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Rotationsdruck u. Verlag oer N uibact Re- tienbruaerei in sulba. Sentipre oer Nr. 9.

JV3 >98.

Fulda, Sams last. Den 30. Dezember lauä.

3 . Jalirqauq.

Heer und Marine.

Ad. v. d. Lüh e, preuß. Generalmajor, gest. 1. Ian. zu Hannover, 69 I. — Hermann Frhr. u. Sie» tinghoff, preuß. Generalleutnant a. D, gest. 6. Ian. zu Görlitz, 76I. — Ludm. Ritter v. Vogl, bayr. (Jeneralleutnant, gest. 9. Jan. zu Münciien, 67 I. — Wiih. Graf v. Moltke, preuß. Generalleutnant, gest. 12. Jan. zu Hannover, 60 I. — Wiih. von Livonius, preuß. Generalleutnant z. D,. gest. 22. Jan. zu Berlin, 64 I. — Graf Hugo zu Jtzen- p l itz, preuß. Generalmajor z. D„ gest. 27. Jan. zu Wilmersdorf, 59 I. — Karl v. Pressen thew, preuß. Generalmajor z. D., gest. 28. Januar zu Schwerin, 85 I. — Gustav Hermann v. Alve:rs - leben, preuß.Genera!, gest. 1.Febr. zu Möckmühl, 78. I. — Heinr Ritter v. Lylander, bayr. Ge­neral. gest 22. Marr zu München, 65 I. — Re­nat d, franz. Obern, Direktor de- Militär. Luft­schifferparkes, gest. 13. April zu Meudon, 60 I. — Heinr. Grai v. Lehndorff, preuß. General, Ge­neral-Adjutant Steifer Wilhelms I„ gest. 25. Febr. zu Schloß Preyl, 76 I. — Wtlh. v. Masi on, preuß. Generalmajor und Wirkt. Geb. Kriegsrat, gest. 24. i’iot zu Berlin, 84 I. — Wilh v.Woelckei n, tvürttemb. General, gest. 25. Mai zu Stuttgart, 76 I. — Karl Fehr. v. Leonrod, l>amc. Gene­ralleutnant z. D., gest 18. Juni zu Garmisch, 91 I. — Emil v. Tresckon, preuß. Generalleutnant z. D., gest. 18. Juli zu Quedlinburg, 95 I. — Hugo v Beton, preuß. Generalleutnant z. D., gest. 20. Juli zu Oberstdorf, 81 I. — Karl F. Hoyer v. Rotenheim, preuß. Generalmajor, Komman­dant von Berlin, gest. 31. Inti zu Berlin, 56 I. — Alb. »Boguslawski, Generalleutnant z. D., Mllitärichrislsteller, gest. 7. Sept, zu Berlin, 71 I. — Paul von Rheinbaben, preuß. Gcneral- leutn. z. D, gest. 12 Sept, zu Potsdam, 71 I. — Dr. Karl von Orfs, hager Generalmajor a. D., gest. 26. Sept, zu München. — Thibandch, ehem. französ. Kriegsminister, gest. 28. Sept, zu Paris. — Paul v. Schmidt, preuß. General­major, Militärschriftsteller, gest. 16. Oft zu Mei­ningen, 68 I. —Gustav von Brandenstein, Württemberg. General, gest. 17. Oft. zu Schloß Brandenstein, 75 I. — Michael Dragomiron, russ. General, gest. 28. Oft zu Konchop, 75 I. —

Robert von Ty la »der, ehem. bayer. Bundes- ratsbevollmächiiglcr, gest. 28 Oft zu München, 75 I. — Moritz, Ritter von 0rf f, bayer. General z. D., gest. 28. Oft zu München, 73 I. — Adalbert von Barby, preuß. General, gest. 28 Rov. zu Koburg, 85 I. — Moritz Deimlings Korvelten- kapitäti, Kommandant des „Tiger", gest. 20. Rov zu Shanghai. — Victor Sacharon, ehem. russ. Kriegsminiüer, gelt, «ermordet) 5. Dez. zu Sara on, 57 I — Ernst von Hoffbauer, preuß. General z. D., gest. 10. Dez zu Berlin, 69 I.

