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»Ni« und verlas de» Fultaer Acliendraileret peterrsall« Ri. * OMtweete).

29. Jahrgang.

JuLöcr, Samstag, den 18. Januar 1902.

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Mochen-Rnndscha«.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 18. Januar.

Interessante Tage liegen hinter uns. Bei der Etatsberathung int Reichstage hat Reichskanzler Graf Bülow unsere Stellung innerhalb der Mächte be­sprochen, und im preußischen Abgeordnetenhause haben ihm zwei Interpellationen willkommene Gelegenheit geboten, als Ministerpräsident und auch als Reichs« kanzler sich in sehr ausführlicher Weise zu äußern über die Polenfrage und manche Dinge, die in Ver­bindung damit stehen.

Die Beziehungen zu den anderen Mächten können nach der Versicherung des Reichskanzlers nicht besser sein, als jetzt- Das Gefühl der Sicherheit ist so gefestigt, daß Graf Bülow unter anderen Be­merkungen auch den Satz einflocht: Wir brauchen den Dreibund nicht mehr so absolut nothwendig, wie in früheren Jahren. Natürlich wollte er damit nichts gegen den Dreibund sagen. Er stellte das ausdrück­lich fest und er hat in einer besonderen Ausführung nachträglich noch dargethan, daß wir int besten Ein­vernehmen mit unseren Verbündeten leben. Auch in Frankreich scheint man eingesehen zu haben, daß alle Versuche, den Dreibund zu unterwühlen, vergeblich sind, daß man damit sogar sehr vorsichtig sein muß. Herr Delcasse, der französische Minister des Aeußern, hatte sich mit Herrn Ojetti, dem Vertreter eines an­gesehenen italienischen Blattes, über allerhand Zu« '.kunftsfragen unterhalten und dabei über die zukünftige Gestaltung der Dinge auf der Balkanhalbinsel, wenn «s sich einmal um die Theilung der Erbschaft des ,tranfett Mannes" handeln sollte. Herr Delcasss sollte nach dem Zeitungsberichte den Italienern Appetit auf Albanien gemacht haben; aber er ließ das hinterher widerrufen. Der Widerruf ist indessen verdächtig. Herr Ojetti ist als Ehrenmann und zu­verlässiger Journalist allgemein bekannt, und er hat aufs bestimmteste versichert, daß er recht berichtet chabe über die Aeußerungen des Herrn DelcassS.

Bekanntlich hat auch der englische Kolonialminister Chamberlain seinen Theil abbekommen für die Beschimpfungen des deutschen HeereS, die er sich vor einigen Monaten erlaubt hatte. Herr Chamberlain hat das nicht ruhig hingeuommen. Er hat in einer -neuen Rede in Birmingham geantwortet mit derselben Maßlosigkeit, die wir von jeher an ihm ge« -wöhnt find. Unter anderem hat er sich zu dem lächerlichen Ausspruche verstiegen: Es sei die höchste Höflichkeit, die England vergeben könne, wenn es irgend ein anderes Heer mit dem englischen in Ver­gleich stelle! Wir bedanken uns dafür. Aber wir wundern unS nicht weiter über die rednerischen Aus­schweifungen dieses Mannes, der nicht mehr Anspruch darauf hat, ernst genommen zu werden. Sehr zu bedauern ist es, daß er auch die britische Regierungs­presse dazu veranlaßt hat, in sein Horn zu stoßen. Das leitende konservative Blatt in England, der »Standard', hat es sogar fertig bekommen, von dem Reichskanzler Grafen Bülow eine Abbitte zu ver­langen! Uebrigens trifft auch hier der alte Spruch zu, daß nichts so heiß genossen wird, wie es gekocht ist, an den maßgebenden Stellen in London hat man wohl sehr schnell eingesehen, daß die Ft rundschaft des deutschen Reiches ein sehr kostbares Gut ist, und des­wegen ist sehr bald wieder zum Rückzug geblasen worden. Der Kaiser hat auch mit dem Vizeadmiral Freiherr von Senden-Bibran ein Handschreiben en den englischen König gesandt, das doch ohne Zweifel in versöhnlichem und beschwichtigendem Tone gehalten wurde.

