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Juköcr, Mittwoch, den 29. Januar 1902.

29. Jahrgang.

O DasJesuitengesetz im Reichstage.

Am 1. Februar 1899 hatte der Reichstag in dritter Lesung den Antrag der Abgeordneten Graf Limburg-Gtirum und Rickert angenommen, wonach der zweite, der härteste Paragraph Les kränkenden Ausnahme - Gesetzes gegen die Jesuiten aufgehoben werden tollte. Darauf er­folgte eine lange Periode völligen Schweigens beim Bundesrathe bis in die W ihnachtsznt des Jahres 1900. Da vernahm man, daß Vie Äe- fchlußfaffung des BundesratheS über jepen Reichs­tags-Beschluß noch ausstehe, und danach trat von neuem das tiefe Schweige» ein, in das der Bundes- rath sich auch voih-r gehüllt hatte. Ein solches Verhalten des BunSesrathes ging nicht nur die Katholiken etwas an, sondern alle Deutschen, die im Reichstage die Vertretung ihrer Rechte sehen; denn es bedeutete geradezu eine Kränkung, eine Herabwürdigung des Reichstages. Erst oor wenigen Tagen ist von dieser Behandlung des Reichstages durch den Bundesrath die Rede gewesen, und diese Thatsache mag wohl den Bundesralh ver­anlaßt haben, die erneute Jesuiten. Interpellation rin wenig ausführlicher zu beantworten und in einer Tonart, die von der früheren in unleugbar vorlheühafter Weise abstrchr.

Ja überzeugender und außerordentlich klarer Weise hat der Abg. Dr. Spahn in seiner Be­gründung der Interpellation das dargelegt, wo­rauf es ankommt. Der Reichstag faßt Beschlüsie, erhält aber keine Antwort vom BundeSrathe. Die Katholiken bedürfen der Jesuiten nothwendig, aber sie werden ihnen vorenthalten durch ein Ausnahmegesetz. daS ungerecht und widersinnig ist; denn es trifft in härtester Weise Leute, denen nicht der geringste Vorwurf zu machen ist. Ist eS doch sogar oorgekommen, daß ein Preuße aus Preußen ausgewiesen wurde, weil er dem Jesuiten- orden angehörte, obwohl er im Besitze seiner preußischen Mtlitärpapiere war! Und noch mehr: Bon der Berliner Regierung sind auch Vor­stellungen in Holland in dem Sinne erhoben worden, man möge doch dort nicht die Jesuiten aufnehmen, die aus Deutschland ausgewiesen werden. Die Holländer haben der Berliner Re­gierung diesen Dienst nicht erwiesen. Das ändert indessen natürlich gar nichts an der Gehässigkeit diese« Vorgehens. Und dazu kommt, daß sich die Jesuiten stets als vorzügliche Förderer von Kunst und Wiffenschaft erwiesen haben!

Reichskanzler Graf Bülow war nicht zur Beantwortung der Interpellation im Reichstage erschienen, wie vorher in einem Theile der Preffe angekündigt worden war. In seiner Vertretung laS der Staatssekretär Gras PosadowSky eine Erklärung vor, die unverkennbar den Stempel Büiow'scher Redeweise erkennen ließ: Einige Einwendungen, die verbindlich klingen, dann aber wieder allerhand Bedenken, und kurz und gut der BundeSrath befindet sich noch immer in dem Stadium derErwägungen". Die Sache soll gar so schwierig fein, daß sie nun auch im Laufe von drei vollen Jahren noch nicht zum AuStrage gebracht werden konnte! Aber etwas erkennt die Erklärung deS Bundes- rathes doch an: daß nämlich in manchen LandeS- theilen die Jesuiten geradezu nothwendig sind

zur ausreichenden Pflege der katholischen Seel­sorge; und außerdem soll nun der Reichstag im Laufe der gegenwärtigen Tagung den ent­sprechenden Bescheid des BundeSralhes erhalten. Das kann ja freilich noch immer viele Monate dauern, worauf nachher noch der Centrumsabg. Dr. Bachem hinwüs.