Parlamentarier und Politiker.

Karl Lindner, Reichslagsabg. gest. 12. März zu Leman, 56 Jahre. — Antorr Proust, fran­zösischer Polttiker und Schriftsteller gest. 22. März zu Paris, 73 Jahre. — Ferv Wall brecht, Reichs­tags- und preuß Landtagsabg., gest. zu Hannover, 65 Jahre. — Friedrich Jaller, Reichstag-abg. gest 28. April zu Borndorf, 48 Jahre. — Theodor Graf Andra s|y, ungar. Parlamentarier, gest. 13. Mai zu Ofen-Pest, 48 Jahre. — Jnstizrat Bogt, preuß. Landtagsabg. gest. 19. Mai zu Oppeln, 50 Jahre. — William O'Bricu, irischer Agitator und englisches Parlamentsmitglied, gest. 28. Mai zu London, 53 Jahre. —■ Stephan Graf Keglerich, ungar. Politiker, gest. 29. Mai (im Tuelli zu Ofen-Pest, 65 Jahre. — Gerhard Stötzel, Reiätstagsadg, gest 1. Juni zu Berlin, 69 Jahre. — Dr. Pfretzschner, österreich. Abg., gest. 22. Juni zu Innsbruck. — Dr. Max Hirsch, preuß. Landtagsabg., Mitbegründer derHrrsch-Tuncker'-schen Gewerfvereine, gest. 26. Juni zu Homburg v. d. H., 73 Jahre. — Oskar Gal! erj Württemberg. Landtags- und ehemaliger Reichstägsabg. gest. 16. Juli zu Stuttgart, 61 Jahre. — Joh. Knie, preuß Landtagsabg., gest. 23. August zu Köln, 48 Jahre. — Otto Fries, Reichstagsabg., gest. 24. August auf der „Eleonor Woermaim", 56 Jahre. — Ludolf Parrisius, freisinniger Polittker, gest 24. August zu Berlin, 87 Jahre — Eugen Beuillot, franzöt. Publizist, gest. 18. September in Paris, 87 Jahre. — Leithold, sächs. Landtagsabg., gest. 14. Rov. zu Tettau i. S-, 65 Jahre. —Hodler, Landrzerichtsrat, preuß. Landtagsabg., gest. 7. Dez. zu Hechingen, 47 Jahre.

Zweites Mt'att.

wochen-Rundschau.

(Rachdruck verboten.)

Fulda, den 30. Dezember 1905,

Die Weihnachtszeit gehört in der Politik zu der sogenannten „füllen Zeit". Nicht, daß der Gang der Weltgeschichte stille stände, aber im Allgemeinen pflegen doch um die Weihnachtszeit die Ereignisse sich nicht so zu drängen, wie sonst wohll Tie Parlamente feiern; es werden keine Nedeschlachten ausgefochten. Aber diese Ruhe währt nicht lange. Inzwischen hat sich, wenigstens für den Reichstag, der „Zünd­stoff" noch gemehrt. Gerade vor Weihnachten ist ihm noch der angekündigte weitere Nachtragsetat für Teutsch-Südwestafrika zugegangeu, der nicht weniger als 30 Millionen Mark für diese Kolonie erfordert.

