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"Ä.’X.XS'' mit Ilnterhaktungs-Meilage „Mustrirle Sonntags-Zeitung"
M 12.
JuLöcr, Donnerstag, den 16. Januar 1902.
G Deutschland und England.
Die englische Presse hat nach der ersten Rede des Reichskanzlers Grafen Bülow im Reichstage eine» Lärm angefangen, als ob dem ganze» England eine Herausforderung sondergleichen zu Theil geworden wäre. DaS Meisterstück darin liefert« der.Standard', das leitende Blatt der konservativen Partei, daS sich bis zu der Tollheit ver- stieg, Graf Bülow sollte Abbitte leiste» für seine Lemerkunge» über Herrn Chamberlain. Der Lärm hat dann »och einmal angefangen auS Anlaß der letzten Rede Chamberlain'S in Birmingham, in der er daS große Wort sich geleistet hat, eS könne einem anderen Heere gar keine größere Ehre widerfahren, als die, mit dem bttttschen Heere verglichen zu werden. DaS war geschickt der englischen Großsprechersucht augepaßt, und die Blätter je»seits des Aermelkanals haben sich wiederum außerordentlich an dieser weitern Rede aufgeregt. We»n man diese englische» Manieren nicht bester kenne» gelernt hätte, müßte man wirklich glauben, es stecke etwas hinter diese» aufgeblasenen Redensarten. Aber die englischen Zeitungen haben eS von jeher so ^gemacht, bei jedem auch dem allergeringsten Anlässe; und man würde auf bedenkliche Irrwege gerathen, wollte man die eigene Politik auch nur in einem Tüpfelchen über dem i dadurch beeinflusten lasten. Schall und Rauch — nichts als Schall und Rauch!
Dennoch hat auch ei» Theil der deutschen Preste diese Londoner Großthuereien ernsthaft genomme» und allerhand Betrachtungen angestellt über das gestörte Verhältntß zwischen Berit» und London. Die offiziöse ,Nordd. Allgem. Ztg.' hatte festgestellt, daß der britische Thronfolger i» Berlin zu des Kaisers Geburtstag einen Besuch machen werde, nicht auf wiederholte Einladung der Kaisers, sonder» au- eigener und des Königs von England Entschließung, und auch diese Notiz muß herhalten zu allerhand düsteren Betrachtungen. Aber man hat dabet gar nicht darauf geachtet, daß auch diese Notiz nichts weiter war, als die Korrektur eines der vielen britischen Prahlereien. Ei» konservatives Londoner Blatt hatte behauptet, der Kaiser habe wiederholt und in ganz besonders dringlicher Weise um den Besuch des Königs gebeten, und dieser entsende nun gnädigst wenigstens seinen Sohn als seine« Stellvertreter nach Berlin; und daß eine so falsche Darstellung der Thatsachen berichtigt wurde, berichtigt werden mußte, versteht fich von selbst. Irgend ein guter Grund, daraus auf die Zerstörung der allgemein politischen Beziehungen zwischen Deutschland und England zu schließen, liegt nicht vor. Und außerdem widerspricht solchen Voraussitzungen die fernere. Thatsache, daß Kaiser Wilhelm de» Vize-Admiral Freiherrn v. Senden- Bibran mit einem Handschreiben an den König von England gesandt hat, der den Admiral am Dienstag empfing. Das steht nicht nach Feindschaft und Zerstörung der hergebrachten Beziehungen zwischen Deutschland und England aus; that- sächlich hat auch unmittelbar nach der Ankunft des deutsche» Admirals in London ein Theil der Regierungs-Preffe einen ganz andern Ton ange-
Der Spekulant.
Original-Roman von HanS Dahlen.
