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29. Jahrgang
Iuköa, Samstag, den 11. Januar 1902.
Ungarns nach Palästina zu ziehe« und da.
Zahl der Katholiken 1 937 489 1914996 980000 900000 323044
150000 1047803
600000 102000 170000 410 2 6
gewaltsam ein Ende machen.
Herr Joseph Chamberlain, der rede«, lustige und beutelüsterne Kolonialminister England», hat wieder einmal Aussehen erregt — diesmal durch eine Rede in Birmingham. Herr Chamberlain hat sich damit eigentlich selbst übertroffen. Man findet selten bei einem Menschen eine so kräftige Portion drastischer Unverfrorenheit wieder, wie bei Herrn Chamberlain: und da» ist bei diesem um so in« tereffauer, al» er ja au» Rücksicht auf seine Minister«
Herr ist . . .
Gleichzeitig schreibt der ,Pester Lloyd', da» Organ der ungarischen Regierung, den galizischen Polen in'» Stammbuch, daß sie „eine kapitale Ungeschicklichkeit begangen haben, und zwar unter jedem Gesichtspunkte". Vielleicht gießen nun die heißblütigen Herren ein wenig Wasser in ihren Wein. Aber Wreschen wirbelt eben doch vielen Staub auf: Im italienischen Parlamente hat der Abgeordnete Lolin i eine Anfrage an den Minister des Aeußern eingebracht, ob dieser e» nicht für seine Pflicht halte, die preußische Regierung „zu einer weniger unmenfchlischen Behandlungsweise der unglücklichen polnischen Nation anzuhalten". Natürlich ist nun alle Welt äußerst neugierig darauf, ob Minister Prinetti antworten wird auf diese Frage, und waS, wenn er eS überhaupt thut.
Kürzlich hat der Papst eine Gruppe hervorragender französischer Katholiken empfangen und sich dabei über da« sranzö fische Ver ein»- g e f e tz ausgesprochen. Er hat erklärt, daß diese» Gesetz den schwersten Angriff gegen die Religion bildet, den man in Frankreich jemals gesehen hat. Nur ein guter Ausfall der nächsten Wahlen zur Abgeordnetenkammer könne Rettung aus den jetzigen Zuständen bringen.
Einen sehr wichtigen Beschluß hat der belgische Senat gefaßt: Danach sollen in Belgien alle Spielbänke ausgehoben werden, auch diejenigen in Spaa und Ostende — endlich! Natürlich geht dadurch den beiden genannten Badestädten eine große Einnahme verloren. Aber es war höchste, allerhöchste Zeit, daß nun endlich diesen Spielhöllen zu Leibe gegangen wurde — eine Schande für Belgien, daß fie so lange bestanden. In Ostende haben daraufhin die Spielpächter von selbst die Bude zugemacht. Angeblich soll der König dieAbficht haben, sein Veto gegen den SenatSbeschluß einzulegen. Hoffentlich aber siegt über diese Absicht der gute Rath aufrichtiger Rathgeber!
In Spanien gibt e» schon wieder Unruhen, und wiederum in dem ewig aufgeregten Barcelona. Arbeiteraurstände wurden angefacht, und nun bedienen sich allerhand andere Elemente derselben zu Straßentumulten. Wahrscheinlich wird bald wieder der Belagerungszustand den Unruhen
aus Gaben, letztwillig vermachten Legaten, au« । Schenkungen mit Zinsvorbehalt auf Lebenszeit, ' Ueberschuß von verloosteu Werthpapieren und ' Z.nsen de» Dotationsfond«, ferner au» dem Er- ' trag der Bonifatiusdruckerei und dem Ertrage de« Antiquariates, aus Meßstiftungen und einigen anderen Einnahmen.
