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Das politische Neujahr.

Das Weihnachtsfest mit seinem süßen Frieden liegt hinter unS. verklungen ist der mächtige Ton -er ReujahrSglocken. Nun mahnt wieder die rauhe Wirklichkeit mit hartem Drucke an des Lebens Kämpfe und Sorgen. WaS wird eS unS bringen in dem neu begonnenen Jahre?

Selten ist bei uw8 in Deutschland während der letzten Jahrzehnte ein neues Jahr in so vollkommener politischer Unklarheit begonnen, wie diese- Jahr 1902. Wir wissen, daß wir vor ' schweren politischen Kämpfen stehen; eS könnte za sogar sein, daß dieser Reichstag keines natür­lichen Todes stirbt, sondern ein Opfer wird deS Streites um die zukünftige Gestaltung unserer Zoll- und 'Handelspolitik. So mancher meint, rS handele sich dabei nur um die Interessen deS schnöden Mammons, eS gelte nur ein gegen­seitiges Schachern und Feilschen und weiter nicht« wett gefehlt! Wohl stehe» die ma­teriellen, die wnthschaftlichen Interessen im Vordergründe; aber im Hintergründe erhebt sich riesengroß die Frage: WaS wird nachher aus unserem deutschen Volke? Denn es ist klar, daß es sich diesmal um weit wichtigere Dinge handelt, als damals unter dem Grafen Caprivi oder vielmehr: wir sehen heute weit klarer, als damals, daß die ganze Entwickelung unseres Vaterlandes, unseres Volkes in sehr erheblichem Maße von der Gestaltung unserer Handels. Politik abhängt. Würden wir die Bahn unver« ändert weiter verfolgen, die wir damals einge­schlagen haben, so würden wir damit den An» stoß geb«» zu dem Beginne einer allmählichen inneren Umwälzung, die nach ihrer Beendigung auS Deutschland etwas ganz andere» gemacht haben müßte, als eS jetzt ist aber nichts Besseres! Wir dürfen die Augen nicht gewaltsam ver. schließen gegen die bösen Folgen, dir in andere» Staaten eine solche Entwickelung hervorgebracht hat; die Spuren der Buhn, die England eingeschlage» hat, müssen uns schrecken, auch dann, wenn wir wähnen, daß wir uns bei der wirthschaftlichen Entwickelung Deutschlands während der letzten 10 Jahre sehr gut gestanden haben. Wir dürfen doch nicht daS Ganze nach einzelnen Theilen bemtheilen und wir dürfen nicht HaS Morgen über einem äußerlich glänzenden Heute vergessen. Mit dröhnender Stimme mahnt uns an diese Pflicht, an diese Nothwendigkeit die KrisiS deS Jahres 1901, der Niedergang der Reichs- Finanzen. In uns selbst müssen wir die Grund- läge für unser wirthschaftlicheS Gedeihen nach dem uralten und noch niemals durch die Erfahrung widerlegten Grundsätze lege», daß am sestestrn und am sicherste» derjenige steht, der am wenig­sten in seinem Dasein von 6lernen«n außer ihm abhängig ist. DaS wtrthschafrliche Deutschland muß in seinen eigenen Schuhe« fest stehen; dann wird daS politische Deurfchland am besten dabei gedeihen, und das deutsche Bolt wird die Zett, wird die Männer dankbar feiern, die durch ihre Gesetzgebung und durch ihre Politik dem deut­sche» Reiche daS wirth sqaftliche Rückgrat für lange Zeit festigte«.

Wir bedürfen einer solchen Festigung noch mehr als zuvor. Denn wenn wir uns umsehen

Der Spekulant.

1) Original-Roman von HanS Dahlen.

------ (Nachdruck verboten)

1.

Auf eine eintönige Periode von Regengüssen und Stürmen war ein Herbsttag von w ander barer Schönheit gefolgt. Bom zartblauen H!mmel»zelte, dessen keusche Reinheit kein Wölkchen trübte, strahlte Lett dem Frühmorgen die Sonne mit dem weichen, Warmen Licht des Spätjahres; die Luft ging lau und lind wie an guten Maitagen, und gegen Mittag wurde es fast sommerlich warm.

Es war Sonntag, der Tag, welcher die Arbeit fesselt und die strengen Bande ihrer Sklaven mit milder Hand-löst. So kamen sie alle, die in den dumpfen Arbeitervierteln ihr ärmliches Heim hatten, die tn den elenden Mtelhskasernen der Vorstädte wohnten, und strömten in's Freie, in'S goldene Sonnenlicht, um die Lasten und Sorgen de» All­tagsleben für kurze Zeit zu vergessen.

