mit Anterhattungs-Beilage „Illustrirte Sonntags-Zeitung
29. Jahrgang.
Jutöcr, Mttwoch, den 8. Januar 1902.
merteertU*: Für die Redaktion Iok. San», iS» Inserat« I.parzeller tu Suita.
S-utf .nd verl.g »<r Suix.t PrlrngaS« 0». 2 (»e-w-i«).
endlich einmal Souverän von Bosnien und der Herzegowina werden wird, ist freilich nicht zu bezweifeln. Aber waS sonst erzählt ist, gehört gewiß in das Reich der Fabel.
WaS gehört nun aber nicht da hinein? DaS ZukunftSabkommen zwischen Frankreich und Italien über Tripolis. Dieses Abkommen besteht, und eS wird mit Bestimmtheit erwartet, daß Herr Delcaffö demnächst genauere Mittheilungen da« rüber im franzöfifchen Parlamente machen werde. BiS dahin können wir Deutschen unsere Neugierde im Zaum halten. Es kann unS gleich' gittig sein, ob daS Abkommen bereits die Gestalt eines schriftlichen Vertrages in aller Form angenommen hat, oder ob es anders ausfieht; um so gleichgiltiger, als das Abkommen gar nicht erst jetzt getroffen worden, sondern älterer Herkunft und sicherlich bei der Berliner Reichsregierung längst bekannt ist. Warum sollte denn Italien nicht solche Verträge mit Frankreich machen dürfen? Auch Deutschland hat seine Verabredungen für sich mit Rußland, und von Deutschland hat deswegen noch niemand geargwöhnt, daß es den Dreibund zertrümmern wolle. Man braucht also wegen der Vereinbarung über Tripolis durchaus noch nicht auf den Gedanken zu kommen, Italien wolle dem Bunde mit Oesterreich und Deutschland untreu » erden, so sehr auch die Franzosen und manche Italiener die« wünschen mögen und so sehr auch Herr Prinetti, der italienische Minister des Auswärtigen, seiner alten Vorliebe gemäß mit Frankreich kokettirrn mag. Zwischen Wünschen und Thaten liegt ein großer Zwischenraum; und Herr Prinetti ist nicht der Mann, den Dreibunv zu stürzen. DaS Abkommen über Tripolis stammt auch nicht auS der politischen Werkstatt Tnnetti'S; sondern dieser hat es von seinem Vorgänger Visconti Venosta übernommen. Und Visconti Venosta war ein unzweifelhaft drribundtreuer Politiker. Viel mehr alS das brutsche Räch ist Oesterreich au ollen diesen Zukunftsfragen inte- r«,strt. Aber Oesterreich wird selbst wissen, waS e« dabei zu thun hat. Deutsche Zeitungen brauchen sich darüber die Köpfe nicht zu zerbreche«.
Grund zu Befürchtungen für di« nächste Zeit haben wir sicherlich nicht. Aber die politifchen Maulwürfe wühlen emsig unter den Grundmauern des Dreibundes, und der weise Mann beugt vor. Deutschland muß darum, mehr alS jedes andere Land, mit Sorgfalt darauf bedacht sein, daß eS in seinen eignen Schuhen stehe und fest stehe und in allen Stücken unabhängig vom Auslände bleibe, unabhängig und fest in sich geschloffen auf wirtbschaftlichem »«bitte und stark und uw überwindlich in seinen Hilfsmitteln zur bewaffneten Vertheidigung seiner Grenze« und seiner Stellung. Dann wird «8 stets die Macht bleiben, die es jetzt ist, und deren Freundschaft für jedes andere Land de« allergrößten Werth hat.
äX Europäische Zukunftsbilder.
