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Fulda. Freitan, den 22. Dezemder 1üo5
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Sdfriitletier: 3. Baum; fflr Ne »njetoew Z. par,.»er in SulOa.
Zultzaer 1
Erstes Wlcrlt.
* Die derrtsch-amentanifchen Handelsbeziehungen.
Nach und nach scheint die Hoffnung zu schwinden, daß es noch gelingen wird, den neuen Handelsvertrag zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika vor dem 1. März 1906, dein Termin des Aufhärens des bestehenden Vertrags, zustande zu bringen. Bisher glaubte nmn immer noch, auf amerikanischer Seite werde die Einsicht, daß eine Weiterführung geordneter Handelsbeziehungen für beide Staaten das Ersprießlichste sei, genügend stark sein würde, um die erforderlichen Zugeständnisse für Deutschland zu erwirken. Man scheint sich indessen darin getäuscht zu haben. Es ist nicht nur die grundsätzliche Abneigung des amerikanischen Senats gegen Gegenseiligkeitsverträge im Wege, sondern auch ein scharfer Gegensatz zwischen dem Senat und dein Präsidenten Roosevelt. Dieser Gegensatz rührt von dem Abschlüsse des Vertrages der Vereinigten Staaten mit der Republik San Domingo her, bei welchem der amerikanische Senat völlig bei Seite geschoben wurde.
Jetzt scheint man in Amerika auf die Herstellung eines Provisoriums mit Deutschland hinzuarbeiten. Augeiischeinlich ist man aber davon überzeugt, daß Deutschland sich auf ein solches ohne weiteres nicht einlassen wird. Darum will man uns wcnigstciis „etwas bieten". Weil man den Senat nicht zu Zugeständnissen bewegen kann, beabsichtigt man, die Vestimmungen des Dingleytarifes über die Machtvollkommenheiten des Präsidenten in handelspolitischen Angelegenheiten auszunutzen. Für eine Herabsetzung der Zölle reichen dieselben allerdings nicht aus, wohl aber für die Beseitigung bezw. Aenderung gewisser zolltechnischer Vestimmungen.
Es bleibt erst abzuwarten, ob der Plan drüben eine feste Gestalt annimmt und in die Wirklichkeit übersetzt wird. Ist das der Fall, so ist es an der Zeit, die Frage näher zu prüfen, welche Stellung Deutschland zu der Sache einnehmen soll. Die Entscheidung über diese Frage wird in erster Linie von dem Angebot Amerikas abhängen. Wir leugnen keineswegs, daß eine Erleichterung der Zollbchandlnng für die deutsche Exportindustrie von wesentlichem Vorteil sein würde. Namentlich dann, wenn sich die Möglichkeit ergebe» sollte, den zollpolitischen Chikanen, welche jetzt amerikanischerseits durch die Anwendung bezw. Auslegung der Wertzollbcstimmungen arisgeübt werden, einen festen und sicheren Riegel vorzuschieben.
Eine ganze Reihe deutscher Exporteure haben die Unterbindung dieser Zollchikancn für reichlicher und der deutschen Industrie ersprießlicher, als Zollherabsetzungen erklärt. Man hat behauptet, die deutsche Industrie könne sich ans die Tauer auch mit den bestehenden hohen Zöllen abfinden, aber sie werde lahmgelegt durch die Anwendung der zolltechnischen Bestimmungen seitens der amerikanischen Zollbeamten. Bis zu einem gewissen Grade mag das zutreffen. Es wird aber, wie gesagt, darauf ankommen, welche Erleichterungen der Präsident Roosevelt schaffen kann und wie die Garantieen aussehen, die er für eine seinen Absichten entsprechende dauernde Aufrecht- haltung dieser Erleichterungen bieten kann.
