Einzelbild herunterladen
 

Ärschkmt täglich, «. Ausnahme der Seen» mtb Feier- h*. iSirrteljährl.

chocvrlngerloh« »ck Bestellgeld in 9>A« und «u8- vSrttlM.MPf.

Znsrratr, ®N einspaltige Petit­zeile oder bereu Raum IS Pfg.,Re­klamen die Petit­zeile 25 Pfg.; be* W'ederhol'^a^n

fabelt > ■ WC/ft

mit MnterHaktungs-Meikage „Ifluflrirte Sonnlags-Zeilmig" tsa.'

M 15.

Jutöcr, Montag, den 20. Januar 1902.

29. Jahrgang.

sprach die Befürchtung aus, sie wchcke allzusehr entgegnete Johann Wilhelck. Er । verwöhnt.

I nett, daß an gew ffen Stellen Angehörige des i tschechischen Volksstammes Bevorzugungen erfuhren | vor Deutschen; aber es hat auch gar nicht lange I gedauert bis »um Eintreffen veS bekannten । Schreibens des Papstes an die Erzbischöfe von Böhmen und Mähren, in dem der hl. Vater sehr nachdrücklich vor der Bevorzugung des einen Volksstammes zum Schaden des andern warnt. Auf dieses Schreiben des hl. Vaters hat sich nun ! auch Herr Erzbischof Dr. von.Stablewsk;

von Posen in dem Eclaffe an den Klerus seiner Diözese berufen, namentlich auf die nachfolgende Stelle desselben:

„J-derrsalls verdient der Schutz der Mutter. I „spräche, wenn er sich in bestimmten Grenzen | „Mit, keinen Tadel. Was jedoch von allen übrigen

„Pcivatrechten gilt, muß auch hier als gellend „festgehalten werben, daß bei ihrer Verfolgung „der gemeinsame Nutzen des Staates nirgends „leide."

Im besondern ermahnt der Herr Erzbischof die Pcirster polnischer Zunge, nicht für radikal pol­nische Blätter zu schreiben, dagegen diejenigen polnischen Zeitungen und Zeitschriften zu unter« | stützen, die treu zum Kaiser und zur Kirche stehen.

An solchen polnischen Versammlungen soll der Klerus nicht theilnehmen, die einen aufregenden Charakter haben, namentlich nicht an solchen, die nichts zu thun hoben mit den Angelegenheiten der Kirche und der Schule. Die deutschen ! Katholiken, so hebt das Schreibe» des Herrn ErzbrschoftS noch besonders hervor, stehen dem Herzen des Erzbischofes ebenso nahe, wie die polnischen; der Erzbischof wünscht deswegen, daß alle Forderungen und Wünsche der deutsche» Katholiken nach Möglichkeit und unter Berück­sichtigung der jeweiligen örtlichen Verhältmffe erfüllt werden.

+ Das Dnelk Ae««igse« IakSer»h«ge«, über welches wir m der vorige» Nummer berich- teten, hat einen traurigen AuSgang genommen. Wie schon telegraphisch gemeldet, ist Landrath v. Bennigsen am Freitag Abend in Folge des I tm Duell erhaltenen Schusses gestorben. Die Ursache des Duells soll in den ehebrecherische« Beziehungen zu suchen sein, die zwischen der Frau des Lanina! heS und seinem Duellgegner, Domänen- I Pächter Falken Hagen, bestanden. Die Frau patte sich schon vor dem Duell unter Zurücklassung ihrer fünf kleinen Kinder zu ihren Ver- wandten noch Leipzig begeben. Falkenhagen ist, von der Mitschuld der Frau abgesehen, in diesem Duellfalle der Schuldige; der Landrath v. Ben­nigsen, der in seiner Mannes- und Familienehre tief verletzt war. ist als ein Unschuldiger ein Opfer des Duell-Unfugs geworden. So tritt in diesem Falle wiederum daS Unsinnige deS Duell - Un wesens in einer recht treffen Weise zu Tage, noch schärfer als bei den letzten sensationellen Duellen von Insterburg und Jrna. Bei den letzteren sind die Beleidigten wenigstens heil aus dem Duell hervorgegangen, und diejmigen, welche einen begründete« oder unbegründeten An­laß zu einem Duell durch ttatliche Beleidigung ihres Gegners gegeben hatten, haben ihr Ver­gehen allzu schwer mit dem Tode gebüßt. Bei drm jüngsten Duell in Springe aber ist der i» feiner Ehre schwer Ge-

G England, Burenkrieg und kein Ende.

