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29. Jahrgang.
Iutdcr, Donnerstag, den 2. Januar 1902.
zutrage«!
scheint. Danach hat der Botschafter der nord» amerikanischen Staateuunion Folgende» au-ge» führt: „Keine einzige der amerikanischen Krieg«, behörden würde jemals unter irgend einer Be» dtngung eine solche Ansicht äußern und ganz besonder» nicht „in einer Zeit, wo die Beziehungen zwischen beiden Ländern so gut sind wie gegen» wärtig. Ueberdtes wisse man doch zur Genüge daß der Präsident der Vereinigten Staaten, Herr Roosevelt, der oberste Befehlshaber der Armee und der Flotte ist und nicht nur amtliche, sondern auch persönliche freundschaftliche Beziehungen zu Deutschland pflege . . . ." Aus den Präsidenten der Vereinigten Staaten kommt am Ende nicht gar zu viel an. Aber der Botschafter hat gang gewiß damit recht, daß „von allen Zeitungsenten, die seit einiger Zeit in die Welt gesetzt worden sind, diese die allerlahmste sei". Innerhalb der Vereinigten Staaten selbst ist man an leüeu» der Stelle dem Deutschthum nicht« weniger al» hold; da möchte man am liebsten alle» Deutschthum von beute auf morgen zu Iankeethum umwandeln. Aber da» Deutsche Reich werde« die
Drulfche» Keich.
Berlin, 1. Januar.
wuchs, je länger ihm der Anblick des holde« Mädchens versagt blieb. Aber den Gedanken, die Geliebte ganz sei« eigr» nennen zu dürfen, hatte er längst aufgegeben. Dies Glück zu kosten schien ihm «ach seinen unglückliche« Schicksalen unmöglich zu sein, und er hatte daher still refignirt. Niemals wäre er fähig gewesen, sein Herz einem neuen Glück zu öffnen. I» der Erinnerung an die einzige schöne Episode seines Lebens, die von Sonnenlicht durchflalhet war, fühlte er sich wohl. Mehr von diesem freudenlosen Dasein zu verlangen vermaß er sich nicht. Die Arbeit machte er z« einer verttauten Lebensgefährtin und darin allein fand er seinen Frieden.
Nun sollte er der Angebeteten seine- Herzen- abermals gegenübertreten! So plötzlich, so ganz unvorbereitet. . .
Wie würde er sie finden! Vielleicht gehört ihr Herz längst einem Andern. Band fie doch kein Schwur der Treue, nicht einmal ein einfache- Versprechen, da Erwin er unter de« Druck seiner Verhältnisse nie gewagt hatte, ihr sein Herz z» öffnen, sich ihr zu erkläre«.
Diese Empfi«du»ge« durchwogte« Erwin- Brust so heftig, daß er glaubte, die Sinne müßten ihm vergehen. Kaum war eS ihm möglich, sich an der Seite de- Freundes aufrecht zu halten.
. ... Hab so kam daS Wiedersehen, ei» seliger Rausch, ein «sermeßlich tieseS, im Wiedererkennen unsagbar glückliches Fühlen und Empfinden, das Aufleuchten eines neuen Stern- von ungrahMem Glanze, der nun nicht mehr erbleiche« sollte . . .
