Einzelbild herunterladen
 

KuldaerMZeitung

Inserat»; Di» einspaltige Detit« »eile oder bett» RaumlSPfa.,R» Hamen die Petit­zeile 26 Pfg.; be* SBiebetholrrgm wiAwffir-»** Jtabait

mit Anterhattungs-AnlageIssussrirte Sonnlags-Ieilung!'

M 11. Juköa, Mttwoch, bett 15. Januar 1902.29. Jahrgang.

G Die Polendebatte im preußischen Abgeordnetenhause.

Will man mit einem kurzen Worte daS Er- grbniß der Polenschlacht im preußischen Abge­ordnetenhause zusammenfaffeu, so muß man sage«, daß der Sieg nicht auf der Seite der Polen ist. Es ist ganz unzweifelhaft richtig und braucht gat nicht als ver Standpunkt eines CentrumS- blatteS hervorgehoben zu werde«, daß an der Art und Weise der Polenbehandlung durch die Re­gierung sehr viel auSzusetzen ist. Daß eS sich nicht empfiehlt, polnischen Kinder« deutschen ReligionS- unterricht aufzuzwingen, sage« nicht nur Centrums- leute. In dieser Anficht hat daS Centrum Ge- finnungSgenoffe« bei den Konservativen und bei protestantischen Theologen, die die Verhättniffe im preußischen Oste« und die Polen auS eigener A«schauung und Erfahrung sehr genau kennen; zum Beweise dessen braucht man nur die Namen deS TheologieprofrssorS Paulsen und des Pastors Rade zu «e«xeu, und genau dieselbe Anschauung ist auch von dem bekannte» frei«, konservative« Politiker Professor HanS Del­brück in seinen Preußische» Jahrbücher« ver­fochten worden.

Reichskanzler Graf Bülow hat zwar ge­sagt, die Polenkinder müßten die deutsche Sprache erlernen; denn fie müßten fich hineinfinden in unsere Einrichtungen deS Staates und deS öffent­liche« Verkehrs, und daS könnte» fie nur mit Hilfe der deutsche» Sprache. DaS ist nun ganz gewiß unanfechtbar. Aber damit wird doch nichts weniger als bewiese», daß gerade der Religions­unterricht die geeignete Gelegenheit dazu sei, den Polenkinder» die Kenutniß der deutschen Sprache beizubringen. Gelegenheit dazu gibt es in hin­reichendem Maße in dem übrige» Unterrichte, so daß unbeschadet der Erlernung der deutschen Sprache der Religionsunterricht den polnischen Kindern getrost in polnischer Sprache erlhetlt werden könnte. Und daß die preußische An- fiedelungSpolitik bisher Fiasko gemacht hat, ist eine ganz allgemein bekannte Thatsache, die als richtig beobachtet sogar schon von Blätter« und solchen Politikern anerkannt morde« ist, die sehr stark vom HakatiSmuS angekränkelt find. Diese AnfiedelungSpolitik hat ganz augenscheinlich de« polnischen Bestrebungen Vorschub geleistet, und eS ist nicht recht einzusehen, wie dieselbe Politik nur mit noch reichlicheren Geldmittel« betrieben, fortan im entgegengesetzten Sinne dem Deutsch- thum gegen das vorliegende Polenthum Vorschub leiste» soll.

Und daß die polnische Bevölkerung und das Polenthum während der neuesten Zeit den Deutschen in sehr ausgesprochener Weise den Rang abgelaufen haben, steht unzweifelhaft fest. Die Ziffern, die Graf Bülow darüber aus den Berichten der Oöerpräfidenten von Pose» und Westpreußen anführte, beweisen daS klar und deutlich. Einige davon mögen noch nachträglich

Der Spekulant.

Original-Roman von HanS Dahlen.

10) - (Nachdruck verboten )

Sie waren mittlerweile aufgestanden und lang­samen Schrittes der Thüre zugegangen. Das grellere Lichi und der lustige Lärm der Gesellschaft er­füllte sie mit Unbehagen; fie blieben noch zögernd unter der Thüre flehen, allein man hatte fie schon erblick: und kam von allen Seiten mit Vorwürfe« über daS lange Ausbleiben heran­gestürmt. Im nächsten Augenblicke war der Bürgermeister sowohl wie der Millionär im lärmende« Schwarm verschwunden. DaS Fest nahm seinen Fortgang; es wurde Kaffee servirt und man begann zu tanzen.

