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FuldaerMZeitung

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Rabatt gewährt.

29. Jahrgang.

IuLöcr, Samstag, den 8. Februar 1902.

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"TX*mit Zlnlerhattungs-Aeitage „ILuArirte Sonnlags-Zeitung" pct«#a«e« n*. 1 (»ereiMKI.

• Eine Geheimstudie.

Staatssekretär von Tirvitz hat heute (Frei« "tag) im Reichstage seinen Erlaß an die mili» täusche Abteilung des ReichSmarineamteS als etwas recht Harmloses bezeichnet, als eine „Studie". Noch mehr, er yat dar Verdienst für sich in Anspruch genommen, in Flottendingeu nicht eine treibende, sondern vielmehr eine brem» sende Kraft gewesen zu sein und noch zu sein. Hoffentlich bremst er nicht noch so stark, daß chm dieS Mißtrauen in den oberen Regionen zu­zieht; dann würde ihm der Eifer, mit dem er sich und seinen geheimen Erlaß heute im Reichs­tage zu vertheidtgen suchte, möglicherweise auch noch gefährlich werden können von anderer Sette her, nicht nur durch die Angriffe der Herren Bebel und Richter.

Den Rednern der anderen Parteien, der Konservativen und Freikonservativen, des Cen- trums und der Nationallrberalen, muß Herr Staatssekretär von Tirpitz äußerst dankbar sein. Denn wenn er nicht von allen diesen Seiten eine so reichliche Unterstützung mittelbarer und un­mittelbarer Natur erhalten hätte, würde er ver- muthlich die Rolle des Greists auf dem Dache gespielt haben, der sich nicht zu helfen weiß. Dena wenn man die Dinge, wie sie thatsächltch liegen, recht ernsthaft und genau betrachtet, dann findet man, daß durch dir heutige Reichs- tagsfitzung auch nicht mit einem Worte der un- angenehme Eindruck entkräftet worden ist, den gerade die allerwichtigste Stelle deS Geheim- rrlaffes des Herrn von Tirp'tz gemacht hat, nämlich die Stelle, an der eS heißt, er, der Staatssekretär, habe die wahrscheinlich noth- wendige Steigerung der Indienststellungen vor­läufig außer acht gelaffe», um die Flotten- Worlage nicht auss äußerste zu gefährden.

Man hat diese Worte auf sich beruhen und damit gewiffermaßen Gnade vor Recht ergehen laffen — vielleicht auf gewiffe Versicherungen hin, die Admiral v. Tirpitz im außerparlamentarischen Verkehr persönlich abgegeben hat. Schließlich würde es in der Thal ei» recht unliebsames Schauspiel gewesen sein, wenn dem Staatssekretär sei« Amt und seine Stellung durch die unsaubere» Prak­tiken der Hintermänner des sozialdemokratischen .Vorwärts' untergraben oder auch nur gefährdet worden wären. Herr Bebel hat im Reichstage behauptet, keiner der „Genoffen" kenne den Man«, der dem .Vorwärts' den Erlaß zugelettet habe, und der .Vorwärts' kenne ihn selbst nicht. Aber auch wenn diese Behauptung durchaus wahr wäre, bann würde« dadurch diese Praktiken nicht sauberer werden. Gestohlen bleibt gestohlen und Verrath bleibt Verrath; waS mit Diebstahl und Verrath in die Welt gesetzt wird, kann niemals sauber sein.

Herr Staatssekretär von Tirpitz hat in der 'Reichstagssitzung vom heutigen Fcettag von den Rednern aller Parteien, die Sozialdemokratie und die Freisinnige Volkspartei ausgenommen, das

Gittes Wille Bib Mevschesplätik.

Sine Erzählung aus der Ruhrgegend von G. Kappert.

------ (Nachdruck verboten.)

1.

Ein heißer Mitsommertag l:egt auf der braunen 'Haise, saugt neblige Dünste aus dem kreisrunden Kolk links vom Richtweg und zehrt an den dünnen Wafferfäsen, die leise murmelnd thalwärts ziehen.

Er ist noch nicht sehr lang her, daß da« Mittagläuten verklang, und die Sonne steht hoch am blauen Himmel. Streifige Wolken liege» wie festgehakt auf den Spitzen des Tannenwalds, der den fernen Horizont wie ein dunkles Band ein« säumt.