„Könnten Sie mbc", fragte Erwin, die Majorin begrüßend, „nach den schweren Schick» salen, die mich gettoffe», da- Vertrauen wieder
X Die A-ujaHrsartikel der Berliner Blätter find im Allgemeinen sehr pessimistisch ge- gehalten. Ueberall wird hervorgehoben, daß ein schweres Jahr hinter unS liegt und daß die Hoffnung, es werde sich Alle» bald wieder zum Bessern wenden, gering ist. Ei« Jahr deS Kampfes stehe uns bevor, so entscheidungsschwer, wie die Geschichte des jungen deutschen Reiches wohl noch keines gesehen habe — Der .Lokal- Anzeiger' hat sich an eine Reihe hervorragender Männer mit dem Ersuche« gewandt, dem neue« Jahre ein Geleitwort mit auf den Weg zu geben. General - Superiutendeut Dr. Faber wünscht vom neuen Jahre die Wiedervermählung de» deutschen mit dem christlichen Geist und die Bethättgung des Chriftenthums. Oberbürgermeister Kirschner korcrntrirt seine Wünsche auf das Erwerbsleben, für deffeu Gestaltung er im neuen Jahre nicht ohne Beforgniß ist. Ei« baldiger Aufschwung der wirthschastlichen Lage ist «ach seiner Auffassung kaum zu erwarte«. Ec vermag nichts zu entdecken, was u«8 schnell aus der Krisis heraushelfe« sollte. Die Stadtverwaltung könne zur Hebung der Lage nicht allzu viel thun. Der Wunsch Kirschner'- für das gegenwärtige Jahr lautet: Gewißheit über dir Zukunft wfeter Handelspolitik. Hoffnungsfreudiger sieht der Präsident derRetchS- bank, Dr. Koch, die wirth schaftliche Lage des neuen Jahres an. Aus den von den verschieden- sten Setten ihm zugegangenen Berichte» ersteht er, daß eine Besserung in unserem WirthschastSleben einzusetzr« beginne. Anscheinend sei daS schlimmste verstanden. Einen mehr philosophischen geschichtliche« Charakter trägt die Aeußerung Rudolf Virchow's. Er wünscht zum neue« Jahre, daß die Menschen vernünftiger werde«, daß sie mehr denken und daß sie auch mehr Geduld an den Tag legen. I» sehr ernstem Tone gehalten ist, was Ernst v. Wildenbrui'
ch auf die an ihn gerichtete Frage geantwortet hat. Er wünscht Deutschland ein Sich-Aufraffe», ein Sich-Empor- schwingen zu starken Empfindungen und weitgehende« Verstäudviß für die Fragen der Zeit. Leider sei der Himmel trübe und mit schwarzen Wolken bedeckt. WUdeubruch ist voll Sorge für Deutsch-
Q Wreschen, Wreschen und kemEnde.
Es ist leider dafür gesorgt, daß die unaufhörlichen Auseinandersetzungen über die Polen und die polnische Regierungspolitik nicht langweilig werden. Aber es würde besser jeta, wen« es sich ander- verhielte. Bon den Frauen sagt ein Sprichwort, daß die besten diejenigen seien, von denen am wenigsten gesprochen werbe. So ist eS auch hier: mit dem Polen- thum und dem Berhältniffe zwischen ihm und der Regierung würde es am beste« stehe», wenn gar nicht davon gesprochen würde!
Zunächst ist die bedauerliche Thatsache fest- zustrllen, daß die Zustände, wie fie zuerst in bet Wreschener Schule sich entwickelt haben, »ach lieb rach in allen möglichen aederen Schule» der Provinz Posen auch entstehen. Der Religionsunterricht wird in beutscher Sprache ertheilt, bie Zahl bet polnischen Schulkinder, die deutsche Antworten geben, wird immer geringer. I« einigen Schuten ist ein völliges SchrecknSsystem eingeriffn: die Kinder, bie noch deutsch antworten, werde« von den andere« verhöhnt und sogar mitunter mißhandelt. Daß die Kinder daS nicht aus fich selbst heraus haben, »ersteht fich von selbst. DaS jtnb die Folgen von Anweisungen, die die Kinder von ihren Eltern bekommen; und diese wiederum folgen der Anregung anderer Personen, bie der Ansicht sind, daß bie Interesse« be» PolenthumS auf diese Art am besten gewahrt würden! Leider ober entwickelt fich mit diesem Widerstande gegen bie Staatsgewalt unb beten verfehlte Maßregeln gleichzeitig bei ben Polen ein fteiflenber Haß gegen alles Deutschthum, und die schließlichen Folgen der Polenpolittk der Regierung bestehe» i« unausgesetzt steigender Entfremdung der beide« Volkskämme, die neben« einander ht einem großen Theile der deutschen Ostmarken wohne«. Und der neue PolenkurS der Regierung begann mit dem Motto der Versöhnung der nationalen Gegensätze unter Segel — welcher Hohn auf die nachfolgenden Thalsachen!
