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Betatienbrutf il Verlag oet > uDaei He» litnbrnierti i# Silbe. $ernpte her Nr 1.

Fulda, Donnerstag. den 21. Dezemder

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3 >. Jahraang.

Zweites Mt'att.

" Aufilaruugen über Versicherungen.

Da» Reichs. AnfüchlS- Amt für Privat »Der» Sicherungen bot kürzlich dem Reichstag eine um« anareiche Denkschrift über seine Tätigkeit im Jahre <904 vorgelegt. Dieser Geschäftsbericht enthält mancherlei Aufklärendes und Beleh.endes. GS fei Mer auf einiges hingewieien.

k.Auswüchse de» Konkurrenzkampfes. ,as Aufsichtsamt ift fortgesetzt genötigt, zum Einschreiten gegen Entstellungen in den für das tlnwerben bestimmten Drucksachen, sei es. baß mein die Einrichtungen von Konkurrenz Gefell- chafien in ein falsches Licht gestellt, sei es, daß n den Anpreisungen der eigenen Leistungen zu .ünstige Angaben gemacht werden In einem Zolle hatte der Agent einer Gesellschaft inseriert, »et dieser werde gegen 2< 'jährige außerordentlich Kluge Iahresprämien eine Versicherung für den todessall gewährt. Ec verschwieg, daß die Zahresprämie für die letzten 10 Jahre unge'ähr os Sechsfacheder ursprünglichenIahresprämie etragen würde

II. Die HeiratS-, Militärdienst« re. Versicherungen. Es wird sestgestellt, daß bei en .Erlebensfall«Versicherungen mit Prämien- zewähr der Versicherte sich in der Regel günstiger stände, wenn er die Versicherungs- Beiträge auf »ie Sparkasse brächte. Er würde Dann 33' Birnen erhalten und könnte sein Geld jederzeit zurücksordern, während die Versicherungs-Gesell- haft ihm nur eine Verzinsung von 23*/, (bei nehreren Anstalten kaum über 2 */,) gewährt und ine frühere als ausbednngene Rückgewährung .r nicht oder nur bei erheblicher Einbuße rnög- sich ist. Das Aussichtsamt hat geprüft, ob diese llersicherungSart nicht ganz zu oer neten sei und at diese F<age verneint, weil es sich sagte, daß egenüber dem durch diese Versicherung geübten Lparzwong der mögliche illachteil in den Hintergiunb trete. Durch ein Verbot dieser Ver« .cherungsart würde nicht ein regeres Sparen erbeigeführt, sondern eine Lücke; denn andere Ii 'rich.ungen, die es dem Publikum ermöglichen, ch durch einen Sparzmang ein gewisses Kapital *ür eine bettimmle Z it (Heirat, Militärdienst rc.) it fitem, gebe es nicht. Das letztere sei für das Publikum aber die Hauptsache und es berechne ind bewerte die Versicherung keineswegs nach »en Prozenten Der Verzinsung.

IIF. Zeitungsabonnentenversiche- rnng aus Rechnung der Verleger. Das äufsichlsamt bedauert es febr das; nach einer Lvtscherdunq des Reichsgerichts die behördliche .ussicht bei bietet Art von Versicherungen nicht forderlich ist. Infolgedessen ist Die Zahl dieser Iniernehmnngen in beständiger Zunahme be- rissen. Fast ausnahmslos gewähren sie eine jeiing bemessene llnfallenischädigung für den (odesiatt. ve«einzelt auch bei gänsiicher Eriveibs« «nfähigkeit. Ein Verleger bat sogar eine Ver- icherunq der Abonnenten gegen Arbeitslosigkeit inretührl. Das Aussichtsamt urteilt über diese »Zersicheiungen, daß sie Den Abonnenten durch- ehends nur einen mangelhaften uiD weise>hasten Schutz gewähren, zumal Da inzelne Verl-ger zu e.ner Auslegung der Ver- cherringsbedingungen neigten. Die nut der ersor- *erlid)en Rücktichlnähme auf die Billig - eit nicht vereinbar sei Dis Aufsichtsamt iflt hier anders ausgedrückt, daß es Verleger ibt, welche die Bedingungen so stellen, daß nicht eicht ein Abonnent d e Prämie bekommt. Wenn »er Verleger Die Versicherung Der Abonnenten iner VeriicherungsgeseU'chast übeiträgt, bessern cb Die Verhälinisse; dann tvw. das A ssichts» echt Der Behörde ein, die dafür sorg, daß keine rnbilligen Bedingungen gestellt werden. Jmmer- in bleibt auch hier dec Rachteil bestehen, daß e Versicherten im Glauben, wirksam versichert i fein, sich leicht von einer anderweitigen Ver- cherunq bei einer Versicherungsgesellschaft ab« alten lassen. Wie das Aufsichtsamt heroorhebl, ird Die Ausdehnung der Abonnenlenversicherung chon j. tzt innerhalb Der Kreise der Zeitung? ver- ger als ein Uebelstand empfunden, da die Rätter sich vielfach nur aus Konkurrenzrücksich* .n gegen ihren Willen zur Gewährung einer Versicherung gedrängt sehen.