Die Franzosen verlaffen sich nicht mehr allein auf da« „befreundete und verbündete Rußland". Allem Anscheine nach ist sogar diese« „befreundete und verbündete" Land hauptschnldtg daran gewesen, daß Admiral Caillsrd so unvermuthet schnell mit seinen Panzerkoloffen wieder von der Insel Mythtlene abdampfte; denn so weit geht de« Zarenreiche« Freundschaft für Frankreich nicht, daß e« ihm zu Liebe eigne Pläne im Orient opfern sollte. Da« Sehnen Frankreich« hat sich nun auf Italien geworfen. Der Boischafter der französischen Republik in Rom, Herr Barlöre, hat da« neue Jahr mit seinem Fanfarengeschmeiter eröffnet, da« ganz Europa in Unruhe gebracht hat. Frankreich wirbt in auffälligster Weise um Italien« Freundschaft. Fcankcetch bietet den Italienern Tripoli« an, im Gegensätze zu der bisherigen Annahme, daß e« selbst einmal auch diese« Stück au« dem Erbtheil de« „kranken Mannes" sich aneignen wolle, sodaß sogar einzelne französische Politiker Widerspruch erheben gegen diese« Beginnen al« unwürdig der französischen Republik; und daß den Franzosen bei diesem Liebeswerben um Italien im Hintergründe der Gedanke auf- betrat, Italien allgemach vom Dreibunde abzuziehen, ist gar nicht zu leugnen. Der französische Minister de« Aeußern, Herr Delcaffö, spielt sogar schon selbst in Gesprächen w mit italienischen Zeitungsmännern mit dem Gedanken eine« einträchtigen Zusammenwirkens von Rußland, Italien und Frankreich auf -der Balkanhalbinsel, bezeichnet Albanien al» Gabe für Italien, als ob Orsterreich gar nicht mehr vorhanden wäre; und daß die Abmachungen über den künftigen Besitz von Tripoli« in England nicht« weniger al« angenehm berühren, versteht sich von selbst.
Die phantastischen Zukunftsbilder wuchern empor wie die Pilze nach einem warmen Spät- ' sowmerregen. I« England schwelgen einzelne Politiker in Träumen von einem Bunde mit Rußland und einem Kriege mit Deutschland. In Oesterreich wollen die Slaven sich gemein- sam erheben gegen die hergebrachte Politik und da« enge Bändniß mit Deutschland. Und als allerneuestes Phantastegebilde taucht eine a*geb» Uche Vereinbarung auf, die zwischen Orsterreich und Rußland getroffen worden sein soll während deS jüngsten Besuches des Großfürsten Michael von Rußland bei dem Kaiser Frarz Joseph. Dieser Letztere soll Souverän von Bosnien und der Herzogowina werden. Der Fürst von Bulgarien wird König und unabhängiger Herrscher deS ganzen Landes, wofür Rußland Brrgas als Kriegshafen überlassen wird. Kreta fällt an Griechenland. Italien kann nach Gutdünken über Tripolis verfügen England bekommt Eypern al« festes Eigerthum, F-arkceich das Kontrollrecht über die J^sel Rhodos, und Deutschland darf sich einen Hafen cm Persischen Meerbusen als Endpunkt der mesopotamischen Bahn auswählen . . . Aber die Mächte haben doch soeben erst entschiedenen Widerspruch erhoben gegen die Einverleibung der J«sel Kreta in Griechenland, und darum erscheint das ganze angebliche Abkommen ix einem höchst fta«- würdig.n Lichte. Daß Kaiser Franz Joseph
„Der Bundesrarb ist einer erneuten Stellungnahme zu dem vielwiederholten Jesuitenantrag auS dem Wege gegangen. Er hat sich gar nicht mehr damit beschäftigt. Daß dem Antrag im BundeSrathe stattgegeben werden könnte, ist so gut wie ausgeschlossen. Der da- gegen sich geltend machende Widerstand ist, wie aus Süddeutschlaud berichtet wird, so groß, daß an dessen Ueberwindung gar nicht zu denken ist." —
Bekanntlich hat der Führer des Crntrums im Reichstage schon vor zwei Jahren daS Ver- halte« deS BundeSrathS gegenüber einem viel wiederholten Beschlüsse deS Reichstags als eine ungeheuere Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Reichstage gekennzeichnet. Eine doppelte und dreifache Rücksichtslosigkeit liegt darin gegenüber dem Centrnm und de» Katholiken Deutschlands. Mit Recht sagt die .Germania': Es ist wahr, lich höchste Zeit, daß man im Centrum — wozu ja der Weg einer Interpellation stets offen bleibt — den Reichskanzler im Reichstage öffentlich befragt, ob und warum der Bundes- rath bisher einer erneuten Stellungnahme zu dem Beschluffe des Reichstages auf Aufhebung des Jesuitengesetzes aus dem Wege gegangen ist, und wie sich der BundeSrath zu diesem Reichs- tagsbefchluffe stellt. Das katholische Volk ist diese Behandlung von Seiten des Bundesraths müde; es will Wahrheit und Klarheit und würde gewiß sehr erfreut fein, wenn Rücksichtslosigkeit mit Rücksichtslosigkeit erwidert wird. Wenn im Reichstage von der Regierung eine Antwort verlangt wird, so kann die Regierung derselben nun einmal nicht „aus dem Wege gehen". Möge denn die Antwort aus- faßen, wie sie wolle, so wiffrn wir wenigstens, woran wir find, und das Wettere wird sich finden.