Eine unsägliche Melancholie brütet über der Landschaft; es fehlt in ihr an heiteren Farben, an bewegten Linien, am lauten Leben. Nur die Grillen zirpen im heißen Sand unter den dorrenden Stämmchen des Hatdekrauts, und eine einsame, Lerche trillert in der gluthzitternden Luft. Zu' Zeiten hebt sich der Wind für eines Athemzuge» Länge und treibt den Sand des Weges in leise klingenden Rillen vor sich her — dann wieder die gleiche tobte Ruhe.

Jetzt wirbelt neben den niederen Brand- hämmern von Leithes Kotten der Staub auf. Der Wind thut's nicht, denn die halbversengten Fähren an der verfallenen Giebelmauer rühren sich nicht, und die weißgraue Staubwolke hat Be­stand und bewegt sich langsam in der Wegrichtung '«rmärtt. lieber der Wolke schwebt da» Dach

Zeugniß ausgestellt erhalten, daß er sich einer Täuschung nicht schuldig gemacht habe; noch mehr, Herr von Levetzow hat ihn sogar belobt deswegen, weil er so außerordentlich bescheiden in seinen Forderungen und die bremsende Kraft sei gegen­über dem militärischen Treiben und Drängen nach stärkerer Beschleunigung des Flottenaurbaue»! Nochmals, es möge unentschieden bleiben, ob gerade dieses Lob dem Herrn Admiral und Staats­sekretär nicht ein wenig unheimlich war. Aber so ist es geschehen, und so möge es nun bleiben, bis — ja bis der Reichstag und die Welt mit der nächsten großen Flottenvorlage überrascht werden. Da« ist eine spätere Sorge, sagte heute Abg. Müller-Fulda vorn Eentrum, stellte indeffen gleichzeitig dabei fest, daß er anderer Meinung ist al« Herr von Tirpitz, der durchaus bei der Be­hauptung verharrt, der Reichstag sei nicht in Un- kenntniß darüber gelassen worden, daß die Regierung 1894 in einer neuen Flotten­vorlage auch die ehemals abgelehnten Aus­landsschiffe fordern werde. Herr Abg. Müller hielt dem Staatssekretär vor, daß im Gegentheil die Verbündeten Regierungen den Reichstag darüber vollkommen in Unkenntniß gelassen hätten. Desto mehr legte sich der nationalliberale Adg. Graf Oriola ins Geschirr: er benützte die ihm außerordentlich willkommene Gelegenheit, um wiederholt das große Bedauern der National- liberalen darüber zum Ausdruck zu bringen, daß der Reichstag noch keine Gelegenheit gehabt hat, durch die Bewilligung auch der AuSlandsch.ffe zur Bezahlung derselben dem Volke zu neuen Reichsabgaben zu verhelfen! Die Nrtionallibe- ralen werde» vermuthlich bald genug Gelegenheit bekommen zur Bethätigung ihres Flottenüber- eiferS.

Die Gemeinheit des Aktendiebstahls im Marine- Amte wurde am kräftigsten gegeißelt durch den konservativen Abg. Graf Roo». Derselbe sprach unter fortwährendem Lärm der äußersten Linken von einer Thal, die die Verachtung der ganze« Welt verdient, und bezeichnete es als un- erkölt, daß Herr Bebel auch noch ganz offen erkläre, die Sozialdemokratie werde in allen ähn­lichen Fällen in Zukunft ebenso verfahren. Die Glocke auf dem Prästdententische kam während der Ausführunsen des Grafe« Roon aus dem allerheftigsten Läuten nicht heraus — aber der Lärm half der Sozialdemokratie nichts. Mit allen Stimmen gegen diejenige« der Sozialdemo­kratie und der Freisinnige» Volkspartei wurde der Titel Staatssekretär genehmigt, wobei von de» Freisinnige» sogar »och eieer ja fegte, näm­lich Abg. Schmidt Elberfeld, und nachher ohne jegliche Debatte der ganze übrige Theil des Marine-Etatk nach de» Vorschlägen der Budget- kommissto« und ebenso der Etat für Kiautschou.

Am Samstag gelangen der Eiet des Reichs­schatzamtes und der Justizetat zur Berathung.

Deutsches Keich«

Berlin, 7. Februar 1902.

