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mit Zlnterhaltungs -Meikage „Illuflrirte Sonntags-Zeitung"
29. Jahrgang.
Jutöa, Samstag, den 25. Januar 1902.
JE 20.
)( England, Deutschland, Amerika.
Die Reise des Prinzen Heinrich nach Amerika regt zu allerhand Betrachtungen an. Nur die wenigsten Leute bet uns, bis hinauf in die obersten Regionen werden eine solche großartige Wirkung dieserBesuchSankündigung erwartet haben. Alles dabei ist ja nicht als baare Münze zu nehme«. Der Amerikaner liebt es, bei jeder Gelegenheit fürchterlich auf die Reklamepauke zu schlagen, und bei den Festlichkeiten für de» Bruder des deutschen Kaisers denken die Veranstalter sicherlich ebenso viel an sich selbst und an ihren eignen Ruhm, wie daran, mit ihren Veranstaltungen dem preußischen Prinzen eine Ehre zu erweisen und gleichzeitig eine für das deutsche Reich freundliche Kundgebung zu veranstalten. Aber wenn man auch diese Reklame abzieht, bleibt noch immer außerordentlich viel übrig an wahrer Empfangsfreude; und Eines steht fest, daß diese Veranstaltungen zu Ehren des Prinzen Heinrich der amerikanischen Eng- landspartei nicht zur Freude gereichen.
Diese E»glandspartei machte nur kurze Zeit in erheblichem Maße von sich reden, damals, als Ehren-Chamberlain seine viel gerühmte und noch mehr verspottete Rede von der angelsächsischen Vetternschast und dem englisch-amerikanische« Bündnisse hielt. Da mochte Mancher im Ernste glauben, der Gedanke habe Aussicht auf Leben und Verwirklichung. Aber die Traumbilder des Herrn Joseph Chamberlain sind gar bald wieder in das Nichts zerronnen, aus dem sie hervorgegangen waren. Es kam der Streit wegen des Panama-Kanals, der Rückzug Englands vor den Ansprüchen der Amerikaner, ganz allein die Schutzyerrschaft auszuüben über die zukünftige Kanaloerbindung zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Weltmeere — und Niemand mehr sprach von der angelsächfischen Vetternschast und Freundschaft.
Nichtsdestoweniger ist die Englandpartei in den Bereinigten Staate» von Amerika niemals müde geworden, gegen Deutschland zu hetzen, namentlich durch allerhand Liebenswürdigkeiten für das Deutsche Reich in der amerikanischen Presse, die ja bekanntlich eine bei weitem größere Rolle spielt, als bei uns in unserem alten Deutschland. Eine LieblingSidee dabei, die oft wiederkehrt, ist die Phantasterei von einer europäischen Mächte-Berbrüderung mit dem Endzwecke, das frech gewordene Deutschland zu de- müthigen und zu ducken, eine Wahnvorstellung, der man ja ab und zu auch in englischen Blättern begegnet, und mancher brave Yankee mag schon auf den Schwindel hereingefallen sein. Aber diese Hetze gegen Deutschland hat der England- Partei in den Vereinigten Staaten nichts genützt, chr vielmehr geschadet. Die Deutschen in Amerika find dadurch auf die Beine gebracht worden; und da der Burenkrieg gleichzeitig zum Gegen-
Der Spekulant.
Original-Roman von Hans Dahlen.
19) ------(Nachdruck verboten )
Thtlda seufzte tief auf und fühlte, wie ihr die Thränen kamen. Ach Gott, der Gegensatz zwischen dem Frühlingsjubel, der frisch blühenden Pracht draußen und den traurigen Gedanken, die ihr Herz bis zum Ueberlaufen anfüllten, war zu schmerzlich. Wenn fie heute in der Frühe in der Freude über die fortschreitende Genesung ihres Vaters fast vergessen hatte, was sie quälte, so hatte fie der häßliche Auftritt, der sich soeben ereignet hatte, dem beseligenden Vergesse» ent- rückt und wieder mit wachen Sinken in die grausame Wirklichkeit verfitzt. Sie mußte an die Mutter denke», an Hans. Ihr weiches Herz trug die Abweserhrit der Angehörigen schwerer, als der gestählte Sinn des Vaters. Ihn hatte der Schlag zu Boden geschmettert, er aber hatte sich wieder emporgerungen, hatte überwunden und fich mit der Neugestaltung seines zukünftigen Lebens abgefunden. Sie war vom Kummer zwar nicht niedergedrückt worden, aber er nagte dennoch an ihr mit nie rastendem Zahn und würde sicherlich auf die Dauer erreichen, was ihm beim Vater nicht gelungen war: er würde sie ins Grab bringen, so fürchtete sie.
