Jiftrattt einspaltige Nettt» teile oder Bene RaumlöPfg.,Ne« Namen die Petit» »eile 25 Pfg.; bt* Wtederholo^gm roit>roffx~»*i* Rabatt iMM^n
•"SÄ.*mit Zlnterhallungs-Anlage „Illufirirte Sonntags-Zeitung"
M 17.
Inwa, Mittwoch, den 22. Januar 1902.
29. Jahrgang.
G Spanien.
Das spanische Parlament ist wieder an der Arbeit — unter genau so häutigen Verhältnissen wie ehedem. Das neue liberale Ministerium versprach alles Mögliche an Aenderungen und Verbefferungen. Aber bis heute ist nicht« davon zu spüren. Die Bevölkerung steht im Gegentheil dem Ministerium Sagasta argwöhnisch und mißtrauisch gegenüber, und Herr Sagasta hat uk» aufhörlich die größten Schwierigkeiten, mit den eigenen Ministerkollegen fertig zu werden. In Barcelona wiederholen sich die Unruhen in genau derselben Weise, wie fie unter de« konservativen Kabineten vorher sich abspielten; und zunächst ist keine Aussicht auf Besserung der Staatsfinanzen. Die einzelnen Minister wollen nicht ernsthaft ans Spare« Herangehen, und kein Mensch denkt daran, daß vor allen Dinge« wirthschaftliche Reformen nothwrndig sind, um Spanien nach und nach wieder lebensfähig zu machen. Im Bode« Spaniens schlummern reiche metallische Schätze; niemand geht daran, sie zu heben. Was von uns Deutsche« sofort im fernen Kiautschou-Tebiete in Angriff genommen ist — in Spanien ist es noch immer nicht geschehen. Und wenn man erst die spanische Landwirthschaft genau betrachtet, kann man gar nicht begreifen, wie es möglich ist, daß ein europäisches Kultur, volk in so unglaublicher und erschreckender Weise zurückbleiben tarnt. Es ist sicherlich nicht zu viel gesagt, daß der Ackerbau in Spanien um ein volles Jahrhundert hinter der Zeit zurückgeblieben ist. Die Viehzucht in Spanien befindet sich aber in einem so kläglichen Zustande, wie er sich kaum beschreiben läßt. Und nach einer amtlichen Angabe find ungefähr fünfzehntausend ländliche Grundstücke wegen rückständiger Grundsteuern von den Staatsbehörden mit Beschlag belegt worden l Die Verkehrsmittel find einfach erbärmlich und das Volksbildungswesen ist vollkommen zerrüttet. Kein Mensch thut etwas dafür, keine Regierung kümmert sich darum, und man scheut sich, es "zu glaube«, aber es ist nichtsdestoweniger That- suche; manchen Lehrern bleibt man Jahre lang ihr Gehalt schuldig! Wovon die Leute leben? Ja, der Spanier der ärmeren Volksschichten ist unsagbar bescheiden und bsdürfnißlos und zufrieden und heiter auch unter den kümmerlichsten Verhältnissen; nur so ist eS zu erklären, daß die Versuche der Volksaufwiegelung, so zahlreich fie auch unternommen werden, noch nicht schlimmere Folgen hervorbringen konnten.
Spanien hatte in frühere« Zeiten eine viel zahlreiche Bevölkerung, als jetzt. Zur Zeit der Herrschaft des alte« Rom soll diese Bevölkerung vierzig Millionen betragen haben; jetzt zählt man die knappe Hälfte, und von dieser knappe« Hälfte kann ein Viertel weder schreiben, noch lesen. Von öffentlicher Gesundheitspflege ist so gut wie gar nicht die Rede, und mit der Sicherheit des persönlichen EigenthumS ist es wahrscheinlich in keinem andern europäischen Lande, etwa die Türkei ausgenommen, so kläglich wie im schönen Spanien bestellt. Einsichtsvolle Spanier wissen daS Alles ganz genau und sagen es auch ihren Landsleuten. Aber alle Reformbestrebunge« sind
Der Spekulant.
Original-Roman von HanS Dahlen.
16) —:— (Nachdruck verboten)
Johann Wilhelm zuckte ärgerlich zusammen.
