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mit Zlntcrhattungs -Anlage „Zllusirirte Sonntags-Aeitung"
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JK 20.
Wachen-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda. 25. Januar.
Die Amerikafahrt des Prinzen Heinrich von Preußen beschäftigt die Amerikaner in hohem Maße. Sie zeigen sich sonst so gern als die .freien Republikaner" im Gegensätze zu uns armen Europäern, die wir angeblich großentheils die Kinderschuhe der Monarchenherrschaft noch nicht ausgezogen haben sollen. Aber wenn einmal die Gelegenheit kommt, in den Vereinigten Staaten etwas aus dieser angeblich gering geachteten Monarchenwirthschaft abzubekommen und feiern zu können, dann ist die Freude riesengroß, genau so groß, als wenn eine amerikanische Milliardärstochter einen europäischen Prinzen zum Manne erhält und nun selbst eine „highness* — eine' „Hoheit" wird. Es ist genau dasselbe Schauspiel, wie zwischen den Franzosen und dem Zaren. In Deutschland freut man sich nichts desto weniger aufrichtig über die amerikanische Prinzenbegeisterung. Das freundschaftliche Veryältniß zwischen uns und den Leuten auf der anderen Seite des großen Salzwafsers ist uns um so willkommener, je weniger liebenswürdig sich uns die angelsächsischen Vettern in England erweisen. Eine Erscheinung besonderer Art wird ein Bankett sein, das die amerikanische Presse dem Prinzen Heinrich im Hotel Waldorf Astoria in Newyork geben wird, dem vornehmsten Hotel in den Vereinigten Staaken. Der Prinz hat die Einladung angenommen.
Eine sehr ausgedehnte Besprechung hat die sozialdemokratische Arbeitslosen-Jnterpellation im Reichstage h-rvorgerufen; d. h. sie ist noch nicht beendet, obwohl sie bereits drei Sitzungen hinter einander in Anspruch genommen hat. Die Sozialdemokratie ist nicht aus ihre Rechnung gekommen. Es war zwar durchaus angebracht, daß die Arbeitskrise im Reichstage besprochen wurde; und Prof. Dc. Hitze stellte als der Parteiredner des Centrums fest, daß das Centrum mit einer solchen Interpellation hcrvorge- treten sein würde, wenn die Sozialdemokratie es nicht gethan hätte. Aber die Sozialdemokratie hatte doch gehofft, es würde dabei mehr Stoff absallen als Nahrung für die Hetzerei nach ihrem besonderen Geschmack«; und diese Hoffnung ist ihr durchaus nicht erfüllt worden. Außerdem war der Reichstag während der Besprechung dieser Interpellation so leer wie nie, und das will gewiß etwas sagen. Was geschehen kann, um Arbeit zu schaffen, das soll geschehen. Aber die Krise ist zum Glück nicht so schlimm, wie manche Anderen früher — so kann man das Ergebniß der ganzen Debatte zusammenfassen.
Das preußische Abgeordnetenhaus hat die erste Lesung des Etats sehr rasch beendet; sie hat nur zwei Tage in Anspruch genommen. Die Interpellation des Centrums wegen des Eisenbahnun- falles bei Altenbecken konnte nicht vom Minister von Thielen beantwortet werden, weil dieser krank ist. Seine Vertreter mußten zugeben, daß nicht Alles in Ordnung war, versprachen aber geeignete Ver- besserungen der zu Tage getretenen Mängel.