Die Engländer sorgen selbst daM, daß den Zeitungen der Stoff nicht ausgrht. Jetzt ist dem britischen Parlament eine amtliche Darstellung, ein Blaubuch, der Zustände in den sogen. Konzen­trationslagern zugegangen, wo Tausende und Z-Hntausende von Männern, Weibern und Kinder» des Burenvolkes zusammengepfercht sind unter Um- stäl dm, die augenscheinlich jeglicher Beschreibung spotte»; der neue amtliche Bericht selbst, der dach ganz gewiß nichts übertreibt, sondern sicherlich so schönfärberisch wie möglich abgefaßt ist, g 6t über die Kindersterblichkeit in diesen Burerpferchen so grauenhafte Z fftrn, daß man schwer begreift, wie die englischen Regterungsmänner kalten BluteS sich damit abfiaden können. Die amtlichen Zffern ergeben rämlich für den letzten Monat Dezember eine Kindersterblichkeit von allermindestens vierzig vom Hundert, und diese Zffern haben E^ren - Chamberlain dazu veranlagt, in ! einem Schreiben an Lord Kitchener seine Freude I über die Verminderung der Sterblichkeit in diese»! Konzentrationslagern auszudrückm. Nach der am:- lichen Zusammenstellung sind diese letzteren im Dezember von mehr als 117,000 Personen be- oölkert gewesen; davon starben während des ge­nannten Monates im Ganzen 2380 Personen, darunter 1767 Kinder! Wann endlich wird dieses ! wüste und grauenhafte Massenmorden ein Ende nehmen?

Die Entrüstung darüber ist nicht nur eine be­sondere Eigenschaft des gemüthvollen Deutschen. In Frankreich denkt man ganz genau fo, und genau ebenso, wie bei uns, werben dort öffent­liche Massenkundgebungen gegen die scheußlichen Kriegsgreuel in Südafrika veranstaltet. Erst in diesen letzten Tagen hat in Pari» wieder eine I solche Kundgebung in dem großen Saale de» I -Chatelet-Theater« stattgefunden, dem größten | Saale von Pari«. Al» der Tran«oaal-Prästdent | Krüger in Paris sich aufhielt, haben die Pariser ihm und damit dem Burenvolke ihre Gesinnungen in stürmischer Weise zu erkennen gegeben; so fehlte e« auch diesmal nicht an lebhaften Aeuße- rungen gegen die Krieg»gr«usamk-iten der Eng. läuder und für die unterdrückten Buren. Nu« dem | Hauptoortrage des Abends, der sich auf amtliche englische Quellen stützte, geht hervor, daß die Eng­länder sich den täglichen Unterhalt einer Person in den Konzentrationrlagern nur etwa acht bis zehn Pfennige kosten lassen. Was dafür geboten werden kann, ist leicht aurzumalen. Nur in seltenen Aurnahmeftllen steigt dieser Auf- wand bis zu zwanzig ober allerhöchsten« fünfund­zwanzig Pfennigen — kein Wunder, daß die Be- richte, die von dort herrühren, über gänzlich ver­dorbene Sp.'isen klagen, die den eingepferchten Anglücklichen gereicht werben!

Die französische Lebhaftigkeit äußerte sich auch in drastischen Ausrufen aus der Versamm­lung heraus: „Siffen wir einen Aufruf er. gehen an französische Freiwillige (gegen die Engländer), und wir kommen Alle" — «Schicken wir Kanonen anstatt des Geldes" — „Häng,« wir die Engländer auf" und der­gleichen Ausrufe mehr, jedes Mal von dröhnen-

„Puh!" schauderte Thilda i» komischem Ent­setzen. „Die soll er bei uns schon los werden. Meinst Du nicht auch, Väterchen?"

„Jawohl,"

Polar co ist doch uustreilig die allererste Kraft auf den norddeutschen Bühne».

„Voreingenommenheit, nicht» weiter."

„Han» rühmte sie auch außerordentlich, und der muß so wa» doch wissen," wehrte Thilda.

„Ja, der muß fo wa« wissen," bestätigte der Bürgermeister, Johann Wilhelm anlächelnd.

Dieser wurde fast unwillig und gab sich keine Mühe, seine Stimmung zu verbergen. Dem Bürger­meister hingegen schien es auf einmal Freude zu machen, Neumann zu quälen. Lächelnd und die ! Seine bequem von sich streckend, fragte er nach Hans.