11). -------(Nachdruck verboten)
Neumann freute das offene, arglose Wesen der einfachen Leute und zeigte viel ungezwurgene Liebenswürdigkeit. Er fühlte sich garz behaglich. Hierzu trug »och bei, daß er fich gern in seinem Kontor aufhielt, daS er für solche Maffenbesuche stet- zu benutzen pflegte. In diesem großen, kahlen Raume mit den breiten Pulten, den steiflehnigen Stühlen, den Aktengestellen au den hell- gestrichene« Wänden, di« fast gänzlich mit Fahr, plänen, Zeichnungen und Pyorographien bedeckt waren, hatte er lange Jahre in angestrengter Thätigkeit zugebracht, den größten Theil seines Lebens und seiner Lebenskraft verzehrt; der nüchterne Raum war ihm eine Art Hetligthum geworden. Johann Wilhelm ließ seine Blicke langsam biS in die entfernteste» Theil« des Kontors gehe», währe»d ihm Bauer Kleine- Pothmann breite» Bericht über den Stand der Wintersaaten machte. Jetzt wurden die Auge» des Spekulanten wieder regungslos, fast starr, und blieben minutenlang auf einen Punkt geheftet; auf die schmale Thür, die zu seinem Sprechzimmer führte, darin er Angelegenheiten privater Natur abwickelte. Die matten Glasscheiben, welche die oberen Thürfüllungrn ersetzen, strömten ei» mildes gedämpftes Licht aus, da das Zimmerchen Heller, wie daS Kontor war. Es lag »ach Süden und hatte zwei große Fenster, an denen er kein, Vorhänge litt. Ihm war es, als ob hinter der Thür mit den Glas
schlagen. Die,Times' hat darauf aufmerksam gemacht, daß derselbe Freiherr v. Senden-Bibran einmal der Ueberbringer eine- solchen Briefes war, nämlich im Jahre 1896 an die Königin Viktoria, kurz »ach dem bekannten Telegramm des Kaisers a» den Transvaal-Präsidenten Krüger, und dir konservative .Morning«Post', die dem englische» Minister-Präsidenten Lord Salisbury nahesteht, versichert, daß „in Großbritannien voll- st ändige Bereitwilligkeit herrsche, vollkommene Herzlichkeit in dem Verhältnisse der stammverwandte» deutsche» Nation auftecht zu erhalten, deren große Eigenschaften in England voll anerkannt würde» und deren Herrscher ein Neffe des brttischen Königs und willkommener Gast der britischen Inseln sei 2c.“
Es geht daraus hervor, daß das Wüthen gegen Deutschland der besondere Geschmack der- jenigen englische« Zeitungen ist, die im Fahr- wasser des Herrn Chamberlai» segel« und diesem persönlich ergeben sind, daß andere Blätter aber ganz andere Anfichte« von der Sache haben. Schließlich ist ja die Lage des britischen König- reiches gegenwärtig so wenig glanzvoll und so sehr das Gegenthetl von großartig, daß alle Engländer von nur einigermaßen klarem Kopfe und ruhiger Denkweise daS ganz deutliche Gefühl haben müffen von der unsagbaren Lächerlichkeit und Hohlheit der großspurigen Redensarten der Herren Chamberlain und seines besonderen Anhanges. Die „glänzende Vereinzelung, — die „splendid Isolation* — die Herr Chamberlain auch diesmal wieder hrrvorgeholt hat, um seine Birminghamer Rede damit auSzuputzen, verfängt gerade jetzt ganz und gar nicht. Die Vernunft und der Zwang der Verhältnisse mahnen vielmehr daS stolze Albion sehr eindringlich zur Be- scheidenheit, und darum braucht man auch nicht eine einzige Minute lang Besorgniß in dem Sinne zu hegen, als könne die Abwehrder Unverschämtheiten eines Chamberlain uns irgend welche Unbequemlichkeiten verursachen. Die Rede der Reichskanzlers, wenn fie auch verspältt kam, hat vielmehr ihre gute Wirkung in Eiland ge than; und man muß in England, ob man nun will oder nicht, die Richtigkeit der Bülow'sche» Worte anerkennen, daß es int eigene« Vortheil liegt, Deutschland zum Freunde zu Haden.
DaS ist die belle Gewähr für gute Beziehungen zwischen hüben und drüben!
Deutsches Deich.
Berlin, 15. Januar.
G ^rt*a Aeüerich vo« Kr-rche» wird am 15. Februar mit dem Lloyddampfer „Kronprinz Wilhelm" nach Amerika abreisen. Vor der Landung wird er an Bord der Kaiseryacht „Hohen- zollern" gehen, die ihn unterwegs erwarten soll.