Die Besprechung der Interpellation hat von neuem ergeben, daß eine starke Mehrheit des Reichstages jedenfalls den zweiten Paragraphen des Jesuitengesetzrs aufgehoben wissen will, den Paragraphen, der die Bestimmungen über die Ausweisung, dieExpatriirung", enthält. Diese Mehrheit besteht aus je einem Theile der Kon­servativen, der Nationalliberalen, dem Centrum und den Parteien der Linken. Für die Aufhebung des ganzen Gesetz S treten mit dem Centrum die Polen, die Eisäffer, die Sozialdemokraten und je ein Theil der beiden freisinnigen Parteien ein. Die Lage der Dinge gleicht also vollkommen der­jenigen von 1899. Nun liegt, worauf Abg. Dr. Spchn unter lebhaftem Beifalle hinwies, die Ver­antwortung ganz und allein bei dem BundeSrathe I

)( Die Arbeitsregelung im Gast- wirths-Gewerbe.

Die Verordnung des BundeSratheS über die Regelung der ArbeUsoerhältniffe in Gast- und Schankwirthschaften ist nicht das Erzeugniß einer flüchtigen Stunde. Die Rrichskommiffion für Ardeiterstatisttk hat sich Jahre lang mit der Sache beschäftigt, und die Ergebnisse ihrer Arbeiten bildeten die Grundlage eines Ent­wurfes, der im März des letztvergangenen Jahre« dem Bundesrath« zuging. Also die Verordnung hat auch in ihrer Entwickelungs- geschichte innerhalb des BurdesratheS reichliche Zeit zum Ausreisen gehabt.

Was ist «un dabei herauSgekommen? Die wichtigsten Bestimmungen find erhalten geblieben; so vor alle« Dingen die Ruhezeit von acht Stunden täglich und eine Ruhezeit von vier- uidzwanzig Stunden mindestens alle drei Wochen. d»e Mindestruhezrit von neun Stunden täglich für Gehilfen und Lehrlinge unter sechs- zehn Jahren und die Ausnahmen an sechszig Tagen des Jahres. Aber im Allgemeinen find die Bestimmungen des ursprünglichen Entwurfes durch die Berathungen im BundeSrathe abge- schwächt worden. Nach der ursprünglichen Vorlage sollte die tägliche Ruhezeit in Ge­meinden mit mehr als 20 000 Einwohnern mindestens neun Stunden täglich sür alle Ange­stellten betragen; diese Bestimmung ist auSge- merzt worden. Zu bedauern ist ferner die folgende Aenderung. In dem ursprüng­lichen Entwürfe hieß es, daß Gr Hilfe« und Lehrlinge weiblichen Geschlechtes, die noch nicht achtzehn Jahre alt find, überhaupt nicht zur Bedienung der Gäste verwendet werden dürfen, sofern sie nicht zur Familie der GastvirtheS ge- hören. In der nunmehr erschienenen Verordnung ist dar dahin abgeschwächt, daß sie nicht in der Zeit von 10 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgen« bedienen dürfen. Diese Bestimmung wird hoffentlich i» Laufe der nächsten Jahre

Der Spekulant.

Original-Roman von HanS Dahlen.

32) ---- (Nachdruck verboten)

G-witterschwüle lagerte auf den breiten Massen und wuchs von Athemzug ,u Uthemzug. Eine furchtbare Spannung durchzittelt dir Gruppe» UNS jetzt endlich ein Raunen, ein wiipernseS Rauschen, wie wen» der Sommerwind ourch das Aehrenfeld streicht nun ein verhaltenes Grausen und Grollen, wie von fernen Gewittern---

Hochauf springt einer der Hengsts und wirft sich ins Geschirr, daß oer Kutscher Mühe hat, ihn zu zügeln. Sin Steinwurs traf das muth ge Thier. Die Menschenmaffe kommt jetzt in Be­wegung, wogt auf und nieder wie ein Meer, von neuem fliegen Steine--

Plötzlich richtet sich Johann Wilhelm empor und schaut um sich, groß und frei. Und der alte oftbewährte Zauber seiner Persönlichkeit wirkt auch jetzt noch; es wird todtenstill wie zuvor. Viele hundert Augenpaare richteten sich in stummer Erwartung auf die knochige Gestalt des Millio­när-, die nur noch ein Schatten gegen früher ist, hängen an den ernsten, nicht schroff-n Zügen des ein« gefallenen Gesichts, in dem Sie großen Augen brennen, daS die innere Aufregung in tiefer Röths überflammt. Und nun öffnet er die Lippen und spricht.

