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JuLöcr, Freitag, den 24. Januar 1902.

29. Jahrgang.

mit Anterhattungs-AnlageMustrirte Sonnlags-Zeilnng"

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Gastes Mcrü.

Nochmals die städtischen Lebens- mittelzölle.

Dar Vorgehen der Centrum« in der Zoll­tarif-Kommission de« Reichstages gegen die städti­schen Abgaben für allerhand Lebensmittel hat, wie berichtet, Schule gemacht: die freisinnige und die deutsche Volkspartei haben beschlossen, im gleichen Sinne vvrzugehen. Sie konnten nicht .gut ander« handeln, wollten sie nicht den Vor­wurf auf sich laden, von Partei wegen dieses Verfahren zuunterstützen, das von vielen kommunalen Verwaltungen ausgeübt wird; in hervorragendem Maße auch von solchen, die vollkommen von dem politischen Freisinn beherrscht werden, wie z. B. in Breslau. In derfreisinnig" verwalteten Stadt Breslau betragen die Einkünfte au« der indirekten Besteuerung der Nahrungsmittel rund 1900000 Mark jäbrlich oder reichlich fünf Mark auf den Kopf der Bevölkerung. Nehmen wir also eine Arbeiterfamilie von Vater, Mutter und vier Kindern an, so hat diese jährlich an die Stadt Brerlau an solchen Lebensmtttelabgaben mindestens dreißig Mark zu entrichten eine höchst beachtens- 'werthe Belastung der unbemittelten Volksschichten! Man muß nur bedenken, welcher Zweck damit verfolgt wird: die Erhebung dieser indirekten Lebensmittelbesteuerung, die hauptsächlich die .ärmeren Leute belastet, soll den wohlhabenden Stadtbewohnern deren direkte Kommunalsteuerlast .erleichtern. Und eine solche Wirthschaftspolitik wird in Städten getrieben, in denen Freisinn und Sozialdemokratie obenauf find freilich leider auch in anderen! In 21 deutschen Großstädten mit zusammen 23/< Millionen Einwohnern werden jährlich, allein an Abgaben für Brod und Fleisch mehr als zehn Millionen Mark, oder im Durch­schnitt 3,65 Mark für den Kopf der Bevölkerung erhoben.

Zu diesen Städten gehören u. A. außer Breslau noch München, Straßburg, Nürnberg, Würzburg, Wiesbaden, Pofen und andere mehr, darunter verschiedene Städte, aus denen Proteste gegen die neue Zolltarif-Vorlage, namentlich gegen die Einfuhrzölle für Getreide und Fleisch von ReichSwegen hervorgegangen sind. So erhebt die Stadt Straßburg « t nur Steuern auf Fleisch und Brod, sondern außerdem noch Abgaben auf eine Reihe anderer Lebersmittel, die fast ebenso unentbehrlich sind; man hat das Oktroi auS fran­zösischer Zeit unverändert beibehalten. Herr Back aber, der Oberbürgermeister von Straßburg, ge­hört zu den eifrigsten Gegnern der Reichs - Ein­fuhrzölle es gibt keinen schrofferen Widerspruch, als er hier zwischen Reden und Handeln besteht.

ES handelt sich ja eben nicht allein darum, daß dieselben Leute für die eigene Gemeindever­waltung etwas thun, das sie als grundsätzlich werdammenswerth bezeichnen, wenn das Reich es auch thun will. Sondern die ganze Sache ge- winnt noch einen ganz besonderen Anstrich durch die Art der Verwendung, durch die Wirkung

Der Spekulant.

Original-Roman von HanS Dahlen.

18) ------(Nachdruck verboten)

Johann Wlbelm ergriff die Hand seiner Tochter. SS war zu sühlen, daß sie in der letzten Zeit der Sorge um den Vater schmaler und schlaffer geworden war, und an den Fingerspitzen waren Runzeln.

Einen Blick voll Liebe und Dankbarkeit warf der Millionär auf die schlanke Mädchengestalt an feiner Seite. Ja, die Krankheit hatte ihn nicht allein verändert, auch mit Thtlda war eine Wand­lung vorgegangen. Da» Gesichtchen schien nicht allein durch da« schlichte, schwarze Kleid, welche« seine Tochter trug, so bleich. Die bange Sorge um den Vater, der Gram über den herzlosen Un­dank der Mutter und be« Bruder« hatten die einstige frische Farbe verblaßt, die weichen Züge vertieft und bleifarbene Ringe um die lieben guten Augen gelegt. Es wurde wirklich Zeit, daß er vollauf gesundete, wenn nicht das Mädchen zu Grunde gehen sollte. Das gute Kind! Da» weiche mitleidige Herz hatte sie von ihm geerbt. Von der Mutter hatte sie kaum einen Zug.