• Die deutsche AntiDneTLig« ist nunmehr gebildet. Die entscheidenden Beschlüsse find am letzten Dienstag in Kassel gefaßt worden. Der Vorsitzende de« Bundes ist Fürst Karl zu Löwenstein, fein Vertreter der Graf Erbach- Fürstenau. Schriftführer ist Frhr. vonBönigk- Halberstadt und dessen Stellvertreter von Rüts- Halberstadt
fenstern ein Schreckliches, Ungeheueres stünde und im Begriffe wäre, die Thür zu öffnen. Eine Beklemmung legte sich schwer auf seine Brust, die ihm fast den Äthern raubte. Daun schüttelte er die breiten Schulter», als wollte er eine verhaßte Last abwerfen. Welche Thorheit, daß ihn dergleichen wache Träume roch schreckten! Ja, gewiß, in jenem Zimmerchen war er zum Verbrecher geworden.
Und vom Roggen find sogar strichweise die Spitzes erfroren," sagte Kleine.Pothmann und trank seinen Kognak aus.
Wieder ertönte die elektrische Klingel; die HauSthür blies keinen Augenblick im Schloß. Lachend und lärmend trat eine andere Gruppe ins Ron ter, der Dachpappenlieferant in Begleitung eines Häusermaklers und zweier Agenten. Wieder dieselbe Begrüßung, dieselben Redensarten — Johann Wilhelm begann sich zu langweilen. Zudem ärgerte er fich darüber, daß ihm soeben die Glasthür so unbehagliche Empfindungen bereitet hatte. Er hatte sich jetzt so gesetzt, daß er ihr den Rücken zuwandte; aber seine gute Stimmung kehlte nicht wieder.
Endlich, endlich waren die letzten fort; Neumann stand auf und öffnete ein Kontorfenster, durch das der Cigarrendunst in langen Schwaden in die kalte Winterluft hinausströmte.
Da kam noch einer. Johann Wilhelm runzelte die Stirn, aber fein Zorn wich dem El staunen. Der da zögernd einttat und verlegen am Ausgang stehen blieb, war der von ihm gestern Abend so überreich beschenkte Arbeiter. Also hatte seine Wohlthat Dankbarkeit §er cor gerufen! Der Spekulant war dergleichen nicht gewöhnt
x Anzeigepflicht für katholische Pfarrämter. Im Reichstage war in diesen Tagen mehrfach van Normann - Schumann die Rede. Von dem Manne ist ftüher viel die Rede gewesen, namentlich auch zu der Zeit der Leckert-Lützow- und Tausch-Prozeffe. Er stand im Dienste der politischen Polizei. DieseDienst- leistunge» gereichen indeffen weder ihm, noch der Polizei zum Ruhme; aber jedenfalls war er einer der gerissensten Spitzel — oder ist er es etwa noch? Ein Redner im Reichstage be- hauptete, der Mann sei in letzter Zeit wieder viel in Berlin gesehen worden. Dieser Herr Normann-Scbumannversendetunterseinen richtigen Namen Schumann als „Rentier in Luzern" ein Flugblatt an die Zeitungsredaktionen, in dem er hauptsächlich gegen den Abgeordneten Bebel fich richtet und gegen dessen Behauptung, Schumann habe eine Fabrik von Hunnenbriefen bettieben. Dem Manne steht dergleichen gar nicht unähnlich; aber das intereffirt uns hier nicht. In seinem Flugblatte rühmt er sich unter Anderem, er habe während seiner polizeilichen Thätigkeit „nur mit Bearbeitung hofpolitischer Personalien (?), mit Ordens- und Exequatur- Verleihungen" zu thun gehabt (was natürlich nicht wahr »st! Red.), und „die Zahl der katholischen Geistliche», die auf Grund seiner stets wohlwollenden Rapporte Pfarrämter erhielten," fei „fast ebenso groß wie diejenige der Herrschaften, die feinen Berichten bunte Bändchen verdanken." Man kann es kaum glauben, daß die Behandlung der Anzeigepflicht solchen Händen anvertraut war, und die Regierung sollte bei der allernächsten Gelegenheit im Parlamente genaue Auskunft darüber gebe», wie es damit bestellt ist oder war. Ist die Angabe des Schumann über diese feine Thätigkeit richtig, dann bedeutet fie eine schmachvolle Kränkung für die gesammte Geistlichkeit und ein grelles Schlaglicht auf die unwürdige Behandlung dieser ganzen Anzeigepflicht. J-ber Man» von anständiger Gesinnung, ob nun Katholik oder Protestant oder Jude, muß faiien, daß die Behandlung einer solchen Angelegt heil solchen Händen nicht an- vertraut werden darf.