• Oege« die KesnudSeterei! Der Kai ter hat am Donnerstag den Berliner Polizeipräsidenten von Windheim und de«

eine« großen Schirmes, und bald ist es klar, daß )er staub verhüllte Wanderer kein Anderer ist, als der hochwürdige Herr Pfarrer Korn von Heisingen.

„Wenn ich'» nochmals zu thun hätte," sagte der würdige Herr, während er sich mit dem Taschentuch Kühlung zusächelt. „dann ließ ich Bauer Steinkamp seinen Namenstag allein feiern, ganz gewiß. Doch nun ja, wenn ich nicht käme, müßten Frau und Kind und In- gefind' seine böse Laune entgelten. Haben einen harten Kopf und ei» rasches Blut, alle Stein« kamp» . . ."

Nach einer kleinen Viertelstunde athmet Pfarrer Korn erleichtert auf. „Gott fei Dank, da wären wir!"

Hebet einer sich lang hinziehenden Sand- welle erschienen die krausen, grünbelaubte» Kronen von Obstbäumen, dazwischen ein spitzes, joheS Dach mit brandrothen Ziegeln; aus dem weißgetünchten Kamin stieg eine feine graublaue fiauchsäule kerzengrade in die stille Luft. Se- ächtet und rauheS Reden, dazwischen aufgeregtes Hundegebell drangen zum Pfarrer herüber und agten ihm, daß die NamenStagfeier schon im Gange fei.

Unter de» Linden, die in langer Doppelreihe wie Schildwachen vor bet Thoreinsahrt standen und Wolke» betäubenden DnsteS ausströmten, chloß der Pfarrer feinen Schirm und richtete ich her, so gut eS in bet Eile gehen wollte. Denn man hatte ihn schon längst bemerkt, und eben trat der Bauer ins Thor, zur Seite seine leiden Söhne, dahinter die Bäuerin und die ichernde, unruhige Schaar ver Mägde und

Knechte.

Generalsuperintendenten D r. F a b e r empfangen, nm mit ihnen Rücksprache zu nehmen über Maßregel« gegen den in letzter Z it zu Tage getretenen Obskurantismus: Gesundbeten, Seien- tismus, Spiritismus — so meldet die offiziöse .Norddeutsche Allgemeine Zeitung'. Das ist seht erfreulich. Daß man eS bei drt Gesundbeterei nicht nur mit einem Obskurantismus, sondern, wenigstens theilweise mit einem unmittelbaren Sch windel zu thun hat, weiß man bereits hinlänglich.

X Die städtische» Aögaven für Krol tettb Fleisch und für andere Nahrungsmittel bei der Einfuhr vom Lande in die Städte find heute (Fceitag) Gegenstand von Berathuraen in in der Zolltarif-Kornmission des Reichs- tagis gewesen. Die Berathung über die Para­graphen 9 und 10 des T rrifgesetzes wurde nämlich deswegen auSgesetz». weil der Bericht- erstatter (Abg. Speck vom Cmtrum) nicht an­wesend war. Anträge auf Beseitigung der städtischen Mahl- und Schlachtsteuer» sind von den Freifinnigen und vom Crntrum ei« gebracht worden. DaS Centrum hat aber seine» Antrag zu Gunsten des freisinnigen Antrages zurück- gezogen. Dieser Letztere lautet:

Für Rechnung von Kommunen oder Korporationen dürfen Abgaben auf Getreide, Hülsenfrüchle, Mehl und andere Mühlenfabrikate, desgleichen auf Backwaaren, Fleisch, lebender Bieh, Fleischwaaren und Fett nicht erhoben weiden.

Der Antrag wurde unterstützt durch die Ab­geordneten Mäkler -Fulda (Centrum), Frei­herr von Wangenheim (kons.), die Frei­sinnige» und Sozialdemokraten — bekämpft do» dem nationalliberalenAbg. Dr. Beumer. Eine Abstimmung hat heute noch nicht stattgefunden.

