KuldaerMZeitrmg
29. Jahrgang
Iulöa, Mittwoch, den 5. Februar 1902.
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öfter bilden
Pritsche, als wollte Ihnen
Kürzeste würde eS sein und bleiben, wenn die Regierung diese Maskenlüftung eher vornehmen wollte, ob nun mit BiSmarck'scher Ueberlieferung oder gegen dieselbe.
mitgehen, wenn ich Zeit hätte, sehen im Kasino! Müssen sich
rief er ein ums andere Mal. „Ich will ein anderer Mensch werden, das schwöre ich Ihnen. Ich will ein anderer Mersch werden, wie auch Tie ein anderer geworden find," fügte er leise und ernst hinzu. Dann verriegelte der Schiit ß er hinter ihm wieder die Thür und brummt; in den Bart, daß „für Spitzbuben und ähnliches Gelichter" der Hrrreott b.sier sorge, als für ehrliche Beamte, die Frau und Kinder hätten. Das Trinkgeld aber, welches ihm Johan« Wilhelm, seinem ungefügen Worte innerlich beistimmend, in die Hand drückte, lr ß ihr, vergnügt schmunzeln: „Keine Regel ohne Ausnahme."
Nun aber hielt Johann Wilhelm nichts mehr in dem düsteren, dumpfen Gebäude zurück. Eine Centtierlast war von seiner Serie gewälzt die über quoll in Dankbarkeit gegen das gnädige Walle« d-r Vorsehung. Aus dem Gericht-pl-che warf er sich in eine Droschke und ließ sich in eilender Fahrt zum Heim feiner Kinder bringen.
Thild« öffnete selbst die Thür der kleinen Villa, die er ihnen zur Morgengabe gebracht hatte. Wie heller Sonnenschein glitt es über ihr Gesichtchen, als sie de! unerwarteten Besuchers arsichttg wurde. „Du bleibst jetzt aber zu Mittag bei uns. Heinrich muß im Augen- blick kommen. Nein, die Freude!"
Sie hatte am allermeisten unter Johann Wilhelms selbstgewollier Vereinsamung gelitten, die schon vor der Hochzeit in Erscheinung getreten war. Nur selten hatte er ihre Besuche angenommen, fast stets hatten Heinrich und sie von der weinenden Mina den Bescheid erhalten: „Ec will nicht!" So noch am @ibe der vorigen Woche. Und h:ute kam der Vater selbst mit Hellen Augen und einem leisen Freuden-
kaffen!"
Lillig lag weinend auf der
Johann Wilhelm eintrat. „Ich ,, sagen," sprach er zu dem reuigen Sünder, „daß Sie um Ihre Zukunft nicht in Sorge zu sein brauchen. Sobald Sie frei find, können Sie bei mir in Stellung treten!"
Lillig küßte, von Rührung überwältigt, Jo- Hann Wilhelms Hand. Gr fühlte, daß nicht mehr Derjenige vor ihm stand, der ihn vor Jahren zu dem nämlichen Vergehen verleitet hatte. „Ich danke Ihnen, ich danke Ihnen!"
Hann Wilhelm.
„Gewiß, wenn Sie wünschen. Hier, der Diener wird Sie zu ihm bringen. Würde selbst - Auf Wieder-
«rschewt. ttgtich, m.AuSnihme btt 6»»n-vab Feier- tage, viertetjührt. §e,»go»reio
