Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, ». Ausnahme der Emm-und Seiet» tage.«ierteljährl.

,»,«S«pret, ohnevringerlohu mü> Bestellgeld m Fulda und aus» «Srt»1M.bOPf.

KuldaerMZeitung

Inserate: Di« einspaltige Vettt- zeile oder beten Raum1SPsg.,Re» klamen die Petit­zeile 25 Pfg.; be1 BKederhol-' a^n 'b-

iN aba.it

29. Jahrgang

Iutöa, Dienstag, den 7. Januar 1902.

9emi»0itIi4: AL» die Redaktion 3»f. Sa»«, fä» 3nfwrte 3. Parzelle» ht Fulda.

„(genug, genug. Bleiben Sie, ich hole Ihnen Ihr Geld." Neumann verschwand hinter der Kentorthüre.

2.

Noch lag der herbstliche Morgennebel in den Straßen, fahle« Zwielicht fiel durch die be­schlagenen Fenster in da« Schlafgemach Neumanns; allein dieser war schon aufgestanden und legte eben die letzte Hand an seine Toilette. Nach einer guten Nachtruhe, befreit von dem Druck, der in der letzten Zeit auf ihm gelastet hatte, fühlte er sich zur Arbeit aufgelegt und wollte sich sogleich nach dem Frühstück auf« Kontor begeben, wo mancherlei erledigt werden mußte, wa« wahrend der letzten Wochen liegen geblieben «ar.

Im Wohnzimmer fand er noch keinen Menschen eor. Die Kinder können noch reichlich eine Stunde schlafen, bevor sie »um Schulgang geweckt »erben mußten, und seine Frau pflegte de« Morgen« nicht so sehr früh anfznßehen. In der Küche polterte da« Dienstmädchen; er rief nach Kaffee.

Während de« Frühstück« »ersuchte er, sich einmal fo recht seiner neuen Lage be»ußt zu »erden. Er stellte sich vor Augen, wie er- jetzt bald zu den Reichsten zählen würde. Er könnte dann im Kasino verkehren, würde wohl in den Magistrat gewählt — und dann? Wieder weiter Gewinn auf Gewinn häufen, die Kinder versorgen, durch Schenkungen sich populär machen, bi« e« einen Titel gab oder einen Orden niederster Klaffe. „Pah', stöhnte der zukünftige Millionär und schüttilte sich, „das Leben ist doch schauderhaft langweilig!" Darauf zündete er sich seine Morgen­cigarre an und begab sich zum Konior, wo er sich mttMu'h in die massenhaft aufgehäufte Arbeit stürzte.

bis sie nun jetzt nach langer und überaus zesegneter Ehe von ihrem Gatten abberufen wurde.

S Die ,Nordd. Mg- Zig-' schreibt: Der be» v o r st e h e n d e B e s u ch de« «tage« Male« wird in einem englischen Blatte auf eine bttn^enbe Einladung be« Kaiser« zurückgeführt. In Wirk­lichkeit hat der König von England durch den hiesigen Botschafter dem Kaiser seine Absicht, zur Beglückwünschung am 27. Januar den PriMN von Wale« zu entsenden, mittyerlen lassen. Der Kaiser hat den Prinzen als Gast am Geburtstage zern willkommen geheißen.

X Der Antrag Oamp. Der freikon. ervative Abg. Gamp hat, wie berichtet, die Absicht kundgegeben, in der Zolltarifkommission des Reichstages einen Antrag auf Einführung gleitender Getreidezölle einzubringen. Danach soll der Staat die Preise für die Haupt» fächlichsten Getreidearten sestsetze». Der Zoll aber soll dem Unterschiede gleich sein zwischen diesem Inlandspreise und dem Weltmarktpreise. Der Antrag hat, das kann man gang bestimmt schon j-tzt Voraussagen, durchaus kerne Aussicht auf Annahme. Man kann auch nicht sagen, daß es taktisch klug von Herrn Gamp sein würde, wenn er diesen seinen Antrag wirklich zur That machen wollte. Denn er steht dem Entwürfe gar zu fremdartig gegenüber, so daß dieser auch in seinen Hauptgrundsätzen verändert werden müßte, ganz abgesehen von der Um­wälzung unserer ganzen hergebrachten -WMy- schaftSpolitik durch ein solches Eingreifen der Staatsmacht in unsere HandelSverhältnifle. Dl- Gegner deS Schutzzolles schmunzeln vergnügt z« den Sawp'schen Plänen. WaS sie dabet denken, verrälh die freisinnige «Vosfische Zeitung in Berlin, indem sie schreibt:

„Hoffentlich läßt sich Herr Gamp . . . nicht schrecken, noch recht viele ähnliche Anträge zu stellen. Je mehr über derlei sinnreiche Pläne berathen wird, desto eher darf man er­warten, daß der Zolltarif scheitert, ohne daß eS irgend welcher Obstruktion benSthigt ..