Am Rande des Stadt waldes wimmelte es schon trotz der frühen Nachmittagsstunde von bunten Menschengruppen, die mit der Trambahn hmaus- gefahren waren. Sie gehörten ohne Ausnahme zum Proletariat oder zum ärmeren Mittelstände, denn die Begüterten waren jetzt noch kaum von der reich-gedeckten Mittagstafel aufgestanden, fröhnten der Siesta, schlürften ihren Mokka und warteten aus die hergebrachten Ausgehstunden.

Im Stadtwalde begann das sonntägliche Fret- konzert. Grell und schreiend durchhallten die klänge der Blechinstrumente die dünne laue Luft

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mit Ilnterhaltungs-BeilageIssustrirte Sonntags-Zeitungs

2.

29. Jahrgang.

IuLöcr, Freitag, den 3. Januar 1902.

auf dem politischen Weltmärkte, da sehe» wir, wie allerhand Dinge in Zweifel gezogen werde», die bisher auch der Kühnste nicht in Zweifel zu ziehen wagte. Den» der Dreibund steht er wirklich noch ganz so fest, noch ganz so ge- schlossen i» sich selbst da, wie vor sünf und sechs und acht Jahre»? A» Versicherungen, daß eS so sei, fehlt es freilich nicht; die Staats­männer versichern es ja stets von neuem in alle» Parlamenten. Aber unwillkürlich ver- ursacht uns gerade dieser Umstand mitunter ein unheimliches Gefühl. Denn die Staatsmänner würden nicht so verschwenderisch umgehen mit solchen Versicherungen, wenn sie «icht selbst das Gefühl hätten, daß es ihre Aufgabe ist, die Dreibund-Zweifel zu beseitigen, die bei Anderen entstehen. Früher entstanden solche Zweifel nicht erst, so daß es auch nicht nöthig war, sie zu zerstreuen; und das erhöhte ganz gewiß das Ansehen des Dreibundes in den Augen der Welt. Grund zu unmittelbaren Besorgnissen liegt ja nicht vor, für dieses Jahr nicht und für die allernächsten Jahre danach auch nicht. Aber so manches Schlaglicht der letzten Zeit hat uns Bilder der Möglichkeit gezeigt, wie er vielleicht einmal anders werden könnte; und wer kann wissen, ob nicht plötzlich einmal aus diesen Mög­lichkeiten Thatsachen entstehen? Darum muß doppelt und dreifach der Grundsatz für uns gelten, daß wir fest stehen in unseren eigenen Schuhen, daß die Grundlage, auf der daS Reich errichtet ist, auch allein im Reiche selbst wurzelt.

Und schlimmer als je zuvor donnern die Schläge deS verminenden Geistes der Neuzeit an die Thore der christlichen Kirche. Mit Kampf ist das Chrtstenthum umgeben, wohin man auch blickt; gegen die Kirche richten sich die heftigsten Angriffe tn allen Kulturländer», als ob eS da­rauf abgesehen wäre, die Grundlage» zu zer­störe», auf bene« unsere ganze Kultur beruht, die Grundlagen, die gegeben sind durch die ewige« Wahrheiten des Christenthums über alle» das, was feit Christi Zeit unsere» Vätern und Urvätern daS Heiligste und Höchste war! Auch aus diesem Geviete nur Kampf!

Und dennoch können wir sage«, daß dar Ge- sammtergebniß des Jahres 1901, mit dem wir daS Jahr 1902 beginnen, kein ganz schlechtes ist eS hätte schlechter sein könne«. Der Kampf hat unS mehr Sieg als Niederlage ge­bracht, und so beginnen wir ihn im neuen Jahre getrost aufs neue: Vorwärts mit dem frohen Muthe, rott der eisernen Beharrlichkeit und mit der guten Hoffnung, die nur aufrichtiges Gott­vertrauen verleihe» kann!

Derrtfchrs Keich.

Berlin, 2. Januar.

+ Merlin und Mie«. Reichskanzler Graf von Bülow hat am NrujahrStage den österreichisch - ungarische» Botschafter von Szögyeny zu längerer Unterredung empfangen. Daß bet dieser Gelegenheit auch die Vargänge im galizischen Landtage besprochen worden seien, darf man mit einiger Sicherheit annehmen. Schwerlich hat man ab-r in Wie» die Kund-

pnd bewirkten an den rohen Ziegelsteinwänden der jenseits der Chaussee gelegenen Neubauten ein klatschende» Echo.

