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•twwtewtli*: AS» Me Redaktion 3»f. Zaiw, #i3e$mte 2. Parzelle» in Aulda.

mit Anlerhaltungs -Meilage „Issustrirte Sonnlags-Zeilung"

JK 13.

JuLöcr, Freitag, den 17. Januar 1902.

29. Jahrgang.

© Arbeitslosigkeit.

„Welche Maßregel» gedenkt der Herr Reichs« kanzler zu ergreifen, um den Folgen der wirth« fchaftliche» Krisis, dir sich in BetriebseinschrSn« kunge«, Lohnkürzungen und vornehmlich in Arbeiterentlaffungen bemerkbar machen, zu begegnen und dem dadurch hervorgerufenen Nothstande weiter Volksschichten entgegenzu­wirken ?" — so lautet die Interpellation der Sozialdemokratie im Reichstage.

Neulich hat Herr Bebel gesagt, alle die wirthschaftlichen Krisen unserer Zeit seien die Folgen deS herrschenden Kapitalismus; und ausnahmsweise muß man ihm einmal theil- weise recht geben. Nur müßte man «och brffer an die Stelle des Wortes „Kapitalismus" das andere Wort „Börsenspekulation" setzen. Denn wenn man den Ursachen des jüngsten Industrie« krachs nachgeht, stößt man an alle« Ecken und Enden auf Börsentreibereien, auf künstliches Emporschrauben der Kurs« von Industrie- papieren durch ungesunde Spekulation. DaS konnte gar nicht so weiter gehe». Darauf mußte ftüher oder später ein gewaltsamer Zu­sammenbruch erfolgen. Aber die warnenden Stimmen, die zu rechter Zeit zur Vorsicht und Zur kühle» Urberleguvg mahnten, wurde» nicht gehört oder nicht beachtet.

Der Tanz um das goldene Kalb »ahm seinen Fortgang, bis der Götze der wüsten Spekulation zu Staub zermalmt und in alle Winde verstreut war und leider mit ihm große Summe» des Volks­vermögens. Man müßte sich also genau so aus­drücken, daß die Krisis zum großen Theil von bedauerlichen Auswüchsen der kapitalistischen Gesellschafts-Ordnung herrührt. Wenn man nun diesen unzweifelhaft richtigen Gedanken weiter spinnt, dann gelangt man zu demselben Endergeb- niffe, wie bei vielen anderen Gedankenreihen auch: eS ist durchaus nothwendig, daß den Börsen und ihrem Treiben genauer auf die Finger gesehen werde, und es empfiehlt flch ebenso dringend eine recht sorgfältige Beaufsichtigung der Syndikate und Kartelle und ihrer Machenschaften.

Die Interpellation der Sozialdemokratie hat jedenfalls ihre Berechtigung, obwohl dasselbe Thema bereits in mehreren Landtagen durchge­sprochen worden ist und dementsprechend von verschiedenen Landesregierungen Maßregeln ge­troffen oder vorbereitet wurden zur erfolgreichen Bekämpfung der Krise. Aber die Art der Be- Handlung, die die Sozialdemokratie diesem Thema angedeihen läßt, ist vollständig übertrieben. Die Krise hat erstens nicht alle Industriezweige be­troffen, sondern nur einige davon schwer und manche gar nicht; am schwersten diejenige», die am meisten den Börsentreibrreien unterlagen oder sich ihnen geflissentlich Hingaben. Und zweitens hat die Arbeitsnoth lange nicht die Schärfe er­reicht, die früheren Krisen derselbe» Art an- haftete. Es ist auch gar nicht daran zu denken.

Der Spekulant.

Origmal-Roman von HanS Dahlen.

11) ------(Nachdruck verboten)

Es schellte am Hausthor. Thilda huschte wie ein Wirbelwind hinaus, um gleich, ein Mäd­chen von etwa vierzehn Jahren an der Hand führend, wieder einzutrrte».

Johan» Wilhelm kannte daS Kind. Es war die jüngste Tochter seines Buchhalters. Er täschelte die rothgeirorenen Bäckchen der Kleine«. „Was bringst Du oenn Gutes, Klärchen?"