»bneBringerlohn «ab Bestellgelb in «utoa und aus» Stet« 11R.60 $f-
3 Zur Wittwen- und Waisen- Versicherung.
Der Plan, gewiffe nach Annahme der neuen Zolltarifs sich ergebende Zoll-Mehrerträge zur Erleichterung der Durchführung einer Wittwen- unb Waisen-Versicherung festzulegen, wie es das gentrum beantragt hat, hat bekanntlich eine lebhafte Kritik hervorgerufen. Die Beschuldigungen, wie „ungeheuerlicher politischer Schwin- bei", „widerliche Heuchelei", „ultramontane Brodwnchertaktik" re, in denen sich besonders die sozialdemokratische Presse hervorgethan hat, sind natürlich nicht ernst zu nehmen. Auch bedarf es gegenüber der plumpen Unterstellung, der Centrumsantrag solle dem „Bro-dwucher" Vorspann leisten, kaum der Feststellung, daß für die Haltung des Lentrums in der Zollsrage nur dasjenige Maß von Schutz, welches unsere Landwirthschaft gegen die auswärtige Konkurrenz unbedingt haben muß, bestimmend ist. Jndeß auch ernsthafte Kritiker haben sich gegen den Antrag gwandt. So schrieb die.Soziale Praxis' in Nr. 16; „Auf einem so unsicheren und schwankenden Boden (Zolleinnahmen) kann man ein so wichtiges und nothwendigeS Werk der Sozialreform nicht auf bauen." Aber das Centrum wird auch nicht im Entferntesten daran denken, die Wittwen- und Waisenversicherung auf den „zur Erleichterung" derselben iestgeleg- len Zolleinnahmen „aufbauen" zu wollen. Selbst- verständlich muß eine solche Versicherung auf eine festere Grundlage gestellt werden, als solche Einnahmen eS find. Es sei hier erinnert an die beachtenSwerthen Vorschläge, welche Re- giemngsrath Düttmann-Oldenburg in Nr. 1 bis 5, Jahrgang 1901 der Zeitschrift „Arbeiier- wohl" (redigirt von Professor Hitze) zur Wüt- wen- und Waisenversorgung macht. Zstttmann hält den Anschluß der Wittwen- urb Waisenversicherung an die Jnvalibenversicheung für eine Nothwendigkeit; dadurch würde aber auch die Möglichkeit einer Ausgleichung der voraussichtlich sehr ungleich fließenden Zolleinnahmen ge- währt. Im einzelnen beruhen nämlich die Bor- schläge darauf, daß die eine Hälfte der 93er« ficherungSlasten durch Beiträge der Nächstbethei- ligten (Arbeitgeber und Versicherten) nach den für die Invalidenversicherung geltenden Grundsätzen aufzubringen fei, die andere Hälfte dagegen auS dem Semeinvermögen sämmtlicher Versicherungsanstalten im Verhältniß der für die Geme^ last bestimmten Theile ihres Vermögens zu decken fei. Sodann heißt es:
„In demselben Berhältniffe werden die Einkünfte aus der Erhöhung der Nornzöllr auf die Bei siche-ungS- «nstalten »ertheilt. Wenn die aus diesem Wege der einzelnen BersicherungSanstalt zuflirßrnden Summen mit den ihnen buchmäßig zuzuschreibenden Zinsen nicht zur Deckung der von der Anstalt für Rechnung de» GemeinoermögenS zu erstattenden Zahlungen auS- reichen, so ist der Fehlbetrag von dem wetteren Kom- munalverbande oder dem Bundesstaat, für dessen Ge« Stufen hinab; er kann auf s°i« Gesicht einen schnellen, scharfen Blick werfen — es zeigt keine ganz ungewöhnliche Aufregurw.
„Sechs Monate hat er gek-iegt, btt Lillig," so sagen bis Leute. „ES hat ihm noch gnädig gegangen."
Ein ihm vom Kasino her bekannter Rechtsanwalt ststgt langsam die breite Treppe hin- unter, wobei er sich eine Cigarette rollt. Der Zufall läßt ihn ben Millionär erblicken, unb freundlich grüßend eilt er auf ihn zu
„Gewiß vor bem Regen hier herein ge- flüchtet?" meint er und plaudert weiter, ohne eine Antwort abzuwarten. „Haben eben den Lillig abgeurtheilt. Kannten ihn ja auch, nicht? Ist ganz zerknirscht, ist ihm darum auch so gnädig gegangen. ®t wirb sich nun hoffentlich etwa» bessern, der Bursche."