Keine Mittheilung, kein Brief sagte ibr, wie Jene lebten: bei Papa durfte sie die Namen von Mutter und Bruder nicht über die Lippen bringen. Durch den alten Schefer hatte fie fich beim Bankier erkundigen lassen, wo die Mutter
satze gegen England reizte, haben die Deutsche» mit ihren entgegengesetzten Bestrebungen in der neuesten Zeit ganz erhebliche Erfolge erzielt. Die Deutsche» habe» eine Reihe von burenfreundlichen Versammlungen veranstaltet und können fich rühmen, dadurch einen sehr großen Theil der englisch-amerikanischen Bevölkerung mit fich fortge- riffen zu habe». Von vielen solche» Beispielen möge nur eine am 5. Januar in Cleveland im Staate Ohio veranstaltete Versammlung erwähnt werden, die von Deutschen veranstaltet war, auf der aber unter anderen Rednern als Hauptsterne der Major von Cleoeland, der Amerikaner Tom Johnson und der frühere Präsidentschaftsbewerber William Bryan auftreten. Und diese beiden Amerikaner, einer von ihnen mit der gewaltigste Redner in den Vereinigten Staaten, sprachen in einer von Deutschen veranstalteten Versammlung von dem Rechte und sogar von der Pflicht des freien Amerikaners, für die Buren in deren Freiheitskampfe gegen die Engländer Partei zu ergreifen, und von der Schmach, die England mit den Greueln dieses Krieges sich selbst und seinem gute« Rufe anthue .... Etwas Aehn- liches ist seit Menschengedenken in Amerika nicht mehr vorgekommen.
Prinz Heinrich findet also bei seinem Besuche jenseits des großen Salzwassers eine sehr günstige Stimmung vor. Der Augenblick ist für seine Reise außerordentlich günstig gewählt, und aus diesem Grunde gewinnt die Reise eine Bedeutung, die weit hinausgeht über die Bedeutung solcher Festbesuche im allgemeinen. Die Jubelrufe, die dem Bruder des deutschen Kaisers gelten, werden gleichzeitig die Bedeutung einer vollkommenen Niederlage der Englandpartei der Bereinigten Staaten "haben; und das kann unter den gegenwärtigen Umständen jeden wackeren Deutschen nur freuen.
Die wirthschaftlichen Gegensätze, die gleichzeitig zwischen uns und den Amerikaner» bestehe«, werden dadurch natürlich nicht auS der Welt geschafft. Diese Gegensätze bleiben besteh?n, und wer es von unS gut meint mit unserer rutschen Produktionskraft und wirthschaftlichen Leistungsfähigkeit, der muß in fiiner KampfeSste^uag gegen die amerikanischen Gelüste verharren, » en deutschen Markt sich unterthan zu machen. DaS gilt indessen nicht nur von Amerika und Deutschland, sondern auch von den wirthschaftlichen Beziehungen zwischen jenen und anderen europäischen Ländern, England nicht auSgeschloffen; deswegen können wir unS getrost aufrichtig darüber freuen, wenn die Reise deS Prinzen Heinrich dazu beiträgt, das Verhältniß zwischen hüben und drüben freundschaftlicher als bisher zu gestalten. Im Uebriger werden wir verstehen, uns unserer Haut zu wehren.
Deutsches Deich«
Berlin, 24. Januar.
* Eine öemerKenowerlhe Auslassung de» Kaiser» wild dem ,B. T.' mitgetheilt. In Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit hat der Monarch nämlich den Wunsch ausgesprochen,
zuletzt Geld erhoben hatte. Hiernach weilten fie in Güdsrankreich.