Unter den Legaten finden wir die Summe von 91800 Mk. au« Frankfurt a. M. verzeichnet. Von den einzelnen Diözesan-Komitee« haben vereinnahmt: Köln 425992 Mk., Paderborn 208490 Mk., Münster 174963 Mk., Bre«lau 250450 Mk, Limburg 83755 Mk., Fulda 34159 Mk., Tier 30069 Mk., Culm 24796 Mk., Hilde«, hfim 19784 Mk., Osnabrück 13386 Mk , Erm- land 9994 Mk. In Gnefen-Posen scheint der Bonifatiusverein auffallender Weise nicht bekannt zu sein.
Von den außerpreußischen Diözesen hat da» ErzbiSthum Freiburg die größten Einnahmen aufzuweisen, nämlich 306116 Mk. Er rangstt also unmittelbar hinter Köln. Von den übrigen, zur oberrheinischen Kirchenprovinz gehörigen Diözesen hat Mainz die bedeutend« Summe von 67 304 Mk. aufgebracht, Rottenburg dagegen nur 17 631 Mk. Die bayerischen Diözesen haben entweder keine eigenen Diözesan-Komitee«, oder dieselben erzielten nur ganz unerhebliche Einnahmen; eine Ausnahme machen da« Erzbi«thum Bamberg, welche« mit 14838 Mk. und Eichstätt, welche« mit 3546 Mk. ausgezeichnet ist. Au« d-n übrigen Diözesen gingen Gaben direkt beim Generalvorstand ein und zwar aus Augsburg 12890 Mk., au« Würzburg 5321 Mk., au« Paffau 6926 Mk., au« München 3769 Mk., au« Eichstätt 2456 Mk., au« Speyer 3160 Mk., au« Regensburg 1752 Mk. Ganz Bayern brachte für den Boaifatiu«- verein mithin nur 54 555 Mk. auf. — Dabet darf freilich nicht unerwähnt bleiben, daß in Bayern neben dem Bonifatiusverein noch der Luvwigsmissionsverein befiehl mit der Ausgabe, den bedürftigen Seelsorgstellen Unterstützung zu bringen. Aber immerhin liegt hier noch ein große« Feld für die Wirksamkeit de« Bonifatiusverein« unerschloffen.
Roch weniger erfreulicher fieht e« in dieser Hinsicht in Oesterreich au«. E» sind überhaupt nur au« ganz wenigen Bitthümern de« deutschen Theile« der österreichischen Monarchie Gaben für den Bonifatiusverein eingegangen, obwohl die Los von Rom-Bewegung so dringend zu einer erhöhten Thätigkeit zweck« Hilfeleistung für die im Glauben bedrohten Gegenden mahnt. Die Erzdiözese Wien steht vorgezeichnet mit 4070 Mk., Salzburg mit 2411 Mk., worin noch die Bei- t äge au« den Diözesen Trient, Gurk und Lavant enthalten find, Prag mit 14838 Mk., die Diözese Lin» mit 11519 Mk., St. Pölten mit 2316 Mk., Seckau mit 11735 Mk., «ährend dies« Diözese im vorhergehenden Jahre fast da« vierfache, nämlich 45343 Mk. eingenommen hatte.
Roch find zu erwähnen: da« apostolische Vikariat Sachsen mit 5728 Mk., da« apostolische . Vikariat Dänemark mit 838 Mk.
jüdischen Organen.
Am besten geht es mit dem ZtoniSmus m Rußland vorwärts. Etwa tausend Vereine de-
2) Wie wurden vorstehende Einnahmen verwendet? Die Verwaltungrkosten, Druckkosten, Wechselqebühren und Aqioverluste erforderten den Gesammibetrag von 47983 Mfi An Unterstützungen wurden vertbeilt an die Diözesen Paderborn 303887 Mk , Breslau 192807 Mk., Köln 133826 Mk., Hildesheim 113867 Mk., Fulda 89514 Mk., Culm 38160 Mk., Limburg 30520 Mk. Trier 28953 Mk., Elmland 16552 Mk., Münster 16386 Mk., Osnabrück 5177 Mk. An» Gnesen-Posen scheint kein Gesuch eingelaufen zu fern.