Da wir bei einem Handelsprovisorium mit Amerika nicht umhin können, diesem unsere Vertragstarife in Form des M e i st b e g ü n st i- gungsverhältnisses zuzugesteben, so wird die Wirkung dieses Zugeständnisses auf den amerikanischen Export nach Deutschland scharf abgewogen werden müssen. Deutschland wird zu prüfen
Wtpf Für das Fruilletou der .Fuldaer Zeitung haben wir das Abdruckrecht von zwei arSHeren Erzählungen erworben, die gewiß den Beifall unserer Leser nnd Leserinnen finden werden: (§i«t Schatten aüf dem Pfode, von H.Eatalina und Auferstehung, von Fe! x Nabor. Beide Erzäh ungen zeichnen sich durch spannende Darstellung der Handlung, durch färbe’-» glühende Schilderungen und scharf charakterisierende Zeichnung der ein meinen Personen ans. Sie gehören gu den besten Erzeugnissen der heutigen Zeitunzser- zählungen auf christlichem Gebiete. Gleich nach Neujahr werden wir mit dem Abdruck beginnen.
Der wrihnachtsbaum.
Erzählung bon A. Straßburger.
1) (Nachdruck verböte».)
I.
Der Dezember hatte rauh begonnen. Es fehlten noch zehn Minuten zu acht Uhr des Morgens, als der Lehrer Scheucrlein in die Schulstube trat. Er war Lehrer der letzten Mädchenklasse einer Volksschule. Etwa die Hälfte seiner kleinen Schülerinnen hatte sich bereits versamnlelt. Freundliche Gesichter empfingen ihn, Helle Stimmen erwiderten seinen Morgengruß.
Scheuerlern war ein junger Mann von 24 Jahren, groß, schlank, einnehmenden Wesens und offenen Angesichts. Jugendlicher Frohsinn lag sonst auf seinem Angesicht, heute war sein Auge trübe. Er stand am Ofen. Eins der Kinder nach dem andern trat in die Stube und ging, ihn grüßend, an ihm vorüber. Wie dürftig war doch manches Kind gekleidet.
Hier hatte eines ein leichtes, halbzerrissenes Mäntelchen übergezogen, dort war ein anderes nur mit einem kleinen, dünnen Tuche gegen die Kälte geschützt. Wie zitterte und bebte manch armes Kind, das aus einer entlegenen Gasse daher gekommen war! •
hoben, ob das amerikanische Zugeständnis wenigstens einigermaßen gegenüber den Konzessionen von deutsch. Seite ins Gewickt wird fallen können. Es wäre voreilig, ein Provisorium unter allen Umständen und von vornherein von der Hand zu weisen. Mit der Annahme, daß w i r einen Zollkrieg mit Amerika leichter ertragen können, als die Amerikaner, ist es nicht getan. Ein wirklicher Zollkrieg würde deut Handel beider Länder zweifellos bedenkliche Wunden schlagen. Anderseits läßt sich das Bedenken nicht abweisen, daß ein Provisorium, und namentlich ein solches, das gegen den Willen des amerikanischen Senats herbei geführt ist, leicht ein Hindernis für den Abschluß eines endgültigen Vertrages werden kann. „Erfahrung macht klug" heißt es auch hier im Hinblick auf England.
Vorerst ist es aber notwendig, genauere Kenntnis über die Vorschläge Amerikas zu erhalten. Erst dann kann überhaupt die Frage des Provisoriums einer näheren Erörterung unterzogen werden.
Deutscher Keich.
Berlin, den 21. Dezember 1905.
• Tie Hochzeit des Prinzen Eitel Friedrich mit der Heizogin Charlotle von Oldenburg soll neueren Disposi-ionen entsprechend erst in den ersten Tagen des März k. Zs. stattfinden und mcht am Tage der silbernen Hochreit des flauer« paares. Bekanntlich wünscht das Kaiserpaar die silberne Hochzeit in oller Stillennd nur im engsten Famtlieniretse zu begehen, was sich mit dergleich- zeit'gen Hochzeitsfeier des Prinzen Eitel Friedlich nicht hätte vereinigen lassen.