Vor der Thür wurde verworrenes Stimmen­gewirr vernehmlich. In die flüsternde Stimme Haffelbecks, die halblauten Worte Schefer« mischten sich lautere Rufe, höhnische« Gelächter, da» Ge­räusch nägelbeschlagener Schuhe auf dem glatten Marmorboden de» Vorflur«. Thtlda stürzte nach der Thür, Neumann, mehr überrascht al« erschreckt, 'folgte ihr mit den Augen.

der Einfuhrabgaben biet und dort. Die Ein­fuhrzölle des Reiches sind durchaus nothwendig, um die deutsche Landwirthschaft vor dem all­mählichen vollkommenen Zusammenbruche zu schützen; sie sollen die Landwirthschaft gleichzeitig in den Stand setze«, ihre Arbeiter besser zu be­solden; sie sollen vor allen Dinge» auch dem landwirthjchaftlichen Mittelstände wieder auf die Beine helfen. Und daß besonders das Centrum in der Zolltarif-Kommission des Reichstages be­antragt hat, die Mehrerträge aus den Reichs- zöllen für Lebensmittel als Grundlage für eine Versorgung der Wittwen und Waisen der Ar­beiter zu verwende», ist ja bekannt genug. Selbst also angenommen, durch die Erhöhung der Reichseivfuht'ölle würde die Lebenshaltung dieser oder jener Arbeiterfamilien um eine Kleinigkeit oertheuert werde», so würde diese Vertbmerung erstens lange nicht so hoch sein, wie sie eS ist unter dem Einflüsse jener städtischen Einfuhr­abgaben für allerhand Lebensmittel, und zweitens ist es noch sehr die Frage, ob denn eine solche Verthxukrung durch die Erhöhung der Reichs­zölle überhaupt und allgemein zu erwarten wäre. Drittens aber würden unter allen Umständen die Vortheile, die der Arbeiter von de» Reichs, zöllen haben würde, die Nachtheile ganz erheblich überwiegen. Bei den städtischen Avgabea aber ist von einem solchen Ausgleiche der Interessen keine Rrde: Der Heine Mann und der Arbeiter haben nur die Nrchtheilr davon; die Bor« lbette hat der wohlhabende Hausbesitzer, der in den kommunale» Körperschaften daS große Wort führt und diese städtischen Abgaben für nolh- wendige Lebensmittel beschließt.

Diesen Berhältstffrn kann man nur dadurch gerrcht, diese schreienden Uebelstände können nur dadurch beseitigt werden, daß man die Gemeinde- Abgaben für nothwendige Lebensmittel garz einfach und ohne Ausnahme verbietet. Der Antrag, in bim in diesem Sinne die Bestrebungen des Crntrums verkörpert sind, ist in der Zoll- tarif-Kommission des Reichstages durch die Abgeordneten Speck und Müller-Fulda eingtbracht worden und will in daS Zolltarif- gesetz einen besonder» Paragraphen 10a einge­schaltet wissen, dessen Wortlaut der Vollständig­keit wegen hier wiederholt werden möge: Die genannten Abgeordneten beantragen, nach § 10 einzuschalten

§ 10a: Die Erhebung von Gerneinde- Äb gaben auf Nahrungsmittel, welche nach diesem Gesetze und dem näch­st hrnde» Zolltarif bei der Einfuhr zollpflichtig sind, ist untersagt.

Der Antrag hat unbedingt eine sehr starke Mehr­heit in der Kommission und bei dec Grsammt- hrit des Reichstages hinter sich.

Deutsches Keich-

Berlin, 23. Januar.

* Die NeLerzeichurmg der aufgelegte» Anleihe«. Auf die gestern aufgelegte» Reichs- und Staatsanleihen sind im Ganze» rund acht Milliarden Mark gezeichnet worden. Bei der Reichsanleihe bedeutet dieses Resultat eine

Und ich sag« Euch, der Herr ist krank!" sagte Schefer draußen.Erspart ihm die Aufregung."