+ ghte dentsche Iefirmg Sei Käset. Seit einiger Zest wird in der Presse behauptet, Deutschland sei am Werke, die Tüllinger Höhe bei Basel zu einem festen Punkte zu machen. Diese Behauptungen gehen hauptsächlich von französischer Seite aus: man erhebt Widerspruch gegen die Ausführung eines solchen Baues und verweist auf den Pariser Frieden von 1815, nach dessen Abmachungen Frankreich an Stelle der geschleiften Festung von Hüningen keine anderen Festungswerte innerhalb einer Ent- fernung von drei Meilen von Basel aufrichten durfte. Ein süddeutsches demokratisches Blatt nimmt sich jetzt der Sache an und verweist die Schweiz auf eine Anrufung des internationalen Schiedsgerichtes im Haag, wenn Deutschland jene angebliche Abstchl ernstlich hegen sollte. Das ist thöcicht. Ein Kriegsfall zwischen Deutschland und der Schweiz gehört bekanntlich zu den vollkommenen Unmöglichkeiten. Aber wenn Deutschland innerhalb seiner Grenzen einen Punkt mit F stungswerken wirklich versehen wollte, würde diese Angelegenheit nach den Satzungen des Haager Schiedsgerichtes diesem gar nicht unter- stehen.
X Ai- Ittk-e «nd £*tfefft. Der Wunsch ist nicht neu, <8 möchten durch die 9t« setzgrbuna geeignete Schranken aufgerichtet werden, gegen Übergriffe der Ringe und Kartelle. Namentlich bet der letzten Kohlentheuerung
gewiß. Ich habe ja Dich — und die lieben, lieben Kinder. Und dann meine schöne, ruhige SaufarbeU-« gIfl(1Ild) iU sein»
flüsterte er vor sich hin. Sie hatte seine Worte verstanden. , , „ _
Dann nimm Dir doch Zeit," neth sie. „Du reibst Dich viel zu viel im Geschäfte auf. Du hast auch wirklich wenig vom Leben. Die luben Kinder siehst Dn laum ein um den anderen Tag. - Nun iß doch!"
Als die Kinder zu Bett gebracht waren, saßen sie noch eine Weile zusammen im Eckzimmer. Johann Wühelm führte das Wort. Sie hörte lächelnd zu, wie er von feinen Erfolgen sprach. „Was, eine Million hast Du jetzt? DaS hätte ich nicht gedacht. So vitt Geld!"
„So viel Gild," lachte er und streichelte ihre großen, glatten Hände, die eine Strickerei handhabten. __ , ,, _ .
„Ach, laß mich!« bat Frau Marie schmollend. „Sieh', da hab' ich ein paar Maschen ver»
Er wnrdr nervös, fast ärgerlich. ^Ach. laß doch den Strickstrumpf," mahnte er. „Freust Du Dich denn nicht mtt mir?" _
„Aber gewiß doch. — So viel Geld! WaS machst Du nur damit?"
„DaS will ich Dir sagen," lackte er. „Nun paß' mal auf. A'so im nächsten Frühjahre, sobald die ersten guten Tage kommen, ziehen wir in die schönste Villa, die ich draußen stehen habe. Oben hn Stadtwalde, weißt Du. Ich schaffe mir Pferd und Wagen an; Du mußt
Der Spekulant.
4) Original-SRoman von HanS Dahlen.
------ (Nachdruck verboten)
Der Kaefakt war geschloffen und besiegelt. Johann Wilhelm Ind Notar und Bürgermeister zu einer Flasche Sekt und bekam beiderseits eine höfliche, aber entschiedene Ablehnung. Schadet nicht«! dachte er und ärgerte sich dennoch. So ging er denn allein in die „Ewige Lampe"; er bedurfte einer Anregung, und der wogende Nebel hatte ihn garz durchkältet. Er drückte sich in eine Nische, die nur einen Tisch enthielt, der gerade unbesetzt war. Bald perlte der Schaumwein im Spitzglase vor ihm; er zündete sich eine frische Cigarre an und bemühte sich, glücklich zu fein.
