrschaft angetreten, wie wenn ein starkes Gewitter sich in einen grauen Landregen auf­löst, da war ein anderes Ereigniß eingetreten, welches dem Bauer ungleich mehr Gram be­reitete als Wilhelms verändertes Studinm.

Nachdem er diesem im Emverständniß mit der Bäuerin und mit Johannes die Abfindungs­summe, auf die er später Anspruch gehabt hätte, persönlich überbracht und gegen die flchentlichea Bitten seiner Angehörigen Wilhelm verboten hatte, noch fernerhin die Schwelle des Vaterhauses zu überschreiten und auch nur noch einen Brief nach Hause zu richte», schien sich der Steinkampbauer von dem Schlage, der ihn getroffen hatte, wieder zu erholen. Er war wieder mit erneuter That« kraft vom ersten Hahnenschrei bis zum Abendläuten in seiner Wirtschaft thätig, ließ sogar ein Stück Haide urbar machen — und plante von neuem. (F. f.