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Verantwortlicher Schriftleiter: 3 Saum

3."Ir,*Ü«""w.. Wochenbeilage:Illustrierte Sonntagszeitung"

Zeitung

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c »nzelgeu: Vie eft sp liige petltzei e aber deren Raum 15 pfg. Keflamen die Petitzelle 25 pfz.; bei wieder* Holungen wird entspr. Kabait gewährt.

KotaiiousorNcf tu Verlag »er > uldaer He* ttenbru'e r, m Sulla. Kernipre qer Gr. 9.

JW 294.

Fulda, Samstag, den 23. Dezember l^.

3?. Jahrgang.

Drilles Matt.

Wochen-Nundschau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, den 23. Dezember 1905.

Die Parlamente sind in die Weihnachtsferien gegangen. Im Reichstage dauerten die De­batten am letzten Tage, am Freitag, bis in eine späte Abendstunde hinein. Noch immer stand der Etat zur ersten Lesung nur in Verbindung mit ihm das Flottengesetz und die Reichsfinanzreform. Die letztere wurde indesien nur in ihren Grund­zügen behandelt, da die Besprechung der einzelnen Stenervo rlagen bis nach Weihnachten verschoben wurde. Jin Vordergründe der Diskussion standen auch in den letzten Tagen der Etatsdebatten aus­wärtige Angelegenheiten und die Kolonialpolitik. Die letztere bot dann in Gestalt des Nachtrags­etats für Deutsch-Südwestafrika, der den Bau der Eisenbahn Lüderitzbucht - Kubub fordert, noch besondere Gelegenheit zu Erörte­rungen. Der Vahnbau wurde schließlich ge- nehmigt, nachdem die Verbündeten Regierungen in der Budgetkommission das zur Motivierung des Unternehmens beigebrachte Material noch wesentlich ergänzt hatten. Den Schluß der ersten Etatsberotung bildete die übliche Ueberlveisung der Hauptteile des Etatsvoranfchlags an die Bud­getkommission. Das preußische Abgeord­netenhaus konnte seine Pforten schon ein paar Tage früher schließen, nachdem das Volks­schulunterhaltungsgesetz einer Konimission zur weiteren Behandlung überwiesen war.

Auch nach der Vertagung des Reichstages setzte sich die Erörterung der auswärtigen Politik des Reiches in der Tagespresse noch fort. Anlaß dazu bot die Veröffentlichung eines französischen Gelbbuches über die Marokko-Angelegen- h e 11, dessen Inhalt in verschiedenen Punkten von der Darstellung abweicht, die der Reichskanz­ler Fürst Bülow im Reichstage über die Ent­wicklung der Frage gegeben hat. Zur Aufklärung dieser Differenzen erscheint es notwendig, daß auch Deutschland mit der Veröffentlichung von Aktenstücken vorgeht, und es wird dann auch schon die Herausgabe eines deutschen Weißbuches über die Marokko-Angelegenheiten angekündigt. Diese Angelegenheit machte ohnedies in den lebten Tagen wieder mehr von sich zu reden. Eine Hin­ausschiebung des Termins für den Zusammen- triti der Marokkokonferenz deutete schon auf allerlei Schwierigkeiten hin. Schließlich rückte Spanien mit dem Gedanken heraus, die Konferenz nicht in Algeciras, sondern in Madrid stattfinden zu lassen. Das scheint in Frankreich 'mir Mißtrauen ausgenommen sein. Neuerlich heißt cs, die für die Verlegung des Konferenz­ortes vorgebrachten Gründe, ungenügende Unter* kunftsröume für die Teilnehmer an der Konse- renz. seien hinfällig geworden und die Konferenz werd«- nun doch am 6. Januar k. Js. in Alge­ciras zusamnientreteir.

