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Jtabeit e.wt^rt
•matTOrtlt*: Mr die Redaktion Jof. Baum, für Inserate 3. Parzelle» in Saldi.
mit Zlnterhaünngs-Anlage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" ”* tÄ
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Jutöcr, Freitag, den 10. Januar 1902.
29. Jahrgang.
m Zur Berathung des Zolltarises.
Die Verhandlungen der Zolltarif-Kommission des Reichstages haben gestern ihren Anfang genommen. Daß die Kommission gleich in dieser ersten Sitzung mit sachlichen Berathunaen zu thun haben sollte, war nicht anzunehmen. Zu» nächst muß wohl ein Arbeitsplan vereinbart Werden, um den Arbeiten der Kommission eine sichere und gute Grundlage zu geben. Die große Frage dabei ist die, womit die Berath- ungen ihren Anfang nehmen sollen: Ob die landroirthschaftlichen Zölle oorangestellt werden, oder aber aufgespart werden sollen bis nach Ser Erledigung alles Uebrigen. Die lavdroirth- - schriftlichen Zölle find der Angelpunkt des Ganzen; um sie ist der heißeste Streit ent- brannt; qerade auf die Entscheidung über die Einfuhrzölle für landroitthichastliche Erzeugnisse kommt eS am allermeisten an. Man sollte darum meinen, die Kommission müffe alsbald diesen Kernpunkt der ganzen Vorlage in Angriff nehmen. Gelingt es, eine Einigung über die Agrarzöllr herbetzusühren, dann ist die ganze Vorlage so gut wie geborgen. So lange aber diese Einigung fehlt, so lange nicht auf eine Mehrheit zu rechnen ist für bestimmte Getreide- zölle, muß auch alle andere Arbeit ungewiß in ihren Erfolgen bleiben.
Was die Regierung dabei zu thun beab- 'fichtigt, weiß man nicht. Die Redereien frei« händlerischer Blätter, als ob di« Regierungen untereinander uneinig geworden seien über das, was sie dabei zu thun hätten, braucht man freilich Mcht tragisch zu nehmen. Wenn es nach d-n Behauptungen jener Preffe «egangen wäre, hätte man vorher annehmen müffrn, der ganze Zolltarifentwnrf sei eigentlich nichs- weiter, als eine Privrtübung der Staatssekretärs Grafen PosaüowSky, für die nicht einmal der Reichskanzler die Verantwortung übernehmen «erde, die aber dem Kaiser in einzelnen Theilen als „Unsinn" erscheine. Nachher hat sich daß aller als blanke Erfindung herausgkstellt, ohne eine Spur von Wahrheit, WaS also diese Blätter schreiben, ist lchae Bedeutung. Nich'Sdestoweviger Weiß heute niemand, ob der BundeSrath jeglicher Erhöhung der Getreide zölle über die Sätze deS RegterungSentwurfeS hinaus sich durchaus widersetzen will, oder ob da auch Aussicht vorhanden ist aus neue Verständigungen. Man erhält darüber auch keine Ausklärung durch eine halbamtliche Zeilungrknndgebuna, in der versichert wird: die Verbündeten Regierungen würden „nach wie vor wie ei» Mann hinter der Vorlage stehen und fortfohren, den Entwurf mit aller Energie und Entschloffenheit zu vertreten". Denn das würde doch noch lange nicht eine neue Vereinbarung über gewisse Eiez-lpankte der Vorlage ausschließe». Man kann darum nur wünschen, daß die Vertreter der Regierung in der Kommission klipp und klar sagen, wie sie sich zu diesem Haupt- und Kardinalpunkte zu verhalten gedenken; ob sie unbedingt jegliche Aenderung der vorgeschlagenen Getreidezoll-Sätze ablebnen oder nicht. Durch «ine solche bündig« Erklärung im richtigen Zeitpunkt« würden die Arbeiten der Kommission die beste Förderung
Der Spekulant.
•<3) Original-Roman von Hans Dahlen.
------ (Nachdruck verboten)
„D je, »er Herr vom Sonntag!" rief sie erstaunt ins Zimm-r hinein. „Bitte, wollen Sie eintreten?" Während sie mit der groben blauen Schü ze den Holzsitz eines Stuhles abwischte, sah sich Johann Wilh-lm in dem reinlichen kleinen Zimmer um, das der Familie als Wohnzimmer und Küche zugleich diente. Das spärliche Licht, welches durch die auf einen düsteren Hof gehenden Fenster emdrang, zeigte dürftigen verbrauchten Hausrath, blaffe Topfvflnnzrn auf dem Fenstersims, ein paar bunte Holzschnitte um ein schönes großes Kruzifix; in der größten Helle am Fenster stand der Tisch, von dem sich eben der Schreiber hocherstaunt erhob.