ES ging schon gegen Morgen, als Neumanu heimfuhr. Ihm gegenüber saß Frau Marie und drückte gähnend den Kopf in die Wagentiffm. HanS schnarchte in der anderen Ecke.

Reumann verspürte keinen Schlaf. Seine Ge­danken weilten «och bei dem Gespräch, das er mit dem Bürgermeister geführt hatte; er fühlte fich elend und lebensmüde.

Der Wagen hielt; fie waren daheim. Es dauerte «i» wenig, bis die HauSthüre geöffnet war, und Johann Wilhelm machte mittlerweile ei» paar Schritte über die Straße. Es hatte aufflehört zu schneien und der stärker werdende Frost ließ den Schnee unter seinen Füßen knirschen. I« wunderbarem Glanze funkelten die Sterne am tiefdmcklen Himmelsgewölbe.

Endlich öffnete Nina, die alte treue Dienerin, die schon in der Familie gewesen war, lange

angeführt werden nach dem Stenogramm der Rede des Kanzler-. Die Gesammtbenölkerung der Provinz Posen hat fich seit der Volks­zählung von 1890 bis zu der von 1900 um 7»/* v. H. vermehrt. Der Zuwachs der polni­schen Bevölkerung beläuft fich dabei auf rund IO1 * * 4 * * */» v. H., während die Zunahme der Deut- schen nm auf 38/< v. H. und »ach Abzug der durch die AnfiedelungSkommisfion herangezogenen deutschen Bauern sogar nur aus l8/< v. H. zu schätzen ist. Namentlich auch in den Bezirken, wo polnische und deutsche Landestheile an­einanderstoßen, hat der Prozentsatz der Polen erheblich sich vermehrt; es ist also festzustellen, daß auch ein Vordringen des Polenthums gegen Westen hin während des letzten Jahrzehnts stattgefunden hat. Nach dem Berichte des Oberprästdenten von Posen gingen in den vier Jahren von 1897 bis 1900 mit Einschluß der Erwerbungen der Anfiedelungskommission 1910 Grundstücke mit einem Flächeninhalte von 32 260 Hektaren aus deutschem in polnischen Be- fitz über, umflekehrt auS polnischem in deutschen Besitz aber nur 158 Grundstücke mit 16 263 Hektaren. Und ganz ähnlich liegen die Dinge in der Provinz Westpreußen; von einem armen unterdrückten Polenthum kann also nicht die Rede sei».

Der Eentrums-Redner Abg. Fritzen hat die Verhältntffe mit strengster und vollkommen un­parteiischer Sachlichkeit behandelt und dafür so­gar eine Anerkennung des Oberhakatisten von Tiedemann erhallen. Die Polen müffen sich einrichten «ach den herrschenden Verhältnisse», müffen friedlich neben de» Deutschen leben, müffen sich als loyale preußische Unterthanen betrachten und betragen, sonst werden fie noch weit üblere Erfahrungen machen müssen, als sie bis jetzt scho» gemacht haben. Nach einer Meldung deS,Berl. Tagebl/, die im Augenblicke nicht auf ihre Richtig­keit zu prüfe» ist, hat der Herr Erzbischof von St ab lew Ski die Geistlichkeit polnischer Zange sehr lebhaft größere Zurückhaltung empfohlen. Die Meldung klingt nicht unwahrscheir l,ch und würde die Lage der Dinge besser kennze-ynen, als dies ganze Bände geschriebener Worte td m können.

Die De«t;che« und vor allen die deutschen Katholiken wollen in Friede» und Ein: rächt mit den Polen in den Ostmarke« wohne« un) leben. Möchten nie mehr Mahnungen von Führern der EenttumS-Partei für die Polen nothwendig sein, auch chrerseitS so zu handeln, wie es zu einer solchen friedlichen und einträchtige« Nachbarschaft und Landesgemeinschaft erforderlich ist.

Deutsche» Weich.

Berlin, 14. Januar.

