Einzelbild herunterladen
 

wiü'*l Atakan

TSTÄU"' mit IluterHalümgs -WeikageIssustrirte Sonntags-Zeitung"

Jn< im» üerUf M JhUMrt laiiinWI Pttmfleg« 81. 1 (»am**«).

29. Jahrgang.

IuLöa, Dienstag, den 28. Januar 1902.

S Gemeinden als Arbeitgeber.

Für die sozialpolitische Einsicht und Pfltcht- erfüllung der Gemeindeverwaltungen bildet ihr Verhalten als Arbeitgeber einen guten Grad« vesser. Es ist daher von besonderem Interesse, die Entwickelung anf diesem Gebiete der kom­munalen Sozialpolitik zu »erfolgen, um so »ehr, al« die Gemeinden hier zugleich für die privaten Arbeitgeber vorbildlich wirken sollen. Nachdem 189799 mehrere süddeutsche Städte, Frankfurt, Stuttgart, Karlsruhe und Mannheim mit einer Neuregelung der Dienst- und Lohnverhält­nisse der städtischen Arbeiter vorgegangen waren, ist dieser Angelegenheit fortgesetzt größere Aufmerksamkeit gewidmet worden; in manchen Städte» sind infolgedessen Nachweisungen über die Lage der Gemetndearbeiter »erlangt und gegeben worden, in den Gemeinderathssitzungen hat die Sache vielfach zu Erörterungen geführt, leider ist bisher nur in wenigen Fällen ein befriedigender Erfolg erzielt worden. Insbesondere mit einer umfassenden, generellen Regelung des gesammten Arbeitsvertrag« der Gemeindearbeiter Ein­führung einer möglichst einheitlichen Normal- arbeürzeit, Festsetzung von Mindesttagelöhnen und Steigerung derselben nach dem Dienstalter, fester Regelung der Anstellung«- und Kündigung-Ver­hältnisse, Aufstellung einer allgemeinen Arbeits­ordnung und andere» Wichtigen Verbesserungen sind de» genannten süddeutschen Vorbildern erst wenige Städte gefolgt.

Unter diesen ist vor allem Freiburg i. Br. her»orzuheben, dessen Magistrat bei einer Vorlage (v. I. 1900) über die Rechtsverhältnisse der städtischen Arbeiter sich von modernem sozialen Empfinden letten ließ. Ein innerer Grund, die beiden Berufsstände (städtische Beamt« und Ar- bettet) nach vollständig verschiedenen Prinzipien zu behandeln, liege nicht v»r, so betonte mit Recht diese Vorlage, welche den gesammten Arb«it«ver- trag der Semeindearbeiter nach obigen Gesichts­punkten regett. Bemerken«werth ist ferner die Be­gründung, unter welcher Mannheim dr» städti­schen Lohnklassentarif von 1899 bereit» t. 1.1901 einer erneuten Prüfung unterzog und nunmehr in vier Klassen Anfangslöhne von 2,803,90 SRI., Höchstlöhne von 3,404,50 Mk. festsetzte: Eine Stadtgemeinde, so wurde ausgeführt, habe die Ver­pflichtung, chre Arbeiter auskömmlich zu ent­lohnen, wenngleich in Folge der »rbeitereut- laffungen einzelner Fabriken billigere Arbeitskräfte erhältlich feien. Auch habe eine Kommunal»«- waltung ungleich mehr al« private Arbeitgeber neben de« finanziellen Gesichtspunkte da« ethische Moment zu berücksichtigen, da« verlange, daß die Gemeinde al« Arbeitgeberin großen Stil« im Falle einer Krisis durch ihr Beispiel die Depresston der Arbeitslöhne nach Kräften hintanzuhalten suche. Gerade der entgegengesetzte Standpunkt wurde kürzlich im Stadtverordnetenkollegium von Meißen vertreten. Hier wurde eine Lohnreduktion für die Semeindearbeiter mit de« Hinwei« auf die schlechten Zeiten begründet, wo doch auch die Privatunternehmer abziehen. (!) Ein Muster kom­munaler Sozialpolitik!