X 5er deutsche Land w irt h sch ast sr at y und die Iolksrage. Im Sommer des Vorjahres hat, wie bekannt, der ständige Ausschuß des deut­schen LandwirthschastSratheS die Zolltarif-Vorlage der Regierung zum Gegenstände von BerathunM gemacht und dabei vorgeschlagen, die Zollsätze far die vier Getreidearten gleichmäßig auf 7 Jk. 50 festzusktzen, die Mindest,ätze aber auf 6 Jk., auch gleichmäßig für alle vier Getreidearten. Diese Vorschläge find f. Z mehrfach abfällig kritifirt worden; man erwanete darum, daß sich jetzt i« der allgemeine» Versammlung deS deutschen Land- wirthschaftSratheS erregte Auseinandersetzungen an jenen Vorschlag des ständigen Ausschusses knüpfen würden. Das ist indeffen nicht geschehen. Nur zwei der anwesenden Mitglieder des Landwirth- schastsratheS haben darüber gesprochen, näm- lich Reichsrath Freiherr v. Soden au8 Bayern und Freiherr o. Wangenheim, der Präsident deS Bundes der Landwirkhr. Der Erstere betonte, daß gerade unter den gegenwärtigen Umstände» nichts »öihiger fei, als die Einigkeit; der Letztere schloß sich diesem Vorschläge an und beantragte, den Bericht über die Thätigkeit des ständigen Ausschusses ganz einfach zur Kenntniß zu nehmen und damit auf sich beruhen zu lassen. Ohne ein Wort weiter darüber zu verlieren, hat die Gesammtheit des LandwirthschaftSratheS in diesem Sinne beschlossen, und zwar utitrr dem lebhaften Beifalle der Versammelte«.

4- Kit» vlutdurstsger Ireihändker ist der RetchStagSabgeordnete für Bremen, Herr

Der Bauer räusperte sich und sagte laut und ernst: „Gelobt sei JesuS Christa»!" Die gleichen Worte wiederholten olle Anderen, und der Pfarrer antwortete: „In alle Ewigkeit. Amen."

Hierauf nahm man ihm Schirm und Kastor- Hut ab, reichte ihm klares Wasser in irdener Schüssel und ein felbstgewobenes Handtuch aus grobem Seinen.

Man hatte halb und halb auf ihn nicht mehr gerechnet, da Mittag vorbei war. Um so größer und aufrichtiger war jetzt die allgemeine Freude. Rasch war Teller und Besteck gerichtet; Bauer Gteinkarnp trat mit steifen Komplimenten Sessel und Ehrenplatz an be« Pfarrer ab. Sodann sprach Hochwürden daS Tischgebet unb dann erst traten die Freuden der Tafel in ihre vollen Rechte ein und wurde« langsam unb gründlich verkostet; in Westfale« weiß man, was Essen heißt.

Auf der klafterhohe» Rampe vor dem Haufe »ar der Tisch gedeckt. Mächttge Kastanie» spen­deten kühlcn Schatten: auS dem Garten brachten eise Lüftchen den Duft der E^elrosen, die der Bauer höchst eigenhändig pflegte. Der Blick schweifte weit, weit hinaus t» die sonnendurch- flühte Haide, bis zu den Tanne» am Horizont und zu Letthe's Brandstätte; lieber aber blieb er im länglichen, scheunen- und mauerumgebenen Viereck deS Bauernhofs, daS zum größten Theil vom Obstgarten ausgefüllt wurde, ober auch enkte er sich auf die gelbgrünen Wogen der Kornfelder, die einen umfangreichen See vor- täufchten, i« dessen Ritte Steinkamp S Hof wie eine Insel lag.