„Der Vater läßt recht schön bitten," sagte das Mädchen eifrig, „und Sie möchten doch so gut sein und heute Abend herüber komme». Und Vater läßt Ihnen Allen recht gesegnete Feiertage wünschen. Und der Arzt hat eS gar nicht haben wollen, sonst hatte er selbst die Feiertage ge­wünscht."

„Sag' nur, ich würde kommen," trug Johann Wilhelm der Klemen auf. „ES ist doch nicht sehr schlimm mit dem Vater?"

„Er ist stark erkältet, hat der Doktor gesagt."

„So so. Nu», daS wird sich bald geben." „Sag' dem Herrn Papa, ich käme auch heute Abend herüber," rief Thilda dem Mädchen nach, Neumann lächelte. „Ob Dich der Schefer noch wiederkennen wird?" fragte er zweifelnd. „Er hat Dich lange Zeit nicht mehr gesehen, und Du bist eine stattliche junge Dame geworden."

Thilo« zeigte lachend ihre Perlen zähnchen. „Ich bi« ja such bald achtzehn Jahre alt; da wird es dis höchste Zeit, daß die Leute Respekt vor mir bekomme»/

daß die deutsche Industrie durch die jüngste Krise bis auf den Stand zurückgeworfen worde« sei, den sie vor dem letzten wirthschaftlichen Auf­schwünge inne hatte, also etwa auf de« Stand des Jahres 1895. Ein guter Gradmesser dafür ist der Güterverkehr der Eisenbahnen. Dieser ist im Jahre 1901 hinter dem voraufgegangenen Jahre 1900 zurückgeblieben; aber war nicht ge­ringer, sondern im Gegenthell umfangreicher, als in den weiter zurückliegenden Jahren; und genau dasselbe trifft auf die Steinkohlenförderung zu. Sie betrug 107 Millionen Tonne» i. I. 1901, i. I. 1900 dagegen 110, aber 1899 nur 102 Millionen Tonne« und vorher «och weniger. Nicht anders ist es mit der Ausfuhr bestellt: diese war während des Jahres 1901 geringer als im voraufgegangenen Jahre, aber immer noch erheblicher, als in allen Jahrgänge« vor­her. Anlaß zum Verzweifeln hat also die Indu­strie gar nicht; und theilweise hat sie die Krise selbst verschuldet. Der Ausspruch mag hart klingen. Aber er ist nichtsdestoweniger wahr.

De« Arbeitern aber, die ei« Opfer der Krise geworden find und etwa »och werden, gebührt unsere volle Theilnahme. Sie trifft nicht das geringste Verschulden an dem bedauerlichen Wechsel der Dinge, und mit Freuden werden alle gewiffermaßen möglichen Maßregeln vo« Staatswegen zu begrüßen sei», die die traurige Lage der betroffenen Arbeiter verbessern können. Darüber wird schwerlich bei den verschiedenen politischen Parteien ein Unterschied der Meinung zu finden sein. Es ist eine Härte sondergleichen, wen» eine Arbeiterfamilie Haus und Hof und Heimath verläßt und, angelockt vo« dem in Aus­sicht gestellten reichliche» Verdienste, i« ein In- dustrierevier übersiedelt, vielleicht sogar auf weite Entfernung hin — dann aber plötzlich in Folge einer eingetretenen Stockung als überflüssig ab­gestoßen, ohne Arbeit und Verdienst auf die Straße gesetzt und möglicherweise auch voll­kommen heimathlos gemacht wird. Leider ist es eine außerordentlich schwierige Frage, wie man wohl solchen Härten wirkungsvoll begegnen könnte, und wenig und nichts bedeute im Ver­gleiche dazu das bloße Schlagwort „Versicherung gegen Arbeitslosigkeit". Eine solche B-rficherung würde ohne Zweifel das einzig sichere Schutz­mittel fein. Der Gedanke steckt noch in feinen Uranfängen, und es wird «och lauge Zit ver­gehen, bis er ausgereift und zur Ausführung fertig sein wird. Fürs erste läßt sich nichts damit anfangen, so verlockend er auch aus der Ferne zu uns hnüberwinkt.

Deswegen kann zunächst den Arbeitern nicht warm genug der praktische Rath wiederholt wer­den, in guten Zeiten zu sparen, um im Augen­blicke der Noch nicht hilflos dazuftehen. Und es kann nur vo» neuem darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Sozialdemokratie eS nicht ist, die ihm Hilst. Denn sie ist es, die daS gegen­wärtig beste Mittel des Sparens verpönt und die gerade Arm in Arm mit der großkapitalistische» Spekulation als „Schutztruppe der Börse" be» gefährlichen Treibereien derselbe» alle» nur mög­lichen Vorschub leistet.