+ Deutschland vud Serke«. In Eng- land liebt ma« eS so darzustellen, als habe Deutschland politische Ziele am persische« Meer­busen im Auge. Der Borwand dazu wird von der Thatsache hergenommen, daß Reichskanzler Graf Bülow in seiner ersten Rede bei der ElatSberathung im Reichstage Persien als eines derjenigen Länder bezeichnete, die ge-e»wärtig wegen der Bestrebungen verschiedener Mächte

bevor Neumann die erste Million errungen hatte. Sie war im höchsten Staat; ihr schwarzes Seidenkleid knisterte und rauschte. Auf den welken Lippen schwebte» die letzte» Töne eines schlichte» Weihnachtsliedes.

Sßobin soll'-, Nina?" fragte Neumann freundlich.

Ei, in die heüige Christmette, gnädiger Herr. O, el ist immer so feierlich daS Herz geht einem auf."

Wo bleibst Du, Jean?" rief Frau Marie mit scharfer Stimme schon aus der Tiefe deS FlureS. Auch der junge Herr brummte einige Worte, die draußen unverständlich bliebe».

Schlaft gut," gab Johann Wilhelm zurück.

Ich gehe zur Mette."

Wie'- beliebt."

Wir gehe» zusammen. Nina." Freudezitternd wartete die gute Alte.Oder vielmehr ver August kann u»8 fahren," meinte Neumann.

Nein, nein, nicht doch!" bat Nina dagegen. Der August ist zu müde. Er hat ja die ganze Nacht beim Wagen warten müffen."

August fuhr beim Klang der Sttmmen aus seinem Halbschlummer empor und überschaute die Sachlage mit einem Blicke, mochte auch wohl die Worte Nina'S vernommen haben.

Wie, ich zu müde, Nina?" lachte er stolz. Du bist albern. Ich zu müde, um den gnädi­gen Herr« in die Christmette zu fahre»? So was lebt ja nicht" Er kletterte vom Kutscherbock und half beide» beim Gfefteigen; als er sich wieder auf seine» Sitz begab, wankte er vor Müdigkeit.

Allein sicht um alles in der Welt hätte der brave, gläubige Bursche das Vergnüge» ent-

vo» Jntereffe find; als ob der Kanzler damit habe sage» wolle», daß auch Deutschland zu diese» Mächten gehöre.Der Wettlauf »ach dem persischen Golf so schreibt ei» brittscher Militärschriftstkller tn der .Empire Review' zwifche» den drei Mächten England, Rußland und Deutschland wird in kurzer Zeit die spannendste Tagesftage auf dem Schachbrett der Weltpolllik bilden. Deutschland nimmt seinen Anlauf von Angora auS, der gegen- wärtigrn Endstation der Skutari-Äahn; Ruß­land von Dfchulfa in Armenien, oder von ASkabad, oder vo» beiden; und England von Quetta oder Karatschi . . ." Die Theilnahme Deutschlands an diesem angeblichen Wettlaufe beruht natürlich vollkommen auf der blühende? Phantasie deS guten englischen MajorS Yale, der dies schreibt. Aber er macht mit setnem Unsinn Schule, wie aus verschiedenen Zeitungs- äußerange» hrrvorgeht; und deswegen ist es nöthig, den irrigen Ausstreuungen entgege» zu treten. Andere als Handelsinteressen gibt es für Deutschland nicht in jenen Gebieten, wie ja schon häufig festgestellt worden ist.

+ Deutfchkaud «ob Tripolis. Die.Wiener Politische Korrespondenz' wird als diplomatisch- offiziös angesehen. Nichtsdestoweniger bringt sie häufig unrichtige Meldungen, namentlich über deutsche Politik; so erst kürzlich wieder die Mär, Deutschland habe feinen Einfluß geltend gemacht zu Gunsten der Erhaltung von Tripolis für die Türkei. In einer halbamtlichen Notiz schreiben im Gegensätze dazu die .Berliner Neuesten Nach­richten':Diese Verfion ist vollkommen aus der Lust gegriffen. Von deutscher Seite find keiner­lei Schritte solcher oder ähnlicher Art geschehen."

Ja» Arafidirrm des preußische«- Seordueleuhaufe» ist heute (Dienstag) vom Kaiser empfangen worden. Nach den vor­liegenden Berichten ist der Kaiser in sehr guter Stimmung gewesen und hat in der Unterhaltung mit den Herren volitische Gegenstände nicht berührt.

