Einzelbild herunterladen
 

Irltfhrt G-llch, mit gestutere ter Sonn« «nt Seiertoge. Dicrtel« Mrl Bezugspreis ehr« Bringerletn nnd veheLgeidinknltaund auswärts i tot SO Pf8-

Dtraniwortli*«« $<t,rifHeuer:3 Baum; fflr »ie Bn$eiceu z par,.Ber tu «iulba.

MldaerW Zeitung

w«che»denase:3ll«ftrlerte§onntagrzettung" moiwww.Sulbaer Seschichtrblätier".

Hnjetgen: Steeln fp Ihge Petitjet e oder deren Kaum 15 Pf 9. Reilamen die Petit;eile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Kabatt gewährt.

Belau onsörud n. vertag oer > nldaer Ac» tieneruaeret in 5utda. Zerntpre oer Nr. 9.

M z97.

Fulda, Freitaq, den 29. Dezember id(ü.

3/. JMscmq.

f Bestellungen auf ft I b»e .Fuldaer Ze, tung'fürdaserste

iMPMWMMMMfHMM Quartal I SV <», Preis 1,50 Mark (ohne Bestellgeld und Briugerloh»), wolle mau im Interesse geregelterLiesernug umgehend veranlassen.

* vsMschlan-z innere Politik im Zahre 1905.

i.

Das Jahr 1905 gehörte für Deutschland un- bestreidar zu den politisch reichbewegte» Jahren. Wenn auch nicht gerade innere Kri­sen zu verzeichnen waren, so stand doch manche grobe Frage der inneren Politik zur Entscheidung. Sein charakteristisches Gepräge erhielt das Jahr 1905 ober durch Fragen der auswärtigen Poll Ick. au welchen Deutschland direkt oder indirekt in* tercjjiert war.

Mau braucht nur die Reisen deS Kai­sers im vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen, um sich dessen wieder bewusst zu werden. 81in 27. März begrünte Kaiser Wilhelm Sen König von Portugal in Lissabon. Es war das auf der bcdeuisanieu Reise des Kaisers nach Tanger, die einen Markstein in der neuesten deutschen Ge­schichte darstellt, da sie Zeugnis dafür ablegte, daß Deutschland nicht gewillt ist, seine wohler­worbenen Rechte an einem Punkte der Erde un­beachtet bei Seite schieben zu lassen. Am 31. März war Kaiser Wilhelm in Langer. Daran reihte sich tun 6. April eine Begegnung mit dem König von Italien in Neapel, und am 11. April eine Begegnung mit dem König von Griechenland in Corfu. Nach kurzer Pause folgte daun die Zusammenkunft zwischen dein Kaiser und dem Zaren cuf hoher See bei der Insel Björkö am 24. Juki, der die Begegnung des Kaisers mit dem König von Schweden in Gesle am 13. Juri vorausgegangen war und der Besuch des Kaisers in Kopenhagen am 31. Juli folgte. Tie politische Bedeutung dieser Monarchenbegegnungen im Zu­sammenhänge mit den damals schwebenden Fra­gen brauchen wir nicht erst zu betonen. Der Friedensschluß zwischen Rußland und Japan und die Einlenkung Rußlands in konstitutionelle Bahnen kommt dabei zweifdlos ebenso in Be­tracht, nie die Auflösung der schwedisch-norwegi­schen Union und die Wahl eines dänischen Prinzen zum König von Norwegen.

Aber darüber hinaus machte sich die B e - deutung dieser Monarchenbegeg- uungen für die allgemeine Weltlage geltend. Gerade damals lastete die Spannung zwischen Deill,'chlunb einerseits und Frankreich und Eng­land anderseits schwer auf Europa. Sie war ans der Marokkofrage erwachsen, aber diese Frage war ihrerseits nur wieder ein Ausfluß ge­wisser Jsolierungsbestrebungen, die gegen Deutsch­land angestellt waren. Heute wissen wir es, daß eine zeitlang die Frage, ob Krieg oder Frieden, sozusagenauf des Messers Schneide" balanzierte. Ter Sturz Telccissö's am 6. Juni brachte eine Wendung, aber die bedenkliche, von lebhaftem Notenwechsel begleitete Situation zog sich noch bis in den September hinein.