Angesichts der Ankündigung des Abg. Gamp muß man sich von neuem inS Gedächtniß zurück- rufen, daß der Sache am besten gedient wird durch Vermeidung jeglicher unnöthigen Heran­ziehung neuer Gesichtspunkte, um die Berachung des Zolltarife- nicht zwecklos zu verzögern. Alte Betheiligten — Laudwirthfchast, Handel und Industrie gleichmäßig — haben ein Recht darauf, so bald wie möglich aus der gegenwärtigen Unsicherheit ber Ver­hältnisse befreit zu werden. Und in diesem Sinne wird auch die Regierung gut daran thun, wenn sie recht bald klar unv deutlich Farbe bekennt: wie weit will sie gehen in Zugeständnissen und was soll deren . äußerste Grenze sein?

। X K'lpai-tM-en Sei der Marin- — ei« ! solches Wort hört man gern. Die Kriegsschiffe, ; die gegenwärtig auf den Wersten gebaut werde», । kommen infolge der veränderten Verhältniffe i billiger zu stehen. alS sie veranschlagt waren. , Die drei Linienschiffe „Wittelsbach«. „Wetttn« . und „Zähringen", im F' ühjahre 1899 auf Stapel gelegt, konnten um je 245600 Mark im Preise

Sie brachten ziemlich gemüthliche Abende hin, seine Frau und die Kinder. Er hatte aber fast nie Zeit, sich daran zu betheiligen.

Auch das Empfangszimmer im Hochparterre, gleich rechter Hand vom Hausthor, war erleuchtet. Also wurde er erwartet. Wa» Lillig mittheilen würde? Ihm zitterte die Hand, während er nach dem Schlüsselloch tastete; mit einem Sprunge «ar er im Zimmer.

Lillig saß auf einem der steiflehnigen Sessel und hatte die Beine mit den schmutzigen Stiefeln auf die grüne Tischdecke gelegt. Als Neumann eintrat, unterbrach er die Gassen»elodie, welche er vor sich hin pfiff, und blinzelte den Spekulanten mit seinem gesunden Auge a». „'ne Abend, Mil­lionär!« sagte er kurz

„Mensch, Lillig, ist'« wahr?« schrie Johann Wilhelm außer sich. Er warf die Arme empor, stürzte vor und umarmte den Sekretär, bi« Lillig ärgerlich stöhnte: „Lassen Sie mich. Geben Sie mir lieber mein Geld."

Wie von einem plötzlichen Ekel ergriffen, schnellte Neumann zurück. 6» ärgerte ihn, mit einem Menschen wie Lillig, einem notorischen Schurken, intim geworden zu sein und das Blut stieg ihm zu Kopf. Er firirte den Sekretär einen Augenblick und fragte scharf: „Sie haben mir doch nichts vorgelogen, Lillig?"

„Wo werd' ich mir denn selbst das Wasser abgraben?" antwortete dieser in widerlicher Vertraulichkeit. „Ne, Herr Neumann, gibt'« nich. Steht so in den Akten. Zum Beschluß erhoben: Die jetzt dem Unternehmer Neumann gehörigen Besitzungen gegenüber dem Rathhause Grundbuch Nr. so und so für die Stadt anjnlaufen."

Am Nachmittage desselben Tage« fuhr der Bürgermeister »or. Er war zum ersten Male, daß Johann Wilhelm diese Ehre widerfuhr. Tr geleitete feinen Gast ins beste Zimmer. „Wein gefällig? Nicht? Auch keine Cigarre?"

„Danke!" Der Bürgermeister strich ferne« halbergrauten Henri qratre-Bart. „Ich komme im Auftrage des Sladtoerordneten-Kollegium«. Man ist nicht abgeneigt, Ihre letzthin erworbenen Besitzungen zu kaufen."

„Die Bürgerhäuser am Rathhause?

„Eben diese."

„Mein Gott, warum denn?" Johann Wilhelm heuchelte kindliche Harmlosigkeit. Der Bürger­meister sah ihn an, «ährend ihm eine Blutwelle ins Gesicht schoß. „Wir haben Verwendung dafür", schnarrte er. _ ,, ,

Neumann blieb kühl bi» an» Herz hinein. „Ich auch", entgegnete er. „Sonst hätte ich sie nicht gekauft."

