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29. Jahrgang

Iuköa, Montag, den 13. Januar 1902

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Finanzsrage sich verwahrt. Eie ist damit wieder begraben für längere Zeit! Sonst ist auch in diesen Fragen alles beim alten geblieben: Die Rechte und dir Nationalliberalen halten zu der Miquel'ichen Retchsfiaanzreform, d. h. also voll, kommene Scheidung der Reichsfinanzen von denen der einzelnen Bundesstaaten; das Centrum und die Parteien der Linken wollen davon nichts toiffen Thatsächlich würde eine solche reinliche Scheidung «ar nicht im Interesse der Bundes- floaten selbst liegen; denn durch die Ausführung einer solchen sogen. Reform würde ihr Einfluß im Bundesrathe nicht sich vermehren, sondern vermindert werden.

Das weitaus interessanteste Thema war das von England und Deutschland und von Herrn Chamberlaindem verruchtesten Buben aus Gottes Erdboden", wie der anti- semitische Abg Liebermann von Sonnen­berg sich ausdrückte. Der Ordnungsruf konnte nicht auLbleiben. Aber den wollte Liebermann gerade haben, um die weitere B?merkung an­knüpfen zu könne«: Den Ordnungsruf hab: ich wohl verdient; aber mir fehlt jeglicher parlamentarische Ausdruck, um den Mann, von dem die Rede ist, nach dem Sinne des deutschen Volkes zu krnn- züchnen. Und als dann Liebermann von dem britischen Heere in Südafrika als von einer Räuber« und Diebesbande sprach, et folgte auch kein Ordnungsruf des Präsidenten. Wie Herr Liebermann von Sonnenberg sich ausdrückte, war verzweifelt grobe Redeweise. Aber ob ihm deswegen in Deutschland viele Leute gram sein werden? Schwerlich. Es gibt Augenblicke im Leben der Völker, wo solche Grobheiten der Wahrheit entsprechen. Aber Jeder mag sich nicht dazu her­geben, den Bullenbeißer gegen Andere zu machen, und Andere können e« gar nicht. Reichskanzler Graf Bülow hat nach seinen V-rhältniffen den Tadel für Herrn Joseph Chamberlain am ersten Tage der EtatSberathung in hinreichend kräftige Form gekleidet; und nach jenen Knitlelhieben des antisemitischen Redner« konnte er nicht gut anders,

Chamberlain und nicht Allengland gemeint und nicht die Absicht gehabt habe, Angriff« dieser Art gegen England uab das englische Heer hervor zu-

ste ihre Abstriche an den Ausgaben machen wird, desto besser wird sie dem allgemeinen Jntrreffe dienen.

LU Die Etatsberathung im Reichstage.

nicht zu den Eltern, das war gewiß den Jungen hergebracht hatte? Ec würde rs gleich in Erfahrung zu bringen suchen.

In blendendem Lichte erstrahlte die Frnster- flucht der ersten Etage des Bürgermeisterhauses. Stimmengemurme! und Gläserklrnaen drang ge­dämpft hernieder. Eben erlosch eine lustige Lachsalve.

Em Arbeiter in dünner, zerriffener Bluse ballte im Vorbeigehen die Faust nach den er- leuchteten Fenstern. Johann Wilhelm, der ge­rade dem Wagen entstiegen war, winkte ihn zu sich unter das gläserne Vordach. Der Gerufene näherte sich zögernd und widerwillig.

Warum habt Ihr die Faust geballt?" fragte bet Millionär. Der andere lachte laut und schrill. Braucht nichts zu fürchten, ihr Reichen, ich thue euch nichts. Meint Ihr, ich wollte mich ein« sperren lassen? So dumm bitt ich nicht. Freilich, wenn ick' allein in der Welt stände aber nicht jetzt. Tann könnten die zu Hause gar-z verhungern.

So leise auch die letzten Worte gesprochen waren, Johann Wilhelm hatte sie ausgefangen und fragte:Ist Eure Familie in Noch?"

Haha, iit Noth? Am Verhungern sind wir allzumal, die Frau ist vor schwäche sterbenskrank. Vor Neujahr noch setzt uns bet Hauswtrth vor die Ttzür, wenn wir die Miethe nicht zahlen. Wovon zahlen? Hier von den paar Thalern. Die sind für den Arzt. Ja, schaut nur, das ist mein Wochrnlohn, Herr. Damit würdet Ihr, glaub' ick>,, des Abends wodl kaum ausgehen, was? Na, bleibt xe-und, viel Vergnügen!"