Deutsches Deich.

Berlin, 27. Januar.

* Aus alle . Theileu bei Reiches liege» Mel­dungen über die Ae»wrt-r«O»fe1-e des Kaiser» vor. Ja den cknche» sande» Festgottesdienste, in den Schule» festliche Beraustaltunge», in den Garnison,siädten große Parolea»igabe und Salutschießen statt. Später verai»igte» sich die staatlichen und städtischen Behörden zu gemein« fernen Festmahle».

Der »Reich,anzeiget' veröffentlicht einen Krlwtz de» Kaiser» e» den Reichskanzler unterm 27. Januar, welcher lautet: Ich habe beschloffeu, die Benennung der Truppentheile meines Heeres in vaterläudischem Sinne zu er- weitern. Ich will dadurch den alte» theueren Ueberlieferu»ge» der unter «einem Szepter Ber­einigte» Lande und Stämme ie der Armee eine dauernde Stätte und die «nerkenunug zu Theil werden kaffe», die ich ihrer Tüchtigkeit und Hin- |ebu»| an das gemeinsame Vaterland zolle. Diese alten dentschen Name» entrollen ein Bild des Werden- u»seres Volker. Ich will sie der Vergessenheit entreiße». In der Armee vereinigt, geben sie ei» Abbild der deutschen Geschichte.

Unter den sonstige» Aufgaben der Gemeinde» als Arbeitgeber ist besonders »och die Woh - nungifür sorge für die Gemei«dearbeiter zu erwähne». Auch auf diesem Gebiete, auf welchem zwar eine kleine Anzahl von wiederum meist süddeutschen einen Anfang gemacht haben, ist von erheblicheren Fortschritten nichts zu merken. Berlin hat hier kürzlich wieder ein chlechtes Besspie! gegeben, indem die Stadtver­ordnetenmehrheit einen Antrag auf Errichtung von Wohnhäusern zur Bermiethung au städtische Arbetter (am 7. November 1901) glatt ablehnte. Diese von kleinlichsten HauSbefitzerintereffen dtktirte Ablehnung wird erst in- rechte Licht gerückt, wenn man berücksichtigt, daß in Berlin 1901 eine Wohnung mit nur einem Zimmer durchschntttlich 174 Mark, mit zwei Zimmern 331 und mit drei Zimmern 701 Mark kostete.

Erfreulichere Fortschritte macht dagege» die kom­munale Sozialpolitik in der Fürsorge für R u h e g e- halt, sowie Witt«en - unvWaisenversor- g ung der städtischen Arbeiter. Den bis Ende 1899 meist auf Süddeutschland beschränkten Vorbildern (Frankfurt, Stuttgart, Kannstadt, Darmstadt, Karlsruhe, Mainz, Ulm, Effen u. a.) find in den beiden Jahren noch manche Städte gefolgt bez». im Begriff, dieses zu thun, so WormS, Offenbach, Gieße», Fürth, Wiesbaden, Nürnberg, München, Freiburg i. #.. Baden - Baden, Köln, Elberfeld, Breslau, Dresden, Berlin, Charlotten- bürg, Spandau, lünigsberg. An Mängeln u«d Lücken fehlt es bei diesen PenfionSeinrichtunge» freilich nicht. Immerhin können fie als bemerkens- werther Anfang gelten, welcher die Kommunal- Verwaltungen hoffentlich anch auf den andere» Gebieten ihrer »rdettgeberpflichten zu der soziale» Einsicht führen wird, daß eine grundsätzlich vrr- schiede»? Behandlung von städtische» Beamten und Gemeindearbeitern ungerechtfertigt ist.