Der alte Schefer war ihr überhaupt sehr gefällig gewesen in all der Zeit, die der Vater mit dem Tode gerungen hatte, war gern und willig zu kleinen Einkäufen und Bestellungen auSgegangen, wenn sonst gerade niemand zur Hand roar, und hatte jeden Dienst mit lächelndem Gesicht verrichtet, al« ob es eine Belohnung für ihn gewesen fei. Dabei hatte er nicht selten bis Mitternacht im Kontor gearbeitet, wo man die riesige Arbeltskraft Johann Wilhelms überall und in jedem Augenblick entbehrte, da daS Geschäft in de» letzte» Jahren außerordentlich an Ausdehnung gewonnen hatte. Einmal hatte ihr der Buchhalter erzählt, wie er mit ihrem Vater bekannt geworden war. Thränen waren ihm dabei die runzligen Wangen hinab- gelaufen und auch sie war gerührt gewesen über die Dankbarkeit des alten Mannes. Seitdem ließ sie fich auch stets bei Gelegenheit die kleinen Ereigniffe, die Freuden und Leiden erzählen, die in seiner Familie vorfielen, hörte mit Bedauern, daß die Kräfte seiner Frau stetig abnahmen, mit unverhohlener Freude, wie gut sich die Kinder machten — besonders Heinrich, über den sein Vater fich stets in Lobreden erging.. So ein gutes Kind sei er aar nicht werth; seinen Eltern sehe er jedweden Wunsch an den Augen ab, die Geschwister seien vernarrt in ihn, im Geschäft sei er der Tüchtigsten einer, ja, Herr Paulsheim wolle ihn sogar im nächsten Herbst auf feine Kosten zur technischen Hochschule schicke». Der Junge werde noch einmal fein Glück machen, so viel fei gewiß.
Sie hatte den Vielgelobten letzthin öfter ge-
daß die aus Anlaß feines Geburtstages geplante Illumination der öffentlichen Gebäude 2C. möglichst eingeschränkt werde, und die hierfür bestimmten Gelder vielmehr nach Möglichkeit zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden möchten. Dieser Wunsch des Kaisers ist den verschiedenen Stadtverwaltungen und Behörden mitgetheilt worden, und in der That haben zahlreiche Verwaltungen beschlossen, in diesem Jahre von einer Illumination abzusehe» und einen entsprechenden Betrag der Armenverwaltung zu überweisen.
+ Schatzsekretär Freiherr von Ghiel- mann soll angeblich die Absicht haben, auS dem Amte zu scheiden. Das Gerücht entstammt der .Neuen Pol. Korresp.'. Ob es irgend welchen Anspruch auf Berechtigung hat, möge dahingestellt bleiben. An maßgebender Stelle soll es danach nicht unbeachtet geblieben fein, daß er bei der Besprechung der Interpellation des Abg. Oriola über das MilitärpenstonSgeseh abfällige Beurtheilung bei allen Parteien fand, „von Oertet bis Singer". Auch mit feiner Anregung, Bier und Tabak bluten zu taffen, hat bekanntlich der Herr Schatzsekretär denselben durchschlagenden Mißerfolg erzielt.