Die auswärtigen politischen Fragen, an deneit wir interessiert sind, nehmen einen ruhigen Ver­lauf. Tie Marokko - Angelegenheit bietet vorerst zu Besorgnissen keinen Anlaß mehr, nachdem die Zweifel über den Ort für die Kon­ferenz geschwunden sind. Spanien hat die An­regung, die Konferenz in Madrid zufammentreten zu lassen, eridgiltig fallen lassen; es bleibt bei Algecieras. Gewisse Differenzen zwischen den Auffassungen Deutschlands und Frankreichs in der Marokkofrage werden sich wohl verflüchtigen, wenn das deutsck>e Weißbuch über Marokko er­scheint, das jetzt zur Ergänzung des französischen Gelbbuches definitiv angekündigt ist. Auch die Spannung zwischen Deutschland und Eng­land scheint nachzulassen. Die gegenseitigen Sympathiekundgebungen, denen sowohl der deut­sche Reichskanzler tote der neue englische Minister­präsident die besten Wünsche mit auf den Weg gegeben haben, scheinen nicht unwirksam zu blei­ben. Ob, tote versichert wird, auch zwischen de» Höfen von Berlin und London wieder bessere Beziehungen Platz gegriffen und in „herzlichen Weihnachtswünschen" Ausdruck gefunden haben, läßt sich nicht so ohne weiteres annehmen.

Aus unseren Kolonien liegen keine Hiobs­botschaften vor. Schon das ist unter den obwal­tenden Umständen als ein Gewinn zu betrachten. Die Unterwerfung der Witbois in Deutsch-Siid- wesll-frika scheint weitere Fortschritte zu machen.

In wenig erfrettlicher Weise hat man aus radikal-liberaler Seite die Weihnachtstage dazu benutzt, um die Opposition gegen das preußi­sche Volksschulunterhaltungsgesetz zu fördern. Leider scheinen die Lehrerkreise sich dem Schlagwort von der ..Berkircklichuna der Schule" zugänglicher zu erweisen, als man bisher annehmen konnte. Es ist das eine Wahrnehmnng, welche der Forderung nach der Festlegung des konfessionellen Grundcharakters der Volksschule nur noch mehr Nachdruck verleihen kann.

In Ungarn ist wieder einmal neben der allgemeinen Staatskrisis eine Ministerkrisis im Gange, der Baron Fefervary mit seinem Kabinett zum io und so vielten Male demissioniert hat. Die Entschließung der Krone steht noch aus.

Auch in I t a l i e n bot eine Ministerkrisis eine Zeit lang Stoff xu lebhafteren Erörterungen. Eines verbästnismäßig geringfünigen Anlasses menen demissionierte das Ministerium Fortes. Der König beauftragte aber den bisherigen Mi­nisterpräsidenten mit der Neubildung des Kabi-

Der Zug fres Todes im Zahre 1905.

L

S taatsobrrhSupter und fürstliche Personen.

Alexander, Fürst zur Lippe, gest. 13. Januar zu St. Gilgenberg, 74 Jahre alt. — Karoline, Großherzogin von Sachsen-Wei­mar, gelt. 17. Januar zu Weimar, 21 Jahre. — Karl, Fürst von Hana», gest. 28. Januar zu Dassel, 65 Jahre. — Großfürst Sergius von R u ß l c> n b, gest. 17. Februar ermordet) zu Mos­kau, 48 Jahre. — Prinzessin Eugen ie von Tburn und Taxis, gest. 28. März zu Neubprg a. d. D., 66 Jahre — Heinrich, Prinz von Bourbon und Parma, gest. 13. April zu Mentone, 54 Jahre. — Leopold, Fürst von Hoben zolle rn, gest. 8. Juni nt Berlin, 70 Jahre. — Erzherzog Josep h von Oesterreich, gest. 13. Juni zu Faune, 72 Jahre. — Jniant Alfons von Orleans, gest. 13 Juni zu Madrid, 18Jahre. — Karoline, Gräfin zur Lipp,-Biesterfeld, gest. 10. Jutt zu Detmold, 61 Jahre. — Prinz Alfons, Jnfant von Spanien, gest. 4. August zu Madrid, 2 Jabre. — A lexis, Landgraf von Hefsen-Philippsthal-Barchfeld, gest. 16. August zu Herleshausen, 76 Jahre. — Amalie, Prinzessin von Bayern, gest. 27. August zu München, 71 Jahre. — Nikolaus, Prinz von Nassau, gelt. 17. September zu Wiesbaden, 73 Jahre. — Erzherzog Mathias von Oester­reich, pest. 7. Oktober zu Kis-Tapolsiano, 1 Jahr. — Justine Eleonore, Prinzessin Bonaparte, gest. 14. Oktober zu Paris, 73 Jahre. — Adolf, Großherzog vonLuxemburg, gest. 17. November zu Schloß Hohenburg, 8e< Jahre. — Prinz Philipp »on Belgien, Graf von Flandern, gestorben 17. November zu Schloß Laecken bei Brüssel, 69 Jahre alt

Staatsmänner und Diplomaten.