„Aber keine Scene mehr, wie am letzten Ge- sellschaftsabende, wenn ich bitten darf." Unbeirrt fuhr der Bürgermeister fort:
„Du kannst und willst das auch nicht leugnen. Und Deine Schuld lastet schwer auf Dir. Sie wird Dich eines Tages erdrücken, wenn Du Dich nicht von ihr befteiii. Du batest mich am heiligen Abend um Verzeihung. Ich habe fie Dir nicht gewährt. Sei wohlthätig, wie Du es bist, wirf Dein Geld mit vollen Händen unter die Armen, werde ein Frommer und flehe zum Himmel Tag und Nacht — mag Gott Dir dann Deine Sünden vergeben: iftine Verzeihung er« hälft Du darum noch nicht. Nein, Neumann, Du sollst leiden, wie auch ich leide, den Du zum Schurken gemacht hast; ich werde mich hüten, Dein Gewiffen zu erleichtern."
„Schweig, Du langweilst mich," sagte Neumann und stand auf. Aber feine Stimme bebte; Trauer und Groll kämpften in seiner Seele, bis letzterer die Oberhand gewann. „Du kamst mit halbwegs entgegen. Du warst leicht zum Schurken gemacht, wie Du Dich auszudrücken beliebst
Neumanns Selbstgefühl empörte sich: für einen Augenblick schoß ihm sogar der Gedanke durch den Kopf, einen Bruch mit dem Bürgermeister herbeizusühren. Wenn ihn nur nicht die /kltsame Zuneigung an den Mann gefesselt hätte.
bis heute «och immer wirkungslos abgeprallt an der Schläfrigkeit und Lässigkeit der Bevölkerung, «amentlich in de« südlichen Theilen Spaniens; und ebenso unheilvoll wirkt die Leidenschaftlichkeit deS polnische« Gezänkes in Spanien. Ministerium folgt auf Ministerium, immer abwechselnd konservativ und liberal, und jedes neue Ministe- riurn nimmt einen großen Kehraus vor in der gejammten Beamtenschaft, um Stellenjägern aus der eignen Partei eine Staatsversorgung zuzuschieben. Es ist unausbleibich, daß dieser unaufhörlich schnelle Wechsel i« den Ministerien und Behörden ebenfalls die unheilvollsten Wirkungen auSÜbt. Und dabei fehlt es vielfach bei der Beamtenschaft an der «öthigen Zuverlässigkeit und Rechtlichkeit, bis hinauf i« die Ministerien hinein. Man weiß ja auch hinlänglich, daß mehrfach sehr große Summe« minderwerthigen Silbergeldes in Spanien ausgeprägt worden find, so schlecht, daß die Münzen kaum die Hälfte deS Werthes haben, den sie darstellen sollen; und dazu eine ungeheure Menge von ungedeckten Banknoten im Umlaufe!
Herr Urzaiz, der augenblickliche Finanz- Minister, mag es ehrlich mit seinen Plänen einer durchgreifende« Finanzreform meinen; er will vielleicht auch ernstlich, wie er es versichert, der Mißwirthschaft und Bestechlichkeit bei der Beamten- schäft zu Leibe gehe«. Thatsächlich ist vom Paria- mente bereits ein Gesetz angenommen worden, wonach einstweilen Silbergeld nicht mehr ausgeprägt werden soll. Aber ob es nun dabei bleiben und ob Herr Urzaiz wirklich als stärker gegenüber aller vorhandenen Mißwirthschaft und Bummelei sich erweisen werde, ist mehr als fraglich. Ein Man« kann dieses Ungeheuer von Mißwirthschaft nicht allein bezwingen, und wahrscheinlich wird nach diesem Minister durch einen Nachfolger nach der alten Lotterschule alle Reform wieder zum Kehricht in die Ecke geworfen.
Jetzt will Herr Urzaiz an eine ZwangZ- konversion der spanischen Staatsschuld Herangehen. Die Staatsschuld soll in drei große Gruppen zerlegt werden: Siebe« Millia den feste innere Schuld, neunhundert Million-u tilgbare innere Schuld, zwölfhundert Million»» äußere Schuld. Auf diese Weise sollen bi;.- häufigen und plötzlichen Kursschwankungen vorhinl-rt werden, und durch eine Reihe anderer Maß ahmen will der Minister die Schulden bezahlen, di« noch aus dem amerikanischen Kriege vorhanden find. Die Absichten find jedenfalls gut. Aber Spanien muß, soll eS nach und «ach zu neuem Leben erweckt werden, von innen heraus refotmirt werden. So lange die Gebirge waldlos, kahl und dürr liegen bleiben, so lange nicht das Volk selbst zu reger Thätigkeit gebracht werden kann, wird das stolze und schöne Spanien auch immer das arme Spanien bleiben.