Allein eS gelang ihm nicht. Jede Anstrengung war vergeben«, und er sehnte sich schon wieder nach dem Talmi-lÜck, das er beim Erwerb empfand. ES gibt kein anderes Glück für mich, murmelte er nfignirt und ließ die Blick« über den ziemlich gut besetzten Restan- rationSfeel schweifen, der brillant erleuchtet war. DaS Schimmern der Damofkecken, d«S Funkeln deS Krystalls, die durcheinander »ixbelnben Menschen, das allen Ecken entströmende mild- klare Licht vereinte sich zu einem Bilde von ruhiger, kaleidoskopartiger Wirkung. Johann Wilhelm leerte sein Glas zahlte und ging. AIS feine untersetzte, breite Gestalt sich außerhalb der Nische zeigte, grüßte man ihn von alle» Seiten. Der Verkauf war bekannt geworden, und e« hagelte Gratulationen, vor denen er, so schnell
Inserate; Di« einspaltige Detit- zeile oder deren Raum 15 Pfg.,Reklamen die Petit- zeile 25 Pfg.; be* Wiederhol»- <vn
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iMabait
traten diese Wünsche in den Vordergrund und wurden vom Centrum llbhast unterstützt. Wie richtig das war, beweist die Thatsache, daß ttotz des industriellen Niederganges die Kohlen >is zum heutigen Tage noch theurer geblieben sind, als sie vor dieser letzten Theuerung waren. Die Kohlensyndikate und die Ringe der Großhändler verstehen es nur zu gut, dis P^tse nt die Höhe zu schrauben und auf der künstlich erzeugten Höhe zu erhalten. Jetzt sollen sich nach den Wünschen deS Kohlensyndikates auch die süddeutschen Kohlenhändler zu einem Syndikate zusammenschließen; und wie man die Bestrebungen deS Kohlensyndikates kennt, würde das Gesetz aller Wahrscheinlichkeit nach zum Schaden der Verbraucher auSschlagen. Auch j.tz' können die Bergwerke und die Händler gestehen, sie leiden keine Norh. DaS neu ange« streote Syndikat der süddeutschen Kohlenhändler würde seinem eigentlichen Ginne nach also wiederum nichts Anderes bedeuten als einen Beutezug gegen die Verbraucher; und dagegen ftch aufzulehnen hat die Allgemeinheit durchaus daS Recht. Deswegen taucht der Wunsch nach einem Gesetze zum Schutze gegen die Auswüchse deS Kartellunwesens stets vom Neuem auf: Jetzt hat der Zentralverband deutscher Kaufleute und Industrieller den Bundesrath in einer besonder» Eingabe um die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfes ersucht. Es soll ein Kartellregister angelegt werden, und die Kartelle sollen die Verpflichtung haben, ihre Satzungen genehmigen zu laffen und alle Halde J^hre ihre BeiriebSergebniffe öffentlich bekannt zu geben. DaS sind grundsätzlich ganz gute Vorschläge. Merkwürdiger Weise eifert die Eingabe in ihrer Begründung in erster Reihe gegen einige Vereinigungen, die sich die Ver- werthung landwirthichaftlicher Erzeugnisse zur Aufgabe machen, wie Zucker und EpintuS; und daS ist ein verkehrter Standpunkt. Wenn solche Vereinigungen ihren Einfluß mißbrauchen zur untergeordneten Ausbeutung der Verbraucher, dann ist das natürlich genau ebenso zu verwerfen, als wenn eS Kohlenringe und Eisenkartelle Ihn». Aber bi8 jetzt ist derlei nicht geschehen, und deswegen muß man sagen, daß di; an sich gute Eingabe eine ungeeignete Be- gründ: nz hat.