.. lieber geistliche Parlamentarier sprechen verschiedene Berliner liberale Blätter. Sie nehmen als Anlaß dazu eine Bemerkung, welche die .Kölnische Volk-zeitung' an die Mandats- niederlegung des Zentrumsghgeordneten Dekan Bumiiler knupste. Das genannte Blatt hatte gefagt, Dekan Bumiller sei in gewissem Sinne das Opfer seines parlamentarischen Berufes geworden. Die liberale Presse findet darin die „schärfste Kritik" der lleheinabme parlamentarischer Mandate durch katbolilche Geistliche und erklärt es weder im Interesse der parlamentarischen Vertretung des Zentrums, noch des illarlamentarismus ßberhaupt gelegen, daß so viele katholische Geistliche Mandate übernähmen und gar Dovpelmondate. Wenn sich die liberale Presse doch zunächst nicht den Kopf des Zentrums zerbrechen wollte über die Frage der Zusammensetzung des letzteren! Was hinsichtlich der „parlamentarischen Ueberlaftung" für die katholischen Geistlichen gilt, gilt zweifellos auch für Gymnasiallehrer, Volksfchullehrer, Richter u'w. Wären die Bedenken der liberalen Bläßer berechtigt, so müßte der Reichstag schließlich aus lauter Rentnern bestehen, denen sich vielleicht noch einige Budiker angliedern könnten, die leicht für Vertretung sorgen können. Wie geben zu, daß zahlreiche Parlamentarier überlastet find, aber das ist eben die Folge des Mangels an Männern, die geeignet und imstande sind, ein parlamentarisches Mandat zu übernehmen. Wandel kann hierin nur die Gewährung von Diäten schaffen. Wenn d e ,Vossische Zeimng', wie sie es in letzter Zeit in etwas auffälliger Weite häufiger getan hat, anch hier den Ober« landeSaerichtspräsidenten Dr. Spahn htneinzieht, so sinden wir das durchaus ungehörig und hinfällig.
Wohl Euch, ihr armen Kinder, dachte der Lehrer, daß Ihr hier eine freundliche, warme Stube findet, manches von Euch würde vielleicht zu Hause frieren müssen. Er sah nach dem Fenster, das schon bald abgetaut war. Ein kalter Nordwind trieb die Flocken heftig gegen die Scheiben. Und er gedachte der Not der Armen in dieser trüben Jahreszeit und recht weh ward ihm ums Herz. Da kam die kleine Elise, die artigste und fleißigste Schülerin seiner Klasse. Es war an Geist nnd Leib ein herrliches Kind. Wie ein betender Engel saß sie stets da in der Reliaionsstunde, ihre Blicke hingen an des Lehrers Angesicht, wie die goldenen Bienen hängen an der Blume im Mai. Tiefe Innigkeit leuchtete ans ihren großen, von dunkeln Wimpern beschatteten Annen, ihr Angesicht war dem Frühlinasmoroen gleich, der uns zur Freude und doch auch zur Andacht stimmt. Aber wie sah heute das Kind ausl Schnee lag auf dem schwarzen Köpfchen, die Händchen waren feuerrot, die Wangen und Lippen blau; das Kind bebte vor Kälte.
Der Lehrer hätte dem armen Kinde gern die Hände erwärmt in den seinen, aber er tat es nicht, denn er hatte ia alle anderen Kinder so vorübergchen lassen, und er wollte durch solche Auszeichnung eines Kindes den andern nicht webe tun. Gerade in solchen Dingen war er äußerst zurückhaltend gegen die Kinder, und diejenigen seiner Schülerinnen, die ihm die liebsten waren, mochten kaum etwas davon nicrfen. Sein ernstes Streben, das bcilige Gebot der Gerechtigkeit nicht zu verletzen, bewirkte es sogar, daß er gegen die, denen er im Herzen am meisten zugetan war, eine größere Strenge walten ließ, als gegen die übrigen. Elise ging vorüber. Ernst und milde hatte er ihren Gruß erwidert.
Er blickte ihr nach. Da sah er, daß sie zerrißenes Schuhwerk anhatte. Er rief sie zurück.
„Kind, Dir kommt der Schnee in die Schuhe?" sagte er im fragenden Tone.
