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mit Ilnterhaktungs Meikage „Illuflrirte Sonntags-Zeitung" "’iSSfiFSSSr“’*
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J5 13. Jutöa, Freitag, den 17. Januar 1902. 29. Jahrgang.
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[] „Aberglaube" in der Medizin.
In de« letzten Tagen ging ein FeuiSeton durch die Presse, das an der Hand vo« Jählings Buch: „Die Thiere in der deutsche« Volksmedizin der alten u«d neue« Zeit" auf einige abergläubische Heilgebräuche hiuwieS, die sich hie und da unter dem Volke noch erhalten haben. Vielleicht trägt der Umstand, daß sich der Verfasser des Artikrls genannt hatte, an der kritiklosen Aufnahme in Blätter die Schuld, welche im übrigen auf gläuoig christlichem Boden stehen oder wenigstens stehen wollen. Um so weniger dürfen einige Aurführunßen jener Abhandlung unwidersprochen bleiben. Es heißt darin in einer einleitenden Bemerkung über die scientistische Bewegung (die Sekte der „Gebetsheller") in Berlin und anderen Städten
„®$ ist hier nicht der Olt zu theologischen Erörterungen über die Möglichkeit des Wunders. Bom medizinischen Standpunkte aus können wir ohne Weiteres die Thatsache zu,eben, daß in vielen Fällen eine Heilung durch Beten oder durch andere Funktionen, die mit dem Glauben zusammenhängen, ein» getreten stnd. Nur dürfen wir natürlich das Eine nicht übersehen. Es ist kein Fall wirklich beglaubigt, in dem eine Heilung nur durch ein Wunder bewirkt werden konnte; dagegen find sämmtliche Fälle von Heilungen durch Gebete, Wallfahrten u. s. w., die thatsächlich festgestellt find, so beschaffen, daß wir fie uns durchaus innerhalb der Grenzen der Wiffrnschaft erklären können. Das Gebet wird nur dem wahrhaft Gläubigen Helsen können; nicht der Glaube wirkt, sondern der Glaube an dem Glauben (!). Wir können alle diese Vorgänge als eine Form der Suggestion, der Autosuggestion erklären. Es ist noch niemals ein gebrochenes Bein durch Gebet wieder plötzlich heil geworden. Dagegen hat manchem Gelähmten die Wallfahrt noch Lourdes oder einem anderen Wunderort wirklich zum Gehen verhalfen, wenn die Lähmung auf nervöser resp. hysterischer Grundlage beruhte."
Plumper kann die Möglichkeit einer Wunders nicht geleugnet werden, als er mit vorstehenden Ausführungen geschieht. Der Verfasser will eine theologische Erörterung ausschließm, zieht sich täuschenderweise aus eisen medizinischen Standpunkt zurück und löst von hier aus jede Wunder- frage, indem er fie für unmöglich erklärt. Wo die Autosuggestion, die Selbstbesprechung, ober, allgemeinverständlich gesagt, die gesteigerte Ein- bildung auf nervöse und hysterische Zustände heilend einwirkt, kann natürlich von eisern Wunder keine Rede sein. Und wenn das Gebet die Stelle dieser Autosuggestion vertritt, wirkt es eben kein Wunder, und wirkt auch nicht als Gebet, sondern als eine natürliche Kraft.
Das Wunder ist eben keine natürliche, son- dern eine übernatürliche Erscheinung, d. h. eine solche, welche sich nicht aus dem gewöhnlichen Gange der Dinge ergibt. Beim Wunder haben wir es vielmehr mit einer ur- mittelbaren göttlichen Thätigkeit zu thun, welche eine Wirkung hervorbringt, die im vorliegenden Falle aus natürliche« Kräften nicht erklärt werden kann.