„Könnte ich ihn einmal sehen?" fragte Jc
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Deutsches Keich.
Berlin, 4. Februar 1902.
* Der.Reichsanzeiger' veröffentlicht folgenden an den Reichskanzler gerichteten Reifer» licht* Krkckjj vorn 3. Februar:
„Wehmüthige (Bebanten erfüllen mich an meinem diesjährigen Geburtstage beim Rückblick auf das hinter mir liegende Lebensjahr, in dem ich neben anderen ernsten und trüben Erfahrungen den unersetzlichen Verlust meiner inntgstgeliebten, im Leiden schwer geprüften Frau Mutter erlitten habe, deren allzufrühes Hmscheiden eine so große Lücke hinterlassen hat in de» Herzen Mer, welche das Slück hallen, ihr im Leben nahe zu stehen. Ein erhebendes Befühl aber war e8 für mich, aus den Glück- und Segenswünschen, die mir an meinem Ehrentage von Rah und Fern in großer Zahl zugingen, erneut zu sehen, mit welch' herzlicher Theilnahme das deutsche Bolk Freude und Leid meines Hauses begleitet In alle« »heilen des Baterlandes in alle» Schicht, n der BevSlkerung ist mein Geburtstag festlich begangen worden. Fast auS allen Ländern der Erde brachte mir der Draht jubelnde Zurufe von Deutschen, die a« diesem Tage gern an die Heimath denken und gegen diese in der BethSttgung ihrer patriotische« Empfindu»»en nicht zurückstehen »ollen. In der vertrauensvollen Zuneigung meines Volke» «erde ich stets den schönsten Lohn für meine Arbeit erblicken; mein Streben wird unablässig darauf gerichtet fein, die Grundlagen für die gedeihliche Fortentwickelung auf allen Gebiete» deS öffentliche» Lebens zu festige» und daS Vaterland auf friedlicher Bah» vorwärts zu führen. Allen aber, welche — als Glieder von Behörden, Vereinen unb festliche« Vereinigungen »der allein für sich - mir durch die treue« Wünsche zu meinem Geburtstage Anhänglichkeit bezeugt haben, wünsche ich meinen «ärmsten Dank zu erkennen zu geben. Ich ersuche Sie daher, tiefen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen."
♦ Reichskanzler Graf Bülow beglückwünschte persönlich ven russischen Botschafter von HstettSacken zu seinem 50jährigen Dienstjubiläum und überreichte ihm ein H a nb s ch r ei ben Kaiser Wilhelms.
X Ai- Andgetstommiffion »es Reichstages ist heute (Dienstag) einmal in der Gebelaune gewesen. Es handelt sich, wie bekannt, um ben Ankauf von zwei Grundstücke«
• Zur Zolltarif-Frage schreibt die konservative .Kreuz-Zettung':
Ma« bemängelt vielfach, baß Graf Bülow bisher noch nicht eine enbgiltige Erklärung Aber die Stellung der Berbünbeten Regierungen zu etwaigen, vom Reichstage beschlossenen Aen- bernngen beS (Zolltarif--Entwurfes (zu Gunsten bessern Zollfchutzes für bie Lanbwirthschast) abgegeben hat. Wir finb der Meinung, daß der Zeitpunkt für eine solche erst gekommen ist, wenn Beschlüsse bes Reichstages vorliegen. Die Verschiebung bet endgtltigen Stellung- «ahme beS Bunbesrathes bis auf biefe« Zeitpunkt würbe auch . . . der Bismarck'schen Trabttion entsprechen. Sodann aber müssen wir von neuem betonen, baß von ber Mehrzahl berjenigen parlamentarischen Kreise, bie ber Lanbwirthschast bie Existenzmöglichkeit ge- sichert wissen möchten, bie in bem Entwürfe vorgeschlagenen Mindestsätze für Getreide nicht als ausreichend betrachtet »erben. Ausgabe dieser Kreise muß es nach unserer Auffaffung sein, auf die gleich gesinnten Mit- glieder ber Tarifkommission dahin einzuwirken, daß sie sich schleunigst über bestimmte Anträge auf Erhöhung jener «ätze einigen. Diese Anträge werben allerbings so zu gestalten fei«, baß sie nicht mit Sicherheit als ben Berbünbeten Regie- rnngen unannehmbar betrachtet werben können. AuS biefem Grunde kann es sich selbstverständlich nur um eine mäßige Erhöhung handeln ... Mit der Herbeiführung einer solchen Einigung im Schooße der Kommission darf aber nicht gezögert werde« ....