Die Zolltarif-Kommission des Reichstages hat bereits während ihrer ersten Sitzungen einen Vorgeschmack von der Kampfesweise bekommen die die Sozialdemokratie gegen die Zollgesetze anwenden will: Vollkommen unmögliche Anträge werden dutzendweise eingebracht und dann von dem Abg. Stadthagen und ähnlichen Dauerschwätzern — „be- gründet". Die Herren „Genossen" sollen sehr erstaunte Gesichter gemacht haben, als ihnen der C-ntrumsabg. Dr. Heim in einer Kommissions- Sitzung die Wahrheit über ihr Benehmen in unverblümter Weise sagte. Die liberalen Gegner der Zolltarifvorlage wollen in der Kommission die Obstruktion noch nicht mitwachen; erst im Plenum bei der zweiten Lesung der Vorlage soll es auch bei ihnen losgehen. In einem Organe dieser liberalen Gegner war in diesen Tagen die Berechnung angestellr, daß die Kommission spätestens bis Pfingsten mit ihren Be- rathungen zu Ende kommen, sodaß das Plenum dann im Sommer mit seiner Arbeit beginnen könnte — vorausgesetzt nämlich, daß dann ein beschlußfähiges Haus zusammen zu halten ist. Wie die Regierung sich schließlich zu den G e t r e i d e z ö l l e n stellen werde, ist noch immer ihr ureignes Geheimniß. Minister Frhr. von Rheinbaben hat zwar int preußischen «bgeordnetenhause sich so angestellt, als wolle die Regierung von den Tarifsätzen ihres Entwurfes sich nicht abdrängen lassen; aber die Rede war so geschickt abgepaßt, daß sie der Regierung allerhand Hinter- thürchen offen läßt. Man sollte meinen, wenn nur eine feste Mehrheit des Reichstages aus bestimmte Tarifsätze sich einigt, dann müßte auch die Regierung sich eines Besseren besinnen und den Wünschen einer solchen Mehrheit entgegenkommen.
Bon großer Bedeutung für die Beurtheilung der ganzen Zollfrage ist ein Auffchluß, den auf den Wunsch des Centrums die Regierung gegeben hat über die Zölle und Abgaben, die allerhand Städte von Nahrungsmitteln erheben. Obenan in dieser Reihe steht die von Freisinnigen verwaltete Stadt Breslau; die Reihe ist sehr lang, und diese städtischen Abgaben tragen sicherlich mehr zur Versteuerung der Lebensmittel in den Städten bei, als die kleine Erhöhung der Getreidezölle für das Reich. Daß daS Cent rum beantragt, die erhöhten Zolleinnahmen des Reiche- für eine Wittwen- und Waifenverforgung der Arbeiter zu verwenden, ist bekannt.
Isrrtöa, Samstag, den 25. Januar 1902.
29. Jahrgang.
Eine interessante Erklärung über den letzten Ministerwechsel in Baden hat vor einigen Tagen in der badischen Zweiten Kammer Staatsminister von Brauer abgegeben. Danach bedingt dieser Ministerwechsel durchaus keinen Systemwechsel in der Politik; da aber alle Minister bisher evangelisch gewesen seien, habe man nunmehr auch einen Katholiken in das Ministerium ausgenommen — Reinhard! Ob der neue Kurs in Baden nicht dort ein wenig versöhnlicher sich gestalten wird gegen die Katholiken, als der alte? Es ist anzunehmen.
Ein geradezu scheußliches Duell hat kürzlich zwischen Herrn von' Bennigsen, dem Landraih des Kreises Springe, und einem Domänenpächter Namens Falkenhagen stattgefunden. Herr von Btnnigsrn ist der älteste Sohn des greisen nationalliberalen Parteiführers Rudolf von Bennigsen, eines Vorkämpfers gegen das Duell; der Vater des Falkenhagen ist nationalliberaler preußischer Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Northeim- Einbeck-Uslar. Herr von Bennigsen ist durch die Brust geschoffen worden und bald nach dem Empfange der Wunde in einem hannoverschen Krankenhause gestörbeu. Falkenhagen ist nach allen Miitheilungen über ihn ein durch und durch wüster Patron. Er unterhielt ein unsittliches Verhältniß mit Frau von Bennigsen, die Mutter von fünf kleinen Kindern ist. Bei dem Duell soll er auch noch zu früh geschoffen haben. Alsbald nachher ist er nach Berlin gereist, hat sich dort in Ball-Lokalen Herumgetrieben und ist nach einer durchschwärmten Nacht im Zentralhotel in Berlin verhaftet und nach Hannover trans- portirt worden. Man begreift nicht recht, wie Bennigsen so thöricht sein konnte, nach solchen Ereig- niflen und einem solchen Gegner gegenüber vor die Pistole sich zu stellen. Auf Ehebruch steht bekanntlich Gefängniß; warum überlieferte er nicht diesem den Schuldigen? Dorthin paßte dieser Mann ganz und gar. So aber wurde dem Landrath von Bennigsen nicht nur das Lebensglück zerstört, sondern auch das Leben genommen!