Im Gegensätze zu diesen unerfreulichen Auseinander­setzungen berührt sehr angenehm ein Austausch von Liebenswürdigkeiten zwischen Berlin und Washing­ton. Der Kaiser läßt sich in Amerika eine neue Rennjacht bauen, die vermuthlich im Februar von Stapel laufen wird; und er hat Fräulein Alice Roose­velt, die Tochter des amerikanischen Präsidenten, darum gebeten, die Schiffstaufe daran zu vollziehen. Die junge Dame hat bereitwilligst zugesagt, und nun knüpft sich an den kleinen Vorgang ein Austausch von großen Staatshöflichkeiten. Prinz Heinrich, der Bruder de- Kaisers, begibt sich nach Amerika und wird dort al» Gast der amerikanischen Republik mit höchsten Ehren empfangen werden. Die Ausfahrt des Prinzen Heinrich ist in der Mitte des Monats Februar zu erwarten.

AuS der EtatSberathuug int Reichstage find dann noch einige andere Punkte hervorzuheben.

Daß eS mit den Reichsfinanzen nicht gut steht, ist eine von allen Seiten zugegebene Thatsache. Leider gehen die Ansichten über die Mittel zur Ab­hilfe weit auseinander. Die Rechte und die National- liberalen befürworten die Reichsfinanzreform nach Miquelschen Rezepten, d. h. eine vollkommene Schei­dung zwischen den Reichsfinanzen und den Finanzen der Einzelstaaten. Aber Dr. Bachem sagte mit vollem Rechte: Das Spielen mit der sogen. Reichsfinanz­reform ist nicht» weiter als eine Deckadresse für die Ausschreibung neuer indirekter Reichssteuern; und Herr Freiherr von Thielmann, der Staats­sekretär des Reichsschatzamte», hat denVersuchs­ballon" steigen laffen, Bier und Tabak bluten zu laffen. Aber anch nicht ein einziger Redner hat es unterlassen, diese Art Finanzverbeflerung weit von sich zu weisen.

Mit dem Ausgange des China-Feldzuges find alle Parteien zufrieden. ES war eben eine

bittere Nothwendigkeit, in die man sich geduldig fügen mußte, und die deutschen Truppen haben ihre Aus­gabe mit Ehre gelöst. Daß die sozialdemokratischen Querköpfe anderer Meinung sind, versteht sich von selbst. Daß aber Herr Beb ei auch die Gesinnungs­losigkeit besitzt, die deutschen Truppen und ihre Hal­tung im Kriege von 1870 und 1871 in Gemeinschaft mit dem Engländer Chamberlain zu verunglimpfen, hatte man bisher auch von ihm nicht erwartet. Unter lautem Beifalle de» Hauses äußerte Graf Bülow, darauf antworte er Herrn Bebel nicht; darüber möge daS Volk richten!

Mit seiner Darlegung der Polen Politik hat Graf Bülow ohne Zweifel einen glücklichen Griff gethan, so daß auch der Centrumsredner Fritzen dem Kanzler versichern konnte, das Centrum werde diese Politik zu ihrem größten Theile unterstützen. Daß die Behandlung des Religionsunterrichtes der polnischen Kinder vom Centrum nicht gebilligt wer­den kann, versteht sich von selbst. Aber auch die Polen sollen sich durchaus j als gute Unterthanen fühlen und betragen und durchaus olle «bsonderungsgelüste unterdrücken; und ebenso folgt das Centrum der Regierung gern in dem Streben, die deutsche Kultur­arbeit in den Ostprovinzen zu fördern und zu unter­stützen. Bei dieser Gelegenheit hat Graf Bülow seineaufrichtige Versicherung als ehrlicher Mann" abgegeben, daß er die Polenfrage durchaus nicht nach religiösen Gesichtspunkten beurtheile, daß sie für ihn vielmehr nur und ganz ausschließlich nur eine nationale Frage sei.