X Mo« Toleranz Anträge. Die Natio- nalliberale Kort eipsndenz, die häufig auch zu halb­amtlichen Verlambarungen benützt wird, schreibt:

In parlamentarischen Kreisen glaubt »an neuerdings annehmen zu müffen, daß ein Theil der deutschen Einzelstaaten nicht geneigt sei, mit den bereit» vorliegenden Beschlüssen der Kommission de» Reichstages, welche den Toleranz-Antrag der Crntrum» zu berathen hat, fich durchaus einverstanden zu erklären." Die hier beliebte Ausdrucksweise ist so unklar wie möglich. Namentlich da« am Schluffe noch eingeschobene Wörtchendurchaus" macht e« un­möglich zu »erstehen, wa« eigentlich gemeint ist: wie groß ist dieser angebliche Theil der Einzel­staaten, und welche von den Kommtssionrbeschlüssen solle» diesen Einzelstaaten angeblich unangenehm sein? Man muß daran denken, daß auch ole überwiegende Mehrheit der Parteigenossen der Nationalltb. Korrespondenz auf dem Boden dieser Beschlüsse steht, daß also das nationalliberale Partei-Organ gegen die eignen Freunde Front macht. Reichskanzler Graf Bülow hat am letzten Montag im preußischen Abgeordnetenhause die feierliche Erklärung abgegeben, daß er katho-

behre» möge», jetzt seinen Herrn zu fahren, der

ein Millionär war, d e Nacht in Gesellschaft durchwackt hatte und eS dennoch vorzog. die

heilige Christmette zu besuchen, anstatt sich in sein gemüthlicheS Schlafgemach zu begtbe». Und in schneller Fahrt lenkte er den Wagen durch die eingeschnelten Felder, die schlummern­den Häuserzeilen der Stadt-zu, wo gerade die Glocken begannen, die Gläubigen zur Mette zu rufen.

4.

Der Strom der festlichen Menge, welcher aus dem Hauptportal des Münsters sich ergoß, be­

gann spärlicher zu fließen und näherte sich seinem Ende. Mit den letzten Andächtigen gelangte Johan« Wilhelm auf den Kirchplatz. Da er den Kutscher vorhin gleich heimgeschickt hatte, mußte er j tzt den Rückweg zu Fuß zurücklegen. Er hüllte fich fester in seinen Petz und schritt wacker aus, so daß er die langsam Wandernden bald überholt hatte und fich allein in den bei der sehr frühen Stunde noch menschenleeren Straßen befand, wie er es liebte, wenn er sich abgespannt fühlte.

Die Straßenzeile, welche ihn seinem Heim zu« führte, zog fich in ziemlich östlicher Richtung. Man sah die Häuserreihe« links und rechts in schnurgerader Sucht fich verlaufe». Zwischen ihnen hindurch glänzten die ersten Strahlen d«S Frühroths und breiteten einen zarte« rosen­farbene« Hauch über de» Schnee, der allmählich so intensiv wurde, daß die im Schatten liegenden Schneeflächen blauschwarz wurde«.

Noch war es in den Häuser« nicht lebendig geworden; nur bei dem Krämer an der Ecke war daS Wohnstubenfenster neben dem kleinen Laden

isch und protestantisch mit gleichem Maße messen will. Nach dieser feierlichen Erklärung haben wir das Vertrauen zu ihm, daß er i« Bundesrathe feine« Einfluß aufbteten werbe in dem Sinne der Parität zwischen Katholiken und Protestanten und der Durchführung der ausgleichenden Gerechtigkeit. Soll der Schandfleck religiöser Unduldsamkeit bei uns in Deutschland auch «och das zwanzigste Jahr­hundert besudeln? Daß die von einigen Zeitungen verbrettete Nachricht, da« Centrum verzichte auf die weitere Berathung de« Toleranzantrages in dieser Tagung des Reichstage», vollkommen un­richtig ist, versteht sich ganz von selbst. Da» Centrum denkt gar nicht daran. Im Gegentheii ist zu hoffen, daß dieser Centrümr-Antrag sehr bald den Reichstag wieder beschäftigen werde.