IV. Kein Rechtsanspruch auf Die in .«Sicht gestellten Unterstützungen, innrer von neuem begegnet das Aussichtsamt tm 2e-'uche der Kassen, durch Die Ausnahme r Bestimmung:Alle Unterstützungen sind frei* juige ; Den Mitgliedern fleht ein Rechtsanspruch id;t zu*, oder ähnliche Vorschriften sich den Be- immungen des Gesetzes über Die Sicherung Der nfvrüche der Versicherten zu entziehen. Wie kr Geschäftsbericht heroorhebl, erblicken geradezu tche Kassen, die sich an Die wenig bemitte!« en Schichten der Bevölkerung wenden, in ircr solchen Satzungsänderung ein bequemes Siltd, um ungestört Versicherungsgeschäste be« eiben und ihren Mitgliedern für seringsügige, nzulän gliche Woch enbeiträge hohe sterbegelder, Invaliden« und Witwenrenten ver- rechen zu können. Das Aussichtsamt erachtet

er als seine Pflicht, solchen Bestrebungen scharf entgegen zu treten.

V. Die Verquickung von Darlehen und Lebensoeriicherung. Wenn ein Geld- geber mangels anderweiler Sicherheit die Ge­währung eine# Darlehens von dem Abschluß eines Lebensversicherungsoertrages durch Den Schuldner und der Ve pfändung der Police ab­hängig macht, ist das eine Verbindung von Ver« sicherüngs« und Darlehnsgeschäst, die vom Aus­sichtsamt nicht beanstandet wird. Es geht aber scharf gegen eine andere Art Der Verbin­dung beider Geschäfte vor. ES gibt Agenten, die geldbedürstigen Personen ein Geschäft etwa wlgender Art an bieten. Eie sagen ein Dar­lehen von 2000 Mark zu, wenn die Person einen Lebensversicherungsverlrag in Höhe von 10000 Mark abschließt. Der Geldbedürftige hat dann folgende Zahlungen zu leisten: Dar- lehnszinlen für ein Jahr im voraus mit 6 Pro­zent gleich 120 Mark, Verwaltungskostenbeitrag 1 Prozent gleich 20 Mark, Provision l* Prozent gleich 10 Mark, Stempel etwa 10 Maik, zu­sammen 160 Mark. Weiter muß er gleich Die erste Jahresprämie mit 400 Mark entrichten, sodaß er statt 2000 Mark nur 1440 Mark er hält und die Verpflickstnng hat, in den nächsten Jahren neben den 120 Mark Zinsen, dauernd Die 4> 0 Mark Prämie weiter zu zahlen. Wird letztere nicht entrichtet, so wird das Dar lehn rück­fällig und die Versicherung hinfällig oder sie muß stark herabgesetzt werden. Zuweilen wurde neben dem Abschluß des Versicherungsvertrags noch eine Mobiliar Verpfändung, Bürgenstellung, Wechsel «sw. verlangt. Das Aufsichtsamt hat in allen Fällen, wo ihm derartige Machenschaften von Agenten bekannt geworden sind. Den Gesell­schaften aufgegeben, ihren Außenorganen dies zu untetfaaen öder sie zu entlassen. Es wird auch weiterhin sorgfältig darüber wachen, daß der­artige Zuschüsse, die geeignet sind. Die Einrich­tung der Lebensversicherung schwer zu schädigen und in Mißkredit zu bringen, in Zukunft unter­bleiben.