Neumann war ein wenig verlegen und blickte auf die beiden Kleinste»', die am Boden mit bunten Kieseln spielten. Die Aelteste hantirte am Heerd.
„Sie haben sich gewiß wegen des Jungen herbemütt," meinte die kleine Frau. „Er ist Nock in der Schule."
Schefer putzte die Feder an den schwarz, glänzenden Schreibärmeln aus. „Das wäre wohl noch zu früh wegen dem Heini. Der wird erst zu Ostern schulfrei."
„Es ist nicht deswegen," gab Johann Wilhelm zurück und legte den Stock auf die Knie. „Ich wollte mal sehen, wie es Ihnen geht."
Der Diurnist war zur Entgegnung bereit, allein seine Frau schnstt ihm energisch das Wort -ad. „Wir dürfen nicht klagen," sagte sie einfach.
erfahren, oder aber am schnellsten Licht in die jetzt dunkle Sachlage gebracht werden.
Nicht unintereffant ist die Art und Weise, wie der nationalliberale Parteiführer Bass ermann in einer Rede, die er diese Tage in Mannheim gehalten hat, die Lage beurtheilt, Herr Baffermann glaubt nicht an eine schnelle Entscheidung über den Zolltarif. Nach seinen Ausführungen in Mannheim ist seine Ansicht vielmehr die, daß der Zolltarif bis zur nächsten Reichttagswahl nicht erledigt sein, sondern das Losungswort bei den Neuwahlen ausmachrn werde; wobei „das Deutsche Volk in feinen tiefsten Tiefen aufgeregt werden würde, und zwar nach der unangenehmsten Seite, nach der materiellen hin". Dar würde freilich nicht auibletben, wenn er so kommen sollte. Aber brr heute hat man keine stichhaltigen Gründe dafür, eine solche Annahme zu rechtfertigen. E« kann so kommen, es braucht aber durchaus nicht so zu kommen. Und jedenfalls wird man diese unerfreuliche Möglichkeit am besten dadurch bekämpfen, daß man zunächst nicht fortwährend flau macht durch den immer wiederholten Hinweis darauf, sondern umgekehrt alles aufbietet, um solchen Ereigniffen vorzubeugen. Die Freunde eine« wirksamen Zollschutzes für die heimische Arbeit brauchen ficherlich Neuwahlen unter dem Feldgefchrei der Zolltarif-Vorlage nicht zu fürchten; aber eben wegen der unvermeidlichen Aufwühlung de« Volkes bi« in seine tiefsten Tresen hinein sollte all-« aufgehoben werden zur Vermeidung dieser Möglichkeit.
Möglicherweise trägt zur Kennzeichnung der wahren Lage der Dinge eine Aenßerung der partei- konservativen ,Kreuz-Zeitung' bei. Ale „be- achtenrwertb" führt sie eine Aenßerung der ,Freisinnigen Zeitung' an, die folgendermaßen lautet: „Je höher gerade dir Getreidezölle in der Zolltarifoorlage überspannt werden, desto eher platzt die ganze Blase und fällt die Tarifvorlage selbst zu Boden. Mag Gras Bülow zusehen, wie er mit seinen Agrariern fertig wird, um nachher «och zu HandelsnertrSgen kommen zu können, die eine praktische Bedeutung haben." Wollte man die Stimmung bei den Konservativen nach dieser Redewendung ihre« leitenden Organs beurtheilen, dann müßte diese Stimmung recht versöhnlich und kompromißlustig sein.
Aber nach wie vor ist anzunehmen, daß die Vorlage obne jegliche Abänderung der vorgeschlagenen Getrndezölle keine Aussicht darauf hat, Gesetz zu werden.
Deutsches Krßch«
Berlin, 9. Januar.