Ueber einen wichtigen Gegenstand hat die bayerische Kammer der Abgeordneten berathen: Sie hat nach längerer Debatte der Re­gierung zur Würdigung eine Petition des Münchener Journalisten- und Schriftsteller-Vereins überwiesen, in brr um die Abschaffung des Zeugniß- zwanges für Redakteure gebeten wird. Redner aller Parteien haben sich dabei für diese zeitgemäße Neuerung ausgesprochen. In der Kammer der Reichsräthe hat man sich mit der Anstellung jüdischer Richter beschäftigt, aber ohne sich dem An­träge der Abgeordnetenkammer anzuschließen, Israe­liten nur im Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung zur Gesammtzahl in den Justizdienst aufzunehmen. Die übergroße Anzahl jüdischer Richter wurde zwar auch hier getadelt; aber nach dem Beschlüsse der Reichsräthe soll es sein Bewenden haben bei der Erklärung des Justizminister» in der Abgeord­netenkammer, bei der Anstellung der Richter Rück­sicht auf die Stimmung der Bevölkerung zu nehmen.

In der badischen Abgeordneten­kammer wird der Ordensantrag der Cent rum» ohne Kommiffionsberathung erledigt werden. Der Antrag hat nunmehr folgenden Wortlaut:

Die zweite Kammer hält es im Interesse der Förderung des Friedens für wüuschenswerth, daß der Streit wegen der Zulassung von Männerklöstern in Baden beseitigt werde, und erklärt, daß sie nichts dagegen zu erinnern findet, wenn die. großherzogliche Regierung in Anwendung des ihr nach § 11 des Gesetzes vom 9. Oktober 1860 zustehenden Rechtes die Genehmigung dazu ertheilt, daß einige solche Klöster zugelaffen werden."

Nachfolger des Seniors der Centrumspartei, des Herrn Dr. Lingens, ist als Vertreter des Sieg- Kreises im Reichstage, der Landtagsabgeordnete Dr. Becker geworden. Der erste Wahlgang hat mit großer Mehrheit zu der Wähl des Centrums­kandidaten geführt.

Im Prozesse wegen der Ermordung de» Rittmeisters von Krosigk hat das Reichs­militärgericht das Urtheil des Oberkriegsgerichtes in Gumbinnen aufgehoben, sowohl das Todesurtheil gegen den Dragoner Marten, als auch die Frei­sprechung des Sergeanten Hickel. Der Prozeß muß nochmal» von dem Oberkriegsgerichte in Gumbinnen verhandelt werden. Verschiedene der früheren Maß­nahmen dort haben durch den Obermilitäranwalt von Pech mann vor dem Obersten Militärgerichte entschiedenen Tadel erfahren.

Wegen des Duells in Jena wurde der Leutnant Thieme, der den Studenten Held erschoß, unter Annahme mildernder Umstände zu zwei Jahren und drei Monaten und der Hauptmann Seebach zu vierzehn Tagen Festungshaft verurtheilt. Das sind an sich milde Strafen. Nun muß man aber warten, ob sie auch abgeseffen werden müssen.

In Frankfurt am Main kam e» in den Tagen vom 10. bis zum 13. Januar zu Straßen- kundgebungen Arbeitsloser, an die sich augenscheinlich allerhand lichtscheues Gesindel anschloß. Die Polizei ist ahne Hilfe deS Miltärs mit den Ruhestörern fertig geworden, ohne daß ernsthafter.Schaden «nge- richtet worden wäre.

Erwähnenswerth ist ein Antrag von Sachsen- Altenburg im Bundesrathe, nämlich ein Antrag auf Erlaß eines ReichS-WohnungSgesetzes. Man sieht, daß nicht nur im Reichstage der Erlaß eine» solchen Gesetze» für möglich gehalten wird.

Im nordwestlichen Kamerun haben heftige Kämpfe stattgefunden zwischen dem Oberstleutnant Pavel von der deutschen Schutztruppe und den noch von ftüher her berüchtigten Bafuts und Banjeng». Die aufrührerischen Stämme sind ge­schlagen, und es sind dreihundert Gefangene gemacht worden. Hauptmann Glauning von der Schutz­truppe ist schwer verwundet worden. Man nimmt an, daß Negerstämme au» dem Gebiete der Engländer mitgeholfen haben.