Beim Beginn der Musik erhob sich im Vor- derraume de» Hochparterre» einer kleinen Villa, von deren Dachgerüst der grüne buntbebänderte Tannenbaum herabgrüßte, ein untersetzter Mann im röthlichem Vollbart von den aufgestaffelten Fußbodenbrettern, auf denen er gesessen hatte. Er gähnte und rcckte die stämmigen Schultern; dann warf er einen schnellen Blick durch die dreitheilige Fensteröffnung, in welcher der Rahmen erst lose eingekeilt war. Mit einem Blicke umfaßte er da» gelbe Ziegelfeld vor dem Neubau mit seinen wassergefüllten Löchern, die Chaussee, auf der Trambahnwagen klingelnd einhersurrten, und die herbstlich bunten Wipfel des Stadtwaldes, welcher die Aussicht abschloß: nochmals gähnend, wandte er sich ab.

Nun stieg er über die neugelegte Treppe nach oben, langsam und bedächtig, wobei er alle», was in den Bereich seiner Augen u^b Hände kam, einer genauen Prüfung unterzog, von dem über­laden geschnitzten Treppenpfeiler bis zu den barocken Stuckornamenten der Wände. Seine breiten Lippen waren in andauernder Bewegung und flüsterten die Resultate der Beobachtungen vor sich hin: Pfuscherei, dem werd' ich's, dem Stockmann!" »der:Faules Gesindel, die Verputzer. Entweder arbeiten sie von morgen an im Akkord, oder" Und die Hände des kräftigen Mannes ballten und schüttelten sich wie gegen einen anwesenden Feind.

Im Oberstock machte er wieder Halt. Er raffle einen Tapetenfetzrn vom Boden und be- rettete sich auf dem schmutzigen Anstreichertische

gebung des Fürsten CzartorynSki so tragisch ge. nomme«, wie in Berlin; und thatsächlich haben die Polen ja geglaubt, baß sie sich damit im Vergleiche zu ihren ursprünglichen Absichten er­hebliche Mäßigung auferlegte».

6 Der König »»# Kreglan» wirb nicht zu Kaisers Geburtstag nach Berlin kommen, wie in manchen Zeitungen zu lesen war. Der Prinz von Wales wirb seinen Vater vertreten.

X Der Krach vo« 1901 «ttb vorher. Daß eS im letzten Jahre bedenklichgekracht" hat, weiß man ja leiber sattsam. Aber welche» Umfang biefer Krach erreicht hat, ist nur Wenige» bekannt gewesen, er ist sehr bebeutenb! Manche halten harte äckig an bet Meinung fest, bieSmal fei eS nickt so arg gewesen, rote damals in be« siebziger Jahren; aber ben Beweis für biefe Behauptung zu erbringen, würbe ihnen schwer werden. Die Wahrheit wirb im Gegen- theil liegen; diese Börsenkrise von 1901 hat vermuthlich größere Vermögens summen ver­schlungen, als alle ihre Vorgängerinnen. Allein bei dem Zusammenbruche der Leipziger Bank und bei Kasseler Trebertrockn angs gesellschaft sind 87 Millionen Mark verlor« n gegangen, Summen wie sie früher nicht vorkamen. Nur bie Zahl bet verkrachten Unternehmungen mag bei den früheren Krisen bebeutenber als jetzt gewesen sein; bie Summe beS Verlorenen nicht. Und dabei sind wir wohl noch nicht am Snbe dieser Krise an gelangt, so baß wir nicht wisse«, was an Verluste« noch nachkommt. Interessant ist bie Krach-Statistik ber Jahre von 1873 bis 1899: Während dieser Zeit sind bie Aktien von nicht weniger als 150 Gesell­schaften in Deutschlanb werthloS geworden gering gerechnet! Sollte damit »icht genau gezählt fein, bann würde bie Zahl der ver- krachte« Aktiengesellschafte« noch mehr, aber auf keinen Fall weniger als 150 betragen; daS macht im Durchschnitte sechs auf jedes Jahr. Allein in Berlin find sieben Banken und dreiundsünfzig industrielle Gesellschaften verkracht, vor allen Dingen Baugesellsckasten. Der Bau- schwindel ist seitdem eine unaushörlichePlage gewor­den. D»r Baugesellschaften waren eS einunddreißig, bann folgen unmittelbar mit bet Z ffer 30 bie Bergwerks- und Hüttenunternehmungen und mit 28 die Mafchinsn- und Metallindustrie. Im Textilfache ist eS solide zugegangen, und am ruhigsten bei d« Brauerei. Bierburst hat man in Deutschland Immer genügend entwickelt, auch in schlechten Zeiten, und die gute» deutschen Biere haben ja auch im Auslände einen immer steigenden Anklang gefunden. Auf jeden Fall find während deS letzten Vierteljahrhunderts ganz ungeheuere Summe» durch be« Zusammenbruch von Aktiengesellschaften verloren gegangen, bie nicht so hoch zu sei« brauchte«, wenn für eine bessere Beaufsichtigung ber Aktiengrünbungen ge­sorgt wäre. Man mag sage», was ma» wolle: Thatsache ist eS und bleibt es, daß unsere Aktten- gesetzgebung nach einer Verbesserung förmlich schreit. Daß vor allen Dingen die Einrichtung der Aufsicktsräthe reformbedürftig sonder- gleichen ist, tsi ichon oft erörtert worben.