Außer den anläßlich der Marokkofrage wieder mehr erörterten Beziehungen zwischen Dentsch- land «nd Frankreich gaben unsere Be­zieh un geil zu E trgland in den letzten Tagen Stoff zu lebhafteren Auseinandersetzun­gen. Ter Kabinetswcchsel in England, der ein liberales Ministerium ans Ruder brachte, weckte die Hoffnung auf eine Besserung des Verhält­nisses zwischen Deutschland und England. Tie jenseits des Kanals in dieser Richtung hervor­tretenden Bestrebungen fanden in Deutschland ein lebhaftes Echo, und eine in Berlin abgehaltene Versammlung von angesehenen Persönlichkeiten aus den verschiedeusteii Gesellschaftskreisen, die sich zu einer Smpatbiekundgebung für England gestaltete, wird vielleicht den Ausganasvunkt für eine Umgestaltung der deutsch-englischen Be­ziehungen bilden. Im Jnteresie des Friedens Ina re das zu wünschen; freilich stets unter der Voraussetzung, daß England cs ehrlich meint mit der Besserung dieser Beziehungen.

Ein zwischen Deutschland und Brasi­lien aufgctauchter Zwischenfall, der in unzu­lässigen Handlungen eines Teiles der Besatzung des deutschen KriegsschiffesPanther" auf bra- silianischem Boden seinen Grund hatte, ist durch eine loyale Entschuldigung der deutschen Reichs- iregicrung bei der brasilianischen Regierung rasch beigelegt worden.

Aus unseren Kolonien langten im .«kaufe der Woche wieder erfreulichere Meldungen ein. Die Unterwerfung der Witbois in Deutsch- ^iidwestasrika nimmt ihren Fortgang und in Dcutsch-Ostafrika find den Aufständischen ver­schiedene Niederlagen, namentlich auch bei einem vergeblich von ihnen versuchten Angriff auf die 'Station Liwale, beiaebracht worden. Etwas be­denklich lauten die Nachrichten über Unruhen ir Kamerun, doch sind wir dort bis jetzt noch voll­kommen Herren der Situation.

Die Sozialdemokratie scheint Gelüste nach einer Kopierung der Vorgänge in Rußland zu haben. Sie verkündet dieselben in Form von Straßendemonstrationen für das allgemeine Wahlrecht. In Dresden ist es am Sonnabend gelegentlich solcher Demonstrationen zu einem Zu­sammenstoß zwischen den Demonstranten und der bewaffneten Macht gekommen, bei dem auch Blut floß. DieSachs. Arbeiterzeitung" des bekanii- tenGenossen" Mehring setzt trotzdem die Auf­hetzung der Massen in gewissenlosester Weise fort. Die sächsischen Behörden sind aber entschlossen, jede Unordnung energisch Kl unterdrücken und haben alle Sttaßenkundgebungen verboten.

Im österreichischen Abgeordne­tenhause ging es in der vergangenen Woche etwas ruhiger zu. Es gelangte nur der Handels­

vertrag mit Italien zur Annahme. In Süd­tirol, in Lusern, ist zwischen Deutschen und Italienern ein scharfer Nationalitätenhader int Gange, der sich bereits in tumultuösen Straßen- demonstrationen Luft zu machen beginnt. In Böhmen gehen die Behörden jetzt scharf gegen die sozialdemokratischen Volksaufwiegler vor. Eine ganze Anzahl der letzteren ist verhaftet wor­den. Das ungarische Abgeordneten­haus ist gleich bei feiner Wiedereröffnung am Dienstag vertagt worden. Die koalierte Oppo­sition beschränkte sich auf die Aufgabe eines Pro­testes. Die ungarische Regierung hat jetzt ihre Vorschläge bezüglich Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts bekannt gegeben. Sie scheinen stark auf eine Bevorzugung der Magyaren zugeschnitten zu sein.

In Italien ist eine Ministerkrisis ausge- brochen wegen einer der Regierung ungünstigen Abstimmung der Deputiertenkammer in Sachen des kommerziellen modug vivendi mit Spanien. Bis jetzt hat der König aber das Demissions­gesuch des Ministeriums noch nicht genehnrigt.