An die übrigen Bisthümer der oberrheinrichen Kirchenprovinzen flössen folgende Beiträge: F"r- burg erhielt 122915 Mk., Mainz 70000 Mk., Rottenburg 26200 Mk.
Von den bayerischen Diözesen erhielten: Speyer 26220 Mk., Bamberg 22067 Mk., Würzburg 10269 Mk, Augsburg 2000 Mk., Eichstätt 4989 Mk. Von den ösierreichischen: Seckau 8414 Mk., Leitmeritz 2210 Mk., Lin» 1341 M-, Sieben, bürgen 400 Mk., Olmütz 60 Mk., St. Pölten
üU Die Zionisten.
In Basel hat kürzlich eine allgemeine Zionistenversammlung stattgefunden, deren Ver- Handlungen Anspruch auf Beachtung haben. Erst jetzt gewinnt man ein genaueres Urthett darüber auf Grund der eingehenden Berichte m
Man braucht diese Zusammenstellung nur anzusehen, um zu erkennen, daß in manchen Diözesen die Leistungen für und die Anforderungen an den Bonifatiusverein nicht im richtigen VerhMmtz stehen und daß in denselben mehr für den Boni- fatiusverein geschehen sollte und namentlich Emi- gungen in« Leben gerufen werden müßten.
Zur Würdigung der Bedeutung und der nicht hoch genug anzuschlagenden segensreichen Wirk- samkeit des Bonisatiusvereins genügt e« zu kon- stcitiren, daß der Verein bis zum Schluffe de« Jahre« 1900 zur Errichtung und Erhaltung von Kirchen und Schulen sowie zur Errichtung von sßfatrden die gewaltige Summe von fast acht- undzwanzig Millionen Mark au-gegeben hat. Diese Zahl redet. Sie erzählt von den Tausenden von Kindern, die ohne sie dem katho- tischen Glauben verloren gegangen wären, von den Hunderttausenden, welche durch fie im heiligen ! Glauben erhalten, unterrichtet, erzogen werden I konnten und welchen der Trost und die Gnade de« katholischen Kultus und der hhl. Sakramente dadurch zugewendet wurde.
Möge der liebe Heiland alle Katholiken zu begeisterten, t|fitigen, opferfreudigen Freunden de« Bonifatiusvereins machen, möge e« lnSvefonoere die Katholiken in katholischen Gemeinden mit jenem Gefühle inniger Theilnahme gegen die Brüder in der Diaspora erfüllen, welche« ihn selbst erfüllte, al« er beim Anblick de« nach dem Trost und der Gnade der Religion hungernden Volkesin den Ruf aurbrach: „Mieereor super turbam! „Mich erbarmt bei Volkes!"
Der Bonifatiusverein im Jahre 1900.
In Nr. 10 v. I ver öffentlicht da« ,Boni- fatius-Blatt' die Rechnung«abloge de« Verein« pro 1900. Wir heben daraus dasjenige hervor, was für die deutschen Katholiken von größerm Interesse und geeignet ist, auf manche Verhältnisse der Gegenwart und deren tiefere Ursachen ein grelle« Schlaglicht zu werfen. Die einzelnen Einnahmen und Ausgaben werden abgerundet verzeichnet. 1) Beim Generalvorstand in Paderborn sind inSgesammt eingegangen 864806 Mk. Diese Summe setzt sich zusammen
verein erhalten
Diözese
Köln Breslau Paderborn Münster Limburg Inld« Trier Culm Hrlsesheim Osnabrück Ermland
63 Mk
Weiter wurden verabfolgt für das apostolische Vikariat Sachsen 57 291 Mk., die nordischen Missionen 108 797 Mk., für die dänischen 16877 Mk., für die Schweiz 5840 Mk., für Bosnien 7100 Mk., Stockholm 1676 Mk., Trondheim 62 Mk. und Tarnow 30 Mk. Im Ganzen wurden an Unterstützungen gezahlt! 465191 Mk, also fast eine und eine halbe Million. Der Rest der Einnahmen wurde theil« den Dotatronsfond« verschiedener Diözesen überwiesen, theil« zur Rentenzahlung, Meßstistungen usw., verwendet.