* M«» i« der preußische« Thronrede vermißt wird. Einzelne Blätter geben ihrem Bedauern Ausdruck, daß diese und jene Vorlage, die ihnen von ihrem Parteistandpunkte aus wichtig erscheint, und die sie für die eben begonnene Landtagssesfion erwartet hatten, in der Thronrede weder angekündigt worden sei, noch überhaupt Erwähnung gefunden habe. Es handelt sich dabei säst ausschließlich um wirthschaftliche Fragen. Wenn einmal dieses Kapitel angeschnitten wird, erscheint es uns — so schreibt die ,Deutschr ReichSztg.' — doch angezeigt, daß auch wir unserm Befremden über eine bedauerliche Lücke in der Thronrede Ausdruck geben, eine Lücke, die schon seit Jahren beklagt wird. Und fie betrifft nicht etwa bloS wirthschasttiche. materielle Fragen, sondern weit höhere Güter, gegenüber denen die erstem weit zurückstehen müffen. I« den achtziger Jahren wurde durch die Aufhebung bezw. Revifion einiger der schlimm -
er hatte viel bittere Erfahrungen über diesen Puntt gesammelt. Die dankbare Gesinnung des Armen rührte ih», und er kam ihm freundlicher entgegen als manchem der früheren Besucher, gab ihm Cigarren und füllte sein GlaS. Der Arbeiter stolzverlegen über die freundliche Hrrab- laffung dis Million ä.'S, der den Menschen in ihm achtete, trotzdem er ein armer Tagelöhner war, entfernte sich bald, hochroth vor Freude, das Herz erfüllt vom Dm k gegen den Reichen, der seine Selbstachtung und fein Selbstvertrauen gestärkt hatte.
Nunmehr begab fich Neumann unverzüglich in die Wohmäume. Frau Marie und sein Sohn beendeten in Hast ihr Frühstück, um nicht allzuspät is die Haldzwölfuhrmeff« zu kon.mr». Eine knapp-, frostige Begrüßung, ein flüchtiger Dank für Johann Wilhelms Wünsche zum Weihnachts feste; dann begann der Tadel üoer den nächtlichen Mettenbesuch in Gesellschaft einer halbkindische« Magd. Die Mutter grollte und redete in einem fort, der Soh-i begleitete ihre Worte mit höhnischem Lächeln. Neumann sah die beiden scharf an und verbat sich jede weitere Bemerkung. Gegen eine solche Unser- nunft anzukämpfen war zwecklos, wie er aus Erfahrung wußte. Er athmete erleichtert auf, als fie fich entfernt hatten und setzte fich rauchend in seinen Polstersessel, ein Tischchen mit illu- strirten Zeitschriften j mit der Rechten herbei- ziehend. Helles Schneelicht und bleicher Wintersonnenschein drang durch die hohe» Fenster, lieber den schweigenden Wipfeln des. Stadtwaldes blaute der Himmel in fast sommerlicher Tiefe. DaS behaglich durchwärmte Gemach