Auch in Frankreich scheint das bisherige Kabinet, das Ministerium Rouvier, nicht mehr ganz sattelfest zu sein. Trotz eines Augenblicks­erfolgs, den Rouvier in der Deputiertenkammer bei der Vorlegung des Gelbbuches über Marokko erzielt, geben sich Anzeichen dafür kund, daß die bisherige Regierungsmehrheit abbröckelt. Die Vorlegung des Gesetzbuches wurde durch die Kam­mer zu einernationalen Kundgebung" gestaltet, indem nach der Rede des Ministerpräsidenten die Debatte über die Marokkoangelegenheit mit gro­ßer Stimmenmehrheit als geschlossen erklärt wurde, zum Zeichen, daß das Land hinter den Erklärungen Rouviers stehe. Der Zwischenfall zwischen Frankreich und Venezuela ist durch die Zurückziehung der beleidigenden Note des Präsidenten Castro erledigt.

Die Wirren in Rußland halten an. In den russischen Ostseeprovinzen herrscht völlige Anarchie. Zahlreiche deutsche Gutsbesitzer sind ermordet worden. Die deuttche Reichsregierung hat Schisse entsandt, um die deutschen Flüchtlinge aufzunehmen. In Moskau nimmt die Meuterei unter den Truppen überhand. In Petersburg befürchtet man einen neuen Generalstreik.

Die Pforte hat in der mazedonischen Frage nachgegeben. Die Flottendemonstration der Mächte ist infolgedessen eingestellt.

In Shanghai ist es dieser Tage zu einer schlimmen Fremdenhetze gekommen, die unter Beihilfe von Detachements der fremden Kriegs­schiffe mit Waffengewalt unterdrückt werden mußte.

kl c. 3» Nizza.

Reifeskizzen von F. Broocks.

(Nachdruck verboten.)

Weihnachten.

Draußen Schnee und starre Kälte, Drill im Zimmer Lichterschein, Tannenbaum und Weihnachtsliever, Ja, so wird's zu Hai'se sein.

Hier die Weihnacht ohne Kerzlein, Weihnacht ohne IÄnnenbaum, Ohne Schnee und Nordwinds Wehen. Und ich war zu Haus im Traum.

So hatte ich am Morgen vor Weihnachten nach dem Erwachen gereimt, als ich im Bett lie­gend zu meiner gewölbten Zimmerdecke aufschaure und an die Heimat mit ihrem Weihnc^tsjubel und geschmüctten Tannenbaum dachte. Ich Ver- schemhte energisch das trübe Denken, sprang auf und stieß die Fensterladen offen. Das Meer war noch in wilder Bewegung; donnernd brachen sich die Wogen auf dem steinigen Ufer; der Mistral, der gestern wütete, dieser falte, orkan­artige Wind, der tageweise die Plage der schönen Küste ist, hatte aufgehört. Er hatte den weißen Staub des Quai wie toll auftvirbeln gemacht und die Kranken an ihr Zimmer gefesselt. Jetzt hat er ausgetobt, nur eine weiche Brise weht vom Meer herüber. Die vielen Bänke auf dem Quai du Midi Vor mir sind denn auch bald besetzt. Alles freut sich der herrlichen Teniperattlr.

Wie schön ist es doch, ohne lästigen Mantel, unter Gottes freiem Himmel zu sitzen, umspielt vom leichten, warmen Wind! Und das am Tage vor Weihnachten, wo bei uns alles in Schnee und Eis gebettet ist!

Später begab ich mich nach dem Blumenmarkt, der im Winter auf dem großen Platz, dem cours saleya' der unser Hotel begrenzt, abgehalten wird.

Immer wieder entzückt mich der Anblick des Blumenmarktes. Mehrere Reihen von langen Tischen sind ausgestellt, und die Verkäufer haben sich mit Blumen förmlich überladen. Ganze Berge von Rosen, Veilchen, Nelken, Maraireriten. Chry- santemen usw. usw. sind aufgehäuft. Hinter den Händlern stehen noch Körbe und Kisten voll von den Kindern Floras.

Das ist ein Feilschen und Kaufen, Schreien, Rufen, Lachen, Witzeln, Schimpfen. Dazwischen winden die Verkäufer kleine oder größere Sträuße, reichen sie den Vorübergehenden entgegen oder laufen mit ihnen sogar zu diesen hin, halten sie ihnen unter die Nase und schreien:Fünf zehn fünfzehn zwanzig Zentimes!" Dafür er­hält man hier einen Strauß, der zu Haus 2Ä kosten würde. Zeigt der Attackierte fick nicht kauflustig, gehen die Leute oft bis auf 2 Zcntimes hinunter.