G NesuHe de» Kaiser» in Kugk-md. Nach einer Berliner Meldung de« Londoner .Standard' soll der Kaiser di« Absicht hab«», im L^us« der nächsten fünf Monate zwei Mal nach England zu reis«», uns zwar zunächst in den letzten Tasen des Monats Januar, um an der Gedächtnißseier für die Kö-ttzin Viktoria theilzunehmen. Nachher will der Kaiser — die Richtigkeit der Meldung vorausgesetzt — au der Krönung-feier des König« Eduard tbeilnehme».
„So so. Wa« macht die Arbeit, Herr Scheier?"
„O — man muß sich halt quälen —"
Neumann sah den Tisch mit Papierstreifen bedeckt „Was? Streifbänder? fragte er.
„Ja, ich schreibe augenblicklich Aoreffen," gestand Ser Diurnist in törtlicher Verlegenheit.
„Aber stehe« Sie denn in keinem festen Ar- beirsverhältniß?" fragte Neumann.
Di« Leutchen fühlten, daß der unerwartete Besucher freundliches Interests an ihrem Geschick nahm und wurden zutraulicher. Die kleine Frau begann in schlichte», rührenden Worte«, wir es ihnen letzthin gegangen war. Am Tage nach jenem Sonntagsausfluge sei sie plötzlich traut geworden. Es sei ganz schlimm gewesen; sie hätte sich nicht mehr auf den Beinen halten können und vor den Augen wäre es ihr ganz schwarz geworden. Ihr Mann habe ganz den Kopf verloren und nicht de» Muth gehabt, von ihr ins Geschäft zu gehen, obgleich sie ihm Anfangs nach Kräften zugeredet habe. Schließlich sei es ihr ganz recht gewesen, daß er »ayeim blieb, denn man hätte ja immerhin nicht wiffen könne« —
Zwar der Heini habe dem Prinzipal seines Vaters sofort Bescheid gebracht, ober —"
„Aber er hat mir sofort gekündigt." fuhr der Schreiber wehmüthig und thränenden Äuge« fort. ,O eS ist bitter, zwölf Jahre in einem Geschäft zu fein und ohne Ursache wie ei» Hund gejagt zu werden. Freilich, ich mußte ja fort, darrstt für den Vetter des Buchhalters ein Plätzchen frei wurde, — Nun, es soll schon wieder etoe bessere Zeit komme», und der liebe Gott wird die Meinen nicht verhungern laffen."
tt Herr Kelcaffö leugnet k Durch alle Zeitungen war der Inhalt eines Gesprächs gegangen, das zwischen dem französischen Minister deS Aeußern, Herrn DelcaEv und dem Vertreter eines italienischen Zritungsvertreters stattgefunden hatte. Danach sollte Delcaffö gesagt haben, Frankreich, Italien und Rußland feien dazu berufen, die Erbschaft auf der Balkan- Halbinsel anzutreten, und Italien solle Herr in Albanien werden. Jetzt erklärt die diplomatisch- osfiziöse Politische Korrespondenz in Wien in einet Pariser Zuschrift diese Meldung „kate> gotisch" für „unrichtig". Herr Delcass« soll diesen Gegenstand in jenem Gespräche gar nicht berührt haben. Die Ableugnung jener Berichte erfolgt auffallend spät!
S Der Anva» des HaS^Ls i« Dentfch la«» hat sich, wre betanni, während der letzten Jahre sehr vermindert. Noch imJahte 1896 betrug die mit $abaljy gebaute Fläche mehr als 22,000 Hektare, und im'letzten Johre 1901 mären nur noch 16,964 Hektare mit Tabak bepflanzt, im Jahre 1900 sogar nur 14 751 Hektare. Am besten wird die bedauerliche Lage arkennzeichnet durch einen Vergleich der Verhältnisse von 1891 und 1901. Es waren mit Tabak bepflanzt in:
Baden Bcyern Elsaß Hessin Württemberg 1891 7551 3317 1485 567 363
1901 7118 2382 1256 406 336
Hektare — also überall Rückgang! Rur im Königreich Preußen hat sich während dieses letzen Jahrzehntes b*e mit Tabak bebaute Fläche von 4888 auf 5074 Hektare vermehrt.