Der geheime Vertrag zwischen Deutschland und England war der Gegenständ einer Anfrage im englischen Parlament. Der Abgeordnete Gibson Bowles fragte beim Unterstaatssekretär Cran- borne an, ob dieser Aufschlußvgeben könne über das bezeichnete Abkommen, erhielt aber die Antwort, daß der Vertrag geheim sei und er darum kein Aufschluß darüber geben könne.
Daß der Burenkrieg bei den Verhandlungen in dem neu eröffneten britischen Parlamente eine große Rolle spielt, versteht sich von selbst. Es darf nicht geleugnet werden, daß die Afrikapolitik der Regierung und namentlich des Herrn Chamberlain eine feste Mehrheit in beiden Häusern des britischen Parlamentes hat. Aber es ist schon immer etwas, daß ein Mann von dem großen Ansehen des frühem Ministers des Aeußern Lord Rosebery im Oberhause zu sagen wagte: England sei jetzt in Folge der Art und Weise seiner Kriegführung in Südafrika verabscheut in allen europäischen Ländern. Die Engländer ändern deswegen aber nichts an ihrer Kriegführung: Der jungeBurenoberft Scheepers, der als todtkranker Mann von den Engländern gefangen genommen wurde, ist unter nichtigen Vorwänden zum Tode verurtheilt und am letzten Samstag standrechtlich erschossen worden. Wahrscheinlich wird dieselbe Henkerarbeit auch an dem gefangenen Burenführer Kruitzinger verrichtet werden — ei» Schandmal nach dem andern! Und Zehntausende und wieder Zehntausende von Burenfrauen und Burenkinder sterben in den Mäffenlagern, die die Engländer für sie hergerichtet haben, eine» langsamen Todes in Folge der scheußlichen Behandlung, die man ihnen angedeihen läßt. Auch in der französischen Abgeordnetenkammer ist vom Burenkliege die Rede gewesen, und zwar in Folge einer Interpellation des Abgeordneten Berry über die Haltung des internationalen Schiedsgerichtes im Haag zur Burenangelegenheit. Die Antwort vom Ministertische lautete aber genau so, wie man sie von anderwärts her schon kennt; Minister Delcass« nämlich gab in der Hauptsache dem Interpellanten ganz recht, aber warnte eindringlich davor, sich gar zu sehr für den Fall ins Zeug zu legen: Es hieße „einen Kriegsfall heraufbeschwören, wenn man Frankreichs äußere Politik weiter enga» giren wolle". Der holländische Ministerpräsident Kuyper war kürzlich in London, bat aber bald nach seiner Heimkehr entgegen gewiffen gegenthet- ligen Ausstreuungen in der Preffe feststellcn lasien, daß er mit den Burenvertretern in neuerer Zeit gar nicht zusammengekommen sei, und daß auch die Burenvertreter gar keine Vollmachten für FriedenS- unterhandlungen besitzen. .
Die neuen Christenmetzeleien tn Armenien bildeten den Gegenstand einer anderen Interpellation in der französischen Kammer. Sie gab Herrn Delcassö die jedenfalls erwünschte Gelegenheit zu der Versicherung, daß es an der nötyigen Verständigung der Mächte unter einander gefehlt habe, um in Konstantinopel zu Gunsten der Armenier aufzutreten. Im Uebrigen habe Frankreich mit seiner Flottenkundgebung in Mytilene „nicht nur die Interessen seiner Staatsangehörigen, sondern auch moralische Interessen schützen wollen".