Außer barem Selbe gingen beim Generalvorstande auch viele Paramente und sonstigen Kirchensachen für Misfionskirchen ein.
Von Interesse dürste noch folgender Ueberblrck über die Beträge, welche die preußischen Diözesen für den Bonifatiusverein zusammengebracht und die Unterstützungen, welche sie an« dem Bomfattu«-
Jm Ganzen gingen hiernach ein:
a) bei« Generalvorstande . . . 864 806 Mk.
bl bei den Diözesan-Komitee« . 1783702 „ , aiuniuw --------- ----------
In Summa 2648508 Mk. treiben dort seine Sache, und da« tst einiger- Also Über 2'/, Millionen Mk., ein höchst erfreu-, maßen «klSrlich; denn m Rußland find» die liche« Resultat. Er läßt sich unschwer verdoppeln, Juden nicht auf Rosen gebettet, wie be sp wenn in den Diözesen deutscher Zunge, in welchen weife in Ungarn. Im Königreiche Un0a st bi«h«r noch gar nicht« «der nur wenig für den I daS Judentum letzt "densus u d s y ftG Bonifatiu-verein geschehen ist, mit Lust und Eifer durchaus nicht «ach einem Wechsel f« * für bi« Sache diese« für bie deutschen Katholiken am wenigsten danach, von den Fleffchtöpf so wichtigen Vereine gearbeitet wird. • 1 r _
stellnng nach unseren Begriffen desto vorsichtiger auf- treten sollte. Herr Chamberlain hat ganz einfach die ganze Welt angeklagt, daß sie England hasse und verleumde, und zwar in der verdammenswerthesten und schändlichsten Weise, und daß die anderen Völker seinen Sturz wünschen, weil---sie
England beneiden! Fürwahr, ganz anders, al» wohl sonst in Menschenköpfen, matt sich in diesem Kopf die Welt! In wunderlichem, aber erfreulichem Gegensätze dazu steht eine Rede, mit der sich Graf Wolff-Metternich der neue deutsche Botschafter in London, von Hamburg verabschiedete: Kühl und ruhig erklärte, er sei berufen, die alten guten Beziehungen zu England zu pflegen — was ment Herr Joseph Chamberlain dazu?
Wochen-Rnndscha«.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 11. Januar.
Der Reichstag ist wieder versammelt, der preußischeLandtagist eröffnet; und beide Parlamente stehen unter dem Zeichen der ersten Lesung des Etats — ein äuß rlicheS Zusammentreffen, da» wohl noch niemals vorher eingetreten ist. Im Reichstage wurde bisher immer die erste Etatslesung vor Weih- nachten vorgenommen; diesmal mußte sie verschoben werden au» Rücksicht auf die erste Lesung deS Zoll- tarisentwurfe», die bekanntlich nicht weniger als zehn Tage in Anspruch nahm. Die eigentliche Etatsbe- rathnng wird im preußischen Abgeordnetenhause erst am 13. Januar beginnen; bisher hat nur Freiherr von Rheinbaben zum ersten mal als preutzffcker Finanzminister den Etatsvoranschlag eingeführt. Die erste Lesung des Etats im Reichstage nimmt diese ganze Woche in Anspruch; eine Uebersicht darüber kann also erst die nächste Wochenschau bringen. »« üblich, verursacht der Etat selbst bei der ersten Lesung nur eine geringfügige Debatte. Die Hauptsache darin nehmen nach altem Brauche allerhand andere Gegen- ^Auch"die Zolltarif-Kommission des Reichstage» Hai am 9. d. Mts. ihre Sitzungen begonnen. Zunächst handelt e» sich um die Verabredung eine» geordneten Arbeitsplanes, ohne den eine gedeihliche Be- rathung in der Kommission unmöglich sein würde. Ein Freund der Vorlage, der nationalliberale Parteiführer Baff ermann, hat sich berufen gefühlt, in einer Rede zu Mannheim düstere Zukunftsbilder au»- zumalen: Es werde nicht gelingen, den Taris bis zu den nächsten Neuwahlen zum Reichstage durchzubringen. Denn wenn sich auch eine feste Mehrheit finden lassen würde für bestimmte Zollsätze, so würde noch immer die Obstruktion eine frühere Verabschiedung unmöglich machen. Herr Basscrmann sollte lieber alle seine Freunde auf die Schanze rufen zum Streite für die Vorlage und die darin vertretenen gesunden Grund- sätze, anstatt in dieser Weise flau zu machen. Aber sollte es dennoch zu Neuwahlen kommen, vor der Verabschiedung de« Entwurfes, dann brauchen die Freunde eine« geeigneten Zollschutzes diese Wahlen nicht zu fürchten, namentlich nicht das Centrum.