Kurz darauf traten sie durch die DoppelthÜr auS dem Dunkel des unteren Flurs in den dicht verschneiten Garten. Johann Wilhelm blieb auf der Schwelle stehen und ließ sich von Thilda als Ziel für Schneeballen benutzen. Der Schnee ballte sich, denn es war über Mittag merklich wärmer geworden. Der Himmel Halle sich wieder dicht umzogen und sandte schon vereinzelte Flöckchen zur Erde, Vorboten bald eintretenden Schnee­gestöbers. Es dämmerte schon geraume Zeit.

Thilda stand wieder neben ihrem Vaier und lehnte sich an seine Schulter. Ihre Blicke schweiften hinüber in die benachbarten Gärten bis zu de» jenseitigen Häuser», in denen verein­zelte Lichtchen aufflimmerten. Ueberall tiefes Schweigen: nirgendwo ein lebendes Wesen mit Ausnahme der beiden hungrigen Krähen auf dem braunröthlichen Kirschbaumzweig, die ihre Krallen abwechselnd in das aufgesträubte Federkleid zurückzogen. Sogar der leise Fall der Flocken war vernehmlich, so tief war die Stille.

Und weithin das Leichentuch der dichten, schimmernden Schneedecke, von Mauern und Hecken wie von schwarzen Strichen durchmustert, uns Spinngeweben gleich, zog sich da- dunkle Astgewirr der Bäume und Strauchgruppen über den weißen Untergrund.

DaS lebensfrohe Gemüth des jungen Mäd- chens erschauerte vor der öden Melancholie der gegenwärtigen Stunde. Sie ergriff den Arm Johann Wilhelms und führte ihn mit sich wieder zurück in Haus. Aber auch hier war alles still und tobt. Graue Sammetfd)alten schwebten in den Gemächern, auf den Korridore» war es fast dunkel. Frau Marie und Hans waren noch

Deutsches Keich.

Berlin, 16. Januar.

• Srivz Heinrich vo« wird

vermuthlich mehrere Wochen in den Vereinigten Staaten von Amerika bleiben und mehrere Städte besuchen. Ein ausgezeichneter Empfang ist ihm überall vollkommen sicher. Die Amerikaner sind begeistert über diese höfliche Aufmerksamkeit.

• Staat-Minister ». Mieter» erkrankte zu Neujahr an einer Lungenaffektion und muß jetzt leider von neuem da« Bett hüten. Daraus ist auch die veränderte Geschästseintheilung im Ab­geordnetenhause und die Verschiebung der Inter­pellation des Centrums über das Eisenbahnunglück bei Paderborn zurückzuführen.

+ Der InsammeuMuß der evangelische« Landeskirche« begegnet allgemein starken Zwei­feln, so auch in Bayern. Das geht aus einer Darlegung des Münchener Oberkonsistorialrathes Dr. o. Banger in München in der .Neuen Kirch!. Zeitschrift' hervor. „Wenn wirklich," so äußert sich dieser, „ein Organ geschaffen würde, in dem »eben de» Kirchen -Regierungen auch die synodalen Körperschaften der Landeskirchen ver­treten wären, so würden sich bei seiner Thätig- kett beständige Konflikts ergeben. Würde beispiels­weise beschlossen, gegen einen „Hebergriff der römischen Kirche" Schritte zu unternehmen, so wäre zur Ausführung dieses Beschlusses in Bayern die Genehmigung der Staatsregierung erforderlich. Könnte man nun dem bayerischen Landesherrn zumuthen, daß er eine Maßnahme gutheiße, die gegen seine eigene Kirche sich richtet?" — So weit Dr. v. Gunger. „liebergriffe der römische» Kirche" gibt es nicht. Darauf kommt es hier aber weniger an als auf die starke Abneigung der orthodox-protestantischen Theologen gegen die vorgeschlagene Bereinigung der protestantischen Landeskirchen.

h Kngla d wird friedlich! Der bri­tische Thronfolger gibt den in Berlin ange­kündigten Besuch zu deS Kaisers Geburtstag in Berlin nicht auf. In den Londoner Hof- kreisen hat map, wie zuverläffig berichtet wird, mit lebhafter Besorgniß auf die Vorgänge ge­blickt und nicht mit ausgeprägter Mißbilligung der deutschfeindlichen Ausfälle verschiedener englischer Zeitungen zurückgehalte». Der Prinz von Wales wird mfo kommen. Er soll indessen entgegen dem ursprünglichen Plane nur drei Tage in Berlin bleiben.