Die Versöhnungsversuche der österreichischen Regierung zwischen Deutschen und Tsche­chen dauern fort. Vermuthlich tritt in diesen

Tagen Ministerpräsident von Körber mit ganz selbständigen Vorschlägen in diesem Sinne auf den Plan; auf Entschließungen dieser Art rechnet man aber erst nach den ersten Sitzungen des Reichsräthe-, der am 20. Januar wieder zu tagen beginnt. Nun, man wird ja sehe», was daraus werden wird. Ehren-Wolf, wegen eines galanten Abenteuers aus dem Parlamente ausgeschieden, hat sich seinen bis­herigen Wählern in Hohenelbe vorgestellt und hat ein Bekenntniß seiner Verfehlungen abgelegt, worauf er von den Wählern wiederum als ihr Kandidat aufgestellt worden ist. DaS ist für alle Diejenigen erfreulich, die keine Freunde deralldeutschen" Radaubrüder sind. Denn wenn Ehren-Wolf wieder in das österreichische Abgeordnetenhaus einzieht, ist Zehn gegen Eins zu wetten, daß dieAlldeutschen" selbst alsbald kräftigst über einander . herfallen werden; denn seine persönlichen Gegner werden ihm schwerlich Ruhe lassen, und seine unmittelbaren Anhänger werden ihn vertheidigen.

(Den letzten Nachrichten zu Folge ist Herr Wolf wirklich mit rund 350 Stimmen absoluter Mehrheit in seinem Wahlkreise Trautenau wieder ge­wählt worden. Nicht viel weniger Stimmen hat der deutsch-fortschrittliche Kandidat Bachmann er­halten, während die Tschechen für ihren Wahl­bewerber nur 21/« Hundert Stimmen aufgebracht haben. Die Redaktion.)

Persien war während der ersten Etatslesung im Reichstage vom Reichskanzler als eines der gegenwärtig interessanten Gebiete bezeichnet worden, um die mehrere Mächte sich eifrig bemühen. Das hat man im Auslande, namentlich in England, mehr­fach so gedeutet, als gehöre auch Deutschland zu diesen Mächten.Der Wettlauf nach dem persischen Meerbusen so schrieb in diesen Tagen ein angesehenes englisches Blatt zwischen den drei Mächten Rußland, Deutschland und England wird in kurzer Zeit die spannendste Tagesfrage auf dem Schachbrette der Weltpolitik bilden". Natürlich denkt Deutschland mit keiner Silbe daran, in Persien politischen Einfluß gewinnen zu wollen. Alle solche Behauptungen beruhen von Anfang bis zu Ende auf Erfindung.

Aus Südafrika nichts Neues!

][ Zur Vertheidigung der katholischen Kirche,

inSbesondkre ihrer Srttenlehre, hat der nach seinen glänzenden Ausführungen überAutorität und Dreiheit" auf der Bonner Katholiken Vrrsamm- iung auch in weiten Laienkreisen bekannte Pro« feffor Dr. Joseph MauSbach auS Münster zu Weihnachten eine Schrift erscheinen lasten, welche bei gebildeten Katholiken und Protestanten die dankbarste Aufnahme verdient. Hier ist sie, wie kaum eine andere apologetische Schrift, geeig­net, etwas an den Bergen von Mißverständnissen abzutragen, welche gegen uns sich angehäuft haben. Dort wird sie in sehr vielen Fragen aufklärend und unterrichtend wirren. Der Gedankenreichthum und die Feinheit der Form, in welche er geklei­det ist, macht die Lektüre der Schr ft gleicher« weise zu ein-m wistenschastlichen und fiterarischen Genuß. Sie bildet die dritte Vereinsschrift der GörreS-Gesellschaft für 1901 (158 S. 8°. Kam« missions«Verlag von I. P. Bachem in Köln).