Bleibt!" befahl Johann Wilhelm,flennt Ihr mich?"

sich zumeist die ganze Debatte.

Uebrr China war aber auch nicht mehr -Viel zu sagen. Es genügt festzustellen, daß die weitaus überwiegende Mehrheit des Reichstages den China«Feldzug in übereinstimmender und recht kühler Weise beurtheilt: Wir können mit Getiugthuunq sagen, daß unsere Soldaten sich Ehre in China eingelegt haben; aber wir können auch froh sein, daß die Sache so schnell und verhältnißmäßig wohlfeil abgrthan .wurde.

Die Reichsfinanzen machen keinem Volksvertreter Freude. Aber die Volksvertreter selbst leugnen nicht, daß der Reichstag selbst in den Zeiten des Gebilde,flusses nicht immer im hinreichenden Maße aus Sparsamkeit gehalten hat. Es war nicht ohne Interesse, za beobachten, wie die Redner einer Partei entsprechende Bor-

Derrtsches Keichs

Berlin, 11. Januar.

h Der Kaiser seift nicht «ach K«gla«d. Die Meldung eines englischen Blatte«, der Kaiser werde innerhalb der nächsten fünf Monate zwei Mal England besuchen, wird halbamtlich al« nicht zutreffend bezeichnet. Weder an der Gedächinißftier für die Königin Viktoria, noch auch au den Krönmrgsfeierlichkeiten wird der Kaiser theilnehmen. Daß an einer Krönungsfeier fremde Souveräne nicht theilnehmen, entspricht einem hergebrachten völkerrechtlichen Brauche.

+ Die Aercherrmg de» Krrr» Avft. Aittze« soll sich, wie verlautet, auf den Ge« Heimrath W e n d e l st a d t im preußischen Handels« Ministerium b-zogen haben. Dieser toll Theil- Haber eines 22 Quadratmeiien großen Land­besitzes in Argentinien sein, den sein Bruder vor einiger Z-it erworben hat. Herr Pingen selbst erläutert in einer öffentlichen Erklärung seine Mittheilungen darüber mit folgenden Worten: . . . unter anderem habe ich darauf hingewiesrn, daß deutsches Kaptal große Strecken Landes in Argentinien fein eigen nenne und dort Landwirthschaft treibe. Interessenten dieses Kapitals säßen in allen Schichten der Gesellschaft bis in die Ministerien hinein. Man könne es diesen eigentlich gar nicht übel nehmen, wenn sie sich für die Erträgnisse ihrer Besitzungen in Ar- gentinien den Markt in Deutschland, das der beste Käufer der Welt sei, erhalten möchten." Die Ehre des Beamtenstandes hat Herr Pmgrn in keinerlei Weise verletzen wollen.

4- Die .Berliner Korrespondenz' schreibt: Um den Druck, der gegenwärtig auf dem land- wlrthschaftliche« Leben lastet, nach Kräften ent« g-grn zu wirken, veranlaßte der Minister der öffentlichen Arbeiten die Eiserbahndirektionen, die KauMttgkett der KiseuSahnver- thunlichst zu erhöhen. Viel­fach wiro der Baubeginn der bereitsteh enden Mittel dadurch hinaUsgeschoben, daß die landes- polizeiliche Prüfung oder das EntrignungS- vrrfahren nicht zeitig adgeschloffen werden könne«. Die Oberprästdenten und Regierungs­präsidenten wurden ersucht, mit allen Mitteln dabin zu wirke«, daß durch thunlichst schnelle Abwickelung derartiger Verhandlungen der Minister in seinen Bestrebungen überall unter- stützt wird. Auch wird in gleicher Absicht auf hie Städte und sonstigen Srlbstoerwaltungs- ^perschaften dahin einzuwirken sein, daß sie die mit der Effeubahnverwaltung zu führen­den Ve^ Handlungen über die Vorbedingungen der Bauausführungen thunlichst beschleu- ni g en.