Beim Vatikan sieht man nicht mit günstigen Augen nach England hinüber. Man hat es in London nicht einmal für nöthig befunden, dem Papst amtliche Anzeige von der Thronbesteigung des Königs Eduard zu machen. In Deutschland und sogar in Rußland ist man vöflicher gegen den Vatikan. Deswegen wird dieser Letztere auch bei den Krönungssestlichkeiten des britischen Königs nicht vertreten sein. In dem Sinne der Erhaltung per So» veränetätsr echte des Papstes hielt
der Papst auch eine Ansprache bei dem Neujahrs- empfange der römischen Patrizier, die im Allgemeinen dem heiligen Stuhle treu geblieben sind.
Prinz Jayme von Bourbon, der einzige Sohn des Don Carlos und damit legitimer Anwärter auf die Kronen von Spanien und Frankreich, kränkelt seit einiger Zeit in Besorgniß erregender Weise, nachdem er einen gefährlichen Sturz aus einem Automobil erlitten hat. Der Prinz ist zweiunddreißig Jahre alt. Da Prinz Alfons, der Bruder des Don Carlos, ohne Kinder ist, ist dies der letzte Sproß dieses Bourbonenzweiges.
In Südamerika herrscht unglaubliche Verwirrung. Man weiß gar nicht mehr, was eigentlich in Venezuela, Kolumbia und Panama vorgeht, was für verschiedene Kriegs- und Revolutionsparteien dort sich gebildet haben. Bei einem Seegefechte im Hafen von Panama ist General Alban, der Befehlshaber der Regiernngstruppen getobtet worden.
[] Schmähungen des Papstthums sind wit auf feiten der soziuldemokratifcheu Presse gewohnt. Dieselbe findet stch durm mit der kirchenfeindlichen Presse der bürgerlichen Parteien eir,trächtig zusammen.
Neuerdings geht ein s6-mählicher Artikel durch die sozialdemokratischeP iss- (z. B. Düsseldorfer Vztg.), welcher der demokratischen »Berliner Volkszeitung' entnommen ist und „ein Stück vom ganze« Papäthrrm beleuchten* -für an gebrech! findet. Der Verfasser desselben will durchun: jeder Historiker söffe,
„daß das Papstthum vom Jahre 1450-1550 eine Kloake umstellte, und daß fein Vertreter Borzia (Alexander VI) nur eine -inzige FiZur in der ganzen Reihe von gottoergoffenen Leuten bildete, eine Figur, der mehr von menschlich freundlichen und gut« müthigeu Zügen eigen war, als manchem seiner Vorgänger und Nachfolger."
Angenommen einmal, das fei wahr und das wiff« jeder Historiker, was wäre denn damit gegen das Pap M um bewiesen? In letzter Linie will der Artikel doch bei seinen Leser» da« Ansehen deS ganzen Papstthums und der Kirche erichüttern. Selbst wann 5 oder auch 12 Päpste unter 258 unwürdig gewesen wären, so b-weist das ebensowenig gegen die göttliche Stiftung des PapsttirumS und die unsittbare Lritun« der Kirche durch J-suS Christus, als die Thatfache, daß unter den 12 Apostel, ein Vrrräther war, alle Aposteln zu Verräthern macht und ein Beweis gegen die Berufung der Apostel und die Stiftung der Kirche durch den Wrlterlöfer ist. Gerade der Umstand, daß trotz des Juda- und trotz menschlicher Schwächen, dir an den Nach- folgern der Apostel im Lause der Zeiten auch heroorgetreten stad, die Ktrche irr uügesch Wächter Kraft ihre Mission auf Trdrn bis deute erfüllt, ist ein Beweis dafür, daß ihr Stifter ihr bis ans Ende der Tage seinen Beistand verleiht. Jedem der als unwürdig hmgestellten Päpste gegenüber können mehrere angeführt wenen, die durch ein heiligmäkiges Leben bekannt geworden find. AuS einem „Stück deS. ganzen Papst- thumS", daS sine Ausnahme ist, läßt fich doch mit nichtrn auf alle Stücke des PapstthumS, auf das Ganze schließen. Die antiklrchliche Preffe muß ihre Leser für sehr ungebildete Lsgck-r anfebcn, wenn sie dieselben solcher Schlüffe für fähig hält. ,
Wie stebtS aber in Wirklichkeit mit f-n-m „Stück" und mit der Behauptung. Alexander VI. fei noch der beste au« der Zrit von 1450 bis 1550?