Selbstverständlich darf nicht jede oußerKe- wöhnliche Erscheinung für ein Wunder angesehen werde«, mag auch fron nur Glaube dazu geneigt sein. Nicht diese Geneigthert entscheidet, sondern die prüfende und denkende Vernunft. Es ist freilich klar, daß es manche Fälle geben muß, in denen es nicht ohne weiteres vom gewöhnlichen Manne beurtheilt werden kann, ob zur Erklärung einer Thatsache der natürliche Gang der Dinge ausreicht, oder ob vielmehr ein Wunder vorliegt. Ebenso klar ist eS aber auch, daß es eine große Reihe von Fällen gibt, in welchen der gesunde Menschenverstand genügt, um zu erkennen, daß natürliche Kräfte unzureichend find, und das Eingreifen einer höheren Ursache mit zwingender Nothwendigkeit anznnehmen ist. So würde zum Beispiel der Verfasser der eben zitrrten Ausführungen eS mit Recht für ein Wunder halten, wenn „ein gebrochenes Bern durch Gebet plötzlich wieder heil geworden" iS. Mag in der Medizin die Suggestion und Autosuggestion noch so viel wirken können, wir erkennen heute — und zwar der Mann aus dem Volke ebenso gut, wie der Mann der Wissenschaft — mit Sicherheit, daß eine derartige plötzliche KLochenbruch- heilung auf natürliche« Wege unmöglich ist.
Es beruht daher auf einer Verkennung des Wunderbegriffs, wenn man ibn in feinem Wesen von dem Staude der rneuschÜchm Erkenntniß, der Kultur und LebenSa«schc«Mf abhängig sein läßt. Ts versucht darum auch der Berliner Professor Harna ck, der hs'annte Führer der liberalen protestantischen Ttzrologie, vergeblich, die Wunder auS den Germ- lienberickten wegzuräumen mit dem Hinweis auf die Wundersucht der Zeit, auS der die Evangelien stammen, und die unzulängliche Naturkenntniß, mit welcher fie sich zufrieden geben mußte. Es beweißt nichts.
wen« er schreibt (Wesen des Christenthums, 26. Auflage, Seite 16):
.Wir wissen, daß die Evangelien aus einer Zeit stammen, in welcher Wunder, man darf sagen, fast etwa? Alltägliches waren. Man fühlte und sah sich von Wundern umgeben — der Quellen, auS welcher Wunder sprudelten, gab es viele . . . Bis dahin gab es keine sichere Einficht in daS, was möglich und unmöglich, waS Regel und waS Ausnahme sei. Wo darüber aber Unklarheit herrscht, bezw. wo diese Frage überhaupt noch nicht scharf gestellt wird, da gibt eS keine Wander im strengen Sinne deS Wortes, »ine Durchbrechung des Raturzusammenhangs kann von niemanden empfunden werden, der noch nicht weiß, was Naturzusammenhang ist. So konnten die Mirakel für jene Zeit gar nicht die Bedeutung haben, die fie für uns hätten, wenn es welche gäbe."
So viel Kermluiß vom Naturzusammenhang halten denn doch die Apostel und ihre Zeit- genossen, daß sie wiff u konnten, eine Speisung von 5000 Mann mit sieben Gerstrnbroten und zwei Fiskben gehe über den Rahmen der natür- lichen Kräfte hinaus. Desgleichen die Stillung des Sturmes durch ein Wort, wie auch die Todtenerweckungen, die Verklärung des Herrn, die Erscheinungen nach seiner Auferstehung usw. Das waren und bleiben Wunder im strengen Sinne des Wortes, mochte auch jene Zeit noch keinen geläuterten Wunderbegriff haben.
Freilich, Harnack hat seinen Wunderbegriff so sehr geläutert, daß vom Wunder darin nichts mehr übrig bleibt. Für ihn steht von vornherein fest: Es gibt kein Wunder. Wunder- geschichtet, des Eoangeliums, die ihn „fremd und frostig berühren", schiebt er „ruhig bei Sette" und heißt auch die ihn hören und lesen, dar thun. Er muß darum auch die göttliche Natur des Heilandes bei Seite schieben, die Dreifaltigkeit und anderes „Unvkrständliche" im Christenthum. Wenn der hervorragendste Theologe des heutigen Protestantismus das thut, wollen wir eS einem Feuilletonisten nicht sehr verargen, wenn er vom „medizinischen" Standpunkte die Möglichkeit des Wunders leugnet. Allerdings könnte er ebenso gut wie jeder Theologe wiffen, baß mit dem Dasein eines persönlichen Gottes auch die Möglichkeit von Wundern gegeben ist.
«L. W.UXWWM »—wwkl:
Dir Azoff-Diamanten.
Eine Gauner,«schichte aus der russischen Gesellschaft.