Daß die Pole« fich aushetzen lassen gegen die Deutschen, ist auf keine« Fall zu Billigen. Aber es gibt viele Entschuldi» gungSgründe dafür. Lasse» wir hier einen Rann sprechen, der von einem der unserigen ganz entgegengesetzten Standpunkte auSgeht und doch zu demselben Ergebnisse gelangt, wie wir: Nämlich den protestantische« Pastor Dr. Rade in der vm ihm herauSgegedene» .Christ! iche« Welt', die auf durchaus protestantischem Bode« sieht.
„Im ersten Jahrgange unsere« Blattes — so schreibt Dr. Rade — findet sich (1887) et« Aufsatz: Zur Polenfrage. Von einem hervorragend kundigen Manne. Der Aufsatz ist heute noch lesenkwerth. Ec schließt mit dem Satze: „DaS Deutschthum wird nur erfolgreich gefördert werden können, we«« bet Protestantismus gefördert wird."
Und ein Mann, so wird man frage«, der solche Grundsätze hat und verficht, sollte zu beet richtige« Urthetl über bie Verhältnisse tn
ben deutschen Ostmarken gelange» ? Ja — und das ist eben da« Merkwürdige daran! Dr.Rade schreibt weiter:
»Ich hätte heute so wenig wie damals etwa« gegen diese Losung (also deS Protestantifirens!), wenn fie RegierungSmaxime würde, einzuwen- den. Nur daran hätte ich ein Interesse, daß diese Förderung des DeutschthumS und deS Protestantismus im preußisch-polnischen Gebiete ohne Gewissensverletzung der Polen und Katholiken vor sich ginge . . . Davon, daß man mildem gegenwärtigen System der Strenge wirkliche Erfolge erziele, verlautet wenig. So wird man eS über kurz oder lang wieder anders versuchen . . . Was würden wir dazu sagen, wenn unsere deutschen Lutheraner in Rußland russisch, i« Siebenbürgen magyarisch ihren Religionsunterricht er» Weilen müßten! Beides ist nicht bet Fall. Was Rußland betrifft, so erfolgt in den baltischen Provinzen nicht in den Volksschule«, sondern auch i« ben völlig ruff fizirten höheren Schulen ber Religionsunterricht in der (deutschen) Muttersprache. Es haben also die Deutschen deutsche, die Lette« lettische, die Efthen esthenische ReligionSstundrn . . . Wir werden alle das Gefühl habe«, daß dieser Zustand unserem idealen Empfinden entspricht. So sollten wir auch dasür etwas übrig haben, daß polnische Kinder polnisch i» ihrer Religio« unterwiese« werden . . . Hier ist der Bode« für politische Experimente nicht gegeben. Unb was ist den« poltttsch gewonnen, wenn man einerseits die Polen kulturell hebt, wie durch unsere Staatsschule« ohne Zweifel geschieht, und sie anderseits ohne Noth vor ben Kopf stößt, ja im innerste« Heiligthurn verwundet und so der fanatische« Agitation ohne Noth Nahrung zuführt? . . .
Pastor Rade trifft de« Nagel auf ben Kopf. Die Regierung will ein Gewaltregiment führen nach dem Grundsätze: Biege« oder Brechen; und fie glaubt und behauptet, ihr Regiment fei aufgebaut auf den Grundsätzen der Kultur. Was soll denn nun kommen — eiserne Maßregel mit Flinte und Säbel? Bald wird nicht- Andere- mehr übrig fein; Aber das ist doch sicherlich keine Kultur.
Frhler über Fehler machen auch die Polen. Aber daß fie noch immer klugen Ermahnungen, zur Vorsicht zugänglich find, beweise« die letzten Vorgänge im galizischen Landtage. Man wollte die Wreschener Vorkommniffe zum Gegen- stände von Interpellationen unb Debatten machen; da- Ganze sollte eine Entrüstungskundgebung gegen die preichische Regierung werben. Aber auf eine kluge Warnung von Wien her ist ber Wind »mgeschlagen unb man hat ohne irgend- welche Debatte eine Erschließung angenommen, die auf be« richtigen Gcnndto« gestimmt ist, daß eS keineswegs im Jntereffe ber Polen gelegen sei, durch leidenschaftliche Debatten bet Erregung innen unb außen neue Nahrung zu geben!