Deutsches Keich«
Berlin, 21. Januar.
• Die Mstnchener Wnktiatur. Noch liegt keine Entscheidung Über die Neubesetzung der Münchener Nuntiatur vor. In dem Befinden der Msgr. Tarnassi ist aber in der neueren Zeit kine Befferung eingetreten, so daß man hoffen
der da vor ihm saß und ihm mit starrem Blick seine Vorwürfe entgegenschleuderte. Aber er wollte doch Verwahrung gegen eine Wiederholung einlegen. Er schleuderte die halb zu Ende gerauchte C gatre in die Bronzeschals und setzte sich wieder.
„Nun hör' mal, Franz," begann er verdrießlich, „von nun an verbitte Ich mir derartige Vorwürfe ganz entschiede«. Finde Du Dich mit Dir ab, so gut Du es vermagst. Wie ich Dir schon letzthin sagte, ist es zwecklos, mit Erinnerungen iu kommen. Aus welchem Grunde hast Du mir denn eigentlich die Predigt gehalten? Nun? Du weißt es selbst nicht?"
Der Bürgermeister zuckte die Achseln. Jo- ;ann Wilhelm war in Zweifel darüber, ob er nicht antworten konnte oder wollt«.
„ES schien fast, als wolltest Du mir Deine Verzeihung zum Kauf anbieten," bemerkte er mit eisern Hohn, als jener hartnäckig schwieg.
Der Bürgermeister fuhr mit einem Ruck empor und richtete die weit geöffneten Augen wie rschreckt auf Johann Wilhelm, der vergeblich in )en Zügen seines Freundes zu lesen versuchte. Er bemerkte nicht mehr, wie der Bürgermeister rötyer und verlegener ward, als ob er sich selbst chäme, denn in diesem Augenblick klopfte es an die Thür, und die Haushälterin überreichte ihm eine Visitenkarte.
Der Bürgermeister drehte den schmalen elfenbeinfarbenen Papierstreifen zwischen den Fingern. „Die Polares!" theilte er Neumann mit. „Sie macht mir ihre« Pflichtbesuch. Willst Du bleiben? Ja? Nun denn — ich laffe bitten."
darf, daß der Prälat demnächst in der Lage sei« wird, den wichttgen Posten zu Übernehmen.
• Nachaßmeuswerty! In Siegburg ist eine Spar- und Bau-Genoffenschaft mit beschränkter Haftung gegründet worden, welcher sogleich 116 Arbeiter als Mitglieder beitraten. Es handelt sich um die Erbauung und um den Ankauf von Arbeiterhäusern. Jeder Theilnehmer zahlt einen Antheil von 200 Jk., die sofort oder aber in Monatstheilen von je 10 Jb. gezahlt werde« können. In besonderen Fällen kann die Mitgliedschaft sogar durch Wochenbeiträge von nur 50 H erworben werden.
* Zur Charakteristik der sogenannten f»rv- lofe« Kresse dient eine Plauderei („PleonS Mutter") in Nummer 31 des .Berliner Lokalanzeigers', in der eine der Maitreffen Napoleons III. gewaltig herausgestrichen und verherrlicht wird. Da wird wörtlich von der Maitreffe Napoleons, Marguerite Bellanger gesagt:
„Nachdem der Kaiser sich von ihr losgesagt hatte, kehrte fie nicht «ehr zu ihrem früheren Berufe zurück. Sie fühlte sich geweiht."
Und das wagt ein anständig sein wollendes Blatt seine« Lesern zu bieten! Es ist geradezu ein Skandal, daß solche farblose Blätter auch in christlich gesinnten Familien gehalten werden, da Phantasie und Sittlichkeit der Kinder durch solche Lektüre vergiftet werden muß.
• Abstriche aet den Wililärfordernnse«. Die Budgetkommisfion des Reichstages hat heute (Dienstag) an dem neuen Militäretat erhebliche Abstriche vargenommen. Er wurden gestrichen der verlangte dritte Abtheilungschef im preußischen Kriegsministerium, die Errichtung einer militär- technischen Hochschule und die verlangten höheren Bezüge für den Kommandeur des Kavettenkorpr.