X Schreiver-Kkend. Im Reichstage und auch schon mehrfach in anderen Parlamenten ist wiederholt darauf hingewiesen worden, wie ungenügend in den Bureau« mancher Rechtsanwälte deren Schreiber bezahlt werden. Ein besonders drastischer Beispiel dieser Art ist in diesen Tagen wieder au« Berlin bekannt geworden. Ein Anwalt beschäftigt seine Leute neun Stunden be« Tages und länger und zahlt folgende Löhne: einem Kanzlisten, verheirathet und Vater von drei Kindern, monatlich 5ö Mark, einem zweiten Kanzlisten (40 Jahre alt) 50 und einem neun- zehnjährige» dritten Kanzlisten, der schon vier Jahre bei dem Anwalt arbeitet, monatlich 35 Mark. Ein Lehrling erhielt 10 Mark und wurde entlafsin, al« er um Zulage bat, obwohl die Schreibgebühren, die dem Anwälte de« Lehrling« Arbeit einbrachten, im Laufe eine« Monat« mehr al« 80 Mark «»«machten. Die Besoldung und ganze Behandlung dieser Schreiber in den Bureaus der Rechtsanwälte, Gerichtsvollzieher und dergleichen bedarf dringend einer allgemeinen Regelung.
’ Keine «eiten MeHganAravsse» mehr. Nach einer Mittheilung der ,Frkf. Ztg/ läßt die königl. preußische Staatsbahnverwaltung von jetzt ab bi« auf Weiteres keine Personenwagen mehr nach dem DurchgangSspstem (0-Zugs- system) bauen; sie hat in letzter Zeit sogar die für internationale neue Schnellzüge nöthigen Personenwagen nach dem Koupösystem zum Bau in Bestellung gegeben; wohl ein Beweis, doß der Minister der öffentlichen Arbeiten über die bei den Katastrophen in Offenbach und Altenbecken
Johann Wilhelm räusperte sich stark, um bi« in ihm aufquellende Rührung zu verbergen. „Verstkh-n Sir alle Bureauarbeiten, Herr Schefer?" erkundigte er sich.
Der Diurnist schaute mit seinen zwinkernden kurzsichtigen Augen gespannt auf beit Frager. „Gewiß, gewiß, alles kann ich. Einfache und doppelt« Buchführung, Stenographie, Mafchineu- schceibrn »ach drei Systemen —"
„Gut, gut. Wieviel verdienten Sie in Ihrer letzten Stellung?"
„Huudertdreißig Mark monatlich."
„Wenn Sie wollen, Herr Schefer, können Eie auf meinem Bureau sofort einen Buchbalter- posten antreten. Hundertachtzig Mark pro Monat. Es gibt aber viel Arbeit bei mir."
Dir kleine Frau begann hellauf zu weinen und während «och der Diurnist eine Art von Erstickungsanfall «iestweilen erfolglos bekämpfte, zugleich abwechselnd eine der beiden pergament- sarbenen Hände in der Gegend des Herzens aus den abgeschabten Hausrock pressend, schlüpfte Johann Wilhelm aus dem Zimmer. Da, wie er sah, mir den Eltern schlechterdings «och nichts anzufangen war, nahm er das älteste Mädchen mit sich auf den Vorfiur, wo er ibm seine Adreffe und ein Goldstück als Aufgeld für den Vater einhändiZte.
Er war schon auf dem schmalen, dumpfen Flur der ersten Etage, aiS 'e$. eben lebendig wurde. „Herr Naumann, o Herr Neumann," rief die kleine Frau immer wieder in. den herz- ergreisinden Tönen, die das höchste Glück verleiht; dazwischen,lärmten und jauchzten die Kinder. Der Diurnist aber fühlte sich schon In feiner
gemachten traurigen Erfahrungen und binsichtlrch der Bewährung der Ü Zugs-Wagen (ohne Noth- ausgänge) bedenklich geworden ist.
* Aöchstg-Hatt der Hv-rl-hr-r tmfr Direstloren. Dem Abgeordnetenhause wird gutem Vernehmen nach ein im vorigen Jahre von der Mehrheit de« Hanse« angeregter und angenommener Antrag nunmehr al« Regierungsvorlage zugehen, nach welcher die Oberlehrer ihr Höchstgehalt mit 21 anstatt mit 24 Dienstjahren erreichen. Oberlehrer und Direktoren an unvollständigen höheren Lehranstalten in Städten mit weniger als 50,000 Einwohnern haben nun dasselbe Höchstgehalt von 6000 Mark einschließlich Funktion«, zulage. Die genannte Kategorie der Direktoren war aber schon bisher nach Ausweis des ,Korre- fpondenzblattes für den akademisch-gebildeten Lehrer- stand' vom 1. Dezember 1901 den Oberlehrern ihrer eigenen Anstalten gegenüber im Nachtheil, insofern sie das Höchstgehalt durchschnittlich mehrere Iahte später erreichten wie jene. Wird nun die erwähnte Regierungs-Vorlage, wie kaum zu bezweifeln ist, Gesetz, ohne daß die Direktoren entsprechende Berücksichtigung finden, so würde diese um weitere drei Jahre hinter den ihnen unterstellten Oberlehrern mit gleicher Dienstzeit zurück- stehen, wa« ficherlich nicht in der Absicht des Gesetzgeber« liegen kann. Ans diese Lücke der 23or» läge sei daher an dieser Stelle nachdrücklich hingewiesen.
