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mit UnlerHaltungs-ZLeilage „Mukrirte Sonntags-Zeitung"

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29. JahrgMS

Iuköa, Samstag, den 4. Januar 1902.

Wege« des Feiertags Hl. Drei Könige wird die nächste Nummer «useres Blattes Erst am Dienstag ansgegebe«.

deS Etat-, bei der nach altem Brauche alles «sprachen wird, waS überhaupt zu bespreche« ist; denn bei der ersten Etatslesung gehört eben alles „zur Sache«, also auch die Beleidigung des deutschen KriegsheereS durch die Edinburger Rede des britischen KolontalministerS Chamber.

a i n. Daß dieser Gegenstand hierbei zur Sprache gebracht werden wird, ist nicht mehr unbekannt; auch hat man von jeher erwartet, daß Reichs­kanzler Graf Bülow selbst eine Erklärung dazu abgeben wird. Daß dies nach wie vor die Ab» sicht des Reichskanzlers ist, wird von neuem be. (tätigt Ohne Zweifel wird diese Ankündigung eine mächtige Anziehungskraft auSüben auf das wißbegierige Tribünenpublikum. An Inter­pellationen liegen dem Reichstage noch vier vor. Zunächst ist die Besprechung der Polen. Inter, pellation zu beenden, was sicherlich noch eine ganze Sitzung des Reichstages in Anspruch nehmen wird. Inzwischen sind noch allerhand Ereignisse eingetreten, die erneute» reichlichen Stoff zu Aus« rtnandersetzungrn geben. Sodann werden an die Reihe kommen die Interpellationen des freu konservativen Abg. Dr. Arendt über verweigerte Auszahlung von Beteranenbrihilfen und deS nattonalltberalen Abg. Graf Oriola über die Vorlegung deS erwarteten und versprochenen neuen MilitärprnsionsgesetzeS. Außerdem liegt «och die sozialdemokratische Interpellation vor über die wirthschaftliche Krise und was die Re­gierung dabei zu thu« gedenkt — sie hat nur den Zweck der Agitation draußen im Lande; aber besprochen muß auch diese Interpellation werden. . „ ,

ft Im Preußische« Avgevrdneteuhause wird am 9. Januar der Fmauzminister Freiherr von Rheinbaben de» Etat einbringe». Alsdann wird nach herkömmlichem Brauche «ine Pause von mehreren Tagen eintreten, worauf dann die erste Lesung des Staatshaushaltes beginnen wird. Man nimmt an, daß dies am Montag, den 13. Januar der Fall sei» werde. Nicht der Kaiser wird den Landtag eröffnen, sondern ihn durch den Ministerpräsidenten Graf Bülow er- öffne» laffen. _ ,

* Gestern verbreitete das Wolff'sche Telr- graphenbureau die Meldung eines Berliner Lokalblattes, daß der Abg. Ar SchSdler in .Bamberg schwer erkrankt sei. Auf eine tele­graphische Anftage hat nun die .Germania' die Antwort erhalten, daß Herr Domtapitular Dr. SchSdler keineswegs krank ist, sondern sich sehr wohl befindet.

* Zahlreiche Bittschrift-« von Ele- mextarschullehrern an Gymnasien um Beseitigung von Ungleichheit in den Besoldungssätzen werden im Abgeordneten­hause vorliegen. Gesetzlich soll bekanntlich die Besoldung der seminaristisch gebildete« Lehrer a« dr» höheren städtische» Schulen derart nor- mirt sein, daß sie hinter derjenige» der Volks- schullehrer an den betreffenden Orte» nich zurückbleibt. UebrigenS soll ihnen eine nicht pexfionkfähige Zulage von 150 Mark jährlich gewährt werde«. Nun gibt eS aber i» Preußen noch immer zahlreiche Stadtgemrinden, in welchen die Besoldungen der technischen und Elementar- lehr« an höheren Lehranstalten bis 700, ja biS

«ährend er voll Ungeduld wartete, ein feines silbernes Ktndersttmmchen hinter sich und wandte sich unwillkürlich um.