Alle Sprachen der Welt vernimmt mau. Doch die.Händler reden nur italienisch, französisch oder ein Gemisch von beiden Sprachen. Zuweilen ent­brennt ein harter Streit zwischen ihnen, und ich sah, wie eine Fran ihrem Gegenüber, einer dicken Italienerin, mit einem wundervollen Rosenstrauß,

den sie eben gewunden, Ohrfeigen gab und die Beleidigte ihr dann Hände voll Nelken ins Gesicht warf. Eine wahre Blumenschlacht! Der junge Deuttche, der mit mir im gleichen Hotel wohnre, und der Abgesandter einer großen Blumenhand­lung in Berlin ist, machte heute nicht jo große Einkäufe wie sonst. Er ruhte aus seinen Lor­beeren.

Hatte er doch die letzte Zeit in rastloser Tätig­keit zugebracht. Ganze Wageiiladungen mußte er bei jedem Blumenmarkt einkaufen, deren Ver­packung in feuchte Watte und Salz letten, tue Versendung ufw. usw. überwachen, aber in den letzten Tagen war er fast fieberhaft fleißig ge­wesen. Nun segelten alle die duftenden Kinder des Südens, gebrochen, in Kisten gevferckt, dem kalten Norden zu und wurden dort künstlich wieder belebt und erfrischt, prangten auf den Tafeln, als Wandverzierungen, als Buketts in den Hän­den der Schönen, als Sträußchen in ihren Gürteln und im Knopfloch der Herren.

Am Ende der Blumenreihe erblickte ich ban­nen bäume! duftige, grüne, doch fast nur kleine Tannenbäume, um deren Stand sich Käufer drängten, größtenteils Deutsche.

Heimatsfehnsucht zog durch mein Herz! Ich kaufte ein ganz kleines Bäumchen und trug es selbst zum Hotel.

Unsere beiden gemütlichen Wirte lachten, als sie mich sahen und zwinkerten sich bedeutungsvoll mit den Augen zu.

Weshalb wobl?

Nachmittags spielte im jardin public die Musik­kapelle. So belebt war es noch nie dort.

Kürzlich kamen die Fremden in großer Anzahl an. Alle Omnibusse toaren mit Gepäck beladen, Koffer, Kofser und wieder Kaffer sah man trans­portieren.

Süße Weisen spielte die Musik, auch ein Weib­nachtslied. Es ist warm wie im Sommer, 18 Grad Reaumur. Verkäufer von Augengläsern, Postkarten, bunten Bleistiften, Zeitungen usw. ufto. drängen sich durch die Menge. Eine Frau bietet in einem Korbe kleine künstliche Weibnachts- bäume an, auf deren Spitze ein Stern schwebt. Deutsche, Engländer, nur wenig Franzosen und Russen kaufen sie.

Auch ich nehme eines. Ich habe eine kindliche Idee: ich will es abends in die Kirche trage» und auf den Stand für die geopferten Kerzen hin­stellen.

Wie es dunkel geworden, trete ich in die alte, düstere Kirche: Franeois de Paul. Sie liegt kaum 30 Schritt vom cours saleya, zwischen alten Bürgernhäusern eingekeilt. Sie zeichnet sich nur durch die schwere große Tür, das runde Fenster über dieser, von ihnen ab. In diesem Stadtteil überhaupt gewahrt man deutlich: wie alt Nizza ist, die teilweise engen, winkeligen Straßen, die schmucklosen, dunklen, großen und kleinen Häuser, besonders diese Kirche zeigt cs. Ich trete in das Gotteshaus. Wie immer ist darin schwüle, dumpfe Luft. Eigentümlick berührt es, besonders am Tage daß die Kirckc hinter dem Hochaltar gar kein Fenster bat. An den Seitenwänden besitzt sie solche nur hoch oben, nahe der Decke, weil die Nachbarhäuser so dicht und hoch emporragen. Trotzdem liebe ich diese Kirche. Heute wallen hinter dem Hochaltar und von den Seitenwänden rote Dainastvorhänge mit Goldborten zur Feier des Tages. Bei Trauerfeierlichkeiten nehmen deren Stelle schwarze ein, was immer einen tief­ernsten Eindruck macht.