X Die v Magr« Sleiverr! Die »Franks. Zig.' hat die Nachricht aufgebracht, daß die preußische Skaatsbahnverwaltung bis auf weiteres keine Prrsonenwazen mehr nach dem Durchgang- Syrern für v Züge bauen laste, sie habe sogar die für internationale neue Schnellzüge nöthigen

Die Verzögerung der ersten Lesung Etats hat augenscheinlich lhre Wirkung auf Gestaltung derselben nicht verfehlt. Es ging im Allgemeinen ruhig und geschäftsmäßig dabei zu, und die Zahl der politische« Fragen, die herangrzogen und besprochen wurden, ist keine allzu große gewesen: ChinaChamberlain ReichSfinanzreform, um dieses Dreigestirn drehte

Erscheint täglich, W. tfaSußtytnt bet T-m-uadF-ier. fc«. «iertehährl.

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mit ZlnIerHaltungs »BeilageIlluflrirte Sonnlags-Zeitung

rufen.

Graf Bülow hat mit seinen Worten auch seine Absicht vollkommen erreicht. Der Hieb hat ge­sessen, wie man heraurhören kann au« dem Tone, in dem die britischen Regierungsblätter antworten. Das leitende Blatt der englischen Konservativen, der.Standard', schimpft und tobt, wie es Herr Liebermann von Sonnenberg auch nicht besser machen könnte, und verfällt dann in eine un­glaublich alberne Prahlerei. Der ,Standard' ver­langt nämlich nicht« mehr und nichts weniger, als daß die deutsche Regierung schleunigst---

Abbitte leiste für die Ausführungen des Reichs­kanzler« gegen den Minister Chamberlain.

Der Zeitpunkt wird wohl aber nicht mebr fern fein, in dem die liebenswürdigen Herren in London werden einsehrn lernen, wie unsagbar lächerlich sie sich mit solchen politischen Hanswurstiaden in den Augen der Welt machen!

Nun beginnt sehr bald die Etats-Arbeit der Budgetkommrssion des Reichstages. Je kräftiger

Johann Wilhelm lachte bitter und ging schneller, wie von einem plötzlichen Entschlüsse beseelt; wenn seine Frau auch die Liebe zu ihrer Tochter verloren hatte, so fühlte er anders. Sein Vaterherz sollte zu Recht kommen. Ec begab sich zum Telegraphenamte und drpeschirte en Thilda:Ich sehne mich nach Dir. Komm mit dem nächsten Schnellzug!" Bann verließ er zu­frieden den kahlen schmutzige« Raum, auf dessen staubigen Dielen in dunklen Flecken das Gchmelz- wsssrr des Schnees stand, den die Eintretenden mit herein gebracht hatten. Morgen M ttag war er nicht mehr allein.

Es wurde Zeit, seinem Versprechen gemäß zum Bürgermeister in Gesellschaft zu gehen. Eine leere Droschke fuhr langsam des Weges. Er sprang hinein und ließ sich zuerst zur Villa fahren, um sein Schuhwerk zu wechseln.

Der junge Herr ist gekommen!" Jagte der Portier, als er die Thürr öffnete. Neumar« zeigte ungeheucheltes Erstaunen.Wirklich? Wann denn?"

Mtt dem Achtuhrz-rge. Ec ist sogleich zum Bürgermeister, zur Gnädige« "

Johann Wilhelm legte schnell die letzte Hand an seine Toilette. Er war aufgeregt; die Nach« richt war so unerwartet gekommen. Welche Ur­sache mochte Hans heimgetrieben haben? Geld konnte er in Leipzig auf der Lingenschen Privat­bank beheben, so viel er nöthig hatte. Er hatte ihm dort Kredit eröffnet, da ihm die ewigen Bettelbriefe nachgerade zum Ekel geworden waren und bei HauS keine Mahnung zu einer vrrnunft- gemäßeren Lebensweise mehr fruchtete. Ob viel­leicht eine R-gung von Liebe zur Hrimath

Haltungen den Reichstagsgenossen dieser oder jener andern Partei machten und von dieser dann mit gleicher Münze heimgezahlt wurden. Aber gerade aus diesem Hinüber und Herüber der Rede kann man einige Hoffnung schöpfen, daß diesmal wirklich bei allen Parteien der feste Vorsatz vorhanden sei, in den Ausgaben zu sparen, wo ks nur immer angeht. Leider aber hat es auch nicht an Rednern gefehlt, die schon von allem Anfänge an offen ihre Bereit- williJeit bekannten, dem Wunsche des Reichs- schatzamtes zu willfahren und eine neue ReichS- anleihe aufzunehmen zur Bestreitung laufender ____________________

Ausgabe«. So der nationalliberale Partei- als sich dagegen zu verwahren, daß er nur Herrn xefcner Bafserman«, obwohl er ohne " ' '