Prinz Sergius Marazoff blickte stirnrunzelnd auf den Brief in seiner Hand. DaS sonst so männlich schöne Gesicht zeigte ix diesem Augen- blicke, daß unter der Oberfläche des Salonlöwen das wilde Tartarenblut gährte — die Bestie im Menschen. Seine Augen funkelten geradezu dämonisch.
,9Barum sie mir immer von neuem droht?" murmelte derselbe dann zähneknirschend. „Sir weiß doch, daß es keinen Eindruck auf mich macht!"
Prinz Sergius las das Schreiben nochmals durch. Dann zerriß er er in winzige Stücke.
„Pah!" fuhr er fort. „Was mache ich mir aus Drohungen Ich kehre doch nicht mehr nach Rußland zurück. Ein Glück, daß ich meine sämmtliche« Güter mit Schulden belastete — zu konfisziren findet Väterchen da nichts mehr! Nein, nein, hier in Pirts bin ich viel sicherer und da bleibe ich auch."
Jetzt öffnete sich die Thüre und ein Diener erschien auf der Schwelle.
„Eine Dame, die gestern den Brief abgab, wünscht Ew. Hoheit zu sprechen!" meldete der- selbe unterwürfig.
„Wirf sie auf die Straße!" donnerte der Prinz.
Jean kannte seinen Herrn, deshalb war er auch an der Thüre stehen geblieben. Wenn sein Gebieter sich in einer solchen Stimmung befand, dann war ihm Alles zuzutrauen.
Doch der Prinz setzte schon etwas ruhiger hinzu: „Laß sie eintreten."
Gleich daraus trat eine Dame von seltener Schönheit ein, der man den russischen Typus auf den ersten Blick ansah.
„So hast Du meinen Aufenthalt doch auS- geforscht, Marie?" begann der Prinz.
„Ich kannte ihn längst," erwiderte sie mit eisiger Verachtung. „Du wunderst Dich gewiß, weshalb ich hier bin?"
„Wundern? Nicht im Geringsten! Aber Du erreichst doch nichts!"
„Du hast die Diamanten hier?"
„Offen gestanden: Ja, fie stnd wohl aufgehoben hinter Schloß und Riegel. Du siehst, ich bin ganz offen."
„Diese Tugend mußt Du erst in allerjüngster Zeit gelernt haben! — Ich hörte, Du wolltest die Azoff-Diamanten auf dem Fest der Herzogin von A. tragen?"
„Stimmt! Ich gehe als indischer Rajah."
„Und doch find diese Steine mein Eigenthnm — so wahr Du leider mein Coufi« bist! Meine
Mutter gab Dir dieselben auf dem Todtenbette mit der Bitte, mich aufzusuchen und fie mir auS- zuhändigen."
„Wer sagt Dir das?"
„Meine alte Amme Urza, die zugegen war, als meine Mutter starb."
„Höre mich an!" sagte SergiuS rauh, seine Wuth nur mühsam bekämpfend. „Du warst eine Marazoff — könntest heute eine Fürstin sein, wenn Dein Kopf nicht mit jenem Blödsinn über Froheit und Selbstbestimmung des Weibes an- gefüllr gewesen wäre. Diesem Unsinn setztest Du die Krone auf, indem Du mit jenem simplen deutschen Arzte durchbranntest und ihn heirathetest. Habe ich Recht?"
„Gewiß! Ich habe das noch nie bereut."
„Hm, hm! Schön bist Du freilich immer noch!" Aber Deine Kleider — verzeihe, daß ich das sage — sehen mir nicht darnach aus, als ob Du im Ueberfluß schwelgtest."
„Wir find arm, sehr arm —" erwiderte Marre Deinhardt gepreßt. „Mein Mann ist schon seit drei Monaten krank. Ich wußte manchesmal nicht, wo ich daS Nothwendigste zum Leben hernehmen sollte, und ich bin nach Paris gekommen, um mein Eigenthnm von Dir zrrrückzufordern."
„Diamanten im Werthe von einer Million! Haha!"
„Du weißt, daß sie mir gehören! Sie waren persönliches Eigenthnm meiner Mutter! Wäre sie nicht plötzlich gestorben —"
„Beweise das — dann - bekommst Du sie!"
„Ich kann es nicht! Sonst würdest Du diese Bemerkung auch nicht thun! Urza ist ebenfalls tobt. Aber selbst, wenn diese noch lebte, würde ihre Aussage der Deinigen gegenüber nicht ins Gewicht fallen! Ich habe nur noch 100 Mark — wenn diese ausgegeben sind, dann weiß der Himmel, was aus uns wird."