Sowett bie ,Kreuz-Ztg', derenMssührungen man ohne Zweifel aß eine offizielle Kundgebung ber konservativen Fraktion beS Reichstages auf« znfaffen hat. Ihre ganze Form läßt darauf schließen. Zunächst geht daraus hervor, baß innerhalb ber konservativen Fraktion des Reichstages die neuliche Kundgebung t« der offiziösen »Nordd. Allg. Ztg/ genau so aufgefaßt und be- urthetlt wirb, wie dies in biefem Blatte geschehen ist: Man glaubt auch bei ben Konser- nativen nicht bara«, daß bie Verbündeten Regierungen auch bann gegen jebe Aenberung ber Anbwtrthschastltchen Zölle sich ablehnend verhalten würbe«, wenn sie sich einer geschlossenen ReichStagsmehrhett gegenüber sehen würben, bie es anders will unb sich auf bestimmte Zollsätze geeinigt hat. Wenn man annimmt, baß man bie Verbündeten Regierungen zu Aenderungen ihres Entwurfes bringen könne, bann ist eS freilich zunächst baS selbstverständlich Folgerichtige, baß man sich zusammenthut, um dem Bundesrathe zunächst eine geschloffene parlamentarische HeereSmacht zu zeigen, mit ber er eS zu thun haben soll. Was bann geschehen soll, ist eine Frage der spätem Zeit. Wenn die Regierung sich wirk- lich darauf versteift, zu allererst einen bestimmte« Beschluß zu sehen, bevor sie ihre MaSke lüftet, bann wird immerhin noch längere Zeit vergehen, bis bie Sachlage einige Klärung erhalten haben wird. Das Einfachste und
an ber Wilhrlmsstraße in Berlin für die Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amtes. Die Regierungsvorlage fordert für ben Ankauf die Summe von 1578000 Mark. DieseForde- rung wurde aber abgelehnt, unb es würbe der Antrag bes EenirumSabgeorbneten Dr. Bachem angenommen, statt beffen bie Summe von 2500000 Mark zu bewilligen. Es solle« nämlich nothwenbige bauliche Veränderungen vorgenommen werben. Nur bie Freisinnigen und Sozialbemokraten stimmten gegen ben Bachem- scheu Antrag. u ,
X Die Iossäommission des Reichstags be- rieth ben Antrag Schwerin weiter, der bie Aushebung ber gemischten Transttlager verlangt. Im Laufe ber Debatte befürwortete d-r bayerische BundeSrathsbevollmächtigte Geiger die Regie- rungsvorlage. Gemischte Tranfitlager feien nur zu gestatten, wo ein dringendes Bedürfmß vorliegt. Abg. D a S b a ch -Mannheim bekämpft den Antrag Schwerin, der Mannheims Setreidehandel schwer schädigen würde. Staatssekretär Posa- dowSky sührt aus, die Mannheimer Transit- lager drückten den Setreidepreis nicht, ihre Ans- b»bung würde die Aufrechterhaltung unserer Ge- treibekonkurrenz in ber Schweiz erschweren. Speck(Centr.) befürwortet oenAntrag L-chwenn vorbehaltlich einer Sonberstellung für die Ostsee- Häfen. Fischbeck und Paasche bekämpfen den Antrag Schwerin. Heim führt aus, die Mann- Heimer Tranfitlager schädigen Bayerns Gasten- absatz; die Bedürfnißbestimmung in der Vorlage müffe strenger gefaßt werden. Badischer Bwoll- mächtigter Jagemann erklärt, die Aushebung ber gemischten Tranfitlager nützen ber Laub- wirlhschaft gar nichts, treiben aber ben Umschlagsverkehr ins Ausland. Weiterberathung morgen.