Drohende« Gemurmel erhob sich, al« plötzlich dir Thür mit polterndem Schlage aufsprang. THIlda fuhr zurück, denn vor der Thür wimmelte es von Menschen in rauher Arbeitskleidung, kalk- bespritzten Maurern, von Zimmerleuten in breit­randigen Filzhüten uvd weiten Sammethosen. E» mochten in«gesammt an die fünfzig Köpfe sein.

Lauter Beifall erscholl, al« sich die Thür öffnete. Im Nu waren Buchhalter und Prokurist zur Seite geschoben, und die wildbewegte Menge wälzte sich in's Zimmer, durch die Portiören in den Wintergarten und «achte knapp vor dem Krankerstuhl be« Millionär« Halt, neben den sich die Tochter der Genesenden zitternd und tobten- bleich vor Aufregung, aber dennoch muthig und uneingeschüchtert hocherhobenen Haupte« gestellt hotte. Ihre Hand ruhte mit leisem Druck auf der mageren Schulter de« Vater«.

Johann Wilhelm hob da« Haupt und richtete einen langen ernsten Blick auf die Eindringlinge, Arbeiter in seinen Diensten, und winkte mit der Hand zum Zeichen, daß er sprechen wolle.

Ruhe! riefen die Vorderen mahnend ihren weiter zurücküehenden Kameraden zu, die eine geräuschvolle Unterhaltung führten.

Was soll der Aufruhr?" fragte der Milli­onär kühle», überlegenen Tones.

Höhnisches Gelächter folgte der Frage. Streik, Streik!"Wir haben mit Ihnen zu sprechen!" klang es wild und wirr durch­einander.

Sendet mit eine Deputation, die Eure Beschwerden mit in Ordnung vorträgt," et-

fast 61fache Uebetzeichnung, und bei bet preußischen Staatsanleihe eine mehr als 43fache Ueberzeichnung. Bei der letzten Reichsanleihe im vergangenen Jahre wurden auf 300 Millionen 3 prozentiger Reichsanleche 4624 Millionen Mark gezeichnet. Die Anleihe wurde damals nur rund IS1/» mal überzeichnet. Das Ergebniß der gestrigen Subskription kann als hoch befriedigend bezeichnet werden.

+ Die laubwirthschaftlicheu Zölle ««d die AuttouaM-erale«. Daß in der national- liberalen Retchrtagsfraktion verschiedene Abgeordnete sich befinden, die mit den landwirthschaftlichen Zöllen nach dem Vorschläge der Regierung nicht zufrieden sind, ist allgemein bekannt. Namentlich die süddeutschen Mitglieder der Fraktion stehen überwiegend auf diesem Standpunkte. Deswegen erregte eine Zeitungsnachricht E:staunen, die in diesen Tagen erschien; danach sollte bei einer Be­sprechung der Zolltarif-Frage tue nationalliberale Flaktion sich auf den Boden des Regietungsent- würfe« gestellt haben. Jetzt wird bekannt, daß die fragliche Fraktionssitzung sehr schwach besucht war und diese Gelegenheit dazu benützt wurde, um eine Besprechung und Stellungnahme in dem angeführten Sinne herbeizuführen. Im allgemeinen gewinnt e« den Anschein, als werde von dem linken Flügel der Nationalliberalen eine besondere Treiberei veranstaltet, um einen wirksamen Zoll­schutz für die Landwirthschaft zu verhindern, ober aber den Zolltarif wiederum mit der preußischen Ksnalvorlage zu verquicken und zur Betreibung be­stimmter Sonderinteressen die Sachlage aufs neue in diesem Sinne zu verwirren. Das Auftreten einiger Nationalliberalen im preußischen Abgeordneten­haus« und einige nationallibetale Zritungs- ftimme» lege« diese Bermuthuvg nahe. Die Regierung wird sicherlich diesen Treibereien erfolgreichen Widerstand entgegensetzen. Aber daß dadurch die allgemeine Sachlage noch schwieriger gestaltet werden kann, als sie eS bereits ist, liegt auf der Hand. In dieselbe Rubrik gehören wohl auch die verstreuten Blättermeldurge» über eine angeblich vorhandene ober soeben vorhanden geweseneKanzlerkrise". Ernst zu nehmen sind sie natürlich nicht. Man muß sich nur wundern über die Zähigkeit, mit der stets von neuem solche Gerüchte ausgebracht werden, und die Leichtgläubigkeit derjenige» Leute, die auch immer wieder jene» Treibereien auf den Leim gehen. Fester Zusammenschluß der RrichstagSmehrhrit das ist das einzige und beste Mittel dagegen; dagegen und auch gegen die Abneigung gewisser Regierungen, ben gerechten Ansprüchen der Landwirthschaft ent- gegenzukommen.