-f- Ksntrnm und Zolltarif. Die Blätter, die dem Centrum nicht hold sind, erfinden aller- einen Sitz. Die kurzen stämmigen Beine berührten btt Böden nicht Und baumelten hin und her. Von draußen herein drang immer noch die lär­mende Musik, da» Brausen und Summen ber Menschenmenge, das Geschrei der Kinder

Johann Wilhelm Neumann ließ sich nicht be­helligen durch den ständig wachsenden Lärm, son­dern ging wieder seinen Gedanke» nach. Er hatte nicht oft Zeit zu diesem -Luxus, aber es war heute ein ganz besonderer Tag, der ihm am Abende eine Entscheidung von für ihn unberechenbarer Tragweile bringen mußte. Seit längerer Zeit schon war er zur Arbeit wenig brauchbar gewesen; er wußte wohl, daß dies nicht auf die vorher­gegangene wochenlange fast übermenschliche Thätig- keit zurückzuführen war, die ihn Tag und Nacht in Anspannung gehalten hatte pah, Johann Wilhelm Neumann kannte keine Ermüdung, sonst würde et nicht da» sein, wa» er heute war. Aber die unnatürliche Auftegung, das peinliche Er­warten von etwas überaus Wichtigem, das schon so nahe ist, daß ma» seine Nähe gleichsam fühlt, hatte feine Nerven überreizt.

Wie es stets bet Fall ist, wenn ei» neuer Lebensabschnitt vor un6 liegt, trat auch vor Neumanns Seele bie Vergangenheit in scharf umriffenen, leuchtend klaren Bildet».

Et wat ber Sohn eines kleinen Schreiner- meistetS unten ans ber Altstabt. Seine Mutter hatte er kaum gekannt, bet Vater hielt ihn über- fiteng, hatte ihn, fein einziges Kind, auch nicht auf eine höhere Schule geschickt, wie es Johann Wilhelms heißester Wunsch gewesen wat. Er hätte es ganz gut gekonnt, bet Vater, ober er trank viel unb spielte gern »u», er wat tobt.

Hand wenig geistreiche Dinge, mit denen sie das Centrum dermaßen zu erregen glauben, daß diese» aller Welt klaren Wei» einschenken werbe Über da», was es mit und bei ber Bsrathung be« Zoll­tarife« anfangen wolle. Daß diese« Beginne« vollkommen verfehlt ist, versteht sich von selbst; Klarheit kann überhaupt erst die KomrnisfionSbe- rathung in einer weiter vorgeschrittenen Ent- wickelungsstufe bringen. Aber damit die Gegner einer gesunden Zollpolitik zum Schutze der »eimrschen Arbeit doch wissen, daß ihre Hoffnunge« auf das Centrum vollkommen vergeblich sind, hat >er Cenlrumsabg. Fritzen neuerding» fein« Meinung ausgebrückt in einer Versammlung zu Wefel: Abg. Fritzen ist für Einführung von estgelegten Mindestzöllen auch beim Vieh unb Verz­ollung be« eingeführten Viehs nach beffen Werths; n ber Theorie ist Herr Fritzen auch ein Freund von Schutzzöllen für gärtnerische Erzeugnisse man steht stets von Neuem: wer auch immer von Centrumsabgeorbneten sich äußern möge, bie Aeußerung fällt schntzzöllnerisch au«, schutzzölln^ rtfcher al« ber Regierungsentwurf. Unb enblich werben nun bie Herren von bet linken Seite boch wohl einsehen lernen, baß ba« Centrum zu gerecht benkt, als baß e» sich bavon abhalten lassen könnte, ber bebt äugten Landwirthschaft nach Möglichkeit zu Hilfe zu kommen.