Die Thronrede, mit der der preußische Landtag durch den Ministerpräsidenten Grafen Bülow eröffnet wurde, ist genau so ausgefallen, wie man es erwartet hat: Die Kanalvorlage kommt diesmal nicht! In der Thronrede heißt e» darüber, die preußische Regierung halte an der wasserwirthschaft- lichen Vorlage fest; sie werde dem Landtage „seiner Zeit" eine neue Vorlage unterbreiten!
Ein Besuch, den der englische Thronfolger demnächst in Berlin machen wird zum Geburtttage de« Kaiser«, ist in einigen Blättern al» ein Ergebniß von besonderer Bedeutung besprochen worden, so als ob der Kaiser in ganz besonder» dringlicher Weise den Prinzen von Wales eingeladen habe. In einer offiziösen Mittheilung der .Nordd. Allg. Ztg/ ist im Gegensätze dazu festgestellt worden, daß der Kömg von England den Besuch seines ältesten Sohne» selbst in Berlin angemeldet und daß der Kaiser, wie selbstverständlich, diesen Besuch als sehr willkommen be-
dritten Wahlgange, der endlich die Entscheidung brachte, acht Antisemiten der Wahl enthalten, und mcht weniger al» 18 Antisemiten haben für den Sozialdemokraten isirekt gestimmt. .
Von schwerer Krankheit ist leider der Herr Erzbischof von Bamberg, Dr. von Schor!, be- allen. In der ganzen Bamberger Diözese sind Ge- >ete für die Genesung des erkrankten Oberhirten angeordnet worden. Auch der geistliche Rath Dr. Schädler in Bamberg, Dompfarrer und zweiter Vorsitzender der Centrum»fraktion der Reichstage», sollte nach einer Zeitung»meldung schwer er- I rankt sein. Erfreulicherweise ist sie ober vollkommen alsch. Der verdiente Centrumsführer befindet sich im Gegentheil vollkommen wohl. Ein schwerer Verlust hat den Grafen von Hompesch betroffen, den erften Vorsitzenden der Centrumsfraktion: Er hat seine Gattin durch den Tod verloren und wird in Folge dessen für einige Zeit dem Reichstage fern bleiben. Auf der Todtenliste dieser Tage steht leider auch Landgerichtsrath a. D. Senestrey in München, ein alter Centrumsveteran von hohen Verdiensten, der lange Zeit den Wahlkreis Taunu-stein im Reichstage vertrat. Der Herr Bischof von Regensburg ist der um zwei Jahre ältere Bruder des Verstorbenen, dem alle Katholiken von ganzem Herzen nachrufen: Er möge in Frieden ruhen!
Ein Zweikampf mit tödtlichem Ausgange hat in Jena stattgefunden; Dämon Alkohol war die Veranlassung dazu. Ein trunkener Student von der Burschenschaft Arminia, der Chemiestudent Held gerieth in der Sylvesternacht mit dem Leutnant Thieme zusammen und beleidigte diesen durch einen Schlag ins Gesicht. Es folgte ein Zweikampf auf Pistolen mit dreimaligem Kugel- wechsel, wobei der Student durch einen Schuß in die Brust tödtlich dahingestreckt und der Leutnant am Halse verwundet wurde.