Der Bürgermeister verkniff die Lust zum Grobwerden, die in ihm ausstieg. Er wollte nicht die Ursache sein, der Stadt ben Spaß noch theurer zu machen. Dafür begnügte er sich mit einer hochmuihsvoll abweisenden Hand­bewegung, setzte sich In seinem Polstersessel auf» recht und befahl:

„Fordern Sie!"

„Aber nein, Herr Bürgermeister. „Ich — ich möchte wirklich nicht verkaufen. Ich will dabei verdienen. Daß wäre noch schöner. Wochenlang arbeite ich, daß mir der Kopf brummt, um oll« die Eigenthümer gefügig zu machen — eS war eine schwere Arbeit, Herr Bürgermeister! — und jctzt soll ich die Grund»

Der Spekulant.

8) Original-Roman von Hans Dahlen.

------ (Nachdruck verbo'en)

Am Siegesplatz erhaschte er einen Tram­bahnwagen, her in der Ä chtung nach seiner Wohnung fuhr. Noch zehn Minuten, unb er wußte, wos er wissen wollte.

Link« und rechts huschten die schon laublosen L nden der Kaiserpromenade wie Schemen vorbei; durch das Gitterwerk ber Zweige blinkten flim« mernd die bauten Laternen der Hotels, die er­leuchteten Fensterfluchten der Privathäuser. Und über allem lag das grelle weiß-violette Licht der Bogenlampen, die knisternd und rauschend hoch Über dem Niveau der Straße schwebten.

Es ward ihm plötzlich ganz sonderbar zu Muthe. Dre Wort« des Schreibers klangen in ihm noch: ®r hu ja keine Zeit, glücklich zu sein! Er em­pfand, vielleicht zum ersten Male in fernemSeben, einen wahren Hunger nach großem reinem Glück, da« tfrn zufrieden und wunschlos machen würde. Im Wagen, im Hasten nach Erwerb hatte er bi«» lang sein G ück gesucht, aber höchstens augenblick­liche Befriedigung gefunden. Daß diese nur ein scheinbares, ein Talmiglück war, empfand er jetzt mit grausamer Deutlichkeit. Vielleicht lag das Giück im Genuß? Das Denken quälte ihn. Mit Gewalt lenkte er den Geist in andere Bahnen.

.Hmriette^straße!" rief der Schaffner schläfrig. Neumann war an Ort und Stelle. Ein paar Schritte in die abliegende schmälere Straße brachten ihn vor d e Tbür seine« Hanse». Im Erkerzimmer brannte Licht, dort war seine Familie versammelt.

soll die Loosung aller Slaven Oesterreichs sein, so lange Preußen auf fernem bisherigen Stand, puult verharrt" — und die österreichische Re­gierung soll „gezwungen werden in Berlin wegen einer Mäßigung der preußischen Polen» Politik in ernstester Weife Vorstellungen zu er- heben". Die österreichische Regierung denkt freilich ganz anders Über die Sache. Sie bereitet ebenfalls eine öffentliche Mißbilligung der Kundgebung vor, die Fürst CzartorySkt im galizischen Landtage veranstaltet hat, und schon hat die offiziöse .Politische Korrespondenz" in Wien eine Darstellung der Wreschener Vorgänge gebracht, die der polnischen Darstellung wider, spricht. Die österreichische Regierung ist also durchaus nicht Willens, sich „zwingen zu lassen" von den Ueberpolen, wie diese ankündtgen; aber vermuthlich wird es nun wegen Wrefchen auch im österreichischen Abgeordnetenhause wilde Kämpfe geben, wo man doch Beruhigung und Versöhnung mehr braucht als irgendwo anders. Man mag also die Fehler, die von den Polen begangen werden, so klar als Fehler erkennen, wie man nur will, so kann man doch unmöglich die Thatsache aus der Welt schaffen, daß die Polenpolitik der Berliner Regierung allem Anscheine nach dazu beitragen wird, die ohnehin schwierige Lage der österreichi­schen Regierung noch schwierigerzu ge­stalten.