Seine Stimme klingt tief und voll; er spricht langsam, wuchtig. Wie ihn nur die Sorge rm das Wohl seiner Arbeiter habe hierher kommen lassen, obgleich ihm der Arzt noch nicht einmal

ei«en kurzen Aufenthalt tm Garten zugebilligt hab-'. DH er schon am Morgen dieses Tages erklärt habe, et sei bereit, ihre Beschwerden zu vernehmen und Abhilfe zu schaffm, wenn es noch- thue. Von ihrem Undank weiß er zu reden; wehrhafte Trauer durchdringt seine Stimme.

Thilda hält unterdessen seine Hand mit festem Druck umklammert und blickt mit innigem Stolz an ch« empor. Seine hohe Gestalt zeichnet fich ihrem Blick mit scharfen Umrissen gegen den blauen FrühlmgLhimmrl ab. Ihr Her, weitet sich in großen, edlen Gefühlen, fcte alle die kleinliche» Regungen von Furcht, das krämerhafte Abwiegen von Pflicht gegen edelmüthige Thai unterdrücken. Sie hängt an den Lippe« des Vaters, von denen die beredten Worte noch immer mit wuchtiger Kraft niederfallen.

Johann Wilhelm wendet sich j'tzt an daS Ehrgefühl des Einzelnen, das eins offenbare Rebellion, wie fie vorliegs, verwerfen müffs. Mit rechtlichen Mittl« nur dürfe man um fein Recht kämpfe«. Auf dem eingeschlaaenen Wege erreichten fie nichts, höchstens Unglück für fich und ihre Familien. Schon fei eine über- eilte Thal geschehen, |ein Platzausseder fei fast zu Tode geschlagen worden. Er bitte und beschwöre fie, an ihre Eltern, an Frau und Krnd zu der-ken. Sie möchten sich zerstreuen, bevor es zu spät sei, Deputirte wähle«, Denen er zu jeder Stunde ein geneigte- Ohr schenken werde. Emer Lohnerhöhung, die sic gew ß fordern würorn, stehe er nicht abge­neigt gegenüber.

Kein Zuruf hatte ihn unter bi ochen. Er fttzte sich wieder und gab August den Befehl,

wieder in dem Sinne des ursprünglichen Ent­wurfes zmückoerändert werden. Eine andere Neue­rung in der neuen Verordnung ist die, daß die tägliche Ruhepause für dieSaison" in Bade- und Kurorten auf sieben Stunden herabgesetzt werden kann. E» ist anzuerkennen, daß der Kellner­dienst unter solchen Verhältniffen früher beginnen muß, als anderwärts. Er ist auch darauf hin­zuweisen, daß zum Ausgleiche dafür Vorsorge ge­troffen ist sür eine bestimmte kleine Ruhepause im Laufe des Tages.

Die Neuerungen find im Ganzen genommen eine durchaus erfreuliche Erscheinung auf dem Ge­biets der sozialen Reform, und nach einiger Zeit werden sich die Gastwirthe so sehr daran gewöhnt haben, wie die Kaufleute an die Sonntagsruhe und an einen bestimmten Ladenschluß in den Abendstunden, daß fie gar nicht mehr denken werden, es könne auch anders fein. Denn das ist doch klar, daß ein sechszehnstündiger Normal- arbsitstag für die Angestellten im GastwirthS- gewerbe keine übertriebene Rrformbedingung ist, sondern das, was im Interesse der Menschlichkeit für den Kellner beruf als Mindestmaß des Schutzes verlangt werden muß. Dem reellen und soliden Gastwirthsgewerbe ist durchaus zu wünschen, daß es von unnöihiger Maßregelurg verschont bleiben möge. Nichtsdestoweniger muß man wünschen, daß diese erste Verordnung zur Regelung der Arbeit«- verhaltniffe im Gastwirthsgewerbe im Lause nicht zu langer Zeit durch eine neue unb noch bessere Verordnung ersetzt werden möge.

Noch besonders hervorzuheben ist, daß durch Polizeiverordnungen nach eignem Ermessen aus Rücksicht auf die örtlichen Verhältnisse die längere Ruhezeit von neun Stunden täglich auch auf die Gehilfen und Lehrlinge ausgedehnt werden kann, die älter al« sechszehn Jahre find.