Sie bejahte e8, indem sie die Augen niederschlug. Auf feine Frage, wann sie aufgestanden
\ Tie Gewährung von Reichstagsdiäten kündigt die ,Rall. Surr/ alS ziemlich ausgemachle Sache an. Sie deutet an, die bisherige Verweigerung von Diäten sei namentlich dem Einflüsse eines konservativen Reichstagsmitgsiebes zu verdanken gemeien, der an der entscheidenden Stelle im Sinne der Versagung eines Zugeständ- nisies an den Reichstag wiederholt in die Wag. ichale fiel. Im Zusammenhang mit der jüngsten Kontroverse zwischen dem Grafen Pofadowsky nut dem Grasen Siol! erg-Wernigerode im Reichs, tage tritt die .Rat Korr/ der Meinung entgegen, als ob der Staatssekretär des Innern ein Gegner der Gewährung von Diäten an den Reichstag sei. Staatssekretär Graf Posadowsky fei schon vor Jahr und Tag für Bewilligung von Diälen an allen den Stellen mit dem denkbar größten Rachdruck eingetreten, an denen er Einfluß aus- zuüben berechtigt und verpflichtet sei. Indem das nationaüiberale Parteiorgan auf die Meldung zurückkommt, welche die Berufung des Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Spahn aus Kiel zum Reichskanzler mit der Diätentrage in Verbindung brachte, erklärt es, die Diäten würde kommen, mit oder ohne Herrn Dr. Spahn. Das glauben auch wir; denn »n der Tat läßt sich eine ersprießliche Fortführung der parlamentarischen Geschäfte und damit der Reichsgeichäfte ohne Diäten nicht mehr denken. Die ,Ratl. Koir/ sollte aber nicht vergessen, daß Herr Dr. Spahn namens des Zentrums besonders nachdrücklich für die Gemähruna von Diäten eingetreten ist.
* Tie deutsch-russischen Beziehungen scheinen,' wenn man einer Berliner Korrespondenz Glauben schenken darf, eine leichte Trübung erlitten zu haben und zwar infolge eines taktlosen Artikels der ,Rowoje Wremja' gegen den deutschen flaiier» bos. Die Berliner Korrespondenz will wissen, baß Herr x>. Schoen, der in den nächsten Tagen seinen neuen Posten als deutscher Botichaster in St. Petersburg antreten sollte, vorläufig nicht abteifi; vielmehr hat er Vorkehrungen geh offen, fein vorübergehendes Domizil in einem Berliner Hotel mit einer Sradkwshrmng zu vertauschen. Die Verzögerung in der Abreise des neuen Botschafters flehe in Zusammenhang mit den erwähnten Än- griffen der »Rowoje Wremja'. Botichaster v. Schoen werde seinen neuen Posten nicht früher anhelen, bis diese Angelegenheit zur Zufriedenheit der deutschen Regierung geregelt sei. - Wir können uns nicht denken, daß die Regelung längere Zeit beanspruchen wird, da die Beziehung zwischen den Höfen von Berlin und Petersburg bekanntlich bis jetzt die besten waren.
* Tie Unruhen in Sachsen haben in der Scharfma herpreffe mehrfach den Wunsch nach einer Verschärfung der bestehenden Gesetze gezeitigt. Diesem Wumche wird halboffiziös entgegen« getreten. Die ,B P. 9L' führen u. a. aus, die Reichsregierung habe im vollen Bewußifein ihrer Verantwortung nicht nur ihre fozialreoolntionäre Bewegung nach allen 'Richtungen verfolgt, sondern auch vor allem die Frage sorgfältig geprüft, ob ihre jetzigen Vollmachten zur wirksamen Verhütung und Bekämpfung revolutionärer Ausschreitungen, welche Form sie immer annehmen möchten, ousreichen. Man könne überzeugt sein, daß diese Prü'ung zu einem positiven Ergebnis geführt habe. Unter den Voraussetzungen straffer und energischer Anwendung reichten unsere jetzigen Einrichtungen aus, um allen revolutionären Versuchen, insbesondere denjenigen von gemeingesähr-
fei und was sie heute schon gemacht habe, erfuhr er folgendes: Um "Vjo Uhr toar sie von ihren Pslegccktern geweckt worden. Bis y27 Uhr hatte sie spulen müssen. Dann war sie zum Bäcker, zum Kaufmann nnd znm Höcker geschickt worden.