Der heißspornige Ueberetfer des modernen Slaventhums in ihren nationalen Ansprüchen fordert aber nicht nur den Tadel und die Ab­wehr deS Deuischthums heraus. Der Heilig« Vater selbst hat jüngst in einem Schreiben an die Bischöfe in Böhmen und Mähren zur Mäßigung und an den alte» und einzig richti- gen Grundsatz erinnert, daß die Vertreter der Kirche keinen Unterschied in den Völkerstämmen machen, keinen VolksKamm vor dem andere» be­vorzugen dürfen. Wer die Verhältniffe auch nur ein klein wenig kernen stiemt hat, der weiß ganz genau, daß die Mahnung deS Ober« Hauptes der Christenheit an die tschechische Adresse gerichtet ist. Besonders hervorznheben fi-rd aus dem päpstlichen Schreiben die folgenden Worte:

„Dtshalb, ehrwürdige Brüder, möget ihr eifrig Sorge trage», daß die Zöglinge der Seminarien bei Zeiten einander in brüder­licher Liebe ans auftichtigem Herzen lieben... Den AuSbruch leidenschaftlicher Gemüths- bewegunge» aber unterdrücket kraftvoll, ohne sie irgendwie erstarken zu laffen, fo daß, könne» die zum geistliche» Stande Berufene» wegen deS Unterschiede« ihrer Abkunft nicht einer Sprache sein, sie doch wenigstens ein Herz und eine Seele seien . . ."

Diese goldenen Worte deS Heilige» Vaters sollte» sich Alle recht sehr zu Herze» nehmen, die treue Söhne der Kirche fein wollen, mögen sie nun Deutsche, Polen ober Tschechen heißen. Diese Mah- nung zum Frieden kommt wahrlich zu rechter Zeit, wöge sie bei Zeiten die rechten Früchte dringen!

Deutsches Keich»

Berlin, 6. Januar.

4- Ki« ^rsteksnt 86er be* Ftnltzs ttzisrnvs. In der wiffenschaftlichen Beilage ber .Täglichen Rundschau', eine« sonst durchaus katholikenseindlicheu Blattes, äußert sich der protestantische Theologie. Profeffor Paulsen über die Bedeutung des Katholizis. mus i» Deutschland: „ES gibt viele, die — so schreibt Paulsen — die eS für das größte Unglück. . . ansehen, daß die Refor» mation nicht ganz durchgedrungen ist und zu einer einheitlichen protestantischen Nationalkirche geführt hat. Ich kann diese Führung unserer Geschichte . . . nicht für ein Unglück halten. Ich bin der Ansicht, daß eine deutsche Nationalkirche unter der Hoheit des Staates für unser gesammtes Leben verhängniß- volle Folgen gehabt haben würde. DaS System der Cäsaropapie wäre schlim­mer alS die Kirchenspaltung . . ." Das ist eine recht deutliche Antwort auf die Reden in Gotha!

4- „Der Kimmel auf Krdrri." Die sozialdemokratischen Unternehmungen ft b längst bekannt al« solche, die die Ausbeuterei der Arbeits­kraft der Angestellten unb Arbeiter in ärgster Weise betreiben. Ja den Unternehmungen, die i» diese« Sinne schlecht geleitet werden, gehören vor alle» Dingen die Arbeiterkonsumvereine im Königreich Sachsen. Wie in diesen Vereinen ge- wirthschafttt wird, zeigt deutlich ein neues Bei­spiel. Der Konsumverein tti Leipzig-Plagwitz hat nach einem Berichte be« sozialdemokratisch gewordenen Pfarrers a. D. Göhre iw Jahre 1900 a» die 673 Personen, die er beschäftigte, an Löhnen im ganzen nur 668,000 Mark ge­zahlt, durchschnittlich also noch nicht ganz tausend Mark jährlich. Er hat dafür aber einen Reingewinn erzielt von mehr als einer Million Mark. Die „Prositrate« des Ra. pital« — um sozialdemokratische Ausdrucksweise zu brauchen — ist also um die Hälfte größer als der Loh» der Leute, durch deren Arbeit diese Profitrate ermöglicht wurde. Nun muß man weiter bedenken, daß eine ganze Reihe von Per- fönen mehr al« 1000 Mark Lohn haben muß, Geschäftsführer, Buchhalter und dergleichen mehr. Daran« ergibt sich, daß sehr viele andere Per. fönen erheblich unter dem Durchschnitte von tausend Mark jährlich bezahlt wurden. Wenn das Geschäft nichts Besonderes abwürfe, so ließe sich dagegen nichts Besondere« sagen. Aber wo so stattlicher Reingewinn erzielt wird, müßten un- bedingt auch die Löhne besser fein; denn der „Himmel auf Erden«, de» die Sozialdemokratie ihren Anhängern verspricht, gewinnt sonst bedenk­liche »ehnlichkeit mit einer Hungerhölle.