Silber aber wird eS an erneuten solchen Debatten webet im Reichstage noch auch im bann, wenn bie Riesenarbeit gethan war, wenn ich mit selbst vor meinem Gewissen das Zeug- «iß geben durfte, baß ich ein freier Mann fei, befreit durch bie Kraft de» Willens unb bie Energie bet Arbeit — dann war eS ja selbstverständlich, daß ich Sie ausgesucht hätte, daß ich vor Ihre treuen Augen getreten wäre mit der ehrlichen Frage: Haben Sie einen Tadel oh mir, oder handelte ich recht?"
Leldenschastlich hatte Erwin diese Worte her- vorgestoßen unb feurige- Roth bedeckte feine Wangen.
Bewundernd und entzückt zugleich schaute ber Rach bem jungen Freunde in'- Antlitz.
„Unb jetzt?" fragte er freubig erregt. „Komme ich zu rechter Zeit, um auf Ihre Frage zu antworten?"
„Die Zett ist da," entgegnete Erwin, indem er dem Rach bie Hand reichte.
Dieser schlug kräftig ein, inbent er sagte: „Nu« wohl, Ecwi«, Sie thaten recht. Ich finde keine« Tadel an Ihne«."
Nu» setzten fich die Freunde einander gegen» über unb e- begann ein Au-tausch von Gedanken, Erlebnisse« und Erfahrungen, bie sie bie rasch verrinnende Zett fasi vergessen ließ.
Einem fragende» Blick des RatheS begegnete Erwin verständnißooll mit ber Mittheilung, daß fein Vater »ach abgebüßter Strafe vor Jahresfrist in die neue Welt ausgewaydert sei unb daß er von ihm nicht mehr die geringste Nachricht erhalte« habe.
Nachdenklich nickte der Rath.
„Verdorben, gestorben!" murmelte er vor sich hi«, indem er die Hand de- Jüngling- theilmh- mend drückte.
„Nun aber hätt' ich bei Leibe fast den Zweck
Herren sicherlich stet» und immerbar in Frieden lassen!
* Kirre deutsche Ilottendemaustratio« i* Venezuela steht bevor. Nach einer Londoner Depesche aus Washington feilte der deutsche Botschafter von Holleben dem Staatssekretär Hay amtlich mit, Deutschland beabsichtige, ein Geschwader nach den venezolanischen Häfen zn senden, Marinesoldaten dort zu landen, die Zollämter zu besetzen und sie zu hatten, bi- zwei Millionen Dollar Revenue», bie Schuld venozelanischer Untertanen an deutsche Reich-» angehörige eingenommen feien. Holleben fügte hinzu, Deutschland werde unter leinen Umstände« versuche«, irgend welches Gebiet außer den Zollhäuser» zu besetzen. Da- Staatsdepartement ist von diese« Erklärungen befriedigt. — I« Caracas bauet« unterdessen die Verhandlungen zwischen bem deutschen Geschäftsträger unb dem Präsidenten ber Republik Venezuela Castro fort. Eine Veränderung im Stande dieser Angelegenheit war bis Dien-tag Mittag nicht eingettete». An wohl unterrichteter Stelle wird hervorgehobe», daß auch keine Verschlechterung bet Situation erfolgt ist.
* Wegen bet wiberrechtlich e» Oefsnung von Briesen auS Dentfch-SLbtvsstafeikäi hat da- Re ich-post amt butch bie Hamburger Oberpostdirettion eine Untersuchung gegen bie Uebergriffe ber englische« Ceufur- behörden eingeleitet. Rach der .Deutsche» Wochenzeitung' in ben Niederlanden steht ei fest, daß versiegelte deutsche Postsäcke von de» englische» Behörde« erbrochen worden find. In Amsterdam unb Rotterdam seien zahlreiche Briefe aus DrHtsch-Büdwestafrika eingetroffen, welche vom englische» Censor in Kapstadt erbrochen unb mit seinem Stempel versehen worben stnb. Diese Briefe entstamme» Post- sScken, bie bei ihrem Abgang aus Deutsch-Südwestafrika Der flegelt waren.
* An dir Eröffnung des ASgeordnete»- Hanses am 8. Januar schließt fich in gewohnter
"TSSXÄ"' mit Nnterhaltungs -Meilage „M'uüririe Sonntags-Aeitnng" *’*’*
preußischen Landtage während der nächsten Zeitschrift, ,The German Time»', die in Berlin er- fehlen. Auch hierbei wirb es die natürliche^**- Aufgabe be» CmtrumS sein, nach Möglichkeit zur Ausgleichung ber bestehenben Gegensätze bei»
K Inserate: Die
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Gelöste Jestern.