ertönte. Das Schweigen beunruhigte ihn mehr, als eS der lauteste Lärm vermocht hätte. Für einen Augenblick wandelte ihn Furcht an; eS er­forderte viel Willenskraft, um sie zu unterdrücken. Er erinnerte sich an Thilda und wandte sich mit ein paar Worten zu ihr; sie lag bleich -und bebend In de» Riffe». .Vater," flüsterte sie, weshalb hast Du nicht auf HaselbeckS Abrathe» gehört?" Er sah sie hilflose» Blickes an und wünschte i» diesem Augenblick nichts so sehnlich, als daß er seiner Tochter nicht gestattet hätte, ihn zu begleiten. Aber »iS ob sie seine Gedanken errachen hätte, strichelte die Tochter jetzt seine Hand and flüsterte innig: .Mich tröstet nur, daß ich bei Dir bin."

.Fahr' rechts hinauf, nach der Schneidemühle zu," befahl er August Er brauchte seine Stimme nicht a»zvstrengen, »rnu die schreckliche, drohende Stille dauerte noch immer an. Nur daS dumpfe Ausschlagen der Pferdehufe aus dem ungepflafterten, mit nwrschen Holzstückche» übersäten Bode», bei Brechen einer lette unter den Rädern, die sich in den Spure», welche die schweren Holzwagen gefurcht hatte», auf und «ieber bewegte» kein a»dereS Geräusch war vernehmlich.

Der Kutscher lenkte de» Wage», wie ihm be- sohlen war, »ach rechts, wo sich eine »»bedeutende Bodenerhöhung befand, da hier der Fahrweg sich in wirr durcheinander liegenden Baumstämmen verlief, die anf die Säge harrte».

Johan» Wllhelm ließ seine Blicke jetzt ruhig «eit in die Runde gehen. Vor ihm am Horizont dehnten sich die Hänsermaffen der Stadt weithin ans; Über dem Dächermeer flimmerte der Sonnen­schein. Linker Hand lagen die Maffenquattiete der Vorstadt, und der »eg, welcher fie hergeführt

Möge der Seist, welcher die Träger diese- NamenS seit Jahren beseelt und zu den Thaten befähigt hat, die ihren Schlußstein in der Wteder- ausrichtung des Reiches sanden, bis in die ferne Zukunft lebendig bleiben. Dann wird daS Ver- i rauen, i» dem ich ihnen an «einem Geburtsfeste liefe Auszeichnung zu Theil «erde» laffe, reiche Frucht tragen und zu einem fortdauernden An- porne gereichen, mit Gut und Blut für die Größe und Macht des Vaterlandes einzustehen, nicht zu weichen und zu wanken, mögen auch die Stürme nach Gottes Rathschluß über es hinweg- brausen. Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. (Die be- treffenden Truppentheile find die Infanterie- Regimenter N. 97-99, 128-132, 135-138, 140, 141, 143152, 154-161, 163,166,167, 171176, die Feldartillerie-Regimenter Nr. 1, 5, 6, 11, 15, 16, 19-21, 27, 31, 33 bis 47, 5159, 62, 63, 67, 6975, die Fuß­artillerie-Regimenter Nr. 10, 11, 13 und 15, die Pionier-Bataillone Nr. 15-21 und die Train-Bataillone Nr. 1517. Die land­schaftlichen Zusatzbezeichmmgrn find meisten-neu, theilS spezialisiren sie aber nur die bisherigen Benennungen. So heißt das Feldartillerie- Regiment Prinz August von Preußen nicht mehr ostpreußisches, sondern1. litthauischeS Nr. 1." Dir hessischen Regimenter erhalten durchweg die Bezeichnung .kurhessische".)