-i-Kin vedenlender Mechtsgekehrt-r »6er Mörse Großkapital. Manche von ben Zeitungen, bie ben Interessen bet spekulirenden Börse Dienstbar sinb, stellen sich gern so an, als seien es nurAgrarier" unbReaktionäre", bie sich einet Aenbetung bes Börsengesetzes zu Gunsten bet Differenz- unb Termingeschäfte widersetzen. Zum wüteten Beweise dafür, baß daS burchans unrichtig ist, läßt sich ber Geheime Justizrath Dr. FelS inLechzig in ber Janstische» Wochen­schrift vernehme», in bem Organe beS deutschen Vereins bet Rechtsanwälte. Bon ben Leuten, bie baS Börsengesetz unb namentlich ben vielbe­sprochene» Paragraphen umgeSnbert haben wolle» zu Gunsten eines fteiern Spiels bet gewerbS- mäßigen Spekulation, sagt Dt. FelS sehr treffenb:

Wähtenb bie überwiegende Mehrheit deS Volkes mit bem Börsengesetze zuftieben ist, bat eine kleine, aber einflußreiche unb rührige Partei es von Anfang an bekämpft unb ver­sucht, theilS durch Trotz, theils mit Hilfe juri- stische» Scharfsinns . . . eS lahm zu lege«. DaS ist hi» jetzt mißlungen. Nachdem nun aber ber Reichskanzler ... ben BörsenauS- schuß über Reformbedürftigkeit des Gesetze« gutachtlich sich hat äußern laffen unb bann... Besprechungen mit Vertrauensmännern statt- gefunben haben, erscheint eS müßig, bie Frage zu erörtern, ob es nicht besser gewesen wäre, vor bem Eintritt in bie Reformfrage weitere

Erfahrungen abzuwarten . . . ."

Doch nicht so ganz müßig; noch ist ja bet fragliche Gesetzentwurf nicht bi« an ben Reichs­tag gelangt. Die HerrenBörsenreformer" scheuen sich ja sogar ntcht, Hand an daS Bürger­liche Gesetzbuch zu legen:bie Reform fr eunbe erstrebe» so sagt Dr. Fels indem sie eine Abänderung deS kaum in Kraft getretenen § 764 de« Bürgerlichen Gesetzbuches verlangen, ein

In der Volksschule brauchte Johan» Wllhelm feinen Hellen Kopf nicht übermäßig anzusdengen; er war und blieb ja boch ber Erste. Es war in ihm ein Ueberschuß von geistiger Kraft, Die ihn seine quecksilbrige Regsamkeit, fein unruhiger Tätigkeitsdrang in Anspruch zu nehme» trieb. Johann Wilhelm that'S, unb in ber Art unb Weise, wie er that, lag schon ein Hinweis auf seine zukünftige Lebensthütigkeit. Mit Eifer be- trieb er bie Jugenbspiele, bei bene» es etwaS zu gewinn, »gab: Griffel ober Stahlfebern, Schreib­papier oder Solbatenbilber. Spiele, bei denen eSnichts zukpekullrengab, verschmähte er; lieber erfand er neue Spiele, bie seinen Erwerbsdrang stillten, wen» seine Kameraden ber alten über» brüsfig geworben waren.

Als er bie Schule verlasse» hatte, mußte er seine Lehrzeit in ber Werkstatt seines VaterS durchwachen unb hart arbeiten. Wenn aber seine Altersgenoffen, bie ba*unb bort in ber Lehre waren, bie Abendstunden zu ihrem Vergnügen benutzten, saß er in seinem armselige» Dach­kämmerchen und studirte, um bie Lücke» seines Wissens nach Möglichkeit aus,»fülle». Schließ­lich gelang eS seine» instänbige» Bitten, bem Vater bie Erlaubniß zum Besuche ber Abend­

schule abzuringe».

Einige Wochen, nachdem er seinem Sohne ben Lehrbrief ausgefertigt hatte, starb der alte Neu­mann, unb Johann Wilhelm stand nunmehr al8 Erbe deS geringen väterlichen Vermögens allein fa ber Großstadt. DaS Geschäft seines Vaters war nur klein unb besaß wenig Kundschaft Zwar hätte es bei bescheidenen Ansprüchen den jungen Neumann wohlernährt, aber sein Streben ging höher hinaus