Johann Wilhelm err öthete und zog die buschigen Brauen hoch. „Abgereist ist er ohne Sang und Klang. Da« wollten Sie doch hören, oder nichi?" Bei diesen Worten b ugte er sich vor, so heftig, >aß sein Gla« umflürzte, und blickte sein Gegen­über fast feindselig an. „Mein Gott, wa« gibt's?" rief Thilda erschreckt. „Hans ist abgereift, weil er an der Universität etwas zu thun hatte, so hat er zu Mama gesagt."

Al« so die Situation ihren Höhepunkt erreicht jatie, klopfte e« leise, doch fest an der Thür, und Heinrich Schefer trat ein. Die Verlegenheit, in »er die im Zimmer Anwesenden befangen waren, »lieb ihm nrcht verborgen und ließ ihn stutzen. Langsam schritt er auf den Prinzipal seine« Vaters zu. „Ich befürchte ungelegen zu kommen," meinte er mit einem Seitenblick auf den ihm be- unnten Bürgermeister. „Aber der Diener wie» mich kurzer Hand hier herein."

„Und e« war ganz recht so," sagte Johann Wilhelm wohlwollens' und rückte mit dem Rohr­sessel seitwärts, so daß der rkeue Gast zwischen ihn

Johann Wilhelm schaute ihr liebevoll in die lebensprühenden Züge. „Das wäre nicht schlimm, mein holdes Pnnzeßchen. Brave Kinder darf man verwöhnen."

„Wenn ich so ein Prinzeßchen im Hause hätte, solch ein Sonnenscheinchen wie Thilda, ein Jahr meines Lebens gäb' ich drum," feufzte der Bürgermeister. Das Dienstvolk macht alles verkehrt."

„Neidhammel", neckte der Millionär. „Es I genügt ihm nicht, daß sie ihn zum Onkel ernannt hat, wie?" Und er füllte von neuem die G'äser.

Frau Marie rauschte zur Begrüßung ins Zimmer. Um ihre frisch angelegte Maria-An- toinette-Frisur »ach Möglichkeit zu schonen, hielt sie den Hais so steif wie ein Grenadier. Sie nippte am dargebotenen Glase und verschwand sofort wieder, eine Wolke von Veilchenduft zurück- laffend.

„Der reine Frühling!" witzelte der Bürger­meister, hielt die hohle Hand an den Mund und stüsterte dann in geheinmißvollem Tone nach der Thüre zu, die sich eben hinter der rauschenden Eeidenschleppe der Davonschreitenden schloß:

„Die Gräfin Polarco kommt alfo wirklich, meine Gnädige."

„Neumann warf einen unmuthigen Blick auf den Sprecher und deutete auf Thilda. „Ver­schonen Sie uns doch mit der Polar co," knurrte er.

„Aber Papa, wie unliebenswürdig Du Dich machst! Ich bin ganz entzückt darüber, diesen Stern am Kunflhimmel bald auf der Bühne bewundern zu dürfen."

„Ob ihr Spiel ihrem Ruhm entspricht —" „aber Väterchen, wie zweifelsüchtig! Die

Deutsches Dietch,,

Berlin, 18. Januar.

):( Gtzvifchof »eit SlaSlerosLi nab der Klerus. Die Kirche soll über den Nationen stehen. Der Kirche muß der deutsche Sohn ebenso lieb u»d werth sein, wie d rjeuiz-, der tschechische oder polnische oder italienische Eltern hat. Wäre eS anders, so würde ja daraus nur der einzige Schluß gezogen werden können, daß die eine Nation vor unserem Herrgott einen Vor­rang habe vor der anderen. Daß daS Unsinn ist, ergibt sich ganz von selbst als Schluß­folgerung der Vernunft; um zu diesem Schluffe zu gelangen, braucht man gar nicht erst zu wissen, daß es auch zu den ausdrücklich aus­gesprochenen und obersten Grundsätzen bet Kirche gehört, streng darauf zu halten, daß ihre Diener sich jeglicher Bevorzugung irgend eine- VolkrstammeS zn Gunsten eines anderen zu ent- halten. Wo gegen diesen Grundsatz ausnahms­weise einmal gefehlt wird, dauert es ganz gew ß nicht lange bis zur Abstellung der Verfehlung. SS ist in der Thal in Böhmen und stellenweise auch in Mähren dagegen mehrfach gefehlt worden. Er «ar nicht zu leug-

I dem Beifalle begleitet. Ein Logrnbesucher, der fälschlich für einen Eng'änder angesehen wurde, wäre von der versammelten Menge bei­nahe gelyncht worden.