Julius Graf Szapary, ehemaliger österreich. Ätniisterpräsideilt, gest 20. Jan. zu Abbazia, 73 I.

nett«, die dann auch während der Weihnachtstage gelang. An Stelle- des bisherigen Ministers des Auswärtigen, Tittoni, ist der Marquis di San Giuliano getreten, der als aufrichtiger Anhänger der Treibundpolitik gilt.

In Frankreich nehmen allmählich die Vor­bereitungen für die bevorstehende Präsidenten­wahl einen lebhafteren Charakter an. Loubet hat bekanntlich eine Wiederwahl abgelehiit . Die meisten Aussichten scheint der bisherige Kammer­präsident Doumer zu haben.

Ueberaus betrübende Ereignisse haben sich während der Weihnachtstage in Rußland ab­gespielt. Schon am Sonnabend wurden aus Moskau blutige Straßenkämpfe zwischen den Re- volutionäreri und den treugcbliebenen Truppen gemeldet. Diese Kämpfe haben während der Weihnachtstage eine allem Anscheine nach noch blutigere Fortsetzung gefunden. Die Opfer an Verwundeten und Toten fallen nach Tausenden zählen. Die Truppen sind schließlich Herr der- Situation geblieben. Sie haben mit Kanonen und Maschinengewehren einen furchtbaren Sieg davongetragen über eine irregeleitete Bevölke­rung. In Petersburg und in den anderen Groß­städten Rußlands sind die Weihnachtstage an- scheinend ruhig verlaufen. Tie Proklamierung des neuen Generalstreiks ist als mißoliickt zu be­trachten. Wohl ist es in Petersburg zu vereinzel­ten Krawallen gekommen, aber die Gewalt der Revolutionäre scheint gebrochen zu sein. Tie um- fassenden und energischen Maßnahmen, welche die Behörden getroffen batten, scheinen nicht ohne Eindruck geblieben zu sein. Zu einem Barrika­denbau, wie in Moskau, ist es gar nicht erst ge­kommen. Bedenklicher ist jedenfalls die Lage in den russischen Ostseeprovinzen. Wenn auch aus den dorttgen Städten keine Meldungen über er­neute Greueltaten der Revolutionäre vorliegen, so läßt doch die Nachricht, daß verschiedene nicht- russische Schiffe mit Flüchtlingen am Auslaufen aus den russischen Ostseehäfen verhindert wurden, erfennen, daß die Herrschaft der Revolutionäre hier noch keineswegs gebrochen ist. Auf dem glatten Laude in den Ostseeprovinzen herrscht völlige Anarchie. Trotzdem scheinen die russischen Behörden nicht daran zu zweifeln, daß sie schließ­lich die Unruhen unterdrücken werden. Es geht das auch ans der Znrücksielmna der Beorderung verschiedener fremder Krieasschiffe nach den rus­sischen Ostseehäfen zum Schutze der betreffenden Laudesanaehöriaen hervor, die kaum ohne eine vorherige Verständigung mit der russischen Re- giening erfolgt ist. inzwischen hat ein weiterer Erfolg des Grafen Witte ein Wahlgesetz gewitiat. welches im Bergleich zu den früheren Vorschlägen zu den Wahlen zur Reschsduwa große Znaeständ- nisse an das Volk enthält. Hoffentlich bat dieser erneute Beweis des guten Willens des Grafen W'tte, liberale Reformen durchzuführen, einen guten Erfolg .

In Spanien haben sich die Anarchisten wieder aerewt. Einer von ihnen bat in Barcelona einen Mordonscklag auf einen Kardinal ansge- fuhrt, der alucklick-erwe'w vereitelt wurde.