Terpins trat an seinen Schreibtisch und zog ein Ctzkckbuch hervor:
„Sines Weibes Unterhaltunq ist wie ihr Brief — die Hauptsache kommt im Postskriptum. Genügen 5000 Mark?"
Marie Deinhardt antwortete nicht. Der Prinz füllte einen Check in dieser Höhe aus und reichte ihr ihn hin. Mit der größten Seelenruhe nahm sie das Papier, riß eS in Stücke und warf ihm diese verachtungsvoll ins Gesicht.
„Almosen will ich nicht, sondern mein Eigentum!" erklärte fie stolz.
Die Wuth des Prinzen schäumte jetzt über. Fluth von russischen Verwünschungen und Flüchen ergoß sich über die vor ihm stehende Frau — ein Strom so beleidigender Beschimpfungen, daß Marie sich entsetzt die Ohren zuhielt.
„Ich gehe," versetzte Marie kühl auf des Prinzen rohen Erguß. „Was ich hier bezweckte, wirst Du später erfahren."
Sie ging. Als sie nun um die nächste Ecke bog, gesellte sich ein junger, elegant gekleideter Herr zu ihr
„Nun Frau Deinhardt," fragte er eifrig, „sind Sie zufrieden?"
„Vollkommen! Diesmal irre ich mich nicht. Sie haben die Schlüffel und die Kostüme. Werden Ihre Freunde auch zur rechte» Zeit da sein?"
„Es ist Alles in Ordnung. Das Jnscene- setzen der Komödie überlaffen sie ruhig mir. Besorgen Sie nur im Voraus das Billet nach Amsterdam."
„Das habe ich schon, ebenso eine Verkleidung. Es ist noch ein Glück, wenn man gute Freunde besitzt, die Schauspieler sind."
* *
Das Kostümfest der* Herzogin A. war im vollen Gange.
Unter den Herren ragte an Schönheit sowohl der Erscheinung als des Kostüms Prinz Sergius Marazoff — als indischer Rajah — hervor. Sein Turban und seine Tuntka waren mit Diamanten förmlich übersäet. Unzählige Augen richteten sich voller Neid auf die blendende Erscheinung.
Der Morgen dämmerte bereits, al» Prinz Sergius, auf den Stufen der Freitreppe stehend, ungeduldig nach seinem Wagen ausschaute. Er war nicht da.
„Besorgen Sie mir eine Droschke", herrschte er den Diener an.
Gleichzeitig al» Antwort fuhr in diesem Augen- blick eine Nachtdroschke mit einem verschlafenen Kutscher heran. Der Prinz stieg ein und schlug die Thür hinter sich zu. Er war müde und fiel bald in einen Halbschlummer.
Plötzlich fuhr er auf — die Droschke hielt — die Thür wurde geöffnet und der Lichtschein einer Laterne fiel in den Wagen. Der Prinz erkannte sofoit, daß etwas nicht in Ordnung «ar, al« er sich vor einem riesigen Gebäude mit vergitterten Fenstern befand. Am Ende einer TrSppe von etwa zehn Stufen befand sich ein mächtiges eisernes Thor. Der Mann, welcher die Wagen-
Urr«ifchte*.
• Kühn« Sdjwintmerinnen. Neulich haben zwei Damen, di« Frau de» Oberleutnants Seubert, früher bei den 9. Husaren in Straßburg und die Tochter des englischen «dmtrals Wood den BoSporuS bei Konstantinopel an einer 2500 Meter breiten Stelle durchschwommen und dadurch einen Rekord geschaffen
thür geöffnet, trug dunkelblaue Uniform mit zwei Reihen blanker Knöpfe und einen Helm auf dem Kopfe. Dieselbe Kleidung trug auch der Zweite, der die Laterne hielt. „ _ .
„Was soll dar heißen?" kaufte der Prinz plötzlich auf. , . rv ,,
„Hoheit befinden sich vor dem Polizergefängntß. Ich habe einen Verhaftungsbefehl gegen Ew. Hoheit."
„Verhaftungsbefehl? Lächerlich!"
„Das mag sein, Ew. Hoheit, aber ich muß meine Pflicht thun. Ich bitte Ew. Hoheit, mir zu folgen."