Ich gehe nun zum Kerzenstand, wo c. :.c Kerzlein brennen und ovfere mein Bäumchen. Ja, Heimweh und Körverschwäche lassen uns oft eigentümlich bandeln I Ich denke beim Arttpslan- zen des einhalbmeterlangen Bäumchens und Ent­zünden seiner kleinen Lichter:Herrgotts laß mich am nächsten Weihnachtsabend wieder in der Heimat und aefunb unter dem Tannenbaum stehen!" Es ist fein Mensch in der Kirche, der mein Handeln kritisieren könnte.

Ueberbauvt fiel mir schon oft auf, daß die Kirchen in Nizza abends fast gar nicht besucht werden.

Als ich zwei Stunden später in meinem Zim­mer sitze, werde ich durch das Stubenmädchen ge­beten ; eben zum Wirt hinunterzukommen. Ich trete in das Entreezimmer, wo ich alle Deutschen, die hier im Hotel wohnen, und auch die anderen dauernden Gäste, finde. Auf allen Gesichtern liegt Nenaier.

Da plötzlich öffnet sich die Tür im Hutter- gründ, und ein wimderherrlicher Christbamn wird sichtbar.

In gebrochenem, fomjfdjen Deutsch, auf d^s Erlernen hatten die Wirte wobl riesige Mühe ver­wandt. rufen sie:Frohes Christfest in der Fremde!" _,

Ja, unh es ward ein frobes, heiteres Fel!! Bis um Mitternacht saßen wir zusammen. Ein heimatlicher Punsch wurde gebraut und Wech- nachtslicder gesungen. Die Herzen verbanden sich in kurzer Zeit inniger, wie es in den vergangenen, langen Wochen geschehen war.

Es ist nach Mitternacht. Ich stehe in meinem Zimmer am Fenster und blickte auf den nächt­lichen Himmel, das dunkle, jetzt nur sonst rau­schende Meer.

Da schwimmt ein bester Schein auf ibm von der östlichen, der Hafenseite näher und näher her­an. Jetzt ist er mir gerade gegenüber.

O Wunder, ein so großer Weibnackisbaum, an dem viele Lichter blitzen, scheint über den Wellen zu schweben.

Ich greife zu meinem Fernglas.

Richtig! Ein Boot gleitet vorüber, das einen Weikmachtsbcium trägt. Die Flammen an ihm strahlen ruhig, durchdringend. Kerzenlichter können es »sicht sein, die würden erlöschen. Wel- cher Art ist wohl die Beleuchtung?

Ich laufe hinunter und teile im Gastzimmer mit, was ich sah.

Mehrere eilen mit mir auf den Quai.

Wir folgen dem weiterfegeluden Boot.

Musik ertönsi

Nun passiert es die Jettöe, um dann dem Hotel gegenüber still zu liegen.

Ans dem Hotel kommen Leute auf die Prome­nade. Bald wissen wir, daß ein junger, enorm reicher Engländer einer deutschen Dame, die im .. Hotel wohnt, und die er glühend verehrt, die Aufmerksamkeit erweist: einen deutsche» Wcch- nachtsbaum aus den Wellen des blauen, mittel­ländischen Meeres für sie anzuzünden.

Jetzt spielt die Musik im Boot: home, sweet home.

Als ich mich zur Ruhe begeben habe, klingt es noch immer in meinen Ohren:

O Heimat! Süße Heimat!

vermischtes.