Die Unruhen in Shanghai sind unter­drückt. Der gev'sschte Gerichtshof ist am Sonn­abend wieder eröffnet worden.

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Unpolitische ZeiMnse.

(Nachdruck verboten.)

iI Berlin, 23. Dezember 1905.

Es gibt mancherlei Jahre mit verschiedenen Anfangsterminen: das Kirchenjahr, das schon

— Dr. Karl von Mayer, bay. Dip omat, gest. 22. Jan. zu München, 74 I. — Jos.Frechr. von Dipauli, österreich. Staatsmann gest 28. Jan. zu Wien, 61 I. — Dr. Hopf, ehem. Unterstaats- sekretär, gest. im Febr. zu Berlin, 57 I. — Haus, Freih. von Ham meiste inoxlen, preußischer Minister des Innern, gest. 20. März zu Berlin, 63 I. — Eduard BarSbey, ehemal. französischer Minister, gelt. 26. März zu Paris, 74 I. — Aut. de Laboulaye, franz. Diplomat, gest. 12. April zu Paris, 72 I. — Rud. Mei necke, ehem. preuß. Unterstaatssekretär, gest. 17. April zu Berlin, 89 I. — Konstantin, Graf zu Stolberg-Wernige­rode, ehem. Oberpräüdent von Hannover, gest 22. Mm zu Jannowitz, 62 I. —Francis Silvela Le Vie Unze, ehem. spanischer Mimsterprasidenk, gest 29. Mat zu Madrid, 62 I. — Armand Gaston, Herzog von Audiffers-Pasanier, franz. Staatsmann, gest 4. Juni zu Paris, 82 I. — Theodous Delyannis, griech. Ministerpräsi­dent, ermordet am 13. Juni zu Athen, 79 I. — Viktor von Tr epper-Laski, ehem. preußischer Regier.-Pcästdent, gest 28. I mi zu Wiesbaden, 61 I. — Raimnndo, F. Villaverde, ehemal. span. Ministerpräsident, gest. 15. Juli zu Madrid. — Karl Göring, vo.tragender Rat in der Reichs­kanzlei, gest. 23. Aug. zu Friedrichsroda, 76 I. — Francisco Pinto, chilen. Gesandter in Berlin, gest. 30. Aug. zu Berlin. — Hugo, Frnhr. von Wilamowitz-Möllendorf, ehem. Oberpräsi- deut von Posen, gest 30. Aug. zu Schloß Kobelnik, 65 I. —Theodor Lohmann, preuß Untcrstaats- sekretär, gest 31. Aug. zu Großtabarz. — Renz Gobi et, franz. Staatsmann, gest. 13. Sept, zu Paris, 77 I. Godefroy Cav aig nae, e cm al. französischer Kriegsminister, gelt. 25. Sept, zu Paris, 52 I. — Marians de Carvalto, ehem.portug. Finanzminister, Schriitsteller, gest. 19. Oft. zu Lissa­bon, 69 I. — Anton Rothe, ehem. Unterstaats- sckretär im Reichsamt des Innern, gest. 27. Ott. zu Kassel, 68 I. — Dr. Karl von Arnim, preuß. Reg.-Präsident a. D., gest 22 Rov. zu '•Berlin, 74 I. — Graf Friede von Luxburg, Reg.-Präsident a. D., gest 24. Nov. zu Würzburg, 77 I. — Dr von Sckraut, Reg.-Präsident von Oberbayern, gest. 12. Dez. zu iNünchen.

vor fünf Wochen begonnen bat; das Schuljahr, das meistens von Ostern zu Ostern, vielfach auch , von Michaelis zu Michaelis geht; das Etats- oder Vertoaltungsjahr, das an dem Tage beginnt, wo die Steuerzahler in den April geschickt werden; das astronomische Jahr, das vom Eintritt der Sonne in den sogenannten Frühlingspunkt rech­net; dazu noch Miets- und Tieustjahre mit anderen Anfangsterminen. Obendrein hat noch . jeder Mensch feine besondere Jahresrechnung für I sich, nämlich von dem einen Geburtstag zum anderen.