Solche Schilderungen der Bolksstrmmungen gegen England muß man eine Zeit lang ver- folgen, um das volle Verstäedniß zu bekommen dafür, daß ei» als Politiker und Staatsmann hoch angesehener Engländer es wagt, im briti­schen Obrrhause zu fagen, daß die gegenwärtige englische Regierung allgemein verabscheut werde in Europa, daß es kein Land gebe, wo der britische Name nicht mit einer Feindseligkeit genannt werde, für die es früher kein Beispiel | gab — Lord Roseb ery, derselbe, der kürz- | lich so großes Aafsehe" erregte durch eine Rede draußen im Lan»->, in der er nicht minder scharf gegen die Art der britischen Kriegführung in Südafrika sich auSsprach. Lord Rosebery ist, wie bekannt, ein imperialistischer Politiker, der gleich der Regierung den Buren ihre Selbständiskeit nehm-n und ihre Länder zu britischen Provinzen machen will. Aber deS- O'g:x ist die Menschlichkeit «och nickt in ihm erstorben, und rs berührt dieses offene Wort gerade im britischen Hause- der LordS, wo man fonst nur Lobeshymnen auf Britannien und das „stolze Albion" zu hören bekommt, sehr a»ge-1 nehm im Gegensätze zu der widerlichen Heuchelei j und unglaublich frechen Echönsärberei, in der englische Zeitungen und die Mehrzahl der eng - lischen Politiker ohne Unterschied der Partei­stellung zusammen arbeiten.

Vielleicht verursacht dieses offene Wort doch manchen LandSmann Roseb-ry's, der bisher de» allgemeinen Rummel mitgemacht bat, zu ge­nauerem Nachdenken über das, was recht und meiychltch wird bei Völkern, die den Aus­spruch auf die Bezeichnung ein s Kulturvolkes erheben.

kränkte nun auch noch von dem frivolen Ränder seines Familien- glÜckeS über den Haufen geschossen worden. So läßt das Duell das Unrecht über das Recht siegen! Können die Dmll- freunbe dos Widersinnige, das daran liegt, leugnen? Noch mehr: Nack § 172 deS Straf- gesetzbuchkS wird der Ehebruch an dem schul­digen Ehegatten, sowie dessen Mitschuldigen mit Gefängniß bis zu sechs Monaten bestraft, aber nur unter der Bedingung, „wenn wegen des­selben die Ehe geschieden ist". Da aber der „Mitschuldige" Falkenhagen den Ehemann im Duell erschossen hat, so ist eine gerichtliche Ehescheidung nicht mehr möglich, und somit hat sich Falksnhagen durch das Duell auch de» Folgen des Strafgesetzbuchs und einer Sefängnißstrafe entzogen; er ist, nachdem er „ritterliche Genugthuung" gegeben, nach dem Duellcodex wieder ei» „honoriger" Mann wie der alldeutsche Abg. Wolf von trauten au. So schlägt das Duell nicht nur allem Recht, sondern auch allen Ehrbegriffen ins Gesicht. Ferner weist die .Germania' noch auf Folgendes hin: Der im Duell iödtlich verwundete Landrath von Bennigsen war als solcher zugleich der Vor­gesetzte der Landqensoarmerie, deren Aufgabe eS auch ist. Vergehe» und Verbrechen zu verhindern. Wenn sie nun, was in dem kleinen Städtchen Springe als wahrscheinlich an­genommen werden muß, von dem Familien- zerwürfniß gehört haben und nach der Zuspitzung derselben auch ein Duell erwarten durften: Wie kommt da das Pflichtbewußtsein deS Beamten in Ko»fl.kt, wenn sein Vorgesetzter sich zum Duell aaschickt? — Wie viele tolch' traurige Fälle werden noch eintreten müssen, bis diesem scheußlichen Unfug ein Ende gemacht wird!

* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht eine Be­kanntmachung be« Patentamtes, nach welcher, um den beteiligten Kreisen die Einsicht in die deut­schen Patentfchrisien zu erleichtern, innerhalb der deutschen Reiche« Aatotttschrillea Attrlege- ftelken eingerichtet worden sind, denen vom Patentamte Patentschriften entweder au« fämmt» lichen Klaffen oder au« denjenigen Klaffen fort­laufend überwiesen werben, die für die örtlichen Bedürfnisse hauptsächlich in Betracht kommen. Die Auslegeftellen find verpflichtet, an btfttmmten, öffentlich bekannt zu machenden Tagen und zu be- fttmmten Tageszeiten die Auslegeräume offen zu halten und Jedermann die Einsicht in die Patent- chriften, unter Umständen auch außerhalb der Aurlegrräume zu gestatten. Der B-kanntmachung ist ein Verzeichniß der Patentschriften und Au»- legestellen beigefügt.