XL Die Schuldverschreibungen von Kirchengenreinden betreffend hat das Aus- sichtsamt entschieden, daß Der Prämienreielve- sonds Der Versicherungen in solchen nur mit Ge- nehmiguna Der Auf sichtsbehörDe erfolgen kann.

V11. Streikversicherung. Der Plan, Streikoersicherungen mit Rechlsspruch zu gründen, wurde Durch . eg aufgegeben, weil Das Aufsichtsamt die Bereitstellung größerer Garantiemitlel und Die unbed ng e Regelung Der Fragen, wann ein Enlschädigungsaisipruch vor­liegt, wie Die Ltieikoersicherung bei Ausspenungen zu behandeln ist u. s. w. verlangte. Die Be­teiligten haben sich mehisach Darauf beschränkt, vorläufig Unterst ützungsvere ine in's Leben zu rufen. Die ihren Mitgliedern einen Rechts­anspruch auf Entschädigung nicht einräumen.

VI I. Privat beamten« Versicherung. Der Bericht gibt eine ausführliche Darstellung der von gewerblichen Unternehmern begründeten Pensionskassen für die sogen. Prioaibeainten. Ein­dringlich werden die Vorzüge, welche solche Kassin gegenüber bloßen Pensionsfonds in sozialer Hinsicht bieten, betont. Schließlich wird sestge- fteUr, Daß Die bestehenden Pensionskaffen in weit­herziger Weise Der Beamtenschaft eine Art Selbst­verwaltung gaben. Wie weit sie sich bewähren und namentlich, ob sie Den finanziellen Ansprüchen, die noch bei keiner Kasse ihren Höh punkt erreicht haben, gewachien fein werden, müsse die Zukunft lehren.

Römischer wochendrief.

[:J Rom, den 18. Dezember 1905.

Fast Die ganze letzte Woche wurde durch die verschiedenen Feierlichkeiten und Zeremonien an­läßlich Der Kreierung der beiden neuen Kardinäle Arcooerde de Albuquerque und Cagiano be A evedo ausgefüllt. Am Mittwoch nachmittag erschienen Die beiden Kardinäle im Konsistortaljaale vor Papst Pius N., um aus seinen Händen die Mai etter und das rote Barett entgegen zu nehmen. In Gegenwart seines Hof­staats, Des Karbinalstaalsselrelärs Uitb vieler Emgelabener hielt Der hl. Vater eine längere Höch t schmeichelhafte Ansprache an Den brasilia­nischen Kardinal. Am nächsten Tage fand im töniglichen Saale des Vatikans baS öffentliche Konsistorium statt, in welchem Se. Heiligkeit den Karbinälen Den großen roten Hut ausietzte. Daran schloß sich ein geheimes Konsistorium zur Schließung nnb Oessimng des Mundes der neuen Kardinäle. vtach bet Anlegung des Kalbinals« ringes verlieh der Papst Dem Kardinal Arcooerde den Presbytorialtilel von St. Boni az und Alexis auf Den: Aventin nnb dem Kardinal Cagiano die Diakonie von St. Cosmcr und Damian auf Dem römischen Forum. Außerdem wurden noch 11 Bischöfe, Spanier unb Südamerikauer nnb einer auf Den Philippinen ernannt. Dann empfing Pius X. die neuen Kardinäle in feier­licher Audienz. Am Nachmittage fand die Zere­monie Der Ueöergade Der Kardinalshüte an die neuen Inhaber statt und zwar für Den Erz­bischof von Rio De Janeiro im Hause des bra­silianischen Gesandten und für Den früheren Majordomus in dessen bi. heriger Dienstwohnung