Zum Beweise behandelt der Artikelschrelber von einem Dutzend Päpstrn, die in jenen 100 Jahren regiert haben, nur fünf mir einigen wegwerfenden Bemerkungen und Anekdötchen, für die nicht einmal überall die Quellen angegeben find. Warum er nicht auf die übrigen sieben eingeht, liegt auf drr Hand. Ihr Leben würde seine Beweisführung von vornherein erschüttern
Ader auch mit den behandelten Päpsten kann er sein Thema nicht dewei'e«. Einen Alexander VI. wird niemand rein waschen wollen. Er ist in seiner Art aber such der einzige unter allen 258 Pävsten, welche die Kirche im Laufe der Jahrhunderte auf dem Stuhle Petri gesehen hat. Selbst von denen, die vor und nach ihm zwischen 1471 und 1521 regiert haben — mit welchen stch der genannte Artikel in Wirklichkeit nur be- schäftigt — ist keiner ungünstiger zu beur- thesten als Alexander VI. Das weiß jeder, der sich in drr Papstgeschichte auch 8xr etwas aus- kennt, und darüber hätte fich auch der Artikel- schreiber an der Hand von Pastor« Geschichte der Päpste, deren fachliche Darstellung allgemein anerkannt ist, unterrichten könne«.
Diese Päpste waren in ihrem Privatleben leider Kinder ihrer Zeit, und gerade über jene Zeit ist mit Recht manch tadelndes Wort gesprochen, «och mehr aber mit Unrecht gelogen morde«. Auch der angeführte Artikel weicht be- denklich von her Wahrheit ab. Daß beispielsweise SixtuS IV. der größte „Kornwucherer seiner
Zeit" gewesen fei, ist eine als falsch gebrannt» markte Geschichtslüge feines politischen GeanerS Jnfeffura. Buch dem Papste Jnnccenz VIII., über btfftn Unmoralität fich jettet Artikel mit Behagen verbreitet, kann für die Zeit feiner geistlichen Laufbahn in sittlicher Hinsicht absolut kein unaünstiaes Zeugmß ausgestellt werden. Julius H„ der Nachfolger Alexander VI, war allerdings mehr auf die äußere Macht deS KtichLnstaattS bedacht, war aber ungleich würdiger und edler als Priester denn fein Virgänger. Ebenso war Leo X, den der Artikel einen Schwelger nennt, persönlich fittenrein. Man steht, ubaesrhen von Alexander VI., der ebendort als der unschuldigste unter dieser Reihe hinge- stellt wird, kann nicht so leicht von „Scheusalen , wie der Artikel es will, geredet werden.
Aber was sollen beute solche Dinge? Wenn die kirchenfeindliche Peeffe glaubt, damit auch nur die Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit lächerlich zu machen, so irrt sie sehr J-deS katholische Schulku-d wetß, daß die Unfeh'barkett keine natürlrche oder persönliche sittliche Eigen- schäft ist, sondern eine« übernatürlichen Bestand Gottes in besonderen Fällen der Glaubens- und Sitten lehre bedeutet. Unfehlbarkeit ist nicht Ur-sündbarkeit. Auch die Päpste können sündigen wie alle Katholiken. Die Kirchrnfeinde etwa nicht?