Mit großartigen Worten wurde in diesen Tagen ein „Stnrmlauf aller Slaven gegen die österreichische Regierun g angekündigt: Die Regierung sollte „gezwungen" werden, in Berlin Vorstellungen zu erheben wegen der preußischen Politik. Aber die Regierung hat vorgebeugt: Das halbamtliche .Fremdenblatt' in Wien hat eine Kundgebung veröffentlicht, in der die Demonstration der Polen im Galizischen Landtage unter der Führung de« Fürsten Czartorytki getadelt wird als eine Erklärung, die „dem Wirkungskreise des Landtages nicht gemäß war". Uebtr das Verhältnis zwischen Wien und Berlin schreibt da» .Fremdenblatt':
„Es ist neuerlich der Beweis erbracht, daß es bei der Innigkeit der beiderseitigen Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland keine Zwischenfälle geben kann, die eine Schwierigkeit bereiten können, oder deren plötzliche» Auftauchen zu fürchten wäre. Die stärkste Wurzel de» Bundesgefühls in beiden Staaten ruht darin, daß jeder Theil in seinem Hause
zeichnet hat.
In den Vereinigten Staaten von Amerika hat eine Höflichkeit sehr angenehm berührt, die der Kaiser dem Hause des Präsidenten Roosevelt erwiesen hat. Der Kaiser läßt sich auf einer amerikanischen Schiffswerft eine neue Segelrennjacht bauen, und er hat darum gebeten, daß Fräulein Alice Roosevelt, die Tochter de» Präsiventen, die Schiffttaufe vollziehen möge. Die Miß hat den Auftrag gern angenommen; vernmthlich wird die neue Jacht alsdann ihren Namen Alice tragen sollen.
Nach dem amtlichen Wahlergebnisse haben bei der Stichwahl zum Reichstage im Wahlkreise Witten- ber g-Schweinitz erhalten der freisinnige Dr. Barth 9462 und der konservative Wahlbewerber von Leipziger 8875 Stimmen. Der Wahlkreis war auch vorher freisinnig vertreten, und auch bei der Wahl von 1898 beruhte der schließliche Sieg des Freisinnigen ans einer ebenso geringen Mehrheit. Diesmal siegte der Freisinnige nur mit Hilfe der Sozialdemokraten, wie damals auch. In der Hauptwahl wurden die-mal 750 freisinnige Stimmen mehr abgegeben, >1» 1898; Herr von Leipziger hat aber im ganzen einen Stimmenzuwachs von 1033 zu verzeichnen. Die sehr starke Wahlbetheiligung von etwa 85 v. H. aller Stimmberechtigten ist also in höherem Grade dem konservativen Schutzzöllner zu gute gekommen, al« dem freisinnig-sozialistischen Freihändler, mau begreift also durchaus nicht, warum di- fteifinnige Preffe triumphirt. Sie hat nur Grund zu beklommenen Betrachtungen darüber, daß der Freisinnige aller Wahrscheinlichkeit nach bei der nächsten Wahl ausfallen wird.
Line Ersatzwahl in den Reich«tag wird demnächst auch für den verstorbenen sozialdemokratischen Abg. Schönlank in dem Wahlkreise BreSlau-West statt- finden. Die Sozialdemokraten werben den bekannten Eduard Bernstein wählen: die Konservativen und das Centrum werden gemeinschaftlich ihre Stimmen ab» «eben für den Rechtsanwalt Bellerode in Breslau.
Bei der Erfatzwahl für den badischen Landtag im Wahlkreise Karls ruh e-Land hat der konservative Kandidat E. von Stockhorn gesiegt, und zwar mit 76 gegen 71 Stimmen. Dabei haben sich im
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30069
29 953
24796
38160
19 784
113867
1338«
5177
9994
16522