Eine ganze Familie saß eng um ein Tisch- chen geschaart, Vater, Mutter und vier Kinder, drei MädelS und rin Ju«ge, in verwaschenen, geflickten und ausgewachsenen Kleidern, mit übergroße« blaugeränderte» Augen in den bleichen, fleischlose« Gesichtchen. Die Aelteste war die Sprecherin. „Gehen wir nächste« So«»tag wieder auS, Vater?" Der hager«, schon grauhaarige Mann lächelte trübe. „Wenn s Wetter gut bleibt —" Er war ein armer Tag- schreib«; d« krumme Rücken, die hochgezogene rechte Schulter legten von seiner Beschäftigung Zruaniß ab. Er strich mit der knochige« Hand über die trockene, fahlgelbe und faltige Haut deS magere« Gesichts und leerte daun die abgeflan- bette Neige feines Glases. ...

Sogleich zupfte ihn ein kleiner, reinlich ge­kleidetes Frauchen am Rockärmel und bat: „Komm, laß uns gehen!*

„Noch ein Glas?" fragte der Schreiber ^^„Mann!" — Er seufzte und winkte de« Kellner. , . . ,

Plötzlich stand Neumann auf und trat an den Nebentisch. „Sie «lauben? ES ist wohl noch ei» wenig Platz? Ich werde drüben be-

wird ganz leer hier. Wir wollte« gnade gehen," entgegnete die Frau.

„O, bleiben Sie »och ei» wenig. Tnnken Sie noch ein GlSSche» mit — zur Gesellschaft I

„Bleiben, bleiben," riefen die Kinder im Chor.

zu 900 Mark gegenüber denjenigen ihrer übrige« Kollegen zurückbleiben. Die Bittschriften der be. reffenden Lehrer gehe« allesammt dahin, daß sie nach dem Normaletat besoldet werden möchten.

H Das neue Militär-^e«fio«-ses-tz ist m Entwürfe beendet. ES liegt fertig im preußische« Kriegsministerium und soll nach der Angabe einer Zeitungskorrespondenz nur wegen der ungünstigen Finanzlage nicht eingebracht werden. Nach derselben Korrespondenz soll daS Gesetz neun Millionen an einmaligen Ausgaben und sechs Millionen an dauernder Mehrbelastung n Anspmch nehmen. .

ft Werthzölle für Getreide gedenkt der reikonservative Abgeordnete Gamp in der Zollkommisston deS Reichstages zu beantragen. Nach dem Vorschläge deS Abgeordnete« Gamp oll der Staat bestimmte Preise für die Haupt- Schlichen Getreidearten festsetzen; der Zoll soll alSdann gleich sei» dem Unterschiede zwischen dem Weltmarktpreise deS Getreides und dem- lenigen Preise, den der Staat festgesetzt hat. lbg. Gamp hat diesen Gedanke» schon mehrfach entwickelt, aber »och niemals in bestimmte gesetz- gebnische Form gebracht.

ft Ai- t«t-r«ati-»ar-

Konferenz sollte nach der ursprünglichen Ab- tcht im bevorstehenden Monat Februar in London zusammentreten. Nach neuem Ent­schlüsse ist sie ab« bis zum Sommer 1903 ver- (hoben worden. _ _ .__

• Sie i«1-r«a1io»ak- Iueker-Fttmfereiez arbeitet gegenwärtig nicht. Erst am 20. Januar ollen die Arbeiten von neuem beginnen. Leid« st eS auch diesmal fraglich, ob dir Konferenz zu handgreiflichen und erfreulichen Ergebmffe» ge- langen wird. Wenigstens von Paris aus erklin­gen sehr abfällige Stimmen über den wahrsch^n- lichen Ausgang der Brrathungen. In Brüssel selbst sieht man die Sache mit günstigerenAugen an - mit welchem Rechte, wird man za bald sehe«.

4- „Begierxngvöezirü Meuftein." Nach einer Erklärung deS Herr» Bürgermeisters Bella« vo» Allenstein hat er d« Stadtverordnete»-Ver­sammlung »ur Mittheilung gemacht von ein«« Schreibe» des Herrn Weihbischofs Herrmann, in dem dieser Bescheid gibt üb« daS was « i» Berlin in Erfahrung gebracht habe über die schwebenden neuen Eisenbahnpläne für Ost­preußen. Allenstein soll Vollbahn erhalten, so­bald die Linie» Thorn-Marienburg, Posen biS Schneidemühl und Pose»—Wreschen hergestellt sein werden. Daß seit zehn Jahren nicht mehr an der zuständigen Berliner Stelle von emer Veränderung des Regierungsbezirkes Gumbinnen gesprochen worden ist, wurde inzwischen bereit» durch eine halbamtliche Notiz festgestrllt.