ft Der angekündigte Urauulwemsteuer Antrag ist »unmehr im Reichstage eingebracht worben. Daß vor einigen Tagen Besprechungen bar über zwischen Vertretern verschiedener Parteien stattgesunden habe», die auch zu bestimmten Er­gebnissen führten, ist bekannt und berichtet. Da der Antrag von Mitgliedern des C-ntrums, der Nationalliberale», der Konseratioe» und des Bundes der Landwirthe unterzeichnet ist, hat man voraus- zusrtzrn, daß er auf Annahme im Reichstage mit einem hohen Grade von Sicherheit zu rechnen hat. Nach diesem Anträge i§ 2) soll von 5 zu

klärte Johan» Wilhelm mit aller Bestimmtheit. Sind Eure Beschwerden berechtigt, so sollen sie berücksichttgt werde», dafür stehe ich ein. Ihr wißt ja, daß ich mein Wort halte." Er mußte sich beim Spreche» schon sehr anstrengen, da ihm der unerwartete Auftritt arg zusetzte. Geht jetzt. Ich bin »och sehr schwach. Wie gesagt, sendet Deputirte! Heute noch, wenn Ihr wollt. Macht Euch an Eure Arbeit, damit Ihr be» Tageloh» nicht verliert."

Die Nächüstehenden wichen beruhigt zurück. Sie hatten Neumanns Zusage, er werbe ihre Angelegenheit prüfen, bas genügte ja. Sie redete» in diesem Sinne auf ihre Kameraden ein, unter denen einige Mißmuthige sich mit dem Bescheid noch nicht so recht abzufinden vermochte». Aber ihre Stimme» kamen mcht auf; daS besonnene Element trug den Sieg davon. In einigen Minuten war das Zimmer leer. Nur die Kalk- und Sandspuren auf dem glänzenden Parketboden, und bet beiße»be Qualm billige» Tabaks, der i» langen grauen Schwade» in die sonnige Luft des Gartens ent­wich, sprachen noch von dem Morgenbesuch der ungebetenen Gäste.

Sorglich neigte sich Tbilda über den Vater, der ermattet zusammengesunken war und stoß­weise athmete. Wie gut, daß vorläufig alles so gltznpflich abgelaufen war! Es waren wilde Gesellen unter den Streikende» gewesen, soviel sie gesehen, denen sie rücksichtsloseres Vorgehen zugemuthet hatte.

In diesem Augenblick erschollen wilde Rufe, Lärmen und Geschimpf von der Straße her und gaben Vater und Tochter Anlaß zu neuer

5 Jahren für die einzelnen beteiligten Brenne­reien und für die inzwischen entstandenen land, wirthschaftllchen oder Materialsteuer entrichtende« Brennereien die Jahresmenge Branntwein, welche sie zum niedrigeren Abgabensatze Herstellen dürfen (bas Kontingent) neu bemessen werden. Die Bemessung soll jeweils im fünften Jahre der fünf­jährigen Periode nach neu aufgestellten Grund­sätzen erfolgen, und zwar mit möglichster Schonung der kleinen Brennereien nach einer neuen Staffel für die Brennsteuer, die gleichmäßig für lanb» wirthschaftliche und gewerbliche Brennereien gilt. Die neue Brenn steuer soll bei einer Erzeugung von 100 Hektolitern beginnen und von 100 bis zu 300 Hektolitern je 2 A. betrag m. Sie stei­gert sich weiter von 100 bis zu 1500 Hektoliter« um je 50 H von ba ab dis zu 2000 Hekto­litern wieder um 50 H. Für die sogen. Melasse- Brennereien sollen »och besondere Bestimmungen eingesührt werden. Die Ausfuhr-Prämie, sowie die Vergütung für vollständig benatutitten Brannt­wein soll 6 A für bas Hektoliter reinen Alkohol betragen.