Der Prinz schäumte vor Wuih, stieg jedoch aus. In demselben Augenblicke fuhr auch schon die Droschke davon, und Marazoff folgte dem Beamten. Er wurde in ein Bureau geführt, in dem ein Polizeiinspektor vor einem riesigen Tische saß und schrieb. Er erhob sich und verneigte sich höflich vor dem Prinzen.
„Es thut mir unendlich leid, Hoheit belästigen zu müffen —" begann er und las ihm ein Schriftstück der russischen Polizeibehörde vor.
Prinz Sergiu« war starr. Wie die metsten Ruffen der höheren Kreise hatte auch er einige politische Vergehen auf dem Gewisien; daß diese der Behörde jedoch so haarscharf bekannt seien, rote aus dem Verhaftungsbefehl hervorging, hätte er sich nicht träumen (offen. Wie klug war er gewesen, daß er den heimathlichen Boden verließ.
„Auf diese Beschuldigung hin darf ich doch nicht ausgeliefert werden!"
„Das ist auch meine Ansicht, Hoheit. Morgen früh wird sich das gewiß Herausstellen! Aber bi« dahin —"
„Bin ich ein Gefangener?" unterbrach ihn der Prinz zornig. Er raste und tobte, doch half Alles nichts. Sein Geld, feine Papiere, seine Juwelen und sein kostbare« Schwert wurden ihm abge- nommen und in einen mächtigen Schrank geschloffen.
„Die Sachen liegen hier ganz sicher, Hoheit", sagte der höfliche Inspektor. „Ich wünschte wirklich, ich hätte Hoheit diese Unannehmlichkeiten ersparen können, aber meine Pflicht —"
Wuth im Herzen, ein bitteres Lächeln auf den Lippen, folgte der Prinz dem Beamten über einen langen Korridor. Am Ende desselben öffnete der Letztere eine Thür und ließ den Prinzen in eine Zelle treten, In welcher sich nur ein Feldbett befand.
Gegen Tageianbruch vernahm Serg'.ns em Auf- und Zuschlägen von Thüren — näher kommende Schritte — ein Schlüffel wurde Ins Schloß gesteckt — die Thür geöffnet und vor ihm stand — sein Privatsekretär Gerard.
„Gott sei Dank, daß ich Ew. Hoheit gefunden I" rief der junge Mann. „Ich fürchtete schon, Hoheit seien da« Opfer einer Verschwörung geworden. Ich bekam heute früh einen Brief — mit Angabe Ihre« Aufenthaltsorte» — welchem dieser Schlüffel beilag."
„Aber ich bin doch im Polizeigefängnlß?
„Keine Idee, Hoheit! Da» Haus diente früher al« solches, steht jedoch seit Monaten leer. Hoheit sind da« Opfer irgend eine« Komplotte» geworden und »diese« Gebäude wurde zur Ausführung benutzt. Hobelt« Diamanten —"
„Sie haben Recht, Gerard! Dieser Verhaftungsbefehl war eben ein Spitzbubentrick! Kommen Sie schnell — dort in« Bureau — die Juwelen wurden dort eingeschloffen."
Aber ach! Die unschätzbaren Azoff-Dlamanten waren verschwunden. Der Schrank stand offen — Geld, Papiere und da« kostbare Schwert lagen noch darin, sonst nicht«.
Der Sekretär hatte wohlweislich einen Anzug für seinen Herrn mitgenommen, den dieser jetzt anlegte.
„Schnell auf die Polizei!" keuchte Sergius, „vielleicht erwischen wir die Hallunken."
Aber selbst ein russischer Prinz kann nicht Alle« erlangen, wa» er will. Die Polizei setzte alle Hebel in Bewegung, um der verlorenen Diamanten habhaft zu werden, aber vergeben« — und zwar au« dem einfachen Grunde, well Prinz Sergiu« seinen Verdacht in Bezug auf Marie Deinhardt klüglich für sich behielt. Eine Erwähnung ihre« Namen« würde eine Untersuchung der Angelegenheit verursacht und dann Alle« an’« Tageslicht gefördert haben — ein Skandal wäre unausbleiblich und die Diamanten dennoch für ihn verloren gewesen.
Noch ehe eine Woche verging, waren die Diamanten umgefaßt und nicht wieder zu erkennen. Marie hatte ihr Eigenthnm zurückbekommen.