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Jfä 24.. Jutöa, Donnerstag, den 30. Januar 1902. 29. Jahrgang.
□ Eine Konferenz - Rede.
Zu Groß-Auheim fand am 11. Januar eine Konferenz der katholischen Lehrer deS Bezirks-Vereins Hanau statt, auf welcher Herr Lehrer Hain-Groß-Auheim einen Vortrag über die „BerusSflucht" der Lehrer hielt. Redner bezeichnete damit euphemistisch den Mangel an Lu be und Eifer für ihren Beruf, wie er sich bei gar vielen Lehrern finde. Nachdem derselbe eine Reihe von Ursachen dieser Berufsflucht ar geführt hatte, die in den Lehrerkreisen selbst liegen, kam er auf jene zu sprechen, die außerhalb derselben fich finden. Unter diesen führte er hauptsächlich das Vcrhältniß an, in welchem die geistlichen Lokal-Schulinipektoren zu den ihnen unter- stellten Lehrern stehen und machte dabei wörtlich folgende Ausführungen:
„Leider ist eS traurige Thai fache, daß auch in diesen Kreisen die Werthschätzung der Lehrer nicht Gemeingut ist. Zwischen Geistlichen und Lehrern besteht oft ein Verhältniß, welches eher vom Gegenthetl Zeugniß ablegt. Den meisten von uns ist eS noch recht lebendig im Gedächt- niffe, mit welch' leidenschaftlicher Heftigkeit bei den Berathungen der verschiedenen schulpolitischen Vorlagen über die rechtliche Stellung der Kirche zur Schule gestritten wurde. Der Eifer mancher Geistlichen zeitigte manchmal wundersame Blüthen. Wenn gegenwärtig auch äußerlich zwischen Staat und Kirche Ruhe besteht: die Streitaxt ist nur begraben. Die Geistlichkeit aber wehrt ihren Besitzstand in der Schule mit einer Eifersucht, die den Charakter als Machtfrage nur zu deutlich verräth. Die unausbleibliche Folge ist typische Verstimmung zwischen Geistlichen und Lehrer«. Die offene und versteckte Fehde zwischen Pfarrer und Lehrer ist mithin nichts als eine Nachwirkung jener uralten Rivalität zwischen Kirche und Staat auf dem Schulgebtete, worin dem Lehrerstande die wenig beneidenSwerche Rolle deS Puffers zerfällt . . . Zmn großen Nachtheile von Lehrer und Schule macht sich die Bureau- tratie mehr als vöthig breit, hat doch ein Abgeordneter in der Budget-Berathung deS preußischen Landtages die Einstellung einer Summe zu Bureaugeldern an Geistliche verlangt. Wo aber das doktrinäre Unwesen herrscht, da bleibt für die freie Entfaltung der Lehrerpersönlichkeit wenig Platz übrig. Der Lehrer, dessen Mündigkeit man in seiner ureigenen Domäne eirtschränkt, muß unter der eisernen Umarmung des Mechanismus den Geist aufgeben, dm Berufsgeist, wie auch den Geist der Hinneigung zu tyrannischen Vorgesetzten. . . Anlaß der chronischen Verstimmung zwischen dem Lehrer und seinen Vorgesetzten gibt auch die einseitige Auffassung der AusstchtSprax'is seitens ihrer Träger al« „Revi- biren", und besonders unangenehm berührt uns Lehrer dies, wenn das dem Geiste der Erziehung so fremde Revidiren von Geistlichen ausgeübt wird, beten LebenSberuf nur Liebe und Vertrauen nach außen, vor allem gegen den Lehrer athmen soll. Aber wie vereinzelt stehen solche Erschei- «ungen da! Wir Lehrer dürfen es unverhohlen aussprechen; Erfahrungen an uns und anderen berechtigen unS dazu: Den meisten Schulinspektoren gilt das Amt als Kraftprobe ihres Einflusses auf Schule, Lehret und Gemeinde. Dagegen läßt sich wenig thun; und wenn auch einmal ein Kolleg?, der sich's leisten kann, sagen darf: „Sie bummeln ja auch den ganzen Tag in der Schule herum; so ändert das am System nichts . . . Em vierter Grund der ost beobachteten Verstimmung zwischen Lehrern und deren geistlichen Vorgesetzten ist der Letzteren Jnbtffrren- tismuS gegen wissenschaftliche und praktische pädagogische Bildung, wodurch ein scharfer Gegensatz zwischen ihrer gesetzlich festgelegten und natürlichen Autorität geschaffen wirb, der den Lehrer in die Opposition treibt, besonder« dann, wenn die ersteren Gewicht auf den »on ihnen beliebten Titel „geborener Lskaischulinfpekim" legen. Wahrhaftig, unerträglich für den Lehrer ist die au« dem vorerwähnten Jndifferentirmu« hervorgehende Selbstherrlichkeit vieler Geistlichen, welche, wo sie einfetzt, die Pädagogik durch ein „Impromptu“ vergewaltigt und die berechtigte Jndi- »idualität de« Lehrer« beiseite schiebt."