Hermann Frese von der Freifinnigen Ver- einigung. Ec faßt die gegenwärtigen wirth- fchaftlichen Auseinandersetzungen als einen Kampf diS aufs Messer, einen gegenteiligen Beutezug auf, in dem die Freunde eines er­höhten Zollschutzes für die heimische Arbeit angeblich darauf auSgehen sollen, die freihänd­lerischen Gegner auSzurauben unb zu erstechen. Herr Frese ist ein Freund der Obstruktion um jeden Preis. Ec hat in einer Versamm- lungSrede in Breme» klipp u»b klar gesagt: Er werde im Reichstage bei der Berathung der Zollvorlagen nur dann mitstimmen, wenn er felbst einen Antrag auf namentliche Abstimmung mit seiner Unterschrift versehen habe; und Herr Frese hat nach vorliegende» ZeitungS- berichten wörtlich hinzugefügt: „Im übrigen halte ich Diejenigen, welche den Beutezug mitmachen wollen, für verpflichtet, die Majori- tätSprüsung selbst zu stellen. Wen» Jemand mir sagt: Ich möchte Dich erstechen, besitzt aber das Messer nicht dazu — so brauche ich bte Waffe zu meinem Untergänge nicht zu liefern." Herr Frese sagt also von den Mitgliedern der zollsreundlichen Reichstagsmehrheit, sie wollten ihn „erstechen". Es scheint fast so, als hätten die Herren vom weiblichen Freistnn ein ganz be­sonderes Vergnügen daran, nicht nur der Sozial­demokratie ihre Geschäfte machen zu helfen, son­dern auch deren wüste Redeweise sich anzueignen. Für einen Vertreter der würdigen Patrizierstadt Bremen ist da« etwa« doppelt Auffällige»; und daraus ersieht man von neuem, mit welchem Haffe und mit welcher Begehrlichkeit für die eignen Jntereffen der bessere Schutz für die heimische älrbeit, die Heimathpolitik, von denjenigen Wenrgen verfolgt wird, deren Vortheile im Auslande liegen. Dem Sonderinteresse einer sehr geringen Anzahl von überreichen Kaufleuten und Schifffahrtsinte- reffenten soll die Masse de» Volke» dienstbar ge­macht werden, und die Sozialdemokratie Hilst wacker mit dabei, weil sie weiß, daß bann ihre revolutionären Ziele am ehesten erreicht werden, wenn Jene zur Herrschast bei un» in Deutschland gelangen sollten.

• Konflikt int Königreich Sachsen. Bet den Berathungen in der Finanzdeputation der sächsischen Zweiten Kammer hat ee sich heraus- gestellt, daß bei den Eisenbahnbauten mehre« Aurgabeposten de» letzten Etat» rund 50, 70 und sogar 80 v. H. überschritten worden find; und die Deputation hat da« ganz richtig al» ver- fassung-widrig bezeichnet. Es wurde Rachsuchung der Indemnität verlangt, die Regierung ver­weigerte sie anfänglich; und diese Herausforderung be« Landesparlament» hat eine solche Erregung bervorgernfen, daß man von einem offenen Kon­flikte zwischen Regierung unb Parlament sprechen muß. Die Slellung der Finanzministers von Watzdorf ist jedenfalls unhaltbar geworben, vielleicht auch biejenige anderer Minister.

* Dresden. 7. Febr. 1902 Das ,Dresdener Journal' melbet, fämmtliche Mitglieder be« Gesammtministeriums unterbreiteten dem König ihre Entlassungsgesuche. Der König hat sich die Entschließung über die Gesuche Vor­behalten. Die einzelnen Minister wurden vom Äönfg beauftragt, bi« auf weitere« dieGeschäfte fortzuführen.

^Seht jetzt," sagte der Bauer zum Gesinde, als da» festliche Mahl beendet war« „vergnügt Euch in Eyren, und wenn der Abendstern auf­geht, beten wir auf der Diele den „Engel deS Herrn". So ist'S doch gut, Herr Pfarrer, nicht?"

„Gewiß," versicherte der, „gewiß, Steinkamp« bauer."

Dieser rief dem abziehenden Gesinde nochmals warnend nach: „Daß mir Kein'S an meinem Feste Unfug trübt! Getanzt wird nicht, daß Ihr'« wißt. Das wolle» wir dem heiligen Jo- Hannes nicht antbun." —

Nunmehr rückte der Bauer mit feiner Familie zu vertrauterem Gespräch um den Pfarrer. Ma« sprach von der gegenseitigen Gesundheit, dann von de« Gemeindearmen, denen der Bauer jeweils am Johannistage ein größeres Almosen Überreichen ließ. So wars hergebrachte Sitte von Setten seines Urgroßvaters an, der in KriegSnöthen unb Kriegsgefahr de» Brauch be­gonnen hatte, um GotteS Hilfe in schweren Zeit, läusten zu genießen. So stand eS auf dem ver­gilbten Titelblatt bet Hauspostille.

Gerührt knüpfte Pfarrer Korn die Goldstücke in den Zipfel seines blauen Sacktuch«. „Wer den Armen gibt, leiht unserem Herrgott auf Wucher. DaS Gebet der Armen wird Euch nicht fehkn, Bauer."

„Laßt sie für unseren Johanne- beten," bat die Bäuerin mit einem liebevollen Blick auf den starkknochigen Jüngling neben ihr, ber mit feinen blauen Augen unb den flachsblonden Haare« einen merkwürdigen Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder bot, ber schwarzlockig unb dunkeläugig war und Überschlanke Statur hatte.