* DaS Aktions-Komitee der Anti-AueT- Liga erläßt folgenden Aufruf:

Die jüngsten betrübenden Borfälle in Inster» 6ut|, Jena, Springe u. s. w. haben von neuem das Duell in seiner ganzen Furchtbarkeit beleuchtet. Dio DueRfitte und »er chr zu »runde liegende Ehr- begriff erweist fich a» so fest eingewurzelt, der Duell- zwang als so mächtig, daß ehremoerthe und selbst christlich denkende Männer göttliche und menschli $e Satzung, Vernunft und Moral hintansetzen zu müffxn glauben, und so fich selbst und andere, ja gan|e Familien dauernd unglücklich machen. Der Ernähre, wird den Seinigen, der hoffnnugsvolle Sohn be# sorge« den Eltern, der Bräutigam seiner Verlobten ge, nommrn, und dauernd bleibt in der Erinnerung der Betheiligten der Schrecken über das furchtbare Spielen mit Menschenleben und Menschen,lü«. Aewiffeusruhe und Ewigkeit-Hoffnung werden d«ran gegeben um der Menscheurhre willen, die doch im Vergleich zu jenen kostbaren Gütern völlig nichtig erscheint. Gegen diese Duellgeißel wolle» wir vorgehe». Welche Wege uns zum Ziele führen, muß die Zukunft entscheiden. Zunächst wollen wir danach streben, dem mit gesell­schaftlicher Verunglimpfung bedrohten, ®e<

kenntniß der Duellgegnerschaft einen gesellschaftlichen «ückhalt zu gewähren, ferner durch Arnderun, de« Strafgesetzbuchs den zur Zeit ungenügenden gesetzlichen Schutz der Ehre von Person und Familie zu einem wirksameren zu gestalten, sowie die Einführung von staatliche» und korporativen Ehrengerichten und die Aechtung von Ehreuschändern zu erwirken. Machtlos aber find wir al« einzelne. Wenn wir uns je­doch auS allen Ständen zusammenschließen mit dem festen Willen, gemeinsam und rastlos auf die Beseitigung der Duellgeißel hinzuwirkeu, so wächst unsere Macht und das Erwicht unserer aus Religio», «ernunst und Moral geschöpften Gründe. Bo» diesen Erwägungen ausgehend, wurde am 11. Januar 1902 die deutsche «»tiduellliga errichtet. In ihrem «amen wenden wir uns mit diesem Aufruf an alle, die das Leben im Dienste der Mitmenschen höher schätze», alS die «e- , friediguu, persönlicher Interessen und Empfindungen. Helft auch ihr unS dabei, ihr edlen deutschen Frauen, bie ihr berufen seid, Hau» und Herz eurer Gatten und Brüder z«r Pflanzstätte echt deutscher Religiosität und

spielen." Bei tiefen Worte» legte er bie Hand auf den so»ne»watme» Rand des Wagen- schlage-, als wollte er den Laus be$ Gefährts hemmen. Johan» Wilhelm entgegnete ernst, fast ab weifend, baß er dergleichen Einwendunge» oft genug vernommen habe, aber feinen Plan nicht aufgeben werde.

Und das gnädige Fräulein auch in bie Ge­fahr zubringen" Er flüsterte es vor sich hin. Thilba empfand selbst in diesem Sagenbtic: Freude darüber, daß der Jugendfreund in der Nähe war. Sie hätte gern den Vater gebeten, ihm im Wagen einen Platz anzubieten, bamit sie einen kräftigen Beschützer um sich hatten, allein sie wogte es nicht.

Mittlerweile war der Wagen am Emfcchrts- thor angekommen, und bie hier angestaute Menschenmenge wich nach beiden Seiten ausei­nander. G« waren hier noch meist Neugierige, schaulustige Burschen, arbeitslose Javaltden mi Schlägel und Eisen, den Knappenzeichen, am Rock oder Hut, ferner Frauen mit besorgten Mienen, in geflickte» Arbeitskleidern mit knochige«, rauhen Armen,

«ellensörmig pflanzte fich bie znrückwkichenbe Bewegung unter be» Menschenmaffe» fort, der Fahrweg, welcher den Stätteplatz in zwei Theile von gleicher Größe zerlegte, leerte sich weithin. Hinter be« Wagen schloffm sich die Gruppen »lebet eng, brangen schiebend und stoßend not i und versperrten den Rückweg.