X Die Hssahk i* SchanmSurs-Lippe. Am letzten Donnerstag hat in Schaumburg- Lippe die Ersatzwahl für den Reichstag stattgefunden, die nothwendig geworden war durch den Tod des KammergerichtsratheS a. D. Dr. Müller-Berli», bisher Vertreter von Schaumburg Lippe im Reichstage. Die Wahlbewegung ist sehr lebhaft gewesen und ist es noch, da eine Stichwahl nothwendig geworden ist zwischen dem konservativen Wahlbewerber Grafen Reventlow mit 3074 und dem freisinnigen Kandidaten Architekten Demming mit 3002 Stimmen — ebenso wie in dem Wahlkreise Wittenberg-Schweinitz. Und das Ergebniß ist hier dasselbe g-wesen, wie in diesem zuletzt genannten Wah!k eise: die Wahlbeteiligung war stärker als je unb hat nicht dem Freisinn'.gen, fondern dem Sckutzzöllner den Löwenantheil am Stimmrnzuwaä« gebracht. Dennoch wird aller Voraussicht nach der Wahlkreis den Freihändlern verbleiben, lbenso wie Wittenberg-Schweinitz; denn die Sozialdemokraten werden mit ihren rund 1600 Stimmen bei der Stichwahl den Ausschlag geben für die Freisinnigen. Etwas ist in Schaumburg-Lippe hervorzuheben: im Ver- gleiche zur letzten Wahl am 14. November 1898 hat die Sozialdemokratie einen starken Zuwachs an Stimmen zu verzeichnen. Damals, bei der ersten Nachwahl, erhielt sie knapp 600, diesmal 1600 Stimmen l
X Nie Ireissnnige« n»d der Zolltarif. Mit Mühe und Noth ist der Riß verkleistert worden, den die verschiedenen Ansichten über die Gewährung landwirthschaftlicher Zölle bei den bayerischen Freisinnigen gerissen hat. Der Partei- gewaltige in Berlin hatte ja sogar mit dem Htnausfliegen auS der Partei gedroht, wenn die Abtrünnigen in der Gegend von Nürnberg nicht reumüthig zurückkehren würden unter die Fittiche des großen Eugen; und wirklich haben die freisinnigen Setreidezollfreunde in Hersbruck
sehen unb gesprochen, da er häufig ins Kontor gekommen roar, um seinem Vater einen Theil der Arbeitslast abzunehme». Sie hatten zwar nur flüchtige Worte gewechselt, und immer hatte sie die Sorge um den Vater von dessen Befinden sprechen lassen; dennoch roar das kurze Beisam- menfe’n für ft* stets ein L chtstrahl in ihrem ernsten, düsteren L-ben, roar cs ihr doch, als ginge ei» besonderer Einfluß von der festen starken P;r- sönlichkeitdes Jugendfreundes aus. Seines Werthes bewußt und trotzdem bescheiden und zurückhaltend, sah sie ihn ohne Zaudern und Wanken freudig seinen Pflichtweg schreiten und fühtte sich et» muthigt, ihm nachzuahmen. Wenn Siunde« kamen, in denen fie die Sorge um den Kranken, und die Trauer um den lieblosen Schritt von Mutter und Bruder zu Üb-rwälttgen drohten, genügte die bloße Erinnerung an den Jugendfreund, fie aufzurichten. Sie roar zu harmlos, um fich durch diese Erscheinung beunruhigen zu lassen, sie rahm dieselbe hin, wie sie sich darbot und dachte nicht im geringsten daran, nach den Gründen derselbe» zu forschen.
„Thilda!" Der Vater hatte ihren Namen genannt. Ein Blick belehrte sie, daß er noch ruhig schlummerte; er hatte also von ihr ge« träumt. ES erfüllte fie zugleich mit Freude und Wehmuth. Sie roar ihm in feiner Vereinsamung noch näher getreten, wie früher, und roar eng mit seinem Herzen verwachsen; wie zwei gute Kameraden standen sie im Leben. Wenn nun einmal dieses Band fich löste, wenn — ja, wenn fie hinauszöge in die Welt?. Aber nein, fie würde immer beim Vater bleiben, der ihrer so sehr bedurfte, sollte fie auch als alte Jungfer sterbe» müssen.
und anderwärts ihm den Gefallen gethan, nach außen hin eine halbe Erklärung in feinem Sinne abzugeben. Sie gehören ja dem Reichstage nicht an, werden also niemals in die Verlegenheit kommen, pflichtmäßig ein öffentliches Glaubens- bekenntniß abzulegen über ihre Getreidezollan« fichten! Anders sieht es in Schwaben auS: von der süddeutsche« Volkspartei haben bekanntlich sechs Mitglieder in der württembergtschen zweite» Kammer für eine Entschließung zu Gunsten der Erhöhung der Setreidezölle gestimmt, und einer cott ihnen, der Abgeordnete Augst, der ja auch dem Reichstage angehört, hat in einer Wählerversammlung in diesen Tagen wiederum für eine Erhöhung des GetreidezolleS von 3,50 auf 5 Mark gesprochen. Nichts beweist klarer als dies die Notwendigkeit dieser Zoll« erhöhung, wie auch in diesen Tagen da» freihändlerische .Berliner Tageblatt' seufzend eingestehen mußte, daß die Bauern fammt und sonders Freunde der Zollerhöhung find. Nu« er» heben fich auch demokratische Stimmen, die vor der Obstrukt ion gegen den Zolltarif warnen. „Ginge es bei den Neuwahle« — so schreibt die demokratische Berliner ,Volks« Zeitung' — nur um die Frage der Zölle, so könnte der Kamps der Linken gewiß manche» Erfolg bringen. Dieser Erfolg könnte durch Obstruktion in Gefahr gebracht werden. Ganz abgesehen davon, daß die Obstrukiion sehr gut auch einmal von der Rechten gegen die Linke angewandt werden könnte, und daß fie im parlamentarischen Leben nur im alleräußersten Noth» falle als allerletztes Mittel der Abwehr einer Vergewaltigung in Betracht kommen darf, würde möglicherweise eine Reichstagsauflösung, die fich gegen einen arbeitsunwilligen und arbeitsunfähigen Reichstag richtet, die schleichende Gefahr eines Staatsstreiches zu einer brennenden Gefahr machen und den geheimen Scharfmachern . . . bestens in die Hände arbeiten . . ." Die Helden von der Linken bekommen es ganz einfach mit der Angst zu thun, weil fie aus allen Anzeichen um fie herum klar und deutlich erkennen, daß die Bolksmehrheit nicht auf ihrer Seite ist!