* Gegen deutsche Eisenbahnverwaltungen sind Beim Reichs-Eisenbahn-Amte im Jahre 1901 87 Aefchwerde» eingelaufen. Davon beziehen sich 39 auf die Eisenbahnverkehrsordnung, 6 auf daS internationale lieber« einkommen Über den Eisenbahnfrachtoerkehr, 20 auf die Tarife, 6 auf den Fährbetrieb und 16 auf andere Gegenstände. Das Reichs« Eisenbahn« Amt hat von diesen Beschwerden: für begründet erachtet 11, als unbegründet abgelehnt 24, auf den Reichstag verwiesen 6. 46 Beschwerden sind an die zuständigen Landesauffichtsbehörden oder an die Eisenbahnverwaltungen zur Erledigung abgegeben worden.
X SozLuldemollrnle« »l# Aröettzever. Das Thema von der ungebührlichen Ausbeutung der menschlichen Arbeitskräfte durch sozialdemo- kratische Unternehmer ist längst kein neues mehr. Aber was darüber am letzten Sonntag laut geworden ist in einer Versammlung der Lagerhalter sozialdemokratischer Konsumvereine der Provinz Brandenburg, Übersteigt doch noch erheblich das, was bisher darüber bekannt geworden war. Zunächst stellte es sich heraus, daß auch hier eine ungebührlich lange Arbeitszeit nicht etwa nur stellenweise und als Ausnahme, sondern ganz allgemein und regelmäßig eingeführt ist. Bei den meisten Kunsumverein en ist die Arbeitszeit der Lagerhalter unbegrenzt und die Lohnzahlung gleichzeitig erbärmlich. Es wurden Fälle
Gräfin Polanco war eine bewegliche, nervöse Dame von wenig über Mittelgröße. Mit gleitenden Schrittchen huschte sie auf den Bürgermeister zu, der ihr entgegengegangen war und sie liebenswürdig begrüßte. „Gnädigste haben also dennoch dem Schneewetter Trotz geboten?"
Die Polarco hob bin hübsch geformten Kopf und ließ die schwarzen untermalten Augen mit dem Diamantstern in ihrem krausen blauschwarzen Haar um die Wette funkeln. „Was thut man nicht für die Kunst?" deklamirte fie mit theatralischer Handgeberde. „Aber wollen Sie mich nicht Ihrem Freunde vorstellen?" Der Bürgermeister nickte zustimmend mit feinem Lächeln.
„Herr Neumann wird sich freuen, Ihre Br- kann«schäft zu machen." Trotz ihres gelben von der Schminke verdorbenen Teint erbleichte die Schauspielerin für einen Augenblick.
Johann Wilhelm, der die Situation n'chl in die Länge ziehen wollte, sagte kühl und klar: „Mein Sohn hat mir von Ihnen erzählt."
„So sind Sie der Vater von HanS Neumann ?"
„Allerdings."
Gräfin Polares deutete mit Mienrn und Gesten an, daß fie nicht abgeneigt sei, dem Millionär m t töchterlichen Gefühlen um den Hals zu fallen. Johann Wlhelm aber fuhr eisigen Tones fort:
„Ihr Name wurde mit drm meines Sohnes gerüchtweise in enge Verbindung gebracht. Es wird Ihnen, meine Gnädige, ebenso peinlich fein wie mir, in dieser Weise in den Mund der Leute zu kommen."
namhaft gemacht, i« denen Lagerhalter einen Wochenlohn von acht Mark bekommen, wobei verlangt wird, daß auch die Familienmitglieder des Lagerhalters die Kunden mit bedienen. Der eine der Berichterstatter stellte fest, daß de« Lagerhaltern nicht einmal genügende Effenszett gewährt fei; dagegen werde ihnen theilweise zu- gemuthet, für den Abgang aufzukommen, der beim Abwiegen der Maaren und durch das Lagern entstände. Ma« kann sich sehr lebhaft vorstellen, daß unter solchen Umständen di« Stimmung in der Versammlung sehr erregt war, und daß ein Redner allseitige und lebhafte Zustimmung fand, als er sagte, daß der Arbeiter der allerschlechteste Arbeitgeber sei. Die Lagerhalter haben in einer Entschließung dargethan, was sie für sich verlangen: Ladenschluß um acht Uhr Abends, an Sonntagen und Feiertagen, zweistündige Mittagspause, Beseitigung der Kautionsstellung und ein Gehalt von 90 bis 130 Mark monatlich. Man kann nicht sagen, daß diese Forderungen unbescheiden seien. Man muß sich nur wundern, daß unter den obwaltenden Umständen die Unternehmer auch noch Kautionen von ihren Angestellte« verlangen. Daß diese Konsumvereine ihren Unternehmern in den allermeisten Fällen sehr reichlichen Gewinn abwerfen, ist längst bekannt.