Tie Enthüllungen des gestürzten französischen Ministers des Auswärtigen zeitigten dann eine ft arte Entfremdung zwischen Deutschland und England, die durch eine Politik der Nadelstiche von Seiten Englands noch verschärft, durch eine Reise des Königs Eduard nach Marienbad durch deutsches Gebiet ohne Begegnung mit dem Kaiser Wilhelm und

(Ein dunkler Ehrenmann

betitelt sich eine kleine köstliche Geschichte aus dem pfälzischen Neustadt, die wobl auch im Fuldaer Lande Verständnis und Sympathiecn finden wird. Doch hören wir den humorvollen Autor selber:

Von allen deutschen Weinprovinzen scheint mir die Rheinpfalz diejenige zu sein, in der das Wem- trinken noch am innigsten mit dem Menschen ver­knüpft ist. Ich bin der Ansicht, daß nirgends in Deutschland soviel Wein als dort getrunken wird, und daß wieder in der Pfalz Neustadt a. d. H. derjenige Ort ist, der in diesem Punkte allen Städten, den großen wie den kleinen, vorangeht. Was München als Bierstadt, das ist Neustadt als Weininetropole, und wie der richtige Münchener z» allen Tages- und Nachtzeiten dem Genüsse seiner flüssigen Lieblingsjpeise zu huldigen auf­gelegt ist, so soll es auch Neustädter geben, die sich Mitternachts wecken lassen, um im Bette einen guten Schluck zu tun.

Ob sich dies Trinken nach pfälzischer Art in denjenigen Grenzen bewegt, die von der Hygiene vorgeschrieben sind, das wage ich hier nicht zu ent­scheiden. Aber einen Vorzug muß man ihm em- räumen: es macht den Menschen eher besser als schlechter. Man kann sich unter diesem Völkchen vonKrischern" außerordentlich wohl fühlen, und bei näherer Bekanntschaft wird man eine Reihe von guten Eiaenschaften an ihm entdecken, die viel­leicht zum Wein in irgend einer tieferen Be­ziehung stehen. Wer wollte behaupten, daß tm Laufe der Jahrhunderte nicht die eine oder die andere edle Eigenschaft der Rebe auf die Trinken­den Lbergegangen sei und sich nun von Gene­ration zu Generation forterbe? Ein etwas leich­ter, sorgloser Sinn wird den Pfälzern nachgesagt das ist doch kein Tadel; aber ihr freies, offe­nes und dabei zutrauliches Wesen, ihre Gutherzig­keit und Natürlichkeit gereichen ihnen zu hohem Lobe. Und daß die altdeutsche Tugend dec Gast-

das demonstrative Erscheinen der englischen Flotte in der Ostsee, die ungeschickte deutsche Federn als mare clausum reklamieren zu müssen glaubten, gewiß nicht besserte. Durch das Eingehen Frank­reichs auf die von Deutschland propagierte Kon- ferenzidee hinsichtlich der marokkanisck-en Frage gestaltete sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich bald wieder zu einem freund­lichen, während die Spannung zwischen Deutsch­land und England erst gegen Schluß des Jahres nach dem Rücktritt des konservativen Kabinets Balfour zu schwinden begann Tank den Sym­pathiekundgebungen angesehener Kreise diesseits und jenseits des Kanals. Deutschland hat in der ganzen As faire gezeigt, daß cs ihm ernst ist mit seiner Friedensliebe, daß es aber auch gesonnen ist, seine Rechte und Interessen gegen Jedermann zu wahren.

Reben der Marokko-Frage nahm der Krieg zwischen Rußland und Japan die öffent­liche Meinung in Deutschland lebhaft in Anspruch, zumal es eine zeitlang schien, als sollte die An­gelegenheit schwere Komplikationen auch für Eu­ropa nach sich ziehen. Tie Bemühungen deS Präsidenten Roosevelt um den Friedensschluß fanden in Kaiser Wilhelm einen eifrigen Förde­rer. Daß die inneren Wirren in R u ß la n d bei uns mit Aufmerksamkeit verfolgt wurden, ist selbstverständlich. Namentlich erregten die blu­tigen Vorgänge in den russischen Ostseeprovinzen zu Ende des Jahres lebhafte Sorgen um das Schicksal der dortigen Reichsdeutschen und son­stigen deutschen Stammesgcnofsen. Die Reichs- rcgicrung tat zu ihrem Schutze, was sie tun konnte, indem sie mehrere Schiffe zur Aufnahme etwaiger deutscher Flüchtlinge nach den russischen Ostseehäfen beorderte.