* Antrag auf schärfere Kestrafnng »e» Duells. Mit Unterstützung der freisinnigen Vereinigung hat der Abg. Schrader im Reichstage, wie schon telegraphisch gemeldet, einen Antrag eingebracht, welcher eine Abänderung der Bestimmungen des Strafgesetzbuches in Bezug auf die Strafe gegen da» Duell bezweckt. Der Antrag verlangt, daß statt der bisherigen Festungsstrafe in jedem Falle eine ®e* fängnißstrafe von nicht unter drei Monaten für die Herausforderung und von mindestens sechs Monaten für da« Duell selbst eintritt. Die Straffreiheit der Sekundanten wirb beseitigt. Sie sollen al« Gehilfen bestraft werden. Sei ben Beamten soll mit einer Strafe von mindesten« drei Monaten auch die Unfähigkeit zur Bekleidung von öffentlichen Aemtern für die Dauer von einem bi« fünf Jahren verbunden werden. Wer wegen Unterlassung einer Herausforderung ober Nichtannahme einer solchen Jemandem seine Verachtung bezeigt od'r ihn anderen gegenüber al» verächtlich darstellt, soll mit Gefängniß nicht unter einem Monat bestraft werden. Für Verletzungen ober Töbtungen im Zweikampf soll der im Bürger- lichen Gesetzbuch vorgesehene Schadenersatz geleistet werden.
* Der Keutrnmrarrlrag zur Iorbernug de- Kaudwerkr, brr zur zweiten Be- rathung des Etat« be8 Ministeriums schimmer auf dem runzligen Gesicht, schritt mit Interesse durch die hübschen, doch einfach ein- gerichteten Räume, bie er noch nicht gesehen hatte. Ja, darauf setzte er sich sogar auf ben Küchenstuhl neben dem Herb, an bem das junge Hausmütterchen noch mancherlei zu hantiren hatte, ur.d fragte, wa» es denn zu Mittag □cb?
Thilda lachte auf; bet Gegensatz zwischen dem ernsten, würdigen Wesen, bas sie an ihrem Vater gewohnt war, unb ber hausbackenen Frage war za komisch!
„Topfgucker!" warnte sie mit erneuter Heiter- feit unb drohte mit bem Kochlöffel. „Warte nur geduldig, bis eß an bet Zeit ist."
Bald kam Heinrich Schefet unb zeigte sich ebenso herzlich erfreut Über ben Besuch des Schwiegervaters wie seine junge Frau. Mtt Luft unb Scherzen wurde das einfache Mahl eingenommen, das Johann Wilhelm besser munbkte als feine ehemaligen opulenten Diners. Dennoch unterließ er eS nicht, zu bemerken, baß seine Kinder es besser haben könnten, wenn Heinrich nur wolle.
Aber in Uebereinft.mmung mit seiner jungen «rau hatte et es eben nicht gewollt und wollte cs auch süt die Zukunst sicht. ThilbaS überaus reichlich bemessene Mitgift hatte er bis zum letzten Pfennig im Geschäft feines Schwieget- , vaiers stehen gelassen unb benutzte noch nicht ; einmal den kleinster. Thetl der Zinsen. Sein ! Einkommen war für seine unb Thildas Bedürf- : niffe mehr als ausreichend, unb er hatte nur : die Tochter Johann Wilhelm?, nicht aber sein i Gelb begehrt.