Orginalnovelle von Felix Lanther.
IS) ------(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Im nächste» Augenblick lagen sich zwei Freunde um den HalS unb küßten sich unter Thräkien ber Freude.
„Mei« lieoer, lieber Rath!" rief Erwin Rtthhardt ein Mal über das andere. „So haben Sie mich also doch aufgefischt unter ben Hunderttaufenden unb Millionen —"
„3« freilich, mein Lieber," entgegnete der Rath herbe, als der erste Sturm der Freude des Wiedersehens verrauscht war. „Und Sie werde» mir zugeben, daß ich alle» Grund habe, Ihne» sehr döse zu sein. Jahre find ins Land gegangen, -otyae daß Sie das Geringste hätte» von sich hören lasse». Selbst Ihre» Abschied von der richterliche» Karriere habe ich von anderer Seite z« meinem nicht geringen Schrecke« erfahre« müssen."
Er sah ben junge», blühenden Mann mtt vorwurfsvoller Miene und doch mit einem Blick so« solcher Zärtlichkeit an, daß Erwin sofort erkenne» konnte, daß daS Glück de- Wieder« sehens allen Groll im Herze» des väterlichen Freundes auSgelöscht hatte.
„Ich weiß, ich war undankbar," entgegnete er weich. „Aber konnte ich ben» anders? Als der schwere Entschluß gefaßt war, ba wollte ich mich erst hinburchringen durch alle Beschwerbe» unb Mühsale. Ich wollte, ich mußte erst bie FsAeln lösen, bie mich eifern umspannte». Und
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lanbs ferneres Geschick.
X Aentfchlaud unb Amerika. Amerikanische Zeitungen hatten den Unsinn aufgebracht, daß die Militärbehörden der Vereinigten Staaten von Amerika einen Krieg mit Deutschland früher oder später für unvermeidlich hietten. Verständige Menschen haben sich schwerlich durch diese überkühne Reporter-Phantasie beunruhigen lasten. Der amerikanische Botschafter hat die Sache indesten doch für wichtig genug erachtet, um ihr einen fraulichen Widerspruch entgegen,u- setzen. Dies geschieht durch eine englische Wochen- meines Herkommens vergessen," der ber Rath, tnbem er sich erhob unb nach der Uhr sah.
„Hören Sie, Erwin, ich brauche Sie bei einer amtlichen Funktion. Sie müssen mich begleiten, damit wir nicht die Herrschaften, zu denen ich Sie führen will, bei Tische überraschen.
Ecwi» war einigermaßen erstaunt über diese Aufforderung. Dann brach er in laute- Lache« aus.
„Das wird wieder einer Ihrer alten Scherze sein, lieber Rath," sagte er.
„Denken Sie darüber, wie Sie wolle«, aber mitnehmen muß ich Eie, u«b ich dulde keine» Widerspruch in diesem Falle!"
Die letzte» Worte hatte E-Hardt mtt komischem Ernst im Kommando-Tone gesprochen.
Erwin fügte fich ohne weiteres Zögern. Er war auch nicht ganz ohne Neugierde, wa- ber alte Fceunb eigentlich mit ihm vorhabe« möchte.
Vor dem Hause Bendlerstraße Nr. 2 hielt der Einspänner. Still lächelnd schob ber Rath den Arm seine- junge» Freundes unter ben seinen, um ih«Hdie wohlbekannten Stufe« in bte Wohnung ber Frau Majori« von Hochfeld hinaufzuführen.
Erwin war beim Anblicke de- Hauses, an vaS fich für ihn so viele wonnige unb zugleich mehmüthige Erinnerungen knüpften, fast erstarrt. ES kostete Erharbt unendliche Mühe, ihn zu bewegen, bie Schwelle wieder zu betreten, bie er einst unter so traurigen Umständen hatte verlassen müsse».
Gewiß, die Liebe zu Gretchen von Hochfeld loderte in Erwin's Busen so heiß wie je, ja, es war ihm, als ob die Macht dieser Liebe Über ihn