+ A-r Wo.dprozetz Krosigk wird am 11 dS. MS. vor dem RrichSmilitSrgerichte in derRevisionS-Jastanz zur Verhandlung gelange«. ES handelt sich, wie bekannt um dte Remfio« deS TodesuriheilS, daS gegen de« Dragoner Ernst Marten am 20. August vor. Jahres vor dem Oberkriegsgerichte i« Gumbinnen wegen Er- mordung deS Rittmeisters von Krosigk gefallt worden war. Der Sergeant Hickel wurde da- mal- freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte gegen diesen Freispruch Revision eingelegt. Das

Philosophie und der Geschichte stets mit einem Katholiken besetzt wird, und noch weniger davon, aß irgend Jemand darin eine Herabwürdigung der Wiffenschast «blickt haben sollte.

Dritten- aber hat die Mär von dem beab- rchtiaten „Streik" d« Professoren sicherlich ichts von Wahrheit an sich. Prof. Michaelis in Straßburg hat nach der Ernennung deS Dr. Spahn zum Professor der Geschichte in Straß­burg einen außerordentlich heftige« Angriff gegen die Verwaltung der preußischen Universitäten gerichtet. Aber die Heftigkeit seiner AuS- ührungen machte diese nicht richtiger. Sie sind dem Versaffer als größtentheilS unrichtig oder erheblich flbetttieben nachgewiese» worden, ohne raß er ein Wort der Erwiderung darauf gehabt hätte. Augenscheinlich mußte sich Herr Prof. Michaeli- selbst davon überzeugen, daß er zum größten Theile im Unrechte war.

Nennt man nun solche Gehässigkeiten „Frei­heit" und „Voraussetzungslosigkeit" d« Wiffen- chast? ES ist in der,Fuld. Ztg.'schon einmal auf de» schroffe» Widerspruch hingewiesen worden, der zwischen den Worten und de» Thaten der Herren liegt. Denn das kann doch unmöglich „Freiheit" genannt werden, wenn daS unbedingte Verlangen ausgestellt wird, daß Lehr- tühle der Geschichte und der Philosophie nicht mit Katholiken besetzt werden dürfen; daS ist vielmehr das Eegentheil von Freiheit, daS ist grenzenlose Voreingenommenheit und eine Eng- ;entgleit sondergleichen, die mit den Grundsätzen wahrer Freiheit nicht das Mindeste zu thun hat. Uno waS ist das, wenn man den katho­lischen Studenten zwangsweise einen Unterricht angedeihen lassen will, in dem auf ihre Kon- esston nicht die geringste Rücksicht ge- nomme« wird, in dem sie in dieser ihrer GlaubenSanschaunng unbedingt verwirrt, wenn nicht ganz unmittelbar gekränkt und verletzt werden müssen? Reimt man das vielleicht „Freiheit" ? Es ist schier unbegreiflich, wie so viele bedeutende und geistig hoch stehende Männer derart vo« Vorurthelleu befangen sein können, daß sie nicht einsehen, in welche ungeheuerliche» Widersprüche sie gerathen mit ihren Behauptungen von der Freiheit und von der VorauSsetzungS- losigkeit der Wiffenschast und auf der andern Seite mit ihrem wirklichen Verhalten, das auf der schroffen, unduldsamen und engherzigen Vor- auSsetzung b«uht, ein Katholik dürfe nicht Pro­fessor der Geschichte oder der Philosophie an einer Universität werden.

Im Reichstage und im preußischen Landtage wird die Sache vermuthlich weiter breit getreten werden — fichnlich nicht zum Schaden der ge­rechten und wahrhafttg bescheidenen Ansprüche der Katholiken. Denn daS Recht gewinnt desto sicherer in ein« Sache, je länger und je weit­läufiger diese behandelt und besprochen wird.