Redner führte bann weiter au», daß die Äon« ferenzen den Stande«geist und die Lerustliebe »ecken und nähren feien. „In denselben werden Borträge gehalten, schmackhaft, gehaltreich, weil sie von den Nährsubstanzen der Praxis durchdrängt find. Der Gegenstand der jeweiligen Reden muß veröffentlicht werden in den Tagerblättern; jeder Fernstehende muß bei der rührigen Vereintarbeit der Lehrer mit Hochachtung für unseren Stand erfüllt werden. Die Welt muß wissen, daß
und wie der Lehrerstand an seiner und der Schule Vervollkommnung a-beitet. Sine elementare Forderung de« Lehrerstande« ist e«, wenn er den Tribut der Hochachtung von seinen Vorgesetzten verlangt, besonder« von jenen, die täglich mit ihm verkehren. Meine früheren Ausführungen haben gezeigt, daß und warum unsere billigen Forderungen feiten« derselben unerfüllt bleiben. Unsere geistlichen Vorgesetzten werden niemals hinter dem Aushängeschild der mechanischen Seite unserer Thätigkeit etwa« Besondere« vermuthen, so lange wir ihnen nicht in den Konferenzen und unserer darin wurzelnden beruf«ivissenschaftlichen lieber» legenheit einen Gradmesser der Lehrerarbeit geben. Die Konferenzen sind die Brücken über die Abgründe de« verknöcherten Handwerkerthum«, sie wecken unsere Widersacher zu Bewunderern, führen uni au« den Fesseln der moralischen Leibeigenschaft zur Stufe der Gleichberechtigung mit denen, deren Mitarbeiter wir find in der Werkstatt der Teelenbildung." —
Ob diese Rede „schmackhaft" und „gehaltreich" fei, das überlassen wir dem Nrtheile der Le,er. Jedenfalls ist es auffallend, daß dieselbe bis jetzt, obwohl der Verfasser es wünscht, in keinem der Tagesblätter veröffentlicht worden ist, „damit die Welt sehe, wie die Lehrer an ihrer und der Schule Vervollkommnung arbeiten". Wenn das allerdings die Art und Weise sein soll, auf welche man sich die Hochachtung feiner geiAichen Vorgesetzten zu erwerben und feine wissenschaftliche Ueberlegevheit zeigen zu können glaubt, dann war es hohe Zeit, daß das neue pädagogische Schullicht von Gr -Auhsim, das so lange unter dem Scheffel gestanden hat, endlich atf den Leuchter erhoben wurde. Wenn ein Lehrer es wagen kann, in einer Konferenzrede katholische Lehrer mit trivialen, aus liberalen und kirchenfeindlichen Zeitungen zusammen gestoppelten KulturkampfSpyrasen zu unterhalten und wenn diese Konferenz eine solche Leistung mit allgemeinem Beifall belohnt, dann läßt das tief blicken, wie Sabot sagt. D«S ist nicht wiffen- schaftliche „lleberlegenheit", sondern ein trauriges Zeugniß tiefster geistiger Armnth! Wir find fest überzeugt, daß der weitaus größte Theil der Lehrer in der DiözeseFulda die Stellung rhrer Seelsorger als Loknlschul- Inspektoren doch etwas anders auffaßt, als es der Festredner auf der Konferenz zu thuu beliebt. Wenn aber solche und ähnliche Themata auf den Bezirttkonferenzen in dieser Weise b»handelt werden sollten, dann möge man am besten das Wort „katholisch" streichen. Die obige Rede wurde m der Konferenz als „über alle Kritik erhaben" bezeichnet; wir können diesem UrthÄe nicht beipfltchten; nein, „unter aller Kritik" war diese Leistung vom logischen, ethischen und pädagogischen Standpunkte auS.