Dasjenige Jahr, das in dec Silvesternacht um ' 12 Uhr wechselt, nennen wir bürgerliches Jahr. Der hergebrachte Termin erscheint vom weltlichen | Standpunkt ganz willkürlich gewählt; denn in der fraglichen Nacht passiert nichts Besonderes, weder auf Erden noch in der Sternenwelt. Die Erde geht durchaus nicht durch irgend einen ausgezeichneten Punkt am Himmel, sondern zieht gelassen und . spurlos ihre krumme Bahn im alltäglichen Trab. Ter Wechsel der Jahreszeiten liegt vom Neu- ; jahrstermin schon 10 Tage ab. Am besten läßt i sich der Nenjahrstermin begründen, wenn man ihn als ungefähre Mitte zwischen den beiden Christ­festen (Weihnachten und Epiphanie-Dreikönige) auffaßt. Das paßt auch zu der Ordnung ber . Jahresziffern; denn die sollen bekanntlich von - Christi Geburt ab zählen. Die Jahreszahl der i christlichen Aera ist freilich erst nach mehreren Jahrhunderten zurückberechnet worden und soll nach den neuen Forschungen nicht ganz genau stimmen. Aber der kleine Rechenfehler von 4 oder 6 Jahren macht nichts aus, und es kommt auch nicht darauf an, ob wir das Weihnachtsfest 7 Tage früher und die Erscheinung des Herrn 6 Tage später feiern. Tatsächlich führt das sogenannt» bürgerliche Jahr mit Recht den alten Titel: Jahr des Heils; denn die Ankunft des Heilandes auf der Erde bildet seinen festlichen Ausgangspunkt.

Man kann also das sogenannte bürgerliche Jahr mit Recht als christliches Jahr bezeichnen. Aber wie reimt sich das mit dem Kirchenjahr, das von Advent zu Advent geht? Sehr gut. Tas Kirchenjahr berücksichtigt nicht bloß die christliche Zeit, sondern auch die vorhergegangenen 4000 Jahre der Entartung und Erwartung; es ist also ein reliaiöses Weltjahr. Dagegen stellt das erst in der Weihnachtszeit beginnende Jahr ein Chri­stenjahr dar, ein reines Jahr des Heiles für die wiedergeborene Welt.

i Daraus ergibt sich, daß es auch vom religiösen Standpunkt ganz richtig ist, wenn wir die Be­glückwünschungen und die ganze frohe Jahres­wechselfeier auf den 1. Januar vertagen und nickt schon am ersten Adventfonntage vornehmen wollen. Demi d^gs Kirchenjahr beginnt mit der traurigen Erinnerung an die vorchristliche Zeit und mit de­mütiger Buße, wozu kein Jubel und keine Hoff- nungsseligkeit passen würde.

Also die Frömmigkeit behindert nicht die Neu­jahrsfreude. Im Geaenteil, sie gibt ibr erst recht Wurrel und Halt. Wer den neuen Zeitabschnitt als Jahr des Heils betrachtet, für den wird der Jahreswechsel von zuversichtlicher Hoffnung und herzlicher Liebe noch ganz anders verklärt, als für die Weltkinder. die ins Blaue hinein hoffen und wünschen.

Zn Neujahr pfleat »och der Weihnackt^bamu das Zimmer zu verschönen. Feiern wir also Sil­vester und Neuiabr unter dem Christbaum, vor der Krippe, im Lickte der Weilmachtskerzenl Das wahre zeitliche Heil und das ewige Heil erwachsen dem Christen ans derselben Wurzel. Tugend und Glück, Himmelshoffinmg und echte Lebensfreude bedingen und stützen einander.