29. Jahrgang.
ften kirchenfeindlichen preußische» Gesetze der „Zugang zum Frieden", wie der hl. Vater ausdrücklich diese Milderung nannte, angebahnt, und die damalige preußische Regierung unter dem Ministerpräsidium des Fürsten Bismarck gab ihre Geneigtheit zu erkennen, die begonnene Revision im Wege späterer Verhandlungen mit dem hl. Stuhle fortzusetzen. Das Centtum erinnerte jedes Jahr bei der Beraihung des Kultus- etats an diese Fortsetzung und forderte fie um so nachdrücklicher, als sich unter den noch bestehende» Resten der Kulturkampfgesetze solche befinde», die für u»S Katholiken mit jedem Jahre unerträglicher werden, weil fie die edelsten Glieder der Kirche einer unwürdigen, um nicht zu sagen chikanöse» Behandlung unterwerfen — wir erinnern nur an das Ordensgesetz i» seiner heute bestehenden Faffung. Aber alle Beschwerden und Forderungen des Centrums hinsichtlich dieses unerträglichen Zustandes verhalle» am Ministertisch ungehört. Der ftühere und der jetzige Kultusminister haben auf alle Klagen biS jetzt die stereotype Antwort gehabt: Die Regierung betrachtet die Revifion der Achtziger Jahre als den Abschluß des Friedens, nicht als den Zugang zu demselben und wird ihrersettS keine weiteren Schritte in dieser Richtung thun. Ma» hat lediglich „die Waffen auf dem Fechtboden niedergelegt", um fie, wenn man es für angezeigt erachtet, wieder aufzunehmen. De» Rathschlägen kultnrkämpferischer Beamten wird mehr Werth beigelegt, als dem berechtigten Verlangen von Millionen Katholiken, das die Regierung vollständig kalt läßt. Weßhalb auch auf die Katholiken besondere Rücksicht nehmen! Ihrer ist man sicher; sie machen keine Revolution und verweigern keine Steuern, und außerdem ist im Abgeordnetenhause daS Centtum nicht ausschlaggebende Partei, die man bei guter Laune erhalten müßte. Dazu kommt dann noch daS a» einer sehr maßgebenden Stelle gefallene bezeichnende Wort: „Sie bewilligen ja doch!" — auch wenn man ihre berechtigten Forderungen abweist I Und so wird weder das unerhörteste aller Ausnahmegesetze, das Jesuitengesetz, aufgehoben, noch di« drückende kirchenpolttische Lage der preußischen Katholiken irgendwie erleichtert. So geht es Jahr für Jahr fort, und so enthält auch die neuesie Thronrede keinerlei Andeutung, daß endlich auch den Katholiken gegenüber volle Gerechtigkeit geübt werde. Soll «8 wirklich dauernd so weiter gehen? Das Centrum im Abgeordnetenhause, daS als Minorität von keiner Seite Unterstützung erhält, ist außer Stande, dir Regierung zur Uebung dieser Gerechtigkeit zu bringen — der Hebel muß an einer andern Seite, im Reiche, ange« setzt werden. Nur hier kann es erfolgreich geschehen; und es dürste hoch an der Zeit fein, es endlich kräftig und mit Nachdruck zu thun, sonst werden wir zum Gespötte der übrigen Parteien.
+ Hine laubwirlhschastliche A-chschnl- soll angeblich in Bromberg errichtet werden. Da« würde eine Rückkehr zu einer Methode bedeuten, die man als vollkommen abgethan anzusehen fich gewöhnt hatte. Man glaubte, land- «irthschaftliche Hochschulen sollten nur in Ver-
erfüllten Blumendüfte und die aromatischen Ausdünstungen großer Blattpflanze», da der Wintergarten zum Zimmer hin weit geöffnet war. Im Bauer am Fenster schmetterte der Kanarienvogel fein munteres Liedchen und schauk lie schier Übermüthig in seinem Ringe.
Wohlthuend empfand Johann Wilhelm die ttaullche Behaglichkeit, welche ihn umgab. Längst schon waren die bebilderten Blätter feiner Hand int,unten, während feine Blicke den krausen, langsam empo: grillenden Rauchwölkchen feiner Cigarre folgten. Und ein leises GlÜcksgefÜhl durchzog wie ein weicher Akkord überirdischer Harmonie» sein Herz; er lehnte fich zurück und schloß die Augen bei der beseligenden Empfindung, die ihn erfüllte — einen Augen« blick nur, und er zuckte zusammen wie von einem Peitschenhieb getroffen; er war sich wieder der nackten, erbarmungslosen Wirklichkeit bewußt geworden, der grausamen Wirklichkeit mit Verdruß und Sorgen, mit Sünde und Schuld.
Lange Zeit saß cr schwerathmend still, bis er fühlte, daß sich hinter ihm die Luft bewegte. Er wollte den Kopf wenden, aber es war schon zu spät; zwei weichbelederte Händchen legten fich auf feine Auge«, und eine helle jugendliche Stimme rief neckisch: „Wer ist's?"
„Thilschen, mein Thildchen," jauchzte Jo- rharn Wilhelm ans, „das nenne ich eine Hebe- raschung!"
Sie richtete ihr zierliches fast überschlankeS Figürchen, vor be« Vater tretend, straff empor und lachte ihn an.