(Fortsetzung folgt)
mit Anterhaltungs Meikage „Zll'ustrirte Sonntags-Zeitungs ""tSt'XÄF-""
tatet die Versicherungsanstalt errichtet ist, zu decken. — Da (bei Einrichtung der Wittwen- und Waifenverfiche- rung nach den von Düttmann ausgestellten Grundsätzen) i« den ersten Jahren nur geringe Betröge (im ersten Jahre vielleicht im Ganzen nur 4—5 Millionen Mark) zu zahlen find, dürfte au» den dem Gemeinvermögen zufließenden Zollbeträgen eine Reserve gesammelt »erden, welche trotz der schwankenden Einnahmen später die regelmäßige Zahlung der voraussichtlich nach 8-9 Jahren auf jährlich 12 Millionen Mark nndnach weiteren 60 Jahren bi» vielleicht 25 Millionen Mark steigenden, die Gemeinlast treffenden Hälfte der Kosten ermöglicht. Die Haftung de» «arantteverbande» für diese wie für die sonstigen Fehlbeträge der «erficherung»- anstalt ist also an fich voraussichtlich ohne thalsächliche Bedeutung, und nur nothwendig, um eintretendenfalls eine« ZahlungSpflichttgen zu haben. Daß die Wittwen- und Waisenversorgung zweifellos gleich der Jnvalcden- verficherung zu einer starken Entlastung der Armenverbände führen wird, so ist die Heranziehung de» GarantieverbandeS, die zudem nur bet einer Aufeinanderfolge guter Ernten gleichzeitig mit billigen Ge« treidepreifen eintrete» könnte, gewiß unbedenklich."^
Go dürfte sich also gewiß ein' »oben für bie Wittwen- unb Waisen-Versicherung finde« lassen, ber bie Verwendung von Zollüberschüffen für biefelbe ermöglicht, ohne baß die Versicherung auf solchen gewiß schwankenden Einnahmen auf- gebaut wird.
Der Spekulant.
Original-Roman von HanS Dahlen.
88) ------(Nachdruck verboten.)
Schnell hat ihn bie Straßenbahn zum ®e< richtSplatz gebracht; er begibt fich sogleich in baS Treppenhaus des Gerichtsgebäudes, wo die Anwälte mit ihren Klienten auf« unb abmanbeln, bie Parteien in ben Ecken stehen unb mit ben «etoösen Vertheidigern erregte Unterhaltung führen, wo bie Zeugen des Aufrufs harren.
Johann Wilhelm hält einen Gerichtsdiener an, um feine Erkundigungen einzuziehen. Nein, ber Lillig fei noch nicht abgeurtheilt. Aber die Entscheidung könne jeden Augenblick fallen. Unb ber Mann tn ber blauen Uniformjacke mit ben filberblintcnben Knöpfen entfernt sich eilig.
Auf einer Steinbank unter ber Treppenwange wirb ein Plätzchen frei. Hier läßt fich Johann Wilhelm ermattet nitber. Seine Blicke fallen gerabe dorthin, wo bie von ben Gerichts- ffilen herabsührenbe Treppe rechtswinklig auS- biegenb in ben Für bes Parterres mündet, unb gleich weiter durch die offenen Bronzethüren unb bie lannelirten Säulen ber Vorhalle auf ben freien Platz vor bem Gerichtszebäube, auf den ein feiner Sprühregen niederfällt.
Jetzt nimmt bas Stampfen ber Tritte auf bem harten Mosaikboden im Oberstock eine bestimmte Richtung an, wird eilender, aufregender. Eine neue kräftige Welle schlägt in bas summende Geplauver ber versammelten Menge. Johann Wilhelm weiß: Jetzt ist bas Urtheil gesprochen.
Da kommt auch schon ber Bürgermeister bie