Q Das Koatttionsrecht der Arbeiter erfreut fich, wie verschiedene Vorkommnisse der letzen Zeit erkennen taffen, wieder einmal einer besonders liebenswürdi^n B-Handlung seitens mancher Unternehmer. Und weshalb sollte man sich darüber auch wundern, tst doch der augenblickliche Zeitpunkt nur zu geeignet, den Arbeiter fühlen zu taffen, „wer Herr im Hause ist".
Allerdings war es nicht immer so! Zur Zrit der guten Konjunktur, als bet Unternehmer d-r Arbeiter dringend bedurfte, um die Früchte einer einträglichen Produktion mit deren Hilfe einzuheimsrn, konnte man den Bestrebungen der Arberter, vermittelst der Koalition einen gewiffen Antheil an dem höheren Unternehmer- a-minn z x erringen, nicht gut Eirchalt thun. Dre luüfiät, möglichst viel zu verdienen, war für den UruetNihmer zu verlockend, als daß er nicht, wenn auch vielfach widerwillig, demgegenüber daS Opfer der Anerkennung des KoalitrorS- rechteS auf fich genommen hätte; jedenfalls erschien dies praktisch, im Selbstintereffe liegend. Daß es fich j dach bei dem KoalitiouSrecht cm ein gleiches Naturrecht handelte, wie bei dem so häufig auch ftitenS dkS Unternehmer. thumS in Anspruch gerommenen Rechtcs der Vereinigung, daS kümmert manchen wenig. Bei gewissen Leuten ist nun einmal zwischen dem Menschen al« „Herren" und „drffen Arbeiter", was feine Rechtsstellung anbelangt, ein Unterschied; das Maß ist nickt das gleiche
Dem gewerblichen Aufschwung ist eine Zeit der gewerblichen Depression gefolgt; der Unter- nehmet bedarf der Arbeiter mcht mehr in früherem Umfange, möchte vielleicht am liebsten einen Thttl derselben entlassen. DaS Wohl und Wehe der A bester ist dem Unternehmer ausge- liefert; jeder Versuch. durch Benutzung deS KoalitionSrechtes eine Verschlechterung der ohne- hin schon nicht rostren Lage hinanzuhalte«, wird wie verschiedene Fälle wieder zeigen, brutal unterdrückt. Und habet »begründet" diese Verweigerung und Vorersthaltung eines vom Staate gesetzlich gewährleisteten Rechte- der „Unternehmer-Patriarch" mit dem Hinweis, durch die Koalition würde das berühmte „b.S- hrrige gute Einvernehmen zwischen Arbeiter and Arbeitgeber" gestört. Ader wer stört denn dieS in der Thai; derjenige, der fein volle- Recht in Anspruch nimmt, oder wer dasselbe verweigert? Nach dem gewöhnlichen Wortlaut der UkaS, in« dem der Unternehmer „feinen" Arbeitern daS Koalitionsrecht verweigert, hat der Arbeiter fich jeder Theilnahme an der Organisation zu ent- halten, „andernfalls," fo he ßt eS gewöhnlich im Polizeistil, „tritt Kündigung des Arbeitsverhalt. niffeS der Zuwiderhandelnden ein". Wer also fein Recht ausüben ro ll, fliegt auf die Straße.
Mit dieser „Logik" wirb man noch eine gewisse Zeit rechnen müffen; die Macht der That» fachen wird jedoch auf die Dauer auch über solche Leute hinweqgehen.
Bedauerlich ist bei der ganzen Sache noch, daß gerate dieses koalitionsseindliche Verhalten so mancher Unternehmer die Arbeiter der Sozialdemokratie in Die Arme treibt Dabei handelt es bei elfteren sich öfters um solche, denen Io »ft ein gewisses Maß von Wohlwollen für ihre Arbeiter nicht abzusprechen ist, die jedoch m Ver- fd nmg der Zeitverhältniffe fich zum B-rlaffen ihres „patriarchalischen" Standpunktes nicht ver- stehen können. Sofern biefelben zugleich C-e. trumSantzänger find, höhnt dann die fozialdemo