Mannigfaltiger als die auswärtigen Ange­legenheiten, die das. deutsche Interesse in hervor­ragenderer Weise fesselten, waren die Fragen und Vorgänge auf dem Gebiete der inneren Politik.

Stärker als in den letzten Jahren heischten - auch Ereignisse am Kaiserhofe die \ Anteilnahme des Volkes. In erster Linie die Brrmähl» ng des Kronprinzen mit ' der Prinzessin Cäcilie von Mecklenburg, die nach ' dem feierlichen Einzüge des Brautpaares in Ber­lin am 3. Juni <im 6. Juni erfolgte. Nebenbei bemerkt erfolgte an diesem Tage die Erhebung des deutschen Reichskanzlers Grafen Bülow in den Fürsteustaud. Am 10. Oktober verlobte sich ! der zweite Sohn des Kaiserpaares, Prinz Eile! Friede ich. mit der Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg. Großer Prunk wurde in Berlin entfaltet, als zu Anfang November König Alfons von Spanien mehrere Tage als Gast am Kaiserhofe weilte. Von sonsti­gen dynastischen Ereignissen ist noch der Regie­rungsantritt des Herzogs Karl Eduard von Sa chsen-Koburg-Gotha am 19. Juli zu erwähnen. Am 11. Oktober ver­mählte sich der Herzog mit der Prinzessin Vik­toria Adelheid von Schleswig-Holstein^sonder- burg-GlückSkmrg. Durch den am 25. Oktober ge­fällten Schiedsspruch des Reichsgerichts wurde endlich auch die lippesche Thronfolger- frage zu Gunsten der Linie Biesterfeld ent­schieden.

Deutscher Reich.

Berlin, den 28. Dezember 1905.

* Bon einem Ultimatum des Reichsschatz­sekretärs Frhr. v. Stengel bezüglich der Steuervorlagen war in den letzten Tagen in der Presse verschiedentlich die Rede. Auch wir haben Notiz davon genommen. Die ,Nordd. Allgem. Zig.' istin der Lage-, diese Nachrichtin ihrem

freundschaft unter ihnen nach wie vor gedeiht, davon weiß auch ich zu erzählen.

Es sind sieben Jahre her, da saß ich zwischen Weihnachten und Neujahr gegen 11 Uhr abend? mit einem Kollegen auf dem Neustädter Bahnhof: wir beschäftigten uns mit der Frage, wie wir die nächsten fünf bis sechs Stunden verbringen soll­ten. Unser Zug, der uns nach Frankfurt führen sollte, ging erst morgens gegen 4 Uhr ab. Bei der vorgerückten Stunde blieb uns nichs anderes übrig, als bei einem Glase Wein die Stunde der Abfahrt heranzuwachen.

Erst möchte ich aber einen kleinen Spazier­gang Vorschlägen", meinte mein Kollege.Wir gehen den Berg hinauf, das ist bei Mondschein ein entzückender Weg. Sitzen können wir noch lange genug."

Wir gingen hinaus und befanden uns bald auf der bergaufwärts führenden, meist mit Land­häusern besetzten Straße. Aber Mond und Sterne hatten sich in einen dicken Wolkenmantel gehüllt, und als wir die letzte Laterne hinter «ns hatten, befanden wir uns in dicker Finsternis.

..Darf ich Sie um etwas Feuer bitten," fragte jetzt dicht vor uns eine Stimme. Wir waren plau­dernd weiter geschritten und hatten den Ankömm­ling nicht bemerkt.

Gern." Ich tat einen kräftigen Zug an mei­ner Zigarre, und der Herr setzte die seinige bann in Brand. Dabei konnte ich flüchtig bemerken, daß er ein ganz vertrauenerweckendes Gesicht und einen weißlich schimmernden Bart hatte. Ein Straßen räuber war er offenbar nicht.

Danke schönt" sagte er pustend.Na, die Herren machen noch spät einen Spaziergang."

Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb", rezitierte mein Kollege.Wir wollen mit dem Frühzug nach Frankfurt fahren."

Aha!"

Ja, tvas soll man mit dec Nacht anfan­gen?" bemerkte ich, wir haben noch Zeit genug, um uns nach einem guten Trünke umzusehen.

Da brauche Sie aar net so weit ze laafe".

j ganzen Umgang als eine jeder tatsächlichen Unter» läge entbehrenb-m Erfindung zu bezeichnen." Das oisiziöse O gan fügt hinzu:Auch kur Reichrschatztekrelär. dem in erster Linie die Ver­tretung dieser Vorlage der Verbündeten Regie­rungen oblagt, erblickt die Richt'chnur u«d die Grenzen feiner Lteriretuug-besngnisse ausschließ­lich in jenen Vorlagen iint> deren Begründungen. Tatelbst ist von einem U hniatum keine Net e. Vielmehr heißt es in der Begründung zum Re- jorwgesetz folgendermaßen:Die Verbündeten Re­gierungen rechnen auf die sachverständige Mit­arbeit des Reichstags, sie werden jeden Aende- rungsvorschlag objektiv prüien und jeder wirk­lichen Verbesserung gern Folge geben. Diese hier in bestimmteste, und loyalster Weise als er­wartet bezeichnet positive Mitarbeit des Reichs­tags kann naturgemäß erst in den Kommissinns- bnatungen einsetzen. Schon die!« Erwägung allein hätte, so weit man n chl auf dem einseitigen Standpunkt völliger Ablehnung sieht, das Unge­reimte der ermähnten Zeitungsnotiz auf den er firn Blick ei kennen lassen sollen. Wir begrüßen diese Erklärung des Reichsschatzsekietars mit Ge­nugtuung, da sie die Hoffnung rechtfertigt, daß die Verbündeten Regierungen sich nicht auf die fegen.Einheitlichkeit" des Steuer plans versieiien werden, wenn die Fraas zur Entscheidung steht, ob eine veränderte Steuervorlage oder gar nichts zu fhnhe komm-n toll.

* Der Brennstenervergiitmigssatz ist durch Beschluß des Bundesrats vom 7. Dezember d.F. von 6 Mark auf 8 Mark erhöht worden. Die Neuerung tritt mit dem 15. Dezember 1905 in Kraft.

.. Gegen ein Handelsprovisorium mit den Bereinigten Staaten macht die,Deuuche Tages­zeitung^ energisch Front. Das Blatt meint, das Reich und der Reichstag dürfe sich auf ein solches Provisoriumunter keinen Umständen' einlaffen. Ein vertragsloser Zustand, der noch k ineswegs gleichbedeutend sei mit einem Zoll­krieg, sei gegenüber einem Provisorium das ktemere Uebel. Bei einem Zollkrieg aber würde Amerita jedenfalls den grö den Teil der Kosten tragen und bald zum Friedcusjchluß bereit sein. Daß Deutschland sichunter keinen Umständen" in ein Handelsprovrsorium mit Amerika einlaffen so!!, ist etwas viel gejagt. Auch wir betrachten ein solches Proviiorium als Uebel, aber ob es unter gewissen Umständen nicht einem Zollkrieg vorzu ziehen wäre, ersehe.nt uns doch, zum mindesten als fraglich.

.. Tie Generalversammlung des Lnndes- bcrci'8 preußischer Dolksschullehrerinnen, welche am Donnerstag in Berlin siattfand, be­schäftigte sich zunächst mit dem neuen Volks- schulunterhaUungsgesetz. Es wurde eine Reso­lution angenommen, in welcher die Bestimmungen bezüglich der Träger und der Vertei ung der Schullasten freudig begrüßt werden, lieber weitere Resolutionen, die u. a. dir B-erquickung der finanziellen mit der konfessionellen Frage mißbilligen, steht die Entscheidung zurzeit noch aus.

* Eine Petition um Abänderung der Prü­fungsordnung für die Lehrerinnen der weiblichen Handarbeiten hat derLandes- verei» preußischer technischer Lehrerinnen an den KultiteMinister gerichtet.