Wer Weihuachtsstimmnng in die Neujahrs­feier mischt, wird nicht in die Ausgelassenheit ver­fallen, die vielfach Mode ist; aber ist denn dieses ausgelassene Treiben ein Zeichen oder eine Ge­währ der Glückseligkeit? Im Gegenteil, ihm folgt Niedergefcklagenheit, Jammer und Verdruß. Wird das reditc Maß überschritten, so wird die Sache ungemütlich. Dieser Volksausdruck ist sehr bezeich­nend. So ein gemütliches Behagen, das gibt die rechte Neujahrsfreude l

Ja, woher nimmt man denn die zufriedene Gemütlichkeit, die behagliche Zuversicht? Nus dem Bleigutz oder sonstigem abergläubischen Kram sind sie nicht zu schöpfen. Auch nicht aus denr Trinkglase, selbst wenn schäumender Sekt darin fein sollte. Die Luftschlösser, welche alte und junge Windbeutel sich in der Silvesternacht bauen, tra­gen auch keine Glücksrente; denn ernstlich glaubt doch kein vernünftiger Mensch, daß die neue Jahreszahl für ihn das große Los bedeute.

, Ich denke, der Rückblick auf die verflossenen Jahre ist ein wesentliches Hilssmittel der Freude. Der Rückblick wird freilich zu Silvester oft ver­nachlässigt; man glaubt nur mit Hoffen und Wünschen die Zukunft bearbeiten zu sollen. Hurra, hurra, hopp, bopp, hopp — geht's fort in sausen­dem (Halopp in das Land der Phantasie, in das Zukunftsreich der begehrlichen Träume hinein. Bis bafj der wiehernde Hoffnungsgaul an dem ersten besten Drahtzaun der rauben Wirklichkeit kopfüber geht. Nein, das neue Jahr wird kein Wunder­kind fein, das von all' seinen alteren Geschwistern grundverschieden ist; es wird nicht ans der Art schlagen zu deinen oder meinen grmsten. Es wird auch im neuen Jahre keinen Brei durch unfern Schornstein regnen, und die gebratenen Gänse werden anno 1906 auch noch nicht in unsere Küche fliegen. Trotzdem kann das neue Jahr ein Glücks­jahr werden, nämlich dann, wenn wir es dazu machen. Das neue Jahr gibt uns Zeit und Ge­legenheit, unser Glück zu schmieden.

„Ach, das ist aber wenig," seufzt da mancher Leser, namentlich aus den jüngeren Jahrgängen. Nein, das ist viel, sehr viel! Wie viele von den Verstorbenen würden alles, was sie haben oder gehabt haben, gern opfern, wenn sie noch einmal ein neues Jahr al? Erdenmenschen beginnen könn­ten. Wir sind in ihren Augen beneidenswert, weil wir es noch können, weil wir den Hammer noch in der Hand haben, mit dem sich das Glück für Zeit und Ewiakeit sckmieden läßt.

Ter Rückblick auf die Vergangenen Jabre ist lehrreich und anspornend. Hinter uns liegt eine gemischte Gesellschaft von hellen und düsteren Ta­gen, Hirnen und dummen Taten, guten und schlech­ten Geschicken. Das Wasser der Trübsal ist manch­mal recht hock gegangen, vielleicht dis an den Hals oder gar an's Kinn; aber durckgekommen sind wir doch, wir leben ja noch und können also noch nachholen, sühnen, bessern. Torheiten haben wir begangen; „nicht zu knavp;" vielleicht sogar sehr große und schlimme Torheiten. Trotzalledem sind wir bis jetzt burdmefommen. Nun, durch Schaden wird ja auch der Dümmste etwas Hurter; warum sollten wir denn gerade die alten Torheiten in demselben Umfange fortsetzen? Etwas gescheiter und tugendhafter können wir doch bei gutem Willen wohl werden. Und sobald das geschieht, wird auch das neue Jahr für uns mehr Glück bringen, auch wenn die äußerlichen Verhältmsse sich nor nicht verändern sollten.

Wir haben auch viel Gutes und Schönes erlebt in den verflossenen Jahren. Gerade trenn die Not am größten, war Gottes Hstfe am nächsten. Der