im Vatikan. Den Hut über brachte eine Depu­tation, bestehend aus den Giiarderobier des Papstes, dem llntergua'derobier, forme einem Bussolanterr, wobei Ersterer als Ablegat Seiner Heiligkeit eine vom Kardinal erwiderte An prache hielt urb mit beförderen Ehren be­hände t wurde. Viele Eingelaiene wohnten diesen beiden Zeremonien bei. Am Mittwoch bereits hallen Die hier Anwesenden unter Den neuernannten Bischöfen vor Dem Vizekanzler Kaidinal Agliardi den vorgeschriebenen Eid ge- leistet unb aut Samstag empfingen sie aus den Händen des Ersten Kardinaldiakonen Macchi in dessen Privatkapelle die Pallien (soweit sie, wie die Erzbischöfe ein Recht darauf besitzen). Die Anwesenden ließen sich bei dieser Zeremonie durch ihre Piokuraloren r rtreten; unter diesen auch der Eizdischol Netzhammer von Bukarest. Gestern nun tauschten die neuen Kar­dinäle Besuche mit ihren älteren Kollegen aus und empfingen zum Teil deren Gegenbesuche. Es folgt nun noch die Zeremonie der Besitzergreifung Der betreffenden Kirchenutek und Damit werden Die vielen Kardinalsseiern ihr Ende erreicht haben.

Der biasitianische Kardinck wird noch zwei Monate im Rom bleiben, um noch einige wichtige Angelegenheiten zwischen Dem apostolischen Stuhl unr der großen fübamerikanischen Republik zu ordnen.

Das BeneDiktinerkollegium von St. Anselm auf dem Aventin birgt gegenwärtig in­teressante unb liebe Gäste: ben soeben aiis Afrika zurückgekehrten Generalsnperior ber St. Benedikius-Mlisronsgenossenschait, Abt sJlorbert Weber von St. Ottilien, beffen Sekre' "r I*. Cyrill Wehrmacher, sowie fen Sn;warzen Sapi, den Sohn des großen Wahehe-Su tuns Ottawa, welcher vor etwa 10 Jahren beim Ausstand in Uhehe eine große Rolle spielte und später hin­gerichtet wurde. Ter junge 18jährige Mann geht zu seiner Erziehung nach St. Oltihen. Vor­gestern wurden Die Drei vorgenannten vom hl. Übtet in Privataudienz empiangen. Abt Weber, welcher sich trotz Der in Afrika ausqestandenen Lebensgefahren und Der anstrengenden Reisen des besten Wohlseins erfreut, hatte Die Freund­lichkeit, mir viel von Den Ergebnissen und Ein­drücken seiner halbjährigen Visilationsreise Durch feine Afrika-Mi fronen zu er-ählen. Bekanntlich wurden Die meisten Der Msssionsflationen durch Die Aufständischen zerstört. In bezug aus bie gegenwärtige Lageber bort iqen Miss tonen äußerte /Der Abt, welcher am 20. November von Tar-es-Salaarn abgereist war, sich folgender­maßen : -Die Stationen Dar-es-Salaam unb Kurazini sind völlig sicher; Kwiro im Mähen w- Gebiet ist verlassen; pie Mission in der von den Ausständischen sehr bedrängten Mililärslation Mahenge kann indess.n von der Küste ans ver­proviantiert werden; Die Uhehe Stationen Tosa- maganga und Vkudibira sind ziemlich sicher, doch nicht ganz außer Gefahr. Im Ungoni- Gebiel Dürfte es noch ein Jahr Dauern, bis Die gegenwärtig am Nyassa-S?e wartenden Missio­nare ihre Tätigkeit wieder beginnen können. Im Lindt Hinterland hoffte man bisher mit Weih­nachten beginnen zu können, doch lauten Die letzten Nachrichten ungünstiger, lieber Den Tod des Bischofs Cassian Spitz äußerte Der Abt sich dahin. Daß Derselbe nicht in Rechnung gezogen habe. Daß der sich ihm gegenüberstehende Stamm gar feine Beziehungen zu Den Missionen hatte und bie dortigen Missionare gar nicht einmal kannte; unrichtig sei es jedoch, dem Bischof die Schuld am Falle von Liwale beizumessen: d ese Station wurde am 14.Augltit, eher fraßet noch, überfallen, während Der Bischof am 14. August 12 Wegstunden östlich von Li reale ermordet rouibe. Daß dieser sich durch Warnungen seitens Der Behörden nicht abhasten ließ, ins Innere zu reifen, sei durchaus kein Be« weis, daß er bie Eingeborenen nicht genügenb tonnte. Selbst viele deutsche Offiziere dachten um diese Zeit Durchaus an keinen Aufstand, lieber» Haupt sei letzterer nur von ben Häuptlingen au- gezettelt worden; die Bevölkerung sei Durchaus friedlich gesinnt gewesen; erst später sei dieselbe Durch allerlei abergläubische Zauberei in ben Ausstand mit hinemgezogen worden. Dieser werde sicherlich niebergeroorfen, doch läge Die Gefahr nahe, Daß Die Eingeborenen in das benachbarte portugiesische Gebiet zögen unb Den Deutschen eine memchenleere Wüste zurücklreßen.