Mausbach's geistvolle Darlegungen find, wie der Titel besagt, eine Vertheidigung derkatho­lischen Moral, ihrer Methoden, Grundsätze und Ausgaben" gegen die neuerlich mit vieler Gehäffia« feit gegen diese Moral erhobenen Anklagen und Verdächtigungen. Bei dem innere« Zusammen« hange und dem festen Gefüge der katholischen Lehren mußte der Brrfaffer aber auch aus andere Punkte zu sprechen kommen, wie er auch einlei­tend von dem neuen Kulturkämpfe im Allgemeinen ausgeht. So wird dir Vertheidigung der katho« fischen Sittenlehre zu einer Vertheidigung der Kirche.

Mit Mausbach haben sich wohl schon manche unserer Leser gefragt:Woher und warum der neue Kulturkampf gegen uns?" Man hat ihn treffend als einAufgebot der Masten" gegen den Katholizismus" charakterifirt. Aber wer ruft in Deutschland, wenn wir von den ge­heimen Gesellschaften in den romanischen Ländern absehen, die Masten auf? Ist eS nur der Sozia« lismus und das moderne Heidenthum, welche jede Religion bekämpfen, oder kommt vielmehr der neue Ansturm artderSwo her?

Wohl alle Katholiken, schreibt^MauSbach die in gemischten Gegenden leben, haben die Erfahrung gemacht, wie viele Persönlichkeiten, nicht bloß von lauter­stem Charakter, sondern auch »on aufrichtiger Friedens­liebe die protestantische Laienwelt aufweist; auch bei der durch Graßmann hervorgerufenen Erregung konnte man dis in wohlthuender W-ise bestätigt finden. Diese Friedlichkeit der katholische« Kirche gegenüber ist den theologischen Kreisen nicht in gleichem Umfange nachzurühmen. Gladstone hat einmal bemerkt, der Poli­tiker und praktisch thätige Mann, der die lebendigen Mächte, die die Menschheit regieren, verspürt, behalte leichter eine freundliche Stillung zum «hriftenthum, als derjenige, den sein Beruf in bie Welt der Gedanken und der Bücher oder der unbelebten Natur weist. E:waS ähnliche» mag auch dem Katholizismus gegenüber zu- treffen. Wer durch den Berkehr deS bürgerlichen LebenS mit katholischen Personen und Einrichtungen näher ver- traut wird, gewinnt auch ein unbefavg-neres Urtheil über die Kirche selbst, als derjenige, beste» Senntniß vorwiegend aus Büchern und Theoiüeen geschöpft ist.

Jedenfalls ist es bemerkenswerth, daß heule Politiker beider Konfessionen in religiösen Fragen freundlich zu­sammen eben, selbst über konfessionelle Gegensätze ohne Erregunqsich verständigen, während von theologischer. Seite nicht bloß der Hierauf *e Kampf gegen den Katholizismus stärker betrüben, sondern auch eine direkte Propaganda durch Gründung einer EoangetisationSge- sellschaft und die Förderung derLoS von Rom"-Be« wegung entfaltet wird. Daß in letzterer ein Angriff auf die kat,allste Kirche vorliegt, wie es seit der Re- fotmadon wohl mcht vorzekommen ist, wird schwerlich jemand bestreiten; ebensowenig, daß sich für diefea An­griff keineHerausforderung" auf kath lifcher Seite nachweifen läßt, es sei denn die allzu große Gemüth« lichkeit Der Oesterreicher.-

Allem schon die Angriffe auf dir katholische Sittenlehre, wafür Mausbach sodann einige aus den vielen Belegen anführt, beweisen zur Genüge, auf welcher Sette eine neue Front gegen uns formirt worden ist. Unb wie wenig wir Beran« laffunz dazu gegeben haben, geht schon au8 der Erwägung hervor:

Welche Aufregung würde entstehen, wenn die katholische Theologie in Deutschland mit derselbe» Schroffyeit", mit welcher wir angegriffen werden, auch nur antworten oder zur Vertheidigung eine ähn­liche Aktion wie dieLos von Rom"-Bewegung in Scene setzen wollte?Stoff zu Angriffen, fährt MauSbach mit Recht fort liegt gewiß in der Ent­stehung und Entwickelung des Protestantismus in genügendem Maße vor. Aber die Scheu vor fern» fesfioneller Polemik, das darf ohne pharifäifchen Bei­geschmack gesagt werden, ist innerhalb der katholischen deutschen Theologie so groß, daß seit Möhler und Döllinger überhaupt kein namhafter Theologe über da» Lehrspstem der Reformatoren geschrieben hat, selbst der Lutherartikel der zweiten Auflage deSKirchenlexikonS" ist der alte von Döllinger, und daß eS gegenüber den ungemein verbreiteten Handbüchern derPolemik" von (den Protestanten) Hase und Tschakert eine katholische Polemik" überhaupt nicht gibt. Gewiß werden auch in katholischen Flugschriften, Artikeln u. f. ro. un­richtige und einseitige Borwürfe erhoben; aber wie schnell ist zum Beispiel die Geschichte vom Selbstmord LutherS von katholischen Profan- und Kirchenhistorikern und von unseren angesehenen Lagesblättern zurück- Sewiefen worden! Damit vergleich- man da» zähe ortleben alter und neuerSeschichtSlügen" in der protestantischen Literatur und, als neueste, die an­erkennenden Nachrufe hervorragender TageSblätter auf Graßmann, nach wiederholten Nachweisen seiner völligen Unzuverlässigkeit."

Wir schließen den Hinweis auf das treffliche Werk deS Münsterer ProfefforS mit dem Wunsche, den er selbst am Schluffe seiner einleitenden Be­merkungen auSspricht:

Hoffentlich kommen die Angriffe und Kämpfe, die augenblicklich Verwirrung unb Schaden anzurichten scheinen, dem Fortschritt und dem Siege der Wahrheit zu gute. Die Anfeindung durch Un- und Irrglauben hat ja stets am meisten dazu beigetragen, die schlummern­den ober in bet Praxis des christlichen Lebens auf- gehenden geistigen Kräfte im Katholizismus zu wecken und zu großen Leistungen anzufeuern."

3 Die Veranstaltung von Volks- bildungsabenden

bat erfreulicherweise in neuester Zeit immer mehr zugenommen. Auch auf katholischer Seite wendet man ihr mehr Aufmerksamkeit zu, insbesondere seitdem die letzte General» oerfammbng der Katholiken Deutschlands darauf hingewiesen hat. Jideß geschieht unsererseits noch lange nicht genug auf diesem wichtigen Gebiete; an manchen Orten ist bis hierhin Über­haupt noch fein Anfang gemacht worden. @8 ist daher nicht Überflüssig, hin und wieder an den Zweck und Nutzet der Volksbildungsabende zu erinnern, um damit hoffentlich noch für des gegenwärtigen Winter die Anregung zu mancher Veranstaltung dieser Art zu geben.

Wie die Volkrbtldungsabende als Heilmittel gegen die überhandnehmende Ber- gnügungs» und Genußsucht dienen können, wie sie von rohen Vergnügungen zu entwöhnen vermögen, davon soll hiernicht die Rede sein. So erfreulich schon diese Wir­kungen find, weit schätzens weither 'ist noch die Anregung zu ernsterem Denken und Streben, welche die Volksbildungsabende bieten. Man klagt nicht selten den Mann aus dem Volke, den Arbeiter, Handwerker rc. der Verständnißlofigfeit und des mangelnden In- teresseS für geistige Fortbildung an. Sei man doch nicht so schnell mit der Verurteilung. Wie soll der einfache Mann, der den Tag über in harter Arbeit gestanden, sich noch Abend- hinter die Bücher setzen, wenn man nicht vorher sein Interesse hierfür zu gewinnen verstanden hat? Hierfür find die VoikSbildungsabende ein vorzügliches Mittel. Sind nämlich dem Volke Erholungen genannter Art lieb geworden, dann wird fich allmählich von selbst eine größere Neigung in ihm bemerkbar machen, fich auch einmal in einer geistigen Thättgkrit zu beschäfti­gen und in Stunden der Erholung zu einem be­lehrenden Buche za greifen oder sonstwie feine Kenntnisse zu bereichern.

Neben dieser Anregung »ur geistigen Thätig- feit find dir VolksbilsmiMbende auch dazu an. gethan, in unmittelbarer Weise Bildung und Wissen unter dem Volke zu verbreiten. Es ist