X Do« Zolltarif. Nach Mittheilungen, die sie für zuverlässig hält, feilen sich der „Deut­schen Tagesztg." zufolge einige Vertreter der Ver­bündeten Regierungen dahin ausgesprochen haben, daß der Bundesrath voraussichtlich nicht geneigt fein werde, bezüglich der landwirthfchaft- lichen Zölle, insbesondere der Getreidezölle, über die Sätze des Tarifentwurfes hinauszugehen. Es verlaute ferner, daß mehrere Bundesfürsten keinen Zweifel darüber gelassen haben, daß sie nicht in der Lage feien, die Vertreter ihrer Staaten im Bundesrathe anzuweisen, für eine Erhöhung der genannten Zölle zu stimmen. Gleich mehreren voraufgegangenen Stimmen in der Centrumspresse empfiehlt die „deutsche Tageszeitung" dringend der Regierung, dem Parlamente reinen Wein einzu- ——iwra nicht unten; kein Laut war im ganzen Haufe vernehmlich.

Vater und Tochter sahen sich beide die Un­behaglichkeit an, welche in ihnen aufstieg. „Sollen wir Licht machen?" fragte er.

„Weißt Du was," entgegnete Thilda, „wir mache« unseren Besuch bei Schefers."

Johann Wilhelm pfiff vor sich hin und richtete fich stramm empor. „Ganz recht," pflichtete er bei. „Mach' Dich reifefertig. Töchterchen." —

Kaum eine halbe Stunde hernach standen beide vor dem Hause, in welchem Schefers die zweite Etage bewohnten. Es war, wie auch die Nachbarhäuser, ein Neumann zugehöriges Mieths- hauS, in welches er Schefer hatte einziehen kaffen, damit er feinen Prinzipal bei den Miethkparteien vertreten konnte und ab und zu ein Auge auf die Besitzungen desfeiben warf.

Die Freude der Familie Schefer war allge­mein, als sie die Besucher empfangen und voll Stolz in daS hübsche geräumige Wohnzimmer geleiten timten.

Johan« Wilhelm machte es fich ohne weitere Umstände am Sopha unter dem Ooalspiel bequem. Er fühlte fich bei seinem Buchhalter wie zu Hause und versäumte feite«, einmal hereinzuspringen, wenn ihn der Zufall • in diese Stadtgegend brachte. Er nöthigte Schefer, der den hageren Hals in wollene TLcher eingehüllt trug, vom Stuhl weg an feine Seite, während Frau Schefer und die mächtig herangewachsenen Kinder Thilda in ihren munteren Kreis zogen, sich wunderten, wie groß und schön sie geworden war und sie immer wieder ihrer freudigen Geungthuung ver­sicherte», daß sie den Vater begleitet hatte.

schenken über ihre Stellung zu diesen entscheidende« Fragen, um nicht in unnützer Weise Zeit und parlamentarische Kraft zu vergeuden. Im preußi­schen Abgeordnetenhause hat heute (Donnerstag) der Centrumsabgeordnete Fritzen keinen Zweifel darüber gelassen, daß er an eine Verabschiedung dieses Zolltarife- nicht glaube. Reichskanzler Graf Bülow hat auch diese Gelegenheit vorübergehe« lassen, ohne fich in nur irgendwie bestimmter Weise über seine Anschauungen zu äußern (vgl. den Bericht über die heutige Sitzung des Abge­ordnetenhauses). Die Zolltarif-Kommission de» Reichstages hat in ihrer heutigen (Donnerstags-) Sitzung, den fünften ihrer Artikel, endlich einige Paragraphen des Zolltarifgesetzes erledigt, nämlich die Paragraphen 2 bis 4. Mehrere sozialdemo­kratische Abänderungsanträge wurden abgelehnt.