Kl. c. Seine Weihnachten.

Von Henriette Veth.

(Nachdruck verboten)

Das sonst so gemütliche Gastzimmer d'sSil­bernen Engels" war heute öde und verlassen. War es doch Weihnachtsabend und jeder weilte im eiae- nen Familienkreise, um daheim da2 schönste aller Feste zu feiern. Und wer selbst keine Familie hatte, war von Verwandten oder Bekannten ein« geladen.

Herr Philipp Solfcrt aber war nirgendwo ein« geladen. Er hatte keine Freunde, die ihm nahe ge­nug standen, daß ihnen seine Einsamkeit am hei­ligen Abend leid getan hätte. Er saß in feiner gewöhnlichen Ecke am Stammtische und blickre trübe vor sich hin. Der Kellner hatte längst die Mahlzeit abgeräumt und ivariete hinter dem

Bufett, ob sich der späte Gast nicht bald enssccue. Aber Herr Solfcrt schien noch nicht au'» Fort- gehen zu denken; er kam immer noch früh g< aug in fein kaltes, leeres Zimmer, wo niemand ihn erwartete und willkommen hieß.

Er fühlte den Blick des Kellners auf sich ge­richtet und griff nach der Abendzeitung. Aber seine Gedanken gingen immer wieder ihren eiae- neu Gang und bald ließ er das Blatt sinien und blickte träumend ins Leere.

2i?e"'aiTilcn: Vi- l ie Erinnerungen aus ihn einstürune. f ".k* *'< schmerzlichel Tie Vergan­genheit schien wieder lebendig zu werden. Er durchlebte ini Geiste noch einmal die glücklichen Jahre seiner Kindheit, die ernsten, strengen des Studiums. Tann war eine harte Zeit gefolgt, die des Ningens um eine Existenz, bis er endlich im städtischen Orchester die gutbesoldete S'.ellc des ersten Geigers erhielt. Und endlich kam ein wun­derseliges Weihnachtsfest. Denn die Liebe war in sein Herz ei.igezogen und an einem Weihnachts­abend war es geivesen, als er neben der blonden Magdalene am Fenster stand und in die Sternen­klare Nacht hinausschaute, die erfüllt zu fein schien von Jubel und Weihnachtsglockenklang. Da fragte er sie zaghaft, ob sie sein liebes Weid sein wolle. Mit feuchten Augen blickte Magdalene zu i.'uu auf; dann lehnte sie den Kopf an seine Schultern und' flüsterte ihm zu, daß sie ihm schon lange gut fei..

Sie waren beide unbeschreiblich glücklich, so, glücklich, daß Magdalene oft fürchtete, dieses Glück könne nickt ungetrübt bleiben. Und ihre Ahnung trog sie nicht. Noch ehe der Hochzeitstag festgesetzt war, starb plötzlich ?rhilipvs Vater, seine Familie in Dürftigkeit znrücklassend. Ihm als dem öftesten, Cohn fiel die Sorge für die gebeugte Mutt r tinbf zwei Brüder zu. Wie hart der Seh lag auch roae/ wie schwer es wurde, das eigene Glück zu opfern, sowohl Philipp als seine Brant sahen ein, daß! ihre Vereinigung jetzt unmöglich tvar, sie konnt-u« ihre Pflicht und trennten sich.