Wie eht Vperrtkur fitz operieren^L Aus Paris wird geschrieben: Der Operateur Dr Doyen hat sich soeben einer Blinddarmoperation unterziehen muffen; die Operation nahm einen so günstigen Verlaus, als hätte der gewandte Meister selber da­bei seine Kirnst walten lassen. Und in der Tat sah er bei dem chirurgischen Eingriff nickt untätig zu. Nachdem er sich zmc Operation am Blinddarm, der ihn bereits se t zwanzig Jahren quälte, ent­schlossen hatte, rief er auf telephonischem Wege seinen ehemaligen Schüler Dr. Ro sisel aus Reims herbei und gab ihm noch den Assistenten seiner eigenen, der Doyenscheu Klinik, bei. Als die Aerzte versammelt waren, präparierte Dr. Doyen selber die Instrumente, die zu feiner Operation nötig waren, legte sich aus den Overiertisch und begann sich selber die erste Dosis Chloro'orm zu reichen. Ein anderer Arzt setzte das Einschläferungswerk fort. Dann begannen die Doktoren Roussel und der Assistenzarzt die Operation, die einen glücklichen Verlaus nahm. Heute besindet sich der berühmte Chirurg ivieder in der Rekonvaleszenz. Er hat sich also zum Teil selber geholfen.

* eine Trauung am Sterbebette wurde im Garnisonhofpital in Budapest vorgenommen. Der Hnsarenmajor Baron Dennisberg fühlte sein Ende naben und wünschte mit seiner Braut Mathiloe Epstein, einem armen, zum Katholizismus übergetre­tenen ftühet jüdischen Mädchen, getraut zu werden. Da die Erlaubnis des Kaisers erfordert ch war, wurde an diesen telegraphiert. DieAntwort fiel bejahend ans. ebenso die des auf einem Festmahl befindlichen Juftizministers, der von dem dreimaligen Aufgebot entbinden mutzte. Nachts um 2 Uhr konnte der Pfarrer die Trauung vollziehen. Balo darauf ver­fiel der Schwerkranke in Bewußtlosigkeit.

* Ein verurteilter Amtsrichter. Vor dem Schivur- gericht in Güstrow wurde am Samstag gegen den ehemalig^ Amtsrichter Paschen au9 Stavenhagen verhandelt. Paschen, 70 Jahre alt und Vater von zehn Kindern, verübte mehrere Jahre hindurch, trotzdem er 7000 Mark Jahresgehalt hatte. Unter- schtagungen amtlicher Gelder. Außerdem fälschte er Hypothekenscheine. Tie Summe der so auf uuzu- lässige Weise erworbenen Gelder beträgt etwa 30,000 Mark. In der Schwurgerichtsverhandlung, in der Rechtsanwalt Dr. Heckscher-Hamburg den Angeklagten verteidigte, würbe Paschen zu fünf Jahren Gefängms und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.

* Aus der Schule, Lehrer:Versuche einen Satz mit der Präpositionüber* zu bilden!" Schüler: Das Pferd, das Pferd* Lehrer:Ganz gut, nur weiter V* Schüler:Das Pferd springt Lehrer:Richtig; das Pferd springt über den?" Schüler:Dos Pferd springt über dem, daß man es kitzelt!" Lehrer:Nun mache einmal einen Satz »der den Tisch!" Schüler: das ist mit zu hoch, Herr Lehrer!"

*W«8 ist eine Matrone!" so fragte jüngst die kleine Frieda ihren Vater.Das ist eine ältere, ehrwürdige Frau, eine alte Mutter, das Wort kommt aus dem Lateinischen," erklärte er. Nach einiger Zeit tust Frieda, freudig erregt über den famosen Einfall:Gelt, Papa, und eine Patrone, das ist ein aller Vater wie unser Großvapa!?"

Kindliche Vorstellung. Im Zoologischen Garten tritt em Junge zu nahe an einen Papagei heran. Nimm dich in Acht," ruft der Wärter,er wirb dich beißen!"Hat er dick schon gebissen ?" fragt der Junge.Nein, mich beißt er nicht."Warum denn nicht?Weil er weiß, wer ich bin."Dann jag' ihm dock, daß ich Paul heiße."

* Sehr einfach. «... Und was hätten denn Sie getan, Herr Leutnant, wenn über Ihnendas Schwert des Damokles" geschwebt hätte?Ein­fach auf 'n andern Platz je fetzt!"

Ziese Altung

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1. Mal 1906

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