* Schmutzige LeSISre. Vom Gymnafium n Kaiserslautern (Pfalz) mußten zwei Schüler wegen Unsittlichkeit relegirt werden. Die Untersuchung ergab, daß die beiden jungen 3'ute durch die Lektüre deS .Kleine» Witz­blattes' zu ihren bedauerlichen Ausschreitungen veranlaßt waren. Die vom evangelischen Pfarrer­verein für den Konsistorialbezirk Kassel heraus- gebenen ,Nachrichten aus Kurhrffen' bemerken dazu mit Recht: „Welches Unheil richtet dies.s ueb andere ähnliche B'ätter in den Köpfen und

u-JiLU_____

fühlte den Blick und zürnte innerlich darüber. Immer Vorwürfe im Wort oder Blick. Einen Tag lang war er i» leidlich erträglicher Stimmung gewesen — nun kam dieser Bürgermeister und weckte fein Gewissen.

„Machen Sie doch ei» gemüthlichrs Gesicht, Freundchen!" bat er in verstecktem Aerger. „Seien wir fröhlich, e» ist Weihnachten".

„Ja, eS ist Weihnachten," seufzte der Bürger­meister und starrte auf die modernen Blumen­muster deS Brüsseler T ppichs.

Johann Wilhelm sprang auf und rang die Hände. „Seien Sie doch nicht gar so melan­cholisch Bürgermeisterche«! Ich bin ft oh, daß ich so etwa« wie Stimmung habe. Verderben Sie mir das nicht! Aber warten Sie, ich weiß, was noch thut." Er läutete heftig mit der Tischglocke, daß Thilda sich die Ohren zuhielt; die Diener­schaft kam zu Haufen angelaufen.

„Champagner!" kommandirte - er. „Gleich zwei Flaschen! Aber nicht in EiS, hört ihr?"

Der Bürgermeister schüttelte den Kopf, Thilda j drohte neckisch mit dem Finger. Johann Wilhelm schickte de» Diener hinaus und schenkte selbst ein. „So! Nun laßt'« Euch schmecken. Und wer noch ein mürrischer Gesicht macht, oder gegen den Strich redet, der hat'S mit mir zu thun."

„Nun denn, ans daS Wohl meines liebens- würdigen NichtchenS," toastete der Bürgermeister und hob sein Spitzglas in Augenhöhe.

„Gilt!" lachte bet Millionär.

Mit Hellem Klingen stießen die Kelche an­einander. Thrlde freute sich Über die Ehre und

'M—W—WMM—

Der Spekulant.

Original-Roman von HanS Dahlen.

LS) ------(Nachdruck verboten)

5.

Nach verhältnißmäßig guter Nachtruhe hatte Neumann einen ruhigen Morgen hinter sich. Er war m*t feiner Familie bei Zeiten im Münster ge­wesen, hatte dann mit Haffelbeck, den er auf ein Stündchen herübergebeten hatte, im Kontor die eingelaufene Post gesichtet und das Wichtigste gleich beantwortet. Darauf hatte er seine Morgen- cigarre geraucht, sich gefreut, daß et die Träume der Nacht nicht mehr in die Erinnerung zurück- zutusen vermochte, die Zeitungen durchstöbert — und als er sich fo langsam zu langweilen begann und Thilda mit seinem Gähnen ansteckte, kam der Bürgermeister.

„Der Onkel Bürgermeister!" jauchzte Thilda und sprang dem Eintretenden entgegen. „Guten Lag, Onkelchen. Wie gehr's, wie steht'»? Hast Du mit etwas mitgebracht? ES war die Kinder­frage, die fie in früheren Jahren gern und selten erfolglos anzuwenden pflegte.

Der Bürgermeister lächelte. „Das nenne ich eine liebe Uebetrasckung; mein Nichtchen, dos ich drüben in Holland bei Sen Gräften und Wind­mühlen wähnte, begrüßt mich in Person! Leider habe ich nichts gute5 mitgebracht — eine Portion schlechter Laune —"