Johann Wilhelm, geübte, Auge schätzte die innerhalb der Uurzännung Versammelten au 4-500 Ran». Biel fremde Elemente waren seinen Arbeitern beigemischt. Alle Blick; teufe» ih» kalt, die meiste» feindselig, aber kein Laut

Bon den norddeutschen Gemeinden kann wohl Churlottenburg als bie fortschrittlichste auf biesem Gebiete bet kommunalen Sozialpolitik be­zeichnet «erben. Hier wurde auch im Jahre 1900 unter Ausbesserung bet Löhne bet städtischen Ar­beiter ein Lohaklassen-Tarif aufgestellt. Dagegen gibt bie Reichshanptstabt »och immer ein sehr schlechter Beispiel. Die Forderung bet Lohn- tegelung nach dem Dienstalter würbe vom Ber­liner Magistrate abgelehnt, weil bie Arbeiter nach ihren wirklichen Leistungen bezahlt werben müßten, AlterSzulagen wärenPrämien auf bie Faulheit". Daß eine stets gerechte Bezahlung nach den Lei­stungen in einem Kommunal-Betriebe mit 12,000 Arbeitern nicht durchführbar ist, bie Arbeiter vielmehr in zahlreichen Fällen von bet Gunst ober Ungunst bet unteren Aufsicht? - Organe ab­hängig finb, baS einzusehen, reicht bie sozialpoliti­sche Weisheit bes Berliner Magistrate, nicht aus. Seit 2 Jahren beschäftigt man fich nun in Ber­lin mit der Regelung bet kommunalen Arbeits- Verhältnisse, und im günstigsten Falle (der Magi- ftrat hat nämlich seine Zustimmung noch nicht gegeben) wird das Resultat eine bessere Bezah­lung von Ueberstunden fein, sowie bet Sonntags- unb Nachtarbeit, Verkürzung bet Arbeitszeit auf 10 Stauben unb Einrichtung von Arbeiter-Aus­schüssen in allen städtischen Betrieben. Von einet einheitlichen Regelung bet Arbeitsordnung, bet Kündigungsfristen, Lohnoethältniffe rc. ist noch keine Rede, »ei einem solchen zögernden Vorgehen bet Reich,Hauptstadt kann bie mehr oder weniger große sozialpolitische Rückständigkeit der meisten größeren deutschen Kommunal - Ver- waltungen kein Wunder nehmen. Immerhin wäre die Regelung der Arbeit,zeit und allgemeine Ein- sührung von Arbeiter-AuSschÜffen in Berlin als ein Fortschritt gegenüber den in anderen Städten durchweg bestehenden Berhältniffen zu betrachten. So wurde z.v. in Leipzig die Einrichtung von ArbettS-Ausschüssen für alle städttsche Betriebe nenerbingS wiebernm mtt dem Hinweis batauf abgelehnt, baß von 29 in btefer Xwgdeg«. Helt befragten Städten (leider!) nur 9 Arbeiter- Ausschüsse besäßen.

Als selbstverständliche Berpflichtm.« der Ge­meinde» ist es auch anzusehen, d--ß sie mit Schutzmaßtegel» für Leden und Ge­sundheit ihrer Arbeiter privatem Arbeit­gebern mit gute» Beispiel vorangehe». Trotz­dem ist bi« heute erst in den wenigsten Fällen für die städttsche» Straßen- und Bauarbettet ie. z. B. durch eine hinreichende Anzahl von ordentlichen Baubuden für Aufbewahrung der Ueberkleider und Einnahme der Mahlzeiten gesorgt. Unzulänglich ist auch vielfach der Schutz der Bauarbeiter gegen Unfälle; die Be- theiligung von Arbeitern an bet vaukontrolle, wie sie München seit bem 1. Juli 1901 ein« geführt hat, steht ziemlich vereinzelt da. Roch in jüngster Jett nehmen eine Reihe von Kom- munalvertretungen gegenüber bezüglich Forde­rungen eine ablehnende Haltung ein; in Braunschweig z. B. wurde ein neuerer derartiger Antrag von der Stadtverordneten- Mehrheit nicht einmal einet Diskussion für werth gehalten.

an den starkwilligen Rann zu ihrer Linke», der jetzt eben ohne Aufregung mit leiser fester Stimme dem Schutzmann mitheilte, et beharre auf seinem Vorhaben.