Recht trivial, ja beleidigend für den ganzen Lchrerfland find auch die Ausführungen über die „Berufsflucht" in Lehrerkreisen. Wir wissen nichts von einer solchen „Beruftflucht". Der tüchtige katholische Lehrer weiß die Freuden und Leiden seines Standes zu tragen und sie in christlicher Seelenharmonie mit einander zu vereinigen und gerade deshalb erfreuen unsere Lehrer fich der allgemeinen Hochachtung bei Hoch- mid Niedriggestellten — trotz der angeblichen „Berufsflucht".
Rechtsstudium und Vorbereitung zum höheren Justizdienst-
Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf über die juristischen Prüfungen und die Vorbereitung zum höheren Justizdienst zugegangen. Hiernach soll die Dauer deS RechtSstudiums, welches der ersten juristischen Prüfung vorangehen muß, fielen Halbjahre betragen (§ 1). Der Gegenstand der ersten juristischen Prüfung sollen die Disziplinen der Rechtsgeschichte, deS Privatrechts, deS öffentlichen Rechts und der Nationalökonomie bilden (§ 2). Die Dauer deS zwischen der erste« und der zweiten Prüfung liegenden Borbereitungs- diensteS soll 31/» Jahre betragen (§ 3)
Gegenwärtig werden in Preußen auf Grund des Gesetzes vom 6. Mai 1869 und des Aus- führungSgesetzeS vom 24. April 1878 zum Ge- richtSoerfaffuvgSgesetz nur ein dreijähriges Rechts- fiudium, aber eine vierjährige Vorbereitungszeit im praktischen Dienst gefordert. Eine Umgestaltung der bisherigen Ordnung erscheint erwünscht, nachdem sowohl in Bezug auf den juristisch en Unterricht als auch auf den Vorbereitungsdienst in neuerer Zeit tiefgreifende Veränderungen sich vollzogen haben.
Der dem juristischen Unterricht fich dar- bietende RechtSstosf ist im Vergleich zu der Zeit vor dreißig Jahren auf allen Gebieten gewaltig angewachs-n. Um nur ein Beispiel anzuführen: daS öffentliche Recht im engeren
Sinne hat feit der Neuerrichtung des Deutschen Reiches eine kaum übersehbare Erweiterung des Lehrstoffes erfahren, dessen Aneignung für den Civil- und Strafrichter unerläßlich ist.
Ferner hat durch die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches auch der Plan deS Rechtsstudiums sich grundlegend verändert. Die Annahme, daß ein dreijähriges Studium «uSreichen werde, um neben dem bürgerlichen Rechte such dem römischen und deutschen Rechte die erforber- liche intensivere Bearbeitung zu sichern, hat fich als nicht zutreffend erwiesen.
Eine Ausdehnung der Universttätszeit wirb endlich durch die veränderte Studien Methode bedingt. Die Vertiefung deS Unterrichts durch Vermehrung praktischer Uebungen, verbunden mit schriftlichen Arbeiten, hat sich «IS ungemein nützlich erwiese«, beengt aber die ohnehin unzureichende Arbeitszeit, so Saß auch aus diesem Grunde für mehr Raum gesorgt werden muß.
Wenn eingeroenbet wirb, daß eine Aus- dehnunp der Univerfitütszeit ohne eine Kontrolle durch Zwischenprüfungen nur zu einer Vermehrung der thatsächlich gar nicht oder nicht ausreichend von den Studenten ausgenutzte» Semester führen könnte, so liche fich dieser Gefahr durch geeignete Mittel vorbeuge». Es wird beabsichtigt, den Studirenden aufgugeben, auf Grund der Anmeldebücher und der Zeng, niffe über die Hebungen und der darin gefertigten Arbeiten am Schluffe des dritten Semesters ein Zwischenzeugniß über die bisherigen ordnungsmäßigen Erfolge ihres Studiums bei- zubringen; nach dessen Ertheilung muß da- Gtudium noch mindestens vier Halbjahre fortgesetzt werben, ehe die Zulassung zur Prüfung erfolgen kann.