X Aertt«' 21. Jan. Im Verein zur Beförderung der Gewerbefleißes hielt Minister Möller gestern eine Rede, worin er der .Nationalzeitung' zufolge ausführte, daß wir nur zu Handelsverträgen kommen können, wenn wir etwas zu geben haben. Wir können unsere wirthschaftlichen Berhältnifle nur durch den Abschluß langfristiger Verträge sichern und dürfen dem Staate, von dem wir etwas verlangen, nicht mit leerer Hand kommen. Gegenwärtig ist der Kampf um den Zolltarif ein sehr harter geworden. Vielleicht wird er noch erbitterter und unter Verkennung der thatsäch- lichen Verhältnisse geführt werden. Wir müffen aber zu einer Verständigung kommen, die uns für Jahre Sicherheit gibt. Die gegenwärtige politische und wirthschaftliche Lage ist eine sehr betrübende. Die jetzige geschäftliche Krisis weicht erheblich von der bisherigen ab. Redner schilderte die Ursachen und den Verlauf der Krisen von 1857, 1873 und 1891 und fährt fort: Die Verhältnisse der Börse werden vielfach falsch beurtheilt. Es bestand eine Abneigung gegen die Börse, die zu ihrer Einschränkung und Fesselung führte und ihr schweren Schaden zufügte. Wenn die Mehrheit solchen gehässigen Strömungen weiter folgt, werden wir keine Aenderung in der wirth- schaftlichen Lage herbeiführen können. Wen» die Periode deS Aufschwunges lange angehalten hat, habe» wir daS einer neuen Ursache zuzuschretben, nämlich, daß an Stelle des ungeregelten geschäftlichen Gedahren« ein geregeltes gesetzt wurde. Die Syndikate haben dafür trotz mancher Mißgriffe gesorgt. Ich habe bei feste Vertrauen, daß die Krise rascher zu einem guten Ende verlaufen wird, «18 viele glauben, eine Krise, die vorwiegend in grobem BertraumSbruch, ja großen Betrügereien ihre Ursache hatte. ES wird unS zwar bei der in den letzten Jahren entstandenen großen Produktionsfähigkett kein großer Lohn aus der Arbeit erwachsen, aber wir werden Arbeit schaffen, die Handel und Gewerbe in verhältnißmäßig kurzer Zeit wieder zu einer leidlich gedeihlichen Entwickelung bringen wird.
□ IranK/nrt «. M., 21. Jan. Bei der heute erfolgten Ersatzwahl von 299 Wahl» männern für die am 30. ds. Mts. stattfindende Landtagsersatzwahl wurden 172 Wahl- männer der vereinigten Linksliberalen und 118 der Natisnalllberalen gewählt. Neun Wahlen kamen nicht zu Stande.
Die Schauspielerin schlug die Hände schallend ineinander und rief erthufiastisch: „Die echt«, wahre Liebe kümmert sich um dergleichen nicht." „So beruht daS Gerücht auf Thatsachenk" Statt oller Antwort hielt ihm die Polanco die Hand vor die Augen, an der ein VerlobungS- ring glänzte.
Johann Wilhelm gerieth in Waltz; eS kostete ihm Mühe, sich zu bezwingen.
„Und Sie wollen meinen Sohn heiralhen?" „Mein Herr, Sie erschrecken mich. Er begehrt mich zum Weibe."
„Aber ohne meinen Willen. Handelt er demselben entgegen, wird er enterbt."
„O, Sie scherzen gewiß!"
„Giäfin Polanco, wissen Sie, was ei« Manneswort bedeutet?"
Die Schauspielerin war auf einen Sessel gesunken und preßte die schmalen Hände vor das Gesicht, schluchzte heftig und jammerte unausgesetzt, „dies sei der Tod ihrer Liebe."
Johann Wilhelm kreuzte mit dem Bürgermeister einen schnellen Blick des Triumphes.
„Nun, dann ist's ja gut," sprach er weiter auf di« Schauspielerin ein. „Erlauben Sie mit noch die Frage, ob ich Ihnen bi« Be- gräbmßkosten Ihrer Liebe bezahlen darf."
Sie zuckte zusammen und schluchzte heftiger. „Ich hatte Hans wirkl'ch gern; beleidigen Sie mich nicht, indem Sie mir Geld bieten. Aber ohne Vermögen kann ich ihn eben nicht hei- rathen, ba8 ist sonnenklar."
„Freut mich, daß Eie die Angelegenheit so vernünftig avffaffen," antwortete Johan» Wilhelm anerkennend. „Ich darf doch meinem