4- Berwirruug »ei der Soziakdemollratie! Jetzt ist es so weit gekommen, daß einer und derselbe Mau» in einer Stadt als Anhänger der Sozialdemokratie anerkannt werden kann, in einer anderen nicht. Es hängt das wieder mit den Hamburger Akkordmaurern zusammen. Der Vorstand der sozialdemokratische« Partei hat nämlich in einem langen Schreibe« an die Parteileitung in Hamburg dargethan, daß diese Akkordmaurer in allen Orten Deutschlands Mit« gliederrechte in den sozialdemokratischen Partei- verbänden erwerben können. I« Hamburg selbst können fie es nicht mehr; dort sind fie au8 bet Partei ausgeschlossen worden — hat man jemals vorher solche widernatürliche und gekünstelte Zwangsvrrhältniffe innerhalb einer Partei gesehen? Und das ist Die „Freiheit, mit der die Sozialdemokratie ihre „Genossen" beglückt. Da sind wir Leute vom wilde» Kapitalismus doch freiere Menschen!
* Knnnover, 24. Jan. Der Kaiser ist hier heute Nachmittag 5 Uhr eingetroffen und
Wie vortrefflich der Vater schlief! Scho» ging cs auf Mittag, und er erwachte noch nicht. Ordentliche rothe Backen hatte er sich geschlafen. Langsam und sorgfältig zog fie den grauen, roth- gemusterten Leinenvorhang zusammen, da vom südlich gelegenen Garten greller Mittagssonnen« schein hineinfluthete und fast das abgemagerte Gesicht des Genesenden streifte. Wenn nur der Streik ohne weitere Erregung für ihn ab« laufen würde!
Nun ihr die Besorgnisse. deS Augenblicks wieder in den Sinn gekommen waren, lebte die innere Unruhe neu auf und war um fo lebendiger, als fie vorher durch andere Gedanken i« den Hintergrund gedrängt gewesen war.
Da klopfte es schon an der Thür, und Hassel- deck trat hastig iys Zimmer.
„Ec schläft noch!" flüsterte fie, und ging auf den Fußspitzen dem Prokuristen entgegen. Sie wagte nicht zu fragen, welcher Grund ihn her- beigesührt hatte; sein bleiches Geficht, der unruhige Blick sprachen beredt genug.
„O Fräulein, Fräulein, war soll das geben!"
Sie rückte einen Stahl in seine Nähe und fragte erbleichend, wie es mit dem Streike stünde.
„Gott sei's geklagt, schlecht genug," jammerte Hasselbeck. „Auf dem Stätteplatz am Hafen, wo das Bauholz und die anderen Materialie« lagern, wo die Zimmerer ihre Arbeitsstelle haben, rottet fich alles zusammen. Auch von deu Bauten in den Außenorten kommen die Maur« herein. Arbeitsscheues Gesindel hat sich ihnen b.igrsellt, Drohungen verlauten — Schefer war draußen. Wenn ich Unglücksmensch doch nur nicht heute Morgen die Polizei herdeigeruf«