G „Professoren-Streik".

Eine absonderliche Meldung bringt die ,Beit', da« Organ be« nationalsozialen Führers Nau­mann. Es handelt sich wieder einmal um die Universität Straßburg und um die Besetzung von Professuren an derselben mit Katholiken. Ab« -die .Zeit' mag selbst reden:

„Wie wir erfahren, besteht an maßgeben­der Stelle die Absicht, die Straßburger Uni­versität auch noch fernerhin durch Errichtung weiterer .katholischer Professuren' zu handels­politischen Experimenten mit dem Centrum zu benutzen. Es find sowohl die philosophische al« auch die juristische Fakultät in Aussicht genommen. Gsgenflber dieser drohenden Degradirung der Wissen­schaft speziell in Straßburg zum Instrument für politische GeschäftSzwecke beabsichtigt eine Anzahl von Professoren, vorläufig weitaus die Mehrheit im Lehrkörper, so bald die Sache zur Ausführung kommt, mit Amtsniederlegung zu antworten. Im Interesse der Ehre der Wissenschaft wäre ein solcher Schritt mit Genugthuung zu begrüßen."

^Zunächst fei festgestellt, daß dieser Ausfall oder «auch Anfall de« nationalsozialen Organs das Ge­hässigste und in der Sprache Roheste ist unter allen bisherigen Leistungen dieser Art. Das Wohl­wollen, das vielfach in Cenirumskreisen Herrn 'Naumann, und seinen Bestrebungen entgegcnge- bracht worden ist, wird von diesem in einer Art vergolten, wie man sie sich kaum gröber und feindseliger vorstellen kann. Denn daß es geradezu eine Herabwürdigung, eine Entehrung der Wissenschaft fei, wenn bestimmte Lehrstühle mit Katholiken besetzt werden, da« hat bisher trotz aller voraurgegangexen Leistungen doch «och Niemand gesagt!

Zweitens haben sich die Väter dieser angeb­liche« Meldung wohl nicht ganz genau überlegt, * wie die bewußten maßgebenden Stellen es an- ' stellen sollten, eine« politische« Kuhhandel mit der Besetzung von Lehrstühlen zu treiben. Man 1 kann das getrost dem kühne« Fluge ihr« Pyantasie überlassen, für sich selbst ab« hat man anzu­nehmen, daß man es mit einem vollendeten Un- sinn zu thun habe. Man braucht auch die Straß­burg« Universitätslehrer gar nicht so zu beleidigen, wie es Herr Naumann thut, indem man sie ix den Verdacht so auß«ordentlich« Unwissenheit bringt, doß ihnen gar nichts bekannt fein sollte von be« Unterhandlungen über die Errichtung einer katholisch-lheolc gischen Fakultät in Straßburg. In Box« und in BreSlau wird es seit langer Zeit ebenso gehalten. Noch kein Mensch ha etwa» gehört von Unzuträglichkelte», die daraus entstehen sollten, daß je eine Professur der

Deutsch-- »eich.

Berlin, 3. Januar.

ft D-« Zl-ichot«»-. Am 8 Januar be- ginnen vekannttich die Verhandlungen des Reichs­tages wieder, utb zwar mit der erste« Lesung fand sich bald in der jetzt ftadtwärtS schieben­den, plaudernden, lachenden und lärmenden Menge.

Mt offenen Augen schaute er In das Ge­wühl, welches ihn umgab. ES war toller und bunter noch als am Frühnachmittage. Wenn eine Droschke heranrollte, wurde daS Gedränge fast lebensgefährlich. Ihm behagte der Überlebendige Trubel und er beschloß, den Heimweg zu Fuß zurückzulegen.

Johann Wilhelm bemerfte keine Seele aus seiner weitverzweigten Bekanntschaft. Niemand zog den Hut vor ihm. Jeder war mit sich »nd seinen Angehörigen vollauf beschäftigt. Neu- mann mußte lächeln. Es war ihm der Ge­danke gekommen, wie schnell sich die Gleich­giltigkeit seiner Umgebung in» Gegentheil ver­kehre« würde, wenn sie wüßte, daß der schlichte kleine Mann, der sich schieben und drängen ließ wie alle a«d«e«, in kurzem wohl ein Millionär sein würde.