• Abg. $raf Ksmpefch, der Vorsitzende ber Crntrum« - Fraktion be« Reichstages, wirb einige Zett be» Verhandlungen be« Reichstages fern bleiben. Ein schwerer Verlust hat ihn ge­troffen, der Verlust seiner Gattin, einer geborenen Gräfin Men gd e», die nach langem und schwerem Leiben im 78. Lebensjahre aus diesem Leben ge> schiede» ist. Bereits im letzten Wintor litt die­selbe schwer, erholte sich dann aber noch einmal,

W Der Streit der Völkerstämme.

ES ist gerade, al8 sollte ein besonderes Renn, zeichen dieses neuen Jahrhunderts in feinem Be­ginne der Zwist zwischen Deutschthum und Slaven- thum in einer Schärfe werde», wie man sie bis jetzt noch nicht gekannt hatte. Und gleichzeitig erhöht das Slaventhum seine Ansprüche auf Be­deutung und Beherrschung ber großen Politik in bisher ebenfalls unerhörter Weise. Auch wenn man die Polerpolitik der preußischen Regierung durchaus mißbilligt, kann man es unmöglich billigen, daß der galizische Landtag in inner» deutsche Angelegenheiten sich einmischt. Bei uns In Deutschland gilt eS wenigstens alS eine feste und unveränderliche Regel für alle Parlamente, daß diese alles vermeiden, was alS eine solche Einmischung in die inneren Angelegenheiten frem­der Staaten gedeutet werden könnte; und die Berliner Regierung war nach allgemein deutscher Auffassung berechtigt, Widerspruch zu erheben -gegen die Polenkundgebung im galizischen Land­tage gegen Preußen. Mit der ersten Veranlassung dazu, mit den Maßregeln in Wrefchen und Gnesen und anderwärts, hat die Berliner Regierung einen schweren Fehler begangen. Aber sie darf eS sich nicht gefallen laffen, daß fremde Parlamente darüber zu Gericht sitzen ohne Widerspruch der RegierungSoertreter den fremden Landes.

Kürzlich wurde in der ,Fuld. Zig.' die abfällige Kritik wiedergegeben, die der protestantische Pastor Rade an der preußischen Polenpolitik übte. Jetzt hat nun auch Profeffor HanS Delbrück, der Herausgeber der Preußischen Jahrbücher, seinem Unmuthe über diese überschneidige Politik Lust gemacht. Genau so. wir eS neulich in diesem Blatte geschehen ist, kennzeichnet der bekannte freitonferoatioe Politiker bte Sage: die preu­ßische Regierung, voran das Kultusministe­rium, hat sich in einer Sackgasse festgerannt unb weiß nun nicht, roie sie sich in schicklicher Weise aus dieser unangenehmen Lage befreien soll. „Wir bedürfen j-tzt — so schreibt Delbrück wörtlich — eines gesch ckten Diplomaten, der uns aus der Sackgasse, in die das Kultus­ministerium gerathen in, wie einst mit dem Ver­bot des Sakramente-SpendenS im Kulturkampf, wieder herauSsührt, ohne daß der Staat eine Niederlage erleidet. Es nützt nichts und ist ein Zeichen ungenügenden Nationalstolzes, wenn unsere Hakatisten die Polen darauf verweisen, daß sie selber in Galizien roch viel schlimmer wirthschasten I Darf Preußen eiwa an Galizien geniess:« werden . . .?“ DelvrÜck verwirft die Errhetlung deS Religionsunterrichtes in deutscher Sprache an polnische Kwder und "erlangt von ber Regierung, daß sie den Korfllkt deswegen so bald wie möglich auS der Welt schaffe.

Nun aber die Slaven in Oesterreich! Die Polen, die bisher noch weniger mit ihrer Gegnerschaft gegen Deutschthum unb Regierung in Oesterreich Wtzortraten, als die Tschechen, wollen angeblich auf den „kalten Wasserstrahl" der offiziösen Berliner ,Nordd. Allg. Ztg.- mit einem Sturmlaufe aller Slaven in Oesterreich antworten, und dieser Sturmlauf soll gegen den Dreibund gerichtet fei«. „Keine Handelsoer. träge, kein Dreibund und Kamps bis aufs Messer

mit Zlnterhaltungs -Beilage „Illufirirte Sormtags-Aeilmig"