* Die KeAtrnms/raklion be» Abgeordnetenhauses hat sich in ihrer ersten Fraklions- sitzung wie folgt konstttuirt: Ehrenvorsitzender ist Abgeordneter Freiherr von Heere« man. Zr Vorsitzenden wurden gewählt die Herren Landes"alh Fritzen, Dr. Porich, Herold und Dr. Dittrich, der ganze Vor- stand wurde per Akklamation wiedergewählt. Quästor der Fraktion ist wiederum wie früher Herr Abgeordneter Lttocha, zu Schriftführern wurden die Herren Abgeordneten von Saotguy und Sittart wiedergemählt. Ja den Seniorenkonvent entsendet dasCentrurn zu den bi«herigen Mitgliedern sämmtliche Vorsitzende und Herrn Abgeordneten Rinteln. Als Nachfolger des oer« storbenen Abgeordneten Bender ist Herr Graf von Spee in die Fraktion eingetreten. Zu Schrf lührern für das Plenum bestimmte die Fraktion dir Herren Abgeordneten Im Wälle und von Haagen, letzteren an Stelle des zurück- tretenben Abgeordneten von Setten. Die Fraktion beschloß in ihrer ersten Sitzung die Einbringung von Interpellationen wegen des Eisenbahnunglückes bei Altenbeken und wegen Abänderung der Anordnungen bezüglich des Reu« gioes - Unterrichtes in sprachlich gemischten Gegenden.
* Interpellation des Kentrnm» «egen Eisenbahn - Unglückes von Altenbeken. Die Abgeordneten v. Saoigny und Humann haben hevte mit Unterstützung her ganzen Fraktion des Centrums folgende Interpellation im Abgeordnetenhaus« einaebracht: „Die Unterzeichneten richten an di« Königl. Staatsregierung die Anfrage: Welch'' Ursachen hoben zu dem so beklagenswrrthen E senbahn-Unglücke am 20. Dezember v. I. bei Altenbeken geführt und welche Maßnahmen stad getroffen oder geplant, um Würse als Buchhalter und rief mit einer Stimme, wie man sie ihm so kräftig gar nicht zugetraut haben würde, die Treppen hinunter: „Berlaffen Sie sich auf mich. Herr Prinzipal. Ich werde mich im Handumdrehen bei Ihnen einfinden. Im Handumdrehen!" Dazwischen jubelten und jauchzttn die Kinder. Johann Wilhelm aber schritt lächelnd in den sonnenhellen Vormittag.
3.
Neun Jahre waren seitdem verfloffen und hatten gar manche Bet änderungen herbeigesührt.
Es war Winter.
Nachdem eS seit zwti Tagen unaufhörlich in kleinen glitzerndem Fl cken geschneit hatte, erhöhte jetzt, am Abende des zweiten Tages, der stark anichwkllende Wind die Temperatur, und sogleich trat heftiges Schneetreiben an die Stelle des leisen Flockenfalls.
Johann Wilhelm saß am Erkerfenster im Unterstock ferner Villa und sah, wie der Schnee Linie um Linie emporwuchs und die menschenleere Straße ueb die weiten Felder jenseits zu einer gleichförmigen weißen Oede mochte. Wie Silberschleier wogte es vom grauen Winterhimmel zur Eröe; Farben verschwanden, Formen und Linien oerschwau-men; ein verwaschener Fleck, schimmerte der Stadtwald durch das flirrende Gestöber.
Dampf und feierlich drang Glockengeläut« von der Stadtseite her durch die dicke, schneegefüllte Lust, bald rote Orgelbrausen anfchwellevd, bald verstummend vor dem Rauschen des Windes. Auf den grauen Schirongen der frühen Bam-