Da es nicht rathsam erscheint, infolge der Verlängerung des RechtSstudiumS die für die ÄesammtanSbildung der Juristen bisher angesetzte Zeit entsprechend auszubehnen, muß die praktische Vorbereitungszeit um ein Semester gekürzt werden. Eine solche Verkürzung ist um so eher zuläsfig, als die Unioerfität in Rückficht auf Stoff und Methode, besonders durch vermehrte praktische Hebungen, einen Theil der Aufgaben des Vorbereitungsdienstes übernommen hat. Demgemäß wird durch den vorliegen- b»n Entwurf die Ausbildungszeit in 31/* Jahre Universitätkstudium und 31/* Jahre praktischen Vorbereitungsdienst getheilt.
Da von jeher Zweifel darüber bestanden haben, was im geltenden Rechte in Sachen der ersten juristischen Prüfung unter der Bezeichnung „Grundlagen der StaatSwiffenschaften" zu verstehen ist, wird im Entwurf statt dessen daS Wort „Nationalökonomie" gesetzt. (Vergl. oben § 2)
Das Gesetz soll am 1. April 1902 in Kraft treten, jedoch auf Kandidaten, welche das Rechts- studium vor dem 1. Oktober 1901 begonnen haben, unter der Voraussetzung keine Anwendung finden, daß sie spätestens bis zum 30. September 1904 ihre Zulassung zur erste« juristischen Prüfung nachsuchen. Der Justizminister ist aber ermächtigt, den Vorbereitungsdienst bei diesen Kandisaten auch auf 31/* Jahre zu beschränken, wenn sie ein RechtSstudium »on sieben Halb- j ehren zurückgelegt haben.
ff* Em neues Zugmittel für die Landwirthschast.
(Betrachtung van H. Elte st er.)
Die großen Erfolge, wtlche Vereine mit der Einführung von Eseln als Ersetz der Zughunde erzielt haben, haben mich dahm geführt, die Frage anzuregen, ob nicht dem kleinen länd- lichen Besitzer durch einen billige.en Ersatz des PserdeS geholfen werden kann, und zwar vurch daS bei uns noch vielfach verkannte Maul ihrer. Wie nöthig heutzutage gerade der Bauer einer Hilfe im Kampfe um das Dasein bedarf, dies zu erörtern dürfte völlig überflüssig sein, da cs ja leider wahr und bekannt ist. Wenn ich für die Einführung von Maulthieren eine Larze breche, so geschieht dieses deshalb, weil ich dkS Öfteren <Se« legenheühatte, mich praktisch vondem hohen Nutzen dieser Thiere zu überzeugen.
Es ist nicht ganz zutreffend, wenn ich von einem neuen Zugmittel spreche, da bis Verwendung von MLutthieren (auch bei uns) schon sehr alt ist. Sie ist nur vergessen und erscheint daher für die heutige Zeit als etwas neues.
Es ist ja kein Geheimniß, daß in jüngster Zeit unsere Militär-Verwaltung Versuche mit der Verwendung von Maulthieren gemacht hat. In ber vorjährigen Reichstags - Session wurden die Mittel hierzu bereit gestellt, die Raul- thiere sind angekauft und einzelnen in gebirgigen Gegenden garmsonirenden Truppenthrilon, wie z. B. in Colmar, übergeben worden, um die Verwendbarkeit der Thiere im Tragen von Muni-
tun zu prüfen. Von dem Ergeburffe des Versuches dürfte es abhänge», ob ihre dauernde Verwendung in unserer Armee, wie dies in anderen Armeen bereits der Fall ist, in'S luge gefaßt wirb. Mag dieses nun eintreten ober nicht, zu wünschen wäre eS, wenn der Versuch gleichzeitig unfern Landmann anregen würde, sich auch seinersetts von dem Werche dieser bei unS im Norden fast ganz verfchwundenen Thierart zu überzeugen. Und doch gab eS eine Zeit, ix der auch bei uns Mau!thiere gezüchtet wurden, die zudem noch viel besser und schöner gewesen sein sollen, als diejenigen de« wärmeren Südens. Es war dieses in unserer nächsten Nähe, nämlich im schönen Schwabenlande. Wie heißt, war das heutige Stuttgart ein ®tutengarten des schwäbischen Herzogs Ludolf, Gehn Kaisers Otto des Großen, gewesen, den dieser um das Jahr 9 SO wiegen ließ. Thai fache bleibt, daß seit dies« Zeit fast alle Regenten in Württemberg diesem und den später an anderen Orten errichteten Gestüten ein regeS Interesse bewahrten und neben einem vorzüglichen Pferdeschlage auch die besten Maulthiere züchteten. Gekannt war dieses besau- ber« von Eberhard I. im Bart um 1460. @hte Stuterei MerkuriuS »sm Jahre 1670 berichtet ferner: „Eberhard HI. züchtete in seinen Gestüten so sckö« Raulthiere, wie man in Italien und Spanien nicht finden konnte."