Der Lehrer nahm einen Zettel aus der Liste, schrieb einige Worte darauf und gab ihn dem Mädchen, indem er ihr einen Schuhmacher nannte, dem sie denselben abgeben sollte. Das Kind nahm den Zettel und ging. Der Lehrer hatte dem Schuhmacher geschrieben, er solle dem Mädchen sogleich ein Paar fertige Schuhe aus seinem Vorräte auf seine Nechnuna anpassen.
Nur eine geringe Beruhigung gewährte es seinem Gemsite, einem armen Kinde durch diese Gabe eine Wohltat erweisen zn können. Die Richtung seiner Gedanken auf die trostlose Lage der Armen blieb dieselbe.
Wann wird's besser werden auf Erden? dachte er bei sich selbst. Mit Gewalt? Er schüttelt sein Haupt. Nur die zunehmende Liebe kann bessere Zustände Hervorrusen. Und Engel sind schon von Gott gesandt, Stimmen edler Menschen, Gedanken aus glühender Brnst, die laut auffordern zur Liebestat. Und plötzlich gedachte er eines Gedichtes von Hebel: Mitleid im Winter. Wie die mahnende Stimme eines Engels tönten die Verse durch seine Seele:
„In meinem Stübchen ist's bequem,
Jst's lieblich, hübsch und angenehm. Doch manche Mutter, Gott erbarm l
Nimmt's Kindlein nackend auf den Arm.
Sie bat kein Hemd, bört's kläglich schrei'» Und wickelt's in die Schürze ein.
Sie hat fein Holz, sie hat kern Brot,
Und klagt dem lieben Gott die Not.
Friert's noch so stark, das Mutterberz Taut doch die Tränen auf in Schmerz.
Der Winter ist ein tauber Mann:
Wer nimmt sich wohl der Armen an?
Geh hin und bring der armen Seel'
Ein weißes H-md, ein Sacklein Mehl, Ei» Bündchen SoU. und sag' ihr dann.
sicher Art wirksam entqegentreten zu können. Dafür, daß die bestehenden Gesetze energisch und mit voller Strenge -ur Anwendung geb.acht würden, fei naiütsich Fürsorge getroffen. Ebenso sei dafür geiergt, daß, fobald sich die Wotroenbigfeit energischen Eingreifens ergeben sollte, dies rechtzeitig und mit Rachbruck geschehe. Auch ohne daß die Klinke der Gesetzgebung ergriffen werde, seien daher alle Vorkehrungen getroffen, vm die Sicherheit, Ruhe und Ordnung in unserem Vater« lande gegenüber revolutionären Versuchen jeder: Art voll au'recht zu erhalten. — Auch wir meinen» *>aß eine eneigifdje Anwendung der bestehenden Gesetze ausreicht, um Ruhe und Ordnung bei uns zu verbürgen.
* Die Betriebsergebnisse der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschnft bclieien sich int November aui insgesamt 139 .1)8000 Mk., das sind mehr gegen den gleichen Monat des Vor« »ahres 8680000 Mk. Davon entfielen auf den Personen- und Gepäckverkehr 31404 000 Mark (4- 1 »87000 Mack , auf den Güterverkehr 983060 0 Mark (+- 5772000 Mark). In der Zeit leit Beginn des Rechnungsjahres betrugen die Einnahmen 115512 000 Mark (4- 63720000 Mark). Davon entfielen aus den Personen- und Gepäckverkehr 31207a 000 Mark (-H 21 334000 Mark), auf den Güterverkehr 746633000Mark (+ 39003000 Mark). Die starke Zunahme des Güterverkehrs ist auch ein Zeichen des andauer nden roirtf.fa’tlidien Aufschwunges.
* Die deutsche Mittelstands - Bereinigung hat an das preußische Herrenhaus eine Petition gerichtet, worin um die Wiedereinbnngung und Annahme des Gesetzentwurfes zur Abänderung der Wacenhaussteuer ersucht wird, der bekanntlich vom Herrenhanse abgelehnt war. In be* Pension ist besonders auf die Gefahr htugewiesen, in ber sich bie Menscheumaffen beim Ausbruch eines Feuers in den großen Warenhäusern be finben, um Anregung zur Abänderung der bau- poiizeilrchen Boischristen zu geben.