Philipp Colfert arbeitete nun mit fieberhafter, Tätigkeit; in jeder freien stunde, die ihm feine1 Stellung ließ, gab er Musikunterricht, und bil spät in die Nacht hinein kopierte ec Noten. End- sich nach fünf Jahren hatte er ber geliebten Mut­ier ein behagliches Heim gesichert und für daZ Fortkommen der Brüder gesorgt. Und fünf lauge, Jahre hatte Magdalene in geduldiger Treue aus- geharrt. Nun durften beide an ihr eigenes Glück denken! Ein freudiger Schimmer lag jetzt bestän­dig ans deS Mädchens schmal und blaß gewordenem Gefickt. In der Woche vor Weihnachten hatten^ sie zusammen die Ausstattung für das neue Henn, ausgesucht. Magdalene bat»" erkältet und klagte über Müdigkeit und Kopfweh. Schon am folgenden Tage konstatierte der Arzt Lunaeneut- zündnng und am Weihnacktstaae lag Philipp Solfert in dumpfer Verzweiflung über den Snrjl sein"r Braut hingeworfen.....

Zehn Jahre waren seit jener Zeit vergangen,! ober noch preßte die Erinnerung daran ihn b'5- Herz in tiefem Weh zusammen, und am We:h-^ nachls-bend wachte der alte Schmerz mit doppelter, Gewalt auf. '

Sol-ert tror nun still und einsam.geworben." Durch fein dunkles Haar zogen sich bereit? ein­zelne S'lberfäden. Die Mutter war langst ge­storben, die Brüder tvaren in Amt und Stellung. S:e holten eine eigene Familie gegrüi'det und ihn veraessen, al? sie seiner nicht mehr bedurften. Er allein war übrig, unbeachtet, unvermisft, von nie­mand mit fronen, hellen Rl'cken empfangen!

Lanasom faltete er die Zeitung zusammen und fuhr mit der Hand über die Stirne. Dann stand er auf, nahm mechanisch seinen Hut und trat in das helle Booenlicht der Straße hinaus.

Rechts und links aus den Häusern dranoon frohe Kinderstimmen, heller Jubel, fromme Weih­nachtslieder. Ja, alle tvaren so froh und gliickliät, nur er nicht!

Am Einoong einer schmalen Seitenstraße stand er lauschend still, denn er glaubte die Töne einer Geige zu vernehmen. Ja. g locken klar klang die alte, herzinnige Wcihnachtsweise an feilt Ohr. Er ging dem Klange nach und stand bald vor einem elenden, niedrigen Hänschen. Durch die schlechtschlictze-den Fensterladen k lickte er ins Innere und seltsam ergriff ihn das Bild, das sich ihm bot. Fm Lehnstuhl am Ofen faß eine Greisin, die ßänbe o.ndöcktig im Schoße gefaltet. Einen froimnen, friedlichen Ausdruck in den gefurchten Zügen, schaute sie liebevoll auf einen dunkelhaari­gen dtoo zwölfjährigen Knaben, der mitten tirt Zimmer stand und ans der (Seine spielte. Es war rin schlich!cs Lied, aber so silberrein und klor, so innig imd ausdrucksvoll, daß der ^^usckier draußen sick staunend faate, der Knabe sei e-'t geborener Künstler. Nach einigem Zögern trat er ein. ,

Entscknldiot. ante Fran", faate er, als die Greisin ciftount aufblickte,ich hörte spielen und ba ick selbst Musiker bin . . . mein Kind, von w-m, host Du Unterricht gehabt?" fragte er dann hastig. Der Knabe antwortete nickt, die Auoen weit ge­öffnet, mit etwas vorgeneiatem Kopf, blickte er gradeans, und nnn erst sah Herr Solsert, brß e; blind trar! Ergriffen wandte er bch mit stummer Frage an die Frau. Sie nickre und fagte ha int:

'S ist mein Enkel, die Geige hat er von feinem Vater geerbt, der ihm auch bett ersten Untenickt peacben hat. Aber er ist lauge tot, Goli fei? geklagt, und nun hat der arme Ale, niemanden, denn ich bin zu arm, ben_ teuren Musikunterricht zu bezahlen. Und er kramt firn dorum, fein Herz hängt nnn emmal an der Mupr, nicht wahr Stier, mein L'rhli"al Ach Gott, 's ist ja auch sein einziges", schloß sie trübe, sich dw Armen trocknend.

Knabe kam tastend naher.Können Sre Geige . elen?" fraotc er zagend.

Ja, mein Kind", antwortete SclKrt und nahm ihm die Violine ans der Hand. Er spielte