Am Ende bei 18. Jahrhunderts sah man soaar in Berlin StaatSwagen mit Man!« thiere« bespannt. Heutzutage ist ihre Zucht bei unS verschwunden, sehr «uigebrrttet ist sie da gegen in Spanien, wo die d« Manch« die beste ist, ferner in Sübfraukreich, Neapel. SigUie» und Oderäßeneich. RmerdingS hat sich Nordamerika der gewinnbringenden Zucht zugewendet und hierin so bsdentende Fortschritte gemacht, daß von dort ein Export der Maulthiere nach Europa begonnen hat.
Je mehr das mechanische Pferd im Mrth- schastsleben des Volkes da« lebende Pferd verdrängt, desto mehr verliert naturgemäß die Pferdezucht an Rentabilität, desto wenig« werden gezüchtet, desto theuerer werben sie und desto aber muß der Lind manu an einen billigeren Er- s«tz seiner bisherigen Zugthiere denken. Ain solcher Ersatz iS zweifellos das ststanllhier. SRnn* billiger als da« Pferd ist eS jedenfalls, and zwar deshalb, weil es bei gleichem Alter mtt dem Pferde, ftüher auswächst und dah« länger brauchbarer bleibt; zudem ist es viel widerstandsfähiger, wird nicht so leicht krank, verlangt weniger Schlaf und ist in d« Pfleg« und Fütterung viel genügsamer. In Jialten bekommen die Maulthiere fast keine» Hafer, ihr Futter besteht in Kleie, Aelschkorn, Kastanien, schlechten Feigen, Sau- und Ackerbohnen. Demgegenüber ist ihre Leistung fast großartig zu nennen. Sie können lange Märsche unter großen fbi« 5 Centn« schwere») Lasten auShatte», sind sehr sicher auf den Schm kein, so daß sie sich mit Leichtigkeit d« fortbewegen, wo Pferde zweifellos Hals und Beine brechen würden. Wie rasch aber die elektrischen Straßenbahnen, -Droschken, -Sampfspritzen, -Schlitte», -Postwagen, -Bierware« rc. die Pferdezucht berinstaßt haben, Seht daraus hervor, daß e« jetzt schon schwer ält, alle für den Kriegsbedarf «forderlichen Pferde zur Gestellung zu bringen, daß die obere Heeresverwaltung Versuche mit Motorwagen zum Transport für Lasten, deren Fortbewegung den Train-Kolonnen obliegt, anstelle» ließ und daß ein auswärtiges Krieg-Ministerium (Italien) kürz- lich große Lieferungen von Motor - Fahrzeugen, Sanitätswagen, Feldpost«« und MunitisnSwagen ausschrieb — aus Pferdemangel. Man bedenke, daß die Verwendung der Motorwagen erst im Entstehe» begriffen ist. Um wie viel einschnei- derber werden sich die Folgen dieser Technik bemerkbar mache», wenn man an Stelle eines Ein
spänners mittlerer Preislage ein elegantes Automobil taufen kann, dessen Betrieb pro Tsa kaum die Hälfte der Unterhaltungskosten eines Pferdes erreicht! Wenn die Verbreitung der Motorwagen in demselben Tempo, rele bisher, fort- schreitet, wird man zu der Annahme geneigt, daß unsere Kinder Pferde nur noch vorn zoologischen Garten her kennen werden. Ganz so schlimm wird es hoffrntlch nicht, da Zuglhiere unentbehrlich bleiben werde», sobald bet Transport die gepflegte, ebene Straße verläßt; sicher '.st aber, daß je seltener die Pferde werden, desto thrurer werden sie, und je theurer sie werden, desto eher müssen Ersatzmittel durch andere Zuglhiere gesucht werden. Hoffentlich kommt dann das bisher so verkannte Maulthier zur Geltung. DaS Maulthier (lateinisch mulus, französisch mulet, italienisch mulo) ist ein Usstard, welcher durch Kreuzung von P.e d'stute und Eselhenzst entstanden ist. Durch Kreuzung von Eselstute» und Pserdehmgst erhält man andererseits einen außerordentlich minderwerrhizen Bastard, nämlich den Maulesel (lat. hineue, franz. vanävau, itat.