* Die Entschuldung der Landwirtschaft-, Der in der Thronrede angel ünbigte Gesetzentwurf über bie Entschuldung der panbrv'rtschaft soll Blättermeidimgen zufolge dem Abgeordneten häufe sehr bald nach der Meihnachtspaufe zu- gehen.
§ Das Gesetz über bie Anlegung und Veränderung von Straßen rrnd Plötze» in Stabten unb ländliche» Ortschaften vorn 2. Juli 1875 ist verschiedentlich dahin ausgelegt worden, baß bie Polizeibehörben sich bet Erörterung des Baugesuchs allein auf eine Prüfung nach ber Richtung zu beschränken haben, ob den baupolizeilichen Vorschriften genügt wirb. Ein Erlaß bes Ministers ber öffentlichen Arbeiten unb bes Ministers des Innern erklärt diese Auslassung für unzutreffend. Die polizeiliche Erörterung des Baugesuchs habe sich Nicht nur auf die Prüfung ber baupolizeilichen Bestimmungen zu beschränken, jonbetn habe sich, unb zwar in erster Linie auch auf bie verkehrspolizeisichen Rücksichten zu erstrecken, denn bas polizeiliche Interesse werbe in ber R gel barauf Hinweisen, bei beiartigen BautenbieInnehaltung der Fluchtlinien zu jotbem, nicht aber beten Ueberschreilnng zu begünstigen.
* Eme neue Bernstein-Frage scheint sich in ber Sozialbemokiasie anzuspinnen. Die Berliner Miigsieber des Vereins Arbeiterpresse haben wieder eine großartige Erklärung gegen den Partei-Vorstand im ,Porwärts^Konslikt be«
Daß sie auch zu uns kommen kann.
Um Brot zu holen immer frisch,
Unb dann deck auch für uns den Tisch.
Solche Gedanken, sagt er fick, müssen verbreitet werden, und — da kam ihm plötzlich ein Gedanke in die Seele: Dies Gedicht soll abgedruckt werden in einer der größten Zeitungen, dann fliegt es dahin noch Nord und Ost, nach Sud und West und klopft mit seinem mahnenden Wort an tausend von Herzen anl Und gerade jetzt in den kalten Tagen, jetzt wirb es wirken.
Die Uhr schlug vom nahen Turme acht. Scheuerlein begann seinen Unterricht, bald darauf kam Elise. Sie gab dem Lehrer die Hand unb dankte mit leiser Stimme. Ihr Gesichtchen hatte die Freude errötet, eine innige Freude glänzte aus ihren Augen. ,
Um zehn Ubr versammelten sich die Lehrer m einer Klasse. Scheuerlein kam mit dem Gedichte in der Hand zu ihnen. Er bat, es vorlesen zu dürfen, da er in Bezug auf dasselbe eine Bitte habe. Als er gelesen batte, sagte er: „Liebe Freunde, mein inniger Wunsch wäre es, daß das Gedicht in der Zeitung abgedrnckt würde. Dre Zeitung bat mindestens zehntausend Abonnenten. Nach Berechnung wird jede Zeitung von zehn Menschen gelesen. Das Gedicht würde also von etwa hunderttausend Menschen gelesen werden. Ich habe die innige Ueberzeugung, daß von je hundert Lesern gewiß einer durch dies hcrrlime Gedicht zu einer milden Tat gegen Arme bewegt wird. Wäre die Rechnung richtig, so wurden im ganzen tausend Menschen für eine Liebestat gewonnen werden. Nun habe ich berechnet, daß dre Jnsertionskosten etwa 2 <Al betragen touroert. Wir sind unser zehn Lehrer tn der Schule. Wie wäre cs, liebe Freunde, wenn wir uns entschloßen, jeder' 20 Pfg. für diese» Zweck zu verwenden? — Alle griffen nach der Börse und legten ihre Beiträge in die Hand des Lehrers
Am nächsten Tage stand das Gebuht tn der Zeitung. Scheuerlein halte schon früh am Mor- gen nachgesehen. Gehe hin in alle Welt! sagte