4- champ's gleitende Getreidezölke finden auch den Beifall der konservativen .Kreuz- Zeitung' nicht. Dieselbe macht erstens darauf aufmerksam, daß eS falsch ist. die Grtreidezölle in dem Sinne d-r Samp'schen Vorschläge als „Werthzölle" zu bezeichnen. Unter Werth- zöllen versteht man solche Zölle, die mit dem Werthe deS verzollten Gegenstandes steigen und fallen. In den Vorschlägen deS Abg. Gamp liegt aber der entgeger-ges tzte Sinn; danach würde» die Zölle mit dem Steigen des inländischen Getreidepreises geringer werden und umgekehrt; wenigstens würde dieses Mißvrrhältniß leicht eintreten können. Außerdem aber macht die genannte konservative Zeitung »och auf etwas Anderes aufmerksam: die Verschiedenheit der Marktpreise in Deutschland würde der Festsetzung von allgemein gleichen Normalpreisen in Deutschland als stör» ndes Hinderniß im Wege
„Ich habe nicht viel Hunger, Frau."
„Lch waS, man muß immer essen können. Versuch' nur." Sie legte ihm vor und setzte sich plaudernd an seine Seite.
„Heut' war der Bürgermeister bei Dir, nicht?"
Er lachte in Erinnerung an den Besuch. „Ja wohl. Warum auch nicht? Weißt Du auch, weshalb?"
„Rein," entgegnete sie ruhig und strich eine widerspänstige Strähne des schweren glattgescheitelten, aschblonde« Haares aus der niedrigen, weißen Stirn. „Woher sollte ich daS auch wissen?"
„Rath' einmal!"
„So geh' doch! Ich kann nicht rathen."
„Er hat mir die Häuser am RathhauS ab- gekauft — für die Stadt."
„So!"
Stets derselbe gleichgiltige Ton. Ec wurde ein wenig aufgebracht. „Ich habe viel dc.be verdient, Maria!"
„DaS ist ja nett."
Er pfiff durch die Zähne. „So viel, daß wir unsere Lebensweise ändern werden."
Frau Marie gähnte, daß die Reihen der ge- funben weißen Zähne blinkten. „Wir können ja nachher darüber reden. Erst müffen die Kleinen effen, damit fie zu Bett kommen. Iß Du auch."
Johann Wilhelm faßte die Hände seiner F-au und sah ihr in die Hellen, klaren Augen. „Bist Du glücklich, Marie?" fragte er innig, einer plötzlichen Aufwallung nachgebend.
Sie sah ihm erstaunt ins Gesicht: „Ja,
M fulimrr
Ltrt-IM.bOPf.
Deutsches Keich«
Berlin, 7. Januar.
+ N«sde»r«tH n»d Aefaitengefetz. Die ,TSgl. Rundschau', das Organ deS Evangelischen Bundes, schreibt:
eS anging, nach draußen flüchtete. Fröstelnd hüllte er sich in seinen Mantel und schlug den Kragen hoch, denn der Nebel hatte sich z« einem ungemüthlichen Sprühregen verdichtet. „Der Schefer ist g'ücklicker als ich," brummte Johann Wilhelm und eilte h-imwärtS. Er vermochte fich des Gedankens an den armseligen Diurnisten gar nicht zu entschlagen; überall auS dem Dunkel schien ihm daS bleiche, verkümmerte Gesicht ent- gegerzudlicken und mit verzogenen Lippen ihm zuznraunen: Glauben Sie denn, daß der Neumann glücklich ist? Ihm fehlt die Zeit, glücklich iu fein.
Daheim kam er gerade zum Abendessen recht. Thllda und HanS erhoben ein Jubelgeschrei, alS der Vater in die Thür trat, der so selten an den häuslichen Mahlzeiten tdeilnahm. Die ungeheuchelte Freude der Kmder lhat ihm wohl. Thllda war ein entzückende Grschöpschen, braun von Augen und Haar, mtt eiwrn kecken Stumpf, näschen un» einem za.ten fawmtnen Teint, frisch wie Apfrlblüthen. Jqr seir-eS, quecksilbriges Körperchen war eitel S bt-n und Bewegung.
HanS war schw nl tti^er und glich der Mutter, einer behäbig--» Westfälin. Lichtblaue Augen glänzte« in L ■ olloangige» Gesichtchen des vielleicht Bierzchnjährigen, eine lkberfülle blonder Locken sie! ;S z. den Schultern hernieder. Er hatte 6k Begrüßung schnell beendet und saß schon wird - Himer seinem T-llrr.
Frau Marie wilchte sich die vvllrn Lippen ab und ging ihrem M .«-e ei» paar Schritte entgegen. „Das ist f&Ö« vou Dir, Johann, daß Du so früh kommst." Si> trpp lte geschäftig fort und holte ein weiteres Gemck.