MUtlnweile war er naher an die Stadt ge­kommen. Die hochragende« Häuserzeilen wiese« keine Lücken mehr auf, glattes, schlüpfrige« rUphaltpfiast« trat an die Stelle des aus- gefahrenen SteinbelagS. Rechter Hand lag einer dn prunkhaft auSgestatteten Bierpaläste, in denen der kleine und kleinste Mann fein schwergewonnenes Geld verschwendet, um im Banne eines aufdringlichen LvxuS, d« ihm nicht gehört, in der erbärmlichen Begeisterung des AlkoholranscheS, der schnell verfliegt, sich für kurze Zeit als „Herrn" zu fühlen. Der rund- bogige Eingang zog die Menschernwffe wie ein großer Strudel an, dem nur wenige wider-

Der Spekulant.

2) Original-Roman von Hans Dahlen.

------ (Nachdruck verboten)

Neumann durste ruhig annehmen, daß sein waghalsige« Unternehmen zum guten Ende ge­langen würde; beim mehrfach waren Inzwischen außerordentliche Sitzungen de« Stadtverordneten- Kollegiums einberufen worben, gestern waren die Stadtvätcr bis hart an Mitternacht beisammen ge­blieben ; heute Abend, wenn es dunkelte, würde ' de« Bürgermeisters Sekretär ihm die Entscheidung mittbellen. Sein Herr war zum Souper bei Stadtbaurath« eingeladen und mußte gegen sechs Uhr von seiner Wohnung ausbrechen. Dann konnte Lillig, der Sekretär, in aller Herzensruhe die Amtsstube seines Herr« im Rathhause, zu welcher er den Schlüssel besaß, aufsuchen, und der Akten­schrank hatte sich schon bei früheren Versuchen m t Leichtigkeit öffnen lassen. Neumanns Freigebigkeit lohnte die leichte Mühe gut.--

Mit einem Sprunge schwang sich Johann Wilhelm vom Anstreicheetische. Durch die Fenster­öffnung drang ein feiner Luftzug, und die feuchte Luft des Neubaues ließ ihn frösteln. Er rieb sich die kräftigen Hände, blies hinan« und zog die goldene Uhr.

E« ging auf sechs. Er konnte langsam heimgehen und seinen Spion «warten. Jetzt, wo er ganz dicht vor der Entscheidung stand, wurde er völlig ruhig, fast apathisch. Gründ­lich verschloß er hinter sich die Thür seines Hause«, schritt, vorsichtig die weicheren Stellen Meidend, über das lehmige Ziegelfeld und be»

standen. Bierdunst und der Oualm billiger Zigarren, Fluchen und Schreien, Johlen und die schrille« Klänge eine« OrchestrionS drangen nach außen. ,

Johann Wilhelm ließ sich fast willenlos im Schwarme mit fortreißen. Er liebte Lärm und Leben.

An einem der kleinen Marmortischchen fand er schließlich einen bescheidenen Platz. Sein Gegenüber bildete« zwei ju«ge, derbe Burschen, die deS Guten schon genug getha« hatten. Die Augen standen stier in den gerötheten Gesichtern, ihre Sprache war lallend und Überlaut. Jetzt steckte der eine seine grobe«, «ägeHofen Finger i« die Westentasche, warf einen Thal« klirrend auf den Tisch und rief dummstolz und weh- müthig zugleich:

„Der letzte! Wirklich und wahrhaftig--

d« letzte!"

„WaS hast Du in der letzten Woche verdient ? " fragte fein Kumpan.

„Lumpige fünfunddreißig Mark. — Allei: futsch"--

„Na, daS macht nix!"

„N«. Schön — schön — war'« doch."

O du lieber Augustin! begann das Orchestrio«. Und die Beiden ftfirgten ihr Bier hinunter und schrieen mit heiseren Stimmen die Worte der Melodie:

„Alles ist hi» — hin — hin . . .

Neumann wandte sich ab und leerte fein GlaS. Sr legte das Geld vor sich auf die Marmorplatte und wartete auf daS Erscheinen de« Kellners, d« sich am unteren Ende d« Tischreihe brfand. Da vernahm er plötzlich.