E, gab auch kein Zurück mehr. Die Bet- sammelten hatte» den hera«kommend,n Wage« bemerkt und erkannt, de»» plötzlich wurde eS in der Menge todtenstill, bie letzten Schwin­gungen des brausenden, wogende» Lärm, ver­hallte» i» der durchsichtige» sonnendurchleuchtete» Frühlingtlnst. Nut als der Schutzmann knapp vor de» in langsamem Schritt gehenden Pferde» den Fahtdamm kreuzte, so daß er, den vorher bet Wagen den Blicken verdeckt hatte. Alle« sichtbar wurde, als er nochmals in den Wagen hineinsprach unb sich dann erst entfernte, ging ein leises Gemurmel be, Unwillen, durch die angesammelten Schaaren. Dann wieder dieselbe tobte Stille wie vorher.

Unb der Wagen bewegte fich stetig vor« wärt,; bet Ganb knirschte unter dem schmalen Radreifen; die Beide, im Wagen schwiegen »nd blickten start gerade auS, wo fich die Grnppen am Plankenzaun dem Ange schon so klar zeigten, daß die Einzelnen hervortraten. Au, der Sttaße link» kommen noch Neugierige etlgen Schritt».

»Herr Neumann, Herr Neumann!" rief eine Sttmme von weitem. Gegen die Sonn» war der Blick unficher; sie erkannten den Rufer erst, als er nur noch wenige Schrttte vom Wagen entfernt wat. Heinrich Schefet stand vor ihnen. Sein offenes Gesicht wat vom eilige« Gange geröthet.Ich hab', nicht glaube« wollen," rief er, daß fie zu den Streikenden fahre«. DaS heißt mit bet Gefahr

Der Spekulant.

Original-Roman von HanS Dahlen.

21) ------(Nachdruck verboten )

Johann Wilhelm und feine Tochter fuhren empor und blickten nach vor«. Eine wimmelnde summende Menschenmasse wogte zweihundert Schritt vor ihnen um den Plankenzaun, der denNeumann'schen Lagerplatz in länglichem Viereck umgab. Der Platz selbst war überfüllt und bot nicht Rau« für Ile. Schutzleute unb Gendarmen patroullirten in fieberhafter Erregung auf unb nieder, die Hand am Revolver, den Blick von den Streikende» oftmals zur Stadt lenkend, ob noch nicht die Helme der Soldaten zwischen den Häuserzeilen austauchte».

Ein Schutzmann trat an den Wagen, grüßte militärisch und rieth dem Millionär, schlemugst umzukehren. Ihm drohe Gefahr. Die Leute seien zu Allem fähig. Neben dem langsam weitettollende« Wagen einherschreitend, wurde er immer eindringlicher mit seinen Warnungen. Et wandte fich sogar an Thilda, damit fie den Batet von seinem Vorhaben abbringe. Sie seien selbst zu schwach, könnten keinerlei Sicher­heit gewähren. Der Platzaufsehet liege im Krankenhause und fei dem Tode nahe. Wen« er aber nicht hören wolle er zuckte ärgerlich bie Achsel«.

Thilda sprach nichts, versuchte mit keinem Worte den Vater zurückzuhalten, denn fie fühlte, er werde vergeblich fein. Die Dinge würden ihren Gang gehr« unb fie vermochte ihn nicht anfMhalten. Nut noch enget schmiegte fie fich