Derrtfches Keich«

Berlin, 28. Januar.

h Kaiser - Manöver i* der Hfravisz Kose«. Bet einem Festmahle, das in der Stadt Pofen zur Feier des Äaiferl. Geburtstages abge- halten wurde, hat Geueral v. Stülpnagel, der Kommandeur des 5. Armeekorps, wie schon telegraphisch gemeldet, die Mittheilung gemacht, der Kaiser werde in diesem Jahre große Manöver in der Provmz Posen abhalten und dabei in der Stadt Posen sün Hoflager auff»lagen. Das würde dann das erste Kaiser-Manöver in der Provinz Posen sein.

* Die Sozialdemokraten haben tm Reichs­tage einen Antrag eingebracht, wonach die Nsri-ro«»««1e»weis«vs in allen Schulen des Deutschen Reiches als Unterrichtsgegenstand aus­nahmslos in Fortfall kommen soll.

* Der .Reichsanzeiger' schreibt: In der Zeit vom 1. April 1901 bis Dezemberschluß sind folgende zur Rrichskaffe gelangt:

Zölle 355,217,637 Mk. (plus 15,527,672 Mk.), Tabaksteuer 9,747,913 Mk. (plnS 343,889 Mk.), Zuckersteuer u. Zuschlag 71,311,231 Mk. (minus 23,186,727 Mk), Salzsteuer 34,928,394 Mk. (mivus 249,586 Mark), Maffchbottischsteuer 5,939,114 Mk. (mirmS 1,884,372 Mk.), Der-

langsam dem Ausgange zu voranzusuhren. Di? Pferde zogen an

Ju dies'm Augenblick sperrte eine Barri­kade von menschlichen Leibern üen Fahrweg, drohendes Geschrei erhob fich aus vtel»u»deit Kehlen. Auf den rachstlirgrnden Fußboden- ftabel schwang sich ein Zimmermann und schrie mit geiferet Stimme auf die Menge ein. Die Deich lel deS Wagens, der «och nicht wieder zum Stillsiaad gekommen war, stieß einen B.- ranfchten vor die Brust, daß er rücklings zu Goden schlag. Sein Wrhgeschrsi verschlang das wilde Wuthgeheul der Umstehenden, die in dem Zufall Absicht erblickten.

Plötzlich erschollen von fern knappe, militärische KoNmandorufe und der gleichmäßige Gang des Gleichtrttts: das Militär nahte.

Leute, bedenkt!" rief Johann Wilhelm, fich nochmals aufrichtend.Geht in Ruhe, jede Gewaltthat kann euch unglücklich machen"

Verrath!" schrie der Zimmermann von seinem Bretterstapel.Er hat uns mit seinem Gefchwätz nur aufhalten wollen, bis die Soldaten kommen. Verrath, Verrath!"

Verrath!" wiederholten die Höchsten.

.Verrath!" schrieen die Hunderte.

Johann Wilhelm sank tu die Kassen des Wagen« zurück, die Kräfte verließen ihn mit einem Male, wie er sah, daß seine Anstrengungen ver­geblich gewesen waren.

Umsonst, alle» umsonst!" flüsterten seine er­bleichenden Lippen.

Thilda beugte sich Über ihn unb küßte seine schweißbedeckte Stirn. Johann Wilhelm kämpfte sichtlich mit einer Ohnmacht, schwer sanken die

g brauchsabaabe von Branntwein und Zuschla, 88,136.127 Mk. (plus 3,652,781 Mk.), Breun steuer minus 2,264.995 Mk. (minus 749,960 Mk ). Braustener und Uebrrgangsabgabe von Bier 22.636,195 Mk (minus 497,738 Mk.), Spiel- kartenstempel 1,050,945 Mk. (minus 20,621 Mk.).