* Mie s gemacht wird. SS mehre» sich die Fälle, daß seitens routinirter Geschäftsleute versucht wird, unsittliche Schrifte« und Gegenstände unter dem Volke zu verbretten. Eine Verlagsbuchhandlung Sumpel, Ber­lin NO., Weinfiraße 2, bietet in Provrnzblatter« 50 neue praktische Bücher nebst zugehörigem Bücherschrank aus Holzpappe sür «ur 3.50 Mk. an. Die 50 Büchlein sind nach de« Titeln zu urtheilen, ganz harmlos, wahrscheinlich aber auch ohne besondere» Werth. Verständlich wird die billige Offerte aber erst, wenn man auf der Rückseite deS Cirkulars eine Menge der un- saubersten und unfläthigsten Schriften angezeigt findet, deren Titel wir nicht einmal nennen können. Die 50 Bücher für 3,60 Mark find nichts weiter, als Lock-Artikel, um die viel theurere», schmutzige« Broschüre» und Romane anzupreisen und loS zu werde». Diese Vor- gänge beweisen, wie dringend nothwendig die Seelsorger namentlich in den kleineren Städte« und auf dem Lande Umschau halte« müsse», daß die ihnen anvertraute» Seelen nicht durch derartige, das Gift der Unfittlichkeit in die weiteste» Volkskreise tragende Bücher, Zeitunge» und sonstige Schriftwerke Schaden leiden.

h Kutschädignug für m»l<Y«ldig- A-r- üaftung. Da- Thema vo» der Entschädigung für unschuldig erlitt-ne Haft wird demnächst wieder einmalim preußischen Abgeordnetenhause besprochen werden. Durch Verwechselung zweier Personen mit einander ist in Elberfeld der Kaufmann G. Kuhlenkamp ohne jegliche Verschuldung verhaftet worden; nun haben die Nationallibe­rale» im Abgeordnetenhause eine Jnlerpellation eingebracht, die folgende Anfrage enthält:Welche Maßnahmen gedenkt die Staats! egierung. . . zu treffen, um dem unschuldig Verhafteten Ge- nugthuung für die erlittene Unbill zu verschaf­fen und imJntereffe der allgemeinen Rechtssicher­heit ähnliche Vorfälle für die Zukunft möglichst zu verhüten?"

X Ki«en Gradmesser für die la«d- rvirthschaftliche Lage bilden die Erträge der verpachteten Staatsgüter. Die Erträge find in allen deutschen Bundes staate» während der letzten Jahre ständig zurückgegangen, und dieselbe traurige Erscheinung kann man wiederum beobachte« an dem Stande der Domänenver- Pachtungen in Preußen während de- Jahres 1901; die Minderung des Pachterlöses auS de« Staatsgüter« beträgt betn^^TOMO^^^ «hellt. Durch die unoerhüüten Scheiben schim­merten die Kerzen eines Weihnachtsbaumes; klar drangen die schrillen dünne» Stimmchen der Kinder durch die Morgenstille, die drinnen den Baum umstanden. Sie sangen daS Lied, das auch vorhin in der Kirche gesungen worden war: Wir trostreich ist unS AdamSündern Der Tag, der unS daS Heil gebracht, Der auS verlafi'nen armen Sündern Zu Kindern Lotte» uns gemacht!

Wir lagen in den schwersten Ketten, In alter Sünden Sklaverei: Und Gottes Sohn kommt, unS zu retten, Und macht Ilps alle wieder frei."

Auch jetzt wieder empfand Johann Wilhelm den Widerspruch zwischen den zuversichtlichen freudige» Worten des schlichte» Liede» und seinem Seelenzustande. Auch für ihn war da» Heil bereitet, aber er konnte es nicht ergreifen, da hn noch die schweren Kette» alter Sünde» gefesselt hielte». E» fehlte ihm eben Wille und Kraft, jene schmählichen Bande» zu sprengen, und hiermit war er in seinen Gedanken wieder so weit wie bei d-m letzten erregten Gespräch mit dem Bürgermeister. Johann Wilhelm lachte bitter auf. Was half alle- Grübeln, alle« Kopfzermarter«, alle Seelenpein! Wie innig hatte er soeben noch im Münster beten könne»! Er hatte sogar sein Leid vergessen, daS ihm nun­mehr wieder im Herzen wühlte. Nein, er wollte nur «och zu vergessen suchen und «eiter sei« Leben im gleichen Gang verschleißen. De» gleichen Rath würde er auch bei der nächste» Gelegenheit dem Bürgermeister geben. Er nickte wie zur Bekräftigung seines Vorsatzes energisch vor sich hi«.