+ Katholisch- Schulvorstand- i* Soseu. In Schroda, in der Provinz Pose» mar bet katholische Schulvorstand aufgelöst worden, dem auch der bekannte polnische Abge­ordnete Propst o. JazdzewSki angebörte. Bei bet Neuwahl wurde dieser wiedergewählt, von bet Regierung in Posen aber nicht bestätigt. Dagegen ist nun mit Erfolg Beschwerde erhoben worben: der Kultusminister hat die Entscheidung der Posener Regierung aufgehoben und dir Ein­führung des Propstes angeorbnet.

Kesol,reiche Selösthilse. Man schreibt bet ,Schles. VolkSztg.' auS Eleiwrtz: Er Hilst boch, wenn bas Publikum, die Geistlichkeit, die Lehrer oder Elter» die Hilfe der Preffr anrufen und gegen jene Geschäfte vorgehen, die eS wagen, anstößige Bilder oder schamlose Büchet auszustellen und öffentlich feilzubieten. Ei» Be­weis dafür ist folgendes: Jemand schickte an die ,0b. Volksft? nachstehende Notiz:Unerhört ist der Muth, mit welchem eine Buch- und Schreib­materialienhandlung in bet Wilhelmsttaße das durch seinen gemeinen Inhalt und schändliche Abbildungen berüchtigte ,Ll. W.-Bl.' in zahl- uxditn Nummern in ihre» Schaukästen öffentlich euilegt, unerhört, ba bas betreffende Geschäft doch die vielen Kinder und das jugendliche Volk an seinen Schaukästen mit den gemeinen Karten und Schriften beobachten kann. Alle Eltern, Lehrer und wahren Kinderfreunoe und alle, die ein Interesse für die Jugend haben, müssen eS diesem Geschäfte zeigen, daß es nicht ungestraft unsere Jugend sittlich gefährden und verderben darf. Einsender dieses wirb jenen Laden nicht betreten unö dafür sorgen, daß es auch andere nicht thun, so lange jener Laden eine Ablage­rungsstätte sittlichen Schmutzes ist. Katholische Eltern, Lehrer und Kinderfreuride, Selbsthilfe vor!" Sofort erschien der Inhaber des Geschäftes, aber nicht, um den Redakteur zu verklagen, sondern die ,VolkSst/ konnte mit Besriedigung folgende- berichte»:Alle Anstoß erregenden Bilder find auS dem Schaufenster der Papierwaarendandlung an der Wilhelm',trotze ver­schwunden, welche Thalsache wir mit Anerkennung Besorgniß. Vom Fenster auS sah Thilsa einen dichten tobende» MenschenknSuel, aus dem die Helme mehrerer Schutzleute aufblitzttn

O Gott, Vater," rief siedie Polizei ist ba." Der Knäml löste sich.Zwei Zimmer­leute stnb verhaftet. Sie tragen sogar Hanb- schellen."

Das kommt unerwünscht," stöhnte Neu­mann.Jetzt ist viel verloren, bie Leute find erbittert. Man hätte sie ruhig ihres Wege- ziehen lassen sollen. Einstweilen müssen wir zu­warte»," bis fie Abgeordnete schicken. Nun, Hasselbeck," tief er dem Eintretenden zu,wer hätte bas gebacht! Hatte« Sie keinerlei Ahnung vom Streik?"

Keinen Schein," betheuerte bet Prokurist. Jetzt haben wir die Leute im Winter, wo es eigentlich keine Arbeit gibt, im Lohn gehalten, und jetzt, ba die Bausaison beginnt, streiken sie. Undank ist bet Welt Lohn."

Nun, nun, nicht so alle in Bausch und Bogen aburtheilen, lieber Hasselbeck. Vielleicht geht bie ganze Bewegung nur von ein paar Schreiern aus, bie die anderen verführt haben. Ich habe ihnen gesagt, daß sie Deputirte schicken solle». Wenn bie Polizei nicht elnge- schtitten wäre, stände die Sache für uns besser."

Das sehe ich jetzt auch ein," meinte Hassel- deck kleinlaut.

Sie haben also bie Schutzleute holen lassen?"

Ach Gott ja, Herr Neumann. Ich war so in Sorge um Sie und das Fräulein, ich"

Johann Wilhelm lächelte und reichte dem treuen Beamten bie abgezehrte Ha»b über die Pelzdecke,