st In« Aolltsneif läßt sich in bemerkens- werther Weise die .Leipziger Zeitung' ver­nehmen, die der sächsischenStaatSregieruug nahe steht und deren Anschauungen wiederzugeben pfl-gt. Die genannte Zeitung schreibt:An und für sich würden wir es im Interesse der Land- wirthschaft begrüßen, wenn die Sätze des Zoll­tarifentwurfes für Getreide noch etwas herausgesetzt werden könnten. Wir würden deshalb ein Vorgehen der Mehrheitsparteien in dieser Richtung gutheißen, wenn ein solches im Einvernehmen mit den Vertretern der Verbündeten Regierungen vor fich ginge. . . Wir wissen nicht, ob die Regierungen im Stande sein werden, über­haupt noch eine Erhöhung über die Sätze des Entwurfes hinaus zuzugestehen. Wir glauben aber, daß, falls für die Regierungen eine solche Mög­lichkeit noch vorhanden ist, die erreichbaren Er­höhungen keine bedeutenden sein können .... Alsbald wird eben dir Reichsregierung Farbe be­kennen und deutlich sagen müssen, ob fie über­haupt in eine solche Erhöhung einwilligen will oder nicht. Man sollte meinen, daß fie es thun würde, wenn sie es mit einer fest geschlossenen Mehrheit im Reichstage zu thun bekäme. Von großem Jntereffe ist ein Antrag, den die Sozialdemokraten in der Zoll- kommiffion eingebracht haben. Danach soll der Bundesrath die Zölle aufheben, wenn folgende Preise eintreten: Für Weizen 215, Roggen 165, Gerste 155, Hafer 155, Hülsen­früchte 185, Lupinen 80, Malz 175 und Mais 155 Mark die Tonne. Alle Landwirthe würde« vollkommen zufrieden sein, wenn die genannten Share« solch; Preise haben würde«, und dann herzlich gern auf Zölle verzichten. Da diese Preise aber durchaus nicht gezahlt werde«, leidet die Landwirthschaft eben Noth. Die Sozial- demokratie aber erkennt auf Umwegen durch ihren Antrag an, daß die Landwirth­schaft jetzt Preise oekommt, die ungenügend st"d, und das ist ein äußerst werthvolles Zuge« stänLmß. da- man sich für die fernere Berathung uns Bkurtheilung der Zollangelegenheiten recht genau ei-prägen muß.

* Der von den Abgeordneten Pachnicke und Röficke in eine Resolution umge­wandelte Antrag »egen der ArSeitslosiglleit lautet, den Reichskanzler zu ersuche«, eine aus Vertretern der Regierungen, aus Mitgliedern deS Reichstages und aus sonstigen auf diesem Gebiete erfahrenen Männern bestehende Kom- Mission zu bilden, welche die Aufgabe hat, die bisher seitens der Berufsoereiue, einzelner Unternehmer und Gemeinden gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit getroffenen Versicherungen zu prüfen und Vorschläge über die zweckmäßige Ausgestaltung dieses ZveigrS ter Versicherung zu machen.

* Am 1. Oktober v. I. sollte daS neue amtliche Wölterverzeichniß nach den Regeln der «$$$#« HettzagrapZie erscheinen, ist aber bis MS

Augenlider herab und stürmisch hob und senkte fich die Brust in unregelmäßigen Athemzügen.

Beter, Vater," ächzte Thilda und rüttelte sanft an seiner Schalter.August, fuhr zu, daß wir schmll heimkoaimen!"

Da war aber an kein Zufahren mehr zu denken. Wirbelnd quoll die Menge durcheinander Gellendes Rufen, mit-e Verwünschungen tönten überall, der Fahrung war mit Menschen angefüllt. Der Z-mmermann redete noch immer mit rasen­den Gebärden von feiner Bretterkanzel auf die tobenden Schaaren ein.

Jetzt ertönten am Eingang jene gellenden, markerschüttern>en Schreie, wie fie nur in höchster Todesnoth menschlichen Lippen entfliehen. Gleich­zeitig erklavg vier-, fünfmal ein scharfes, dünnes Knallen wie das Klat chen von Peitschenhieben Dann tiefe, abgrundtiefe Stille, unterbrochen von schrecklichem Stöhnen und dem schrillen, furcht­baren Weinen einer Frau

Sie haben geschcffen!"

Wie ein Mann staute die Menge, bäumte fich zurück eine G.sse that sich auf, die ein junger Mensch in rasendem Laufe durchstürmte. Schaum stand ihm auf den Sippen, die Fäuste hielt er fest an die Schläfen gepreßt unb heulte »ie ein wildes Thier:Meinen Vater haben fie erschossen, meinen Vater meinen Vater"

Johann Wilhelm war bei dem Tumult wieder aus seiner Ohnmacht erwacht, und em Zufall lenkte feine, Blicke sofort auf den Rasenden. Eher al- die stumpfe, vor der entsetzlichen Gewalt des Augenblickes erstarrte Menge, eher als d e an feinet Sette zusammengesunkenen Tochter ahnte er, was geschehen würde.