* Heber die Beschäftigung der eigenen Kinder unter zehn Jahren in gewerblichen-Be­trieb «n bringt der .Reichsan,z/ eine Bekannt­

sagte der Herr jetzt in gemütlichem Pfalzer Deutsch. «Ten könne fe schon bei mir hawwe.

Haben Sie denn hier oben eine Wirtschaft?" fragte ich erstaunt. Wir sahen uns vergeblich nach einer solchen um.

Wie nters nernme will, komme Sie nor," lachte der Neustädter.Sie sind fremd hier, und ich crlaatpc mir. Sie einzulade."

Wir folgten halb zweifelnd, halb belustigt dem freundlichen Ziispruche. Der Herr ging unS voran, machte aber schon noch wenigen Sekunden Halt. Jetzt konnten wir mit einiger Anstrengung be­merken, daß wir vor einem Hause standen, offen­bar der Wohnung unseres nächtlichen Führers. Während dieser leise ausschloß, verriet ein dum­pfes, aus einer Ecke des Hofes kommendes Knur­ren die Anwesenheit eines wachsamen Haushundes, der indes durch die Liebkosungen seines Herrn bald beruhigt ward.

So, meine Herre," sagte der letztere,jetzt bitte ich einzutrete. Aber ziehe Se vorher die Stiwwele aus, damit es nor fei Lärm gibt. Ich mach's grab so, von Wege meiner Frau."

Und richtig, er hatte sich schon der Fußbeklei­dung entledigt. Kichernd folgten wir dem Rote und Beispiele unseres Wirtes als solchen muß­ten wir ihn bereits betrachten der, die Stiefel in der Hand, und voran die Treppe binaufstiea.

So, leise, meine Herre! Nor vorsichtig, jetzt kimmt a Tritt. So! Un gewwe Se Obacht, daß Se net in de Glasschrank gerate. So! Halt!"

Er blieb stehen, klinkte eine Türe auf und zog uns hinein. Da standen wir nun in einem großen, dunklen Zimmer; soviel wenigstens konnten wir sehen bei dem schwachen Sternengeflimmer, das durch die Fenster drang. Schweigend nahm der Hausherr mich bei der Hand, führte mich in eine Ecke und drückte mich mit fanftcr Gewalt in einen Sessel; einen Augenblick später war er von meiner Seite verschwunden und nahm mit meinem Reise­gefährten die Prozedur vor.

Gedulde Se sich en Aageblick, raunte er dann mit einer Geisterstimme und war alsbald

machung vom 20. Dez., wonach der Bundesrat für eine Reibe von Industrien bezehungsweije einzelne Zweige derselben g>w sse Er leichter ringen in der Beschästigung eigener Kinder bis zum 1. Dez. 1908 gewährt bat. Es handelt sich haupt­sächlich um die lächsi ch Ibüiingnche Spielivwen- inhuflne und leichte Arbeiten in der Textil­industrie. Die Er eichte, ringen sind unter Be­t' ngurgen gewählt, welche den Schutz in Be­tracht kommenden Kinder gewährleisten und treten an die Stelle der bisher geltenden Vorschriften.

* Ten Kaiscr-Wilhelmkanal benutzten im Novenwer d. I. 2725 Schiffe mit einem Neito- raumgehalt von 351,519 Negistenons. ImNo­vember 1904 benutzten 2759 Schiffe den Kanal; sie hatten aber ein Neltorauinqeliaft von nur 531,200 Register ko» s, so daß also der Verkehr gegen das Vorjahr eine ziemlich bedeutende Slerge- run i erfahren hat. An Hpnal Abgaben wurden im November 275,290 Mark entrichtet.

** Berlin, 28. Dez. 1905. Der Kaiser empfing Heute im Reuen Patais bei Potsdam den neuer« nannten Kcmerlich russischen Mi: ilärbcvoIInrod tto ten, General L la «nun Tatschest, der cm Schreiben des Kaisers von Rußland überreichte. Nachher hörte der Kaiser die Bor rüge des Staats- und Krregs- minifters, Generalleutnants von Einem, sowie des Chefs des Mititärkabmetls, Generalleutnants Grafen von Hülsen-Hacseler. Die Verlängerung des Handcisprovisoriums rmtEngland wird jetzt im .Reicheanzeiger' bekam,! gegeben.Welch' riesigen Umfang der Postpaketverkehr in Berlin um Weihnachten annimmt, davon geben die nachstehenden Zahlen du B!k>. 2/61,603

Pakete sind in der Zeit vom 18 bis 25 Dezember in Grouberlin an gegeben worden. Während der Zeit des Hauplvirkchrs waren rund 13,000 Post­beamte beschäftigt, ohne Hinzurechnung der Hitss- mannschasteu. Zur Bewilligung des Posisuhrver- kehrs wurden täglich 21 8 Picrde verwendet.