h ArVettsverhättuisse in de« Zürich» Bef vielen. Zum (Etat des Reichsamtes des Inner« ist vo» den Abgeordneten Hitze (Centr.), Trimbor» (Centr.), Bassermann (natl.) und Roesicke-Dessau (liberal) folgende Resolution beantragt: „Der Reichstag wolle beschließe«, den Herr» Reichskanzler zu ersuche», ihm alljährlich eine Ueberstcht vorzulegen über die Arbeitsoerhältniffe in de« Betriebe» deS Reiches und in den Werkstätten der Heeres­verwaltung, insbesondere Über die Zahl der beschäftigten Arbeiter, die von ihnen bezogenen Löhne, die Arbeitsdauer und die zu ihre« Gunsten getroffenen Einrichtungen".

Parlamentarische Nachrichten.

+ Im pr-nßisch-n Avg-ordn-tenhanse gab es heute (Donnerstag) eine Debatte mit interessanten Punkten. DsS Abgeordnetenhaus hat heute die erste Lesung des Etats begonnen, und daß dabei von allen möglichen politischen Dingen gesprochen wird, nur nicht vom Etat selbst, weiß man ja hinlänglich. Die springen- de» Punkte dieser Debatte waren Zolltarif und Kanalvorlage. Abgeordneter Nölle von den Nationalliberalen stimmte das Lied vo» der Kanaloorlage an, u«d Herr Eugen Richter griff begierig das Thema auf, um sich ei» wenig an dem Ministerpräsidenten Grasen Bülow zu reiben. Er wollte wissen, warum der Landtag im Vorjahre so plötzlich geschloffen wurde, wann die Kanalvorlage wiederkommen werde, was Gras Bülow bei der ganzen Sache gethan habe und thue und dergleichen mehr. Gras Bülow bediente Herrn Richter unverzüg- lich: der Landtag wurde geschloffen, weil man sich von weiteren Verhandlungen keinen Ersolg weiter versprach, aber auf seinen — des Grasen Bülow — Rath nicht aufgelöst. Wan» die Kanaloorlage wiederkommen solle, darüber habe ganz allein die Krone zu bestimme», und dir zu diesem Zeitpunkte möge sich eben Herr Richter freundlichst gedulden! Von dem Zoll­tarif meinte derCentrumsabgeordnete Fritzen, er werde schwerlich Gesetz werden. Noch mehr, Herr Fritzen sprach in seiner Etatsrede auch von der Zeit, in der ein neuer Zolltarif werde Gesetz geworden fein! Aber auf dieses Thema ließ sich Graf Bülow nicht ein. Er benützte nur die Gelegenheit, um der Landwirthschaft

Ais es völlig dunkel geworden war, ward der Weihnachtsbaum angezündet, der in der Ecke neben dem Klavier stand. Man fang gemein­schaftlich ein paar Lieder. „Schade, daß Hein­rich «och nicht hier ist," meinten die Kinder, „dann könnte er uns begleiten."

„Er spielt nämlich großartig Klavier," flüsterte Neumann seiner Tochter zu.

„Ich habe den Heinrich vier Jahre nicht mehr gesehen," sagte Thilda. Schefer hatte ihre Worte verstanden.

„Das mag stimmen," nickte er. „Später war der Junge ja meist fort, auf der Bauschule."

„Ist aber ein recht großer Junge," lachte Johann Wikhrim breit. „Sehen wir ihn heute Abend noch?"

„Ganz beftimmi." versicherte Frau Schefer, während sie ein blüthenweißes Leintuch Über den Tisch breitete. „Er ist nur bei einem Freunde in der Nachbarschaft. — Wenn die Herrschaften jetzt Platz nehmen wollte», der Thee ist gleich fertig."

Während Neumann es sich wieder am Tisch bequem machte und der Buchhalter fich an seiner Seite »iederließ, rückte Thilda ihren Binsenstuhl, daß sie die Lichter des Weihnachtsbaumes vor Augen hatte. Einige waren schon ausgebrannt, andere lohten in de« letzten Zuckungen knisternd und züngelnd empor. Den Schein der Kerzchen überwog schon das stille Leuchten der Kuppel­lampe, die in der Mitte des Tisches, auf einem aus bunter grober Wolle gehäkelten Schutzteller stand.

Es war auf einmal ganz ruhig im Zimmer geworden. Johan» Wilhelm blickte nachdenklich