Weiteres dem Centrumsredner Dr. Bachem

recht geben mußte darin, daß eine solche An­leihe verfassungswidrig ist. Anleihen sollen nach der Bestimmung der Verfaffung nur ausge­nommen werden zur Deckung außergewöhnlicher Bedürfnisse; und gemeint ist damit auzen- scheinlich, daß laufende ordentliche Etatsausgaben nicht in Anleihen ihre Dickung finden sollen, sondern auf andere Art, nämlich durch die Matnkularbeiträgr der Eirzelstaate«. Aber den '-kleineren Bundesstaaten würde diese Last dies­mal zu schwer werden! antworten darauf die Anleihefanatiker; und wirklich steht es ja mit den Finanzen einzelner Bundesstaaten trost­los genug aus. Es wird, wie man sieht, nichts weniger als leicht fein, aus diesem Widerstreite einen glücklichen Ausweg zu finden. Der aller- unglücklichste Gedanke hat den Herrn Schatz­sekretär Freiherrn von Thielmann zum Voter: Eine Erhöhung der Tabak- und Biersteuer. Mit sonst seltener Urbrrein- stimmung haben die Redner aller Parteien kräftigst gegen diese Lösungsart der schwierigen IIum III........ II ............nnnIlli........ irni|F-|

5>er Spekulant.

8) Original-Roman von Hans Dahlen.

------ (Nachdruck verboten)

Alles vorüber. Alles vorbei! Frau Marie hätte längst die Brscheerung von Weihnachten auf den NevjrhrSiag verlegt, denn das schien ihr entschieden feiner, weil es französische Sitte war. Und seine Kinder was war aus dem guten, etwas schwerfälligen Hans geworden? Vor zwü Jahren zu Weihnachten hatte er ihm zam letzten Male einiae Geschenke gemacht, kost­bare Kleinigkeiten: Enen Ring, eine juchten- lederne Dokumentenmappe, eine Schreibgarnitur aus holländischer Bronze; der Junge aber hatte ihm ins Gesicht gelacht und gemeint, Bargeld wäre ihm lieber gewesen. * Pah, er war nicht wertb, daß sich fein Vater um ihn grämte.

Im Gchen stieß er an den ärmlichen Stand eines klemeu Mädchens, das erschreckt nach dm ins Rollen gerathene» Wollpuppen griff. Jehavn Wilhelm schaute auf; der trübe Schern der blakenden Oellampe beleuchtete ein blaffeS schmales Gesichtchen mit tiefdunklen Augen, das ängstlich auS einer großen schwarzen Kapuze blickte. Ec mußte unwillkürlich an Thilda denkeu. Ob sie sich jcht wohl nach der Heimath sehnte, nach ihm? Zu Neujahr würde sie für ein paar Tage in Ferien kommen: Warum nur kam sie nicht zu Weihnachten? Ec erinnerte sich: Frau Marie hatte es für überflüssig befunden: vor Weih­nachten wären die Züge überfüllt, sie wüßte ja auch, daß sie immer erst zu Neujahr beschenkt würde.

eiNsiPlttMiPWr- zeile qd« dtM- RaumlöMg.,Re­klamen ore Sßstk' geile 25 PfgT^Ae' Wiederhol-" flm wir»»«9s-i> tHaba.it

Personenwagen nach dem Abtheilsystem in Be­stellung gegeben. Nach einer halbamtlichen Mtt» theilung der ,Nordd. Bllgem. Ztg ' ist diese Nach- richt unzutreffend. Tine Verringerung dec Anzahl der v-ZSge ist nicht in Aussicht genommen, und so weit Ersatz und Vermehrung nothwendig wird, wrrren daher auch v-Zagwagen nach wie vor bestellt werben. Zur Zeit sind bei den Fabriken 47 neue v-Zugwagen in Arbeit, wöbet alle Einrichtungen angebracht werden, die sich nach den neuen Erfahrungen als zweckmäßig her- auSgestellt haben. So weit die .Norddeutsche', deren Berichtigung einen angenehmen Eindruck macht. Aber daß die bisherigen D - Wagen in der That recht viele Mängel und Fehler haben, weiß leider nur alle Welt. Nur das ist jeden- falls richtig, daß auch ein Abtheilwagen dem Ausspringen einer großen Schnellzugslokomottoe, wie es bei Altenbeken vor sich ging, keinen Wider- stand hätte leisten können. Er würde unter dieser Last ebenso zusammenbrechen, wie der v-Wagerr. Die neuen v-Wagen sollen Fenster erhalten, die tiefer herabreichen, als dies bei den jetzigen Fenstern der Fall ist, so daß es dem gefährdeten Reisenden möglich wird, den Wagen durch dar nächste Fenster zu verlassen. Der Seitengang im Innern des Wagens soll um reichlich zehn Centimeter verbreitert werden, so daß zwei Reisende mit Gepäckstücken bequem in dem Gange an einander vorbeigehen können. Die neuen Wagen erhalten außerdem getrennte Abort-Anlagen. Nach diesem Typus werden alle neuen v-Wagen hergestellt, und auch die vor» handenen v-Wagen sollen allmählich nach diesen Grundsätzen umgestaltet werden.