Ausland.

* Der Papst und daS Trennungsgesetz. Pariser kcllholnche Blätter veröffentlichen Aus­züge aus einem binnen kurzem erscheinenden Weißbuche des Vatikans. Das Weitzbuch weist nach, daß die Schuld an dem Bruche zwischen dem Vatikan und Frankreich die ver­schiedenen Ministerien treffe. Unter anderem wird ein Brief des Papstes Pius X. an den Präsidenten Loubet vom 23. Dez. 19< >3 mitgeteilt, worin erklärt wird, es habe de i Anschein, daß die tirchenseindlichen Maßnahmen der französischen Regierung nicht nur die Trennung von Kirche und Staat, sondern die Entchriftlichung Frankreichs bezwecken. Entschieden wird so­dann der Borwurf zurllckgewieien, daß der hl. Stuhl Frankreich bekämpft habe; er tat nn Gegen­teil vieles zu gunften der Republik. Schließlich wird erklärt, daß Frankreich, wie übrigens auch die anderen Mächte, auf gründ internationaler Verträge wohl das Recht des Protektorates im Orient habe, aber die Möglichkeit, die Missionen anderer Nationalitäten, katholische Anstalten rind eingeborene Christen zu beschützen, könne ihm taliächlich nur durch den Willen des hl. Stuhles geboten melden. Die Veröffentlichung sei keine Antwort auf persönliche Injurien, noch wolle sie Jemcknden beleidigen, am allerwenigsten die fran­zösische Nation. Das Weißbuch solle die öffent­liche Meinung, besonders in Frankreich, am klären und eine Fälschung der historischen Wahrheit ver­hüten.

immer in Strümpfen in der Dunkelheit verschwunden.

DaS ist ja unheimlich," sagte ich, als wir allein waren, mit gedämpfter Stimme:will uns der Kerl hier vielleicht abmurksen?"

Keine Spur! So find die Neustadter nicht. Ich möchte wetten, der holt jetzt ein Weinchen aus dem Keller, daß uns die Augen übergehen."

Mein Kollege hafte Recht. Einige Minuten später huschte gespensterhaft etwas ins Zimmer, und wir gewahrten, wie Flaschen und Gläser von unsichtbarer Hand vor uns aufgestellt wurden.

Se misse sich selwer bediene," flüsterte der Hausherr, ein Geheiß, dem wir ohne iveitcreS nachkamen. Es entstand eine Totenstille, und nur einige glucksende Töne verrieten die Nähe von organischen, vernünftigen Wesen. Uns beiden aber entfuhr ein gelispeltes Ah! der Ueberrasch- ung. Das war ein edler Stoff, der da über unsere Zunge rann.

Ich habe nur den Halben Genuß von Wein, wenn ich das Getränk nicht sehen kann, und da­her fragte ich schüchtern, ob wir denn nicht Licht machen wollten.

Mache Se mich net unglicklichwehrte unser Wirt erschrocken ab.Gucke Se, do driwwe hinner dem Glasfenschter schläft mei Alte, un wann die uns siebt, se schläft wie a Has mit offene Aage, macht fe en Mordsspektakel. Naa, um Gottes­willen net."

Dhnt nach net nötig, wamrs Ihne nor schmeckt, des ist die Hauptfach. Vergesse Se des Einschenks net, meine Herre!"

Und. wir vergaßens nicht, denn es war ein ausbündig edles Naß, das unS hier in tiefem Dunkel von einem Unbekannten kredeirzt ward.

..Awer e Sigar wolle wer unS noch aamachc, meine Herre." Und bald dampfte ein auserlesenes Kraut, das des edlen Weines völlig würdig war. Längst waren wir uns darüber klar geworden, daß wir einem höchst achtungs- und Vertrauens- Werten Manne in die Hände gefallen waren.