X Zolltarif «ttb HSstrvktio«. Der Ab- geordnete Bebel hat am Samstag im Reichstage von neuem angekündigt, daß er mit seinen Ge­nossen und sonstigen Freunden dem Zustandekom­men der Zollvorlagen allen nur möglichen Wider- stand entgegensetzen werde. Diese Obstruktion hat nun bereits ihren Anfang genommen. Der Zoll­tarif-Kommission sind bereits zu den ersten beiden Paragraphen des Zolltarif-Ge­setzes nicht weniger als sechs soziardemokrati- sche Anträge zugegangrn. Was für Anträge das sind, das möge man aus folgenden Beispielen ent* nehmen: Die Zölle auf Getreide, Butter, Fleisch, Häringe, Mühlen-Erzeugniffe, Eier rc. solle« auf. gehoben werden; die Erzeugnisse der deutschen Kolonien sollen zollfrei werden. Oder folgende« Antrag:Solange bei der Einfuhr von Getreide in das deutsche Zollgebiet Zölle erhoben werden, sind die Eigersthlimer eines landwirthschaftlichen Grundb.-sttzes mit mehr als 100 Hektar oerpflich- tet, an das Reich für jeden Hektar ihres Besitzes das Zehnfache des auf den Doppel-Crntner Weizen gelegten Zolles an dos deutsche Reich zu bezah- len. . . Man sieht, alles reiner Un- sinn und lediglich dazu bestimmt, die ar­beiten aufzuhalte» und Regierung und Reichstags-Mehrheit zu verhöhnen. Aber die Geschäftsordnung kam? das nicht verhindern, und wenn es die Herren Genossen nur annähernd so weiter treiben, dann ist in der That nicht daran zu denken, daß die Zolltarif-Kommission des Reichs- laqes vor Ostern ihrs Arbeiten beendigen könnte. Weitere Anträge der Sozialdemokraten, die in

Der Arbeiter trat einen Schritt näher.Der Millionen-Neumann," sagte er trotzig, fast weg- werfend.

Ja, der Millionen - Neumann," klang es zurück,der vielleicht nicht ungern mit Euch tauschen würde." Er zog die Brieftasche. Morgen ist Weihnachten, wie?

Das muß ein Reicher ja besser wisse« als ei» Armer," brummte der Arbeiter schon halb $m ^Wieviel seid Ihr a« Miethe schuldig?"

So an die vierzig Mark," antwortete der Arbeiter zurückkehrend in freundlicherem Tone, da er fühlte, daß ihm Theilnahmr entgegenge- brackt wurde.

Wäre Euch hiermit geholfen?"

Der Arme fah einen Hundertmarkschein vor Augen, ballte dir Fäuste und sprang vor, auf Neumann zu, besann sich und zischte zornbebend: Laßt Eure bösen Scherze. Ein nettes Millionärs- Vergnügen, mit einem Armen Spott zu treiben!"

Es war Ernst," sagte Neumann ruhig. Hier nehmt Euren Schein!"

Ein unartrkulirter Schrei entrang fick der Kehle deS so reich Beschenkten. Er warf sich in den Schnee, um die Füße seines Wohlthäiers zu umklammern. Allein Neumann, der dies vorausgesehen hatte, war frühzeitig zurückgewichen und befand fick schon im Vorflur des Bürger- meiflerhausks, wo ihm der Livrediener den Urberrock abnahm. Ein feines spöttisches Lache.n spielte in den glatten Zügen des Lakaien und besagte, daß er Zeuge deS vorhergegangenen Auftrittes geresen war. Johann Wilhelm ärgerte sich und stieg nach oben.} LMsZU »118- f-)

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